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Leselupe.de > Feste Formen
zwischen zeilen-sonett
Eingestellt am 27. 05. 2010 22:32


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Rhea_Gift
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zwischen zeilen

ganz glatt ist mein gesicht, geneigtes schweigen
verhängt, was sonst verfängt sich selbst so feil
sich bietend an im lautgefecht, mein beil
lässt silben stumm gerichtet dir den reigen

mit durchgetrenntem hals und herz zurĂĽck
das versegeld bezahle ich dir gerne
denn wortgehĂĽls wiegt nichts, fĂĽhlst du die Sterne
im zwischenreich - dem himmel gleich das glĂĽck

als hell ein funkeln strahlte still aus tiefen
des ozeans, der weit und blau sich streckt
von horizont zu horizont - wir riefen

mit blicken einst uns brĂĽcken, leis erweckt
kometen leuchtend stiegen, die lang schliefen
aus zwischenzeilenwogen - unbefleckt.

__________________
...Seele, bist du nun erwacht?...Und sie zittert, und sie lacht allen Himmelssternen zu... (Hesse)

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Marlene M.
Guest
Registriert: Not Yet

als hell ein funkeln strahlte still aus tiefen
des ozeans, der weit und blau sich streckt
von horizont zu horizont - wir riefen

mit blicken einst uns brĂĽcken, leis erweckt
kometen leuchtend stiegen, die lang schliefen
aus zwischenzeilenwogen - unbefleckt.


Das ist ja stark, liebe Rhea- wow!
das Schöne verändert sich, Liebe, das glatte Leben- wird faltig ( zwischen den Zeilen)- bildlich wie eine Falte.
Vergänglichkeit, Melancholie und lyrisch!
Du siehst mich begeistert.
LG von Marlene

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presque_rien
???
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Liebe Rhea,

ein wahnsinnig guter Text, finde ich! Ich liebe die Intensität der Klangmuster, und wie die Bedeutung jedes Verses immer in den nächsten Vers "überschwappt".

Für mich sagt das Gedicht folgendes aus: Das Lyri will bei (oder nach) der Trennung vom LyrDu keine unnötigen Worte verlieren - das Reden überlässt es dem LyrDu. Bei einer Trennung erscheinen Worte, die man einander einmal gesagt hat, oft schmerzvoll "verschmutzt". Das kümmert Lyri in diesem Fall aber nicht, denn es weiß, dass alles, was zwischen den beiden ablief, auf einer ungesprochenen Zwischen-den-Zeilen-Ebene stattfand. Und somit bleibt es für immer rein und unantastbar.

Aber es gibt bestimmt 1000 Interpretationen.

Lg presque

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Heidrun D.
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe Rhea,

auch mir gefällt dein Sonett ganz großArtig. - Du bist in der Lage dieser Form eine vollkommene Leichtigkeit zu geben, die mich absolut entzückt. - Der Text wirkt trotz der vorgegebenen formalen Strenge wie hingehaucht - ganz, ganz toll!

Inhaltlich orientiere ich mich eher am Titel und denke, dass du dich den Worten zwischen den Zeilen widmest. Die - wie von Hilde Domin einmal so schön beschrieben - das eigentliche, das wirkliche Gedicht bergen - das Geheimnis nämlich.
Und dieses ist viel wertvoller als das geschriebene Wort - ein heiliger Gral der Poesie, sozusagen.

Ich hoffe, du verzeihst mir meine verbale Ausschweifung, aber dies ist mit Abstand das Beste, was ich hier seit langer, langer Zeit gelesen habe.

Begeisterte GrĂĽĂźe
Heidrun

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JackoF
???
Registriert: Jun 2010

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Hallo Rhea_Gift,


ein wirklich exzellentes Sonett !

Eben - nicht nur sprachlich, sondern inhaltlich in dieser feinen, leisen Erzähl-Linie, diesen Wert des Dazwischen – eines jeden Dazwischen - zu tiefen,
oft ja hierin das viel Mehr ist, als drumherum.
Und letztlich so egal – ob es war, oder weiterhin sein kann - gerade diese Zwischenwerte scheinen letztlich immer im Geiste/Gefühl überleben zu wollen :-)))

Da Du
hier Endzeilen-Satzzeichen weglieĂźest - entstehen fĂĽr mich lese-und inhaltliche Strukruren
wie z.B. (klar) Enjambements und auch irgendwie inhaltliche Apokoinu-Sequenzen – gefällt mir äußerst – und wahrscheinlich so auch von Dir beabsichtigt !
FĂĽr mich ein Inhalts betonender Fluss,
der gleichzeitig verbindet und auch Pausenwechsel zulässt - echt gut !

