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Leselupe.de > Erzählungen
Das Grab des Trommlers
Eingestellt am 29. 07. 2008 12:06


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Duisburger
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Das Grab des Trommlers


Nur zwei alte, vernarbte B√§ume. Die Sonne bricht sich im kahlen Ge√§st, der Schnee verwehrt den Blick auf die Krume. Doch auch in den Sommermonaten w√ľrde ein Spazierg√§nger hier nichts Ungew√∂hnliches bemerken und ahnungslos √ľber den kahlen Boden zwischen den St√§mmen gehen.

An diesem Novembermorgen ist es empfindlich k√ľhl und ein Nebelschleier liegt √ľber den Wiesen, die Sonne steigt langsam h√∂her. Es ist still, nur gelegentlich h√∂rt man Metall auf Metall schlagen. Einige V√∂gel beobachten misstrauisch die langen Reihen der Uniformierten.
Vor den Soldaten stehen die Offiziere, den Degen auf die Schulter gelegt, die Gesichter erstarrt. Neben ihnen kleine Gestalten, Kinder, keines √§lter als 14 Jahre. Ein breiter wei√üer Riemen zieht sich quer √ľber die Brust und h√§lt die Trommel in Position. Die meisten Trommler zeigen denselben maskenhaften Gesichtsausdruck wie die Soldaten hinter ihnen, doch in ihren Augen kann man deutlich die Angst erkennen. Einige sind das erste Mal dabei und k√∂nnen deshalb nur erahnen, was sie erwartet. Andere haben den einen oder anderen Kampf √ľberlebt und ihre Angst ist ungleich gr√∂√üer, denn sie kennen das Grauen, welches ihnen nun bevorsteht.
Auf der linken Seite steht Johann, der Trommler der 2. Kompanie. Er ist noch nicht lange in der Armee und wei√ü auch nicht so recht, warum er nun hier ist. Seine Eltern sind tot, seine Verwandten in alle Winde verstreut, der Krieg hat ihm nicht viel gelassen. Ein alter Korporal fand ihn allein vor dem Haus eines Dorfes, welches im Verlauf der K√§mpfe vollst√§ndig zerst√∂rt wurde. Dabei sind auch die Eltern des Jungen get√∂tet worden. Er nahm ihn mit und sorgte daf√ľr, dass er in seinem Regiment als Trommler ausgebildet wurde.
Johann lebt sich ein und wird bei den Soldaten schnell beliebt, weil er so schön singen kann. Selbst die alten Haudegen des Regiments können sich dieser Stimme nicht entziehen und sitzen allabendlich am Lagerfeuer, um dem kleinen Trommler zuzuhören.
Kurz nachdem er der 2. Kompanie zugeteilt wird, versuchten zwei Soldaten, sich an dem Jungen zu vergehen. Die Nachtstreife erwischt die beiden und kann den √úbergriff verhindern. Sie h√§tte die beiden M√§nner eigentlich dem Regiment melden m√ľssen, doch die Streife √ľberl√§sst die Bestrafung der Kompanie. An anderen Morgen findet man die Zwei √ľbel zugerichtet in der N√§he der Latrine. Lebend, aber f√ľr mindestens eine Woche dienstunf√§hig. Von diesem Tage an wagt es keiner mehr, den Jungen an zufassen.

