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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Die heilige Ursula
Eingestellt am 24. 02. 2011 16:39


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Tigerauge
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Die heilige Ursula





Dies ist die Geschichte der heiligen Ursula. Die heilige Ursula ist im Jahre 383 nach Christus gestorben. Sie wurde ermordet. Diese Geschichte ist nichts f├╝r schwache Nerven. Einige Ausf├╝hrungen dieser Geschichte sind f├╝r Jugendliche unter 18 Jahren nicht geeignet.

Wir schreiben das Jahr 380 nach Christus. Aetherius, Sohn des K├Ânigs von England, hatte sich entschieden zu heiraten. Ursula, K├Ânigstochter des K├Ânigs Maurus aus einem benachbarten K├Ânigsreich der Bretagne, schien ihm f├╝r seine Hochzeit geeignet. Er schrieb ihr einen Brief und bat um ihre Hand. Ursula war nicht begeistert.

Ursula war eine an Gott glaubende Jungfrau, die ihr Herz und ihre Seele, vor allem aber ihr Leben, ganz der Liebe zu Jesus Christus geweiht hatte. Sie war fromm, betete jeden Tag und hatte viele Freundinnen, denen sie das Christentum nahe gebracht hatte. Ihre Freundinnen waren: Sambatia, Martha, Saula, Pinnosa, Brittola, Palladia, Gregoria, Saturnina und auch die Freundinnen der Freundinnen: Aurelia, Cordula und Kunigunde. Die Freundinnen der Freundinnen hatten ebenfalls Freundinnen. Es waren: Antonia, Brisca, Clementine, Eugenia, Gratia, Odilia und Verena, um nur einige zu nennen. Sie alle waren Jungfrauen und im tiefen Glauben mit Jesus Christus verbunden.

Aetherius war dagegen ein heidnischer Atheist. Er empfand das aufkommende Christentum in Britannien als ein gro├čes ├ťbel. Dieses war f├╝r Ursula unannehmbar. Sie beantwortete seinen Antrag mit einem Gegenbrief:
Sehr geehrter F├╝rst Aetherius,
ich nehme Ihren Antrag, mich zu ehelichen, nur unter Bedingung an. Auch Sie, geehrter Aetherius, m├╝ssen der christlichen Kirche beitreten. Sie m├╝ssen sich nicht nur in Wort und Schrift zu Jesus Christus bekennen, sondern auch mit Herz und Seele sich dem christlichen Glauben anschlie├čen. Zudem akzeptiere ich die Hochzeit nur unter Gottes Dach und mit g├Âttlichem Segen. Ich habe noch weitere Forderungen. Sie m├╝ssen sich taufen lassen. Nach der Taufe m├╝ssen Sie drei Jahre auf unsere Hochzeit warten. Die Zeit an sich ist jedoch nicht alleinig f├╝r mein Ja-Wort entscheidend. In diesen drei Jahren m├╝ssen Sie auch durch Ihre Taten beweisen, dass Sie den christlichen Glauben leben. Zudem m├Âchte ich eine Pilgerfahrt nach Rom zum Papst Siricius bestreiten. Hierbei m├Âchte ich alle meine Freundinnen, sofern sie mich begleiten wollen, mitnehmen. Die Kosten dieser Fahrt muss das K├Ânigshaus von England ├╝bernehmen.
Gott segne und besch├╝tze unser geliebtes Britannien.


