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Leselupe.de > Ungereimtes
wodny muz
Eingestellt am 17. 08. 2008 11:24


Autor
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nisavi
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2006

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es klopfte dreimal an der t├╝r,
mein kind.

dann stand er vor mir: b├Ąrtig.
in seinen haaren gaukelten libellen
und im blau der augen gl├Ąnzten schuppige leiber.
wasser rann aus hosenbeinen.

dem weib solle ich beistehen im kindbett, bat er.

seine stimme war fluss in den auen,
bach an der m├╝hle ÔÇô der duft von erlen und iris.

ich: stumm wie der wels.

dreimal schlug er auf das wasser,
dann tat es sich auf und wir stiegen hinab.

das kind entwand sich der mutter wie ein fisch.

als es zum ersten mal schrie, stiegen reiher ├╝ber den wiesen auf.

die raben sammelten sich auf den weizenfeldern
und apfelb├Ąume ├Ąchzten unter der last ihrer fr├╝chte.

ich blieb ÔÇô hielt die h├╝tte rein,
wiegte jeden tag das kind zu den liedern der fl├╝sse und b├Ąche.

als sich reif auf die felder legte, brachte der libellenmann mich zur├╝ck in meine welt. kalt war die und dunkel. still.

nur in meinen tr├Ąumen dufteten die wasserlilien.
nur im schlaf setzten sich schmetterlinge in meine haare.
und die augen, auf deren grund sich fischleiber wanden, eine sehnsucht wurden sie.

dann sah ich dich spielen bei den weiden.
jedes fr├╝hjahr - f├╝r ein paar tage nur.

du fl├╝stertest mit den wasserl├Ąufern und strecktest die h├Ąnde aus nach den bl├╝ten im schilf.

du klopftest dreimal an die t├╝r, mein kind.

das wasser aus deinen kleidern rinnt ├╝ber die stufen meines hauses.



__________________
On a poet's lips I slept.
(P.B.Shelley)

Version vom 17. 08. 2008 11:24

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penelope
Guest
Registriert: Not Yet

liebe nisavi,

ich atme ein, ich atme aus... ein, aus... denn dein text, poesie pur, macht, nein, anders: ich sp├╝re eine beklemmung in meiner brust, die ich hier endlich erkl├Ąren muss...

zun├Ąchst, wie ich schon sagte, halte ich deinen text f├╝r ein prosagedicht, womit er in diesem forum, der sich ja mit "reiner" lyrik besch├Ąftigt, etwas ungl├╝cklich aufgehoben ist. obwohl: ein prosgedicht, ja, auch f├╝r mich, bleibt es in seinen wurzeln ein gedicht...

aber genug des theoretischen und hinweisenden...

was lese ich hier? was empfinde ich? was wird mir zugetragen?

schon der titel hat mich angezogen, denn er ist nicht in unserer gewohnten sprache gew├Ąhlt... nun, ich h├Ątte rasch im internet recherchieren k├Ânnen, was ich aber nicht gemacht habe, weil das sicher nicht zu der absicht des autors geh├Ârt h├Ątte, denke ich... also: wodny muz... ich habe es immer wieder gelesen, bis mir folgendes aufgefallen ist (nat├╝rlich auch aus der assoziation aus dem hinweisenden inhalt des gedichtes!):

wodny muz... klar oder unklar, f├╝r mich eigentlich eindeutig: wassermann...

wenn ich daneben liegen sollte, bitte ich um erkenntnistheoretische erkl├Ąrung des ganzen...

