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  • Caroline Ronnefeldt: Quendel – Windzeit, Wolfszeit

    Von hera | 14.Oktober 2019

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    Nach der Schreckensnacht, die in Band 1 ihren Abschluss gefunden hat, geht es nun endlich mit Band 2 weiter. Die Bewohner des Hügellandes kommen nicht zur Ruhe, sosehr man auch versucht, zu vergessen. Kartenschreiber Bullrich Schattenbart ist dem Finster entkommen, aber es geht ihm schlecht. Beda Schattenbarts Schicksal, sie ist Bullrich Schwägerin, scheint nach einem grausigen Vorfall besiegelt zu sein. Odilio Pfiffer sieht weiteres Unheil nahen.

    Bei der einberufenen Ratsversammlung wird klar, welches Ausmaß die überaus gruselige Nacht hatte. Alle haben beängstigende Beobachtungen gemacht, die darauf hindeuten, dass die Übergänge zur Anderswelt durchlässig wird. Seit Tagen ist es seltsam neblig. Es braut sich etwas zusammen, glaubt man den alten Legenden. Das anstehende Bäumelburger Maskenfest müsste eigentlich abgesagt werden. Die Bewohner des Hügellandes sollten besser in ihren Häusern bleiben und sich dort verbarrikadieren. Aber andererseits kann der Umzug vielleicht die bösen Geister vertreiben. Die Urahnen glaubten daran.

    Und so ziehen sie dann doch gemeinsam los mit ihren Masken: Odilio Pfiffer mit seinem Kater Reizker Fuchsrot, der kaum genesene Bullrich Schattenbart, Hulda Hallimasch, Hortensia Samptfuß-Krempling, Zwentinbold Bitterling mit seiner Frau Tilda und der junge Quendel Karlmann Schattenbart. Die Gruppe ist mutig, aber auch verängstigt und rechnet kaum damit, bis nach Bäumelburg durchzukommen. Jedes Geräusch und jede Wetterveränderung verursacht Angst und Schrecken.

    Auch dieser 2. Band gefällt mir ausgesprochen gut! Die Autorin schreibt im gewohnten Stil und schmückt die Geschichte mit vielen fantasievollen und sehr ausführlichen Beschreibungen aus. Es geht sehr langsam voran, weil es der Moment ist, der zählt und der intensiv erlebbar gemacht wird. Man muss sich Zeit nehmen für dieses Buch, was nicht einfach ist, denn es wird eine kaum auszuhaltende Spannung aufgebaut. Die Versuchung ist groß, einige Seiten vorzublättern, um zu sehen, wie eine bestimmte Szene ausgeht!

    Die zusammengewürfelte Gruppe, jeder Quendel hat so seine Eigenheiten, hat gegen ein unglaublich wildes Wetter und seltsame Phänomene zu kämpfen. Der Autorin gelingt es gut, diese unheimliche Atmosphäre dem Leser zu verdeutlichen. Man hat die Szenen deutlich vor Augen und bangt mit um einen guten Ausgang der Geschichte! Dieser Erzählstrang ist aber nicht der einzige. Es gibt noch einen, der später einsetzt und im Finster spielt. Band 1 ließ hier einige Fragen offen, die nun geklärt werden. Es wartet eine ungeahnte Überraschung auf den Leser!

    Rezension von Heike Rau

    Caroline Ronnefeldt
    Quendel – Windzeit, Wolfszeit
    2. Teil der Quendel-Saga
    480 Seiten, gebunden
    Ueberreuter Buchverlag
    ISBN-10: 3764170964
    ISBN-13: 978-3764170967
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    René Freund: Swinging Bells

    Von hera | 10.Oktober 2019

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    Sandra und Thomas hatten noch kein Weihnachtsfest, das sie nach ihren Wünschen gestalten konnten. Stets waren familiäre Verpflichtungen einzuhalten. Aber dieses Jahr klappt es endlich! Dass ihr zum Verkauf anstehendes Doppelbett ausgerechnet am Weihnachtsabend abgeholt werden soll, trübt die Stimmung nicht. Die Käufer sind sicher schnell wieder weg!

