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  • Axel Hacke: Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen

    Von Claudine Borries | 22.September 2017

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    In diesem kleinen Büchlein über den Begriff des Anstands hat der Schriftsteller Axel Hacke in feuilletonistischer Art und Weise versucht, uns mit seiner Definition von Anstand bekannt zu machen.

    Hacke beschreibt auf Seite zwanzig in wenigen Worten, wie man Anstand interpretieren kann, und das klingt ganz einfach: Begriffe wie Gerechtigkeit, Solidarität und Fairness fallen in diesem Zusammenhang ebenso wie Aufrichtigkeit im Handeln und Reden und, sehr wichtig wie mir scheint, die Fähigkeit, das eigene Denken kritisch zu überprüfen.

    Schnell wird aus seinen folgenden Ausführungen jedoch klar, dass „Anstand“ in der Tat seit längerer Zeit der Verrohung herkömmlichen Umgangsformen gewichen ist. Es fällt im Alltag gar nicht so sehr auf, wie weit wir uns vom Verfall guter Sitten und der Grenzüberschreitung im persönlichen Umgang entfernt haben.

    An zahlreichen Beispielen macht A. Hacke seine Thesen fest. Er nennt die Namen einer Vielzahl bekannter Dichter, Philosophen und Denker, um seine Argumente zu untermauern. Kästner, Fallada, Marc Aurel, Kant und nicht zuletzt David Foster Wallace und viele andere mehr werden in Zitaten herangezogen, um über Formen des Anstands zu referieren.

    Vom Steinzeitmenschen bis in die Gegenwart reichen Hackes Vergleiche, was Formen des Anstands und des Umgangs miteinander betrifft. Durch seine Zeilen erfährt man, wie über die Jahrtausende durch Bildung, Entwicklung und Forschung ein faires Miteinander erst möglich wurde. In diesem Zusammenhang wird auch auf die Studie von Norbert Elias „Über den Prozess der Zivilisation“ hingewiesen.

    Da das Buch eher die Erwartung an ein Feuilleton erfüllt, muss der geneigte Leser keine wissenschaftliche Studie erwarten. Der Bericht ist gewissermaßen ein Parforceritt im Plauderton durch die Geschichte und heutige Gegenwart.

    Dazu gehören natürlich Tablets und Smartphones, die Paare, Eltern und Kinder im Beisammensein vereinsamen lassen, weil die Technik das Gespräch verdrängt.

    In langen Passagen widmet sich der Autor den schrillen Tönen auf Facebook.

    Axel Hacke fasst in seinem Buch zusammen, wie wir die Welt und die Formen unseres Umgangs erleben. Seine Ausführungen lassen uns von einer versöhnlichen Welt träumen, in der man Rücksicht nimmt, Gegensätze friedlich austrägt und insgesamt ein harmonisches Miteinander pflegt. Eine schöne, einträchtige Welt, wie wir alle sie uns wünschen würden! Leider sieht die Wirklichkeit anders aus, und Hoffnungen auf ein besseres Zusammenleben sind eine schöne Utopie!

    Man kann Hackes Ausführungen als berechtigte Zivilisationskritik betrachten.

    Sein Werk mag auch als ein Appel an uns alle gelten, uns um Umgangsformen zu bemühen, die uns Respekt, Höflichkeit und Zuhören abverlangen. In seltenen Fällen bei aufgeklärter Bildung und Erziehung mag das gelingen. Doch wenn man einmal mit Lehrern spricht, dann weiß man, wie schwer diese hoffnungsvollen Vorsätze an der Wirklichkeit integrativer Vielfalt zerschellen! Darüber hinaus bietet die derzeitige globale Politik keinen Hoffnungsschimmer auf eine bessere Welt.

    Ich empfehle das Büchlein dennoch, weil es auf einfache Weise vermittelt, was uns allen so sehr fehlt: Eintracht, Freundlichkeit und—-Menschenliebe!

