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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Bis der Tod uns scheidet
Eingestellt am 04. 02. 2011 08:15


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DocSchneider
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Liebe hat die Farbe rot

ÔÇ×Sch├Ânes WochenendeÔÇť hie├č es ├╝berall auf den langen Klinikfluren. F├╝r die, die dienstfrei hatten, war diese sonnige Freitagnachmittag wie geschaffen f├╝r einen erholsamen Auftakt bis Montag.

Auch Schwester Sibylle l├Âschte im OP-Saal die letzten Lichter und lie├č den Blick pr├╝fend ├╝ber die blitzenden Fl├Ąchen gleiten. Lag nichts herum? Alles aufger├Ąumt und an Ort und Stelle? Es sah ganz danach aus. Alles war still. Sie war die Letzte und blickte wie immer vor dem Gehen auf die gro├če Uhr ├╝ber der T├╝r. Feierabend seit drei Minuten... wie sch├Ân.

Sie ging zur Schiebet├╝r und warf einen Blick in den menschenleeren Gang. Dann wandte sie sich um und ging in den OP-Saal zur├╝ck Sie trat an den Instrumentenschrank und nahm ein kleines Skalpell heraus. Steril in Folie verpackt, gl├Ąnzte es verf├╝hrerisch und schien sie anzul├Ącheln. Ja, benutze mich , ich bin scharf.. So scharf. Ich gleite durch Fleisch wie durch zimmerwarme Butter...

Sibylle lie├č das Messer in die Tasche ihrer Schwesterntracht gleiten und ging zur T├╝r. Pl├Âtzlich h├Ârte sie ein leises Rascheln, das ihr nur zu vertraut war. Arztkittel. Einen Moment sp├Ąter stand Oberarzt Dr. M├╝ller vor ihr.

ÔÇ×Na, alles fertig? Haben Sie dienstfrei oder Bereitschaft am Wochenende?ÔÇť sprach er sie an und seine kleinen blauen Schweins├Ąuglein glitten ├╝ber ihr Gesicht und verweilten am Ausschnitt ihres Kittels.

Sibylle h├Ątte ihm am liebsten ins Gesicht gespuckt. Dieser widerw├Ąrtige Fiesling, ├╝bergewichtig schon mit Mitte Drei├čig, ledig und ein Frauenheld. Am liebsten w├╝rde sie das Skalpell schon ausprobieren ... an ihm. Es ihm in die Herzgegend oder in die Halsschlagader rammen. Wie sich das wohl anf├╝hlte??

Statt dessen l├Ąchelte sie Dr, M├╝ller gewinnend an. Ja, ihr Schwesternl├Ącheln, da fiel jeder drauf rein. ÔÇ×Ich habe dienstfrei und werde das Wochenende genie├čen, bei dem Wetter ja kein ProblemÔÇť erwiderte sie ihm und strahlte ihn aus geweiteten Augen an.

Dr, M├╝ller r├Ąusperte sich. ÔÇ×Oh, wie sch├Ân f├╝r Sie. Ich habe leider Rufbereitschaft, aber wenn Sie auch Dienst gehabt h├Ątten, w├Ąre es sicher gem├╝tlich geworden...ÔÇť. Sibylle konnte sich schon vorstellen, wie diese Gem├╝tlichkeit ausgesehen h├Ątte: Fummeleien unterm Kittel ... widerlich.

Sie verabschiedete sich von ihm und ergriff die Flucht. Nachdem sie ihre Alltagskleidung wieder angezogen hatte, fuhr sie nach Hause, denn nun war keine Zeit mehr zu verlieren. Um 19 Uhr w├╝rde ihr Liebster kommen.

Er.... der best aussehendste Mann , den sie jemals gesehen hatte. Seit drei Jahren war er ihr Geliebter. Ja, er war ein guter Liebhaber, aber wie alle Spezies dieser Sorte Mensch war er nicht frei. Seit zw├Âlf Jahren nannte er Frau und Kinder sein eigen und war nicht bereit , seine Familie f├╝r sie aufzugeben.