Aetherius war emp├Ârt, als er diesen Brief las. Er w├╝tete. Ihm, den F├╝rsten von England und Thronfolger, hatte man keine Forderungen zu stellen. Er machte sich mit einem kleinen Gefolge ins K├Ânigreich Maurus auf, um Ursula die Leviten zu lesen. Es w├Ąre in Britannien durchaus ├╝blich, dass sich K├Ânigskinder miteinander verm├Ąhlen, um den Frieden der Region zu bewahren. Er wolle ja nicht gleich den Krieg erkl├Ąren, wohl jedoch darauf hinweisen, dass er ├╝ber ein erfahrenes und schlagkr├Ąftiges Heer verf├╝ge, das schon viele Schlachten erfolgreich entschieden h├Ątte. Als er jedoch Ursula gegen├╝ber trat, wobei er sie zum ersten Mal sah, verstummte er, denn Ursula war von bezaubernder Sch├Ânheit. Ihre Ahnmut, ihre Ausstrahlung und ihre ├╝berw├Ąltigende weibliche W├╝rde zogen ihn in seinen Bann. Von ├╝berragender Sch├Ânheit waren auch ihr goldgl├Ąnzendes blondes Haar und das edelstein├Ąhnliche Funkeln ihrer blauen Augen. Eigentlich war jedes Detail an ihr von ├╝berragender Sch├Ânheit. F├╝r Aetherius war es Liebe auf den ersten Blick. Er lie├č sich noch am selben Tag taufen und ging auch auf alle anderen Forderungen ohne Widerworte ein.
Wenige Wochen sp├Ąter brach Ursula mit ihren Freundinnen zu einer Pilgerfahrt nach Rom auf. Es waren elftausend Jungfrauen in 38 Booten.

Ursula und ihre Gef├Ąhrtinnen segelten ├╝ber die Nordsee nach Germanien. Auf der Fahrt sangen sie oft Lieder. Schlie├člich erreichten sie den Rhein, den sie stromaufw├Ąrts fuhren. Das war sehr m├╝hsam. Bei scharfem Nordwind segelten sie am Rande des Stromes, wobei sie nur langsam vorankamen. Kamen sie an besiedeltem Gebiet vorbei, so wurden die Boote von Pferden gezogen, die vom Ufer her ihre Kraft einsetzten. Die Helfer wurden sp├Ąter von Aetherius entlohnt. Meistens mussten sie jedoch an Orten verweilen und auf bessere Windbedingengen warten. Nach langer Zeit kamen sie endlich an der r├Âmischen Stadt K├Âln an, wo sie sich von den Strapazen der ersten Reiseetappe erholen wollten. Sie legten ihre Boote an, und elftausend Jungfrauen str├Âmten in die Stadt K├Âln. Tags├╝ber genossen sie die Vorz├╝ge des urbanen r├Âmischen Lebensstils; nachts ├╝bernachteten sie in einem Zeltlager vor dem Nordtor au├čerhalb der Stadtmauer. Hier gab es einen Friedhof mit einer kleinen Basilika, in der ├╝berwiegend r├Âmischen G├Âttern gehuldigt wurde. Ursula lagerte auf dem Platz vor der Basilika. An dieser Stelle steht heute die Kirche Sankt Ursula. Nachts hatte sie einen Traum: Sie tr├Ąumte, dass die Jungfrauen ziellos und von Sinnen durch die Stadt irrten. Ein Dachziegel fiel herunter und traf eine Jungfrau am Kopf. Blut├╝berstr├Âmt sank sie nieder. Eine andere Jungfrau wollte ihr zu Hilfe eilen, stolperte, fiel und verletzte sich ebenfalls schwer. Eine dritte sah dies, viel in Ohnmacht und knallte mit dem Kopf auf den Pflastersteinboden. Aufgeregt wurde Ursula berichtet, dass eine Jungfrau von einer Schlange gebissen wurde. Sie drehte sich um und sah sie. Die Schlange hatte sie in die Halsschlagader gebissen, und das Blut schoss im hohen Bogen heraus. Eine Jungfrau blickte sich um, wurde von der Sonne geblendet und lief gegen einen Baum. Hierbei durchbohrte ein ausgetrockneter Ast ihr Herz. Zappelnd war sie am Baum aufgespie├čt, und es quoll Blut aus ihrem Mund. Eine Jungfrau schien zu schlafen. Ursula sch├╝ttelte sie, wobei der Jungfrau der Kopf und beide Arme abfielen. Inzwischen hatten sich alle Jungfrauen auf irgendeine Art und Weise verletzt und rangen blut├╝berstr├Âmt mit dem Tod. Die Stra├čen f├Ąrbten sich rot. Schwei├čgebadet wachte Ursula aus ihrem Traum auf. Am n├Ąchsten Tag ging sie in die Basilika um zu beten. Da erschien ihr ein Engel. Er sagte zu ihr: ÔÇ×Ursula, Du hast letzte Nacht das Martyrium gesehen.ÔÇť