    Axel Hacke
    Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen
    192 Seiten, gebunden
    Verlag Antje Kunstmann, August 2017
    ISBN-10: 3956142004
    ISBN-13: 978-3956142000
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    Jérémy Fel: Die Wölfe kommen

    Von hera | 20.September 2017

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    Die Eltern kommen bei einem Hausbrand um, den der Sohn aus Hassgefühlen heraus, verursacht hat. So fängt es an. Gewalttätige Personen kommen in jedem Kapitel des Buches vor. Ihre Taten sind unbeschreiblich brutal. Ausersehene Opfer müssen mit allem rechnen. Die einzelnen Kapitel scheinen nicht zusammenzuhängen, sodass ich mich frage, wohin dieses Durcheinander an Mord, Folter und Vergewaltigung führen soll. Jede dieser kurzen Geschichten im Buch nimmt an Dramatik zu. Der Autor führt direkt in ein Labyrinth. Es gibt keinen roten Faden, der den Weg weisen könnte. Der eine oder andere Leser könnte sich schnell verloren fühlen.

    Der Autor hat sich natürlich etwas dabei gedacht. Zu viel möchte ich im Rahmen dieser Rezension allerdings nicht verraten. Es geht um einen brutalen Verbrecher der seine Kreise dreht und dem die Polizei scheinbar nicht auf die Spur kommt. Nun ja, eigentlich spielt die Polizei überhaupt keine Rolle. Sie wird auf merkwürdige Weise ausgeklammert. Sonst würde das Buch nicht funktionieren. Der Täter kommt also über Jahre damit durch für Angst und Schrecken zu sorgen.

    Der Thriller ist unglaublich spannend, aber diese Spannung wird vor allem durch die verschiedenen Formen der Gewalt hergestellt. Das ist nicht unbedingt meins. Und das wirklich gut angelegte Buch hätte das in dieser krassen Form auch wirklich nicht gebraucht. Es ist ein ungewöhnlicher Thriller. Ein derartig komplexer und durchdacht in Szene gesetzter Aufbau kommt sehr selten vor. Mir fällt kein vergleichbares Buch ein. Kurze Episoden werden zu einem großen Ganzen. Die extrem beklemmende Atmosphäre strapaziert die Nerven ungemein. Der Schreibstil ist gut. Wobei das aber auch wieder den Nachteil hat, dass Bilder herauf beschworen werden, die ich nicht sehen will. Schnell überblättern! Zum Ende hin tritt dann der abgründige Aha-Effekt ein. Unglaublich!

    Rezension von Heike Rau

    Jérémy Fel
    Die Wölfe kommen
    Thriller
    Aus dem Französischen von Anja Nattefort
    400 Seiten, Klappenbroschur
    dtv Verlagsgesellschaft
    ISBN-10: 3423261439
    ISBN-13: 978-3423261432
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    ... | Kein Kommentar » | Kategorie Krimi und Thriller |

    Hans-Ulrich Grimm: Gummizoo macht Kinder froh, krank und dick sowieso

    Von hera | 18.September 2017

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    Kinderernährung war noch nie so einfach! Alles was gebraucht wird, gibt es in Gläschen und Tüten. Da ist alles drin, was ein Kind so braucht! Das könnte jedenfalls denken, wer an Werbeversprechen glaubt. Nur irgendwas stimmt da nicht! Denn viele Kinder, die sich von Fertigprodukten ernähren, haben gesundheitliche Probleme. Sie müssen sich beispielsweise mit Übergewicht, Diabetes, Allergien und ADHS auseinandersetzen.

    Hans-Ulrich Grimm geht diesem Phänomen nach. Er macht das Essverhalten verantwortlich, übt Kritik und wiederholt sich dabei auffällig oft. Er beginnt bei der Schwangerschaft der Mutter, macht weiter beim neugeborenen Baby und den Jahren, die dann folgen.

    Industriell hergestellte Nahrungsmittel sind für ihn ein Übel. Ein normales Essverhalten mit viel frischer Kost scheinen sich viele Menschen aber abgewöhnt zu haben. Die Kinder lernen dann von ihren Eltern auch wieder falsches Essverhalten.

