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Gut gelaunt saß der kleine Drachen Fridolin im Regal eines Spielzeugladens. Er war mächtig stolz auf seine tolle gelbe Farbe und seine großen blauen Augen mit den langen aufgeklebten Wimpern. Seine Wangen leuchteten knallrot vor Begeisterung.
Wachsam beobachtete Fridolin die Kinder, die mit ihren Eltern am Regal vorbeizogen.
Lange passierte nichts. Doch dann blieb eine Mutti stehen und streichelte vorsichtig über Fridolins Gesicht. „So ein hübscher Drachen“, sagte die Frau. „Mein Sohn wird sich freuen.“
O, sie nimmt mich mit, dachte Fridolin, und sie hat einen Jungen. Bestimmt rennt der den ganzen Tag mit mir über Felder und Wiesen. Dann kann ich den Wind und die Sonne spüren. Ich werde der glücklichste Drachen der ganzen Welt sein.
Aber Fridolin hatte sich getäuscht. Der Junge, er hieß Martin, war schon zehn Jahre alt. Er lachte sich fast tot über den „Babydrachen“.
„Niemals gehe ich mit so einem Drachen raus“, rief er. „Meine Freunde lachen mich ja aus. Sieh mal, Mutti! So muss ein Drachen aussehen.“ Martin nahm einen Stift und Papier und malte einen Drachen, der wie eine Fledermaus aussah. Und dann noch einen, der wie ein Ufo aussah.
Die Mutter schüttelte den Kopf. Das waren doch keine Drachen mehr, so einen würde sie nicht kaufen.
Martin stopfte Fridolin hinter den Schrank. Der war ganz traurig. Ohne Sonne, ohne Wind und ohne Licht musste er in der dunklen Ecke warten und warten.
An einem schönen Herbsttag standen Martins Eltern am Fenster. Der Wind wehte heftig, die Sonne schien. Richtiges Drachenwetter. Aber Martin wollte nicht. Nicht mit diesem knallgelben Drachen.
Die Eltern redeten so lange, bis Martin es nicht mehr hören konnte. Er holte den Drachen hinterm Schrank hervor und ging schlecht gelaunt mit zur Wiese.
Fridolin jubelte. Aber er wusste, spätestens in zwei Stunden würde er wieder hinter dem Schrank verschwinden, aber er hatte einen Plan. Und als Martin ihn das erste Mal steigen ließ, riss er sich los und flog davon. Ach, wie ist das Leben schön: Wind, Sonne, Luft! Keine staubige Schrankecke mehr. Kein schlecht gelaunter Martin! Fridolin wiegte sich im Wind und zog seinen Schwanz aus bunten Schleifen hinter sich her. Er begrüßte die Wolken, die Vögel und die Blätter im Wind.
Doch dann kam der Wald. Fridolin sah die Baumwipfel, aber mit seinem Schleifenschwanz konnte er schlecht lenken. Er riss sich ein Loch in seine knallrote Wange und stürzte ab.
Nun lag er in Moos des Waldbodens und wusste nicht weiter. Hierher kam doch kein Wind. Und ob er mit dem Loch überhaupt fliegen konnte?
Fridolin lag eine ganze Weile da, bis er sich plötzlich beobachtet fühlte. Tatsächlich, ein Fuchs stand da und schnupperte.
„Lieber Fuchs“, bat Fridolin. „Heb mich in den Wind, damit ich weiterfliegen kann!“ Der Fuchs kam langsam näher. Er stupste den Drachen mit seiner Schnauze an. Dann mopste er blitzschnell eine der bunten Schleifen vom Schwanz und sauste davon. Fridolin war sprachlos. So ein gemeiner Fuchs,
Aber da, da kam ein Igel. „Igel, hilf mir!“ Der Igel rannte über Fridolin hinweg, als hätte er ihn nicht gesehen. Zu allem Ärger hinterließ er schmutzige kleine Spuren auf Fridolin. Tannennadeln fielen vom Baum und klebten an den Spuren fest.
Als Fridolin schon fast aufgeben wollte, kam ein Vogel, der erfreut piepste. Er kannte Drachen und wusste, dass sie nicht auf den Waldboden, sondern in die Luft gehörten. Er packte Fridolins Schwanz mit seinem Schnabel und zog ihn bis an den Waldrand. In die Luft bekam er ihn nicht. Fridolin war zu kaputt. Viel zu viel Schmutz vom Waldboden klebte an ihm und an seinem Schwanz fehlten Schleifen. Das Loch in seiner Wange war größer geworden. Der Vogel musste Fridolin liegen lassen.
Fridolin war traurig und müde. Aber trotzdem war es hier besser als hinter dem Schrank. Fridolin konnte den Himmel sehen und Kinderstimmen hören.
KINDERSTIMMEN? Wo kamen die denn her? Und tatsächlich, Fridolin sah ganz in der Nähe eine Gruppe kleiner Kinder. Sie sammelten Blätter.
Fridolin zappelte und wackelte, bis die Kinder ihn entdeckten. Die Kindergärtnerin erlaubte, ihn mitzunehmen.
Vorsichtig trugen die Kinder den Drachen bis in ihr Spielzimmer. Sie machten ihn sauber, klebten Papierstreifen über das Loch in seiner Wange und bastelten neue Schleifen für seinen Schwanz. Fridolin strahlte.
Als die Kinder dann mit ihm auf die Wiese gingen und ihn steigen ließen, konnte er sein Glück kaum fassen. Jedes Kind wollte die Schnur einmal halten und Fridolin drehte besonders schöne Kreise im Wind.
Am Nachmittag, wenn die Kinder nach Hause wollten, stellten sie Fridolin ans Fenster. Dann schaute er in den Himmel bis zum nächsten Tag. Das gefiel ihm.
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