Einige Tage sp├Ąter kam ein scharfer Nordwind auf. Sie segelten weiter Richtung S├╝den, vorbei an Bonn, dem Drachenfels und der Loreley. Hinter Bonn hat sich der Rhein durch ein Gebirge gegraben. Die B├╝rger von Bonn und Koblenz halfen den Jungfrauen die schwere Passage des Gebirges, die heute Weltkulturerbe ist, zu ├╝berwinden. Sie stellten erfahrene Schifffahrer zur Verf├╝gung, die sie durch die gef├Ąhrlichen Stromschnellen losten, und wenn es notwendig war, dann zogen die Menschen auch die Boote vom Land her. Man wollte keine Entlohnung haben; aber es stellte sich sp├Ąter heraus, dass ihre Hilfe nicht zu ihrem Nachteil war.
Hinter den Bergen konnte der Wind wieder in die Segel schlagen. Sie fuhren an der Stadt Mainz vorbei, die sie gerne besucht h├Ątten; jedoch waren sie darauf angewiesen, den Nordwind zu nutzen, wenn er seltener weise aufb├Âte. Irgendwo zwischen Mainz und Basel, fern ab von jeglicher Zivilisation, lagerten sie erneut.
Die Jungfrauen zogen sich aus und badeten im Rhein. Sie legten gro├čen Wert auf Reinlichkeit. So wuschen sie ihre Haare, ihre Fu├če, die weiblichen Rundungen, ihren Busen, und an schwer zug├Ąnglichen Stellen wuschen sie sich auch gegenseitig. Danach gingen sie nackt in die Rheinauenw├Ąlder, um Kr├Ąuter zu sammeln. Mit den Kr├Ąutern rieben sie sich ein, damit sie herrlich dufteten; dann zogen sie sich wieder an.
Ursula versammelte sie und sprach zu ihnen:
ÔÇ×Die W├╝rde der Frau muss hochgehalten werden. Eine Frau ist eben soviel wert wie ein Mann. Es soll der Wille der Frau sein, ihre Jungfr├Ąulichkeit zu bewahren. Erst mit der Ehe soll sie, wenn es ihr m├Âglich war, ihre Jungfr├Ąulichkeit aufgeben. Dies soll geschehen aus Lust an ihrem K├Ârper und zur Gr├╝ndung einer Familie.
Auch Frauen k├Ânnen einem Orden beitreten oder einen Orden gr├╝nden. Ebenso d├╝rfen sich Frauen untereinander im sportlichen Zweikampf messen. Eine Frau ist freundlich, hilfsbereit und aufopferungsvoll. Wenn eine Frau die M├Âglichkeit hat, so gew├Ąhrt sie Hilfsbed├╝rftigen und Ausgesto├čenen Schutz.ÔÇť

Sie segelten weiter. Von nun an ging die Fahrt einfacher. Sie fuhren an Basel vorbei, erreichten auf der linken Seite die h├╝gligen W├Ąlder des Hochschwarzwaldes und sahen schlie├člich von weitem das offene Meer. Der Rhein wurde breit wie ein See. Am Ende des Sees war eine Stadt, die eine Forte zum Meer bildete. Sie glaubten, es sei das Mittelmeer. Bald sahen sie Rom und steuerten die Stadt an. Es war jedoch die Stadt Konstanz am Bodensee.
In Konstanz wohnte der sch├Âne Albert, dem keine Frau widerstehen konnte. Jedoch mochte er sich mit keiner Frau verm├Ąhlen. Der sch├Âne Albert hatte oft seine Mandoline dabei, um mit seiner brillanten Stimme den Minnesang zu zelebrieren. Die elftausend Jungfrauen konnten dem sch├Ânen Albert widerstehen. Aufgrund der Begegnung mit dem sch├Ânen Albert, bildete eine kleine Gruppe der Jungfrauen einen Orden. Sie nannten sich Die Eisernen Jungfrauen.

