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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Fasse dich kurz
Eingestellt am 26. 09. 2007 19:32


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Raniero
Textablader
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Fasse dich kurz!

Else Borgerding hatte in der Tat ein recht merkwĂŒrdiges Hobby, wenn man dieses denn als solches bezeichnen konnte; sie frönte dem sogenannten AB Marathon, das heißt ihre Leidenschaft war das Zuquatschen von Anrufbeantwortern.
Wo andere Zeitgenossen sich damit begnĂŒgten, dem Teilnehmer am anderen Ende der Leitung eine kurze Nachricht zu hinterlassen, legte Else los, kaum dass beispielsweise die monotone Aufforderung „Sprechen Sie bitte nach dem Signalton!“ verklungen war.
Hierbei verfuhr sie im krassen Widerspruch zu der ungeschriebenen Regel, sich am Telefon kurz zu fassen, denn Else liebte es nun einmal lang.
NatĂŒrlich reichte im Allgemeinen der knappe Zeitraum einer Einzelnachricht eines normalen AB bei weitem nicht aus, fĂŒr das, was Else so zu erzĂ€hlen hatte, und flugs rief sie ein zweites Mal an, um fortzufahren, denn es gab ja noch soviel zu berichten, und ein drittes Mal und so weiter, bis der AB je nach KapazitĂ€t komplett zugekleistert war, mit Elses Neuigkeiten.
In der Regel waren es Freundinnen, denen Else lĂ€ngere Ansprachen hielt, und die meisten dieser Freundinnen lebten nicht allein, sondern verfĂŒgten daheim ĂŒber einen Ehemann oder Ă€hnlichen Lebenspartner, und bei diesen kam jedes Mal helle Freude auf, wenn sie nach harter Tageslast feststellen mussten, dass einige wichtige Nachrichten, auf die sie schon lĂ€nger warteten, nicht auf dem AB zu finden waren, weil dieser mit Monologen von Elses sĂŒĂŸer Stimme angereichert war.


Allerdings nahm sie nicht nur mit den Anrufbeantwortern ihrer zahlreichen Freundinnen vorlieb, sondern unterhielt sich auch freudig mit ihnen, wenn sie zuhause anwesend waren.
Diese GesprĂ€che waren dann keineswegs kĂŒrzer als die zuvor erwĂ€hnten Langnachrichten, doch erkannte so manch ein genervter Ehemann an den relativ einsilbigen Antworten seiner Ehefrau, dass Else wohl den Monolog mehr liebte als den Dialog.


Mit der Zeit aber stellte Else Borgerding fest, dass die KapazitĂ€t der Anrufbeantworter bei einigen ihrer Freundinnen fĂŒr ihr MitteilungsbedĂŒrfnis zu wĂŒnschen ließ, und sie bat die Betroffenen dringend um Abhilfe.
„Ach, ich hĂ€tte ja noch soviel zu erzĂ€hlen, liebe Ursula“ klagte sie, mit unverhohlener EnttĂ€uschung, „aber du hast ja so einen vorsintflutlichen Anrufbeantworter, da passt ja nichts drauf; ich kam noch nicht mal dazu, dir das Wesentliche zu berichten. Also tschĂŒĂŸ, ich ruf spĂ€ter noch mal an.“