    Hans-Ulrich Grimm führt diesen Essern vor Augen, was falsch läuft. Er zeigt auf, warum industriell hergestellte Lebensmittel dem Körper schaden. Dabei geht es auch um die Konzerne und ihr Streben nach Profit um jeden Preis. Er schaut genau, was in den Fertigprodukten drin ist oder auch nicht drin ist. Es wird erklärt, welche Vorgänge das im Körper auslöst. Seine gute Recherche, seine Analysen und das kritische Durchleuchten von Studien sollen seine Ausführungen beweisen.

    Eltern, die das Buch lesen, stehen der Problematik möglicherweise ratlos gegenüber. Aber der Autor erklärt genau, wie das Ruder herumgerissen werden kann. Er stellt Fragen, die zum Nachdenken anregen und erklärt, wie ein Kind optimal ernährt werden kann. Das Kind soll in die Lage versetzt werden, seine Bedürfnisse zu kennen und intuitiv zu den Lebensmitteln zu greifen, die es braucht. Dazu müssen die Eltern aber auch das Richtig anbieten und das fängt schon im Babyalter an.

    Rezension von Heike Rau

    Hans-Ulrich Grimm
    Gummizoo macht Kinder froh, krank und dick sowieso
    Kinderernährung – was gut ist und was schädlich
    368 Seiten, Klappenbroschur
    Droemer Verlag
    ISBN-10: 3426276429
    ISBN-13: 978-3426276426
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    Paulus Hochgatterer: Der Tag, an dem mein Großvater ein Held war

    Von hera | 15.September 2017

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    Eines Tages taucht ein Mädchen auf einem niederösterreichischen Bauernhof auf. Es ist Oktober 1944. Niemand vermag zu sagen, was ihr passiert ist. Sie scheint keine Erinnerung zu haben. Man nimmt an, dass ihre Eltern bei einem Luftangriff umgekommen sind. Das Mädchen wird von der Familie Leithner, die selbst viele Kinder hat, aufgenommen und Nelli genannt. Das geschieht auf eine sehr selbstverständliche Art und Weise.
    Einige Monate später kommt ein junger Russe dazu. Er hat eine geheimnisvolle Leinwandrolle dabei, sonst nichts. Er ist kein Maler. Auch er fügt sich in das vorgegebene Leben ein.

    Ein mühevoller Alltag wird gelebt, so wie es eben geht zu Kriegszeiten, bis sich eine Gruppe von Wehrmachtssoldaten auf dem Bauernhof einquartiert. Die Angst wächst. Jetzt zählt der Zusammenhalt der gesamten Familie. Nelli beobachtet die Situation genau. Sie analysiert das Geschehen. Malt sich aus, was passieren könnte und sieht ein wenig zeitversetzt, was wirklich geschieht. Die Situation der Familie wird immer schwieriger. Sie sieht sich einer ungeheuren Provokation gegenüber, der sie begegnen muss, ohne zu reagieren. Aber es geht so nicht. Es mindert die Gefahr nicht. Letztendlich dreht sich alles um das Kunstobjekt in der Rolle und das Geheimnis, das damit bewahrt werden soll.

    Der Autor erzählt die Geschichte, die mit Erinnerungen seines Großvaters verbunden ist, sehr anschaulich aus der Sicht der 13-jährigen Nelli. Die angespannte Lage ist jederzeit spürbar, auch wenn er hier nicht ins Detail geht. Nelly analysiert jede Situation und stellt sich immer vor, wie diese ausgehen könnte. Sie baut auf diese Weise eine Mauer und versucht, sich als Beobachter abzugrenzen. Ihre Vorstellung und die Wirklichkeit triften oft auseinander. Es gibt keine Sicherheit. Sie kann Situationen zu diesem Zeitpunkt nicht beeinflussen.

    Der Autor beschreibt sehr bildhaft und mit psychologischem Feingefühl, wie es der Familie geht. Er nutzt dafür das, was die Kinder sagen. Oft sind es Sätze, die so erstaunlich sind, so naiv und doch so wahr! Die Geschichte geht sehr nahe und wirkt lange nach.