aber das, eigentlich, nur beil├Ąufig, denn jetzt kommt das, was mein herz so schwer gemacht hat...
ich lese w├Ârter und empfinde, hier erlebe ich etwas physiologisches, n├Ąmlich ein vollendetes ausatmen, ein aufsaugen von licht und ger├Ąuschen, nichts anderes liegt hier vor. wer will sich schon gern t├Ąuschen lassen, den atem anhalten, wenn es nicht notwendig ist, denn es ist nur vern├╝nftig, sich den gegeben worten hinzugeben, keinen ton anzugeben, anzuschlagen, ein hoffnungsvolles warten vorzugeben, sich so zu verhalten, als w├╝rde etwas geschehen im gedicht... aber: es geschieht nicht im gedicht, nicht in deinem, das wiegt ja so schwer an meinem herzen, sondern hinter dem gedicht, den metaphern, w├Ârtern und silben...
dahinter: hier geschah pl├Âtzlich etwas mit mir, das mich magisch angezogen hat. ich konnte mich nicht einmal wehren, da ich sonst ein "kopfmensch" bin und ├╝berall lauthals verlaute, dass ich mit meiner logik reagieren kann, bevor sich mein herz ├╝berhaupt einschalten kann. hier, ja, bei deinem gedicht funktionierte es pl├Âtzlich nicht mehr, da mein herz viel schneller war, was ich nicht gewohnt bin, mein herz hat dann auf der erinnerungsschiene der in sich aufgenommenen gedichte fr├╝herer jahre, dem scherbengericht vergessener, zerbrochener gedichte, mir pl├Âtzlich einen spiegel vorgehalten.
bei gott, ich sagte mir, peneleope, bleib ruhig, du brauchst nur kurz durchzuatmen, damit du dich wieder beruhigst. aber man holt den atem nicht ein, der einen ├╝berw├Ąltigt, wie man die w├Ârter nicht aus einem gedicht holen kann, wenn sie sich wie ein engramm eingravieren ins hirn, in das, was man mit gef├╝hl nicht mehr wegwischen kann... man holt kohlen aus dem keller, aber keine w├Ârter, und die luft ist ├╝berall, die wir atmen, sie ist auch immer nutzbar, sie l├Ą├čt sich einsaugen, bietet nur bei gr├Â├čter k├Ąlte widerstand, und l├Ąsst sich federleicht auf eine fensterscheibe hauchen, hinterl├Ąsst spuren, die irgendwann wieder verschwinden. und das, ja, das passiert mit deinem wort nicht: dein wort bleibt unbenutzbar, ein metaphorisches sprechen, ein sprechakt, der aus dem herzen kommt, das seine verschiebungen und verrenkungen selbst produziert. es traut sich ohne netz auf dem seil zu gehen, obwohl es jederzeit abst├╝rzen k├Ânnte. aber es st├╝rzt nicht ab, es frisst sich in die herzen des lesers ein... in meines, ja, auf jeden fall...

was soll ich noch sagen...

lg penelope

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Vera-Lena
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2002

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Liebe nisavi,

mir gef├Ąllt, dass hier nichts gesprochen wird, dass hier alles spricht aus sich selbst heraus, weil alles lebendig ist und alles einander zu Diensten ist, und so muss auch das Kind dreimal anklopfen bei dem Gesch├Âpf, das ihm zu Diensten war.

Wunderbar, wie Du dem Wasser als Grundelement immer wieder die tragende Rolle gibst und wie es schlie├člich durch das Kind auch in die Behausung des Lyri einzieht, das Wasser des Lebens.

Eine lange Durststrecke galt es zu ├╝berleben bis dahin, aber Tr├Ąume warfen immer wieder Zuk├╝nftiges voraus und auch eine Hellsicht konnte behilflich sein, das Stillen der Sehsucht voraus zu sagen.

Dein Text gleitet auch bei mir in jene Gegenden hinab, wo die Urbilder schlummern und weckt sie auf zu meiner Freude.

Wirklich Verzauberndes ist Dir hier gelungen.

Ich sage Danke und gr├╝├če Dich herzlich.

Vera-Lena
__________________
Der Mensch ist sich selbst das gr├Â├čte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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ENachtigall
Foren-Redakteur
???

Registriert: Nov 2005

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Auch ich, liebe nisavi, bin wahrhaft begeistert von diesem lyrischen M├Ąrchen.

Vor allem der schlusss├Ątzliche Wechsel in die Gegenwart taucht meine Aufmerksamkeit noch einmal intensiv auf und unter - in dieser so hautnah geschilderten Flie├čwelt.

Gr├╝├če von Elke

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Pola Lilith
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So, jetzt habe ich es noch einmal gelesen (wenn auch immer noch m├╝de, aber etwas wacher als beim ersten Mal) - deshalb wage ich es, meinen Eindruck in kurzen Worten abzugeben:

Was f├╝r eine poetische Kraft !
Es geh├Ârt mit Sicherheit zu den besten Werken
in der Leselupe und somit ├╝berhaupt zu wirklich guten Kurzprosa-St├╝cken!

Viel Erfolg weiterhin !

Liebe Gr├╝├če, Pola

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