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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Hauptsache es raucht
Eingestellt am 28. 06. 2008 17:47


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Nachtigall
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Hauptsache es raucht

Helga lerne ich im Krankenhaus kennen. Die zierliche, etwa fĂŒnfzig jĂ€hrige Frau belegt das Bett neben mir. GestĂŒrzt sei sie, erzĂ€hlt sie mit gesenktem Blick und habe sich dabei eine Rippe gebrochen. Ihr in allen Farben schillerndes Gesicht lĂ€sst mich wohl zu unglĂ€ubig staunen, denn sie wiederholt noch einmal etwas lauter, dass sie gestĂŒrzt sei.

„Er schlĂ€gt Dich oder?“ frage ich zurĂŒck. Helga flĂŒstert „Jetzt nicht mehr, frĂŒher schon. Der Tabak war schuld“. „Der Tabak? Wie kann Tabak aus einen sonst friedlichen Mann einen SchlĂ€ger machen?“ Helga beugt sich etwas zu mir herĂŒber und wispert tonlos: „Na gut, ich erzĂ€hle es Dir, aber Du musst darĂŒber den Mund halten. Er darf nichts davon erfahren.“ Ich verspreche es ihr und sie beginnt damit, dass sie und ihr Mann eine kleine Landwirtschaft betreiben. Sie seien absolute Selbstversorger und sogar der Tabak, den er im Laufe des Jahres in seiner Pfeife rauche sei selbst angebaut. Niemals wĂŒrde er sich Tabak kaufen.

FĂŒr das Ausbringen ist ihr Mann verantwortlich. Ernten wĂŒrden sie zusammen, doch das BĂŒndeln, Trocknen und Schneiden der BlĂ€tter sei ihre Aufgabe.
Anfangs reichte der Tabak immer gut von einer Ernte zur nÀchsten obwohl ihr Mann von Jahr zu Jahr immer öfters seine Pfeife stopfte.
Lange ging das natĂŒrlich nicht gut und er quittierte seinen Entzug immer hĂ€ufiger mit SchlĂ€gen. Er entwickelte eine tyrannische Art, die ihr Angst einjagte und selbst die beiden Buben begann er zu drangsalieren. Sie dachte natĂŒrlich daran ihn zu verlassen. Doch der Hof gab kaum etwas her und so hatte sie eine geniale Idee.
Sie musste doch nur den Tabak vermehren, dann wĂŒrde wieder alles gut werden.

Zur Tabakernte schnitt sie von nun an auch eifrig RĂŒbenblĂ€tter und hĂ€ngte sie heimlich mit unter die TabakbĂŒndel zum Trocknen. Da sie selbst Nichtraucherin war, konnte sie natĂŒrlich schlecht beurteilen wie sich immer mehr RĂŒbenblĂ€tter geschmacklich auswirkten. Angstvoll bemerkte sie, wie ihr Angetrauter immer mehr Pfeifen anzĂŒndete, doch blieb ihr keine Wahl. Mehr und mehr RĂŒbenblĂ€tter mussten untergemischt werden. War erst einmal alles fein geschnitten, konnte so gut wie nichts mehr schief gehen. Da sie immer sorgsam darauf achtete, dass sein TabakkĂ€stchen gut gefĂŒllt war, hatte er natĂŒrlich keinen Grund den Dachboden zu besteigen. So ging das jahrelang gut, ja bis eben der letzte Sturm Ziegel abdeckte und er höchstpersönlich seinen wertvollen Tabak vor dem herabprasselnden Regen in Sicherheit bringen wollte. Das konnte sie natĂŒrlich nicht zulassen.

Flugs hing sie die betroffenen BĂŒndel ab, konnte jedoch aus Zeitnot die Leiter auf der sie balancierte nicht umstellen. Die kippte und sie fiel mit dem Gesicht nach unten auf ein altes abgestelltes Eisenbettgestell. Da sie nicht wieder auftauchte sah er nach ihr und holte den Arzt.
Jetzt ist sie hier. Als die Besuchszeit nĂ€her rĂŒckt, wird Helga immer nervöser und Ă€ngstlicher. Mit TrĂ€nen in den Augen kommt er schließlich und schiebt ihr schĂŒchtern Pralinen zu. Helga lĂ€chelt glĂŒcklich. Sie war buchstĂ€blich mit einem blauen Auge davongekommen. Der Tabakschwindel blieb unentdeckt.

__________________
Die Schönheit erklÀrt man nicht, man empfindet sie (Peter Rosegger).

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Nachtigall
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Hauptsache es raucht

Danke Brigitte. Leider auch eine wahre Geschichte und durch Deine Erfahrung bestÀtigt.
Liebe GrĂŒĂŸe
Alma
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