    Rezension von Heike Rau

    Paulus Hochgatterer
    Der Tag, an dem mein Großvater ein Held war
    Erzählung
    112 Seiten, gebunden
    Deuticke Verlag
    ISBN-10: 3552063498
    ISBN-13: 978-3552063495
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    Mein allererstes Knabberbuch

    Von hera | 14.September 2017

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    Das Buch ist hübsch anzusehen. Auf dem Cover ist eine Maus aus Stoff-Applikationen mit kuschelweichem grauem Fell, aufgenähten Ohren und Schwänzchen zu sehen. Mit ihren aufmerksamen schwarzen Augen, dem freundlichen Lächeln und der roten Stupsnase lädt sie Kinder zum Betrachten des Buches ein. Und weil Babys und Kleinkinder nun mal alles zum Erforschen in den Mund nehmen und auch vor Büchern nicht haltmachen, hat es eine praktische Knabberecke mit Noppen. Diese blaue Ecke, die beim Draufbeißen etwas nachgibt, kann gleichzeitig auch Zahnungshilfe sein und das Zahnfleisch massieren.

    Gezeigt werden im Stoffbuch neben der lustigen Maus weitere sechs Tiere. Auch sie spielen und knabbern gerne. Katze, Schaf, Ziege, Hund, Hase und Schwein sind auf bunten und schön gestalteten Seiten dargestellt. Der Hund hat einen Knochen, das Schaf ein Kleeblatt, der Hase eine Karotte und das Schweinchen einen grünen Apfel. Die Hintergründe sind, was Farben und Muster angeht, vollkommen unterschiedlich gestaltet.

    Anfangs wird das Buch einfach nur Spielzeug sein. Es macht den Kleinen Spaß, die samtweichen Seiten zu greifen, zu befühlen und die Knabberecke zu erkunden. Bald lädt die farbenfrohe Gestaltung zum Entdecken der Farben und zum Betrachten der Bilder ein. Später können die Eltern ihren Kindern vermitteln, welche Tiere zu sehen sind und sich kleine Geschichten dazu ausdenken. Das Buch gefällt also von der Gestaltung her und den Bildaussagen gut.

    Der Vorteil gegenüber einem Pappbuch ist, dass die Seiten nicht aufweichen können. Zudem ist das Stoffbuch bei 30 Grad waschbar, was sehr praktisch ist und wenn man es genau nimmt, bei Babys auch unumgänglich. Das Buch kann also, wann immer es nötig ist, im Waschgang für pflegeleichte Wäsche mit gewaschen werden. Hinterher ist es wie neu, und kann erneut für kindgerechte Unterhaltung sorgen.

    Rezension von Heike Rau

    Mein allererstes Knabberbuch
    Design Monika Neubacher-Fesser
    8 Seiten aus Stoff mit Knabberecke
    ab 3 Monaten
    Ravensburger Buchverlag
    ISBN-10: 3473317322
    ISBN-13: 978-3473317325
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    Benjamin Cors: Gezeitenspiel – Ein Normandie-Krimi

    Von hera | 13.September 2017

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    Nicolas Guerlain hat nie wahrhaben wollen, dass seine Julie einfach so verschwunden ist. Er hat immer nach ihr gesucht, immer versucht herauszufinden, was passiert sein können. Julie einfach aufzugeben, war für ihn keine Option. In diesem Buch betritt sie nun tatsächlich wieder die Bühne. Es besteht ein Zusammenhang mit geplanten Anschlägen auf die Atlantikküste der Normandie. Julie war all die Jahre ganz nah an der Zielperson dran, dem Abgeordneten Pierre Melville.

    Nicolas Guerlain ist Personenschützer. Nach einem spektakulären Einsatz arbeitet er nun wieder für die französische Regierung. Aber er hat sich auch mit dem drohenden Anschlag zu beschäftigen. Was Genaues ist nicht zu sagen, nur dass dieser am 6. Juni, dem Tag der Alliierten-Landung, stattfinden soll. Julie ist, als Geliebte von Pierre Melville, eingeweiht. Nur fragt sich Nicolas Guerlain, ob Pierre Melville sie nicht durchschaut hat.