    Doch Elisabeth und Leo haben es nicht eilig. Sie bewundern den Christbaum und machen es sich im Wohnzimmer gemütlich. Thomas, der eben noch kurz einkaufen war, staunt nicht schlecht! Aber man muss ja höflich bleiben! Wird das Gespräch auf das Bett gelenkt, weichen Elisabeth und Leo aus, als wollten sie Zeit schinden. Während sie ganz in Ruhe den mitgebrachten Prosecco mit ihren Gastgebern trinken, lassen sie nicht nach, zweideutige Anspielungen zu machen, die jedoch zu ihrer Überraschung keine Wirkung zeigen. Sandra und Thomas, aber auch Elisabeth und Leo merken mit der Zeit, dass etwas nicht stimmt. Und so braucht man bald etwas Stärkeres im Glas.

    Es hätte ein spannender erotischer Roman werden können. Aber darauf läuft diese Beziehungskomödie, auch wenn es lange den Anschein hat, nicht hinaus. Dem Autor geht es vielmehr darum, die Gegensätzlichkeit zweier Paare zu zeigen: Das eine Paar lebt in trauter Zweisamkeit, während das andere Paar sich gewisse Freiheiten gönnt. Doch was sagt das aus über die jeweilige Beziehung?

    Die Sprachlosigkeit von Sandra und Thomas wird mit einem Spiel, das Elisabeth und Leo mitgebracht haben, übergangen. Es kommt zu Diskussionen, die in die Tiefe gehen. Aus Sandra und Thomas als Paar werden zwei Personen. Jeder spricht für sich selbst und so werden Träume und Wünsche offenbart, die vom anderen nicht zu vermuten waren. Träume und Wünsche, die sich Elisabeth und Leo erfüllen! Wie also, muss eine glückliche Beziehung gestaltet sein? Es gibt darauf keine Antwort, es kann sie nicht geben! Das Buch regt dazu an, in diesem Sinne darüber nachzudenken. Aber das muss natürlich nicht sein! Man kann diese amüsante Geschichte auch einfach so lesen und sich von dem kontroversen Schlagabtausch, den sich die beiden Paare liefern, unterhalten lassen.

    Rezension von Heike Rau

    René Freund
    Swinging Bells
    192 Seiten, gebunden
    Deuticke Verlag
    ISBN-10: 3552064001
    ISBN-13:978-3552064003
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    Artur Dziuk: Das Ting

    Von hera | 7.Oktober 2019

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    Im Laufe eines Lebens sind viele Entscheidungen zu treffen. Ob eine Entscheidung richtig oder falsch war, lässt sich erst im Nachhinein sagen und manchmal selbst dann nicht. Was wäre, wenn es eine App gäbe, die Entscheidungsempfehlungen ausgibt, die direkt auf die eigene Person zugeschnitten sind. Linus, er ist Entwickler, hat ein Programm entwickelt, das in diese Richtung geht. So hat er seine Promotion abgebrochen, weil das Ting es so wollte. Seine Bewerbung bei Strindholm Consulting wird zum Desaster, obwohl das Ting wollte, dass er sich dort bewirbt. Aber er trifft Adam Strzela hier wieder, der durch einen Vorfall im Bewerbungsverfahren zum ehemaligen Mitarbeiter wird. Am Ting hat er seinen Anteil. Das Navigationssystem war seine Idee gewesen. Dass er diese Idee, zu seinem Vorteil und ohne Rücksicht auf Linus zu nehmen, nutzte, hat zu einem Zerwürfnis zwischen den beiden geführt. Aber nun ist aus der Idee durch Linus eine App geworden, die man benutzen kann und die Linus ihn ausprobieren lässt.

    Adam ist begeistert und schlägt vor ein Start-Up zu gründen mit ihm selbst als Geschäftsführer. Beide holen Nui mit ins Boot. Die introvertierte Programmiererin vervollständigt das Team. Die Anschubfinanzierung leistet ausgerechnet Kasper Strindholm, der sich von Strindholm Consulting verabschiedet hat, nachdem sein Vater ihm eröffnet hat, dass er nach seiner Pensionierung nicht ihn, sondern seine Schwester in die Geschäftsführung beruft. Der erste ernsthafte Testdurchlauf startet und Linus, Adam, Nui und Kaper verpflichten sich, jeder Aufforderung des Tings Folge zu leisten.

