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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Eine Weihnachtsgeschichte
Eingestellt am 28. 08. 2010 22:37


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frankotto
Wird mal Schriftsteller
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Eine Weihnachtsgeschichte


Schon lange faszinierte mich eine alte Sennh├╝tte in den franz├Âsischen Alpen und nun ist sie seit zwei Sommern mein Eigentum. Immer wieder fuhr ich nach Savoyen in das kleine Ferien├Ârtchen Valmorel und jedes Mal zog es mich hinauf zu dieser H├╝tte, mitten auf einer Alm gelegen. Mitunter fuhr ich mit der Seilbahn auf den Gipfel und lief dann bergab, um ihr einen Besuch abzustatten. Sie war immer ge├Âffnet im Sommer und vor der T├╝r bl├╝hten in einem kleinen G├Ąrtchen Blumen, es wuchsen einige Tomaten und verschiedene Kr├Ąuter. Ein kleiner Bach f├╝hrte nur wenige Meter neben der H├╝tte ins Tal und eine alte Scheune befand sich links von der H├╝tte, wenn man vom Gipfel kam. Als Aufsicht war dort jedes Jahr ein Mann in meinem Alter und er erkl├Ąrte den Besuchern, die es wissen wollten, wie die Arbeit und das Leben in fr├╝heren Jahren und Jahrzehnten hier oben ablief. Immer im Fr├╝hling brachten die Bauern ihre Rinder auf die Hochweiden, der Senn oder die Sennerin fertigten aus der Milch wohlschmeckenden K├Ąse und lagerten ihn im Felsenkeller der H├╝tte. Betrat man diese, so kam man zun├Ąchst in einen gro├čen Wohn- und Arbeitsraum. Die rechte Seite wurde von einem riesigen Kamin beherrscht. Ein Holzgalgen mit einem eisernen Haken trug den kupfernen Milchkessel. So konnte der Kessel immer wieder ├╝ber ein Feuer geschwenkt werden und die Milch auf der richtigen Temperatur gehalten werden. Davor stand noch ein kleiner Herd, auf welchem sich die zeitlichen Bewohner ihr manchmal karges Mahl zubereiten konnten und auch Brote buken. Von der T├╝r aus ging man geradewegs auf den riesigen Tisch aus Eichenholz zu. Links und an der hinteren Wand entlang befand sich eine in den Jahren glatt gesessene Bank. Wie viele Generationen m├Âgen wohl das Holz poliert haben? In der linken Wand f├╝hrte eine schmale Stiege drei Stufen h├Âher in zwei Schlafkammern. In jeder Kammer standen ein gro├čes franz├Âsisches Bett, ein kleiner eiserner Ofen und eine Truhe. Die kleinen Fenster lie├čen gen├╝gend Licht hinein und sollte es doch kalt werden oder verlie├čen die Bewohner die H├╝tte, konnten Fensterl├Ąden vor Wind und Wetter sch├╝tzen. ├ťber den Kammern befand sich ein kleiner Heuboden, brandschutztechnisch vielleicht bedenklich, aber als Schutz gegen K├Ąlte sehr zweckm├Ą├čig.
Eines Tages, ich war gerade wieder auf dem Weg nach oben, begann es zu regnen und ich schaffte gerade noch die letzten Meter bis zur H├╝tte, bevor das Unwetter losging. Diesmal war der mir bekannte Mann nicht in der H├╝tte. Ein ├Ąlterer Franzose sa├č am Tisch, im Kamin prasselte ein kleines Feuer und er hatte vor sich einen Becher Rotwein, Brot und K├Ąse stehen. Die Haare schon wei├č und die Haut vom Wetter gegerbt, schauten mich seine braunen Augen fragend an. H├Âflich gr├╝├čte ich ihn in seiner Sprache und bat um Unterkunft f├╝r die Dauer des Unwetters und er lud mich ein am Tisch platz zunehmen. In gebrochenen Deutsch, er hatte wohl gleich erkannt, dass ich nicht ein Landsmann von ihm bin, bot er mir von seiner Mahlzeit an. Meine nasse Jacke hing ich in der N├Ąhe des Kamins auf, ich stellte mich vor und so erfuhr ich, dass mein Gastgeber Pierre hie├č und er der eigentliche Besitzer dieser H├╝tte war. Nach dem ersten Glas Wein, den ersten Bissen Brot und K├Ąse sah er mir in die Augen und fragte: ÔÇ×Paul, Du kommst jedes Jahr hier hoch und schaust Dir die H├╝tte an. Gef├Ąllt es Dir hier? Mein Neffe berichtete mir schon von dem Deutschen, der jedes Jahr genau diese H├╝tte besuchen kommt und manchmal stundenlang auf der Bank vor dem H├Ąuschen sitzt und in die Gegend schaut.ÔÇť
ÔÇ×Ja, ich komme seit zehn Jahren jedes Jahr hierher. Ich will einfach mal Ruhe finden und hier ist es ruhig und die Hektik f├Ąllt hier ab. Es ist einfach sch├Ân und warum soll ich in die Bettenburgen am Meer fahren, L├Ąrm, Hektik und Stress habe ich das ganze Jahr.ÔÇť
Pierre schaute mich nachdenklich an, mir schien es, er schaute in mein Inneres und ich wich seinem Blick nicht aus, als er mich pl├Âtzlich fragte, ob ich seine H├╝tte kaufen wollte. Er w├╝rde bald achtzig Jahre werden und sein Neffe war in diesem Jahr auch noch weg gegangen. Er seufzte und sagte, dass immer mehr junge Leute weggingen, sie wollten die weite Welt sehen und das gro├če Geld verdienen.
