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NEUE GEKÜRZTE VERSION FÜR ÖFFENTLICHE FOREN
Sex und Gewalt entschärft
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Im Proberaum roch es nach Grass, Alkohol und Schweiß. Es war der Schweiß der Musiker, die fast täglich mehrere Stunden in diesem Raum in einer heruntergekommen Seitengasse von San Francisco zubrachten und neue Songs probten. Der Raum war spartanisch ausgestattet. Karge Holzwände, an denen an der einen Wand ein hochkantes A1-Live-Poster angebracht war, auf dem Glen Benton, Bandleader der Death Metal-Band DEICIDE, mit seinem Baß hinter dem Mikro stand, eingehüllt in dichte Nebelschwaden. Er war abgebildet mit seinem Nietenpanzer und den mächtigen Stahlnägelbändern in Kniehöhe an den Hosenbeinen. An der Wand gegenüber hing ein etwa 50 cm langes Logo der legendären Band SUFFOCATION, die sich leider 1998 aufgelöst hatte. Ein unhaltbarer Verlust für die weltweite Death Metal-Szene! Neben diesem Logo hing noch ein kleines Schwarz/Weiß-Konzertposter im A 3-Format, welches die Logos der Bands MORTICIAN, EXHUMED und PROPHECY zeigten, die mal an dem aufgedruckten Datum zusammen gespielt und dieses Poster vollständig signiert hatten. Über dem Fenster des Proberaumes hing noch eine kleine Uhr, ansonsten waren die Wände leer. Momentan stand das Fenster offen, um etwas Frischluft einzulassen. Da das Fenster aufgrund des störenden Verkehrslärmes beim Proben stets verschlossen sein mußte und die Sonne Kaliforniens für ihre sehr intensive Strahlung berühmt war, war es oft verdammt stickig. Beinahe wie im Backofen. Heute kam die Death Metal-Band CRYPTIC STENCH allerdings noch nicht zum Proben, denn Sänger Matt Evans mußte noch einiges mit dem Labelboß Rick Wingers besprechen. Es ging um eine bald anstehende Europatour, bei welcher die Band den Support für die ebenfalls in Kalifornien beheimateten Bands DEEDS OF FLESH und DISGORGE bekommen sollte. Die Aussichten standen mehr als gut, denn CRYPTIC STENCH hatten sich im weltweiten Underground wegen ihrer zügellosen Brutalität und mitreißenden Live-Shows schon einen sehr guten Namen gemacht, so daß auch Europa den hoffnungsvollen Knüppelact garantiert mit offenen Armen empfangen würde. Dabei hatten sie schon in ihrer jungen Laufbahn recht viele Line up-Wechsel durchmachen müssen. Die im Jahr 1999 erschienene Mini-CD \"In the Sign of the Skull\" erschien noch mit allen Gründungsmitgliedern, dem Sänger Scott Breiley, Tom Noonan und Nick Schaefer an den Gitarren, Gordon Stalks am Bass und dem Peruaner Julio Ortega an den Drums. Ein Schicksalsschlag für die Band war der Tod ihres heroinsüchtigen Fronters Scott Breiley, der sich wenige Wochen nach Erscheinen der Mini-CD Ende 1999 in seiner Wohnung in der Nähe der Golden Gate Bridge den goldenen Schuß gesetzt hatte. Gitarrist Nick Schaefer warf kurz danach aufgrund persönlicher Differenzen das Handtuch und wurde bis heute nicht ersetzt, so daß die Band als Quartett weitermachte. Über eine Anzeige im Magazin East Coast Rocker fand dann Matt Evans als Ersatz für den toten Scott Breiley in die Band. Unmittelbar nachdem er sich eingelebt hatte, wurde im Jahr 2000 dann auch das erste volle CRYPTIC STENCH-Album \"Raped and mangled\" mit 10 Songs in knapp 27 Minuten Spieldauer veröffentlicht und zeigte dann auch die totale Hinwendung der Band vom brutalen Death der Marke alte CANNIBAL CORPSE hin zum blutrünstigen Goregrind in MORTICIAN-Manier. Wurde die vorangegangene Mini-CD \"In the Sign of the Skull\" noch von einer schlichten Fotografie eines Totenschädels vor pechschwarzem Hintergrund geziert, hatten Matt Evans und Tom Nonnan für die \"Raped and mangled\"-CD aus dem Internet eine Fotografie von einer Frau ergattern können, die in einer Parkanlage irgendwo in den USA vergewaltigt und mit Dutzenden Schüssen durchsiebt worden war. Das Album wurde ein totaler Kult. Mit einer Körpergröße von 1, 95 m und einem von unzähligen Tätowierungen übersäten Oberkörper, der zudem noch von gewaltigen Muskeln ausgestattet war und nicht zuletzt wegen der Glatze an Phil Anselmo von den Hardcore-Thrash-Heroen PANTERA erinnerte, nur daß seine musikalische Herkunft selbstverständlich eine total andere war, bot Matt Evans auf der Bühne immer wieder eine imposante Erscheinung. Seine Stimme erinnerte an das Brüllen eines angriffslustigen Löwen, und im Gegensatz zu seinem Vorgänger Scott Breiley benötigte Matt Evans keinen Harmonizer, um sein unmenschliches und bestialisches Gegrunze durch das Mikrophon zu jagen. Vor einigen Wochen hatte Bassist Gordon Stalks die Band aufgrund persönlicher Differenzen verlassen und seitdem wurde der Puerto Ricaner Carlos Mendez als Ersatz eingearbeitet. Die Band arbeitete hervorragend zusammen. Es fiel nicht so schwer ins Gewicht, daß von den Gründern nur noch Tom Noonan und Julio Ortega verblieben waren. Sie warteten zusammen mit Carlos Mendez auf Matt Evans. Sie waren alle drei gespannt auf das Ergebnis der Tourbesprechungen. Endlich öffnete sich die Tür und Matt Evans betrat den Proberaum. Er war noch relativ leger zurechtgemacht. Er trug seine schwarzen Nike-Turnschuhe und eine schwarze BW-Hose. Über seinen freien muskulösen Oberkörper mit den vielen Tätowierungen und den Piercing-Ringen in den Warzen des breiten Brustkorbs hatte er lediglich seine schwarze Lederweste mit Conchas geworfen. On Stage trug er meistens Ranger-Boots, Nietenarmbänder und kiloschwere Patronengurte.
Er ließ die Tür hinter sich ins Schloß fallen und sagte aufgeregt: \"Es klappt, Männer. Nächsten Monat geht es ab nach Europa. Wir werden DEEDS OF FLESH und DISGORGE supporten und in jedem Land, in dem wir spielen, werden wir noch zusätzlich von 2 im jeweiligen Land beheimateten Newcomer-Acts supportet. Die Tour läuft unter dem Titel \"Violating Europe\". Bevor die große Reise losgeht, absolvieren wir bis nächsten Monat noch eine kleine Headliner-Tour durch Kalifornien, Texas und Florida. Supportet werden wir unter Anderem von GUTSPLASH aus Philadelphia.\"
\"Cool! Die haben doch vor 2 Monaten diese geile EP \"Ultimate Gore Enjoyment\" veröffentlicht. Hoffentlich kommt von denen bald ein komplettes Album. Also geht’s nächsten Monat über den großen Teich...\" sagte Carlos Mendez.
Gitarrist Tom Noonan saß mit seiner ausgestöpselten B.C. Rich auf dem etwas versifften Sofa in der kleinen Sitzecke des Proberaumes und zupfte an den gerade frisch aufgezogenen neuen Saiten. Zwischendurch nahm er einen kräftigen Schluck aus einer \"Jack Daniels\"-Flasche.
Er hatte gerade wieder einen Schluck genommen und antwortete, während er sich mit dem Handrücken über die Lippen wischte: \"Na, das ist doch absolut genial! Ich habe nachher doch noch die Interviewfragen eines spanischen Fanzines per Mail zu beantworten. Dann kann ich denen ja ankündigen, daß wir Europa in Schutt und Asche legen werden.\"
\"Ja, Leute, genau. Dann laßt uns keine weitere Zeit verlieren. Wir haben noch einiges zu proben.\" sagte Matt Evans voll Tatendrang.
Carlos Mendez drehte gerade einen Crack-Joint, den die 4 Musiker dann reihum gehen ließen. Unter Einfluß von Crack waren ihnen schon so viele brutale Kompositionen geglückt, daß sie auf die wundersame Wirkung ihres Rauschmittels nicht verzichten wollten. Sie fühlten sich unbeschreiblich leistungsfähig und konnten sich voll und ganz auf das Schreiben neuer Songs für das zweite Album \"Stimulating decaying Flesh\" konzentrieren, welches sie unmittelbar nach der Rückkehr aus Europa aufnehmen wollten. 8 Tracks sollten auf dem Silberling erscheinen, eine limitierte Erstauflage im Digi-Pack-Format sollte zudem noch einen definitiven Kultsong der Band, \"Corpse in the Shredder\" von den 2 Demos und der \"In the Sign of the Skull\"-Mini-CD, neu aufgenommen beinhalten. 2 der neuen Songs, \"Splattered embyonic Breed\" und \"My Dick in her Ass\", mußten noch bearbeitet werden, dann stand das gesamte Album, um aufgenommen zu werden. Für das Artwork des in den Startlöchern stehenden Albums war bereits die Fotografie aus der Wohnung eines kannibalischen Frauenmörders fest eingeplant, auf dem halb verweste Leichenteile der Opfer zu sehen waren. Ein Polizeifoto, an das die Band mit sehr viel Glück gekommen war.
\"Wir werden in 4 Tagen in San Diego auf der Bühne stehen. Das wird dann der Startschuß für die kleine Tour, und direkt im Anschluß daran besteigen wir den Flieger Richtung England, wo wir das erste Mal europäischen Boden betreten werden. Die Heimat von EXTREME NOISE TERROR und NAPALM DEATH. Das wird cool! Dann geht’s über Skandinavien weiter bis runter zum Mittelmeer. Die ganze Palette eben.\" freute Matt Evans sich, während er einen tiefen Zug vom Joint nahm und diesen dann an Tom Noonan weiterreichte.
\"Ob die spanischen Senoritas wohl noch geiler im Bett abgehen als die Latino-Bräute hier bei uns?\" fragte Tom, während er den Joint ansetzte.
\"Darauf kannst Du wetten. Ich habe schon Vieles von den heißen Pussies gehört...\" antwortete Carlos.
\"Um mich an den Geschmack zu gewöhnen, habe ich letzte Woche zweimal eine brasilianische Nutte genagelt, die ging ab wie eine Rakete. Die Spanierinnen werden wohl so ähnlich sein.\" lachte Tom.