    Es ist schon einigermaßen befremdlich, sich vorzustellen, dass eine künstliche Intelligenz Entscheidungen trifft, die man einzuhalten hat. Wo würde das hinführen, wenn man tatsächlich daran gebunden wäre? Artur Dziuk geht dieser Vorstellung nach und zeigt am Lebensweg der vier Testpersonen, was das mit den Menschen macht. Man kommt nicht umhin, zu überlegen, wie eigentlich der heutige Datensammelwahnsinn genutzt wird und wie wir beeinflusst werden, ohne es zu merken. Dahin soll ja auch das Ting gebracht werden. Der Mensch soll nicht mehr unterscheiden können, ob er selbst eine Entscheidung trifft oder das Ting.

    Das Buch ist extrem spannend! Auch, weil die vier Gründer des Start-Ups so unterschiedlich sind. Nicht jeder von Ihnen wird nur vom Profitdenken gelenkt. Ich hatte aber bald den unheimlichen Eindruck, dass das Ting auch seine eigenen Interessen mit ins Spiel bringt. Mögliches und Unvorstellbares kommt zusammen. Die Persönlichkeit wird auf groteske Weise vom Ting beeinflusst. Und man beginnt zu hoffen, dass die vier Unternehmer das erkennen und noch die Kurve kriegen!

    Rezension von Heike Rau

    Artur Dziuk
    Das Ting
    464 Seiten, gebunden
    Deutsche Verlagsgesellschaft, bold
    ISBN-10: 3423230061
    ISBN-13: 978-3423230063
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    Simone Lappert: Der Sprung

    Von Claudine Borries | 6.Oktober 2019

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    Eine Frau Steht auf dem Dach eines Hauses in einer mittelgroßen Kleinstadt. Sie wird entdeckt von Menschen, die sie kennen und von anderen, die sich fürchten vor dem, was da kommen mag. 

    In einer Reihe von literarischen Porträts der Zuschauer des aufregenden und beängstigenden Vorgangs erfährt man, wie ein jeder sein Leben lebt. Durch die Dramatik des Spektakels verlieren einige das innere Gleichgewicht. Andere sind eher sensationslüstern, erleben das Ganze als Nervenkitzel, das sie aus dem öden Alltag reißt.

    Ja, diese Frau will offensichtlich Suizid begehen.

    Klug aufgebaut macht uns die Autorin bekannt mit dem, was ein Kleinstadtleben ausmacht. Jeder hat sein eigenes Schicksal. Glück und Unglück, Eintönigkeit und Langeweile liegen nahe beieinander. Aber ein Einsatz wie den, den die Frau auf dem Dach bei Polizei und Feuerwehr auslöst, findet man nicht alle Tage. Schlagartig beleuchtet das Schicksal von Manu, so heißt die Frau auf dem Dach, auch die Schicksale der anderen. In einzelnen Kapiteln wird jeder/ jede in seinem Umfeld beobachtet.

    Der Polizist wird früh morgens zum Einsatz gerufen, gerade als er sich überlegt, wie er sich seiner Frau verständlich machen könnte, die sich über sein ständiges Schweigen beschwert hat.

    Finn bewundert seine Freundin, die Frau auf dem Dach, für ihre gärtnerischen Fähigkeiten und ihre Naturliebe.
    Seine Äußerung „Ich kenne wirklich niemanden, der so ist wie du“ und ihre Antwort „Trifft das nicht auf jeden zu, dem man begegnet“ (S. 43) stehen in ihrer Einfachheit fast als Beispiel für alle Begegnungen in dem Roman.
    Es sind zahlreiche Figuren, auf die man trifft. Fast möchte man meinen, eine jede Romanfigur gleicht in ihrer Darstellung einer eigenen kleinen abgeschlossenen Erzählung.
    Doch eines treibt alle, auch den Leser, an: wie wird die Geschichte weitergehen, wie wird sie ausgehen?