    Das Buch ist extrem spannend geschrieben. Viele Extremsituationen spielen sich in Zeitlupe ab. Der Autor schildert praktisch jede Zehntelsekunde. Die Zeit wird zum Zerreißen gespannt. Andererseits läuft die Zeit davon. Denn selbst wenn Pierre Melville festgesetzt werden würde, heißt das noch lange nicht, dass er das Spiel verloren hat. Das ist sehr faszinierend!
    Besonders interessant ist Julies Rolle, deren Verschwinden in den vorgehenden Büchern Nicolas Guerlain sehr beschäftigt hat. Er gerät durch sie praktisch wieder in einen Ausnahmezustand, obwohl das überwunden zu sein schien. Dabei ist es so wichtig, dass er die Nerven behält. Von ihm hängt viel ab. Das wird immer wieder deutlich gemacht. Zum Ende hin wird die Situation immer brenzliger! Schachzug um Schachzug bis zum Tag des geplanten Anschlags.
    Wieder hat das Buch kein Ende, auch wenn der Fall natürlich abgeschlossen ist. Man darf also weiter gespannt sein.

    Rezension von Heike Rau

    Benjamin Cors
    Gezeitenspiel – Ein Normandie-Krimi
    Ein neuer Fall für Nicolas Guerlain
    448 Seiten, Klappenbroschur
    dtv Verlagsgesellschaft
    ISBN-10: 3423261412
    ISBN-13: 978-3423261418
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    Sonja Heiss: Rimini

    Von Claudine Borries | 13.September 2017

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    Familienleben mit vielen Zwischentönen.

    Drei Paare: Eltern, Tochter und Sohn mit Partnern bilden den Mittelpunkt dieser Geschichte, in der es um Liebe, Treue, Anhänglichkeit, Versagen und wie immer auch Vergänglichkeit geht.

    Die Eltern, Barbara und Alexander, haben bereits nach langen Ehejahren ihr Rentenalter erreicht. Weihnachten treffen alle wie gewohnt zusammen.

    Hans, ihr Sohn und Anwalt von Beruf, dümpelt in seiner Ehe mit einer sehr dominanten Frau vor sich hin. Ihre beiden Kinder Lou und Leo sind in den Augen der Großeltern reichlich streng und rigide erzogen. Und Masha erst! Sie ist die jüngere Schwester von Hans und mit 39 eigentlich ein altes Mädchen, aber auch sie scheint den Absprung ins eigene Leben nicht recht zu schaffen. Das Weihnachtstreffen findet bei Hans und Ellen statt und rundheraus lässt sich sagen: alle gehen einander auf die Nerven. Irgendetwas scheint allen zu fehlen, um zu einem glücklichen und autonomen Leben zu finden.

    Gespannt folgt der Leser einer Entwicklung, bei der so nach und nach die Eigenheiten aller Partner zum Vorschein kommen, und man ist nicht erfreut, wie unübersichtlich das emotionale Durcheinander aller Beteiligten ist.

    Außer Ellen, dieser großen und durchsetzungsfähigen Frau von Hans, gehen alle scheinbar gegenseitig aneinander unter.

    Hans leidet an unkontrollierten Wutanfällen und besucht regelmäßig eine Psychoanalytikerin, in die er sich zuletzt verliebt. Damit ist der Therapieerfolg natürlich ausgeschlossen.

    Alles in allem beruhen die Thesen des Romans auf der Erkenntnis, dass Menschen im Laufe ihres Lebens Wandlungen durchmachen, die sehr häufig das Zusammenleben stören.

    Sonja Heiss wirft einen realistischen Blick auf die zwischenmenschlichen Beziehungen.

