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Leselupe.de > Ungereimtes
warteschlange ll
Eingestellt am 20. 02. 2005 13:19


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Stern
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Jul 2002

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warteschlange ll

wie immer
samstagmittags
die halbe welt kauft f├╝r's wochenende ein
ausser den umsichtigen hausfrauen
zu denen ich leider
nicht geh├Âre

ellenlange schlangen vor
den kassen
vollget├╝rmte einkaufswagen
immer wenn ich auch gerade
den gefrierschrank f├╝llen will

rechts vor mir eine junge frau
mit handygebimmel
in der einkaufstasche
kruschtelt, klappt auf
hallo
ja nein ja
ich stehe gerade in der
l├Ąngsten supermarktschlange meines lebens
das dauert noch
ja bis dann

neben mir ein trotzender dreij├Ąhriger
der die mama
beinahe zur verzweiflung treibt
mama versucht
geduldig zu bleiben
w├Ąhrend ihr
unter der warmen winterm├╝tze
der schwei├č ausbricht
ich l├Ąchle sie verst├Ąndnisvoll an
und schneide dem kleinen rotzaffen
eine grimasse
woraufhin der
irritiert schweigt
aber nur f├╝r
einen augenblick

links von mir
f├╝hrt eine oma selbstgespr├Ąche
schade dass ich so wenig
davon verstehe
sie scheint sich gut mit sich zu unterhalten

zwei schlangen weiter rechts
ein p├Ą├Ąrchen
sowas von verliebt
dauernd m├╝ssen sie sich
irgendwo anfassen
und mit den blicken
liegen sie sich in den armen
w├Ąhrend sie ├╝bers
sonntagsessen diskutieren
ich kann mich gar nicht
sattsehen

direkt vor mir
nat├╝rlich, es darf ja nicht fehlen
einer der sich tierisch nervt
weil's mal wieder nicht vorangeht
aus dem lautsprecher t├Ânt auf knopfdruck
monoton:
Wir danken f├╝r ihren Hinweis.
Wir werden sofort
eine weitere Kasse er├Âffnen.
aber wo wollen sie die hernehmen
es sind schon l├Ąngst
alle kassen besetzt
der cholerische opa vor mir
regt sich lautstark ├╝bers personal auf
dreht sich nach mir um
auf der suche nach gleichgesinnten
ich l├Ąchle ihn freundlich an
verr├Ąterin
sagt sein blick
und er wendet sich ab

da sehe ich ihn n├Ąherkommen
einen 15j├Ąhrigen
mit einer packung salz
und ├╝berlege
ob ich ihn warnen soll
zu sp├Ąt
die frau zwei weiter vorne
l├Ą├čt ihn in die schlange
aber da haben sie die rechnung
ohne den hintermann gemacht
da kann ja jeder kommen!
junge leute -
den ganzen tag nix tun
aber nicht hinten anstehn k├Ânnen
wir m├╝ssen schliesslich alle warten
und ├╝berhaupt!
gr├╝ne neune, ist der in fahrt
daf├╝r ist der kleine racker neben mir
jetzt still und
schaut mit offenem mund
den w├╝terich an
der ihm da konkurrenz macht
die mama und ich
blinzeln uns verschw├Ârerisch zu
ich seh ihr die erleichterung an
so hat mal wieder
alles zwei seiten

der 15j├Ąhrige muss wohl oder ├╝bel
die schlange wieder verlassen
mit seinem pfund salz
geh├Ąssig biete ich ihm
den platz vor mir an
was den alten erz├╝rnt
aber sagen kann er dagegen ja nix mehr
und die oma hinter mir gibt sch├╝tzenhilfe
indem sie erz├Ąhlt
dass die jungen leute
heutzutage soviel stress
haben und die rentner
ruhig mal warten k├Ânnen

die oma links
wird dadurch aus ihrem selbstgespr├Ąch
gerissen und will bei uns mitreden
geduld h├Ątte sie ja
aber die f├╝sse
und der r├╝cken
wenn sie nur hinsitzen k├Ânnte
aber so
und ihre enkel kommen zu besuch
und sie weiss gar nicht
wieviel sie zu essen einkaufen soll

