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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Eine Weihnachtsgeschichte
Eingestellt am 30. 11. 2002 20:39


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Yakob
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Nov 2002

Werke: 4
Kommentare: 10
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Der folgende Text ist Teil einer grĂ¶ĂŸeren Geschichte, an der ich gerade arbeite, hat aber mit dem eigentlichen Plot nicht wirklich viel zu tun. Das einzige was ihr fĂŒrs VerstĂ€ndnis wissen mĂŒsst ist, dass der anfangs kurz erwĂ€hnte Jakob(eigentlich die Haupt-, in diesem Kapitel aber nur Nebenfigur) gerade seinen Zivildienst in einer psychiatrischen Klinik absolviert.


Eine Weihnachtsgeschichte

Habt ihr vielleicht den Film „Smoke“ von Wayne Wang und Paul Auster gesehen? Diesen Film, in dem Harvey Keitel den Besitzer eines Tabakwarenladens in Brooklyn spielt? Nein? Ist ja eigentlich auch egal, ich habe ihn mir jedenfalls vor nicht allzu langer Zeit auf Video angesehen, und bis auf die Tatsache, dass das natĂŒrlich bloß wieder so ein BildungsbĂŒrgerfilm ist, in dem sich linksliberale Arzt- und Anwaltsgattinnen anschauen können, wie die Unterschicht sich so durchs Leben schlĂ€gt, hat er mir eigentlich ganz gut gefallen. Vor allem wegen der letzten Szene, in der Harvey Keitel einem befreundeten, in Ideennot geratenen Schriftsteller, der fĂŒr eine große Zeitung eine Weihnachtsgeschichte schreiben soll, die, zugegeben etwas verkitschte, aber wie ich finde doch sehr schöne Geschichte erzĂ€hlt, wie er einmal mit einer alten, fast blinden Frau, die ihn, aufgrund ihrer mangelnden Seh-, dafĂŒr aber um so stĂ€rkeren Einbildungskraft fĂŒr ihren Enkel hielt, obwohl er sie eigentlich ĂŒberhaupt nicht kannte, ein Weihnachtsessen zelebrierte (na ja, was heißt Weihnachtsessen, es war halt vom Fast-Food-Chinesen um die Ecke, aber immerhin). Und weil ich die Geschichte so schön und den Gedanken daran eine Weihnachtsgeschichte zu schreiben so toll fand, ist dieses Kapitel hier zustande gekommen, in dem es ausnahmsweise mal nicht um Jakob gehen soll. Denn was Jakob am vierundzwanzigsten Dezember zweitausendundeins erlebte, war wirklich nicht so außergewöhnlich, als das es wert wĂ€re hier wiedergegeben zu werden.
Er hatte an diesem Tag FrĂŒhschicht, wusch Leute, maß Blutdruck, gab FrĂŒhstĂŒck aus, wechselte Frau Weller die eingenĂ€ssten Windeln, kratzte Herrn Pranzkat die eingetrocknete Spermakruste vom Bauch, half dabei Herrn Theben zu fixieren, der einen Tobsuchtsanfall bekam, weil er fĂŒrchtete, seine Mutter habe ihn mit den Zimtsternen vergiften wollen, die sie fĂŒr ihn gebacken hatte und erfuhr gegen Mittag von Oberschwester Ina, dass er heute schon nach dem Essen nach hause gehen könne, weil doch schließlich Weihnachten sei.
Als er gerade dabei war sich umzuziehen, klopfte es leise an die TĂŒr des Schwesternzimmers. Vor der TĂŒr stand Ludwig Rohrbeck, ein dreiundfĂŒnfzigjĂ€hriger Schizophreniepatient, der vor ungefĂ€hr drei Wochen von der Geschlossenen auf die offene Station 6A verlegt worden war und den Jakob sehr mochte. Denn im Gegensatz zu den meisten anderen Schizophrenen auf der Station, hatte Ludwig eine angenehm ruhige und zurĂŒckhaltenden Art, außerdem liebte Jakob es ihm zuzuhören, beherrschte er doch die Kunst des sich möglichst umstĂ€ndlichen und altertĂŒmlichen AusdrĂŒckens wie kein Anderer.
„Hoffe ich störe nicht werter Herr Feinsen, aber ich hörte, wie Oberschwester Ina vor einigen Minuten das Wort an sie richtete und sie dazu bevollmĂ€chtigte, ihre Arbeit heute schon kurz nach dem mittĂ€glichen Mahl zu beenden. Da ich nun vorhabe diesem tristen Etablissement fĂŒr einige Stunden den RĂŒcken zuzukehren, um im weihnachtlich geschmĂŒckten StĂ€dtchen einen Spaziergang zu unternehmen, und davon in Kenntnis bin, dass sie, werter Herr Feinsen, im Besitz eines fahrbaren Untersatzes sind, möchte ich sie höflichste darum zu bitten, einige Kilometer weit ihr Gast sein zu dĂŒrfen. NatĂŒrlich nur wenn es keine allzu großen UmstĂ€nde macht.“
Jakob lÀchelte.
„Das macht ĂŒberhaupt keine UmstĂ€nde Herr Rohrbeck, aber da muss ich erst mal mit der Oberschwester abklĂ€ren, ob das in Ordnung geht. Vielleicht nutzen sie einfach die Zeit und machen sich schon mal ausgehfertig.“
