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Leselupe.de > Erzählungen
Alles wird gut
Eingestellt am 08. 05. 2003 18:46


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Kelly Cloud
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2003

Werke: 15
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Prolog

Da sitz ich nun und weiss nicht, was schreiben. Hinter mir läuft das Fernsehen. Müsste ja total inspirierend sein. Aber soll ich denn all das Schreckliche dieser Welt wiedergeben? Was gäbe es denn sonst?

Advent, Advent
Ich sitz vor leerem Pergament
Es ist Weihnachtszeit
Und die Lebenszeit geht viel zu weit

Ende November

Es ist Weihnachtszeit, oder wenigstens nahe davor. Die Strassen sind nass, die Menschen machen sich auf zum Langlauf auf den weissen Loipen. Weiss? Es regnet. Die nette Dame an der Hotelrezeption fragt die Gäste beim Herausgehen: „Geht ihr schwimmen?“ Die Gäste finden diesen Spruch überhaupt nicht komisch. Na ja, was wahr ist, ist wahr. Im Schwimmbad wären die Skatingschuhe der Gäste nicht so nass geworden, wie auf dem karg beschneiten Golfplatz.
Regen hier, Erdrutsche da. Die Dorfbewohner im Oberland leben nun in Mehrzweckhallen, ausserhalb der Täler. Der Gemeindepräsident und Bauer ist entsetzt: „Vor 20 Jahren ist es normal gewesen, dass am Samichlaus ein Meter Schnee auf den Wiesen lag.“
Vor 20 Jahren war es auch noch nicht normal, dass Ende November die nächtlichen Strassen von Millionen winzigen, stromfressenden Lämpchen beleuchtet wurden. Der Busfahrer wundert sich über den riesigen Pneukran, der die Durchgangsstrasse behindert. Fünf Uhr, der Feierabendverkehr ist enorm. Logisch. Wer will denn bei diesem Sauwetter zu Fuss gehen oder sich an der Haltestelle von vorbeifahrenden Weihnachtsfrusties anspritzen lassen? Der Bus ist auch nicht schlecht besetzt. „Da pflanzen sie schon wieder einen riesigen Baum voll mit Spargeln,“ sagt ein Passagier. Spargeln? Ach so, die elektrischen Kerzen am Baum. Spargeln wären tatsächlich witterungsgerechter!
„Spargeln,“ denkt Hampi. Er findets überhaupt nicht komisch. Hunger hat er. Noch 3 Stationen, dann ist er beim McDonalds. Vorher geht er nie nach Hause. Da gibt’s eh nichts gescheites. Ärger auch nicht. Die Mutter arbeitet, der Vater auch. Seine Schwester wird wohl mit ihrem Kind bei einer Kollegin sein. Und er? Egal, solche Leute sind da und keinen störts. Plötzlich ein Ruck, 3 Schritte vor. Der Bus steht und einer flucht. „Scheiss Biker um diese Jahreszeit ohne Licht!“
Gott sei dank, McDonald.

Krieg oder Frieden

Im Wüstensand steht Jean-Jacque und schaut in den Nachthimmel. Es ist warm. Nicht so heiss wie am Tag. Ende November. Standen da, vielleicht am selben Ort, vor über 2000 Jahren nicht auch schon Menschen und schauten in den Himmel? Was für ein Gedanke in Anbetracht der Mission, die Jean-Jacque zu erfüllen hat. Im Namen der UNO über Krieg und Frieden entscheiden. So stand es jedenfalls in der Zeitung, die ihnen täglich zugestellt wurde. Krieg und Frieden, Ende November... die another day. Das hat auch in der Zeitung gestanden. Ihm wird plötzlich mulmig im Magen. Zigarettenrauch steigt in seine Nase. „Hi John,“ sagt er, ohne sich umzudrehen, der Blick in die Ferne ist zu schön.
„Die Klimaanlage ist ziemlich beschissen da drin. Und schlafen kann ich sowieso nicht.“ John schaut auch über den Wüstensand zum Horizont. Sie denken beide dasselbe. Den ersten Inspektionstag haben sie überstanden. Alles ruhig und freundlich, alle gewünschten Türen wurden geöffnet, alle Tests waren negativ...positiv? Schizophren diese Welt. Negativ ist positiv und positiv ist negativ!
In einer anderen Ecke dieser Welt ist es zur selben Zeit Morgen. Little Kev steht vor dem Schaufenster. Ketchup rinnt zwischen seinen Fingern durch und tropft auf den Boden. Barbie guckt ihn an. Rümpft sie die Nase? Little Kev bewundert das knallrote Ferraricabriolet, in dem Ken sitzt. „Mom, den wünsch ich mir zu Weihnachten.“ „Sicher,“ macht sie und nimmt noch einen Biss von einem Schokoladenriegel. Hinter dem Schaufenster flimmert ein grosser 16 zu 9 Fernseher. Aus dem Gebäudekomplex raucht es. Fenster sind ausgebrochen. Schwarze Rotkreuzmitarbeiter tragen Schutt und weisse Leinensäcke herum. Am unteren Bildrand steht ein Text: Selbstmordattentat in israelischem Hotel. Al Quaida?