Mich ├╝berraschte sein Angebot und so bedeutete ich ihm, dass ich eigentlich nicht soviel Geld h├Ątte, um sein Grundst├╝ck zu kaufen. Aber er wischte meinen Einwand weg und bot mir alles f├╝r gerade mal f├╝nftausend Euro an und ich m├╝sste st├Ąndig hier bleiben und er w├╝rde, solange es ihm m├Âglich ist, gerne mal hier hoch kommen d├╝rfen und einige Stunden auf der Alm verbringen wollen. Mehr nicht.
Inzwischen war der Regen in ein Unwetter ├╝bergegangen. Der Hagel prasselte auf das Schieferdach und an die kleinen Fenster. Es war dunkel geworden und obwohl meine Uhr gerade mal 15:00 Uhr anzeigte, war es finster wie in tiefster Nacht. Ich stand auf, legte etwas Holz im Kamin nach und dann sprachen wir weiter ├╝ber die Vorstellungen von Pierre. Auch wovon ich leben sollte besprachen wir und der weise Mann begann meine Bedenken zu zerstreuen. Arbeit gibt es genug im Dorf, die Hotelwirte und die Reiseunternehmen suchten dringend Leute, die gut deutsch sprechen. Es kommen immer mehr Deutsche in diese Gegend, die betreut werden wollen. Auch die Bauern hier br├Ąuchten Hilfe. Sie zahlten zwar nicht gerade die h├Âchsten L├Âhne, aber gerne mit Naturalien und alles was man zum Essen hatte, br├Ąuchte man ja nicht kaufen. Schlitzohrig meinte er dann noch, die Zeiten, als unsere jungen M├Ąnner nach Paris als Kaminkehrer gingen sind lange vorbei und heute verhungert hier niemand mehr.
Ich wollte es mir ├╝berlegen, aber dies war eigentlich nur eine kleine Ausrede vor mir selbst, denn zu ├╝berraschend sollte sich hier ein Traum erf├╝llen. Pierre schmunzelte, er hatte mich wohl schon lange durchschaut, stand auf, heizte den Ofen an und kochte Tee. Ich kramte in meinem Rucksack, fand das Baguette und eine kleine Salami und so a├čen wir zum Abend. Ich wollte dann los, aber Pierre hinderte mich daran, denn inzwischen war es richtig dunkel und der Regen str├Âmte rauschend vom Himmel, als ob er f├╝r das ganze Jahr das Wasser an einem Tag bringen wollte. Also sa├čen wir beim Schein einer Kerze und dem flackernden Kaminfeuer und erz├Ąhlten uns ein Teil von unserem Leben. Ich erfuhr von seinem Sohn und der Schwiegertochter, den Enkeln und davon, dass er sie alle nur einmal im Jahr sehen w├╝rde, weil sie in ├ťbersee lebten. Sohn und Schwiegertochter arbeiteten als Lehrer, die Enkel, ein M├Ądchen und ein Junge studierten in Australien und nun war eben sein letzter Verwandter, der Sohn seiner verstorbenen Schwester auch weg gegangen. Aber l├Ąchelnd betonte er, niemand ist in unserem Dorf allein, die Leute halten zusammen. Dies hatte ich ja auch schon bemerkt, viele kleine Begebenheiten zeigten es im t├Ąglichen Leben und die Leute hier hatten auch immer Zeit f├╝r einen kleinen Schwatz, sie nehmen sich die Zeit zum Leben, machen eben ├╝ber Mittag ihre Gesch├Ąfte zu, genie├čen die Freuden des Tages und treffen sich auch nach Feierabend. Auch wenn sie hart arbeiten, leben sie nicht um zu arbeiten, sondern arbeiten um zu leben, so scheint es mir jedenfalls und wenn man die Friedh├Âfe besucht, so werden sie wohl auch sehr alt hier.
