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Leselupe.de > Kurzprosa
veicolo rotando - die autostrada bei Genua
Eingestellt am 17. 04. 2001 09:51


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Rainer Hei├č
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Veicolo rotando - die Autostrada bei Genua

Man kombiniere die italienische Kunst der Spagettiherstellung mit dem dortigen Stra├čenbau, heraus kommt der Beton gewordene Alptraum bei Genua. Da w├╝nscht sich der braungebrannteste Ferraristo heim zur Mama.
Genua hat dort, wo es sich befindet, absolut nichts zu suchen. Hier machen die italienischen Alpen einen Knick nach Osten, um dann mit dem nordwestlichsten Teil des Apennin die Po-Ebene im S├╝den an der ligurischen K├╝ste abzuschlie├čen; sprich: gebirgig geht`s zu rund um Genua. Diesen Voraussetzungen zum Trotz musste sich nat├╝rlich ausgerechnet hier der gr├Â├čte Hafen Italiens entwickeln, wo nun wirklich kein Platz daf├╝r da ist. Keine Frage, so ein Hafen braucht eine Stadt au├čenrum, die Stadt eine Stadtautobahn und sp├Ątestens hier beginnen essenzielle Probleme. Bereits die Stadt selbst wirkt wie von Kinderhand errichtet, da statische Probleme bei der Expansion der Armenviertel hangw├Ąrts v├Âllig ausgeblendet wurden. Die H├Ąuser stehen zehnst├Âckig und verrostet - ja, hier rosten gegen alle Vernunft sogar die H├Ąuser - im Steilhang, um, so denkt man beim ersten Anblick, im n├Ąchsten Moment ins Meer hinab zu purzeln. Was hier so niedlich klingt ist in Wahrheit nat├╝rlich eine Katastrophe. Vorher aber ist`s moderner St├Ądtebau, der die Topografie verspottet. So weit, so irreal, so italienisch (oder welche Nation schafft es noch, f├╝r eine simple Kreuzung zweier Landstra├čen mehrere Hektar Landes zuzuasphaltieren? Bewerbungen an mich).
Der Gipfel der Ignoranz ist dann aber die Stadtautobahn. Im Nordwesten geht sie ohne irgendeine L├Ąrmschutzma├čnahme mitten durch ein Wohngebiet, hier zollt wohl die vor allem akustische Gestaltung des italienischen Familienlebens der Infrastruktur ihren Tribut; (wer eh schon st├Ąndig pl├Ąrrt, kann auch gegen eine autostrada vor der Haust├╝r nichts haben). Folgt man dieser Stadtautobahn ostw├Ąrts - wichtige Verkehrsverbindung Turin (Fiat) - S├╝ditalien (Fiatfahrer) - so liegt sie nun weiter von der K├╝ste entfernt, oberhalb der Stadt, ├╝ber den zahlreichen Armenvierteln (besteht ganz Genua nur aus dem Hafen und Armenvierteln?). Der Blick rechterhand geht hinaus aufs azurblaue Meer; herrlich, w├╝rde uns nicht die Tatsache ablenken, dass man sich auf einer schmalen, br├Âseligen Stra├če mit Stelzenpfeilern, die seltsamerweise auch ├╝berall Rostspuren aufweisen, in Schwindel erregender H├Âhe befindet. Die K├╝stenlinie hat hier sehr viele Ausbuchtungen, sodass die Autobahn entweder durch Tunnels oder auf Stelzen ├╝ber die D├Ącher der dem Einsturz geweihten Wohnviertel f├╝hren muss. Mama mia!
Doch damit ist`s den Genuesern noch nicht genug. Wir bewegen uns immer noch in ├Âstlicher Richtung, das Meer und die Stadt auf der Beifahrerseite. Jetzt macht so eine Stra├če aber nur dann Sinn, wenn man sie beizeiten verlassen kann. Zu diesem Zweck baut auch der S├╝dl├Ąnder Autobahnausfahrten, die sich f├╝r gew├Âhnlich rechts befinden. Hier g├Ąhnt jedoch die Stadt, was also tun? Die Ausfahrt, die jetzt beschrieben werden soll, kann eigentlich gar nicht wirklich beschrieben werden. Einspurig, auf zwanzig Zentimeter "dicken", ├╝ber hundert Meter hohen Stelzen wagt sich hier eine Mutprobe, den Namen Autobahnausfahrt zu tragen. Deutlich schwankt der Magen im Gleichklang mit der Baukunst, direkt neben dem Fahrzeug bedenklicher Weise nichts mehr. So tastet man sich, immer ganz vorsichtig einen Reifen vor den anderen setzend, in einer ewigen Rechtsschleife, die sich in unangemessener Steigung, schlie├člich muss die Autobahn, die man eben verlassen hat, ├╝berquert werden, ├╝ber die zerbr├Âckelnde strada (veicolo rotando). Einspurig bedeutet, dass man reichlich Gelegenheit hat, zu sehen, wo die Reise f├╝r die Ungl├╝ckseligen Nachfolger endet, die hier einst mit allem anderen in die Tiefe krachen werden. Denn zusammenbrechen, einst├╝rzen wird`s, ins Meer hinab geht`s hier mit Sicherheit in naher Zukunft.
Was dieser Bericht mit einem normalen Reisebericht gemein hat? Gar nichts. Denn in der Regel folgt am Ende stets eine Beschreibung, wie und wo das besagte Objekt zu finden ist nebst einer Empfehlung, sich das Ganze doch dringlichst anzuschauen. Ich rate unbedingt davon ab, nur in die N├Ąhe von Genua zu fahren, da die einheimische Beschilderung jeden Unkundigen sicher auf die zahlungspflichtige Autobahn f├╝hren wird, wo der Tod lauert. Also: umfahren sie Genua gro├čr├Ąumig, am besten ├╝ber die Route Mailand - Piacenza - Parma - La Spezia. Zwischen Parma und La Spezia erwartet sie dann zwar der Cisapass, aber erstens ist der nicht auf hauchd├╝nnen Stelzen errichtet und zweitens bringt ein jeder, der sich mit dem Auto auf italiens Stra├čen (Neapel!) wagt, von Haus aus eine gesunde Portion Selbstvertauen mit. Schmalstm├Ąandernde italienische Gebirgsp├Ąsse wird er daher schon schaffen, die Stadtautobahn von Genua auf keinen Fall!



