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Leselupe.de > Gereimtes
vor der Haustür
Eingestellt am 05. 09. 2010 09:59


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anemone
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Sep 2001

Werke: 587
Kommentare: 977
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vor der Haustür

Vor der Haustür

Vor unsrer Türe steht ein Mann
und hält mir einen Zettel hin,
wohl eingeschweißt und wasserdicht.
Ich les: „Seht her, wie arm ich bin!“

„Helft meiner kranken Tochter“ steht
samt Passfoto, auf diesem Blatt.
Zwei Jahre ist inzwischen sie,
ihr Herz ist schlapp und sie ist matt.

„Oh bitte helft, muss operieren!“
Mit wehleidiger Stimme spricht
der Mann, mit Leidensbittermiene
und tiefer Trauer im Gesicht.

„Wie stell’n sie sich die Hilfe vor?“
will ein Gesprächsversuch ich wagen.
Er kommt mir klein und schmächtig vor,
zeigt auf den Mund, der nichts kann sagen,

zusamm'gepresst, als spräch' er nicht.
"Betrüger" war was ich mir dachte,
als mit dem Fuß ich reagierte -
die Tür ihm vor der Nas' zu machte.

Mit dieser Masche kommt bestimmt
bei alten Leuten er gut an
und plötzlich staunt' ich über mich,
wie herzlos ich mich zeigen kann.

Doch hätte auf dem Blatt gestanden:
"Seht her ich bin aus Pakistan
und habe Haus und Hof verloren"
käm' auch bei mir er sehr gut an.

Dann hätt’ den Geldsack ich geöffnet
und diesem Bruder, der da stammelt
ein Scheinchen in die Hand gegeben:
"Bald hast du alles eingesammelt!"

anemone (danke Pelikan)

Zitat Marquis de Sade:
Es ist nicht schlimm, wenn man missverstanden wird.
Schlimmer ist es, wenn man verstanden wird.

Version vom 05. 09. 2010 09:59

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Pelikan
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo, Annemone, ich denke Du kritisierst hier ein wenig überspitzt. Es ist nicht, dass die Leute hierzulande auf Abwehr gehen, wenn jemand in Not ist, doch hier wird dermaßen viel betrogen (ich habe solches zigmal schon erlebt, bin hereingefallen auf diese Masche und habe dann anderntags die gleichen Leute wieder froh und fröhlich mit einer anderen Masche betteln sehen) ich bin da ein gebranntes Kind und kann die Abwehr vieler hier verstehen. Ob die Leute auf eine Sammelbitte in Richtung Pakistan freigiebiger reagieren,
das kann ich natürlich nicht sagen, da müßte man die Hilfsorganisationen befragen. Auf jeden Fall muß Dein Gedicht
ein wenig enthoppelt werden. Ich habs versucht und bin wieder so nah wie möglich an Deinem Text geblieben -
weil ich nichts verpfuschen möchte und den Text nicht zu
meinem machen möchte



Vor der Haustür

Vor unsrer Türe steht ein Mann
und hält mir einen Zettel hin,
wohl eingeschweißt und wasserdicht.
Ich les: „Seht her, wie arm ich bin!“

„Helft meiner kranken Tochter“ steht
samt Passfoto, auf diesem Blatt.
Zwei Jahre ist inzwischen sie,
ihr Herz ist schlapp und sie ist matt.

„Oh bitte helft, muss operieren!“
Mit wehleidiger Stimme spricht
der Mann, mit Leidensbittermiene
und tiefer Trauer im Gesicht.

„Wie stell’n sie sich die Hilfe vor?“
will ein Gesprächsversuch ich wagen.
Er kommt mir klein und schmächtig vor,
zeigt auf den Mund, der nichts kann sagen,

zusamm'gepresst, als spräch' er nicht.
"Betrüger" war was ich mir dachte,
als mit dem Fuß ich reagierte -
die Tür ihm vor der Nas' zu machte.

Mit dieser Masche kommt bestimmt
bei alten Leuten er gut an
und plötzlich staunt' ich über mich,
wie herzlos ich mich zeigen kann.

Doch hätte auf dem Blatt gestanden:
"Seht her ich bin aus Pakistan
und habe Haus und Hof verloren"
käm' auch bei mir er sehr gut an.

Dann hätt’ den Geldsack ich geöffnet
und diesem Bruder, der da stammelt
ein Scheinchen in die Hand gegeben:
"Bald hast du alles eingesammelt!"



mit herzlichen Grüßen, Pelikan



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