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Leselupe.de > Kurzgeschichten
verliererskizzen 2
Eingestellt am 11. 10. 2003 11:31


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Thorsten Sylla
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2003

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Salat mit Schinken

Als Paul noch ein Kind war, musste er immer mit seinem Opa in den Stall gehen. Dort wurden Kaninchen get├Âtet und ihres Felles beraubt. Opa war immer sehr stolz auf die sch├Ânen, warmen Felle, die in seiner Wohnung dann sogar, wenn das Fell ausgesprochen sch├Ân war, die W├Ąnde zieren durften. Oma machte dann immer leckeren Braten, worauf sich die ganze Familie freute, die keinen Pfifferling darauf gab, zu erfahren unter welchen Zust├Ąnden der Angst das leckere Fleisch zu ihnen auf den Tisch gekommen war. Auch Paul a├č immer flei├čig mit. Opa w├Ąre sonst auch sehr beleidigt gewesen. Zwei Tage nach Pauls 17. Geburtstag starb der Opa. Noch w├Ąhrend der Trauerfeier beschloss Paul, von nun an kein Fleisch mehr essen zu wollen, auch wenn es ihm immer besonders gut geschmeckt hatte. Seine Eltern konnten ihn nicht verstehen. Seine Mutter sagte immerzu: ┬╗Du brauchst das Fleisch, mein Junge. Es macht dich kr├Ąftig und die darin enthaltenen Proteine sind ganz wichtig f├╝r deine Gesundheit!┬ź
Pauls Vater holte noch weiter aus: ┬╗Junge, wenn du kein Fleisch mehr isst, dann wirst du bald auf dem Fu├čballplatz keine Kraft mehr haben, eine anst├Ąndige Leistung abgeben zu k├Ânnen: Immer nur Gem├╝se, Salat und Obst. Das geht nicht. So wirst du nichts.┬ź
Doch Paul ignorierte die Anweisungen seiner Erziehungsberechtigten hartn├Ąckig und nahm es in Kauf, dass sie sich seinetwegen gro├če Sorgen machten. Bei Grillfesten wurde Paul verlacht, wenn seine alkoholisierten Freunde sich einen Spa├č daraus machten, ihm anstelle der Tofuwurst eine richtige Bratwurst auf den Teller zu legen. Paul fand solche Scherze gar nicht witzig und entledigte sich langsam aber sicher seines Freundeskreises, um sich gleich gesinnten, weniger oberfl├Ąchlichen Menschen anzun├Ąhern, die, genauso wie er, keinen Sinn darin erkannten, Fleisch toter Tiere zu sich zu nehmen. Paul und seine neuen Freunde praktizierten geistreiche Konversation, trieben viel Sport und schauten schlaue Filme, in denen der Dialog stets die Action ├╝berstieg. Im Studium gr├╝ndete Paul die Gruppe ┬╗Vegetarischer Gedankenaustausch┬ź und erfreute sich als ihr Begr├╝nder eines regen Zulaufs. Hier lernte er Magdalene kennen. Sie hatte durch die Erw├Ąhnung ihres gro├čen Traums, mal einen Zoo st├╝rmen und alle Tiere daraus befreien zu wollen, Pauls Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Sicher, diese Idee entbehrte nicht einer gewissen Naivit├Ąt, und doch war Paul von Magdalenes Unbek├╝mmertheit und ihrem glaubhaften ideellen Willen irgendwie ger├╝hrt. Paul und Magdalene lernten sich kennen und bald auch lieben. Magdalene war von sch├Âner, aber doch sehr d├╝nner Gestalt. Ihre Knochen waren benetzt von wei├čer Haut und ihre Br├╝ste schlaffen Hauts├Ącken gleich. Paul war das egal. Er liebte seine Magdalene, traf sie, wann immer er Zeit hatte und liebte es, mit ihr zu schlafen. Anfangs zumindest. Im Laufe ihrer Beziehung wich der sexuelle Trieb zunehmend einer wachsenden Unlust. Magdalene beschwerte sich lauthals und ausdauernd dar├╝ber, dass Paul sie nicht mehr begehre und liebe und dass er sie wohl nicht mehr attraktiv finden w├╝rde. Paul musste sich selbst und ihr eingestehen, dass sie mit dieser Einsch├Ątzung wohl Recht hatte. So endete die Beziehung in gro├čer Traurigkeit ein Jahr, nachdem sie begonnen hatte. Es folgte eine Zeit, in der Paul sich viele Gedanken dar├╝ber machte, warum er denn Magdalene nicht mehr begehrte, warum er sie nicht mehr lieben konnte. Sie war doch so eine tolle Frau gewesen. Paul machte sich Vorw├╝rfe und konnte die Antworten auf die ihn qu├Ąlenden Fragen nicht finden.
Eines Abends schlief Paul auf dem Sofa vor dem Fernseher ein. Als er inmitten der Nacht erwachte, sah er, wie auf dem Bildschirm ein massiger Koch einen schmackhaft anmutenden Schweinebraten zurechtmachte. Entsetzt suchte Paul in der Dunkelheit nach der Fernbedienung. Und obwohl er sie rasch finden konnte, schaffte er es nicht, umzuschalten. Paul hielt inne, starrte gebannt auf den Bildschirm und registrierte voller Entsetzen, wie sich in seinem Mund der Geschmack von Fleisch ausbreitete. Paul fuhr hoch, eilte in die K├╝che und versuchte dort, den Geschmack in seinem Mund unter Zuhilfenahme von Wasser loszuwerden, was ihm nur ansatzweise gelang. Der Geschmack wollte nicht restlos weichen. Am Tag darauf fuhr Paul nach einem Treffen mit vegetarischen Freunden mit der U- Bahn nach Hause. Eine sehr dicke Frau stieg hinzu, schaute ihn an und fragte: ┬╗Ist da noch Platz neben Ihnen?┬ź
Paul nickte bereitwillig. Die Frau roch auff├Ąllig nach Schwei├č. Angeregt von dem Geruch, der in seiner Nase Zuflucht fand, drehte Paul den Kopf beiseite und betrachtete die Frau eingehender. Sie war wirklich sehr dick. Ihr tief ausgelegtes Doppelkinn schien den Hals verstecken zu wollen. Die dicken Beine formten die Hose der Frau bis in die letzte Naht aus. Ihre gro├čen Br├╝ste wippten unaufh├Ârlich im Takt der fahrenden U- Bahn. Sie interessierten Paul und er konnte seinen Blick nicht mehr von ihnen nehmen. Seine Hose wuchs nach vorne. Sein Glied f├╝llte sich mit Blut und er konnte f├╝hlen, wie es in seinem Schritt pulsierte. Paul begann zu schwitzen. Versch├Ąmt nahm er den Blick von der Frau und schaute solange aus dem Fenster, bis sie aufstand und die Bahn verlie├č. Paul war zunehmend verwirrt. Zuerst dieser Fleischgeschmack in seinem Mund, dann diese Geschichte mit der fetten Frau. Was hatte das nur alles zu bedeuten? Paul, der schon lange keinen Alkohol mehr getrunken hatte, kaufte sich eine Flasche Wein. Er konnte sich noch gut daran erinnern, dass Alkohol stets dazu in der Lage war, seine Nerven zu beruhigen. So trank er und trank bis die Flasche leer war und er voll. Ohne konkretes Ziel verlie├č Paul seine Wohnung in Richtung Stadt. Wie von fernen, dunklen M├Ąchten gesteuert, ├Âffnete er die T├╝r zu einem Bordell, setzte sich an die Theke, bestellte ein Bier und erblickte eine dicke Frau, zu der er sich setzte und mit der er auf ihr Zimmer ging. Er bezahlte viel Geld, sprang aus seiner Kleidung, kniff der Prostituierten tief ins Fleisch, w├╝hlte sich durch ihre Massen, klemmte seinen Kopf zwischen ihre Br├╝ste, presste sein Glied in das weiche Gewebe und verausgabte sich in ihrem warmen K├Ârper, so dass er fast die Besinnung verlor. Paul konnte nicht genug bekommen und musste noch ein paar Scheine opfern, um weiter machen zu d├╝rfen. Ihm war mittlerweile jede Klarheit verloren gegangen. Um dieses Gef├╝hl der Freiheit und W├Ąrme noch ein wenig l├Ąnger auskosten zu k├Ânnen, h├Ątte er selbst seine Wohnung verpf├Ąndet. In dieser Nacht wankte Paul gl├╝cklich nach Hause, legte sich ersch├Âpft in sein Bett und tr├Ąumte ruhig vom Opa und seinen vielen Kaninchen.