    Mit ihrer lebensklugen und feinen Beobachtungsgabe wird der Leser von Simone Lappert mitgenommen auf eine Reise ins Ungewisse. Der Alltag ringsum, und die Entwicklungen, die sich beim Lesen auftun, nehmen einen ganz gefangen. Bei einigen gibt es nur die Öde und Langeweile, die sie zu Zuschauern der Schauergeschichte machen. Denn Manu schmeißt auch noch mit Ziegeln um sich. Neugierde und Sensationslust füllt rundum die Straßen und Gaststätten mit Gaffern und Zuschauern. Simone Lappert gewährt einen Blick hinter die Kulissen des schönen Scheins. Aufgewühlt durch die Nähe des möglichen Suizids brechen Familienkonflikte auf und schwelende Wut, Eifersucht und gelegentlich auch Einsicht bringen die Menschen aus dem Gleichgewicht. Die Autorin wählt mir ihrer Darstellung das Soziogramm eines kleinen Bezirks der Stadt, in der die festgefügte Ordnung zwischen Freunden, Verwandten und losen Beziehungen innerhalb weniger Tage aufbricht.

    Der Roman bietet Spannung pur ohne mit einer gewissen Ruhe im Detailreichtum der Geschichten einzelner für den Ausgleich zu sorgen, mit dem man sich geduldig dem Ende nähert. 

    Sehr lesenswert!

    Simone Lappert
    Der Sprung
    336 Seiten, gebunden
    Diogenes, August 2019
    ISBN-10: 3257070748
    ISBN-13: 978-3257070743
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    Rudi Beiser: Geheimnisse der Hecken – Heilkraft, Myhten und Kulturgeschichte unserer Sträucher

    Von hera | 1.Oktober 2019

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    Über Hecken macht man sich heutzutage wohl wenige Gedanken. Dabei spielen sie eine nicht unwesentliche Rolle, wenn es um aktuelle Themen wie Klima- und Artenschutz geht! Schon auf den ersten Seiten wird klar, dass Hecken früher einen anderen Stellenwert hatten. Sie waren auch Teil der bäuerlichen Kultur! Hecken sind Biotope, die Weideflächen, Wege und Eigentumsflächen begrenzten. Laub und Reisig wurden für Futterzwecke und als Einstreu verwendet. Heckenholz diente der Bau- und Brennholzgewinnung. Viele Hecken, und die an den Seiten auf dem Boden wachsenden Kräuter, wurden für Nahrungs- und Heilzwecken genutzt. Hecken haben eine ökologische Bedeutung. Sie sind Lebensraum vieler Tiere, darunter auch Insekten. Aber nicht nur darüber schreibt der fachkundige Autor. In den Pflanzenporträts geht es um Historisches, Brauchtum, Volksglaube, traditionelle Naturheilkunde und die Verwendung von Heckenfrüchten in der Küche.

    Die Heckenarten-Porträts sind sehr ausführlich gehalten. Schauen wir uns die Berberitze, auch Sauerdorn genannt, einmal an! Zunächst gibt es eine genaue Pflanzenbeschreibung. Und man erfährt, ob die Berberitzenfrüchte nun giftig sind oder nicht! Die Eignung für den Garten wird aufgezeigt und die ökologische Bedeutung des Strauchs. Mittelalterliches Brauchtum wird beschrieben. Man liest, welche magische Wirkung der Berberitze früher zugeschrieben wurde, welche Rolle sie in der traditionellen und modernen Medizin spielt und wie die Früchte in der Küche verwendet werden können. Verschiedene Rezepte werden präsentiert. Dazu kommt reichlich Bildmaterial, teils großformatig, sodass man sich ein umfängliches Bild von der Berberitze machen kann.

    Insgesamt 23 Pflanzenporträts sind im Buch zu finden. Alle sind überaus umfassend gehalten und mit aussagekräftigem Bildmaterial versehen. Das Werk kann Lesebuch, Beschäftigungsbuch und Nachschlagewerk sein. Der Autor hat eine angenehme Art zu schreiben. Es ist interessant, sich mit den heimischen Sträuchern ausführlich zu beschäftigen. Wer plant, eine Hecke im Garten oder als Grundstücksbegrenzung anzulegen, erhält zahlreiche Tipps dafür.