Einige Freundinnen nahmen diese Aufforderung wörtlich und schmollten bei ihren MĂ€nnern nach neuen, moderneren AB’s, hĂŒteten sich aber, den wahren Grund fĂŒr ihren Wunsch zu offenbaren.
Nun traf es sich aber, dass fĂŒnf der EhemĂ€nner von Elses Freundinnen auch untereinander Kontakt hatten und auf diese Weise erfuhren, dass sie nicht allein standen, auf dem Erdenrund, mit stĂ€ndig voll gequatschten Anrufbeantwortern, und so entwarfen sie einen genialen Plan.
Die besseren HĂ€lften dieser fĂŒnf bildeten nĂ€mlich seit langer Zeit schon eine feste Frauengemeinschaft, die sich einmal im Monat zum KaffeekrĂ€nzchen traf.
DarĂŒber hinaus zogen die Damen einmal im Jahr hinaus in die Welt, fĂŒr eine gute Woche, um ihren daheim geblieben MĂ€nnern das FĂŒrchten zu lernen, indem sie hierbei mehr Geld ausgaben, als notwendig war.
Diese Gelegenheit ließen sich die MĂ€nner natĂŒrlich nicht entgehen, um ihre Sorgen bei einem gemeinsamen Zusammentreffen auszutauschen und den TrĂ€nen freien Lauf in die BierglĂ€ser zu lassen.
Else Borgerding gehörte nicht zu diesem DamenkrĂ€nzchen, noch nicht, denn all ihre AufnahmeantrĂ€ge waren in der Vergangenheit abgeschmettert worden, doch sie nutzte natĂŒrlich die Jahrestour der Freundinnen ausgiebig dazu, um wie gewohnt, alle fĂŒnf AB’sder Reihe nach zu fĂŒllen.

Diesmal sollte es anders kommen.
Noch am Vorabend des Ausflugs rief Else alle Teilnehmerinnen des KrĂ€nzchens nacheinander an, um ihnen in mehrstĂŒndigen Ansagen alles Gute fĂŒr die Reise zu wĂŒnschen.
Mehr oder weniger abgekĂ€mpft begaben sich die Damen anschließend zur Ruhe, in freudiger Erwartung der kommenden Tage.
Am nĂ€chsten Tag rief Else zunĂ€chst alle anderen Freundinnen an, um diese teilweise persönlich und zum Teil via Anrufbeantworter ausgiebig ĂŒber den letzten Stand der Dinge und hierbei vor allem ĂŒber die Reise des DamenkrĂ€nzchens zu informieren.
Die AB’s der Damen selbst aber, die sparte sie sich als besonderes VergnĂŒgen fĂŒr spĂ€ter auf.


Der Abend war gekommen.
Else hatte es bequem gemacht, es bestand ja auch ein besonderer Anlass dazu.
Ein Glas Wein vor sich, genĂŒgend Knabbermaterial in Reichweite, nahm sie kampfeslustig den Telefonhörer zur Hand.
Wie groß aber war ihre EnttĂ€uschung, die zum namenlosen Entsetzen wuchs,
als sie statt der gewohnten liebevollen Ansage des AB’S ihrer ersten Freundin eine mĂ€nnliche Grabesstimme, die direkt aus dem Schattenreich zu kommen schien, mit folgendem Wortlaut vernahm:

„Guten Tag.
Dies ist der Anrufbeantworter von Ursula und Bernd G.
Wir können Ihren Anruf nicht entgegennehmen, und das hat seinen besonderen Grund. Wir sind nĂ€mlich gerade verstorben, alle beide, vor genau fĂŒnf Minuten. Wir bitten Sie daher, von weiteren Anrufen abzusehen.
Aufwiederhören.“

Else tat einen spitzen Schrei und warf mit Grausen den Hörer von sich.
So kurz hatte sie sich noch nie gefasst, bei einem Telefonat.

Am anderen Ende der Leitung jauchzten fĂŒnf Freunde vor VergnĂŒgen und ließen ihren TrĂ€nen freien Lauf in die BierglĂ€ser.
Dieses Mal waren es FreudentrÀnen.

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maerchenhexe
???
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Hallo Raniero,

Der Einstieg in die Geschichte ist gut, hat mich neugierig gemacht, dann bekommt sie allerdings unnötige LĂ€ngen und der Schluss ist leider nicht wirklich gelungen. Else hĂ€tte, so wie du sie charakterisiert hast, nach einer solchen AB-Ansage garantiert sofort wieder zum Hörer gegriffen, um sĂ€mtliche Abs der ĂŒbrigen Freundinnen mit dieser Sensationsmeldung zu ĂŒberfluten. Sprachlich könnte der Text auch noch ein bisschen Feintuning vertragen.
Lieber Gruß
maerchenhexe
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