Nach einigen Stunden zeigte mir Pierre die Kammer und mein Bett, w├╝nschte mir eine gute Nacht und ging dann in seine Kammer. Lange lag ich noch wach, lauschte dem Regen und versuchte mir ein Leben hier oben vorzustellen. Irgendwann war ich eingeschlafen. Am n├Ąchsten Morgen weckte mich der Duft nach frischem Kaffee, die Sonne strahlte vom blank geputzten blauen Himmel. Nichts erinnerte an das gestrige Unwetter. Pierre w├╝nschte mir einen guten Morgen, ich wusch mich an der altert├╝mlichen Waschsch├╝ssel und schon kam das Fr├╝hst├╝ck. Brot vom Vortag, warme Milchsuppe und hei├čer Kaffe mit viel hei├čer Milch aus den gro├čen Schalen, die man bei uns f├╝r M├╝sli verwenden w├╝rde. Gemeinsam wuschen wir noch ab, dann machten wir uns auf den Abstieg. Unterwegs kamen wir noch einmal auf das Angebot zur├╝ck und ich schlug ein. Pierre blieb stehen, seine Augen strahlten und er dr├╝ckte mich an seine Brust, als ob ich sein Sohn w├Ąre. H├Ąttet ihr ihn gesehen, ihr h├Ąttet nicht geglaubt, dass neben mir ein fast achtzig Jahre alter Mann l├Ąuft. Schnurstracks ging es zum B├╝rgermeister, dessen Sohn Rechtsanwalt ist und hier besprachen wir die Einzelheiten. Erstaunlicherweise sprachen die beiden auch ein ausreichendes Deutsch und ich hatte keine M├╝he, sie zu verstehen. Nach dieser Unterredung brachte ich Pierre zu seinem H├Ąuschen und wir verabredeten uns f├╝r den n├Ąchsten Tag beim B├╝rgermeister und beim Anwalt.
Der Vertrag war tats├Ąchlich fertig, in Deutsch und Franz├Âsisch ausgefertigt, wir unterschrieben ihn und ich zahlte tausend Euro an. Danach kam das Beste, der B├╝rgermeister hatte mir Arbeit verschafft und sogar einen Sprachkurs zum Erlernen seiner Muttersprache organisiert. Ich musste nur noch alle Vertr├Ąge unterschreiben. Ich freute mich riesig, aber ein wenig musste ich die Herren bremsen. Immerhin hatte ich in meiner Heimat noch einiges zu kl├Ąren und dann erst konnte ich zur├╝ckkommen. So fuhr ich nachhause, k├╝ndigte meine Arbeit, eiste meine Barschaft los und ein Makler sollte meine kleine Wohnung verkaufen. Mit einem Transporter nahm ich meine pers├Ânlichen Dinge mit und sechs Wochen sp├Ąter war ich wieder hier. Pierre bekam sein restliches Geld, ich die Schl├╝ssel f├╝r die H├╝tte und dann richtete ich mich ein. Es war erstaunlich, wie viele Helfer sich einfaden. Sie brachten Brennholz in die Scheune, Frauen halfen mir beim Reinigen der H├╝tte, da sind sie nicht anders als die Frauen in meiner alten Heimat, n├Ąhten Gardinen und stellten sogar Blumen auf den Tisch. Irgendwie schon etwas peinlich, aber so sind sie eben, die Frauen. Mit der Arbeit klappte es auch, ich arbeite als Techniker an der Seilbahn und in dem Hotel, welches immer meine Unterkunft war und manchmal helfe ich den Bauern bei der Heuernte oder auch beim Viehabtrieb. Pierres Aussage zu den geringen L├Âhnen waren wohl stark ├╝bertrieben, ich fand sie durchaus in Ordnung und statt Geld nahm ich lieber Naturalien und diese gab es reichlich.
So kam mein erster Winter, die Touristen str├Âmten in Scharen an der Seilbahn, im Hotel und auf der Piste gab es reichlich zu tun. Als sich herumsprach, dass ich deutsch spreche, kamen auch immer mehr Leute, um sich dolmetschen zu lassen. Ist schon lustig, ich lerne selbst noch die Sprache, aber da ich sie besser kann, als die Touris, bin ich unter den Blinden als Ein├Ąugiger der K├Ânig. Der Winter verging, es herrschte Ruhe im Ort, bevor zu Ostern das Sommerhalbjahr begann, ich hatte mich eingelebt. Die Einheimischen akzeptierten mich, wir lernten von einander manchen kleinen Kniff und die Sprache. Ich franz├Âsisch, sie deutsch und mancher Wirt bat um eine deutsche Speisekarte, so halfen wir uns gegenseitig.
Pierre besuchte mich im Sommer fast jede Woche und wenn ich nicht daheim war, sa├č er auf der Bank oder ging auch schon mal in die H├╝tte, er kannte mein Schl├╝sselversteck. Eines Tages lernte ich auch seinen Sohn und seine Schwiegertochter mit den Enkeln kennen. Sehr nette Leute, aber doch sehr gehetzt von ihrer Arbeit. In ihrem Urlaub mussten sie alles schnell besuchen, Jedem mal guten Tag sagen, dann waren die vier Wochen auch schon wieder um und sie flogen zur├╝ck. So ging es mir wohl auch als Urlauber.