Die Band gab sich voll ihren Träumen über eine coole Reise durch die alte Welt hin und rauchte die Tüte auf. Danach schnappten sie sich ihre Instrumente und Matt stellte sich hinter sein Mikro. Sein unmenschliches Gebrüll erschütterte den Proberaum.
\"Na Jungs? Würdet Ihr sagen, ich bin in Form?\" fragte Matt und schlug sich mit den Fäusten auf die Brust wie ein Gorilla.
\"Aber sich doch! Du klingst wie immer nach Chris Barnes auf LSD! Mann, das waren noch geile Zeiten, als der noch bei CANNIBAL CORPSE hinter’m Mikro stand!\" rief Julio ihm zu uns setzte zu einem gewaltigen Trommelwirbel an.
Tom hatte seine \"Kettensäge\" eingestöpselt und schrubbte die ersten Riffs von \"Splattered embryonic Breed\" herunter. Das Jammen konnte beginnen.
Nancy Robbins war ein 21jähriges sehr wohlgeformtes Mäuschen, welches sich seinen kargen Lebensunterhalt auf dem Straßenstrich San Diegos verdiente. Es dämmerte bereits, als sie auf dem Bürgersteig vor den grellen Sex-Shops auf-und abging und auf einen wohlhabenden Freier mit lockerer Geldtasche wartete. Nancy war ein makelloses sexy Luder. Sie trug ihre schwarzen Stöckelschuhe, Netzstrümpfe und den wirklich sehr knappen schwarzen Mini-Rock, so daß ihre langen schlanken Beine deutlich zu sehen waren. Ihre runden, sehr festen Brüste waren unter einem ebenfalls schwarzem Top verborgen und bei genauem Hinsehen zeichneten sich ihre Nippel unter dem Stoff ab. Der Bauchnabel war frei und man konnte den Piercing-Ring gut sehen. Sie hatte sich eine schwarze Jeansjacke über ihren zierlichen und wohlproportionierten Körper gezogen und ihre schwarze Handtasche über ihre rechte schmale Schulter geschwungen. Ihre dunkelbraunen Haare waren glatt und schulterlang. Die Lippen waren blutrot geschminkt und die pechschwarze Wimperntusche gab ihrem atemberaubenden Anblick noch den entscheidenden Rest. Mit 1, 68 m Körpergröße war sie genau richtig. Ein schneeweißer Rolls Royce Corniche mit getönten Scheiben und heruntergelassenem Verdeck hielt plötzlich neben ihr. Der Fahrer grinste Nancy an. Ein vielleicht 40 Jahre alter Geldsack, der geil auf ein schnelles Abenteuer war.
Er kam sofort zum Thema: \"He Kleine, wieviel kostest Du?\"
Nancy antwortete: \"Für 25 Dollar blase ich Dir einen. Ein schneller Fick in Deiner Karre kostet Dich 50.\"
\"Das ist großartig. Los komm’, steig’ ein, Du süßes kleines Ding...\"
Nancy nahm auf dem Beifahrersitz Platz und das Cabrio fuhr in eine Seitenstraße.
Der Freier konnte sich nicht mehr gedulden und stöhnte bereits erregt, während er seine Hose öffnete: \"Okay, Kleine, zuerst will ich einen Quickie, damit ich auf Touren komme. Danach fahren wir in ein hübsches Hotel und dort werde ich mir noch etwas überlegen...\"
\"Erst die Scheinchen, Alter. Bei mir gibt’s alles nur im Voraus. 25 kriege ich von Dir.\" fiel Nancy ihm ins Wort.
Der Mann angelte sein Portemonnaie aus der linken Hosentasche und zog zwei 10-Dollar-Scheine und eine 5-Dollar-Münze heraus. Zufrieden steckte Nancy das Geld in ihre Handtasche.
Während er den Kopf zurücklehnte, spannten sich die Sehnen an seinem Hals-und die Halsschlagader. Darauf hatte Nancy gewartet! Sie zog ihre Lippen zurück und entblößte nadelspitze Eckzähne. Da der Freier sich mit geschlossenen Augen und Kopf zurückgelegt hatte, sah er nicht, wie Nancy ihre spitzen Zähne bleckte. Er wäre sowieso nicht zu einer Gegenwehr fähig gewesen, denn dazu ging alles zu schnell und Nancy wußte, wie sie zuzubeißen hatte, um ihr Opfer sofort außer Gefecht zu setzen. Sie schlug die Zähne knackend genau in die Halsschlagader und ein Schwall von Blut ergoß sich aus dem Hals des Opfers und lief über ihr Gesicht. Der Mann stieß einen gurgelnden Schrei aus, während Nancy ihre Zähne immer weiter in seinen Hals hineintrieb und mit einer ruckartigen Bewegung die Haut des Halses aufriß. Nancy preßte ihre Lippen auf das große Loch im Hals des Freiers, der immer weiter erlahmte, und fing mit den Saugbewegungen an. Blut floß in ihren Rachen. Viel Blut! Es mochte mindestens ein Liter sein, den sie sich einverleibte und dann war ihr Verlangen nach Menschenblut erstmal wieder gestillt. Mit ein paar Taschentüchern, die sie aus ihrer Handtasche hervorkramte, wischte sie sich das blutverschmierte Gesicht sauber. Sie zog schnell noch das Portemonnaie aus der Hosentasche des toten Mannes und nahm sich das restliche Geld heraus. Es waren immerhin noch 167 Dollar und ein paar Cent-Münzen, die sie sich einsteckte. Vorsichtig verließ sie den Rolls Royce und schlich durch die dunkle Seitenstraße zurück zur sündigen Meile. Sie ging rasch zur Tankstelle gegenüber und verschwand im Waschraum, um sich vor dem Spiegel auch noch die letzten Spuren ihres blutigen Angriffs am Wasserhahn abzuwaschen und sich noch einmal nachzuschminken. Sie keuchte genervt. Es war jeden Abend nach Sonnenuntergang das Selbe! Sie hatte ihre Kindheit auf der Straße verbracht und verdingte sich nun schon seit 3 Jahren hier in San Diego auf dem Straßenstrich. Im Spätsommer letzten Jahres war ihr dann das Unfaßbare widerfahren: Ein Freier, mit dem sie die Nacht in einer heruntergekommenen Absteige am Rande der Stadt verbracht hatte, war nach dem Ficken plötzlich über sie hergefallen und hatte versucht, ihr mit langen spitzen Zähnen die Kehle zu durchbeißen. Sie konnte ihn noch mittels Kopfnuß mit der Nachttischlampe außer Gefecht setzen, aber eine Wunde hatte der Angreifer ihr doch am Hals beibringen können. Sie hatte daraufhin das billige Hotel verlassen und den Mann einfach zurückgelassen. Daraufhin hatte sie durch einen Zeitungsartikel von einem unheimlichen Leichenfund im Zimmer des Stundenhotels erfahren. Der von ihr überwältigte Angreifer wurde tot aufgefunden, zumindest das, was von ihm übrig geblieben war. Laut Zeitungsangaben handelte es sich um ein spärlich bekleidetes, total verbranntes und brüchiges Skelett, aus dem sämtliche Körperflüssigkeiten über das Bett, auf dem es lag, geflossen waren. Die Cops konnten sich das Ganze nicht erklären, man glaubte zuerst an einen perfekt inszenierten üblen Scherz, aber medizinische Untersuchungen hatten die Echtheit der Leiche ergeben. Nancy hingegen hatte sich seit dieser verhängnisvollen Nacht verändert. Sonnenstrahlen bereiteten ihr seitdem immer schlimmer werdende Schmerzen und seit sie sich durch einen Sonnenstrahl eine wunde Stelle an der Haut zugezogen hatte, war ihr klar, daß sie das Sonnenlicht strikt zu meiden hatte. In diesem ganzen Jahr seit dieses Vorfalls mit dem unheimlichen Freier war sie zu einem Wesen der Finsternis mutiert, für welches die Sonne den sicheren Tod bedeutete. Sie hatte den Freier damals mit der Nachttischlampe bewußtlos geschlagen und hatte ihn auf dem Bett neben dem offenen Fenster liegen gelassen. Als die Sonne dann aufgegangen war, und der Mann bis dahin noch nicht wieder zur Besinnung gekommen war, geschweige denn sich in Sicherheit bringen konnte, waren die Sonnenstrahlen durch das offene Fenster geschienen und hatten den Körper des Ohnmächtigen im wahrsten Sinne des Wortes geröstet. Seine Haut restlos verbrannt und seine Innereien zum Schmelzen gebracht und die Matratze des Bettes vollgesogen mit ausgetretenen Körperflüssigkeiten. Seitdem war Nancy klar, daß sie einem Vampir zum Opfer gefallen war. Er hatte es nicht geschafft, sie zu töten, also mußte sie selber fortan als untote Blutsaugerin durch die Nacht ziehen. Sie konnte keine andere Nahrung vertragen, also mußte sie sich ihrem Schicksal fügen, auch wenn sie nicht gerne das Blut getöteter Opfer trank. Ein angenehmer Nebeneffekt war, daß sie nicht weiter alterte. Genau genommen war sie heute noch immer 20, anstatt 21. Nur ihre Geburt lag etwas mehr als 21 Jahre zurück, aber sie würde bis in alle Ewigkeiten biologisch gesehen 20 Jahre alt bleiben. Verrückt! Tagsüber schlief sie in einem Stundenhotel, welches sie sich vom Geld ihrer getöteten Freier finanzierte. Sie zog dann stets die Gardinen vor die Fenster, damit auf keinen Fall Sonnenlicht hereintreten konnte und verließ das Zimmer erst, nachdem draußen die Sonne untergegangen war. Zum Glück war es auch nur ein Märchen, daß Vampire kein Spiegelbild hätten. Sie konnte ihr Dasein als Schattenwesen daher gut kaschieren und vom Spiegel in diesem Waschraum hier gut Gebrauch machen. Sie hatte sich für diese Nacht finanziell gut aufgestockt. Allein daher brauchte sie für heute keinen Freier mehr. Und mit einem Opfer in einer Nacht kam sie recht gut über die Runden. Schlimm war es nur, wenn sie eine Nacht lang kein Opfer gefunden hatte. Soweit hatte sie es zwar noch nicht kommen lassen, aber sie hatte es in der ersten Nacht ihres Blutsauger-Daseins vergeblich versucht. Es hatte nicht funktioniert! Kurz vor Sonnenaufgang hatte sie vor quälenden Schmerzen gerast wie ein Junkie auf Entzug und im letzten Moment ein Opfer erledigt und sich gerade noch rechtzeitig vor den ersten Sonnenstrahlen in ihr Hotel retten können. Daher war ihr auch klar, daß sie gegen die Gier nach Menschenblut machtlos war. Das würde sie keine einzige Nacht lang durchhalten und wenn sie dies versuchte, würde sie gegen Ende der Nacht zu einer von Schmerz getriebenen Furie werden, die auch nicht mehr Herr ihrer Sinne war. So sehr sie auch ihr \"Leben\" haßte, es gab keinen Ausweg für sie. Entweder andere töten, oder selbst sterben! Heute waren ihre trüben Gedanken jedoch abgelenkt. Heute Nacht stand ein Konzert in San Diego an, auf das sie seit 3 Wochen gespannt gewartet hatte. Die brutale Death Metal-Band CRYPTIC STENCH spielte einen Headliner-Gig in einer Großraumkneipe in der Stadt. Nancy hatte die Band noch nie gesehen, aber die CD’s und der Sänger, den sie total sexy fand, verschlang sie bei jeder Gelegenheit mittels CD- Walkman. Sie beeilte sich, zur Kneipe zu kommen, in welcher der Gig steigen sollte. Sie hatte schon mehrere Underground-Acts aus dem Death Metal-und Grindcore-Bereich dort spielen gesehen und sie freute sich jedesmal, wenn sie von ihrer tristen Existenz durch solch aufregende Konzerterlebnisse etwas abgelenkt wurde.