Und sie war nicht mehr bereit, ein Schattendasein zu f├╝hren. Heute w├╝rde er sie wie immer besuchen, aber er w├╝rde sein letzter Besuch sein.
Und der letzte Tag seines Lebens, aber das wusste er nicht.

Wenn sie ihn nicht haben konnte, sollte ihn seine Frau auch nicht haben.

Bis der Tod uns scheidet, hie├č es doch so sch├Ân bei der Eheschlie├čung. Sein Tod w├╝rde heute eintreten. Aber vorher gab es noch eine besondere Henkersmahlzeit, bevor sie ihn mit einem gezielten Stich in die linke Herzkammer t├Âten w├╝rde. Sie hatte genug Operationen am offenen Herzen miterlebt, um dieses Organ genau zu kennen.

Nun aber w├╝rde sie ihm eine wunderbare Mahlzeit zubereiten, denn alles w├╝rde rot sein. So wie sein blutiges Ende.
Sie enth├Ąutet die Tomaten f├╝r die Suppe, wusch sorgf├Ąltig die roten Kartoffeln, r├╝hrte die rote Gr├╝tze mit Vanilleso├če an und bem├╝hte sich, das Roastbeef sch├Ân rosa zu braten.

Der Tisch bekam ein wei├čes Tischtuch, das mit unz├Ąhligen roten Rosenbl├Ąttern verziert wurde. Die Kerzen waren nat├╝rlich auch rot.... und dass der Rotwein schon sein Bouquet entfalten durfte, verstand sich von selbst.

Zufrieden betrachtete sie ihr Werk. Sie zog ihr neues rotes Cocktailkleid an und lie├č das Skalpell in die rechte Tasche gleiten.

Punkt 19 Uhr klingelte es und er schloss sie in seine Arme und bedeckte ihren Mund mit K├╝ssen. Seine H├Ąnde glitten ├╝ber ihren K├Ârper und sie bekam schon Angst, er k├Ânnte das Messer f├╝hlen.... sanft entzog sie sich ihm und sagte: ÔÇ×Lass uns erst essen, ich habe mir solche M├╝he gegeben, alles p├╝nktlich fertig zu bekommen....ÔÇť

ÔÇ×WowÔÇť, sagte er, als er die Tischdekoration sah, ÔÇ× Du hast Dich ja selbst ├╝bertroffen. Alles in rot?? Sogar Du!ÔÇť

Sibylle fl├╝chtete in die K├╝che, damit er ihre Verwirrung nicht sah. Verdammt sie liebte ihn immer noch, w├╝rde sie es wirklich schaffen, ihm ein Messer ins Herz zu sto├čen?

Sie a├čen die Suppe und unterhielten sich, aber sie konnte sich nicht konzentrieren. Immer wieder musste sie in sein Gesicht schauen, auf das Spiel der Muskeln, w├Ąhrend er kaute,...wann sollte sie es tun??
Im Bett? Wenn er wehrlos war und nicht damit rechnete? Wenn sie es dann aber nicht mehr wollte? Nein, dann lieber vorher.....

Sie brachte die Suppenteller in die K├╝che und goss die Kartoffeln ab. ÔÇ×Soll ich Dir noch etwas helfen?ÔÇť rief er aus dem Wohnzimmer her├╝ber. ÔÇ×NeinÔÇť, erwiderte sie,ÔÇť ich muss nur noch das Fleisch schneiden., dann bin ich fertig...ÔÇť

Pl├Âtzlich stand er doch in der K├╝chent├╝r und umfasste sie von hinten. ÔÇ×Ich muss Dir unbedingt etwas sagenÔÇť murmelte er in ihr Haar, ÔÇ×ich kann nicht mehr warten, bis wir beim Nachtisch sindÔÇť. Sibylle zuckte zusammen. Jetzt w├╝rde er sich von ihr trennen. Nun gut, dass w├╝rde seinen Tod nur noch schneller herbeif├╝hren.