Jakob wusste, dass Ludwig dafĂŒr wie immer sehr lange brauchen wĂŒrde. Schließlich musste er sich gegen die Strahlung schĂŒtzen, und die war ja bekanntlich am heiligen Abend immer ganz besonders stark. Er begann damit, sich zwei Paar wollene Strumpfhosen ĂŒber die kahlrasierten Beine zu streifen, darĂŒber zog er eine Hose aus grobem dunkelbraunem Cord, die er auf der Innenseite mit Wachs imprĂ€gniert hatte. Daraufhin panzerte er Brust und Bauch mit alten Tageszeitungen, die er fixierte, indem er sich ungefĂ€hr fĂŒnf Meter Bindfaden um den Oberkörper wickelte. Dann befeuchtete er einen Waschlappen, legte sich ihn in den Nacken und zog eine vergilbte ausgefranste Halskrause darĂŒber. Zu guter letzt schmierte er sich das Gesicht mit Melkfett ein, setzte eine schwarze Sonnenbrille auf und zog eine Badekappe aus blauem Gummi und darĂŒber einen breitkrempigen braunen Filzhut ĂŒber den Kopf, sprach ein kurzes Gebet und machte sich auf den Weg zum Schwesternzimmer, wo Jakob schon ungeduldig auf ihn wartete.
Kaum hatte Ludwig sich von Jakob verabschiedet und die AutotĂŒre hinter sich zugeschlagen, bereute er es in die Stadt gekommen zu sein. Die vielen Menschen, die wie immer auf den letzten DrĂŒcker ihre WeihnachtseinkĂ€ufe erledigen mussten beunruhigten ihn, außerdem fand er es mittlerweile ganz schön leichtsinnig, sich in einem solch kĂŒmmerlichen Schutzanzug einer dermaßen hohen Strahlenbelastung auszusetzen. Aber was sollte er machen, den Taucheranzug, seiner Meinung nach die ideale Lösung fĂŒr sein Strahlenproblem, konnte er sich nun mal nicht leisten, und seinen Weihnachtsspaziergang wollte er nicht missen, auf den freute er sich schon seit Monaten.
Und als Ludwig schließlich den festlich geschmĂŒckten Weihnachtsmarkt erreichte, vergaß er dann auch schnell die Gefahren, die um ihn herum lauerten und begann verzĂŒckt inmitten der vielen Menschen zwischen den mit Tannenzweigen und Lichterketten verzierten kleinen Holzbuden auf und ab zu schlendern, sog genussvoll den Geruch von warmen BratĂ€pfeln, gebrannten Mandeln und gezuckertem GlĂŒhwein in sich hinein und besah staunend die vielen bunten Kerzen, kleinen Tonfiguren und feinen Holzschnitzereien, die die zahlreichen HĂ€ndler zum Kauf anboten. SpĂ€ter fand er eine noch fast volle TĂŒte PfeffernĂŒsse in einem der MĂŒlleimer, setzte sich auf eine Bank gleich neben dem riesigen Weihnachtsbaum in der Mitte des Marktes und begann genĂŒsslich daran zu knabbern. Nachdem er dort etwa eine halbe Stunde gesessen und die TĂŒte fast vollstĂ€ndig geleert hatte, fror es ihn ein wenig, und da er das Geld fĂŒr einen Becher GlĂŒhwein nicht hatte, und es recht Ă€rgerlich gewesen wĂ€re sich ausgerechnet heute eine ErkĂ€ltung zuzuziehen, beschloss er sich in einem der vielen KaufhĂ€user in der FußgĂ€ngerzone etwas aufzuwĂ€rmen.
Ein wenig seltsam erschien Herbert Ernst, der im Kaufhof als ziviler Personenschutzbeauftragter arbeitete, dieser Mann mit der dunklen Sonnenbrille um diese Jahreszeit ja schon, und weil man bei solchen VerrĂŒckten schließlich nie wissen konnte, tat er seine Pflicht und folgte Ludwig, der auf direktem Wege in die Lebensmittelabteilung ging, in einigen Metern Entfernung.
WĂ€hrend Ludwig zwischen den prall gefĂŒllten Einkaufsregalen hin und her spazierte, musste er an das Weihnachtsessen denken, das es heute Abend im Krankenhaus geben wĂŒrde, und dabei wurde ihm sehr traurig zumute. Denn schön wĂŒrde es sicher nicht werden, im dĂŒsteren Speisesaal inmitten all dieser debilen Trottel eine verfettete GĂ€nsekeule und zwei trockene Knödel herunterzuwĂŒrgen. Als er gerade dabei war sich vorzustellen, wie sein Tischnachbar Herr Haas sich mit den Fingern einen ganzen Knödel in den zahnlosen Mund stopfte, erschien ihm Jesus. Das fand Ludwig allerdings keineswegs ungewöhnlich oder beĂ€ngstigend, war es ihm doch in den letzten Jahren schon einige Male passiert.
„Herr von Nazaret, welche Freude sie zu sehen!“, rief er aus.
„Mein lieber Ludwig!“ Jesus sah ihn tadelnd an. „ Ich meine mich zu erinnern, dass wir uns aufs ‚du’ geeinigt hĂ€tten.“