    Rezension von Heike Rau

    Rudi Beiser
    Geheimnisse der Hecken – Heilkraft, Myhten und Kulturgeschichte unserer Sträucher
    256 Seiten, gebunden
    Verlag Eugen Ulmer
    ISBN-10: 3818607265
    ISBN-13: 978-3818607265
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    Ursula Voß: Ein Leben für die Liebe

    Von Claudine Borries | 29.September 2019

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    Louise de Vilmorin war eine berühmte Salonière zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Frankreich. Sie entstammte einem begüterten Landadelsgeschlecht und lebte von 1902-1969. Als einzige Tochter neben zahlreichen Brüdern der Familie wurde sie zärtlich verwöhnt.
    Sie war schön, reizvoll und besaß Esprit.

    In ihren Pubertätsjahren erkrankte sie an Tuberkulose und musste Jahre lang das Bett hüten. Doch sie war verführerisch, so dass sich schon bald die ersten Bewerber um ihre Liebe einstellten. Der Schriftsteller und berühmte Flieger Saint-Exupéry war einer der ersten Bewerber um ihre Gunst. Er sollte nicht der einzige bleiben! Der Briefwechsel mit der von ihm Geliebten brach allerdings erst nach seinem Tod ab.

    Louise heiratet mit 23 Jahren einen amerikanischen Unternehmer und geht mit ihm nach Las Vegas in Amerika. Nach der schnellen Geburt dreier Töchter langweilt sie sich, so daß es sie nach New York treibt. Dort begannen entscheidende Jahre, in denen sie sich zu einer Stilikone, Dichterin und Geliebten zahlreicher reicher und berühmter Männer wandelte.

    Etwa 1933 zog sie zurück nach Paris. Exupéry führte sie in Paris in den Salon von Madame Lestrange ein. Dort fand sie sich im Kreis anerkannter Intellektueller wieder, und dort fand sie ihre Bestimmung: eine begehrte Dichterin und Liebhaberin zahlreicher Männer und alles Mondänen und Außergewöhnlichem zu werden.

    Unter den Liebhabern traten Namen hervor wie Man Ray, Friedrich Sieburg, Jean, Cocteau und Orson Wells. Der aus dem ungarischen Adelsgeschlecht stammende Fürst Esterhazy und am längsten und intensivsten André Malraux und viele andere mehr gehörten ebenfalls zu ihren Liebhabern.

    Ursula Voß gebührt Anerkennung dafür, wie sie das Leben dieser außergewöhnlich exzentrischen und verführerischen Dame charakterisiert und nachgezeichnet hat.
    Wunderbar beschreibt sie Louise de Vilmorin mit ihrer Ausstrahlung, die sie auf fast jeden hatte, dem sie begegnete. Ihr Esprit, Charme und das glamouröse Ambiente ihrer Kleidung und ihres Auftretens war legendär.
    Die Details der Stationen ihres Lebens lassen das Leben der Moderne in Paris und anderswo hervortreten, so dass man sich ein lebhaftes Bild von den Salons und dem kulturellen Leben zu Beginn des 20.Jahrhunderts machen kann.

    Die Namen der Personen, denen sie in ihrem Leben begegnete und die Orte und Städte, in denen sie sich aufhielt, sind so zahlreich, dass man fast ein wenig Mühe hat, sich alle zu merken.
    Louise fühlte sich selbst zur Schriftstellerin berufen und hat einige namhafte Roman, unter ihnen „Die Frau im Taxi“, verfasst. Mit dem Verleger Gallimard, auch er einer ihrer Verehrer und eine bekannte Größe im damaligen Geistesleben Frankreichs, hatte sie die nötigen Verbindungen, um als Schriftstellerin Erfolg zu haben.

    Ein unterhaltsames, informatives und malerisches Bild ist der Autorin Ursula Voß mit ihrem vorliegenden Buch gelungen.

    Ursula Voß
    Ein Leben für die Liebe
    144 Seiten, gebunden
    Verlag:Ebersbach & Simon, September 2019
    ISBN-10: 3869151870
    ISBN-13: 978-3869151878
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    ... | Kommentare deaktiviert für Ursula Voß: Ein Leben für die Liebe | Kategorie Biografie |

    Johanna Thydell und Emma Adbåge: Blödes Bild!