Auch dieser Sommer verging und es wurde Herbst, eine relativ ruhige Zeit, dann kam der Winter. Pierre kam nun nicht so oft, aber ich fuhr mindestens einmal in der Woche bei ihm vorbei. Es war kurz vor Weihnachten und wir verabredeten, dass wir diesmal Weihnachten bei ihm feiern. Er selbst f├╝hlte sich im Moment nicht so wohl und schlie├člich w├╝rde er am 15. Juni achtzig Jahre werden. Ein ganz neuer Zug bei ihm, er wurde etwas ├Ąlter und sprach dies auch aus. Aber warum nicht, im vorigen Jahr feierten wir in der H├╝tte, dann eben in diesem Jahr hier unten.
Es kam der Tag, an dem vieles anders werden sollte. Wir schrieben den 23.Dezember. Die Sonne ging noch strahlend auf, aber das Barometer fiel seit gestern Abend stetig. Der Wind aus Nordwest brachte im Laufe des Vormittags immer mehr Wolken und gegen Mittag gab es die ersten Wetterwarnungen. Die Seilbahn stellte ihren Betrieb ein, die Wirtin der Kammh├╝tte in 1800 m H├Âhe kam in das Dorf zur├╝ck, ich besuchte noch kurz Pierre, dann fuhr ich auch in meine H├╝tte. Ein Feuer brannte schnell und gerade kochte ich mir meinen Kaffee, da brauste es drau├čen los, der Schneesturm begann. Die Sicht betrug kaum noch einhundert Meter und so wie es aussah, w├╝rde es wohl noch schlimmer kommen. Am sp├Ąten Nachmittag beruhigte sich der Wind etwas, aber die Flocken fielen dicht. Leise deckte der Schnee alles zu, die Temperatur fiel auf zehn Grad unter Null, ich war froh, in meiner Behausung zu sitzen. Eben hatte ich mich auf meine Bank zur├╝ckgezogen, als es an die T├╝r h├Ąmmerte. Als ich ├Âffnete, stand dort eine Gestalt in einem roten Parker und bat um Einlass. Nat├╝rlich lie├č ich sie rein und als sie den Schnee von der Jacke geschlagen hatte, die Kapuze abnahm, stand vor mir eine junge Frau. Sie sagte h├Âflich guten Tag und stand wie ein H├Ąuflein Ungl├╝ck vor mir. Als sie bemerkte, dass ich deutsch spreche, war sie irgendwie erleichtert und ich konnte sie verstehen, denn auch ich war ja mal als Tourist hier angekommen. Ich bat sie ihre Jacke und die nassen Stiefel auszuziehen, schob sie auf die Bank und gab ihr einen hei├čen Tee. Nach einiger Zeit kam sie wieder soweit zu sich, dass ich sie fragen konnte, warum sie bei diesem Wetter unterwegs war. Immerhin ist es leichtsinnig hier in den Bergen bei Unwetterwarnung einfach los zu gehen. Sie war am Morgen mit der Bahn zur Kammh├╝tte gefahren, dann von dort aus weitergelaufen. Als es windig wurde, ging sie talw├Ąrts, aber sie hatte wohl die Entfernung untersch├Ątzt und kam so in den Schneesturm. Dann sah sie hier das Licht und hoffte eben auf Hilfe. Helen, so hie├č das h├╝bsche Kind, wohnte zuf├Ąllig in dem Hotel, in dem ich angestellt bin, eigentlich wollte sie mit ihrem Freund dort Weihnachten feiern. Er hatte sich aber von ihr getrennt, so nahm sie ihre Mutter mit. Diese w├╝rde sich bestimmt schon Sorgen machen.
Ich gab ihr mein Handy, sie rief das Hotel an und informierte ihre Mutter. Eine R├╝ckkehr heute war aber ausgeschlossen und sie w├╝rde wohl hier ├╝bernachten m├╝ssen. Nach diesem Anruf sah mich Helen aus ihren walnussbraunen Augen fragend an und meinte: ÔÇ×Es ist sicher frech von mir, zu sagen ich schlafe hier in der H├╝tte. Ich kenne Dich gar nicht und wei├č auch nicht, ob Du ├╝berhaupt Platz hast:ÔÇť
Die Kleine war wirklich s├╝├č, kommt halb erfroren bis vor die H├╝tte, wird eingelassen und macht sich Gedanken ├╝ber die Nacht. Bestimmt kennt sie das ungeschriebene Gesetz der Berge nicht, hier wird jedem geholfen und keiner wird bei solch einem Wetter vor die T├╝r gesetzt.