„NatĂŒrlich, wie dumm von mir.“, sagte Ludwig ein wenig beschĂ€mt, „Welche Freude dich zu sehen, mein lieber Jesus!“, und schĂŒttelte Jesus lĂ€chelnd die Hand, eine Geste, die Herbert Ernst, der tat, als wĂŒrde er sich fĂŒr pĂŒrierte Tomaten interessieren, in höchste Alarmbereitschaft versetzte. Denn die Tatsache, dass ein so seltsam vermummter Mann vor den TiefkĂŒhlregalen stand, SelbstgesprĂ€che fĂŒhrte und einer nicht anwesenden Person die Hand gab, bestĂ€tigte natĂŒrlich seinen Verdacht, dass es sich hierbei um ein nicht zurechnungsfĂ€higes, vielleicht sogar gefĂ€hrliches Subjekt handeln musste, weshalb er auch sein FunkgerĂ€t zur Hand nahm, um im Falle eines Falles VerstĂ€rkung anfordern zu können.
„Freut mich auch Ludwig, freut mich sehr. Ist eine Zeit her seit wir uns das letzte Mal trafen.“
„In der Tat, ein halbes Jahr wird’s wohl gewesen sein. Ich hoffe es geht dir gut.“
„Danke, es geht. Ich sehe meinem Geburtstag immer mit etwas gemischten GefĂŒhlen entgegen, wie du ja sicher weißt. Aber was ist mit dir, du wirkst ein wenig niedergeschlagen wie ich meine.“
Ludwig seufzte.
„Ach weißt du, es ist diese Anstalt, die mir das GemĂŒt schwer macht. Seit meine gute Mutter, Gott habe sie selig, vor drei Jahren einem Krebsleiden erlag, habe ich niemanden mehr mit dem ich das Weihnachtsfest begehen könnte, und ich strĂ€ube mich dagegen den schönsten und heiligsten Abend des Jahres mit einer Bande VerrĂŒckter zu verbringen. Und wenn ich an das sogenannte Weihnachtsessen denke, das sie uns dort vorsetzen werden, dreht sich mir schon jetzt der Magen um.“
„Was hĂ€ltst du davon, wenn ich dir heute Abend Gesellschaft leiste? Ich hĂ€tte ein paar Stunden Zeit.“, schlug Jesus vor, aber Ludwig winkte ab.
„Dein Angebot ehrt mich, aber ich kann es beim besten Willen nicht annehmen. Ich hĂ€tte dir nichts zu bieten. Wo sollten wir feiern, was essen? Im Krankenhaus ist es dunkel und ungemĂŒtlich, und den Fraß dort will ich dir wirklich nicht zumuten. Nein, feiere du nur lieber mit jemandem, der deinen Geburtstag angemessener auszurichten weiß als ich.“
„Jetzt sei nicht kindisch!“, lachte Jesus. „Die Tugend der Bescheidenheit ist eine meiner grĂ¶ĂŸten, das mĂŒsstest du doch eigentlich wissen. Ob Festtagsbraten oder trockenes StĂŒck Brot, das ist mir wirklich herzlich egal. Aber wenn dir ein ĂŒppiges Weihnachtsessen so wichtig ist, warum richtest du nicht einfach selbst eines aus?“
„Wie sollte ich das deiner Meinung nach denn anstellen?“, fragte Ludwig betrĂŒbt. „Ich habe ja nicht einmal Geld!“
„Also das ist nun wirklich das geringste Problem. Vergiss nicht, es ist Weihnachten, auch und vor allem das Fest des schlechten Gewissens.“
Ludwig verstand nicht.
„Na, sieh zum Beispiel diesen Mann dort drĂŒben.“
„Den grauhaarigen Herrn in dem dunklen Lodenmantel?“
„Genau den. Vor einer Woche hat er, wie in jedem Jahr um diese Zeit, eine grĂ¶ĂŸere Summe Geld an UNICEF ĂŒberwiesen und ist nun auf der Suche nach einem geeigneten BedĂŒrftigen, bei dem er persönlich noch ein wenig mehr Geld loswerden kann. Denn natĂŒrlich reicht so eine lĂ€ppische Spendenquittung fĂŒr ein Jahr Seelenruhe nicht aus. Da braucht es schon das dankbare und demĂŒtige LĂ€cheln eines netten Obdachlosen, der gerade einen hundert-Mark-Schein in die Hand gedrĂŒckt bekommen hat.“
In der Tat hatte Robert Fusi, einundsechzig Jahre alt und Professor fĂŒr Nuklearmedizin, in der letzten Tagen oft darĂŒber nachgedacht, wem er in diesem Jahr an Weihnachten etwas Gutes tun könne. Das lag vor allem daran, dass er seinen Enkelkindern Sarah und Jonas an den letzten zwei Adventswochenenden „Eine Weihnachtsgeschichte“ von Charles Dickens vorgelesen hatte und auf diese Weise daran erinnert worden war, dass Weihnachten ein wenig mehr bedeutete, als bloß gutes Essen und schöne Geschenke. Und deshalb hatte er sich fest vorgenommen heute jemanden zu beschenken, der es wirklich nötig hatte, nur hĂ€tte er nicht im Traum daran gedacht, dass dieser Jemand ihn direkt darum bitten, ja sogar mit konkreten Vorstellungen ĂŒber Art und Umfang seines zu leistenden Almosens an ihn heran treten wĂŒrde, so wie Ludwig es jetzt tat.
„Verzeihen sie die Störung gnĂ€diger Herr, aber dĂŒrfte ich sie darum bitten mir fĂŒr einen kurzen Augenblick ihre werte Aufmerksamkeit zu schenken?“
„Ja, Ă€h, sicher.“, sagte Herr Fusi, durch das sonderbare Auftreten des seltsam gekleideten Mannes ein wenig verunsichert.
