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Leselupe.de > Ungereimtes
zögern vor der winterstimme
Eingestellt am 05. 10. 2004 00:38


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Jongleur
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zögern vor der winterstimme


die blätter werden gelb,
sie fallen, wie die fassade
mürbe wird unterm sturm,
im wunden rot warten müde
augen auf frost,
kommenden aufbruch.

kein fuß kann länger
über solche scherben
laufen. man muss
ein minimum an blut
halten, um den winter
zu überleben.
 
 

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Sandra
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Jongleur,

deine bildlichen Darstellungen gefallen mir immer sehr gut. Anfangs erlas ich hier einen Widerspruch:
die blätter werden gelb,
sie fallen, wie die fassade
mürbe wird unterm sturm,

ich denke, du hast den Zeilenumbruch so gewählt, damit dieser Widerspruch nicht auftritt.
Man (vielleicht auch nur ich) muss es mehrmals lesen.
Lese ich den Zusammenhang folgender Maßen:

die Blätter werden gelb, sie fallen ....

dann leitet das "wie" einen Vergleich ein, somit:

sie fallen wie die Fassade (eine Fassade bröckelt aber eher, oder?)

dann: mürbe wird unter dem Sturm (es findet von den Blättern zu der Fassade nicht wirklich ein Vergleich statt)

Man kann es durch die Kommasetzung aber auch folgender Maßen lesen:

Die Blätter werden gelb,
die Fassade fällt
mürbe unter dem Sturm.

Das wäre stimmiger, dann würde ich die Sätze aber auch umstellen und den Vergleich weg lassen. Ganz sicher lese ich deine Zeilen noch einmal. Für dich aber schon einmal vorab meine Gedanken.
Das Ende ist übrigens wunderschön!


Einen lieben Gruß

Sandra

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Vera-Lena
Routinierter Autor
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Lieber Jongleur,

wunderbar gelungen die Andeutungen,die sich der Leser selbst zum Bild zusammensetzen kann.
Gerade die unpersönliche Form bringt den Text ganz nahe an den Leser heran: "Kein Fuss" und sogar "man". Letzteres habe ich mich noch nie getraut in einen lyrischen Text zu setzen. Aber siehe, es ist möglich.....

Liebe Grüße von Vera-Lena
__________________
Der Mensch ist sich selbst das größte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Jongleur
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Hallo Sandra,
es ist so gedacht, dass die Blätter fallen - man kann aus dem folgenden Satz den "Sturm" anklingend mit hineindenken --- und die Fassade wird mürbe unter dem Sturm, dies ist so angehängt, dass das "Fallen" aus dem Blattsatz auch auf die Fassade bezogen wird. Es ist kein direkter Vergleich (somit ist man ein wenig aus der Problematik ob eine Fassade "fällt" rausgeschummelt, gewisse Fassaden im übertragenen Sinne - Masken - können sehr wohl "fallen" ...), indirekt ist aber die Parallele gewollt. Sowohl die des Mürben, Maroden - als auch die des Herbstes ... ich will jetzt gar nicht die Bilder aufdecken, die je nach Leser kommen mögen und im Text angelegt sind.

Du gehst mit Deinen Gedanken den verschiedenen Wegen der Lesbarkeit und Deutbarkeit nach - wow! Was kann man sich mehr wünschen! Danke Dir!

Danke, Vera-Lena!
Ja, dies "man" ... - freut mich, dass Du es akzeptieren konntest!

Grüße vom Jongleur

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