Johann schaut verstohlen zu seinem Offizier hoch, doch der steht nur steif da und schaut √ľber die Wiese zur anderen Seite. Dort stehen ebenfalls lange Reihen von Soldaten mit Offizieren davor. Daneben kleine Gestalten, Trommler wie er.
Johann fragt sich, ob sie Angst haben. Bestimmt geben sie sich √§u√üerlich unbewegt, doch auch in ihnen wird die Furcht nagen. Sein Blick verliert sich f√ľr einen Moment, und er denkt an seine Eltern. Sie sind erst seit einem halben Jahr tot und doch f√§llt es ihm schwer, sich an sie zu erinnern. Er schaut zu den zwei alten B√§umen auf dem H√ľgel links von ihm und w√ľnscht sich dorthin, weg von den Soldaten und dem, was nun folgen wird. Das ist alles nicht richtig, er sollte jetzt nicht hier sein. Keiner sollte das.
Johann bemerkt, dass der Offizier neben ihm unruhig wird. Die Soldaten auf der anderen Seite haben sich in Bewegung gesetzt, und der Klang von Trommelwirbeln klingt her√ľber. Von hinten ert√∂nt nun ein Hornsignal, die Offiziere heben ihre Degen √ľber ihre K√∂pfe. Es wird unruhig hinter ihm. Die Reihen l√∂sen sich in Bl√∂cke auf, dazwischen bleiben L√ľcken, in denen einzelne berittene Offiziere erscheinen. Johann hebt die Trommelst√∂cke und wartet auf das Zeichen des Offiziers.
Sein Herz schl√§gt bis zum Hals und trotz der K√ľhle des Morgens steht Schwei√ü auf seiner Stirn. Die Angst droht ihn zu √ľberw√§ltigen.
Ein zweites Hornsignal ert√∂nt und der Degen wird zweimal ruckartig nach oben gesto√üen. Johann schl√§gt die Trommel im Taktschritt seines Offiziers und marschiert neben ihm her, den Soldaten auf der anderen Seite entgegen. Er kann in ihnen nicht den Feind sehen, es sind f√ľr ihn nur Soldaten, dessen Uniformen eine andere Farbe haben. In besseren Zeiten w√§re er mit den Trommlern dort auf der anderen Seite √ľber die Felder getobt und auf die B√§ume geklettert. Fernab vom Krieg, nur Kind sein. Doch er ist hier.

Mittlerweile haben sich die beiden Parteien so weit gen√§hert, dass man die Gesichter der anderen erkennen kann. Kanonenkugeln explodieren zwischen den M√§nnern und halten grausame Ernte. Offiziere br√ľllen Befehle, die Bl√∂cke kommen zum Stillstand und die Soldaten heben ihre Gewehre.
Johann nimmt seine Position zwischen den Blöcken ein, seine Trommel schweigt.
Ein scharfer Befehl, eine Gewehrsalve kracht. Die Soldaten auf der anderen Seite haben zuerst geschossen und viele Kameraden der vordersten Reihe st√ľrzen getroffen zu Boden, M√§nner schreien und Johann sieht manchen guten Freund fallen. Er weint still, versp√ľrt kaum noch Angst, nur noch Trauer um seine Freunde und Wut √ľber jene, die daf√ľr verantwortlich sind.
Er hat v√∂llig vergessen, dass auch er jederzeit getroffen werden kann. Salve auf Salve kracht. Immer wieder explodieren Kanonenkugeln zwischen den Soldaten, rei√üen gro√üe L√ľcken in die Reihen. Dichter Pulverqualm l√§sst Johann kaum noch etwas sehen, nur am grellem M√ľndungsfeuer kann er die Positionen der anderen Soldaten erahnen.
Er weint jetzt hemmungslos. Das war alles nicht richtig, er sollte nicht hier sein. Johann will nur noch weg. Fort von diesem Grauen, dass hier ist nicht sein Kampf. Dessen wird er sich in diesem kurzen Augenblick voll bewusst.
Ein schwerer Schlag trifft seine Brust, doch er versp√ľrt keinen Schmerz. Verwundert schaut er hinunter. Seine wei√üe Feldbluse f√§rbt sich rot und er f√ľhlt die W√§rme des Blutes auf seiner Haut. Er will um Hilfe rufen, doch kann keinen Ton herausbringen. Seine Knie versagen, die Trommelst√∂cke gleiten aus seinen H√§nden. Er f√§llt vorne √ľber, kommt auf dem Bauch zu liegen, hebt noch einmal den Kopf, doch keiner bemerkt ihn. Dann umf√§ngt ihn Dunkelheit.