Er fl├╝sterte in ihr Ohr: ÔÇ× Ich habe mich entschlossen. Ich werde meiner Frau alles sagen. Zwischen uns klappt es doch schon lange nicht mehr... in keiner Hinsicht. Ich m├Âchte mit Dir zusammenleben....ÔÇť Sibylle dachte, sie w├╝rde ohnm├Ąchtig. Vorsichtig dreht sie sich zu ihm herum und blickte ihn an. ÔÇ×Wirklich?ÔÇť hauchte sie und schlang die Arme und seine Taille. ÔÇ×WirklichÔÇť bekr├Ąftigte er und hielt seine rechte Hand hoch. ÔÇ×Hast Du nicht gesehen, dass ich meinen Ehering nicht mehr trage ????ÔÇť

Tats├Ąchlich, der Ringfinger war leer. Das war ihr ja gar nicht aufgefallen. Sie hatte dieses Zeichen der Liebe doch so gehasst. Der Abdruck war noch deutlich zu erkennen.
ÔÇ×Hast Du Dir alles genau ├╝berlegt? Was ist mit den Kindern?ÔÇť wollte sie wissen. ÔÇ×Ich war schon beim Anwalt. Es ist alles zu regeln. Geld spielt ja keine Rolle bei mir... mein Liebes, ich m├Âchte jetzt sofort mit dir schlafen....ÔÇť

ÔÇ×Nein, dazu war es zu viel Arbeit mit dem Essen. Setz dich wieder hin, ich schneide nur noch das FleischÔÇť entschied Sibylle und dirigierte ihn sanft in Richtung Wohnzimmer.
Das Gl├╝ck ├╝bersp├╝lte sie mit einer solchen Macht, dass ihr schwindelig wurde. Was nun? Sie hatte Mordpl├Ąne ÔÇô und er wollte sich endlich zu ihr bekennen!

Sie wollte ein Messer aus der Schublade nehmen, um das Fleisch zu schneiden, da fiel ihr das Skalpell wieder ein. Was sollte sie nun damit anfangen? Aber ja, es war wie geeignet daf├╝r, das Roastbeef in sch├Âne, d├╝nne und gleichm├Ą├čige Scheiben zu schneiden, so scharf wie es war.
Und das tat sie. Anschlie├čend lie├č sie das Skalpell im K├╝chenschrank verschwinden. Sie w├╝rde es am Montag einfach wieder mit in die Klinik nehmen. Hoffentlich w├╝rde das nicht auffallen.

Er staunte ├╝ber die wunderbar geschnittenen Scheiben, als sie das Essen auf den Tisch stellte.ÔÇ×Wie hast du das denn geschafftÔÇť, fragte er. ÔÇ×Ach, ich habe mir neue Messer zugelegt und heute war die gute Gelegenheit, sie auszuprobieren. Und nun lass es dir schmeckenÔÇť erwiderte sie.

Sie a├čen und leerten dabei zwei Flaschen Rotwein. Die anschlie├čend verbrachte Zeit im Bett ist nicht zu beschreiben. Sibylle war im siebten Himmel und konnte ihr bevorstehendes Gl├╝ck kaum fassen. Bald w├╝rde es immer so sein....Wie konnte sie nur auf den Gedanken kommen, ihn umzubringen? Sie hatte ja noch nicht einmal gewusst, was sie mit der Leiche angefangen h├Ątte...

Gegen Morgen trennten sie sich. ÔÇ×Bald geh├Ârt das der Vergangenheit an,ÔÇť, tr├Âstete er sie, ÔÇ×schon heute Abend werde ich die ersten Sachen vorbeibringen!ÔÇť

Sie k├╝ssten sich lange und z├Ąrtlich und dann ging er zu seinem Wagen.

Als er au├čer Sichtweite war, glitt seine Hand in die recht Hosentasche. Er zog den d├╝nnen Wei├čgoldring heraus und streifte ihn auf seinen rechten Ringfinger.

Das war ja so gerade noch einmal gut gegangen. Diese Frau war wahnsinnig. Er hatte das Messer sofort unter dem d├╝nnen Stoff des neuen Kleides gesp├╝rt.

Nie wieder w├╝rde er sie besuchen. Sie war unberechenbar...

Oder doch nicht?


Version vom 04. 02. 2011 08:15

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