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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Die Malerin
Eingestellt am 22. 02. 2005 21:15


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Estella
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Registriert: Jan 2005

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Die Malerin

Algarve - Albufeira - ein GemÀlde


Die Malerin



Ganz oben im Dorf, versteckt hinter Pinien und blĂŒhenden Orleander BĂŒschen, liegt das Haus, aus dem eine junge Frau am frĂŒhen Morgen durch die blau lackierte TĂŒr ins Freie tritt und den Weg zu der steilen Treppe einschlĂ€gt, die hinunter zum Strand fĂŒhrt. Ihre blonden Haare sind zu einem kunstvollen Knoten geschlungen, das weiße Sommerkleid aus Baumwolle, umspielt ihre Figur und der dĂŒnne Stoff zeichnet ihre BrĂŒste ab. Den Strohhut hĂ€lt sie in der einen, einen blauen Klappstuhl in der anderen Hand. In dem großen hellen Leinenbeutel, den sie um die Schulter trĂ€gt, verbirgt sich alles, was sie zum Malen benötigt.
Der Weg fĂŒhrt um die höchste Stelle des Abhangs herum, wo wildes Gras und bunte Blumen wuchern. Die junge Frau bleibt einen Augenblick stehen. Von hier oben kann sie den Atlantik und die Fischerboote sehen, die auf den Wellen schaukeln. Plötzlich fĂ€hrt ein Windstoß durch die GrĂ€ser und erzeugt ein singendes GerĂ€usch. Theresa lĂ€chelt. Ein paar Meter weiter hat sie die Treppe, die in den Felsen gehauen ist, erreicht. Noch haben die Mauern und StrĂ€ucher die KĂŒhle der Nacht gespeichert, doch zur Mittagszeit wird die Hitze groß werden.
Behende lĂ€uft sie die Stufen hinunter zum Marktplatz, durchquert die engen Gassen, durch die der Wind blĂ€st. In der TĂŒröffnung der BĂ€ckerei schwingt der Perlenvorhang noch dem letzten Kunden nach und der Duft von frischem Brot weht verfĂŒhrerisch zu ihr herĂŒber.
Theresa lĂ€uft die letzten Meter schneller, je mehr sie sich dem Meer nĂ€hert, umso deutlicher hört sie das Rauschen der Wellen. In den Restaurants und Cafes, unten auf der Promenade, sitzen vereinzelt Touristen beim FrĂŒhstĂŒck in der Morgensonne. Ein feiner Kaffeeduft schwebt in der Luft. Nur noch wenige Schritte, dann betritt Theresa den weiten goldgelben Strand, der von Felsen halbkreisförmig umgeben ist. Schnell streift sie die Schuhe ab, um mit nackten FĂŒĂŸen durch den weichen Sand bis zum Wasser zu laufen. Die Wellen rollen, Reihen um Reihen, eine nach der anderen, mit kleinen Schaumkronen auf dem Kamm, an den Strand. Der Wind verfĂ€ngt sich im Saum ihres Kleides und spielt mit ihren Haaren. VerzĂŒckt von dem Schauspiel steht sie lange, bevor sie sich nahe am Meeresrand auf dem mitgebrachten Hocker niederlĂ€ĂŸt.
Um sie herum ist es still. So frĂŒh am Morgen gehört ihr der Strand alleine. Sie hĂ€lt den Malblock auf den Knien und taucht den dicken Pinsel in die Wasserflasche, die neben ihr im Sand sicheren Halt gefunden hat. Den blauen, wolkenlosen Himmel betrachtet sie genauer, bevor sie mit dem nassen Pinsel verschiedene Blau und Violett -Töne ineinander laufen lĂ€ĂŸt, um dem Himmel die Helle und Luftigkeit zu verleihen, mit der sie den Zauber dieses Morgens einzufangen versucht.
Dort wo der Himmel aufhört, beginnt auf ihrem GemĂ€lde das Meer. Es spiegelt die Farben des Himmels wieder. Nahe dem Strand schimmert der Meeresboden jetzt grĂŒnlich durch die WasseroberflĂ€che, wĂ€hrend sie den Wellen weiße Tupfer verleiht.
Theresa blickt zurĂŒck auf das Fischerdorf, aus dem sie gekommen ist. Hoch ĂŒber dem roten Kreidefelsen tĂŒrmen sich terrassenförmig die schlichten, weißgekalkten HĂ€user bis zum Himmel. Theresa bemĂŒht sich, den architektonischen Reiz dieser HĂ€user darzustellen. Sie zeichnet klare Linien, WĂ€nde, die sich nicht im Lot befinden, sie malt abgerundete Ecken, Kuppeln, Bögen und Öffnungen, die auf jegliche Symetrie verzichten. Sie wĂ€hlt einen dĂŒnnen Pinsel, um mit leicht verwaschenem Blau die Schatten zu setzen. Den Strand malt sie golden und mit bunten Farben ein paar StrandtĂŒcher in den Sand.
Zufrieden betrachtet sie ihr Werk. Bevor die ersten Touristen den Strand erobern, verlĂ€ĂŸt Theresa geschwind die sonnige Bucht.
Auf dem Weg zurĂŒck pflĂŒckt sie einige HibiskusblĂŒten, steckt zwei in ihr Haar und lĂ€uft ins Haus.
Ein dunkelhaariger Mann kommt ihr entgegen, kĂŒĂŸt sie auf den Hals und knöpft ihr das Kleid auf. Das Bett ist groß und ihre Fantasie voller Farben.


__________________
"Es macht die WĂŒste schön", sagte der kleine Prinz, "dass sie irgendwo einen Brunnen birgt."

(Saint-Exupéry)

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Buntstift
Festzeitungsschreiber
Registriert: May 2003

Werke: 1
Kommentare: 12
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Eine sehr sanfte und liebevoll prĂ€sentierte Geschichte, die mir sehr gut gefallen hat. Vor allem tritt die Szenerie gekonnt in den Vordergrund und die GerĂŒche suchen sich einen leisen Weg in die Nase.
Gruss
Buntstift

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