Der Laden war brechend voll. Die Fläche vor der Bühne hatte gute 50 Leute Fassungsvolumen, und dieses war voll ausgreizt, und zwar bereits beim Supporter GUTSPLASH, ein Grindcore-Trio mit Noise Core-Anleihen aus New Jersey. Selbstverständlich bretterten die Jungs das gesamte Material ihrer 5-Track-EP \"Ultimate Gore Enjoyment\" herunter, angereichert wurde der 30-Minuten-Gig durch sämtliche Demo-und Promo-Tracks, sowie neue Songs, die für die nächste Split-EP mit einer kanadischen Underground-Band geplant waren. Zusätzlich war für dieses Jahr noch das Erscheinen einer Mini-CD geplant. Es klang rein soundtechnisch und stilistisch wirklich wie eine perfekte Fusion aus den britischen EXTREME NOISE TERROR und den US-MACABRE. Der ständig zwischen abartig tiefem Geröchel und viehischem Gekreische variierende Sänger/Bassist, der Gitarrist und der Drummer hinter seiner Schießbude boten dem Publikum eine furiose Show, und einige Songs wurden mit Samples aus Hardcore-Pornos und gängigen Splattermovies angereichert. Bereits jetzt kochte die Stimmung im Saal bis zum Siedepunkt und im Publikum tobte ein wilder Moshpit. Eine Zugabe, bestehend aus 3 jeweils etwa eine Minute langen Grind/Noise-Krachern, wurde gespielt, dann machten die 3 Haudegen Platz für den Haupt-Act des Abends. Die Bandmitglieder von CRYPTIC STENCH betraten die Bühne und stimmten ihre Instrumente, währenddessen wurden lange Stahlketten mit Fleischerharken, an denen rohe, blutige Fleischbrocken frisch aus dem Schlachthof baumelten, von der Decke herabgelassen und hingen etwa eineinhalb Meter über dem Bühnenboden. Ein Stoffbanner mit dem blutigen CRYPTIC STENCH-Logo wurde über dem Drum-Kit an der Wand aufgezogen. Die Umbauphase dauerte relativ kurze Zeit. Knapp 30 Minuten. Bei vielen anderen Headliner-Bands konnte es zuweilen das Zwei-oder gar Dreifache an Zeit dauern. Während der Umbauphase dröhnte zur Einstimmung des Publikum die gesamte legendäre \"Human Waste\"-Mini-CD von SUFFOCATION aus den Boxen, so daß immerhin rund die Hälfte der Umbauzeit auf der Bühne mit passender Musik überbrückt wurde. Die Fans auf der anderen Seite der Bühnenabsperrung honorierten dies, indem sie weiterhin ihre Mähnen schüttelten Einige Anwesende hatten sich auch an die Bartheke zurückgezogen, um sich von der Toberei zu erholen und mit reichlich Alkohol für den sehr kräfteraubenden Auftritt des gewaltigen Headliners neue Kräfte zu sammeln. Endlich erlosch das Licht wieder im Saal. Nur die Bühne wurde spärlich beschien. Die Titelmusik des italienischen Kultfilmes EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL dröhnte aus den Boxentürmen, während Trockeneisnebel auf die Bühne kroch und nur noch schattige Umrisse dreier Gestalten, die ganz links stehende Gestalt mit Gitarre und die ganz rechts stehende Gestalt mit Bass und zwischen den Beiden der Sänger. Der Drummer hielt sich hinter seinem Kit verborgen. Die Männer standen wie zu Stein erstarrt, während sie vom Nebel umwabert wurden und der sinistre Titeltrack des berühmten Splattermovies bereits die Wände des Saales vibrieren ließ. Nach genau 2 Minuten wurde die unheilsschwangere Musik ganz abrupt abgebrochen und ein sägender Gitarrenriff durchschnitt die Luft. Gitarrist Tom Noonan gab den Startschuß für einen mörderisch schnellen Song namens \"Gore of a desecrated Virgin\". Augenblicklich wurde die Band von den Scheinwerfern voll angestrahlt und war zwischen gerade abflauenden Nebelschwaden deutlich zu erkennen. Tom Noonan stand mit freiem Oberköper und schwarzer Lederhose, die in Ranger-Boots steckte, in leicht nach vorn gebeugter Haltung und ließ seine schulterlange dunkelbraune Haarmähne kreisen wie ein Rad, während er die Saiten seiner Klampfe malträtierte. Bassist Carlos Mendez stand ebenfalls mit freiem Oberkörper und schwarzer Lederhose in Ranger-Boots in leicht gebeugter Haltung da und schüttelte seine schwarzen Lockenhaare, während er seinen Viersaiter als akustische Waffe einsetzte. Drummer Julio Ortega drosch mit aller Härte und Geschwindigkeit auf sein Schlagzeug ein und die tackernden Double-Bass-Fußpedale erzeugten präzise wie eine Nähmaschine ein regelrechtes Gewitter. Matt Evans bohrte sich mit seiner monotonen Grunzstimme durch die basslastige Soundwand. Bedrohlich animalisch. Seine Stimme kannte zwar keine Abwechslung, sondern erinnerte mit dem monotonen, stets in den untersten Tiefen aller Tonlagen klingenden Gegrunze wie üblich an den berühmten Staubsauger, der bis zum Rand mit Kotze gefüllt war. Unmenschlich, haßerfüllt, blutrünstig, wie ein wildes Tier. Und wie ein wildes Tier tobte der glatzköpfige muskulöse Shouter mit Stiernacken und den zahlreichen Tätowierungen auf Brutkorb und Waschbrettbauch über die Bühne. Das Publikum war endgültig nicht mehr zu halten! Mähnen kreisten und wurden geschüttelt, es wurde wild gepogt und einige Freaks ließen sich auf Händen über die Köpfe ihrer Blutsbrüder hinweg in Richtung Fotograben vor der Bühne weiterreichen, und die 3 breitschultrigen Security-Leute im Fotograben hatten alle Hände voll zu tun, die Freaks, die vom rasenden Publikum über die Bühnenabsperrung geworfen wurden, rechtzeitig wieder zurück in den Moshpit zurückzustoßen. Stagediving sollte in diesem Laden aufgrund von Unfallgefahren mit allen Mitteln verhindert werden, deshalb war irgendwann einmal die Absperrung errichtet worden und die Security-Leute achteten darauf, daß die Fans, die über diese Absperrung geworfen wurden oder gar selber versuchten, über sie hinüberzukletterten, unverzüglich wieder auf der anderen Seite der Absperrung landeten. Nur ein Fotograf durchschritt hin und wieder den Fotograben, um ein paar brandheiße Live-Shots einzufangen. So wie auf den CD’s machte die Band auch on Stage keinen Gebrauch von Samples, sondern verließ sich voll auf die zerstörerische Wirkung von Gitarre, Baß und Schlagzeug- Und Matt’s Stimme, die mit dem Löwengebrüll aus dem Staubsauger treffend beschrieben werden konnte. Matt trug am rechten Unterarm ein Armband mit langen spitzen Nägeln, so daß er aufpassen mußte, seinen Musikerkollegen nicht zu nahe zu treten. Am linken Unterarm trug er sein obligatorisches Killernietenarmband und auch um seine Ranger-Boots waren mit Killernieten behangene Stiefelbänder gebunden. Die Songs dauerten selten viel länger als 2 Minuten, aber sie landeten schnell, hart und brutal wie Granaten im Publikum. Soli und Refrains wurden vollständig ausgespart, es wurde nur ein totaler Hochgeschwindigkeitsrekord angestrebt und jeder einzelne Song begann genauso, wie der Vorangegangene aufgehört hatte, als logische und konsequente Fortsetzung. Auf Experimente und Innovationen legte keiner der traditionsbewußten Headbanger im Publikum Wert, sie ließen sich lieber von der unmenschlichen Brutalität und Wirbelsturmartigen Geschwindigkeit der Band mitreißen. Der baßlastige Sound aus den Boxentürmen ging jedem Anwesenden durch Mark und Bein. Nancy Robbins saß auf einem Barhocker an der Theke und beobachtete intensiv Matt Evans und sein imposantes Muskelspiel auf der Bühne. Das war heiß! Heute Nacht würde sie es wagen! Alles daran setzen, dieses wilde Tier in Menschengestalt zu betören! Jedesmal, wenn der runde Bizeps auf seinen gebeugten, tätowierten Armen in die Höhe schoß, traf sie dieser Anblick wie ein elektrisierender Schlag. O ja, sie stand unter Strom! Wann immer Matt Evans von den Scheinwerfern voll angestrahlt wurde, sah sie deutlich die Schweißbäche, die über seinen breiten Brustkorb und den Waschbrettbauch herabflossen und leckte sich mit der Zunge über die Lippen. Die etwa 45minütige Show wurde beendet mit einer Coverversion des DEICIDE-Songs \"In Hell I burn\", den CRYPTIC STENCH für den gerade eben bei ihrem Label erschienenen DEICIDE-Tribute-Sampler eingeholzt hatten. Jetzt brach der totale Tumult im Publikum aus! 8 Leute auf einmal landeten im Fotograben, und während die 3 Secuity-Leute sich eifrig um die 8 Leute kümmerten, fielen weitere Freaks hinterher und schafften es endlich, die zirka eineinhalb Meter hohe Bühne zu erklimmen. Die Security-Leute konnten nicht anders, als zu resignieren und eine Handvoll Fans rannte mähneschüttelnd an den Musikern vorbei kreuz und quer über die Bühne, rempelte sich gegenseitig an und zwei von ihnen stießen sich die Köpfe an den Stahlketten mit den Fleischbrocken. Einer der Beiden hatte sich durch den Zusammenstoß mit einer Kette eine Platzwunde an der Stirn eingefangen, aus der Blut über sein Gesicht rann. Der gewaltige Adrenalinschub und die Tobsucht hatten sein Schmerzempfinden wohl ganz schön verdrängt, jedenfalls torkelte er benommen, aber euphorisch lachend einem Sicherheitsmann genau in die Arme, der ihn hinter die Bühne zog. Die Sanitäter mußten sich um ihn kümmern. Die Diver nahmen Anlauf und warfen sich von der Bühne runter in die Arme ihrer Blutsbrüder und machten damit Platz für weitere Stagediver. Matt selber packte einige der Fans und schleuderte diese herunter von der Bühne, um den Security-Leuten, die sich inzwischen auf der Bühne eingefunden hatten, um der Übermacht auf der Bühne wenigstens einigermaßen Herr zu werden, hilfreich zur Hand zu gehen. Dabei grunzte er natürlich weiter den Text des DEICIDE-Kultsongs in sein schnurloses Mikro.