__________________
Thorsten Sylla

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Carina
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2003

Werke: 6
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insgesamt gar nicht ohne...

will man sich deiner story aus psychologischer sicht n├Ąhern, k├Ânnte man sagen: offenbar hat paul nach jahren den tod seines gro├čvaters ├╝berwunden, was sich darin ├Ąu├čert, dass er fleisch wieder "riechen" kann... *g*

allerdings ist "salat mit schinken" keine kurzgeschichte, sondern vielmehr eine erz├Ąhlung. erstere widmet sich n├Ąmlich nur einem kleinen "lebensausschnitt", ist so eine art "scheinwerfer", der sich nur auf einen "punkt im dunklen zimmer" richtet; und dein text umfasst mehrere jahre erz├Ąhlter zeit.

au├čerdem solltest du die story sprachlich und grammatisch stark ├╝berarbeiten (z.b. "leistung abgeben"? wohl eher "bringen"; "ideeller wille" klingt ein bisschen seltsam, ich h├Ątte "idealismus" gesagt; "als er inmitten der nacht erwachte", "unter welchen zust├Ąnden der angst..."?? hm. wenn du`s nochmal durchsiehst, merkst du das wahrscheinlich selbst...)

viele gr├╝├če
carina

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Thorsten Sylla
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2003

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Hallo Carina!
Ja, so ist das mit der Schreiberei.Ich denke, es gibt verschiedene Sprachen und Stile, unz├Ąhlige M├Âglichkeiten eine ganz bestimme Situation zu beschreiben. Das ist ja auch ein Gro├čteil dessen, was das Lesen interessant macht. und es ist gut und richtig, dass die Sprache des Einen dem Anderen nicht gef├Ąllt, sonst w├╝rden ja immer alle nur das Gleiche m├Âgen, was ja sehr langweilig w├Ąre. Du hast Recht, es ist wohl doch eher eine Erz├Ąhlung. Und Aussage dieser Geschichte ist in erster Linie die, dass es nicht immer gut ist, Dinge zu exzessiv und fanatisch zu betreiben und dabei einen anderen Teil von Pers├Ânlichkeit zu vernachl├Ąssigen. Der Tod des Gro├čvaters soll nicht ├╝berwunden werden m├╝ssen.
Vielen Dank f├╝r deine Bemerkungen zum Text
Viele Gr├╝├če, von Thorsten
__________________
Thorsten Sylla

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Carina
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Oct 2003

Werke: 6
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nat├╝rlich sollte nicht jeder den gleichen stil haben, nur sollte idealerweise jeder einen guten haben und die von mir zitierten formulierungen wirken auf mich & mein sprachgef├╝hl schon ein bisschen hilflos...

nichts f├╝r ungut.

gru├č
carina

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