ÔÇ×Du bleibst nat├╝rlich hier und ich mache Dir das G├Ąstezimmer fertig. Es wird sogar geheizt. Zieh Dir diese H├╝ttenschuhe an und komm einfach mit.ÔÇť
Ich zeigte ihr die unbenutzte Kammer, eigentlich Pierres Schlafraum und heizte den kleinen Ofen an. In einem Wandschrank lag immer frische W├Ąsche, eigentlich nur f├╝r Jungs, aber ein warmer Trainingsanzug und Pullover sind immer noch besser als nasse Skianz├╝ge und Stiefel. Helen suchte sich etwas Passendes aus, ich zog mich zur├╝ck in den Wohnraum. Schnell waren eine Suppe angesetzt, Brot geschnitten, eine Flasche Wein, Butter und frischer K├Ąse auf dem Tisch. Kaum waren die Vorbereitungen abgeschlossen, kam Helen auch schon wieder aus ihrer Kammer und nun strahlte sie mich an. Sie sah einfach drollig aus in den geborgten Sachen, alles war etwas zu gro├č, doch so konnte sie ihre nasse Ausr├╝stung neben den Kamin h├Ąngen und morgen w├╝rde es schon trocken sein. Meine einzige Gl├╝hbirne l├Âschte ich und z├╝ndete zwei dicke Kerzen auf dem Tisch an, im Kamin knackte frisches Holz, dann begannen wir zu essen. Sie musste wirklich hungrig sein, denn am Anfang sagte sie kein Wort beim Essen, sie a├č einfach nur. Ich schaute ihr mehr zu, als ich selbst a├č, denn schon lange hatte ich keine Frau mehr zu Gast in meiner Behausung.
Wie soll ich Helen beschreiben, dunkle Haare, etwa 1,60 m gro├č, knapp drei├čig Jahre und das was M├Ąnner im Allgemeinen griffig nennen. Also alles im richtigen Ma├č und an den richtigen Stellen gepolstert. Eben ein h├╝bsches M├Ądchen. Langsam bekam sie auch richtig rote Wangen, sicher weil ihr wieder warm wurde und der Wein d├╝rfte sein ├ťbriges dazu getan haben und als ihr erster Hunger gestillt war, begann sie auch ├╝ber sich zu erz├Ąhlen.
Helen war 28 Jahre, kam aus Dresden und hatte vor zwei Jahren ihr Architekturstudium abgeschlossen. Dort lernte sie ihren Freund kennen, gemeinsam begannen sie in einem Architektenb├╝ro zu arbeiten. Immer ├Âfter kam es aber zum Streit mit ihm, weil ihre Arbeiten bei den Kunden besser ankamen. Sie hatte einfach mehr Gesp├╝r f├╝r den Trend der Zeit, die Leute wollten nicht mehr so technisiert und geradlinig wohnen. Romantik war angesagt. Er lebte mehr den Bauhausstil, gerade und zweckm├Ą├čig, keine Schn├Ârkel. Das passte sicher in B├╝ros und Betriebe, aber eben nicht zu Privathaushalten und ihr Chef sagte es ihm auch. Als er ihm dann auch noch in ihrem Beisein ihre Arbeiten lobte und ihn bat, sich bei seiner Freundin etwas abzuschauen, verlie├č er das B├╝ro, r├Ąumte seine Sachen aus ihrer gemeinsamen Wohnung und zog zu seiner Mutter. In der Firma k├╝ndigte er und wird wohl nun in einem anderen Betrieb anfangen. Ihre geplante Hochzeit im Sommer war damit auch erledigt.
W├Ąhrend sie ihre Geschichte erz├Ąhlte, stahlen sich einige Tr├Ąnen in ihre sch├Ânen Augen und ich musste ihr mit einem Taschentuch aushelfen. Was ist man doch immer hilflos, wenn eine Frau weint. Eine die man kennt, kann man in den Arm nehmen, aber eine fast fremde Frau? Trotzdem setzte ich mich neben sie und nahm sie einfach in den Arm. Sie kuschelte sich an meine Schulter, als sie sich beruhigt hatte, erz├Ąhlte sie weiter. Ihre Mama war ohne Vater gro├č geworden, der Gro├čvater soll ein Franzose gewesen sein, sie selbst wuchs auch zeitig ohne Vater auf. Er verungl├╝ckte, als sie gerade zehn Jahre war. So lebte sie mit der Gro├čmutter und der Mutter, bis die Gro├čmutter vor zehn Jahren mit gerade mal 70 Jahren starb. Seitdem hat sie nur noch die Mutter und sonst niemanden, aber mit einem L├Ącheln betonte sie, dass ja noch nicht aller Tage Abend ist und sie schon noch den Richtigen finden wird.
Nun musste ich meine Geschichte erz├Ąhlen und wie ich zu diesem H├Ąuschen kam. Also erz├Ąhlte ich es ihr, nachdem ich eine W├Ąrmflasche f├╝r ihr Bett gemacht hatte und noch einmal Holz im Kamin und den ├ľfen nachgelegt hatte. Helen sa├č im Schneidersitz neben mir auf der Bank und lauschte meiner Geschichte. Nur manchmal hob sie den Kopf, wenn der wieder auflebende Sturm in den Kamin fuhr und das Feuer niederdr├╝ckte. Es heulte nun wirklich schrecklich um die Ecken der H├╝tte, aber mir war dies nicht unbekannt. Als das Feuer fast runter gebrannt war, zeigte ich ihr noch mein kleines Bad und gab ihr eine kleine Laterne mit f├╝r die Nacht und als sie sich frisch gemacht hatte, gingen wir schlafen. Nicht ohne ihr zu versprechen, sie morgen fr├╝h in ihr Hotel zu bringen. Ich brachte sie noch bis zur T├╝r ihrer Kammer, strich ihr sanft ├╝ber das seidige Haar und w├╝nschte eine gute Nacht. Dann legte ich mich auch in mein Bett und versuchte zu schlafen. In Gedanken stellte ich mir allerdings vor, wie es mit ihr gemeinsam in meiner H├╝tte w├Ąre. Irgendwann bin ich wohl eingeschlafen. Pl├Âtzlich wachte ich auf, denn eine Gestalt in einem zu gro├čen Schlafanzug stand vor meinem Bett.