Es waren eineinhalb Jahre vergangen, seitdem sie Britannien verlassen hatten. In Konstanz fanden sie neue Orientierung und fuhren ├╝ber den Bodensee in die Oberrheinm├╝ndung nach Graub├╝nden. Hier wurde das Rheinbecken sehr schmal, so dass sie nicht mehr im Konvoi fahren konnten, sondern einen Zug bildeten. Der Zug war mehr als einen Kilometer lang. Nahe der Rheinquelle war der Fluss so schmal und unwegsam geworden, dass sie ihre Boote anlegen mussten und zu Fu├č weitergingen. Ursula und ihre Gef├Ąhrtinnen wanderten ├╝ber die Alpen nach Venedig, wo Ursula, auf kosten des englischen K├Ânigshauses, drei Schiffe kaufte.
In Venedig schlossen sich ihnen ein Priester und zwei Prediger an, die ebenfalls auf dem Weg nach Rom waren und sp├Ąter nach Jerusalem weiter pilgern wollten. Mit den drei Schiffen fuhren sie durch die Adria ins Mittelmeer. Jeden Tag hielten sie einen Gottesdienst ab mit Predigt. Auch Ursula sprach zu den Jungfrauen:
ÔÇ×Die Ehre der Frau muss hochgehalten werden. Eine Frau ist eben so stark wie ein Mann. Im Gegensatz zum Mann besteht die St├Ąrke der Frau nicht in ihrer k├Ârperlichen Kraft, sondern in ihrer Liebe, ihrem Flei├č und der F├Ąhigkeit Leben zu schenken. Auch Frauen k├Ânnen unabh├Ąngig sein, selbst├Ąndig handeln und aktiv als Pioniere t├Ątig werden.ÔÇť

Im Fr├╝hjahr des Jahres 382 erreichten sie Sizilien. Hier besuchte Ursula ihre Tante. Tante Gerasina war K├Ânigin von Sizilien und freute sich ├╝ber den Besuch riesig. Derweilen machten die Jungfrauen, an den sch├Ânen Str├Ąnden der Insel, Urlaub. Von den scharmanten sizilianischen Junggesellen, die ihnen feurig temperamentvoll den Hof machten, schienen sie unbeeindruckt. In Wirklichkeit war es f├╝r die Jungfrauen eine harte Probe. Es waren nicht wenige Jungfrauen, die Briefadressen austauschten und sich vornahmen, hierher wieder zur├╝ckzukommen.
In Sizilien schlossen sich auch drei Bisch├Âfe der Reisegruppe an. Pantalus und Mauritius gewannen auch ihren Bischofskollegen Marculus aus Griechenland daf├╝r, die Kolonne mit ihrem g├Âttlichen Beistand zu begleiten.