    Von hera | 25.September 2019

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    Die kleine Minze sitzt mit ihrem drei Jahre älteren Bruder in der Küche am Tisch. Beide wollen malen. Gern würde Minze auch so schön oder noch schöner malen als Max. Aber sie hat im Gegensatz zu ihm keine Idee. Sie könnte malen, was ihr Bruder malt. Aber sie kann nicht sehen, was er macht, denn er hat einen Arm um sein Zeichenblatt gelegt, tut geheimnisvoll und will nichts verraten.

    Gelangweilt läuft Minze in der Wohnung herum, um doch noch auf eine Idee zu kommen. Dann sieht sie, dass es draußen schneit, und beschließt Schnee zu malen. Weißen Schnee auf ein weißes Blatt zu malen, gelingt nicht, wie Minze bald einsehen muss. Max hilft mit einem hilfreichen Vorschlag weiter. Aber Minze ist mittlerweile sehr gefrustet, was man gut an ihrer Körperhaltung, der Mimik, dem rotem Kopf und den fliegenden Zöpfen erkennen kann. Ein Missgeschick folgt dem anderen. Es ist unfassbar! Schließlich wird das blöde Bild voller Wut von dem kleinen Mädchen zerknüllt und mit der Schere bearbeitet. Doch damit ist die Geschichte nicht beendet.

    Das Buch ist sehr einfühlsam geschrieben und wunderbar gezeichnet. Kinder werden den Frust der kleinen Minze gut verstehen können. Es gibt so Tage, an denen einfach nichts gelingen will.

    Die Autorin zeigt im Buch, dass Kreativität oft eigene Wege geht und auch mit Wut und Ärger im Bauch etwas entstehen kann. Es ist eine große Überraschung zu sehen, was letztendlich aus Versehen aus dem zerknüllten Papierball wird. Und auch das Bild, das Max gemalt hat, bringt Minze zum Staunen. Es zeigt, wie lieb Max seine kleine Schwester hat. Zum Schluss arbeiten die beiden gemeinsam. Die kleine Schwester zeigt dem großen Bruder genau, wie sie aus ihrem blöden Bild ein kleines Kunstwerk gezaubert hat. Diese Idee kann jedes Kind ausprobieren! Garantiert wird jedes auf diese Weise erschaffene Kunstwerk ein Unikat sein!

    Rezension von Heike Rau

    Johanna Thydell und Emma Adbåge
    Blödes Bild!
    Aus dem Schwedischen von Maike Dörries
    32 Seiten, gebundenes Bilderbuch
    ab 3 Jahren
    Verlag Antje Kunstmann
    ISBN-10: 3956143272
    ISBN-13: 978-3956143274
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    Ursula Ott: Das Haus meiner Eltern hat viele Räume

    Von Claudine Borries | 23.September 2019

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    In diesem Buch des Abschieds und der Erinnerungen kann sich sicher jeder in irgendeiner Weise wiederfinden, der seine alten Eltern ins betreute Wohnen oder in ein Altersheim verabschieden muss.

    Die Eltern der Autorin gehörten zur Nachkriegsgeneration, in der noch sehr andere gesellschaftliche Vorstellungen über die Regeln des Zusammenlebens herrschten als in der Welt ihrer Kinder, die zu Beginn der sechziger Jahre geboren wurden. 

    Als die Mutter der Autorin nach dem frühen Tod des Vaters zusehends älter wird und zu vereinsamen droht, fassen ihre Töchter und sie selber den Entschluss, in ein betreutes Wohnen umzuziehen. Da die Töchter beruflich und familiär in weit entfernte Städte gezogen sind, ist der Besuch und die Betreuung der Mutter schwierig geworden.

    Sie wird vom Bodensee nach Stuttgart ziehen. Der Entschluss ist gefasst, doch bis der Umzug erfolgen kann, müssen alle das Haus ausräumen. Mit diesem Vorgang befasst sich die Autorin in ihrem vorliegenden Büchlein.
    Jedes Blatt, jedes Bild und jedes Möbelstück, wird auf seine Verwertbarkeit begutachtet. Was will man behalten, was soll entsorgt werden, was kann man verschenken oder verkaufen?