„Nun, es geht um folgendes: Mein grĂ¶ĂŸter Wunsch wĂ€re es, heute, am heiligen Abend, fĂŒr mich und einen Freund, dessen Geburtstag morgen gefeiert wird ein Festmahl auszurichten. Nun bin ich leider Insasse einer psychiatrischen Heilanstalt, völlig mittellos und ohne Angehörige oder Freunde, die mich bei diesem Vorhaben unterstĂŒtzen könnten, und da sie, werter gnĂ€diger Herr, mit Sicherheit ein großes Herz und vielleicht ein wenig Geld im Portemonnaie haben, und weil wir doch in den nĂ€chsten Tagen das Fest der Liebe begehen...“
Doch weiter kam Ludwig nicht.
„BelĂ€stigt sie dieser Mann?“, unterbrach Herbert Ernst, der von Herrn Fusis irritiertem Gesichtsausdruck alarmiert worden war seinen Redefluss. Hilflos blickte Herr Fusi zwischen dem schmĂ€chtigen Psychotiker und dem bulligen TĂŒrsteher hin und her. Er fĂŒhlte sich von der Situation vollkommen ĂŒberfordert. Denn natĂŒrlich war er nach wie vor dazu entschlossen heute Abend einen BedĂŒrftigen glĂŒcklich zu machen, aber dieser VerrĂŒckte hier und die seltsame Geschichte mit dem Geburtstagsessen, das erschien ihm doch alles etwas sehr dubios. Vielleicht war der Kerl ein Hochstapler und zog mit derselben Nummer zehn Mal am Tag gutglĂ€ubigen Menschen das Geld aus der Tasche. Und dann diese Verkleidung... Und diese hochgestochene Art zu reden... Sehr vertrauensvoll wirkte das alles wirklich nicht... Aber dann begriff Herr Fusi. NatĂŒrlich!, es konnte ja gar nicht anders sein. Das hier war alles bloß getĂŒrkt, der Typ ein Lockvogel, und irgendwo gab es eine versteckte Kamera. Von einer dieser Sendungen, die die Leute auf die Probe stellen und ihnen hinterher ein schlechtes Gewissen einreden wollten. Dass er an so etwas nicht gleich gedacht hatte! Er unterdrĂŒckte ein Grinsen, legte Ludwig seine Hand auf die Schulter und blickte Herbert Ernst entschlossen in die Augen.
„Nein, es ist alles in Ordnung. Dieser gute Mann hier hat mir nichts getan.“
„Ich danke ihnen vielmals gnĂ€diger Herr.“, sagte Ludwig erleichtert, nachdem der Sicherheitsmann mit enttĂ€uschtem Gesicht abgezogen war.
„Keine Ursache mein Bester.“, sagte Herr Fusi gönnerhaft. „Schrecklich diese Möchtegern-Sherifs! Aber zur Sache mein lieber Herr...,“
„Rohrbeck, Ludwig Rohrbeck.“
„Mein lieber Herr Rohrbeck, was denken sie denn, was sie, beziehungsweise, haha, dann doch wohl eher mich solch ein Festmahl kosten könnte?“
„Oh, bestimmt nicht allzu viel gnĂ€diger Herr. Ich dachte daran, ganz dem weihnachtlichen Anlass entsprechend, einen GĂ€nsebraten zuzubereiten. Nun ja, so eine Gans ist sicher nicht ganz billig, aber darĂŒber hinaus werde ich nicht viel brauchen. Ein paar Äpfel fĂŒr die FĂŒllung, ein halbes Kilo Kartoffeln, ein Glas Rotkraut und vielleicht eine Dose Maronen, das wĂ€re eigentlich schon alles.“
„Was meinen sie,“, fragte Herr Fusi und wĂŒhlte in seinem Portemonnaie, „reichen ihnen fĂŒnfzig Mark?“
„FĂŒnfzig Mark sind mehr als genug, vielen Dank gnĂ€diger Herr. Sie sind wirklich ĂŒberaus großzĂŒgig.“
Nachdem Robert Fusi ungefĂ€hr zehn Minuten spĂ€ter die Kasse passiert hatte, sah er sich erwartungsvoll nach allen Seiten um. Denn er hatte sich genau ĂŒberlegt, was er dem Kamerateam sagen wollte, das in den nĂ€chsten Augenblicken auf ihn zugestĂŒrmt kommen wĂŒrde. Von NĂ€chstenliebe und Menschlichkeit wollte er reden, und davon, dass es ihm mehr bedeute einen Menschen zu beschenken, der diese Zuwendung wirklich nötig habe, als seiner Frau ein teures SchmuckstĂŒck zu kaufen. Er wĂŒrde von Dickens und seiner sechsjĂ€hrigen Enkelin Sarah erzĂ€hlen, die ihn immer wieder fassungslos gefragt habe, warum dieser Scrooge den so böse zu den armen Menschen sei, und dass ihm dabei ein Licht aufgegangen wĂ€re und er verstanden habe, dass diese ungerechte Welt nur zu verbessern sei, wenn wir, und damit meine er jeden von uns, sie wieder ein wenig mehr durch Kinderaugen betrachteten, und das so etwas wie der elfte September dann wohl auch hĂ€tte verhindert werden können. Und er hĂ€tte sicherlich noch viel mehr zu sagen gehabt, wenn denn endlich ein Kamerateam gekommen wĂ€re, dummerweise kam aber keins.