\"Life has no Meaning,
unyielding Obsession
Grasping at Strings of a Life
I once knew
Death by my own Hands,
achieving objective
Blade to my Throat, I calmy
greet Death
In Hell I burn, my Faith is substained
in Hell I burn again
In Hell I burn, no Questions remain
in Hell I burn for Satan
Opened Eyes dream,
unheavenly Torture
Raping the World of the Dead
Burning in Hell and viewing
the Unseen
Satisfied Feasting of Flesh
In Hell I burn, my Faith is substained
in Hell I burn again
In Hell I burn, no Questions remain
in Hell I burn for Satan
Master it’s true
My Promise I have kept
Fulfillment of the Prophecies
The Deity’s dead\"
Es war das totale Spektakel, welches nun zügellos eskalierte. Etwa 4 Minuten dauerte es, dann endete \"In Hell I burn\" und Tom und Carlos nahmen ihre Klampfen ab und stellten diese in ihre Halterungen. Matt steckte sein Mikro in den Ständer und trabte von der Bühne Richtung Backstage, gefolgt von Tom und Carlos, sowie Julio, der hinter seinem Schlagzeug hervorkam, ein Handtuch um die schweißtriefenden Schultern geworfen hatte und den Fans mit der Hand den Abschiedsgruß signalisierte. 2 Stagediver befanden sich noch auf der Bühne, sie wurden aber von den Security-Leuten in die Menge zurückgeworfen, während die Band von der Bühne ging. Auf der Bühne war es nun still, wie nach einer gewaltigen Naturkatastrophe. Sie wurde nur noch von flackerndem Scheinwerferlicht bestrahlt und die letzten kläglichen Nebelreste verzogen sich. Zugabenrufe schallten aus mindestens 40 Kehlen durch den Saal und nach 20 Sekunden trat Matt Evans tatsächlich noch einmal auf die Bühne, der Rest der Band folgte und das Publikum schrie vor Freude. Tom und Carlos hängten sich wieder ihre Klampfen um den Hals und Julio nahm noch einmal hinter seinem Kit Platz.
Matt griff sich das schnurlose Mikro und brüllte hinein: \"Danke, Freaks, vielen Dank! Als Rausschmeißer haben wir für Euch nochmal den CANNIBAL CORPSE-Klassiker \"Necropedophile\"! Genießt es!\"
Jubelrufe wurden ohrenbetäubend laut, wurden aber unverzüglich von einem gewaltigen Trommelwirbel übertönt, und CRYPTIC STENCH peitschten die Death Metal-Hymne in die Menge:
\"I was once a Man before I transformed
into this Molester, freshly deceased Children
You have born, torn by my Rape
The Dead are not safe, the lifeless Child Corpse
I will violate
Pleasure from the Dead, complete Satisfaction
I open the Coffin
Sick Thoughts run trough my Head as I stare
at the Dead, over and over, I can’t escape
I begin the Dead Sex, licking her young, rotted Orifice
I cum her cold Cunt, shivering with Ecstasy
for nine Days straight I do the Same
She becomes my Dead, decayed Child Sex Slave
her Neck I hack, cutting through the Back
I use her Mouth to eject
Her I cum, Blood gushes from
bleeding black Blood
Her Head disconnected
As I came, viciously I cut, through her
jugular Vein
She’s already dead, I masturbated with
her severed Head
My Lubrication, her Decomposition
Spending my Life molesting dead Children
Intercourse with Infants
Curing Heads on Top of Spikes
boiling Skulls
Skin sliding off of Bones
Voices
The Voices call
Voices
The Voices are calling me
Buried Dead I’ve spiritually infected
call to me from beyound their Graves
Bleed
I now bleed Pus
I bleed, the Blood of the Dead
I bleed on her livid Skin
Thrusting myself within
Beginning to chop through her hairless Crotch
Beyound that we know as Death
it haunts me everyday
I hear the Voice of every Child
that lies next to me decayed
A fresh Corpse, to fill with my Infection
Tortured before Death, no Orifice left unfilled
Violated after Death
Virgin Hole infest
Anal pore spewing Cess
The sacred Juice I injest
Your dead Child I defile
Necropedophile\"
Das Publikum mobilisierte noch einmal seine gesamten Kräfte und fing wieder an zu rasen. Diesmal schafften es die in den Fotograben zurückgekehrten Security-Leute aber wieder, den Diverversuchen mit Mühe und Not Herr zu werden. Als der letzte Riff von \"Necropedophile\" verklungen war, hängte Matt sein Mikro endgültig an den Ständer und verließ die Bühne und seine Mitstreiter folgten ihm. Der Mob war ausgelaugt und müde. Langsam, aber sicher lichteten sich die Reihen wieder und die Lichter im Saal gingen wieder an. Nancy erhob sich von ihrem Barhocker und legte dem Wirt ein paar Scheine hin. Sie folgte den Menschenmengen nach draußen vor den Club.
Die Nacht war warm. Das war im Sonnenparadies San Diego nicht ungewöhnlich. Manchmal sehnte Nancy sich nach der Sonne. Früher hatte sie sich oft von den heißen Sonnenstrahlen wärmen lassen. Früher. Das war einmal. Heute war die Sonne eine Gefahr für sie. Sie verwarf ihre sentimentalen Gedanken schnell wieder. Sie wollte heute versuchen, sich dem wilden Sänger von CRYPTIC STENCH zu nähren! Unbedingt! Sie entfernte sich von der Menschenmenge vor dem Halleneingang und ging einmal um das Gebäude herum. Vor dem Hintereingang stand ein schwarzer Tourbus mit schwarzgetönten Scheiben. Das konnte nur der Bus sein, mit dem CRYPTIC STENCH durch das Land zogen, von Auftrittsort zu Auftrittsort. Während der Tour wohnten sie in diesem Bus, den ihr Label für sie gemietet hatte. Die anderen Bands, neben GUTSPLASH noch PURULENY, ein ziemlich agiles Goregrind-Quintett aus Nicaragua, welches ein richtig schön brutales 5-Track-Tape namens \"Clitoris penetrated\" veröffentlicht hatte und die grindige Death Metal-Band NECRO aus Kanada, welche vor einem Monat eine Mini-CD mit dem Titel \"Pleasure to rape\" veröffentlicht hatte, fuhren stets in kleineren Mannschaftswagen hinterher. CRYPTIC STENCH übernachteten in diesem großen Bus, sie aßen und duschten darin. Nancy wähnte sich am Ziel! Sie mußte warten, bis der heiß begehrte Matt Evans zum Bus ging und sie ihn abfangen konnte. Er tat ihr den Gefallen nicht. Kein Musiker ließ sich blicken. Jetzt öffnete sich die Ausgangstür und ein breitschulteriger, großer Mann kam heraus. Es mußte sich um einen Roadie der Band handeln. Es war ein Farbiger mit langen schwarzen Rasterlocken. Er trug dunkelgraue Jeans und ein T-Shirt der Band INCANTATION mit dem \"Entrantment of Evil\"-Motiv. Der Bühnenarbeiter war zwar auch ziemlich sexy, aber für Nancy war nur der Backstage-Paß interessant, den er um den Hals trug. Sie mußte den Mann überwältigen!
Als er sich gerade eine Zigarette in den Mund steckte und diese anzünden wollte, kam Nancy auf ihn zu und sagte verführerisch: \"Hallo, Junge. Hast Du Lust auf eine schnelle Nummer?\"
Der Mann schluckte aufgeregt und blickte das sexy Luder mit der verführerischen Pose an. Nancy war noch genau in der Aufmachung wie vor einigen Stunden auf dem Straßenstrich, nur hatte sie sich zusätzlich ein umgedrehtes Kreuz um den Hals gehängt.
Der Farbige antwortete aufgeregt: \"Puppe, wo kommst Du denn her? Klar, für einen guten Fick bin ich doch immer zu haben...\"
\"Dann komm’ mit mir hinter den Busch, mein Starker. Nicht, daß wir noch gestört werden...\" lockte Nancy mit ihrer warmen, weichen Stimme und schwang ihre breiten Hüften, so daß dem Typ heiß zumute wurde und er seine Zigarette zurück in die Schachtel packte.
Sie gingen ein paar Schritte, dann standen sie hinter einem mannshohen Gebüsch, außerhalb der Sichtweite des Clubs. Der Mann legte seine großen, starken Hände um die Wespentaille des erotischen Mädchens und streichelte über ihren Arsch. Sie rieb ihren Unterleib an seinem und seine rechte Hand fuhr unter ihren Mini-Rock und zog sanft, aber bestimmt die Netzstümpfe und den Slip runter.