    Und natürlich sind alle Gegenstände mit Erinnerungen verbunden.
    Ursula Ott versteht es vorzüglich, das Design der Dinge, seien es Wohn- oder Küchenmöbel, Teppiche oder praktische Geräte, mit dem Geschmack der sechziger und siebziger Jahre in Verbindung zu bringen, so dass fast eine kleine Geschichte familiären Lebens entstanden ist.
    Melancholie und gelegentlich sogar Tränen lassen den Abschiedsgedanken aufkommen, der das Haus und sein Inneres mit der Aufgabe des Schutzes früherer Jahre in Verbindung bringt. 

    Hoch reflektiert und talentiert zeigt die Autorin, dass es sich so leicht anhört: „ins Heim gehen“, doch in Wahrheit ist das ein langer Prozess. Die Familie löst diesen Konflikt blendend, in dem sie der Mutter ein Jahr für den endgültigen Abschied gewährt. So lange dauert die Auflösung des elterlichen Haushalts, und so lange bleibt Mutter noch die Besitzerin des Hauses.

    Ursula Ott hat ein anrührendes und zu Herzen gehendes Stück eigener und allgemeiner Zeitgeschichte verfasst.
    Es ist ein sehr lesenswertes Erinnerungsbuch für Menschen, die Abschied von den Wurzeln des Zuhauses in irgendeiner Weise ja alle erleben werden. Zu Kriegszeiten gab es keine Muße des Abschieds, alles geschah schnell und überrannte die Menschen. Heute in unserer langen Friedenzeit darf man sich diesem Geschehen mit der notwenigen Zeit und Besinnung überlassen. Ursula Ott hat alles gekonnt in ihren Gedanken und mit ihren Worten zusammengefasst. 

    Sehr lesenswert!

    Ursula Ott
    Das Haus meiner Eltern hat viele Räume
    192 Seiten, gebunden
    btb Verlag, März 2019
    ISBN-10: 3442758246
    ISBN-13: 978-3442758241
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    Isabel Bogdan: Laufen

    Von Claudine Borries | 23.September 2019

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    Man kennt den Ausdruck “um sein Leben laufen“. Hier ist es Wirklichkeit geworden und in eine Sprache gefasst, die unvergleichlich intensiv, sensibel und Schritt für Schritt dieses Laufen beschreibt.
    Eine ungenannte Erzählerin beginnt zu Laufen, weil sie sich nicht mehr anders zu helfen weiß in einem tiefen Kummer um ihren verlorenen Lebensgefährten.

    Während des Laufens wird zunächst der Körper beobachtet: wie er schnauft, wie es scheint, er kann nicht mehr, jeder Schritt und jede Ecke muss erkämpft werden. Mit der Zeit wird es dann leichter.
    Dabei lässt die Autorin ihre Romanfigur das Leben reflektieren; man erfährt nach und nach, wie ihre Beziehung war, die Eltern des Gefährten, und wie sie unter der Einsamkeit leidet. Die gemeinsame Wohnung musste sie schon aufgeben, weil sie diese alleine nicht mehr bezahlten konnte. Da sie mit ihrem Partner nicht verheiratet war, konnten dessen Eltern alles mitnehmen, was ihrem Sohn gehörte.

    Bilder aus dem vorbeifliegenden Park werden so poetisch geschildert, dass man fast in ein Gemälde zu schauen meint. Die Läuferin sieht das Glück der anderen, will es nicht sehen, will sich am liebsten verkriechen und läuft doch tapfer weiter. Diese Form der Trauerbewältigung ist einmalig, intensiv und hoch einfühlsam beschrieben. Wie kann und wie soll man einen Verlust dessen beschreiben, der zu Hause, Geborgenheit und Liebe in einem bedeutete?
    Das ganze Leben dieses Paares scheint auf in seinen glücklichen, trauten und fernen Momenten.

    Und immer wieder wird das Ausatmen und Einatmen beschworen. So als könne der Körper sein Gleichgewicht nur wiederlangen, in dem er sich zum Laufen zwingt, um die Leere und das Alleinsein erträglich zu machen.
    Gehalten wird die Frau von sehr wenigen guten Freunden; Rike, ihr Mann und die Kinder sind die wirklich vertrauten Menschen. Ihre eigene vertane Zeit mit einem Mann, der an schweren Depressionen litt, so dass in der Beziehung nichts mehr lief, auch der lange ersehnte Kinderwunsch nicht in Erfüllung gehen konnte: das alles wird in atemloser Weise während des Laufens erinnert.