ÔÇ×Kann ich zu Dir kommen, mir ist kalt allein und ich habe Angst. Der Sturm heult zu schrecklich.ÔÇť
Flink rutschte ich zur Seite, Helen schl├╝pfte unter die dicke Decke, von kalt keine Spur und schon kuschelte sie sich an mich. Ihre Haare kitzelten mich an der Nase, ihr warmer Atem am Hals und leise fl├╝sterte sie mir ins Ohr, dass sie einfach nicht in solch einer Nacht allein sein wollte. Also zog ich sie an mich, legte meinen Arm um ihre Schulter, streichelte ihr Haar und ihren R├╝cken und irgendwann schlief sie wieder ein. Auch ich fand noch einige Stunden Schlaf, bis am n├Ąchsten Morgen die Sonne in die Kammer schien und uns aufweckte. Ich stand auf, heizte den Wohnraum an, setzte Kaffeewasser auf und wusch mich. Dann kam auch schon Helen, angelockt durch den Duft frischen Kaffees und aufgebackener Croissants. Dazu gab es Marmelade und hei├če Milch. Schnell wusch sie sich, zog sich an, w├Ąhrend des Fr├╝hst├╝cks schw├Ąrmte sie davon, wie gut sie geschlafen hatte. Danach half sie mir das Geschirr abzuwaschen und wir machten unsere Betten, ich heizte noch den Ofen etwas an, damit es nicht zu kalt sein w├╝rde, wenn ich morgen wieder komme und schlie├člich war es Zeit in das Dorf zu fahren.
Wie meistens hatte ich Gl├╝ck, der Wind hatte den Schnee nicht vor der H├╝ttent├╝r zusammen geschoben und so kamen wir ungehindert zur Scheune. Ich holte den Jeep raus, Helen kletterte auf den Beifahrersitz, ich fuhr los zum Hotel. Nach einer halben Stunde waren wir angekommen, ich musste mit auf ihr Zimmer, dort erwartete mich schon ihre Mutter. Welch eine ├ťberraschung, sie musste ja schon ├╝ber sechzig sein, aber man h├Ątte sie f├╝r die ├Ąltere Schwester von Helen halten k├Ânnen. Freundlich wurde ich herein gebeten und Helen erz├Ąhlte ihrer Mutter von der ÔÇ×wunderbaren RettungÔÇť ihrer Tochter und sie schw├Ąrmte in den h├Âchsten T├Ânen von der sch├Ânen H├╝tte und nat├╝rlich von mir als Gastgeber. Ich glaube, ich wurde rot und entschuldigte mich, da ja Pierre auf mich wartete, wenn sie wollten, k├Ânnten sie ja mitkommen, aber ich m├╝sse nun los. Morgen w├╝rde ich wiederkommen, wenn ich d├╝rfte. Helen hatte aber eine andere Idee und so begann die eigentliche Weihnachts├╝berraschung oder ein Fest, welches die Beteiligten nie mehr vergessen werden.
Wir verabschiedeten uns also von Helens Mutter und Helen selbst wollte am Abend wieder zur├╝ck sein, fuhren an das andere Ende vom Dorf zu Pierres Haus. Kurz nach meinem Klingeln ├Âffnete Pierre und ich glaubte, er bekommt einen Herzschlag. Seine Hand fuhr zum Mund als er Helen sah, seine Lippen formten den Namen Marie, er fasste Helen an den H├Ąnden, zog sie in die Stube und wir schauten uns an und wussten nichts zu sagen. Er stand vor Helen, schaute sie an, strich ├╝ber ihr Gesicht und ihre Haare und murmelte: ÔÇ×Genauso wie meine Marie schaust Du aus, ganz genauso!ÔÇť
Wir f├╝hrten Pierre zu seinem Sessel, setzten uns ihm gegen├╝ber und warteten auf eine Erkl├Ąrung. Irgendetwas war hier geschehen, was wir nicht begriffen.