Mit seinen Händen hielt er ihre Arschbacken fest und begann zu stoßen. Sie strich mit ihren langen Fingernägeln durch seine Haare und leckte über seinen Hals. Beide stöhnten und der Mann legte seinen Kopf zurück und seine Adern spannten sich. Jetzt mußte es sein! Das war der richtige Augenblick! Sie bohrte ihre Eckzähne in die Halsschlagader des Farbigen und jetzt mischten sich in sein Orgasmusgestöhne schmerzerfüllte Schreie. Er lag auf dem Rücken und zappelte, während Blut aus seinem zerfetzten Hals strömte. Nancy warf sich sofort über ihn und preßte ihre Lippen auf die klaffende Wunde, um das Blut aufzusaugen. All seine Muskelkraft nützte dem Überwältigten nichts mehr, sein Leben wich unaufhaltsam aus seinem Körper. Nancy zog ihm die Schnur mit dem Backstage-Paß über den Kopf und richtete sich auf. Sie wischte sich mit dem Handrücken über den Mund. Jetzt hatte sie eigentlich freie Bahn! Sie hängte sich den Paß um und ging durch die Tür in den Backstagebereich der Halle. Ein bißchen tat ihr der tote Mann leid, alle ihre Opfer taten ihr etwas leid, aber sie verdrängte dies sehr gut. Das hatte sie im Laufe der Zeit wirklich hervorragend gelernt. Sie wurde von niemandem aufgehalten, der Paß um ihren Hals war ein Freibrief. Sie stand auf eine langen Flur, der von der Bühne wegführte. Hauseigene Bühnenarbeiter gingen an ihr vorbei, fingen schon an, das Equipment auf der Bühne abzubauen. Hinter einer weit offenstehenden Tür war Stimmengewirr zu vernehmen. Nancy trat auf die Türschwelle. Sie war kurz vor dem Ziel! Die komplette Band CRYPTIC STENCH hielt sich in dem Raum auf. Zusammen mit einem gewissen Ted Byron, dem Gitarristen von GUTSPLASH. Matt Evans und Ted Byron redeten aufgeregt über die gerade heil überstandene Show, die anderen CRYPTIC STENCH-Mitglieder standen an einem Flipperautomaten in der Ecke, stürzten den Inhalt ihrer Bierflaschen runter und waren in ihr Spiel vertieft. Alle Anwesenden standen mit freiem Oberkörper im Raum und hatten sich Handtücher um die Hälse geschlungen. Matt hatte nun auch seine Nieten abgelegt. Er schwitzte noch immer und zitterte unruhig, denn er war noch vollgepumpt mit Adrenalin. Er und Ted Byron rauchten gemeinsam eine Tüte und der Geruch von Grass lag in der Luft. Nancy stand in der Tür mit ihrer aufreizenden Pose. Jetzt wurden die Männer auf sie aufmerksam.
Matt pfiff anerkennend und sagte: \"Hey, hallo, wen haben wir denn hier? Eine süße kleine Journalistin, die wegen eines Interviews hier ist?\"
Nancy kam auf ihn zu und antwortete verführerisch: \"Endlich habe ich die Gelegenheit, Dich mal persönlich anzutreffen. Was kann so ein simpler Paß um den Hals doch Wunder bewirken...\"
Matt fragte etwas erstaunt: \"Und wo hast Du den Paß her?\"
\"’nem guten Freund aus dem Laden hier abgeschwatzt. Ich will Dir und Deinen Jungs hier mal zu Eurer geilen Show eben gratulieren.\"
Die anderen Bandmitglieder hatten sich gerade vom Flipperautomaten abgewendet und holten sich ein paar T-Shirts aus ihren Spinds, die sich an der Wand im Raum befanden. Jeder dankte der aufregenden Braut für ihre lobenden Worte. Tom Noonan packte seine Klampfe in den Gitarrenkoffer, nachdem er sich ein schwarzes, unbedrucktes T-Shirt übergezogen hatte und hängte sich den Koffer um den Hals.
Nancy hatte nur Augen für Matt und blickte ihn augenzwinkernd an: \"Na, mein Held, wie sieht’s aus? Willst Du eine Nacht mit mir verbringen?\"
Matt nickte anerkennend, starrte interessiert auf die großen Brüste, die sich unter dem Top abzeichneten und murmelte: \"Honey, Du bist wirklich ein umwerfendes Ding. Ich denke, wir sollten uns zurückziehen...\"
Carlos Mendez klopfte Matt auf den Rücken und sagte grinsend: \"Wir alle wollen noch ein bißchen um die Häuser ziehen. Die anderen Bands haben sich schon alle ins Nachtleben gestürzt. Geht ruhig in den Bus. Steck’ ihn für mich mit ins Loch, Matt...\"
\"Ich pack’ nur die Gitarre in den Bus, dann verpiß’ ich mich auch!\" versprach Tom.
Ted Byron von GUTSPLASH hatte den Raum bereits verlassen, die restlichen CRYPTIC STENCH-Mitglieder liefen hinterher und ließen Matt und Nancy allein zurück.
\"Also los, Sweetheart, dann laß’ uns mal in den Bus gehen. Es ist sehr gemütlich dort...\" sagte Matt und faßte Nancy am Arm, die sich bereitwillig mitführen ließ.
Sie wähnte sich am Ziel ihrer Träume. Die Leiden ihres Vampir-Daseins waren erst einmal vergessen. Solche Glücksmomente waren selten für sie. Sie mußte nur darauf achten, vor Sonnenaufgang in ihrem sicheren Apartment zurück zu sein. Matt zog sich nichts über den freien Oberkörper, als er vor Nancy herlief Richtung Ausgang. Sie musterte den breiten, kraftvollen Körper des wilden Death Metal-Tieres und leckte sich die Lippen, wenn dieser menschliche Stier seine gewaltigen Muskeln an Nacken und Armen spielen ließ. Ja, diese Nacht versprach, ein Abenteuer zu werden.
Als er an der Bustür stand, sagte Matt einladend: \"Bittesehr, meine Kleine, tritt ein. Ladies haben ja bekanntlich den Vortritt...\"
Nancy stieg in den Bus und Matt ließ die Tür hinter sich ins Schloß fallen. Der Bus war ein richtiger Nightliner. Da hatte sich das Label der Band nicht lumpen lassen. Und er war ganz für die CRYPTIC STENCH-Leute allein da. Die anderen Bands mußten mit kleineren Bussen und sogar einem einfachen Mannschaftswagen hinterherreisen, die auch auf dem Parkplatz des Clubs standen. Auf linker und rechter Seite eines kleinen Ganges stand je ein zweistöckiges Stockwerkbett. Die vierköpfige Band fand also mit 2 Mann pro Seite ausreichend Schlafgelegenheit. Matt schlief unten auf der linken Seite. Am Fuße der beiden Stockwerkbetten stand ein kleiner, am Boden befestigter Tisch mit einem Sofa an der Wand. Matt und Nancy nahmen auf dem Sofa Platz und Matt nahm eine Tabakpackung vom Tisch und fing an sich eine Tüte zu drehen.
\"Willst Du auch ein paar Züge, Baby? Feinstes kolumbianisches Grass...\" sagte Matt, während er den ersten Zug nahm und seine Augen schloß. Das tolle Gefühl im Kopf genoß, als der starke Stoff zu wirken begann.
Alles ging so leicht, wenn man stoned war. Man fühlte sich so unbeschreiblich frisch und pudelwohl, man konnte bei der richtigen Dosierung förmlich Bäume ausreißen.
\"Ja, gib’ mal her...\" antwortete Nancy und tat ebenfalls einen tiefen Zug.
\"That’s Life, Baby. Nachts zugedröhnt auf der Bühne stehen und sich nach dem Gig voll dem Rauchen und Saufen hingeben. Und bei der Gelegenheit einen ordentlichen Fick mit einer scharfen Muschie, wie Du eine bist...!\" schwärmte Matt von seinem Leben als Frontman einer im Underground gefeierten Extrem-Metal-Band.
Dieser 24jährige vor Kraft und Energie strotzende Mann fühlte sich nur on the Road wirklich wohl. Er hatte seine Jugend in den Ghettos New Yorks verbracht, bevor er mit 17 Jahren mit seinen Eltern nach LA übergesiedelt und kurz vor seinem Einstieg bei CRYPTIC STENCH nach San Francisco gezogen war. Leider warfen die Umsätze der Band nicht genug Geld zum Lebensunterhalt ab, so daß er nebenbei in einem Schlachthof stundenlang Rinderhälften zu schleppen hatte. Das ging ihm leicht von der Hand. In seiner Wohnung in einem Hochhaus hatte er ständig Gelegenheit, Bankdrücken zu machen. Das hieß, er lag rücklings auf einer Bank in seinem Wohnzimmer und stemmte eine Hantel beladen mit rund 200 kg Gewichtsscheiben von seinem voluminösen Brustkorb weg. Außerdem ging er mehrere Male in der Woche ins Body Building-Studio, um seinen Adoniskörper weiter zu stählen. Auf Tour war das Einzige, was er vermißte, das Schwitzen unter dem Einfluß von Gewichtsplatten, Hanteln und Laufbändern. Er war total fanatisch darin, stets bis zur Erschöpfung. Beide hatten den Joint aufgeraucht und ließen erst einmal das angenehme Rauschmittel auf sich einwirken. Matt trommelte sich mit den Fäusten auf die Brust wie ein Gorilla und griff nach der halbvollen \"Jack Daniels\"-Flasche, die noch auf dem Tisch stand. Er setzte an und nahm ein paar tiefe Schlucke. Das scharfe Getränk verschaffte ihm noch den letzten Kick.
Er setzte die Flasche knallend auf der Tischplatte ab, wischte sich rülpsend mit dem Handrücken über die Lippen und sagte angeheitert: \"Baby, laß’ uns keine weitere Zeit verschwenden. Du willst was von mir und ich von Dir. Solange wir den Nightliner noch für uns haben... Komm’ schon, meine wilde kleine Pussy...\"
Bereitwillig stand Nancy auf.
\"Da drüben ist mein Schlafplatz.\" sagte Matt und deutete auf das linke untere Bett.
Nancy entkleidete sich rasch und nahm auf dem Bett Platz.
Er ließ Hose und Boxershorts an seinen Beinen heruntergleiten und stand vor dem Objekt seiner Begierde.
Matt legte sich über Nancy, und sie schlang ihre langen Beine um seinen Unterleib und drückte ihn sanft runter. Ihre Arme legte sie um seinen breiten Nacken und er fing an, sie zu stoßen, während sie sich an ihn schmiegte und ihre Titten an seinem Brustkorb rieben.
Wie ein wildes Tier brüllte Matt bei seinem Orgasmus auf und Nancy keuchte laut: \"Ja... Ja... Das ist schön... O ja...\"
Matt mußte jetzt wirklich verschnaufen. Er lehnte sich etwas zurück an die Wand, während die nackte Nancy sich jetzt neben ihn auf die Bettkante setzte.
Matt guckte sie erschöpft an und sie blickte ihn mit einem verführerischem Schmollmund an, als sie wie ein unschuldiges Schulmädchen fragte: \"Hat Dir das Spaß gemacht?\"
\"O Baby, Du machst mich wahnsinnig. Du bist die wildeste Pussy, die ich jemals im Bett hatte...\" antwortete Matt noch immer schwer atmend, richtete sich wieder auf und schlang seine stämmigen Arme, die so breit waren wie anderer Leute Beine, um den warmen, weichen Mädchenkörper der neben ihm sitzenden dunkelhaarigen Schönheit und hob sie rüber auf seinen Schoß.