Endlich kamen sie in Rom an. Die Gr├Â├če der Stadt war unfassbar. Hier wurde die Weltpolitik gemacht. Hier fand das kulturelle Leben statt. Auch die moderne Architektur war beeindruckend. Alle Stra├čen waren gepflastert, und es gab flie├čendes Wasser. Kr├Ąuter wie Majoran oder Thymian, die woanders mit Gold aufgewogen wurden, wuchsen hier als Unkraut. Auf den M├Ąrkten gab es alle G├╝ter dieser Welt zu kaufen. Menschen zu begegnen, die aus anderen Kulturkreisen kamen, war hier gang und gebe. Sie sahen sogar einen Mann, der komplett schwarz war. Oft waren diese Menschen Sklaven, die durch Gladiatorenk├Ąmpfe ihre Freiheit gewonnen hatten. Gladiatorenk├Ąmpfe fanden seit hundert Jahren nur noch auf freiwilliger Basis statt. Vorher wurden auch Christen, die von ihrem Glauben nicht abschw├Âren wollten, im Kolosseum Todesspielen ausgesetzt. Ihr Glaube war jedoch so tief, dass sie furchtlos und singend dem M├Ąrtyrertod ins Auge blickten. Diese ├╝bermenschlichen Kr├Ąfte hatten die R├Âmer so sehr beeindruckt, dass sie sich massenhaft dem Christentum angeschlossen hatten, um ebenfalls diese Kr├Ąfte zu erlangen. Inzwischen war das Christentum im r├Âmischen Reich anerkannt. Nat├╝rlich gab es noch die Verehrung der Jagdg├Âttin Diana oder der Isis und auch noch so manch anderen Hokuspokus; jedoch war es in Rom nichts au├čergew├Âhnliches Christ zu sein.
Papst Siricius freute sich dar├╝ber, dass das Christentum in Britannien Fu├č gefasst hatte. Elftausend Jungfrauen zu empfangen, war f├╝r ihn schon etwas besonders, und er war ganz in seinem Element. Jeden Tag empfing er 80 Jungfrauen zu einer Audienz. F├╝r jede nahm er sich drei Minuten Zeit; in Einzelf├Ąllen dauerte die Audienz aber auch bis zu einer halben Stunde. Bei einer Massentaufe taufte er 431 Jungfrauen, die noch nicht getauft waren. In den letzten Tagen des Aufenthaltes hielt er eine Predigt und segnete die elftausend Jungfrauen. Kurz von der Abreise hatte er nachts einen Traum:
In seinem Traum begegnete er dem Teufel. Er gr├╝├čte den Teufel, und der Teufel gr├╝├čte ihn. Dann sah er die Jungfrauen; sie waren splitternackt. Ehe er es sich versah, war er ebenfalls nackt. Er fasste eine Jungfrau an. Doch ihre Haut war d├╝nn wie Papier, sodass er sie schwer verletzte. In seiner Hand hielt er ihren blutigen linken Busen. Er blickte zur├╝ck zum Teufel und fragte, was er getan h├Ątte. ÔÇ×Du hast nichts schlimmes getan, aber sieh Dir an, was mit den Jungfrauen geschehen istÔÇť, antwortete der Teufel. Er richtete seinen Blick wieder nach vorne und sah die Jungfrauen niedergemetzelt und blut├╝berstr├Âmt. ÔÇ×Warum zeigst Du mir das? Du bist doch der TeufelÔÇť, fragte der Papst. ÔÇ×F├╝rchte Dich nicht, ich bin nur derjenige, der es dir zeigtÔÇť, sagte der Teufel und verschwand. Er wachte auf.
Am n├Ąchsten Morgen ging er in seine kleine Kapelle. Dort erschien ihm ein Engel. ÔÇ×Siricius, Du hast letzte Nacht das Martyrium gesehenÔÇť, sprach er Engel zu ihm. Papst Siricius bekreuzigte sich und fing an f├╝r die Jungfrauen zu beten. Doch der Engel verschwand nicht. Nach einer Weile trat der Engel zu ihm heran und ├╝berreichte ihm einen goldenen Palmzweig, bevor er dann verschwand. Siricius erbleichte, denn er wusste, was dies bedeutete.
Papst Siricius schloss sich den elftausend Jungfrauen an, weil er sich nun zu einer Mission berufen f├╝hlte. In den folgenden Tagen traten sie die R├╝ckreise an.