    Geheime Wünsche, erwartete Freuden, mentale und sexuelle Erfüllung und immer wieder auch Enttäuschungen sind die Eckfeiler menschlicher Existenzen. Hier zappelt sich jeder und jede ab, um am Ende an den Widersprüchen von Wünschen und Wirklichkeit zu scheitern. Wie die Autorin die einzelnen Widrigkeiten beschreibt, ist der Wirklichkeit recht genau abgeschaut. Gerüche des Partners, Geiz oder eigensinnige Verhaltensweisen stören den ehelichen Frieden und führen zur inneren und äußeren Abkehr. Als Alexander stirbt, merkt Barbara erst, wie sehr sie das Zusammenleben mit ihm als Selbstverständlichkeit hingenommen hat, und die in ihren Augen abstoßenden Verhaltensweisen das Leben überschattet haben. Man ist nahe dran an den Protagonisten und kann sich lebensnah in die gegenseitigen Zweifel, die Wut und Abkehr einfühlen. Es ist ein wenig traurig mit anzusehen, wie nach und nach die Beziehungen aller zueinander in die Brüche gehen. Ein paar schöne Erinnerungen an die Frühzeit der Eltern bieten Lichtblicke, doch das Scheitern auch der beruflichen Erfolge von Hans und Masha überwiegt. Immerhin schafft Masha sich sehr verspätet noch ein persönliches Glück. Meint man beim Lesen aus der Ferne nicht „Die Korrekturen“ von Jonathan Franzen aufscheinen zu sehen? Der Zerfall von Familien ist in beiden Romanen zentrales Thema.

    Am Ende des Romans findet man zu dem Schluss, dass Leben von unterschiedlichen Schattierungen geprägt ist, und dass es vieler zu bestehender Bewährungsproben bedarf, um heil und unverletzt aus dem Lebensschlamassel herauszukommen.

    Der Debütroman von Sonja Heiss lässt auf weitere Erfolge hoffen!

    Sonja Heiss
    Rimini
    400 Seiten, gebunden
    Kiepenheuer&Witsch, August 2017
    ISBN-10: 3462050443
    ISBN-13: 978-3462050448
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    Pierre Lemaitre: Drei Tage und ein Leben

    Von Claudine Borries | 13.September 2017

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    Pierre Lemaitre ist ein fein beobachtender Autor, der mit seinen Themen tief in das Leben seiner Protagonisten eindringt.

    In dem kleinen Ort Beauval in Frankreich verschwindet kurz vor Weihnachten 1999 der sechsjähriger Rémi spurlos.

    Niemand kann sich erklären, wo er geblieben ist.

    Einer der Dorfbewohner ist 12 Jahre alt und heißt Antoine. Er hat sich im Wald ein Baumhaus gebaut. Dorthin begleitet ihn häufig der Hund vom Nachbarn Desmedt. Er ist der Vater von Rémi. Die anderen Kinder spielen mit dem Playmobil von Kevin. Antoines Mutter aber möchte, dass ihr Sohn weiter in der Natur und im Wald spielt. So fühlt er sich oft einsam. Sein Vater ist schon lange auf und davon, und die Mutter schlägt sich tapfer mit ihm durch.

    Leider passiert ein Unglück, und Antoine zerstört sein Baumhaus in einem Anfall von Wut. Nachvollziehbar schildert uns P.Lemaitre, wie Antoine tags zuvor zusehen musste, als Desmedt seinen von einem Auto verletzten Hund erschießt. Das Ende des Hundes mit dem pikanten Namen Odysseus ist ein Schock für Antoine, denn er war sein stiller Begleiter und Tröster in der Not. Was aber weiß er vom Verschwinden Rémis? Er war derjenige, der ihn zuletzt gesehen hat.

    Minutiös schildert uns PL, wie Antoine in ein Netz von Verstrickungen gerät. Er verhält sich auffällig, unruhig und verdächtig. Niemand käme auf die Idee, dass er etwas mit dem Verschwinden von Rémi zu tun haben könnte. PL zeigt uns seine tief verletzte Seele, die vom Tod des Hundes in eine Art Schockstarre gefallen ist. Der Junge wird von Einsamkeit und Schmerz überwältigt.

    Das Dorf mit seinen aufgeschreckten Menschen, den untersuchenden Beamten und der Unruhe, die das Verschwinden des kleinen Rémi gebracht hat, ist höchst genau beobachtet. Es sind drei Tage, in denen die Suche nach Rémi das Geschehen bestimmt.

    Ein apokalyptisches Unwetter verwischt schließlich alle Spuren, und die Suche wird aufgegeben.

    Im Jahr 2015 ist Antoine Arzt. Er hat eine Freundin, und die Ängste und Schrecken der Vergangenheit scheinen überwunden. Er wird sich ein neues Leben aufbauen.

