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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
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Eingestellt am 10. 06. 2006 00:03


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Nougat
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Registriert: Apr 2006

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Der Ruf kam, unerwartet, pl├Âtzlich, traf das Organ in meiner linken Brust, ein Volltreffer, millimetergenau in die Mitte.
Ein lauter Ruf, denn eine ganze Stadt rief, eine Stadt die ich die deine nenne, die die deine ist, f├╝r mich. Ich folgte ihm.

Auf dem Bahnstieg roch es nach Zigaretten, nach Urin, nach Erdbeerkaugummi und deinem Haar. Ich war da.
Ich sp├╝rte die Euphorie l├Ąngst vergangener Tage, als w├Ąre genau heute ein vergangener Tag, diese irrsinnige aber auch hoffnungsvolle Vorstellung, dass sich ein vergangener Tag in die Gegenwart verirren k├Ânnte.

Der Weg der zu dir f├╝hrt warf sich vor meine F├╝sse mit all seinen Kostbarkeiten, den kleinen Details,den 1287 Schritten bis zu deiner Haust├╝r (ich liebte jeden dieser Schritte), der abgebrochene Randstein beispielsweise, die regenbogenfarbene Friedensfahne an einem Fenstersims mit acht Reissn├Ągel befestigt, zwei davon in blau, oder die Hausecke die mysteri├Âserweise immer nass war, gelbnass. Nicht zu vergessen der Holunderstrauch dem ich, wann immer er gr├╝n war, ein Blatt stahl und es w├Ąhrend dem Gehen auseinander riss, in ganz kleine St├╝cke und sie streute wie H├Ąnsel und Gretel im Wald ohne aber von jemandem gefunden werden zu wollen. Es war Gl├╝ck. Dieser Weg, f├╝r mich.
Dieses Mal entriss ich dem Holunder nichts, ├╝bersah mindestens die H├Ąlfte der Kleinode, sah daf├╝r jedoch dein Haus schon bevor ich es sehen konnte.
Mein Herz schlug so laut, dass ich es als Kirchenglocke h├Ątte verkaufen k├Ânnen. Je n├Ąher ich deinem Haus kam, je mehr bewegte ich mich als ginge ich auf Stelzen aus Gummi.

Ich h├Ârte es. Dein Haus rief. Mit deiner Stimme. Meine Stelzen begannen zu schmelzen, ich blieb bei jedem Schritt einen Moment auf dem Asphalt kleben. Dann war ich da. Ganz. Ganz angekommen. In deiner Stadt bei deinem Haus. Bei dir. Beinahe.
Dein Fenster war erleuchtet und stand offen, ich klebte genau darunter und h├Ątte den Kopf in den Nacken legen m├╝ssen um hochsehen zu k├Ânnen. Ich z├Âgerte. Stille. Abrupt. Die Stadt war verstummt, dein Haus, deine Stimme. Ich ging, ohne Stelzen, schnell und sicher und kraftlos.
Das Fenster stand offen. Die T├╝r war verschlossen. Du hattest nicht gerufen. Es war mein Herz, das nach mir rief.

__________________
Wer ├╝ber gewisse Dinge den Verstand nicht verliert, der hat keinen zu verlieren.
Lessing

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