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Leselupe.de > Humor und Satire
Das Wort zum Sonntag
Eingestellt am 04. 10. 2006 17:19


Autor
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Gerd Geiser
Routinierter Autor
Registriert: Apr 2006

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Es spricht Leasing Praelat Alfons Kirch von der Bundesbahnseelsorge Winterberg zum Thema: Gibt es ein Leben nach dem Bahnhof?

Liebe Lokf├╝hrer,

ich wei├č, dass Sie, wenn Sie des Nachts einsam mit Ihrem G├╝terzug auf der Strecke sind, mit sich selbst ├╝ber die Sinnfragen des Lebens ins Gr├╝beln geraten: Ist mein Zug schon abgefahren und wenn ja, werde ich auf der Strecke bleiben? Was ist aus dem Haltesignal geworden, das ich letzte Woche ├╝berfahren habe? Wer ist der Mann mit der roten M├╝tze, werden Sie oft gedacht haben. Und Sie sitzen im Zug, und vor Ihnen die vom Mond beschienenen Schienen schienen Ihnen noch nie so lang. Vor Ihnen Tiefe, um Sie herum Tiefe, Lokomotiefe. Und in Ihrem Kopf macht sich breit das Bild eines wunderbaren Gleisk├Ârpers mit herrlichen Weichen links und rechts. Doch Halt, die Signale stehen auf Sturm! Bremsen Sie sich! Der Tunnel vor Ihnen, dieses dunkle Loch, in das Sie gerade fahren wollten, ist am Ende vielleicht ihr eigenes. Denken Sie an Ihre Frau, der Sie weder in harten noch in weichen Zeiten von der Seite weichen wollten und bedenken Sie: Sie sitzen nicht im Triebwagen. Sie haben viele kleine Waggons hinter sich, Anh├Ąnger, wie Jesus damals, der dem Letzten die rote Laterne in die Hand dr├╝ckte, damit sein Licht leuchte in der Dunkelheit. Gleichsam wie das Sandkorn im Heuhaufen, so wie das Samenkorn im Getriebe.
Ja, diese wunderbare Welt von fahren und fahren lassen und gefahren werden ist doch nicht ohne Gefahren. Mal ist es der Gegenzug auf dem selben Gleis. Ein anderes Mal die vielleicht nicht hart gewordene Weiche, die Ihren schweren Zug einbrechen l├Ąsst, oder der Prellbock, der eben noch da, dem Ruf eines liebestrunkenen Sch├Ąfchens folgend seinen Platz verlie├č. Und wenn Sie sich in solchen Momenten fragen: Was kommt nach der letzten Schwelle? Ist da mehr als nur B├Âschung? Ich meine: Ja.
Denken wir an die Hochzeit zu Kanada. Wie kam man nach Kanada? Mit dem Flugzeug wohl kaum. Und in der Tat finden wir hier einen wertvollen Hinweis auf das erste Essen auf R├Ądern. Herr, der Wein ist alle! Jesus sorgt f├╝r neuen und man leert die Gl├Ąser in vollen Z├╝gen. Ja, auch unser Evangelist scheint zu diesem Zeitpunkt wohl schon doppelt gesehen zu haben. Aber Jesus als Zugbegleiter, ist das nicht ein wundersch├Ânes Bild? Nicht als kleinlicher, Karten knipsender Kontrolleur erscheint er uns. Nicht, ihr habt genug getrunken, Leute, sind seine Worte. Nein, er, der unseren unstillbaren Durst kennt, macht noch eine Kiste auf.
Sich ├╝bergeben, sich ihm anvertrauen, das sollten wir. Prost.
Und auch sp├Ąter auf der ├ťberfahrt nach Kanada, als in einem schweren Sturm die ganze Eisenbahnf├Ąhre mit Mann und Maus unter zu gehen droht, und die ersten ihn fragen: Gehen wir jetzt baden, Meister? Und er sie nicht sogleich versteht, weil er noch schl├Ąft, und sie ihn nochmals fragen: Gehen wir jetzt alle ├╝ber den Jordan? Da sagt er: Beruhigt euch. Geht angeln. Und sp├Ąter packt er den ganzen Fisch in die G├╝terwaggons und man kommt m├╝hsam und beladen an neuen Ufern an. Der ganze Fisch ist schlecht und seekrank von der Schaukelei, und doch reichen auf wundersame Weise Fisch und Br├Âtchen allemal hin zum Katerfr├╝hst├╝ck.
Ja, so ist er. Wer zu ihm kommt, dem wird gegeben. Dem Lahmen nimmt er die Kr├╝cken weg, der Stotterer wird sprachlos, den Tauben, diesen herrlichen grauen V├Âgeln, schenkt er die Blindheit, nur um uns zu sagen: Seht, sie sehen nichts und ernten doch.
Jesus von Nazareth. ├ťber Betlehem, Genezareth, Jerusalem Hauptbahnhof. Alles einsteigen, die T├╝ren schlie├čen selbstt├Ątig. Seelig die, die immer nur Bahnhof verstehen, ihnen geh├Ârt das Himmelreich. Hallelujah!

Ich w├╝nsche Ihnen und mir einen verregneten Sonntag.
__________________
Es ist schon alles gesagt. Nur noch nicht von allen.
Karl Valentin

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Gorgonski
Wird mal Schriftsteller
Registriert: May 2003

Werke: 2
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Sch├Âne

Sch├Âne Wortspielereien und eine gute Geschichte.
Aber was ist ein Leasing Praelat?
Ansonsten hast Du wohl einmal kammt statt kommt geschrieben, wenn es nicht so beabsichtigt war.

MfG; Rocco
__________________
dEr Heftchenliterat und Poet aus dem Erzgebirge

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Felix
Manchmal gelesener Autor
Registriert: May 2006

Werke: 4
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Nicht nur die Wortspielereien sind lustig, auch die Gedankenspr├╝nge sind gut gelungen.
Musste am Ende doch erst noch einmal nachschauen, wie du vom einem auf das andere gekommen bist.
Netter Text, wirklich.
__________________
Show me a hero and I will write you a tragedy. F. S. Fitzgerald

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flammarion
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

Werke: 277
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herrlich!

hoffentlich verstehen auch diejenigen die story, die keine bibelkenntnisse haben, sonst denkt da noch einer, es sei wirklich ne hochzeit in kanada gemeint.
lg
__________________
Old Icke

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Law
Guest
Registriert: Not Yet

wirklich witzig Gerd G.

Kompliment Gerd.Geiser habe mich wunderbar am├╝siert. Sch├Âne Wortspielereien und manchmal einfach nonsens der Spass macht.

Gru├č
Law

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