    Doch Lemaitre wird die Geschichte neu ankurbeln und mit unglaublichen Ereignissen zu einem mehr oder weniger unerwarteten Ende führen.

    Man kann nicht umhin, den Autor für das Maß an Genauigkeit und Recherche mit feinsten Details zu bewundern. Die Mischung aus Krimi und vorstellbarer Lebenstragödie gibt dem Roman den letzten Schliff. Darin ist Pierre Lemaitre ein Meister, wie er schon mit seinem Roman“ Wir sehen uns da oben“ bewiesen hat. Mit diffizilen und sparsamen Mitteln steigert er die Geschichte bis zu einem wirklich überraschenden Ende. Atemlos und gespannt kann man vom Lesen nicht mehr lassen. Einmal mehr beweist uns die Geschichte, dass das Leben unergründliche Wendungen nehmen kann, die Lebenspläne und Hoffnungen zunichtemachen können. Literatur kann die Schattenseiten des Lebens aufzeigen. Dieser Roman ist ein Beispiel dafür. Sehr empfehlenswert.

    Pierre Lemaitre
    Drei Tage und ein Leben
    272 Seiten, gebunden
    Klett-Cotta, September 2017
    ISBN-10: 3608981063
    ISBN-13: 978-3608981063
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    Uwe Timm: Ikarien

    Von Claudine Borries | 7.September 2017

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    Zu Beginn der Lektüre fragt man sich, ob man wirklich noch einmal mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und seinen Gräueln konfrontiert werden will.

    Doch nach den ersten Zeilen lässt einen die Geschichte nicht mehr los.

    Worum geht es?

    Michael Hansen geht als deutschsprachiger Offizier nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach Frankreich und von dort nach Bayern. Seine Eltern sind durch Zufall schon vor dem Krieg aus Deutschland nach Amerika geraten, wo sie dann geblieben sind.

    Uwe Timm hat die großartige Gabe, Sachliches mit Poetischem zu verbinden. Während der junge Offizier von einem Auftrag zum nächsten eilt, bemerkt er den nahenden Frühling und kann die Farben und Stimmungen in Worte fassen. Ihm begegnen die ersten Nazis und Menschen, die keine Parteimitglieder waren.

    Unwillkürlich kommen beim Leser Erinnerungen hoch an die ersten Eindrücke vom Einmarsch der Alliierten und von den armseligen, verhungerten Gestalten, die durch die Straßen der zerstörten Städte schlichen.

    Die sauber gekleideten Soldaten und die abgemagerte und gedrückte Bevölkerung bilden einen krassen Gegensatz.

    Hansen bekommt einen besonderen Auftrag: er soll etwas über die Rassehygieniker herausfinden, deren Ideologie der reinrassigen Bevölkerung zu den unmenschlichen Versuchen an Menschen und Behinderten im Nazireich geführt hatten.

    In München findet er einen Antiquar, den Dissidenten Wagner, der den Eugeniker Alfred Ploetz kannte.

    Im weiteren Verlauf berichtet er Hansen, der ihn im Auftrag des CIC verhörte, von einer ideologisch verbrämten Gemeinde zu Ende des 19. Jahrhunderts in Amerika.

    Aufbauend auf sozialistischen und kommunistischen Gedankengut und den Ideen des französischen Revolutionärs Étienne Cabet, hatten sich die Auswanderer eine utopische Gemeinde mit Namen Ikarien vorgestellt und in die Praxis umzusetzen versucht.

    Das Experiment scheitert, doch A. Ploetz wird zum Verfechter einer reinen Rasseidee.

    Nun beginnt eine lange Abhandlung über die Verhöre und zugleich des Lebens der amerikanischen Soldaten in Deutschland.

    Uwe Timm nimmt sich Zeit, in seinen Perspektiven zwischen Verhören und Leben in Deutschland zu wechseln.

    Auf diese Weise entsteht ein atmosphärisches Bild dieser „Zwischenzeit“. Zwischen dem Kriegsende bis zur Normalisierung des Lebens und Gründung der BRD lagen einige Jahre, in denen Fraternisierung verboten und schließlich übersehen wurde. Jeder sah am Ende, wie er am besten durchkam.