Nicht vergessen

Nach dem ausgiebigen Tauchausflug sassen wir noch zusammen bei einem gemütlichen Bier. Natürlich sprach man übers Tauchen. Das rote Meer ist halt schon eine traumhafte Tauchregion und günstig. „Türkei ist auch gut,“ warf Toni ein, „und noch günstiger.“ Wo er recht hat, hat er recht, dachte ich und sagte: „Ja schon, aber in diese Region geh ich bestimmt nie zum Tauchen. Eher fliege ich 15 Stunden. Dem islamistischen Fundamentalismus traue ich schon lange nicht mehr.“
Damit habe ich es geschafft, das Thema zu wechseln. Passieren könne ja schliesslich überall etwas. Was die Koranverdreher sich leisteten sei schon nicht in Ordnung. Und überhaupt wäre die Globalisierung an allen schuld. Ich tat, nachdem ich mein letztes Bier bestellt hatte, meiner Meinung kund: „Wenn es einen dritten Weltkrieg geben sollte, dann wird der Ursprung bestimmt im Islam liegen.“

Nun steh ich auf der Treppe vor dem Haupteingang. Dieses Gespräch hatte am 10. September 2001 auf Malta stattgefunden. Am nächsten Abend nach dem Tauchgang erfuhren wir, was geschehen war. Meine Freunde hatten mich angestarrt. Mir fiel nur noch einen Satz ein: „So habe ich es nicht gemeint!“
Und heute denke ich zurück. Alle hatten wir gedacht, dass es nun so weitergehen würde. Schlag auf Schlag. Zum Glück lagen wir falsch. Bis jetzt jedenfalls. Und ausgestanden ist es wahrscheinlich noch lange nicht. Bei diesem US-Präsidenten....Aber das ist sowieso nur meine subjektive Meinung.
Sollte ich nicht besser versuchen eine lustige Weihnachtsgeschichte zu schreiben? Es ist ja zum Glück richtig schön kalt geworden. Der Schnee hängt tiefgefroren in den Tannenästen. Es weihnachtet wirklich sehr.

Da steh ich im WĂĽstensand
Eine Sternschnuppe fliegt vorbei
Ich spĂĽre im Nacken eine Hand
Sie fĂĽhlt sich an so zart wie Salbei