Die erste Etappe der R├╝ckreise war Genua. Es hatte sich bereits herumgesprochen, dass elftausend Jungfrauen in g├Âttlicher Mission das Land bereisten, und sie wurden freundlich empfangen. Ursula wollte jetzt jedoch so schnell wie m├Âglich zur├╝ck nach Britannien, um Aetherius zu heiraten. Es waren schon zweieinhalb Jahre vergangen, seit dem sie Britannien verlassen hatte.
In Genua verkaufte Ursula, mit kleinem Verlust, die drei Schiffe. Hier trennte sich die Gruppe auch kurz. Es waren etwa vierhundert Jungfrauen, die ├╝ber S├╝dtirol nach Graub├╝nden wanderten, um am Rheinquell ihre Boote zu holen, die sie dann nach Basel steuerten. Unter ihnen war auch der Orden der Eisernen Jungfrauen. Sie wollten noch einmal den sch├Ânen Albert sehen.
Indessen wanderte der Rest, unter F├╝hrung von Usrula und Papst Siricius, vorbei am Matterhorn, durch die Schweiz nach Basel. Dem Tross schlossen sich die Bisch├Âfe von Genua und Basel an.
Rheinabw├Ąrts war die Fahrt wesentlich einfacher als auf der Hinfahrt, so dass ihre Pausen freiwilliger Natur waren. So eine Pause legten sie im Breisgau ein. Papst Siricius segnete hier die Weinberge, und auch Ursula rief die Jungfrauen zusammen, um zu ihnen zu sprechen:
ÔÇ×Auch wenn wir auf dem Land sind, meine lieben Schwestern, befinden wir uns in einem Schiff. Es ist das Schiff der Kirche. Das Schiff tr├Ągt uns durch die weltliche Reise. Es sch├╝tzt uns und es bindet uns in unserer Gemeinschaft. Wichtig ist die Eintracht unter uns Christen. Hierf├╝r m├╝ssen wir dem B├Âsen widerstehen. Es ist notwendig wachsam zu sein, denn unser Widersacher die S├╝nde ist allgegenw├Ąrtig. Die S├╝nde schl├Ąft nicht, sondern blickt wie ein L├Âwe umher und sucht, wie sie eine von uns verschlingen k├Ânnte. Deshalb ist es n├Âtig wachsam und klug zu sein, aber vor allen Dingen dem Glauben treu zu bleiben.ÔÇť

Sie fuhren weiter nach Mainz und nahmen sich die Zeit, diese Stadt doch noch zu besuchen. Auch der Bischof von Mainz schloss sich den elftausend Jungfrauen an. Auf der Weiterfahrt hinter Mainz wurde ihr Frohsinn jedoch getr├╝bt. An den Ufern sahen sie verw├╝stete Landschaften. Die Felder waren niedergebrannt, und die D├Ârfer waren zerst├Ârt. Leichen lagen in der Gegend herum, und es gab niemanden, der sie begrub. Bald sprach sich herum, dass die Hunnen in Germanien eingefallen waren. Wie die Heuschrecken zogen sie durchs Land und brandschatzten und zerst├Ârten, was ihnen in die Quere kam. Nur die St├Ądte Koblenz und Bonn waren zuf├Ąllig verschont geblieben.

Auch Aetherius in Britannien hatte vom Einfall der Hunnen erfahren. Er betete f├╝r Ursula. Sein Vater, der K├Ânig von England, schickte sein Heer nach Germanien, um Ursula zu besch├╝tzen. Leider konnte es Germanien nicht zeitnah erreichen.
In K├Âln legten die Boote der R├╝ckreisenden an, und elftausend Jungfrauen str├Âmten in die Stadt. Zu sp├Ąt merkten sie, dass grade diese Stadt zurzeit von den Hunnen besetzt war.

Sie spazierten in das Innere der Stadt, allen voran Papst Siricius, dem ein Hunne mit einem Morgenstern den Sch├Ądel einschlug. Dann metzelten die Hunnen den Pulk nieder. Die Jungfrauen wehrten sich nicht. Sie blieben gefasst und fingen an zu beten. Duldend nahmen sie hin, wie eine nach der anderen von ihnen massakriert wurde. Einige sangen auch, so wie es in der Vergangenheit die Christen im Kolosseum in Rom getan hatten. Es gen├╝gten drei Hunnen, um hundert Jungfrauen niederzustrecken. Ein Bischof sprach noch:ÔÇ×Allm├Ąchtiger, Du rufst nach unserem Weltenherz, doch wir kriegen kein HerzklopfenÔÇŽÔÇť, da hatte er auch schon einen Dolch im Herzen.
Alle Jungfrauen waren des Todes; nur Ursula wurde gefangen genommen, weil sie von k├Âniglichen Blut war.