Das Schie√üen hat aufgeh√∂rt, einzig das St√∂hnen und Jammern der Verwundeten ist zu h√∂ren. Soldaten irren √ľber das Schlachtfeld. √úberall liegen Tote und Verwundete, dazwischen Waffen, Uniformteile und Ausr√ľstungsgegenst√§nde. Die Sonne steht schon tief und wirft lange Schatten. Eine Gruppe Soldaten sucht den Boden ab, unter ihnen ist der alte Korporal der 2. Kompanie, jener Soldat, der Johann mitgenommen hatte. Er hat einen blutigen Kopfverband, aber er hat √ľberlebt.
Vor ihm liegt eine Trommel, vollkommen unversehrt. Johanns Trommel. Er erkennt sein Zeichen auf dem Schutzbezug. Direkt daneben liegt eine kleine Gestalt, das Gesicht auf der Erde, die Beine lang ausgestreckt.
Der Korporal lässt sich auf die Knie fallen und dreht die Gestalt langsam um.
Johanns Augen sind ge√∂ffnet und sein Gesicht zeigt immer noch Erstaunen. Verwundert sehen die anderen Soldaten, dass der Alte weint. Jener Mann, der selbst im blutigsten Kampf nie eine Regung zeigt, weint nun um einen kleinen Trommler. Mit einer fast z√§rtlichen Bewegung schlie√üt er dem Jungen die Augen. Er hat sich wieder gefangen und hebt ihn hoch. Er schaut √ľber das Schlachtfeld und seine Augen verweilen auf den beiden alten B√§umen auf dem H√ľgel. Mit schnellen Schritten geht er darauf zu. Die anderen Soldaten nehmen die Trommel und die St√∂cke auf und folgen ihm. Sie ahnen, was er vorhat.
Oben angekommen legt der Korporal Johann vorsichtig auf den Boden, nimmt aus seinem Marschgepäck den kurzen Spaten und fängt an,zwischen den beiden Bäumen zu graben. Die anderen Männer zögern nicht und tun es ihm gleich.
Kurze Zeit später haben sie ein tiefes Grab ausgehoben. Der Korporal wirft den Spaten zur Seite und breitet eine Decke aus dem Gepäck des Jungen auf dem Boden aus und legt ihn darauf. Die Soldaten nehmen die vier Ecken der Decke und lassen Johanns Körper langsam in das Grab hinab. Die Decke ist groß genug, um ihn damit zu zudecken. Trommel und Stöcke legt man ihm auf seine Beine.
Der Korporal stellt sich vor das Grab und faltet die H√§nde. Er spricht ein kurzes Gebet und bedeutet seinen Kameraden, das Grab zu schlie√üen. Der Alte ritzt derweil Johanns Namen in die Rinde des linken Baumes, den rechten Baum versieht er mit dem Todesjahr des Jungen. Es gibt keinen Grabh√ľgel und kein Kreuz. Johann soll f√ľr immer zwischen diesen B√§umen ruhen. Ungest√∂rt. Die Soldaten verweilen noch einen Moment und gehen dann den H√ľgel wieder hinunter.

Die Wurzeln der beiden B√§ume haben l√§ngst Johanns Gebeine umschlossen und der Erdboden √ľber dem Grab verr√§t nichts von seiner Existenz. Auch der eingeritzte Name und die Jahreszahl sind nur noch mit viel M√ľhe zu erkennen. Doch an den k√ľhlen Novembertagen, wenn die Sonne langsam h√∂her steigt, kann man zwischen den beiden alten B√§umen den leisen Schlag des Trommlers vernehmen.


ld
Duisburger

__________________
Unter den Kastraten ist der eineiige König (unbekannter Gas- und Wasserinstallateur).

Version vom 29. 07. 2008 12:06
Version vom 09. 08. 2008 13:21
Version vom 10. 08. 2008 12:15
Version vom 10. 08. 2008 13:22
Version vom 10. 08. 2008 15:34

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Spaetschreiber
Guest
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Lieber Duisburger,

ich habe mir die ganze Geschichte einfach mal erz√§hlen lassen. Hab sie einfach in die Vergangenheitsform getaucht und mir vorgestellt, der Ohrensch√ľtzer w√ľrde sie mir erz√§hlen.