„Also, mir war bewusst, dass du vielerlei außergewöhnliche FĂ€higkeiten besitzt, aber dass du Gedanken lesen kannst hast du mir bisher verschwiegen.“, sagte Ludwig anerkennend zu Jesus, wĂ€hrend sie dabei zuschauten, wie die Frau hinter der Fleischtheke eine tote Gans von den Resten ihrer Eingeweide sĂ€uberte und sie in weißes Wachspapier wickelte.
„Davon wissen nur die Allerwenigsten. Ich prahle mit so etwas nicht gern.“
Nachdem sie Kartoffeln, Äpfel, eine Dose Bier, Rotkraut und Maronen besorgt hatten, bezahlten sie ihre EinkĂ€ufe und verließen das Kaufhaus unter den misstrauischen Blicken von Herbert Ernst, der sich wieder vor einem der AusgĂ€nge postiert hatte.
„Und nun?“, fragte Ludwig, als er sich in der ĂŒbervölkerten FußgĂ€ngerzone darĂŒber bewusst wurde, dass sie jetzt zwar die Zutaten fĂŒr einen leckeren GĂ€nsebraten, aber keine KĂŒche hatten, wo sie diesen hĂ€tten zubereiten können. „In der Anstalt werden sie denken, ich habe das alles gestohlen. Außerdem werden sie mich dort bestimmt nicht in die KĂŒche lassen.“
„Jetzt sei doch nicht gleich wieder so pessimistisch. Hast du den kein Vertrauen in mich? Sieh zum Beispiel diese Frau dort drĂŒben.“
„Die junge Frau mit den hohen schwarzen Stiefeln?“
„Genau die. Sie hat ein weiches Herz, eine große KĂŒche und nicht vor heute Abend ihren Backofen zu benutzen. Frag sie einfach höflich, ob du fĂŒr ein paar Stunden ihr Gast sein darfst.“
Aber die junge Frau blieb nicht einmal stehen, als Ludwig versuchte sie anzusprechen. Und auch die nĂ€chsten drei Leute, die Jesus ihm empfahl, wĂŒrdigten ihn keines Blickes. So bescheiden wie Jesus tat war er nĂ€mlich keineswegs. Denn natĂŒrlich konnte er keine Gedanken lesen, nicht mal ansatzweise, und der Erfolg bei Herrn Fusi war lediglich ein glĂŒcklicher Zufall gewesen. Das dĂ€mmerte irgendwann auch Ludwig, nachdem er von vier weiteren Passanten abgewiesen worden war.
„Mit deiner Gedankenleserei ist es ja nicht gerade weit her!“, schimpfte er.
„Hab Geduld. Bei diesen vielen Menschen hier draußen ist es ganz schön schwierig sich auf einzelne Gedanken zu konzentrieren... aber warte,... jetzt hab ich eine! Da, die junge Frau mit den langen blonden Haaren, bei der wird’s gehen!“
Und tatsĂ€chlich, diesmal hatte Ludwig GlĂŒck. Denn die zweiunddreißigjĂ€hrige KindergĂ€rtnerin Katharina SchĂŒtte fĂŒhlte sich durch ihn stark an ihren Vater erinnert, der ebenfalls an einer schizophrenen Erkrankung gelitten und sich vor zwei Jahren das Leben genommen hatte, deshalb brachte sie es nicht ĂŒbers Herz ihn abzuweisen.
„Verstehe ich sie richtig, sie möchten in meiner KĂŒche einen Braten zubereiten?“
„Wenn es keine allzu großen UmstĂ€nde macht natĂŒrlich. Es wird auch bestimmt nicht lange dauern. Und sobald der Vogel aus dem Ofen ist bin ich verschwunden, darauf haben sie mein Ehrenwort.“
Katharina ĂŒberlegte. Ganz wohl war ihr bei der Sache nicht, und ihr Mann wĂ€re sicher auch nicht begeistert, wenn sie am Heiligabend einen Psychotiker mit nach Hause brĂ€chte. Auf der anderen Seite tat dieser arme Mann ihr leid, und sie wusste, dass sie sich spĂ€ter fĂŒrchterliche VorwĂŒrfe machen wĂŒrde, wenn sie ihn jetzt einfach hier stehen ließe. Außerdem brauchte sie die KĂŒche heute Abend sowieso nicht, weil es wie in jedem Jahr auf Wunsch ihrer beiden Kinder Raclette geben wĂŒrde, deshalb fasste sie sich ein Herz und entschloss sich Ludwig mitzunehmen.
Als sie einige Minuten spĂ€ter nach einem kurzen Fußmarsch vor ihrer WohnungstĂŒr standen, bat sie ihn aber doch noch einen Augenblick im Treppenhaus zu warten.
„Es ist wegen meines Mannes wissen sie. Er ist, nun ja, Leuten wie ihnen gegenĂŒber manchmal etwas empfindlich, deshalb muss ich kurz mit ihm reden, bevor ich sie in die KĂŒche lasse.“
Manfred SchĂŒtte reagierte in der Tat immer sehr empfindlich auf Geisteskrankheiten jeglicher Art. Was nur verstĂ€ndlich war, nach der dramatischen Erkrankung und dem schrecklichen Tod seines Schwiegervaters, den er sehr gemocht hatte. Zu allem Überfluss hatte dann auch Katharina nach seinem Tod eine schwere Depression entwickelt und fast sechs Monate in einer Psychiatrie verbringen mĂŒssen. Und wenn ich mir vorstelle, ein halbes Jahr lang Tag fĂŒr Tag am Bett eines geliebten Menschen sitzen und in dessen ausdrucksloses Gesicht sehen zu mĂŒssen, finde ich Überreaktionen wie die folgende auch durchaus nachvollziehbar.