Krieg oder Frieden

Der grosse Geländewagen schiesst staubaufwirbelnd zwischen den Sanddünen durch, Richtung Norden. Die verschleierte Begleiterin sitz neben mir im Fond. Sie spricht nicht. Sie reagiert auch nicht auf meine Fragen. Wird schon seine Richtigkeit haben. Sie ist ja in erster Linie nur der Schlüssel zu unseren Objekten. Irgendwie bin ich beruhigt. Aus dem Fenster schauend, sehe ich über mir einen Kometen vorbeizischen. Fliegt er Richtung Westen? Nein, muss wohl eher Nordwesten sein. „Lassen sie uns doch dem Kometen folgen,“ sage ich, ohne irgendwelchen Grund. Die Verschleierte schaut ruckartig zu mir rüber. Unsere Blicke treffen sich. Eine wohlige Wärme fliesst durch meinen Körper. Diese Augen. Ich kann das Gefühl überhaupt nicht richtig einordnen. Aber es ist gut. „Alles wird gut,“ flüstert eine Stimme in meinem Kopf. Die Verschleierte sagt in ihrer Muttersprache etwas zum Fahrer. Die Fliehkraft des abdrehenden Wagens zieht mich leicht zu ihr rüber. Ich glaube, sie riecht ganz gut.
„Um diesem Komet zu folgen, müssen wir auf Kamele umsteigen,“ meint der turbantragende Herr auf dem Beifahrersitz. Er dreht sein dunkelgebranntes Antlitz zu mir. Ich nicke nur. Alles wird gut. Wir setzen uns auf die hölzernen Hochsitze der Kamele. Dann geht es schwankend durch den Wüstensand. Der Wind bläst sanft und angenehm kühl um meinen Kopf. „Gut, dass wir nachts reisen,“ sagt der Fahrer, der die Karawane zu führen scheint. Er hat sich wohl umgezogen. Sein fürstliches Gewand ist mir vorher gar nicht aufgefallen. Zu meiner Rechte trottet ein weiteres Kamel. Ein dunkelhäutiger Araber unter einem mächtigen Turban guckt mich an. „Jean-Jacque, mein Name ist Jean-Jacque. Ich bin hier....“
„Freut mich,“ fällt dieser mir ins Wort. „Ich bin Melchior Ben Ali. Heute zu reisen ist etwas ganz besonderes. Alles wird gut.“ „Ja,“ hauch ich in die schwüle Nacht, „es ist der Komet.“ Melchior nickt.
Der Komet ist immer noch ĂĽber uns. Fliegt er wirklich Richtung Nordwesten?
Ein Handy klingelt. Ich kann meins nicht finden. Es müsste doch am Gurt hängen. „Haben sie vielleicht mein Handy gesehen, Miss Fatima?“ War sie die ganze Zeit zu meiner Linken geritten? Sie dreht ihren Kopf und schaut mich mit ihren wunderschönen grünen Augen an. Was steckt nur unter diesem Schleier? Und dann, plötzlich fällt der Schleier von ihrem Gesicht. Ich rechne schon damit, dass sie sich mit einem lauten Aufschrei abwendet. Aber dann bin ich es, der aufschreit. Auf dem Kamel sitzt nun eine wunderschöne Frau mit unvergleichlich schönen grünen Augen. Meine Frau!
Jean-Jacques spürt eine Hand in seinem Nacken. Das Handy hat aufgehört zu klingeln. „Machst du denn deinen Wecker nie mehr aus, Jean-Jacque?“ John steht neben ihm am Bett. „Ich habe von Elenore geträumt,“ murmelt er. „Ja, es ist nicht einfach,“ hört er John antworten, „fernab von der Heimat. Lass uns Kaffee trinken.“

to be continued??
__________________
kelly cloud

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Zarathustra
Routinierter Autor
Registriert: Apr 2003

Werke: 108
Kommentare: 471
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Hmmh?
Eine schöne Patchwork - Erzählung hast du geschrieben.
Ich fand sie gewöhnungsbedürftig;-
nicht den Stil, der ist flĂĽssig und treffend.

Der Scenenwechsel, - offenbar Erlebnisse die sich ĂĽberlagern?

Du schreibst am Ende:
to be continued ..?

May be, why not!

So wie die Erzählung jetzt dasteht bin ich nicht zufrieden.
Es hängt in der Luft, ... ein Traum ... eine Episode ... wohin? wofür?
__________________
Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist, weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt! (Bertold Brecht)

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itsme
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 18
Kommentare: 289
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Patchwork, ja, das ist es. Man beginnt sich einzufinden und die Episode endet. Mit der nächsten geht es genauso. Sprache, Rhythmus und Stilmittel machen neugierig ... auch auf einen Zusammenhang. Waren es willkürlich aus dem Gedankenstrom herausgefischte Episoden oder ein zusammenhangloser Traum?

Wenn das Handwerk stimmt, wird viel hineininterpretiert in solche Texte Kelly. Willst du das?

itsme
__________________
Life is too short to paint a single kiss

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