\"Paß’ auf, daß ich mir nicht die Rübe am Bett über uns stoße, mein Hengst...\" lachte Nancy vergnügt und schlang ihre Arme wieder um seine Schultern, um im mit ihren langen Fingernägeln Nacken und Rücken zu kraulen.
Matt küßte ihre runden Titten und sagte euphorisch: \"Du verstehst es wirklich, einen Mann zu verwöhnen, meine kleine Süße... Ich brauche Dich...\"
\"Das kann ich mir vorstellen... Ich weiß den männlichen Körper gut ranzunehmen.\" antwortete Nancy leise, suchte mit ihren Lippen die seinen und beide berührten gegenseitig ihre Zungenspitzen.
Jetzt wanderte Nancy mit ihren Lippen tiefer, an Matt’s Hals. Plötzlich setzte ein Reflex in ihrem Mund an und sie mußte ihren Kopf ruckartig zurückreißen, um Schlimmeres zu verhindern. Sie hatte ihrem Stecher beinahe in den Hals gebissen! Der typische instinktive Vampirreflex! Schlagartig holte sie die bittere Realität wieder ein, der schöne Traum war buchstäblich zerplatzt wie eine Seifenblase. Sie riß sich blitzschnell aus der Umklammerung des starken Matt los und stand auf.
\"Baby, was ist los? Hab’ ich was falsch gemacht?\" fragte Matt nervös.
\"Es ist besser, ich gehe jetzt...\" sagte Nancy knapp und hob ihr Oberteil vom Boden auf.
Matt kratzte sich verwirrt am Hinterkopf, während sie sich anzog und mit Hilfe ihres Taschenspiegels ihre Haare richtete.
\"Bitte frage nicht, warum, aber ich muß mich jetzt wirklich verpissen. Ich werde Euch nachreisen und bei Eurem nächsten Gig wieder dabeisein. Der ist in 3 Tagen in El Paso, richtig?\"
Matt antwortete verdutzt: \"Ja, richtig...\"
\"Hab’ ich die Daten im Fanzine also nicht durcheinandergebracht. Ich werde morgen die Bahn nach El Paso besteigen...\" lächelte Nancy und wollte zur Ausgangstür hetzen, aber der nackte Matt sprang im letzten Augenblick noch einmal vom Bett hoch und schlang seine Arme um ihren Bauch, während er ihren Nacken küßte und sein Gemächt gegen ihren Arsch drückte.
\"Honey, warum hast Du’s so eilig? Du kannst doch auch hier im Nightliner mitreisen...\"
\"Nein, das geht nicht. Bitte stell’ jetzt keine Fragen... Wir sehen uns in 3 Tagen wieder... In Texas. Versprochen.\" sagte Nancy, strampelte sich frei und rannte durch die Tür ins Freie, verfolgt vom irritierten Blick Matt’s.
Sie steuerte unverzüglich den Heimweg zurück zu ihrer Wohnung an. Morgen würde sie den Nachtzug nach El Paso nehmen. Sie schluchzte leise vor sich hin, während sie geknickt durch die Straßen ging. Dieser verdammte Blutdurst! Sie hatte ihre untote Existenz so gründlich satt. Sie konnte einfach kein normales Leben führen, zumal sie eigentlich sowieso nicht mehr lebte im eigentlichen Sinne. Sie konnte auch keine engere Beziehung zu irgendeinem Menschen aufbauen, denn dieser würde irgendwann an Altersschwäche abkratzen, während sie in 100 Jahren noch immer als 21jährige Schönheit weiterexistieren würde. Das ewige Leben war ein Fluch, wenn man es als Vampir fristete und immer auf der Flucht vor der Sonne sein mußte. Was hatte ihr ein solches Dasein als lebende Tote zu bieten? Tränen kullerten über ihre Wangen und verschmierte ihre Wimperntusche, als sie vor ihrer Wohnungstür stand.
Es war 23 h am nächsten Abend, als Nancy am Bahnhof von San Diego den Zug Richtung Texas bestieg. Sie hatte nur einen Rucksack bei sich, als sie ihr Abteil betrat. Erst gegen zehn Uhr hatte sie ihre Wohnung verlassen können, als die Sonne nämlich schon untergegangen war. In dieser Nacht würde sie bis zu einem kleinen Kaff mitten in der Wüste kommen, da mußte sie die Fahrt erst einmal unterbrechen und sich dort noch vor Sonnenaufgang in einer billigen Absteige verkriechen, bei der sie sich von ihrer Wohnung aus bereits ein Zimmer reservieren lassen hatte. Die Absteige würde sich dort in unmittelbarer Nähe des Bahnsteiges befinden, das war schon mal ganz gut so. Der Zug sollte dort gegen 5 h morgens halten, also würde noch genügend Zeit sein, um die Absteige aufzusuchen. Von diesem Kaff aus würde sie dann noch eine Nacht mit einem anderen Zug durchfahren müssen bis nach El Paso, so daß sie die übernächste Nacht beim Auftrittsort von CRYPTIC STENCH sein konnte. Soweit war alles fest in die Wege geleitet. Heute Abend hatte sie noch kein Opfer gefunden. Sie wollte bis mindestens Mitternacht warten. Sie lag auf dem Bett in ihrem reservierten Abteil und hatte ihren Discman aufgesetzt, in welchem die CD \"Bowels of Repugnance\", ein alter Klassiker der Band BROKEN HOPE kreiste. Die wilden schnellen Death Metal- Klänge betäubten immer wieder ganz erfolgreich ihren Schmerz über ihre Vampir-Existenz. Sie hatte sich aber fest vorgenommen, dieser Existenz bald ein Ende zu setzen. Sehr bald. Einmal noch wollte sie jedoch ihr Idol ihrer Lieblingsband erleben... Sie dachte jedoch nie mehr als 5 Tage in die Zukunft, und das war auch heute nicht anders. Ihr graute wie üblich schon jetzt wieder vor dem Gedanken, ein Opfer zu reißen, aber sie verdrängte den Gedanken schnell wieder. Wie immer. Die Zeit verstrich. Sie hatte eine Handvoll CD’s in ihrem Rucksack, welche sie in ihren Discman einlegte, aber kurz nach Mitternacht meldete sich wieder der Wunsch nach Blut in ihr, welcher sie bei Nichterfüllen in eine reißende Bestie verwandeln würde, die nicht mehr Herr ihrer Sinne war. Das hatte sie ja schon einmal erleben müssen. Ein Opfer brauchte sie mindestens in einer Nacht, um sich unter Kontrolle zu halten. Sie schaute leicht wehmütig aus dem Fenster in die Nacht und verließ seufzend ihr Abteil. Es mußte sein, da nützte alles Sträuben nichts. Lieber nur einen Menschen töten, als in einem totalen Wahn mehrere Menschen wahllos in den Tod reißen. Schon jetzt war sie unruhig. Hoffentlich trieb sich überhaupt jemand auf dem engen Korridor herum, so daß sie kein Zimmer aufsuchen mußte. Das wäre natürlich mit einem Risiko verbunden... Wie immer sträubte sich ihr Unterbewußtsein dagegen, ein Opfer zu reißen, aber ihr Trieb war stärker! Der Zug ratterte und wackelte gelegentlich, so daß Nancy torkelnd über den dunklen, nur von wenigen kleinen Lampen über den Fenstern, hinter denen die nächtliche Landschaft vorbeiraste, beleuchteten Korridor schritt. Auf der anderen Seite des Korridors befanden sich die Abteile, an deren Türen sie sich vorbeizwängte. Am anderen Ende des Ganges bewegte sich ein vielleicht 30jähriger Mann mit blauem Anzug und Krawatte auf sie zu. Was für ein Zufall! Wenn sie jetzt noch etwas Glück hatte, konnte Nancy sich das riskante Eindringen in eines der Abteile sparen.
Wie üblich war Schüchternheit keines ihrer Probleme und sie flüsterte dem Mann verführerisch zu: \"Hallo, mein Hübscher, ganz allein hier unterwegs?\"
Der Mann starrte sie im ersten Moment ganz verdutzt an, lächelte dann aber überfreundlich und rückte sich seine Krawatte zurecht, als er antwortete: \"Ja, auf Geschäftsreisen ist Einsamkeit oft mein zweiter Name...\"
\"Das ist aber traurig für Dich. Soll ich Dir in Deinem Abteil etwas Gesellschaft leisten?\"
\"Das hört sich gut an. Dort wollte ich nämlich gerade hin...\"
\"Ich bin auch einsam während dieser Reise und könnte ein bißchen Gesellschaft gebrauchen. Du wirst es nicht bereuen.\"
\"Da bin ich sicher...\"
Beide gingen noch ein paar Schritte, dann öffnete der Mann eine Tür, die in sein Abteil führte. Nancy wurde noch einmal ihr riesengroßes Glück bewußt: Diese Abteile waren bestimmt alle von innen verschlossen. Das hätte ihre Such nach einem schlafenden Opfer noch zusätzlich erschwert. Ein Wink des Schicksals, daß sie jetzt von einem Opfer hereingebeten wurde. Sie schaltete ihre Skrupel vor dem Töten wieder gekonnt aus nach dem Knopfdruckprinzip. Das Übliche folgte: Sie verstrickte ihr Opfer in ein belangloses Gespräch, welches sie selber nur oberflächlich mitbekam, und setzte ihre ganze Verführungskunst ein. Der Mann setzte sich zu ihr auf die Bettkante und ließ sich von ihr seine Krawatte lösen. Sie ließ sich von ihm umarmen und suchte unverzüglich mit ihren Lippen seine Halsschlagader. Dann ging es wieder sehr schnell. Ihre Eckzähne bohrten sich in seinen Hals und der Biß saß so gekonnt, daß das Opfer einmal gurgelte und schnell alles Leben aus ihm wich. Sein Blut schoß aus der klaffenden Wunde am aufgerissenen Hals und Nancy saugte den roten Saft hastig auf. Das leichte Ekelgefühl vor dem Blut regte sich noch immer mit jedem Biß in ihrem Unterbewußtsein, aber gleichzeitig breitete sich dieses erlösende, berauschende Gefühl in ihrem Körper aus. Süß und saftig rann das Blut durch ihre Kehle herab in ihren Magen. Sie stand auf und betrachtete den blassen, blutüberströmten Toten.
\"Tut mir leid, Mann. Wirklich leid...\" murmelte sie und wandte sich zum Gehen.