„Sag mal bist wahnsinnig?! Hier einen VerrĂŒckten anzuschleppen! Und das ausgerechnet heute!“, schrie Manfred seine Frau an.
„Es ist doch nur fĂŒr ein paar Stunden. Er hat mir versprochen, dass...“
„Er hat dir versprochen! Versprochen! Katharina, dieser Mann ist verrĂŒckt, der weiß doch gar nicht was er redet. Und wer weiß, vielleicht nimmt der uns die KĂŒche auseinander, vielleicht tut der den Kindern was an, oder uns. Nein, kommt nicht in Frage, der kommt uns nicht in die Wohnung!“
„Aber ich kann ihn doch jetzt nicht einfach wieder wegschicken.“
„Dann schick ich ihn eben weg.“
Aber als Katharina daraufhin in TrĂ€nen ausbrach und stammelte, dass dieser Mann ebenso gut ihr Vater hĂ€tte sein können, wurde Manfred SchĂŒtte weich und ließ Ludwig herein. NatĂŒrlich nicht ohne ihm vorher grĂŒndlich eingeschĂ€rft zu haben, dass er bei der geringsten AuffĂ€lligkeit die Polizei rufen wĂŒrde.
Selig wies Katharina Ludwig in ihre KĂŒchenordnung ein.
„Hier oben rechts sind die GewĂŒrze, da unten Töpfe und Pfannen, und... sie werden sicher einen BrĂ€ter brauchen fĂŒr ihre Gans, der steht hier, links unten, ganz hinten drin. Dort finden sie Teller, SchĂŒsseln und GlĂ€ser und in diesen Schubladen hier ist das Besteck. Und wenn sie etwas aus dem KĂŒhlschrank brauchen bedienen sie sich einfach, nur bitte nicht an den KĂ€se gehen, den brauchen wir fĂŒrs Raclette. Ich bin im Wohnzimmer und schmĂŒcke mit den Kindern den Baum, wenn irgendetwas ist, rufen sie einfach nach mir, in Ordnung?“
„Eine feine Frau, wirklich!“, sagte Ludwig zu Jesus, wĂ€hrend er die Gans unter fließendem kalten Wasser wusch.
„Hab ich’s dir nicht gesagt? Du musst mir einfach vertrauen.“
Die FĂŒllung aus Äpfeln und Maronen war schnell gemacht, und nachdem Ludwig die Gans von innen und außen getrocknet, mit Salz, Pfeffer, Knoblauch und Beifuss gewĂŒrzt, gefĂŒllt und mit Zahnstochern verschlossen hatte, legte er sie zusammen mit den geviertelten Kartoffeln in den BrĂ€ter, ĂŒbergoss alles mit einem halben Liter kochendem Wasser und schob es in den heißen Ofen.
„So, jetzt mĂŒssen wir eigentlich nur noch zwei Stunden warten. Und das Rotkraut wĂ€rmen wir spĂ€ter einfach auf, wĂŒrzen ein bisschen nach und lassen es ein halbes StĂŒndchen köcheln.“, erklĂ€rte er Jesus, der nicht viel vom Kochen verstand und rĂŒckte sich einen der KĂŒchenstĂŒhle vor den Ofen, um seiner Gans beim Garwerden zusehen zu können.
In diesem Augenblick beschloss der viereinhalbjĂ€hrige Alexander SchĂŒtte, der im Wohnzimmer seinen Eltern beim ChristbaumschmĂŒcken half, dass es wieder einmal an der Zeit sei auf die Toilette zu gehen. Dorthin ging er oft und gerne, seit er vor einigen Monaten gelernt hatte, wie sein Papa im Stehen zu pinkeln. Aber als Alexander an der geöffneten KĂŒchentĂŒre vorbei ging und in der KĂŒche einen fremden Mann sitzen sah, der in den Herd starrte, bekam er es mit der Angst und rannte zurĂŒck zu seiner Mutter.
„Mama, wer ist der komische Mann da in der KĂŒche?“
„Siehst du, den Kindern macht er auch Angst! Das hast du jetzt davon. Schöne Weihnachtsstimmung, echt!“
„Jetzt sei nicht gleich wieder so..., ach scheiße!“, fuhr Katharina ihren Mann an und wandte sich an Alexander.
„Der Mann da hat kein Zuhause weißt du, und Hunger hat er auch, da hab ich ihm erlaubt, sich bei uns in der KĂŒche etwas zu essen zu machen und sich ein bisschen aufzuwĂ€rmen.“
„Und mit wem redet der Mann?“
„Er redet mit sich selber SchĂ€tzchen.“
„Und warum macht er das?“
„Weil er ein bisschen verrĂŒckt ist.“
VerstÀndnislos sah Alexander seine Mutter an.
„Na komm, ich bring dich auf die Toilette.“
Etwa eineinhalb Stunden spĂ€ter bestrich Ludwig den GĂ€nsebraten mit Bier, damit sich eine schöne goldbraune Kruste bilden konnte und setzte das Rotkraut auf den Herd, wĂ€hrend Katharina SchĂŒtte im Wohnzimmer versuchte ihrem Mann ins Gewissen zu reden.
„Aber wir können ihn doch nicht irgendwo auf der Straße essen lassen.“
„Ist mir scheißegal wo er isst, in dieser Wohnung jedenfalls nicht!“
„In der KĂŒche stört er doch niemanden.“
„Nein nein nein, vergiss es! Wir haben genug fĂŒr ihn getan, und er hat selbst gesagt, dass er geht wenn er mit dem Kochen fertig ist. Er wird schon irgendwo eine UnterfĂŒhrung finden, in der er es sich einigermaßen gemĂŒtlich machen kann.“
