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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Die Fragestunde
Eingestellt am 03. 07. 2008 18:22


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simgeo
Hobbydichter
Registriert: Jul 2008

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Die Fragestunde oder
der Unterschied zwischen Jugendbuch und Jugendunterricht oder Fiktion und Realit├Ąt

Als ich f├╝nfzehn war, fragte unser Lehrer uns einmal zu Beginn einer Vertretungsstunde, was wir denn in den kommenden f├╝nfundvierzig Minuten tun wollten.
Ich hatte in meiner Kindheit mit Begeisterung Christine N├Âstlingers Nagle einen Pudding an die Wand gelesen, in dem haargenau die gleiche Szene beschrieben wird. Der Lehrer, ein junger alternativ angehauchter Referendar, fragt die Sch├╝ler, was sie denn in den kommenden f├╝nfundvierzig Minuten tun wollten. Als erwartungsgem├Ą├č keiner der durch die Bank gelangweilten Sch├╝ler einen Vorschlag macht, schl├Ągt dieser Lehrer ihnen vor, ihn all das zu Fragen, was sie interessiere. Er versuche dann, ihnen darauf zu antworten, gleichwohl k├Ânne er nicht versprechen, dass er alles wisse. Ich erinnere mich heute nicht mehr daran, aber ich stelle mir vor, dass die Sch├╝ler genervt waren von der aufgesetzten Offenheit des jungen Referendars. Dachten sie doch daran, dass er von ihnen Fragen zu Drogen und Sex erwarte, Fragen die man in ihrem Alter mit Sicherheit mit keinem noch so alternativ daherkommenden Lehrer besprechen m├Âchte.
Als ich ein Kind war, stellte ich in einer Phase meiner Kindheitsentwicklung meinem Vater unabl├Ąssig eine Frage nach der anderen. Hatte mein Vater auf eine Frage eine Antwort gegeben, nahm ich die Antwort als Anlass f├╝r eine weitere, tiefergehende Frage und die Antwort auf diese erzeugte f├╝r mich eine neue Frage und so ging es oft fortdauernd weiter bei der Erforschung der tiefstliegenden Ursache und aller W├Ârter und Dinge, die ich noch nicht kannte, die mein Vater gleichwohl bei der Beantwortung einer meiner Fragen verwendet hatte. Das Fragespiel endete meist damit, dass er heillos genervt war und es mit einem Wutausbruch abbrach. Kurz vor dem Wutausbruch versuchte er oft noch, seine emporsteigende Genervtheit mit Sarkasmus in Schach zu halten. Dann erz├Ąhlte er mir einfach, dass Autos fahren w├╝rden, weil sonst die Fahrer sie schieben m├╝ssten, dass die Fahrer sie nicht schieben wollten, weil ihre Frauen sich sonst auf dem Beifahrersitz alleine f├╝hlen w├╝rden, und dass Frauen nicht gerne auf dem Beifahrersitz alleine w├Ąren, weil Frauen Angst vor dem Auto fahren h├Ątten, ÔÇ×und jetzt reicht es mir! Diese endlose Fragerei! Nichts gegen Fragen mein Sohn, aber ich brauche auch einmal Pause!ÔÇť schimpfte er dann. Bis tief in die Pubert├Ąt hinein, erlebte ich noch Momente in denen mir pl├Âtzlich klar wurde, dass mein Vater bei diesen und jenen Dingen Unrecht gehabt hatte und ich die ganze Zeit lang etwas falsch verstanden haben musste: Das Auto f├Ąhrt, weil es einen Verbrennungsmotor hat, den der Fahrer mit Benzin f├╝ttert. Gar so einfach ist es. Dass er mich aber zu jener Zeit an der Nase herumgef├╝hrt hatte, fiel mir erst viel sp├Ąter auf.
Aber zur├╝ck zu jener Zeit, als ich f├╝nfzehn war. Die Mitsch├╝ler also erw├Ągten Spiele zu spielen, einer wollte einen Film sehen, andere im Hof Fu├čball spielen. Ich meldete mich und schlug eine Fragestunde vor. Jeder k├Ânne den Lehrer doch das fragen, was ihn interessiere. Dabei dachte ich an Fragen zur Unendlichkeit des Universums, zum Leben nach dem Tod, zu Gott und die Welt. Der Lehrer aber, er lachte mich aus. So etwas bescheuertes, absurdes habe er ja noch nie geh├Ârt: eine Fragestunde, wo jeder fragen k├Ânne, was ihn interessiere.



__________________
s.g.

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