Da fiel ihr Blick auf den Schlüssel, der auf dem kleinen Tisch im Abteil lag. Sie nahm ihn, verließ das Abteil und schloß hinter sich ab. Wenn die Leiche so lange wie möglich unentdeckt blieb, hatte sie umso bessere Chancen, unbehelligt gegen Morgen den Zug wieder zu verlassen. Sie öffnete das Klappfenster gegenüber des Abteils ihre Opfers und warf den Schlüssel aus dem fahrenden Zug. Soweit, so gut. Jetzt mußte sie nur noch unentdeckt in ihr Abteil zurückkehren. Ihre Lippen und das Kinn waren noch blutverschmiert, als sie durch den wackeligen Waggon zurückwankte. Sie hatte es ja zum Glück nicht mehr weit. Ihr Abteil befand sich etwa in der Mitte des spärlich beleuchteten Ganges. Am Ende des Ganges trabte ein 7jähriges Mädchen in Nachthemd mit einem Teddybär unter dem Arm auf die junge Vampirin zu. Das Kind erschrak im ersten Moment, als es die spitzen Zähne im Mund der unheimlichen Gestalt aufblitzen sah. Zudem bot das am Kinn klebende Blut eine sehr angsteinflößendes Bild. Das Kind verbarg sich im Dunkeln und starrte Nancy fassungslos an, die gerade schon die unverschlossene Tür ihres Abteils öffnete und darin verschwand. Als Nancy nicht mehr zu sehen war, machte das Mädchen auf dem Absatz kehrt und lief zurück in den angrenzenden Waggon, aus dem es hergekommen war.
Aufgeregt riß sie die Tür des Abteils auf, in dem sie mit ihren Eltern lag und keuchte: \"Mom! Dad! Im Waggon vor uns läuft eine Vampirfrau über den Gang! Ich habe sie deutlich gesehen! Mit ganz spitzen Zähnen! Und voller Blut!\"
Die oben im Stockwerkbett liegende Mutter hob genervt den Kopf und antwortete mürrisch: \"Meine Liebe, das hast Du Dir nur eingebildet. Wir haben Dir sowieso verboten, nachts durch den Zug zu schleichen...\"
\"Nein, Mom, es ist wahr! Hier ist ein Vampir im Zug!\" schrie die Tochter aufgeregt.
Die Mutter wandte sich an den unter ihr liegenden Vater, der ebenfalls verwirrt seine Tochter anstarrte: \"Siehst Du, Homer, das kommt davon, wenn Du dem Kind ständig diese scheußlichen Horrorgeschichten aus dem Internet vorliest! Sowas kann für einen heranwachsenden Menschen irreparable Schäden hervorrufen! Ich hab’s ja immer gesagt!\"
\"Ach Marge, Du übertreibst mal wieder. Kinder in dem Alter haben eben eine blühende Phantasie. Das sollte man nicht so ernst nehmen. Kind, schließ’ die Tür ab und leg’ Dich schlafen. Du träumst ja sogar mit offenen Augen...\" brummte der Vater mürrisch.
Das Mädchen tat, wie ihm befohlen und legte sich ins Bett gegenüber der Eltern.
\"Und ich weiß doch, was ich gesehen habe. Diese blöden Erwachsenen glauben einem nie etwas...\" murmelte das Kind beleidigt und zog sich die Bettdecke über den Kopf.
Die Nacht verlief ohne weitere Zwischenfälle. Gegen 5 h erreichte der Zug den kleinen Bahnhof eines Provinznestes in der Wüste und Nancy schaffte es rechtzeitig vor Sonnenaufgang, das rettende Hotel in der Nähe des Bahnhofs zu erreichen. Die erste Hälfte der Reise war gut überstanden.
Bevor sie am folgenden Abend den weiteren Zug bestieg, hatte Nancy bereits den Bewohner eines Nachbarzimmers im Hotel ausgesaugt. Da war sie genau so vorgegangen wie die Nacht zuvor im Zug. Ihr Opfer war wieder ein Mann auf der Durchreise, diesmal um die 40. Die jetzige Zugfahrt konnte also noch ruhiger verlaufen als die davor, denn Nancys Blutdurst war gestillt. Um sich richtig euphorisch zu fühlen, hätte sie weitere Opfer finden müssen, aber das Grundbedürfnis war ein Opfer pro Nacht. Sie wollte ihre Existenz sowieso bald beenden... Es war wieder gegen Morgengrauen, als der Zug endlich auf dem Bahnhof von El Paso einlief. Nancy hatte wieder vorgesorgt und im Voraus ein Hotel in der Nähe des Bahnhofs für ein reserviertes Zimmer kontaktiert. Diesmal mußte sie sich von einem Taxi hinfahren lassen. sie checkte schnell ein und zog sich sofort ins reservierte Zimmer zurück. Die Sonne ging gerade auf, als sie die Vorhänge dicht vor das Fenster gezogen hatte. Jetzt brauchte sie ihren Schlaf! Am Abend dieses Tages stand ein weiterer Konzertbesuch an.
Nach kurzem Suchen hatte Nancy am folgenden Abend den Club gefunden, in dem CRYPRIC STENCH heute spielen sollten. Wie üblich hatte sie das schützende Hotelzimmer erst zur Zeit der Dämmerung verlassen können. Gegen 23:30 h stand sie vor dem Gebäude, aus dem die Musik der gerade anfangenden Supporter GUTSPLASH erklang. Es war ein großer Club, in erster Linie für Motorradrocker. Auf dem Parkplatz standen Dutzende schwerer Maschinen und diverse Rocker jeglicher Altersgruppen standen um das Clubgebäude herum. Alles erinnerte ziemlich stark an das \"Titty Twister\" aus dem Kultfilm FROM DUSK ‘TIL DAWN. Die Aufmachung des Gebäudes und die zahlreichen in Leder, Nieten und Ketten gehüllten Gestalten, die sich davor tummelten und das Knattern der Motorräder neu eintreffender Rocker, die zuweilen ziemliche Kavalierstarts hinlegten, ergänzten das Bild, zu dem dieser Vergleich paßte wie die Faust aufs Auge. Der Club lag ziemlich abseits der Stadt und man konnte deutlich die Kulisse der nachtdunklen Wüste daneben und dahinter ausmachen. Vor dem Halleneingang stand ein vielleicht 50jähriger Altrocker mit ausgefranzter schwarzer Jeans, Buffalos und verwaschenem T-Shirt der Band MONSTROSITY, \"Imperial Doom\"-Motiv. Die Fashion war ziemlich schräg und der gar nicht so recht dazu passende Sombrero auf dem Kopf des reichlich besoffenen Mannes unterstrich noch die skurile Note. Der Mann war ziemlich dürr und hatte einen verfilzten grauen Vollbart.
In der rechten Hand hielt er ein Mikrophon und in der Linken eine \"Bacardi\"-Flasche, aus der er immer wieder einen tiefen Zug nahm, während er mit versoffener Stimme laut ins Mikro gröhlte: \"Willkommen, Pussy-Freunde! Immer hereinspaziert, Pussy-Freunde! Nach dem Konzert gibt’s noch eine supergeile Stripshow mit vielen Pussies! Wir haben spanische Pussies, wir haben brasilianische Pussies, wir haben blonde Pussies, wir haben braune Pussies, wir haben schwarze Pussies! Wir haben feuchte Pussies, wir haben rasierte Pussies, wir haben leicht behaarte Pussies, wir haben stark behaarte Pussies! Kommt herein und wartet auf die Pussies! Leckt die Pussies, fingert die Pussies, küßt die Pussies, stopft die Pussies! Fickt sie!!!\"
Die Death Metal-und Grindcore-Freaks vertraten sich ebenfalls vereinzelt vor dem Clubeingang die Beine, ihre Blutsbrüder schüttelten derweil in der Halle die Haarmähnen, während sie die Band auf der Bühne abfeierten. Nancy beschloß, erst einmal die Lage zu erkunden und nachzugucken, ob sich nicht einige CRYPTIC STENCH-Mitglieder ebenfalls draußen aufhielten. Sie hatte tatsächlich Glück! Auf dem Parkplatz stand der Nightliner und Matt Evans und Tom Noonan kamen gerade heraus. Tom Noonan trug einen Gitarrenkoffer und die beiden Männer unterhielten sich, während sie ihre Schritte Richtung Club lenkten.
Matt sah Nancy auf sich zukommen und rief fast überrascht: \"He Sweetheard, Du bist tatsächlich gekommen!\"
\"Aber sicher doch. Nimmst Du mich mit rein in den Club?\" fragte Nancy und zwinkerte verführerisch mit den Augen.
\"Klar, meine Süße, komm’ mit uns...\"
Matt rieb sich die Hände, während er vor Nancy und Tom Noonan herging. Er trug seine schwarze Lederhose und Rangers und unter seinem knappen schwarzen Muscle-Shirt zeichnete sich wieder der muskulöse Leib ab, der Nancy so gierig machte. Heute Abend hatte sie jedoch andere Sorgen... Sie fühlte sich miserabel. Sie wußte, lange würde sie nicht mehr durchhalten können. Der Mann aus dem Hotel war leichte Beute gewesen, aber es war verdammt lange her. Und sie hatte sich geschworen, das sollte ihr letztes Opfer gewesen sein. sie hatte nur noch nicht selbst den Mut gefunden, den entscheidenden Schritt zu tun. Das mußte jemand anderes für sie erledigen. Sie selbst hatte keine Kraft dazu. Sie hatte es schon unzählige Male versucht und immer im letzten Moment einen Rückzieher gemacht. sie bekam nur beiläufig mit, wie sie in den Backstagebereich des bizarren Clubs geführt wurde. Im Backstageraum war sie nun allein mit Matt Evans und Tom Noonan, der gerade seine Gitarre auspackte.
\"Prachtstück, nicht wahr? Die Saiten frisch aufgezogen.\" strahlte Tom und stellte die Klampfe in den Gitarrenhalter.
\"Matt? Kann ich Dich mal unter 4 Augen sprechen?\" fragte Nancy zaghaft.
\"Honey, was ist los mit Dir? du siehst krank aus...\" antwortete der angesprochene Matt verdutzt.
\"Bitte... Es ist wichtig.\" sagte Nancy und blickte Matt flehend an.
\"Hey Tom. Kannst Du uns mal eben alleine lassen?\" fragte Matt seinen Bandkollegen.
Der ging schon auf die Tür zu, als er antwortete: \"Kein Problem. Wollte sowieso die Andern suchen. In knapp 30 Minuten räumen GUTSPLASH die Bühne, dann sind wir dran...\"
Schließlich befanden Matt und Nancy sich allein im Raum. Er setzte sich auf die Sitzbank neben sie und blickte sie fragend an.