Katharina spĂŒrte, dass es hoffnungslos war ihren Mann ĂŒberreden zu wollen, aber wegen der UnterfĂŒhrung kam ihr eine Idee.
„Er könnte im Keller essen!“
„Katharina!!“
„Warum den nicht? Dort ist er doch nun wirklich niemandem im Weg.“
Manfred seufzte.
„Komm schon!“
„Na gut, von mir aus. Bevor du mir den ganzen Abend damit in den Ohren liegst.“
Katharina strahlte ĂŒber das ganze Gesicht, als sie Ludwig, der eine gute halbe Stunde spĂ€ter, eigentlich bloß um sich nach Alufolie und Papptellern zu erkundigen das Wohnzimmer betrat, den KellerschlĂŒssel in die Hand drĂŒckte.
„Dann brauchen sie mit dem ganzen Krempel nicht durch die halbe Stadt zu laufen, um ein geeignetes PlĂ€tzchen zu finden. Außerdem ist es dort warm, da können sie in aller Ruhe ihr Essen genießen. Es riecht ĂŒbrigens köstlich.“
Ludwig war so gerĂŒhrt, dass ihm die TrĂ€nen in die Augen traten, was Katharina aber aufgrund seiner Sonnenbrille nicht sehen konnte.
„Kommen sie, ich bringe sie runter.“
Nachdem Katharina aus dem GerĂŒmpel, das sie im Keller lagerten einen alten Campingtisch und, auf Ludwigs ausdrĂŒcklichen Wunsch, zwei wacklige KlappstĂŒhle herausgesucht hatte, drĂŒckte sie Ludwig eine gute Flasche Rotwein und ein paar Teelichter in die Hand, damit er es sich ein wenig gemĂŒtlich machen könne, wĂŒnschte ihm einen guten Appetit und ein frohes Weihnachtsfest und bat ihn, nach dem Essen doch noch kurz das Geschirr und den KellerschlĂŒssel raufzubringen.
„Verlassen sie sich auf mich gnĂ€dige Frau. Und noch einmal verbindlichsten Dank fĂŒr alles.“
Die Gans schmeckte vorzĂŒglich, dem Rotkraut allerdings war anzumerken, dass es aus dem Glas stammte.
„Diese Rotkraut ist scheußlich. Wir hĂ€tten es besser frisch zubereiten sollen.“, meckerte Jesus.
„Was heißt hier wir? Ich könnte mich nicht entsinnen, dass du in der KĂŒche auch nur einen Handschlag getan hĂ€ttest. Außerdem geht so etwas nicht in so kurzer Zeit.. Aber wenn es dir nicht mundet, dann modifiziere es eben ein bisschen. Sollte jemandem, der sich so hervorragend aufs Gedankenlesen versteht und angeblich Wasser in Wein verwandeln kann ja nicht allzu schwer fallen.“
„Ach, ist ja jetzt auch egal. Ich bin ohnehin nicht mehr besonders hungrig.“
Das war Ludwig dafĂŒr um so mehr, und er verspeiste fast den ganzen Braten allein und ließ auch von den Beilagen nicht viel ĂŒbrig.
„Was mich interessieren wĂŒrde,“ sagte er, als er sich daraufhin satt und zufrieden in seinen Stuhl zurĂŒcklehnte und mit einem Streichholz seine ZahnzwischenrĂ€ume sĂ€uberte, „wĂ€re, was ich in diesem Augenblick denke.“, und dachte schnell „Jesus ist ein Aufschneider, ein Aufschneider, ein Aufschneider.“
„Tut mir leid, aber das kann ich dir nicht sagen. Ich habe es mir nĂ€mlich zum Grundsatz gemacht, nicht in den Gedanken meiner Freunde zu lesen. Denn das wĂ€re ziemlich unfair, findest du nicht?“
Ludwig lÀchelte höhnisch.
„Du glaubst mir nicht?“
„Ach weißt du, im Grunde ist es auch völlig egal ob du nun in anderer Leute Gedanken lesen kannst oder nicht. Was zĂ€hlt ist, dass ich einen wunderbaren Abend verbracht habe, und das verdanke ich dir mein Freund.“, sagte Ludwig und prostete ihm zu.
Nach der guten Flasche Wein und angeregten GesprĂ€chen ĂŒber den Niedergang des Sozialismus, die mediterrane Esskultur und Sandalentragen im Winter, verabschiedete sich Jesus, der verstĂ€ndlicherweise vor Mitternacht zu Hause sein wollte, und Ludwig machte sich daran das Geschirr zusammen zu rĂ€umen und alles nach oben zu tragen. Es war Manfred SchĂŒtte, der ihm die TĂŒr öffnete.
„Ah ja, das Geschirr, stellen sie am besten einfach alles in die SpĂŒle.“
Er folgte Ludwig in Richtung KĂŒche und blieb dann etwas verlegen im TĂŒrrahmen stehen.
„Ähm, hat es denn geschmeckt?“
„Es war vorzĂŒglich, danke der Nachfrage. Soll ich das hier schnell spĂŒlen?“
„Neinnein!“, sagte Manfred schnell, „lassen sie einfach alles stehen. Wozu haben wir denn eine SpĂŒlmaschine.“
„Ah, gnĂ€dige Frau!“, rief Ludwig aus, als Katharina zu ihnen in die KĂŒche trat und bedankte sich noch einmal aufs Herzlichste. Dann verabschiedeten sie sich voneinander, und Ludwig, der von Manfred SchĂŒtte als Entschuldigung fĂŒr seine anfĂ€ngliche Ruppigkeit noch mit einer Zigarre beschenkt worden war, machte sich genĂŒsslich paffend auf den Weg zurĂŒck in die Anstalt.