Habe manchesmal "kleinsteste" Betonungs-Irritation wegen(wenn, dann...)
a) weibl. Kadenz und generellem unbetonten Auftakt – wenn ich einen Zeilenumbruch spüre(klar - für mich :-)) ). und
b) so dann zwangsläufig zweimal unbetont aufeinander folgen muss.

Klar - liegt an mir :-)))
HierfĂĽr kamen mir indirekte, tonale Mini-Ă„nderungen in den Sinn,
die ich Dir mal gerne zeigen möchte.


zwischen zeilen

ganz glatt ist mein gesicht, geneigtes schweigen
verhängt, was sonst verfängt sich selbst so feil
sich bietend dir im lautgefecht, mein beil
lässt silben stumm gerichtet nun den reigen

mit durchgetrenntem hals und herz zurĂĽck
das versegeld bezahle ich dir gerne
denn wortgehĂĽls wiegt nichts, fĂĽhlst du die Sterne
im zwischenreiche - himmelgleich das glĂĽck

als hell ein funkeln strahlen still aus tiefen
des ozeans, der weit und blau sich streckt
von horizont zu horizont - wir riefen

in blicken einst uns brĂĽcken, leis erweckt
kometen leuchten stiegen, die lang schliefen
aus zwischenzeilenwogen - unbefleckt.


Und wirklich – hat nichts mit Kritik zu tun – einfach mal so.....

Mal sehen, was Du dazu meinst :-)))

Und nochmal - hat mir sehr gefallen.....

So - und wieder ein zwischenzeiliges TschĂĽss, JackoF

------------------------------------

Habe es jetzt auch endlich geschafft, diesen Berwertungs-Klick zu entdecken,
Ja,ja - wenn man ganz neu ist :-))

Und habe noch eine Frage :
Sehe immer mal wieder in den Kommentaren der Bewerteten(Autoren), dass man es ablesen kann, wer einen bewertet hat – könntest Du mir vielleicht sagen, wie man das einsieht ?
(hoffe, macht nicht zu viel MĂĽhe.....)


---

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Rhea_Gift
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Hi,

deine Vorschläge haben etwas für sich - aber jedoch mehr gegen sich -

1. bietend an oder dir? >> ich möchte wegen dem LAutgefecht was mit a drin haben, und feilbieten + anbieten finde ich ne gute Kombi - zudem ist hier etwas Allgemeineres gemeint, der Adressat muss dorthin, wo du ihn rausgenommen hast)

2. dir vs nun >> mir ist der Adressat DIR hier wichtig (s.o.)

3. zwischenreichE und himmelsgleich >> das ist mir zu ungleich - auf das e verzichte ich daher - und zwischenreiche ist eine unnötige Überbetonung in meinen Ohren - dem himmelgleich klingt auch für mich gefälliger

4. das strahlTe ist essentiell wichtig - Vergangenheitsform!! und grammatikalisch geht "himmelgleich ein funkeln strahlen aus tiefen" gar nicht - ja was denn?? tat was? genau - das Funkeln strahlte... nicht ein Funkeln und Strahlen...

5. nein, sie riefen nicht IN Blicken, sondern MIT Blicken - essentiell wichtig, die Kommunikation MIT den Augen, nicht in den Augen, sie bauen bzw. riefen auch keine brĂĽcken in den blicken, sondern MIT den blicken...

6. leuchten (Ggw.) stiegen (Vght.) - geht nicht - sie stiegen leuchtend, nicht sie leuchten und stiegen - geht grammatikalisch nicht.

So, ich hoffe du verstehst, warum ich keinen deiner Vorschläge annehmen kann, trotz deiner gut gemeinten Betonungsglättungen vielleicht dadurch... danke aber für die intensive Auseinandersetzung damit!

LG, Rhea
__________________
...Seele, bist du nun erwacht?...Und sie zittert, und sie lacht allen Himmelssternen zu... (Hesse)

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