    Das Buch ist umfassend und beleuchtet die Zustände der Euthanasie, über die schon während des Krieges und erst recht danach die unmäßigsten Behandlungspraktiken und Menschenversuche bekannt wurden.

    Die Ausführung der Tötung der von oben bestimmten Kategorie von „unwertem Leben“ hat nach dem Krieg zu einem Aufschrei der Empörung und der Tabuisierung jedweder Euthanasiegedanken in Deutschland und in der Welt geführt.

    Sich mit dem barbarischen Tun noch einmal zu konfrontieren ist aufschlussreich aber auch quälend. Die guten poetischen Einschübe beispielsweise über einen Vogelkundler unter den Amerikanern und kleine Liebeleien und Bootsfahrten auf dem Starnberger See entspannen die Erzählung und bieten den Rahmen der Menschlichkeit, die es schließlich überall und immer auch gab.

    Die schwere Kost ist nicht für jeden erträglich. Uwe Timm ist ein Könner unter den Autoren, und wer ihn kennt, wird auch diesen Roman begrüßen.

    Uwe Timm
    Ikarien
    512 Seiten, gebunden
    Kiepenheuer&Witsch, September 2017
    ISBN-10: 3462050486
    ISBN-13: 978-3462050486
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    Jake Halpern und Peter Kujawinski: Tochter der Flut

    Von hera | 6.September 2017

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    Die Bewohner einer Insel müssen diese nach 14 Jahren verlassen, weil die endlose Nacht wieder hereinbricht. In der kommenden eisigen Dunkelheit kann kein Mensch überleben. Das Dorf wird nach alten Bestimmungen hergerichtet. Nichts soll an die Menschen erinnern, die hier gelebt haben.
    Doch als die Boote kommen, ist Line nicht da. Marin ahnt, dass er auf der Suche nach ihrem Sonnenstein ist, den sie im See am Wald angeblich verloren hat. Ein Ort, an dem die jungen Leute nicht hätten sein dürfen. Marin macht sich heftige Vorwürfe. Sie kann Line nicht zurücklassen. Es muss ihm etwas passiert sein. Zusammen mit ihrem Bruder Kana, macht sie sich auf den Weg. Sie finden Line, der allerdings verletzt ist. Auf dem beschwerlichen Rückweg vergeht zu viel Zeit und so verpassen die jungen Leute die Boote und bleiben auf der nun lebensfeindlichen Insel zurück.

    Die Autoren haben ein interessantes Szenario für dieses Buch entworfen. Auf der Insel herrschen 14 Jahre Tag, auf die 14 Jahre Nacht folgen. In ewiger Dunkelheit ist kein Leben auf der Insel möglich. So heißt es jedenfalls. Jeder hat Angst vor der Nacht, deshalb die Flucht. Was in der Nachtphase geschieht, vermag keiner wirklich zu sagen. Es wagt auch keiner von den Erwachsenen, danach zu fragen. Es muss hingenommen werden, was geschieht.
    Und dann werden die drei Jugendlichen zurückgelassen. Allein … und doch nicht allein. Mit all ihren Ängsten und Befürchtungen, die auch dem Leser sehr nahe gebracht werden.
    Marin, Line und Kana müssen um jeden Preis von der Insel, das ist ihnen bewusst und wird durch die Umstände deutlich gemacht. Sie entwickeln einen Plan. Der Weg ans Ziel wird allerdings immer wieder unterbrochen. Eine dramatische Situation reiht sich an die nächste.
    Das Buch erreicht eine ungeheure und nervenaufreibende Spannung. Dabei schreiben die Autoren auch noch ausgesprochen fließend und sehr bildhaft. Man wird förmlich hineingezogen in dieses packende Lesevergnügen.

    Rezension von Heike Rau

    Jake Halpern und Peter Kujawinski
    Tochter der Flut
    Aus dem amerikanischen Englisch von Wolfram Ströle
    384 Seiten, gebunden
    Ravensburger Buchverlag
    ISBN-10: 3473401560
    ISBN-13: 978-3473401567
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