ÔÇ×Du bist nicht Marie, junges Fr├Ąulein, aber Du siehst genau so aus. Nie habe ich geglaubt, dass es noch einmal eine Marie f├╝r mich gibt. Wer bist Du, mein Kind?ÔÇť
ÔÇ×Ich bin Helen und komme aus Dresden in Deutschland. Meine Mama hei├čt Ulrike und die Oma hie├č Marie.ÔÇť
ÔÇ×Marie und weiter?ÔÇť
ÔÇ×Marie Baumann aus Dresden war meine Oma. Leider ist sie schon gestorben, sie w├Ąre n├Ąchstes Jahr achtzig Jahre geworden.ÔÇť
ÔÇ×Hast Du ein Bild von Deiner Oma und kannst Du es mir zeigen, bitte?ÔÇť
ÔÇ×Ja, ein Bild habe ich, aber bitte erkl├Ąren Sie mir, was mit Ihnen ist1ÔÇť
ÔÇ×Sofort mein Kind und Dir auch Paul, aber ich w├╝rde bitte zuerst das Bild sehen wollen.ÔÇť
So holte Helen aus ihrer Handtasche das Bild ihrer Gro├čmutter Marie und zeigte es Pierre. Er betrachtete das alte Bild mit seinen alten Augen und zum ersten Mal sah ich ihn weinen. Er streichelte das Bild und murmelte immer wieder ÔÇ×Mon Cheri MarieÔÇť
Wir sa├čen auf unseren St├╝hlen und langsam d├Ąmmerte mir, was hier geschehen war. Ein alter Mann hatte seine Enkeltochter und seine Tochter gefunden. Eine tragische Liebe scheint hier ein gl├╝ckliches Ende zu finden.
ÔÇ×Deine Mama ist auch hier in Valmorel?ÔÇť
ÔÇ×Ja Pierre, ihre Mutter ist auch hier und wenn Du m├Âchtest, hole ich sie her.ÔÇť
ÔÇ×Nein Junge, Du brauchst sie nicht holen, wir fahren hin. Wartet bitte einen Augenblick, ich ziehe mich nur kurz um.ÔÇť
Nach einigen Minuten stand Pierre in seinem besten Anzug vor uns, den Wintermantel angezogen, seine M├╝tze keck auf seinem wei├čen Haar vor uns und dr├Ąngte zum Aufbruch. In wenigen Minuten waren wir im Hotel angekommen und wurden dort ├╝berrascht begr├╝├čt, denn Pierre kam selten in dieses Hotel, weil er eigentlich alles hatte und wenn er in eine Gastwirtschaft ging, dann lieber im Dorf. Dort war er mehr unter seinen Landsleuten. Ich erkundigte mich nach Frau Baumann. Sie sa├č gerade im Cafe des Hotels, genoss ihren Nachmittagskaffee und las dabei eine Zeitschrift. Pierre beobachtete Ulrike von weitem und da er sie nur im Profil sah, ging er etwas weiter in das Cafe, ├Âffnete dabei seinen Mantel und seine Finger fuhren hinter den Kragen seines Hemdes, als ob ihm der Kragen die Luft abschn├╝rte. Langsam n├Ąherte er sich Helens Mutter und als er vor ihr stand, verbeugte er sich, schaute ihr in die Augen und wieder schimmerten Tr├Ąnen. H├Âflich bat er darum, Platz nehmen zu d├╝rfen, Helens Mutter schaute sich fragend um, sah uns im Hintergrund stehen, wir hielten uns an den H├Ąnden und starrten fasziniert auf die Szene, Helen nickte ihrer Mutter zu, diese r├╝ckte Pierre einen Stuhl zurecht und bat ihn sich zusetzen. Pierre schaute Ulrike lange an, unf├Ąhig ein Wort zu sagen, stand dann auf und umarmte Ulrike, k├╝sste sie auf die Wangen und wieder stammelte er etwas von seiner Liebe Marie. Endlich gingen wir auch an den Tisch, setzten uns neben die Zwei und die Bedienung schaute uns fragend an. Ich sch├╝ttelte den Kopf und leise zog sich meine Kollegin zur├╝ck. Doch am Tresen versammelten sich langsam einige Angestellte, sogar die Chefin des Hauses stand neben ihren Angestellten. Alle ahnten, hier geschah etwas Ungew├Âhnliches, noch nie Dagewesenes und es wurde ganz still im Raum. Die restlichen G├Ąste schauten ebenfalls zum Tisch und Ulrike wurde es langsam unangenehm, als Pierre sie nach ihrem Geburtstag fragte, dem Namen ihrer Mutter und nach ihrem Gro├čvater. Ulrike war im September 1947 geboren, nur einige Wochen nach der R├╝ckkehr der Mutter aus franz├Âsischer Internierung, eigentlich war ja nur ihr Opa interniert, aber die Mutter war noch minderj├Ąhrig und so blieb sie wohl bei einem franz├Âsischen Bauern und lebte dort von Ende 44 bis zu ihrer R├╝ckkehr. Sie musste wohl irgendwo hier im S├╝den gelebt haben, denn ihre Mutter erz├Ąhlte ihr immer, der Opa war in Grenoble interniert und sie konnte ihn wohl manchmal besuchen. Es kann also nicht weit weg gewesen sein und irgendwann verliebte sich die Mutter wohl und das Resultat war dann sie. Doch bevor sie geboren wurde, mussten ihre Mama und der Gro├čvater das Land verlassen, so kamen sie wieder in die Heimatstadt der Mutter, nach Dresden.