Also mir machte die Geschichte Gänsehaut. Vielleicht versuchst du es auch mal, es wäre doch möglich, dass dich diese andere Form plötzlich auf einen neuen Weg schubst.

Bei der Einleitung:
_______________

"Nur zwei alte, vernarbte B√§ume. Die Sonne bricht sich im kahlen Ge√§st, der Schnee verwehrt den Blick auf die Krume. Doch auch in den Sommermonaten w√ľrde ein Spazierg√§nger hier nichts Ungew√∂hnliches bemerken und ahnungslos √ľber den kahlen Boden zwischen den St√§mmen gehen."

__________________

w√ľnschte ich mir, ein wenig mehr Spannung, irgendetwas, was mich neugierig macht.

Vielleicht sowas:

"Nur einmal im Jahr, wenn der Stand der Sonne diesen besonderen Lichteinfall hat, blitzt ein alter Uniformknopf zwischen den inzwischen tiefen Furchen der Baumrinde hervor.
Als wollte ihn der Baum loswerden stöhnt es knarrend aus dem Stamm - wenn Westwind weht..."


sowas irgendwie.

Ich lese mal noch ein wenig.

LG
Tom

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Ellen
Wird mal Schriftsteller
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Das Grab des Trommlers

Die Offiziere br√ľllten Befehle
Da du in diesem Abschnitt in der Gegenwartsform schreibst
muss es hier auch
Die Offiziere br√ľllen heissen.

Johann will nur noch weg, fort von diesem Grauen, das ist nicht sein Kampf.

Hier w√ľrde ich nach diesem Grauen einen Punkt setzen und
Das hier ist nicht sein Kampf.Dessen wurde er sich in diesem kurzen Augenblick voll bewusst. einf√ľgen


Dann wird es dunkel.

Dann umfängt ihn tiefe Dunkelheit,Stille oder Dann wird es Nacht vor seinen Augen.


Die Sonne steht schon tief und wirft harte Schatten.

Die Sonne steht schon tief und wirft lange Schatten, die
die empfundene Trostlosigkeit und Verzweiflung noch verstärken.



Ansonsten spannend erzählt

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MarenS
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Um Himmels Willen!
Lass es, wie es ist. Nichts rei√üerisches, nichts geheimnisheischendes hineinpacken. Lass die leisen T√∂ne, lass deinen Text f√ľr sich sprechen.
Danke

Maren

P.S.: Einer der wenigen Texte, die wirklich ohne sensatzionshascherei unter die Haut gehen. Verdammt!

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Duisburger
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Hallo an alle,

ich danke euch f√ľr die freundlichen Kommentare.
Das hier sollte eine leise Geschichte sein sein, die ohne reisserische Elemente und ohne laute Bildern auskommt. Hier wollte ich nur die ausweg- und trostlose Situation des kleinen Trommlers an den Leser bringen. Eine Antikrieggeschichte, die mir gerade vor dem leider noch aktuellen Hintergrund von Kindersöldnern in manchen Drittländern wichtig ist.
Deshalb kann ich, lieber Spätschreiber, deine Vorschläge leider nicht umsetzen, da sie nicht dem "Klang" entsprechen, den ich mit der leisen Erzählweise erzielen wollte.
Dir Ellen, danke ich f√ľr deine Aufmerksamkeit. Deine Vorschl√§ge √ľbernehme ich gerne, da sie sinnvolle Kosmetik sind, welche Stil und Inhalt nicht ver√§ndern.
Maren, ich freue mich, dass dich die Geschichte emotional erreicht hat. Sie sollte nach Möglichkeit unter die Haut gehen, das scheint mir bei dir gelungen zu sein.
Ich werde noch eine kurze Zeit warten und dann die Geschichte nach "Erzählungen" verschieben lassen. Vielleicht kommt ja noch ein sinnvoller Vorschlag zur Verbesserung der Geschichte.