Der Hunnenf├╝hrer Julius hielt Ursula gefangen. Ursulas Sch├Ânheit reizte ihn sehr. Er versuchte sie oft zu tr├Âsten, machte ihr aber auch h├Ąufig Komplimente. Drei Tage nach dem Martyrium bat er sie ihn zu heiraten. Ursula sagte: ÔÇ×Nein, ich will nicht.ÔÇť Das kr├Ąnkte Julius sehr, und er wurde zornig. Er trat nahe an sie heran; so nah, dass sie seinen Atem im Nacken sp├╝rte. Dann zog er seinen Bogen von seinem R├╝cken, spannte ihn mit einem Pfeil und setzte diesen an Ursulas Schl├Ąfe an. Ursula fing an zu beten. Julius schoss. Der Pfeil bohrte sich durch den Kopf und kam am anderen Ende wieder heraus. Ursula sank kurz auf ihre Knie. Ihre Augen f├Ąrbten sich rot, und aus ihrer Nase tropfte Blut. Dann fiel sie nach vorne nieder.

Es kamen elftausend Engel von ihren Wolken herab geflogen. Sie geleiteten die Jungfrauen in den Himmel. Danach kamen die Engel jedoch ein zweites Mal nach K├Âln zur├╝ck, um die Hunnen aus der Stadt zu vertreiben. Sie standen einem Heer von ungef├Ąhr zwanzigtausend Hunnen gegen├╝ber, die bis an die Z├Ąhne bewaffnet waren. Die Engel waren mit herumliegenden Kn├╝ppeln bewaffnet.
Ein Hunne schlug mit einer Axt auf einen Engel ein; doch die Wunde heilte sofort. Ein Anderer schlug mit seinem Schwert den Kopf eines Engels ab. Der Engel setzte seinen Kopf wieder auf, und der Kopf wuchs sofort wieder an. Ein Engel wurde, aus dem Heer der Engel, abgetrennt und in kleine St├╝cke gest├╝ckelt und zerhackt. Sobald sie jedoch von ihm ablie├čen, setzte er sich selbst wieder zusammen und war ganz unversehrt.
Die Engel finden an die Hunnen nieder zu kn├╝ppeln. Voller Angst verlie├čen die Hunnen fluchtartig die Stadt.
Dann gingen die Engel zu den Toten. Die Bisch├Âfe von Genua, Basel und Mainz wurden wieder zu Leben erweckt und aufgefordert in ihre St├Ądte zur├╝ckzukehren, um ihre Mission zu erf├╝llen. Die Bisch├Âfe Pantalus und Mauritius wurden wieder zum Leben erweckt und aufgefordert nach Sizilien zur├╝ckzukehren, um ihre Mission zu erf├╝llen. Auch Bischof Marculus aus Griechenland wurde wieder zu Leben erweckt und zur├╝ckgeschickt.
Papst Siricius hielt einen goldenen Palmzweig in seiner Hand. Er starb als M├Ąrtyrer.

Aetherius war sehr traurig ├╝ber den Verlust seiner geliebten Ursula.
Er hatte eine kleine Kapelle gebaut. Als er eines Tages dort Andacht hielt, erschien ihm die heilige Ursula und sprach zu ihm:
ÔÇ×Lieber Aetherius, es tut mir Leid, dass ich dir nicht die Freude machen konnte deine Frau zu werden. Ich wei├č, dass du mich fr├╝her oder sp├Ąter befreit h├Ąttest. Ich konnte Julius jedoch nicht heiraten; denn die W├╝rde einer K├Ânigin ist mehr wert als ihr Leben.
Die elftausend Jungfrauen sind jetzt alle im Himmel. Hier sind sie alle K├Âniginnen.ÔÇť

Das war die Geschichte der heiligen Ursula. Die Gebeine der heiligen Ursula liegen in einem goldenen Schrein in der Kirche Stankt Ursula in K├Âln. Auf dem K├Âlner Stadtwappen befinden sich elf schwarze Flammen, und der Karneval beginnt am 11.11. um 11Uhr11.










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