Pierre zog aus seiner Jackentasche eine alte Brieftasche, legte einige vergilbte Fotos auf den Tisch und nun erschrak Ulrike, denn auf diesen Bildern sah sie ihre Mutter und Pierre und sie sah auch meine H├╝tte, die alte Bank, auf der Pierre oft sa├č, wenn er mich besuchte und pl├Âtzlich weinten, lachten und umarmten sich Pierre und Ulrike. Das Personal und die anwesenden G├Ąste standen um unseren Tisch, wenn auch nicht alle die Sprache verstanden, das was hier geschehen war, verstanden alle. Pierre hielt Ulrikes H├Ąnde fest, streichelte seine Tochter und keiner sprach ein Wort, bis die Beiden von selbst ihr Schweigen brachen.
ÔÇ×Paul, ich m├Âchte dieses Weihnachten doch nicht in meinem Haus feiern. K├Ânnten wir zu Deiner H├╝tte fahren? Ich w├╝nsche mir, dass ich dieses Fest dort feiern darf, wo alles begann, auch wenn Marie es nicht mehr erlebt.ÔÇť
Diesmal umarmte ich den alten Pierre und weil mir die Tr├Ąnen kamen, nickte ich nur. Ulrike und ihre Mutter liefen auf ihr Zimmer, packten einige Sachen zusammen, nach wenigen Minuten standen sie wieder vor uns. Madam Justine, die Hotelchefin, ├╝berreichte uns eine ganze Kiste Champagner, ich fuhr mit den Dreien noch zu Pierres Haus und wir holten die Weihnachtsleckereien. Danach ging es erst einmal zur H├╝tte. Pierre ging voran, er hielt Ulrike an der Hand, als ob sie gerade laufen gelernt hatte und zeigte ihr sein altes Reich, das Liebesnest von Marie und Pierre, das auch das Zuhause von Ulrike h├Ątte sein k├Ânnen.
Gemeinsam mit Helen heizte ich alle ├ľfen an, wir schm├╝ckten den gro├čen Wohnraum mit dem Wenigen, was ich an Weihnachtssachen hatte, auf den Platz auf der Bank von Pierre und Ulrike legte ich das weichste Schaffell, welches ich fand. Mit Helen bereiteten wir das Abendessen vor, dann betraten Vater und Tochter den Wohnraum, Kerzen leuchteten, leise Musik spielte, das Kaminfeuer flackerte und wie bestellt, begann es leicht zu schneien. Nach dem Essen erz├Ąhlte Pierre leise die Geschichte seiner Liebe zu Marie, wie sie begann, wie sie tragisch endete und nun doch zu einem gl├╝cklichen Abschluss kam. W├Ąhrend der ganzen Zeit lagen die alten Bilder von Marie und Pierre auf dem Tisch und immer wieder schweiften unsere Blicke zu diesen Bildern. L├Ąngst sa├č Helen dicht an mich gekuschelt, Ulrike streichelte ihrem wieder gefundenen Vater ├╝ber die H├Ąnde und sein wei├č gewordenes Haar. Kurz vor Mitternacht traten wir vor die H├╝tte, lauschten den Glocken, die aus dem Tal herauf klangen und die frohe Weihnachtsbotschaft verk├╝ndeten.
Zum ersten Mal in meinem Leben bekam Weihnachten eine ganz andere Bedeutung f├╝r mich.
Wir waren uns sicher, dass wir uns nie wieder trennen w├╝rden, Helen k├╝sste mich lange da drau├čen im Schnee und Vater und Tochter sahen den tanzenden Schneeflocken zu, schauten in das Dorf hinunter, wo alles hell erleuchtet war.
Am n├Ąchsten Morgen fuhren wir alle in die Kirche, f├╝r mich eher ungew├Âhnlich und f├╝r Ulrike und Helen auch, aber Pierre wollte der heiligen Jungfrau eine Kerze stiften. Bei Betreten der Kirche stand die gesamte anwesende Gemeinde auf. Sie begl├╝ckw├╝nschten Pierre zu seinem wohl gr├Â├čten Weihnachtsgeschenk und der Priester predigte von dem gro├čen Gl├╝ck der Liebe und ihren manchmal seltsamen Wegen. Wir besuchten das Grab von Pierres zweiter Frau, er erz├Ąhlte ihr von seiner wieder gefundenen Tochter, danach fuhren wir zu seinem Haus, welches er Ulrike und Helen voller Stolz zeigte und das Mittagessen fand diesmal in einem Restaurant statt. Uns schien es, als ob das ganze Dorf und alle seine G├Ąste von diesem Wunder schon erfahren hatten, denn alle Leute l├Ąchelten uns zu und w├╝nschten uns fr├Âhliche Weihnachten und ein langes Leben.



08.12.2008



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