Nancy nahm all ihren Mut zusammen und holte eine Pistole aus ihrer Handtasche: \"Würdest Du mir bitte einen Gefallen tun?\"
\"He Mäuschen, sicher, aber was hast Du vor?\"
\"Mich von meiner Existenz erlösen lassen.\"
Auf diese trockene Antwort folgte erst einmal Schweigen. Die Beiden saßen auf der Bank und keiner wagte ein Wort zu sagen.
Bis Matt wieder das Wort ergriff: \"Hör’ mal, was ist das für ein Spiel? Bist Du auf ‘nem schlechten Trip, Kleine? Was verlangst Du da?\"
\"Du weißt noch nicht alles von mir. Du kennst das schreckliche Geheimnis nicht. Ich... Ich... bin ein Vampir.\"
Matt konnte sich einen kurzen Lacher nicht verkneifen.
Etwas irritiert erwiderte er: \"Ich glaube, Du sitzt ziemlich in der Scheiße. Hast Du was Falsches genommen, was Dir nicht bekommen ist?\"
\"Verdammt nochmal, soll ich es Dir beweisen?\" fragte Nancy aggressiv und entblößte zum Beweis ihre spitzen Eckzähne.
Matt zuckte etwas zusammen und starrte die neben ihm Sitzende fassungslos an, als er sagte: \"Das ist doch nicht möglich.\"
\"Ich erzähle Dir mal, wie es soweit gekommen ist...\" sagte Nancy mit brüchiger Stimme und sprach über den Freier, der sie damals angegriffen und gebissen hatte.
Sie machte jetzt auch keinen Hehl mehr daraus, wie viele Menschen sie schon im Laufe der Zeit getötet hatte. Matt saß auf der Bank und hörte verwundert zu.
\"Das klingt ja abgefahren... Aber ist es nicht so, daß Opfer von Vampiren selbst als Blutsauger weiter existieren? Dann müßten doch all Deine Opfer ebenfalls umgehen...\" fragte er vorsichtig.
\"So ist es nicht. Nur, wer dem Angriff eines Vampirs entgeht, jedoch schon von ihm verletzt worden ist, verliert mit der Zeit sein menschliches Leben und verwandelt sich in einen Blutsauger. Ich habe den Angriff dieses Vampirs, der mich in jener Nacht als Freier heimsuchte, verletzt überlebt, wie ich schon sagte. Ich konnte ihn überwältigen und entkommen. Seitdem bin ich gezeichnet. Ich muß töten! Ein Opfer muß ich in einer Nacht mindestens haben, ansonsten werde ich wahnsinnig. Ich habe mal versucht, eine Nacht lang ohne Opfer durchzuhalten. Gegen Morgen wurde ich zu einer unkontrollierten, reißenden Bestie, die nicht mehr Herr ihrer Sinne war. Erst als ich im letzten Moment doch noch ein Opfer gefunden hatte, konnte ich mich wieder bezähmen.\"
\"Und was ist jetzt mit Dir? Du siehst so krank aus.\"
Nancy erhob sich von der Bank, legte die Waffe neben Matt auf die Sitzfläche und ging langsam auf das kleine Fenster im Raum zu.
Während sie wie gebannt hinausstarrte, antwortete sie: \"Ich habe Dir die Waffe gegeben, damit Du mich erlöst. Ich selber habe nicht die Kraft dazu. Ich habe mal versucht, mich vor Sonnenaufgang einfach auf die Straße zu legen und zu warten, bis die Sonnenstrahlen mich verbrennen. Ich habe es nicht durchgehalten. Die ersten aufkommenden Strahlen haben meine Haut gereizt und ich konnte den Strahlen nicht standhalten. Ich habe einen Rückzieher gemacht und ich würde immer wieder Rückzieher machen. In der Knarre sind Silberkugeln. Vor einiger Zeit habe ich Silber schmelzen lassen und die Waffe damit geladen. Ich kann mich einfach nicht zum entscheidenden Schritt durchringen. Ich fühle mich so schlecht... Ich habe gehofft, ich kann diese letzte Nacht durchhalten, ohne ein weiteres Opfer zu töten. Aber mein letztes Opfer liegt zu weit zurück. Gestern kurz nach Sonnenuntergang habe ich in meinem Hotel einen Mann getötet. Ich will nicht mehr töten. Bitte, Matt... Erlöse mich...\"
\"Kleines, jetzt komm’ mal wieder zu Dir. es war ein cooler Joke, wirklich. Aber jetzt werd’ mal wieder vernünftig. Ich geb’ Dir was zum Rauchen, dann wirst Du Dich wieder besser fühlen...\"
\"Du willst es nicht verstehen! Ich werde mich gleich sehr verändern. Ich bin dann nicht mehr das kleine verführerische Mäuschen, mit dem Du die schöne Zeit im Nightliner verbracht hast. Ich giere schon wieder nach Menschenblut und es fällt mir schwer, mich zu beherrschen. Zu lange habe ich kein Opfer mehr gehabt. Nimm’ jetzt die Waffe. Bitte!\"
Matt sah, wie die zierliche Frau, die ihm die ganze Zeit über den Rücken zudrehte, am ganzen Leibe zitterte und schmatzende Geräusche von sich gab. Er stand auf und wollte gerade etwas sagen, da fuhr Nancy blitzschnell herum. Matt zuckte zusammen. Ungläubig starrte er auf die Fratze, die ihn mit funkelnden Augen förmlich zu durchbohren schien. Das Gesicht hatte sich wirklich verändert. Schaum rann aus dem Maul, aus dem lange Eckzähne ragten. Die Haut schimmerte grünlich und wirkte brüchig. Unter der grünen Haut schimmerten die Adern durch wie schwarze Linien. Der Schaum lief aus dem Mund über den Bauch und tropfte auf den Boden. Sie wimmerte, denn dieser Zustand bereitete ihr Schmerzen.
Sie zuckte am ganzen Leib, als sie ziemlich schwer verständlich krächzte: \"Zu spät... Du mußt mich töten... Ich kann mich nicht mehr beherrschen... Blut- Ich brauche Blut...\"
Matt griff zur Waffe. Aber noch zögerte er. Er bewegte sich auf die Tür zu. die Kleine ist wahnsinnig, dachte er nur. die veränderte Nancy stieß jetzt einen spitzen Schrei aus und sprang auf Matt zu. er wich aus, und sie krachte neben ihm mit dem Kopf gegen die Wand. Die Haut an ihrer Stirn riß auf und Blut lief über die Wand. Nancy lag vor der Wand am Boden. Als sie ihren Kopf zu Matt drehte, rann ihr Blut aus der verwundeten Stirn über das Gesicht und vermengte sich mit dem Schaum aus ihrem Mund. Matt wurde es zuviel! Er flüchtete aus dem Zimmer und hastete auf die Treppe zu, welche aus dem Backstagebereich hinauf auf die Bühne führte, auf der GUTSPLASH gerade ihren Auftritt absolvierten. Nancy richtete sich blitzschnell auf und jagte hinter Matt her. Sie hatte keine Erinnerung mehr an die schönen Stunden mit ihm. sie gierte nur noch nach dem Blut, welches durch seine Adern strömte. Sie war verwandelt! Hatte sich nicht mehr unter Kontrolle! Matt erreichte die Bühne und rempelte GUTSPLASH-Gitarrist Ted Byron an, der daraufhin beinahe das Gleichgewicht verlor und fast mit seiner umgehängten Fender zu Boden fiel. Nancy erschien in diesem Moment ebenfalls auf der Bühne und sprang Matt in den Nacken. Er schüttelte sie ab und warf sie zu Boden. Sie kam sofort wieder auf die Beine und sprang ihn erneut an. Sie riß ihn um und beide wälzten sich auf dem Bühnenboden. GUTSPLASH hörten auf zu spielen und blickten gebannt auf die beiden Gestalten, die im strahlenden Scheinwerferlicht einen dramatischen Zweikampf ausfochten. Das Publikum hatte ebenfalls aufgehört zu toben und beobachtete das Spektakel.
Einer der Freaks im Publikum stieß mit dem Ellenbogen seinen Nebenmann an und rief ihm zu: \"He Mann, geile Showeinlage, wie? Ob das bei jedem Gig so ist?\"
Für Matt wurde die Lage immer brenzliger! Er war nun von der Echtheit dieses Monsters überzeugt, welches über ihm lag und übermenschliche Kräfte entwickelte. Er hatte das Ungetüm mit der linken Hand an den Hals gefaßt und wehrte auf diese Weise alle Beißversuche ab. Aber die Kräfte des so verwandelten Mädchens nahmen rapide zu und sein Widerstand erlahmte. Mit der rechten Hand hielt er die Pistole eisern fest. jetzt reichte es ihm endgültig! Er setzte die Mündung am Schädel der rasenden Furie an und drückte ab. Die Schädeldecke barst. Das Monster brüllte mit einer seltsam verzerrten Stimme. Matt schaffte es jetzt, das Wesen von sich zu wuchten. Er richtete sich auf und stand mit wackeligen Beinen neben dieser elenden Gestalt, welche sich vor Schmerzen krümmte. Matt schüttelte den Kopf, um eine freie Sicht zu bekommen, denn die Flüssigkeit aus dem zerfetzten Schädel des Vampirmonsters klebte wie Sirup. Mit Nancy passierte nun das Gleiche wie damals mit ihrem Freier. Sie starb den Tod eines Vampirs! Das Fleisch auf ihren Knochen löste sich zischend auf. Es dauerte nicht länger als 2 Minuten, dann verblieb nur noch ein brüchiges Skelett, eingehüllt in Top am Oberleib und Mini-Rock an den bleichen Hüftknochen. Die Knochen bröselten bereits an einigen Stellen. Der Schädel schien zu grinsen und machte ebenfalls einen sehr zerbrechlichen Eindruck. Die Haarpracht, die sich am zerschossenen Kopf noch befand, ergänzte ein bizarres Bild. Nancy war erlöst von ihrer untoten Existenz! Matt und die GUTSPLASH-Musiker blickten sich fragend und fassungslos an. Matt war froh, daß der Vampir es nicht geschafft hatte, ihn zu beißen. So konnte er sicher sein, nicht selbst zum Vampir zu werden. Die paar Kratz-und Schürfwunden würden schnell verheilen. Für ihn war alles gut ausgegangen. Das Klatschen des Publikums riß ihn aus seinen Gedanken. Die Fans jubelten und stießen belustigte Schreie aus. Sie freuten sich über die dargebotene Show. Dieses Ereignis würde zweifellos als beste Death Metal-Show in die Geschichte eingehen.
ENDE
p März 2002
This Version: c April 2010
MARC GORE
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