lg
Duisburger
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maerchenhexe
???
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hallo Duisburger,

Es ist eine wunderbar leise erzählte Geschichte, die unbedingt in die Erzählabteilung sollte. Die ein oder andere Werkelstellehat mein Besen allerdings gefunden. Schau mal, ob du was gebrauchen kannst.

lieber Gruß
maerchenhexe


Das Grab des Trommlers

Nur zwei alte, vernarbte B√§ume. Die Sonne bricht sich im kahlen Ge√§st, der Schnee verwehrt den Blick auf die Krume. Doch auch in den Sommermonaten w√ľrde ein Spazierg√§nger hier nichts Ungew√∂hnliches bemerken und ahnungslos √ľber den kahlen Boden zwischen den St√§mmen gehen.(eine gute Einleitung, hier w√ľrde ich nicht ein Wort √§ndern)

An diesem Novembermorgen ist es empfindlich k√ľhl und immer noch liegt ein Nebelschleier √ľber den Wiesen, die Sonne steigt langsam h√∂her.( Vorschlag: An diesem Novembermorgen ist es empfindlich k√ľhl und ein Nebelschleier liegt √ľber den Wiesen, die Sonne steigt langsam h√∂her. 'Immer noch' ist so ein F√ľllsel, das ich nicht brauche.)
Es ist ungew√∂hnlich (w√ľrde ich auch weglassen, lass den Leser ganz unvorbereitet.)still, nur gelegentlich h√∂rt man Metall auf Metall schlagen. Einige V√∂gel beobachten mi√ütrauisch die langen Reihen der Soldaten (vielleicht 'Uniformierte',sonst zweimal Soldaten hintereinander.).
Vor den Soldaten stehen die Offiziere, den Degen auf die Schulter gelegt, die Gesichter erstarrt. Neben ihnen kleine Gestalten, Kinder, keines √§lter als 14 Jahre. Ein breiter wei√üer Riemen zieht sich quer √ľber die Brust und h√§lt die Trommel in Position. Die meisten Trommler zeigen denselben gleichg√ľltigen (nur gleichg√ľltig oder vielleicht maskenhaft?) Gesichtsausdruck wie die Soldaten hinter ihnen,(Hier w√ľrde ich einen Punkt setzen. Dann: Einzig die Augen spiegeln deutlich ihre Angst.) (Damit h√§ttest du auch zweimal 'k√∂nnen' hintereinander entsorgt.) doch in ihren Augen kann man deutlich die Angst erkennen. Einige sind das Erste mal(erste Mal) dabei und k√∂nnen deshalb nur erahnen, was sie erwartet. Andere haben gl√ľcklich ( ich glaube nicht 'gl√ľcklich', sondern 'mit Gl√ľck' den einen oder anderen Kampf √ľberlebt(hier w√ľrde ich einen Punkt setzen und das 'und' weglassen.) und ihre Angst ist ungleich gr√∂√üer, denn sie kennen das Grauen, welches ihnen nun wieder(w√ľrde ich weglassen, F√ľllsel) bevorsteht.
Auf der linken Seite steht Johann, der Trommler der 2. Kompanie. Er ist noch nicht lange in der Armee und wei√ü auch nicht so recht, warum er nun hier ist. Seine Eltern sind tot, seine Verwandten in alle Winde verstreut, der Krieg hat ihm nicht viel (nichts?)gelassen. Ein alter Korporal findet(fand, denn hier erz√§hlst du aus seiner Vegangenheit.) ihn allein vor dem Haus eines Dorfes, welches im Verlauf der K√§mpfe vollst√§ndig zerst√∂rt wurde.(Wenn du komplett im Pr√§sens bleiben willst, m√ľsstest du hier √§ndern...v√∂llig zert√∂rt worden ist.) Dabei sind auch die Eltern des Jungen get√∂tet worden. Er nimmt ihn mit und sorgt daf√ľr, da√ü er in seinem Regiment als Trommler ausgebildet wird.
Johann lebt sich ein und (w√ľrde ich weglassen, Zusatzinformation, die ich als Leser nicht brauche)wird bei den Soldaten schnell beliebt, weil er so sch√∂n singen kann. Selbst die alten Haudegen des Regiments k√∂nnen sich dieser Stimme nicht entziehen und sitzen allabendlich am Lagerfeuer, um Johann (ihrem Trommler?)zuzuh√∂ren.
Kurz nachdem er der 2. Kompanie zugeteilt wird, versuchten (ich w√ľrde in der Zeit bleiben und 'versuchen' schreiben.) zwei Soldaten, sich an dem Jungen zu vergehen. Die Nachtstreife erwischt die beiden und kann den √úbergriff verhindern. Sie h√§tte die beiden M√§nner eigentlich dem Regiment melden m√ľssen, doch die Streife √ľberl√§√üt die Bestrafung den M√§nnern (w√ľrde hier nur Kompanie schreiben, sonst Wdh. 'M√§nner'.) der Kompanie. An anderen Morgen findet man die Zwei √ľbel zugerichtet in der N√§he der Latrine. Lebend, aber f√ľr mindestens eine Woche dienstunf√§hig. Von diesem Tage an wagt es keiner mehr, den Jungen anzufassen.

