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Leselupe.de > Kurzprosa
vom friedhof und anderen familienfesten
Eingestellt am 14. 02. 2012 18:26


Autor
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HerbertH
???
Registriert: May 2007

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Vom Friedhof und anderen Familienfesten

Friedvoll mag der Platz ja sein, auf dem Deine Toten ruhen.

Wenn sie sich nicht grad im Sarg umdrehen,
Dich durch das Glas anstarren,
Dir mit lautlosen Mundbewegungen etwas mitzuteilen versuchen,
was Du schon zu Lebzeiten nicht verstanden hast.

Aber nicht f├╝r mich.

Selbst Jahrzehnte sind hier wie Minuten
und Sekunden dehnen sich endlos.

Zwiesprache ist nur der Widerhall der eigenen
Gedanken.

Gut, wenn Du hier nicht oder ganz allein bist.

Version vom 14. 02. 2012 18:26
Version vom 16. 02. 2012 08:49

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Franka
Foren-Redakteur
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Registriert: Feb 2006

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Hallo,

ich lese deinen Text nun wiederholt und immer wieder st├Ârt mich der Mittelteil.

"Wenn sie sich nicht grad im Sarg umdrehen,
Dich durch das Glas anstarren,
Dir mit lautlosen Mundbewegungen etwas mitzuteilen versuchen,
was Du schon zu Lebzeiten nicht verstanden hast"

Ich versuche zu verstehen, was du damit sagen willst, finde es aber nicht gut geschrieben. Was zum Beispiel ist das Glas, durch welches die Toten sehen? S├Ąrge haben doch keine Glasfl├Ąche.
Ich kenne den Spruch: ER/Sie w├╝rde sich im Grabe umdrehen, wenn er/sie es w├╝ssten, aber f├╝r mich passt es so nicht. Ich w├╝rde den ganzen Teil umschreiben oder weglassen.

Z. B. In der Stille h├Âre ich, wie sie dir etwas mitteilen, was Du schon zu Lebzeiten nicht verstanden hast. Oder: Ich stelle mir vor, dass sie dir etwas mitteilen...

Auch ├╝ber den letzten Satz solltest du noch einmal nachdenken, jedenfalls aus meiner Sicht. Ich denke, du m├Âchtest zwei Dinge damit ausdr├╝cken:
-Gut ist, wenn man nicht auf einen Friedhof gehen muss, was ja leider kaum geht, da es in Deutschland eine Beisetzungspflicht gibt.
-Wenn man gehen muss, ist es besser, wenn man dabei nicht allein ist.
Der letzte Satz klingt irgendwie nicht fertig, vielleicht zwei S├Ątze daraus machen. Vielleicht auch: Gut, wenn du hier nicht bist oder wenigstens nicht allein.

Schau doch bitte auch noch einmal nach der Zeichensetzung, ist dir sicher nur bei der Ver├Ąnderung der Kleinschreibung untergegangen.

Danke und lieben Gru├č
Franka


__________________
Man probiert. Vielleicht klappt es. Wenn nicht, dann probiert man was Neues. (frei nach Antje Joel)

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ENachtigall
Foren-Redakteur
???

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Hallo Herbert, hallo Franka.

Das gro├čgeschriebene Du deutet darauf hin, dass es um eine konkrete Person geht, die sich - wie mir scheint - ein kleines "Trauerkabinett", eine Andachtsstelle eingerichtet hat, wo vielleicht Fotos der Verstorbenen aufbewahrt werden ("hinter Glas"). Die Anwesenheitspflicht anderer Familienangeh├Âriger und die zu erweisende Haltung und Betroffenheit an diesem Ort wird hier als erdr├╝ckende Aufgabe beschrieben, die vom dominanten Du eingefordert wird.
Ich k├Ânnte mir vorstellen, dass es sich um das Zimmer einer verstorbenen Person handelt und ein angeh├Âriges Familienmitglied diesen Ort "heilig" zu verhalten versucht; keine Ver├Ąnderungen, keine Verarbeitung des Verlustes zul├Ąsst, sondern den erlebten Verlust tabuisierend "einbetoniert".

Gr├╝├če von Elke
__________________
Wer Spuren sucht, wird Wege finden.

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HerbertH
???
Registriert: May 2007

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Hallo Franka,

es gibt S├Ąrge aus Glas. Die Vorstellung davon ist so alt wie Schneewittchen. Daher m├Âchte ich den Mittelteil so stehen lassen. Er steht f├╝r mich als Bild der "ungetrennten Trennung": Die Sicht ist frei, aber sonst nichts.

Auch den letzten Satz habe ich mir genau ├╝berlegt. Durch die eigenwillige Formulierung soll er zum Nachdenken verf├╝hren. Die "Langform"

Gut, wenn du hier nicht bist.
Oder wenn Du hier ganz allein bist.

macht den Zwiespalt des LI auch nicht besser klar.

Liebe Gr├╝├če

Herbert


__________________
┬ę herberth - all rights reserved

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HerbertH
???
Registriert: May 2007

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Liebe Elke,

mit

quote:
sondern den erlebten Verlust tabuisierend "einbetoniert"

hast Du die Essenz des Textes sehr genau erfasst.

Mit Deiner Deutung, die ich mal als "Totenschrein" betiteln will, hast Du mir eine neue Lesart des Textes vermittelt, die
in sich stimmig ist und f├╝r die ich Dir herzlich danke.

Liebe Gr├╝├če

Herbert
__________________
┬ę herberth - all rights reserved

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