    Es ist ein Buch der Gefühle, der Trauer und der Bewältigungsversuche. Intensiv, drängend und laufend versucht die Protagonistin, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen.

    Entstanden ist eine Geschichte, die von der inneren Unruhe und der Suche nach dem Sinn dieses Todes und dieses gemeinsamen Lebens handelt. Anrührend, aufrichtig, unverfälscht und wahrhaftig begegnen wir einem Menschen, der wie sicher viele andere eine Trauerbewältigung auf die ihr eigene Weise versucht. Ob es gelingt, bleibt offen. Wahre Liebe ist unvergänglich, und ein letzter Ausruf offenbart das!

    Isabel Bogdan besitzt umfassendes psychologisches Einfühlungsvermögen. Sie findet die richtigen Worte, um aus dem Roman eine sensible und beeindruckende Studie zu machen, die dem wahren Leben abgeschaut zu sein scheint.
    Sie lebt in Hamburg und ist eine ausgewiesene Übersetzerin aus dem Englischen.

    Isabel Bogdan
    Laufen
    208 Seiten, gebunden
    Kiepenheuer & Witsch, September 2019
    ISBN-10: 3462053493
    ISBN-13: 978-3462053494
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    Kerstin Neumüller: verflickt & zugenäht – Kleidungsstücke ausbessern und verschönern

    Von hera | 20.September 2019

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    Was tun, wenn Kleidungsstücke, die man gern trägt, eines Tages kaputtgehen und man sich dennoch nicht davon trennen möchte? Man kann sie flicken, klar! Aber irgendwie, mir geht es jedenfalls so, ist das Ergebnis nicht unbedingt akzeptabel.

    Kerstin Neumüller, sie ist ausgebildete Schneiderin, erklärt in ihrem Buch, wie man von Hand oder mit der Haushaltsnähmaschine kunstvoll Kleidungsstücke ausbessern kann. Die Stelle muss dabei nicht unbedingt unsichtbar werden. Ein schönes Muster auf dem Flicken oder über einer Unterlage kann die schadhafte Stelle verzieren.
    Besonders gefällt mir die Anwendung von Sashiko-Stichen. Die zu reparierende Stelle wird mit einem speziellen Stickmuster überdeckt und bei Bedarf damit auch verstärkt. Dazu braucht man Zeit. Aber es kann sehr viel Spaß machen, sich dieser Handarbeit zu widmen!

    Ob Loch, Riss oder fadenscheinig gewordene Stelle, die Autorin hat die passende Idee parat. Aber zunächst geht es an die Grundlagen. Der Leser wird in die Lage versetzt zu erkennen, welches die beste Möglichkeit ist, ein Kleidungsstück auszubessern. Materialien und Hilfsmittel werden vorgestellt und die verschiedenen Stoffarten benannt. Im Rahmen einer Soforthilfe erhält man Kenntnis darüber, wie ein Knopf angenäht oder wie eine gerissene Naht schnell wieder geschlossen werden kann.

    Für sorgfältige Flickarbeiten ist natürlich mehr Zeit zu veranschlagen. Flicken aufnähen, Knopfloch ausbessern, klassisches und kunstvolles Stopfen und noch viel mehr werden erklärt. Wer Jeans trägt, erhält viele Ideen zum Ausbessern und Verschönern mit der Nähmaschine. Auch mit Tipps zur Textilpflege wird nicht gespart.

    Ich bin begeistert von diesem Buch! Auch weil genau drin steht, was ich am meisten brauche! Der Autorin gelingt es sehr gut, zu motivieren, sich mit den Möglichkeiten auseinanderzusetzen, die man hat, um ein Kleidungsstück zu reparieren. Es kann etwas Individuelles daraus entstehen. Auch wer selbst näht und seine eigene Mode kreiert, kann Ideen aufgreifen.

    Rezension von Heike Rau

    Kerstin Neumüller
    verflickt & zugenäht – Kleidungsstücke ausbessern und verschönern
    128 Seiten, Klappenbroschur
    Haupt Verlag
    ISBN-10: 3258602093
    ISBN-13: 978-3258602097
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