Johann schaut verstohlen zu seinem Offizier hoch, doch der steht nur steif da und schaute(weg) √ľber die Wiese zur anderen Seite. Dort stehen ebenfalls lange Reihen von Soldaten mit Offizieren davor. Daneben kleine Gestalten, Trommler wie er.
Johann fragt sich, ob sie Angst haben. Bestimmt geben sie sich √§u√üerlich unbewegt, doch auch in ihnen wird die Angst nagen.(Hier w√ľrdeich eink√ľrzen, nur schreiben... Johann fragt sich, ob sie auch Angst haben.) Sein Blick verliert sich f√ľr einen Moment(Komma) und er denkt an seine Eltern. Sie sind erst seit einem halben Jahr tot und doch f√§llt es ihm schwer, sich an sie zu erinnern. Er schaut zu den zwei alten B√§umen auf dem H√ľgel links von ihm und w√ľnscht sich dorthin, weg von den Soldaten und dem, was nun folgen w√ľrde (den Konjunktiv w√ľrde ich durch Inikativ ersetzen, denn es wird ja real passieren.). Das ist alles nicht richtig, er sollte jetzt nicht hier sein. Keiner sollte das.
Johann bemerkt, dass der Offizier neben ihm unruhig wird. Die Soldaten auf der anderen Seite haben sich in Bewegung gesetzt(Komma) und der Klang von Trommelwirbeln klingt leise(w√ľrde ich steichen.) her√ľber. Von hinten ert√∂nt nun ein Hornsignal, die Offiziere heben ihre Degen √ľber ihre K√∂pfe. Es wird unruhig hinter ihm. Die Reihen l√∂sen sich in Bl√∂cke auf, dazwischen bleiben L√ľcken, in denen einzelne berittene Offiziere erscheinen. Johann hebt die Trommelst√∂cke und wartet auf das Zeichen des Offiziers.
Sein Herz schl√§gt bis zum Hals, und trotz der K√ľhle des Morgens steht Schwei√ü auf seiner Stirn. Die Angst(vielleicht Furcht? Sonst zuviel 'Angst' im Text.) droht ihn zu √ľberw√§ltigen.
Ein zweites Hornsignal ert√∂nt und der Degen wird zweimal ruckartig nach oben gesto√üen. Johann schl√§gt die Trommel im Taktschritt seines Offiziers und marschiert neben ihm her, den Soldaten auf der anderen Seite entgegen. Er kann in ihnen nicht den Feind sehen, es sind f√ľr ihn nur Soldaten, dessen Uniformen eine andere Farbe haben. In besseren Zeiten w√§re er mit den Trommlern dort auf der anderen Seite √ľber die Felder getobt und auf die B√§ume geklettert. Fernab vom Krieg, nur Kind sein. Doch er ist hier.(Diesen Zusatz braucht es nicht, mein Kopfkino ist gerade voll aktiv)

