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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
wo ich meine heimlich geweinte Träne von der Wange wische ..
Eingestellt am 20. 12. 2002 17:01


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Nicki
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Apr 2002

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Kommentare: 9
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Gedankenverloren sitze ich im Pausenraum, halte mich an meiner heissen Tasse Kaffee fest und beobachte, wie immer, die drei hoch gewachsenen Bäume und den Windsack der sich wild flatternd gegen sein "am Masten festgebunden", zu wehren scheint. Ich hab keine Ahnung ob ich denke, träume, in meinem Kopf oder meiner Seele verschwunden bin, doch holt mich das trappeln schneller, vieler kleiner Kinderfüsse in die Realität und ins Bewusstsein sich am Arbeitsplatz zu befinden, zurück. Schnellen Schrittes eile ich zur Station zurück, wo sich mittlerweile eine Horde
Volkschulkinder versammelt haben und einige von ihnen schüchtern von einem Bein auf's andere treten. Ich beobachte sie, diese kleinen süssen Zwerge, und stelle fest dass sie alle so verschieden wie auch einzigartig sind. Zu dritt tragen sie jeweils Gedichte vor, mit monotoner Kinderstimme. Als ob sie es langsam ablesen würden und der Finger die noch zu sprechenden Buchstaben entlangrutschen würde. Die Lehrerin, in sicherer Nähe vor ihnen aufgestellt, mit stummen, vorsagendem und übergross bewegendem Mund, damit auch keines der Kinder den Text vergisst, oder stecken bleibt. Zwischen den Gedichten, spielen drei kleine langhaarige Mädchen auf ihrer Flöte, wo die kleinen, zarten Finger Mühe haben, alle Löcher gleichzeitig zuzuhalten, wenn das Stück es erfordert.

Mein Blick wandert auf jeden einzelnen unserer alten Herrschaften, zu deren Ehren die Kleinen heute gekommen sind. Und mir wird schwer ums Herz. Einige Verwirrte rufen "Bravo", klatschen, auch wo es nichts zu klatschen gibt, lächeln und fassen mit gestreckten Armen nach den Kindern oder aber brechen in Tränen aus. Das Flötenspiel und die monoton vorgetragenen Gedichte nehme ich nur mehr von weiter Ferne wahr, und beginne wieder in mein Inneres zu fallen, während ich auf die mit Falten übersäten, alten Gesichter starre. "Was sie wohl denken?" Denken sie daran, wie es war, als sie selbst noch Lieder unter dem Weihnachtsbaum gesungen haben? Zusammen mit ihrem Kindern? Enkeln? Wie sie den Heiligen Abend begonnen haben, die Frauen gekocht, die Männer den Christbaum ins Haus geschleppt haben? Denken sie daran, dass sie einsam sind, sich alleine fühlen und heuer wieder niemand kommen wird um mit ihnen Weihnachten zu feiern? Oder geniessen sie einfach nur die junge Gesellschaft, und weinen vor Freude? Ich kann es nicht beurteilen, und ich kann sie auch nicht fragen, weil sie mir keine Antwort die mich zufriedenstellen würde, geben könnten. Aber ich spüre sie, die Einsamkeit und die Verzweiflung der Alten. Wie eine düstere, bedrückende Wolke kurz vor einem Gewitter hängt sie im ganzen Haus. Sie greift nach mir und lässt mich im Dienstzimmer verschwinden, wo ich meine heimlich geweinte
Träne von der Wange wische ..

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