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flammarion
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vielen

dank f├╝r die freundliche aufkl├Ąrung. ich bin sowieso nicht der typ, der sich hinters steuer setzt, aber jetzt krieg ich schon das zittern beim gedanken an eine stra├če! lg
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Old Icke

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Rainer Hei├č
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nur ├ľsterreich ist noch krimineller!

Hallo oldicke,

mir ist bisher nur eine Autobahn begegnet, die noch krimineller ist: In K├Ąrnten (wo genau ist mir leider entfallen) gibt es eine Autobahn, die mangels Platz die Ausfahrt links hat! Ohne Witz!
Ich w├╝nsche dir, dort nie hin zu m├╝ssen -
Gr├╝├če Rainer
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Willi Corsten
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Hallo Reiner

hab noch mal in den alten Sachen gebl├Ąttert und deinen Text gefunden. Sehr anschaulich geschrieben!
Lange nichts mehr von dir geh├Ârt. Sonst noch alles klar?
Liebe Gr├╝├če senet
Willi

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Rainer Hei├č
Hobbydichter
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jetzt schon wieder!

Hallo Willi,

danke der Nachfrage, ich war arbeitsbedingt etwas lupen-unt├Ątig. Wird sich aber voraussichtlich demn├Ąchst ├Ąndern; am Sonntag geht`s n├Ąmlich los, Stoff f├╝r neue Berichte ala veicolo rotando zu recherchieren.
Gr├╝├če, Rainer
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