Mittlerweile haben sich die beiden Parteien so weit gen√§hert, dass man die Gesichter der anderen erkennen kann. Kanonenkugeln explodieren zwischen den M√§nnern und halten grausame Ernte. Die Offiziere br√ľllten (nur: Offiziere br√ľllen) Befehle, die Bl√∂cke kommen zum Stillstand und die Soldaten heben ihre Gewehre.
Johann nimmt seine Position zwischen den Blöcken ein, seine Trommel schweigt.
Ein scharfer Befehl, eine Gewehrsalve kracht. Die Soldaten auf der anderen Seite haben zuerst geschossen und viele Soldaten der vordersten Reihe st√ľrzen getroffen zu Boden, M√§nner schreien und Johann sieht manchen guten Freund fallen. Er weint still, versp√ľrt kaum noch Angst, nur noch Trauer um seine Freunde und Wut √ľber jene, die daf√ľr verantwortlich sind.(Hier w√ľrde ich etwas umstellen, da sie 'doppelten' Soldaten etwas verwirren. Vorschlag: Die auf der anderen Seite haben zuerst geschossen. Viele Soldaten der vordersten Reihe st√ľrzen getroffen zu Boden. M√§nner schreien und...) Er hat v√∂llig vergessen, dass auch er jederzeit getroffen werden kann. Salve auf Salve kracht (Hier w√ľrde ich einen Punkt setzen, 'und' weglassen) und immer wieder explodieren Kanonenkugeln zwischen den Soldaten, rei√üen gro√üe L√ľcken in die Reihen. Dichter Pulverqualm l√§sst Johann kaum noch etwas sehen, nur am grellem M√ľndungsfeuer kann er die Positionen der anderen (fremden?) Soldaten erahnen.
Er weint nun (jetzt, 'nun' hast du schon.) hemmungslos. Das war alles nicht richtig, er sollte nicht hier sein. Johann will nur noch weg, fort von diesem Grauen, das ist nicht sein Kampf.
Ein schwerer Schlag trifft seine Brust, doch er versp√ľrt keinen Schmerz. Verwundert schaut er hinunter. Seine wei√üe Feldbluse f√§rbt sich rot und er f√ľhlte(weg) die W√§rme des Blutes auf seiner Haut. Er will um Hilfe rufen, doch kann keinen Ton herausbringen (bringt keinen Ton...,Sonst zuviel kann) Seine Knie versagen, die Trommelst√∂cke fallen (gleiten oder entgleiten, sonst doppeltes 'fallen') aus seinen H√§nden. Er f√§llt vorne √ľber, kommt auf dem Bauch zu liegen. Er (hier w√ľrde ich Komma setzen und ohne das 'er'weiterschreiben.)hebt noch einmal den Kopf, doch keiner bemerkt ihn. Dann wird es dunkel.

