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Leselupe.de > Ungereimtes
wüste
Eingestellt am 22. 01. 2008 17:43


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nofrank
???
Registriert: Oct 2004

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wüste

wie ein nasses streichholz
wartest du auf das zündende moment
dabei brennt die welt
um dich herum lichterloh
und dürre verwüstet unser gemüt


nofrank
__________________
„Die Preisgabe der Diskretion im öffentlichen Raum ist eine Vorstufe zum faschistischen Ordnungsdenken, sage ich." (Wilhelm Genazio "Die Liebesblödigkeit")

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Perry
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Aug 2004

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Hallo nofrank,
deine Bilder drücken die innere Leere gut aus.
Ein wenig fehlt mir der Übergang von der "Nässe" über das "Feuer" hin zur "Dürre." Mir würde der Schlusssatz in einer auf das LyrDu bezogenen Kurzform "verwüstet dein Gemüt" noch besser gefallen.
LG
Perry

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R. Herder
???
Registriert: Jan 2008

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Der Abglanz einer behaupteten Leere

Wüste. Die Wüste ist als Begriff so allgemein, dass ein Spezifisches, - oder: eine spezifische Differenz sich gerade aufgrund des gedanklich zu Weiten & Beliebigen nicht ausmachen lässt. Die Möglichkeiten der Phantasie begrenzen sie hier. Wüste ist so allgemein und so konkret, dass sie nichts wird, wobei "nichts" hier, für mich als Lesenden, Langeweile heißt. Darunter beginnt der eigentliche Text:


quote:
wie ein nasses streichholz
wartest du auf das zündende moment
dabei brennt die welt
um dich herum lichterloh
und dürre verwüstet unser gemüt


Die Kontraste scheinen mir zu lasch. Das nasse Streichholz ließe sich lesen: - als sprachlich verdinglichtes Subjekt, welches durch äußeres Wirken seinen Nutzen verlor. Anders: leer wird einer nicht geboren, depressiv kommt er nicht auf die Welt. Die Frage ist, ob der seiner Wirkungsmöglichkeiten Beraubte tatsächlich aufs zündende Moment wartet. Das Problem sehe ich in dieser Umschreibung hauptsächlich bei der Perspektive des Außenstehenden, der, mag er sich anstrengen wie er will, unfähig bleiben wird, tatsächliches Er- beziehungsweise in diesem Falle Entleben des Gegenüber, des "Du" zu begreifen und ergo zu versprachlichen. Dieser Umstand könnte ebenso eine Stärke des Gedichts bilden, dafür allerdings konzentriert dieses sich zu wenig auf das Wechselwirken der betonten Beziehung - betont durch die Worte von 'du' und 'uns' - und zu sehr auf die gleißenden Bilder von Feuer und Wüste. Womit wiederum das Konkrete im Allgemeinen nicht zu finden ist. Der Rahmen ist zu weit gespannt, die Vorstellung haftet darin nicht. Vers 3, eingeleitet durch ein anscheinend recht naives "dabei" beschreibt aus Perspektive des nach Eigenaussagen Außenstehenden ("wartest du" - diese Beurteilung funktioniert nur von der Peripherie aus) die brennende Welt. Was für ein Brennen? Vielleicht der Prozess des Daueratmens - hiervon ausgeschlossen das Du - vielleicht das Leben und im Leben die Vernichtung, die feuerverursachte Zerstörung - vielleicht? Feuer als Charakteristik des Lebendigen scheint vorstellbar nur unter Kontrolle - diese wird im Text allerdings nicht angedeutet. Kontrastiert wird gar das Wasser als Nutz-Löscher, als Lebens-Löscher: wie ein nasses Streichholz. Woher kommt, geräts mir dabei in den Sinn, dies Wasser eigentlich, wenn die Welt brennt? Der letzte Vers ist missglückt. Mag sein, Dürre passt irgendwie zu Wüste und Feuer = Hitze, passt irgendwie zum verwüsteten Gemüt - aber scheint im Kontext, im erhofften gedanklichen Überbau, deplatziert, zudem der vormals im Außen Lebende/Beobachtende/Beurteilende durch ein unmotiviertes "uns" involviert wird. Widersprüche. Abschließend aber, meines Erachtens, wäre dies ein großartiges Gedicht:


quote:
um dich herum lichterloh


Der Leser, ich jedenfalls, hätte die Chance - trotz der allgemeinen Formulierung - sich einzubringen, da er nicht durch die konkrete Qualität des zu Allgemeinen beschränkt wird.


Allerbeste Grüße,
Rene (der den Akzent bei Linux nicht hinkriegt),
ehemals Prosaiker.

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Milko
Autorenanwärter
Registriert: Nov 2006

Werke: 284
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1.

ich mag diese
moment
aufnahme
einer
kleinen leere
ein gefühl was
auch vor
überzieht
2.
wüste
ist für mich
immer währende
veränderbare
einsamkeit
VOLL davon
3.
nasses streichholz ( der rote Kopf ! und Nässe gehören wohl zum Leben )
jedoch hörte ich von einer wunderbaren" Genesung ( der Nutzen! )
das Streichholz wurde wieder trocken !
4.
ich finde es sehr gelungen nofrank
durch die verschiebung der einzelnen Silben in den optischen Versmass
schaffst du gerade damit
eine so wunderbar versteckte Vielfalt
5. wie z.B
wie ein nasses.....
wartest du auf das zündende

moment...
dabei brennt die welt "umdichherum lichterloh
und dürre
verwüstet.....

damit schaffst du den bogen
vom allgemeinen
bis aufs persönliche
du ( wenn man das will !)

allem in allem
finde ich es sehr
gelungen
mit viel inhalt, doch birgt es die gefahr nicht
gesehen zu werden
in der "menschenleeren
einzigen landschaft
der ständigen veränderung
und bewegung
mit "unendlich vielen gesteinsbrocken
mineralien, organischen teilchen
nanoklein bis winziggroß
__________________
gedachtDenn die Einen sind im DunkelnUnd die Andern sind im LichtUnd man siehet dieIm LichteDie im Dunkeln sieht man nichtBerthold Brecht

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