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yeah(!)

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hoover
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Yacob,

ich hab wenig Erfahrung, wenn es ums kritik schreiben geht, aber ich versuch's mal.

Dein erster Satz lÀd schon mal nicht so zum Lesen ein, finde ich (auch wenn es wahrscheinlich nicht der erste Satz von deiner lÀngeren Geschichte ist), du konzentrierst dich damit in einer Hinsicht auf Leser, die den Film "Smoke" gesehen haben. Das sind vielleicht zwei von zehn Leuten, keine Ahnung. Von diesen zwei Leuten mag keiner den Stil, in dem du schreibst oder deine Geschichte und schon stehen wir bei zwei von Hundert Lesern.
Besonders verwirrend fand ich auch das, was du ĂŒber deine Geschichte geschrieben hast.

"Der folgende Text ist Teil einer grĂ¶ĂŸeren Geschichte, an der ich gerade arbeite, hat aber mit dem eigentlichen Plot nicht wirklich viel zu tun."

Also laberst du im Nebel rum oder was wolltest du damit sagen? Wenn's nicht um die Geschichte geht, um was geht's dann? Und wenn das nichts mit dem Plot zu tun hat, warum steht's dann drin?

"... was Jakob am vierundzwanzigsten Dezember zweitausendundeins erlebte, war wirklich nicht so außergewöhnlich, als das es wert wĂ€re hier wiedergegeben zu werden."

Ist es gut, wenn du sagst, dass es eigentlich nicht interessant ist, was Jacob erlebt hat, aber hier trotzdem ausfĂŒhrlich beschrieben wird?"

So z.B.:

Die Geschichte, die ich ihnen erzÀhle, interessiert eigentlich niemanden, sie vermutlich auch nicht, aber vielleicht wollen sie ja trotzdem mal reinschauen.

Das macht keine Lust aufs Lesen. Beim ersten Absatz wĂŒrde ich mir ĂŒberlegen, ob ich ganz rausstreiche oder auf ein, zwei SĂ€tze kĂŒrze (also der Absatz, der bis zu diesem Satz geht, den ich da oben beschrieben hab).
Der nĂ€chste Satz ist furchtbar lang, meinem Geschmack nach, da laberst du einfach eine Litanei runter. Wenn man da einen Punkt zwischendurch setzen wĂŒrde, könnte der Leser mal ausschnaufen.

Also insgesamt denke ich, solltest du dir den Text noch mal anschauen, ĂŒberarbeiten und stark kĂŒrzen. Das wird der Geschichte guttun.
Vielleicht solltest du ihn in dieses Schreibwerkstatt-Forum stellen, da können dir erfahrenere Leute bestimmt weiterhelfen.

Liebe GrĂŒĂŸe
Patrick

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Yakob
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hallo patrick,
danke fĂŒr deine kritik, hast recht, ist wahrscheinlich an manchen stellen wirklich ein wenig zu lang geworden, mein text.
ĂŒberhaupt nicht nachvollziehen kann ich allerdings deine rechnung mit zwei von zehn und plötzlich hundert und hĂ€?? außerdem verstehe ich das argument nicht, dass bloß leute die den film smoke gesehen haben sich fĂŒr den text interessieren sollten. ich erklĂ€re in der einleitung doch lediglich, wie meine motivation eine weihnachtsgeschichte zu schreiben zustande kam.
die einfĂŒhrenden worte haben bloß den sinn beim leser nicht unötig verwirrung zu stiften, wenn sie plötzlich etwas von einem jakob lesen, der aber dann nur ganz am rande vorkommt. und weil jakob eben wirklich nur am rande vorkommt, hat auch der von dir kritisierte satz, dass ich es nicht erwĂ€hnenswert finde wie jakob sein weihnachtsfest verbrachte doch durchaus seine berechtigung.
grĂŒĂŸe, yakob
__________________
yeah(!)

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hoover
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Hallo Yacob,

die Rechnung war eigentlich keine wirkliche Rechnung. Aber ich dachte, dass ich das Buch zuklappen wĂŒrde, wenn er anfĂ€ngt mit: "Habt ihr diesen und jenen Film gelesen?" Wenn ich sag: "Nö", hat der Autor schon mal ein kleines Problem. Ich wĂŒrde da die Frage, die direkt an den Leser gestellt ist, allgemein halten. Weiß nicht, ich glaub, das wĂ€r besser.

Besonders gestört, hat mich das:

"Habt ihr vielleicht den Film „Smoke“ von Wayne Wang und Paul Auster gesehen? Diesen Film, in dem Harvey Keitel den Besitzer eines Tabakwarenladens in Brooklyn spielt? Nein? Ist ja eigentlich auch egal"

Dieses "ist ja auch egal" gehört meiner Meinung nach nur in einen Text, wenn es auch wirklich einen Sinn ergibt. Aber bei dir könnte man die vorigen SÀtze definitiv streichen, weil: "Sie sind ja egal."

Vielleicht hilft dir das ein bisschen fĂŒr den Anfang.

Liebe GrĂŒĂŸe
Patrick

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ElsaLaska
Guest
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Lieber Yakob,

zufÀlligerweise HABE ich den Film gesehen, aber das war nicht der Grund, warum ich weiterlas. Ich kann es Dir nicht genau sagen warum eigentlich, sie ist ja nicht gerade kurz, Deine Geschichte, aber ich denke, ich fand Deine Personen so liebenswert geschildert, dass ich einfach weiterlesen wollte.Trotz des etwas umstÀndlichen Einstiegs war ich plötzlich einfach drin in der Geschichte. Und das hat ihn in meinen Augen schon gerechtfertigt.
Manchmal ist es ganz einfach.

LG
Elsa
PS: Es heisst natĂŒrlich Jesus von NazaretH mit h am Ende. Und er hĂ€tte ruhig noch einen Tick verschrobener sein können, als Du ihn schon geschildert hast

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Yakob
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liebe elsa,
schön, dass dir die geschichte gefallen zu haben scheint.
ach ja und, scharfes foto...
frohe weihnachten, yakob
__________________
yeah(!)

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