ist es nicht herrlich
nur leider
kommt die kasse immer n├Ąher
und in der schlange
von der selbstgespr├Ąchs-oma mit den
unberechenbar essenden enkeln
stockt es
so dass sie zur├╝ckbleiben muss
und wir nicht mehr erfahren
f├╝r wieviel kilo kartoffeln
f├╝r ihren echt schw├Ąbischen kartoffelsalat
ohne mayonnaise
aber mit fleischbr├╝he
f├╝r wieviel kilo kartoffeln
sie sich also entschieden hat
in ihrer schlange geht's ganz ruhig zu
sie wird sich bestimmt langweilen
und um so mehr
ihren schmerzenden r├╝cken sp├╝ren
hoffentlich findet sie den faden wieder
in ihrem selbstgespr├Ąch

der kleine racker auf der rechten seite
hat gefallen an mir gefunden
genau wie der mann links vor mir
der mich schon seit einiger zeit
sympathisierend beobachtet
aber ich hab's nicht bemerkt
und bl├Âdle mit dem racker
bis sich meterhoch
├╝berraschungseier zwischen uns schieben
was sein interesse an mir
schlagartig abflauen l├Ą├čt
gleich ist es geschafft
versuche ich die mama noch zu tr├Âsten
bevor ich meine siebensachen
aufs band sortiere
und mit einem bedauernden seitenblick
registriere, dass der sympathisierende mann links vor mir
mitsamt seiner appetitlichen nackenpartie
hinterm zigarettenausgabeautomat
verschwunden ist
wahrscheinlich f├╝r immer

w├Ąhrend ich die kassiererin
wiedereinmal daf├╝r bewundere
wie sie mit unglaublicher geschwindigkeit
die waren ├╝ber das fensterchen zieht
erinnere ich mich kurz daran
wie damals
als ich noch klein war
diese schwarzen streifen
auf den verpackungen auftauchten
unverst├Ąndlicherweise, nur so
die preiskleber waren nat├╝rlich das entscheidende
gibt's die ├╝berhaupt noch?
sechsunddreissig zwanzig bitte
sagt die kassiererin
und streckt die hand
mitten zwischen meine gedanken
erschrocken taste ich
nach dem geldbeutel
krame, z├Ąhle, packe schnell
mein zeug in rucksack und taschen
jetzt aber los
die kleinen sind alleine
pl├Âtzlich habe ich es auch
eilig

weg hier

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Dornrosis
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K├Âstlich, trotz der L├Ąnge ist diese sicher vielen bekannte Alltagssituation spannend und mit ├╝berraschenden Wendungen erz├Ąhlt und gut zu lesen! l.G. dornrosis

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Stern
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Hallo Dornrosis,

Freu! Nat├╝rlich hab ich auch kritisch auf die L├Ąnge geschielt und werde mich ├╝ber dementsprechende Reaktionen nicht wundern. Aber, verliebt in die einzelnen Szenen , sah ich mich nicht wirklich in der Lage zu entscheiden, auf welche ich nun am besten verzichten sollte oder ob es so geht. Dachte mir, dass ich das bestimmt gesagt bekomme, wenn's n├Âtig ist. Nat├╝rlich freut's mich um so mehr, was du da schreibst. Danke!

Liebe Gr├╝├če,

Stern *

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bonanza
Guest
Registriert: Not Yet

stern, ich las nur aussschnitte. supermarktschlangen sind
├Ątzend, u.a. weil sie zu lang sind.
als prosa w├Ąre es keine schlechte beschreibung.
nur mein eindruck. wenn ich das n├Ąchste mal anstehe,
setze ich mich intensiver mit deinem gedicht auseinander.

bon.

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Stern
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hallo bonanza,

ja, so ist das als mutter und hausfrau,
da steht man ├Âfter mal in
viiiiiiel zu langen supermarktschlangen
und kann sie nicht k├╝rzen
- ich mach halt das f├╝r mich beste draus,
beobachte die menschen
und pl├Âtzlich entsteht dann ein
dir viiiel zu langes prosagedicht.
aber vorerst
komm ich nicht raus
aus der warteschlange.

Aber von der Form will ich nicht weg - in Prosa? nee, da geht die Wirkung irgendwie verloren.

gr├╝├če von mir,

Stern *

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bonanza
Guest
Registriert: Not Yet

es ist nicht die l├Ąnge allein, stern.
es ist die l├Ąhmung. der schwung fehlt.
das macht mir das durchhalten der lekt├╝re schwer.

so ├╝bel ist`s nicht, was du schriebst.
ich schreibe manchmal auch solche litaneien.
einigerma├čen originell ist, da├č das prosagedicht
formhalber wie eine warteschlange aussieht.
wahrscheinlich sehe ich dein gedicht in meiner
ungeduld zu kritisch. wenn ich allerdings in
die zerknirschten gesichter der anderen in der
warteschlange sehe, geht es mir nicht alleine so.

bon.

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