Das Schie√üen hat aufgeh√∂rt, nur (einzig?, sonst arg viel nur im Text) das St√∂hnen und Jammern der Verwundeten ist zu h√∂ren. Soldaten irren √ľber das Schlachtfeld. √úberall liegen Tote und Verwundete, dazwischen Waffen, Uniformteile und Ausr√ľstungsgegenst√§nde. Die Sonne steht schon tief und wirft harte Schatten. Eine Gruppe Soldaten sucht den Boden ab, unter ihnen ist der alte Korporal der 2. Kompanie, jener Soldat, der Johann mitgenommen hatte. Er hat einen blutigen Kopfverband, aber er hat √ľberlebt.
Vor ihm liegt eine Trommel, vollkommen unversehrt. Johanns Trommel. Er erkennt sein Zeichen auf dem Schutzbezug. Direkt daneben liegt eine kleine Gestalt, das Gesicht auf der Erde, die Beine lang ausgestreckt.
Der Korporal läßt sich auf die Knie fallen und dreht die Gestalt langsam um.
Johanns Augen sind ge√∂ffnet und sein Gesicht zeigt immer noch Erstaunen. Verwundert sehen die anderen Soldaten, dass der Alte weint. Jener Mann, der selbst im blutigsten Kampf nie eine Regung zeigt, weint nun um einen kleinen Trommler. Mit einer fast z√§rtlichen Bewegung schlie√üt er dem Jungen die Augen. Er hat sich wieder gefangen und hebt ihn hoch. Er schaut √ľber das Schlachtfeld und seine Augen verweilen auf den beiden alten B√§umen auf dem H√ľgel. Mit schnellen Schritten geht er darauf zu. Die anderen Soldaten nehmen die Trommel und die St√∂cke auf und folgen ihm. Sie ahnen, was er vorhat.
Oben angekommen legt der Korporal Johann vorsichtig auf den Boden, nimmt aus seinem Marschgep√§ck den kurzen Spaten und f√§ngt (ich w√ľrde 'an' hierher stellen, sieht sonst so verloren aus.) zwischen den beiden B√§umen an zu graben. Die anderen M√§nner z√∂gern nicht und tun es ihm gleich.
Kurze Zeit sp√§ter haben die M√§nner (sie,sonst Wdh.) ein tiefes Grab ausgehoben. Der Korporal wirft den Spaten zur Seite(Komma, 'und'weg) und breitet eine Decke aus dem Gep√§ck des Jungen auf dem Boden aus und legt ihn darauf. Die Soldaten nehmen die vier Ecken der Decke und lassen Johanns K√∂rper langsam in das Grab hinab. Die Decke ist gro√ü genug, um ihn damit zuzudecken. So wird er nicht direkt von der Erde bedeckt. (W√ľrde ich weglassen. Du beschreibst diese Szene so gut,dass man sie auch ohne diesen Zusatz versteht.)Trommel und St√∂cke legt man ihm auf seine Beine.
Der Korporal stellt sich vor das Grab und faltet die H√§nde. Er spricht ein kurzes Gebet und bedeutet seinen Kameraden, das Grab zu schlie√üen. Der Alte ritzt derweil Johanns Namen in die Rinde des linken Baumes, den rechten Baum versieht er mit dem Todesjahr des Jungen. Es gibt keinen Grabh√ľgel und kein Kreuz. Johann soll f√ľr immer zwischen diesen B√§umen ruhen. Ungest√∂rt. Die Soldaten verweilen noch einen Moment und gehen dann den H√ľgel wieder hinunter.

Die Wurzeln der beiden B√§ume haben l√§ngst Johanns Gebeine umschlossen und der Erdboden √ľber dem Grab verr√§t nichts von seiner Existenz. Auch der eingeritzte Name und die Jahreszahl sind nur noch mit viel M√ľhe zu erkennen. Doch an den k√ľhlen Novembertagen, wenn die Sonne langsam h√∂her steigt, kann man zwischen den beiden alten B√§umen den leisen Schlag des Trommlers vernehmen.


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Tend the garden, that you seeded,
be a friend, where a friend is needed and you won't have to look round the other way.

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