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Leselupe.de > Ungereimtes
Ich werde dir einmal schreiben
Eingestellt am 03. 08. 2016 21:39


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Patrick Schuler
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2014

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ich muss dir einmal schreiben
dass ich zu besuch kommen werde
am ersten tag des jahres
an dem es regnet. oder schnee fÀllt.
davon dass die vögel sich
nach dem ufer sehnen. oder dem meer.
und von der alten geschichte.
dem loch im boden, das uns verbindet.
in das wir erde werfen.
vielleicht glauben wir dem gedÀchtnis
nicht mehr. hier und da tauchen
aufgenĂ€hte gesichter auf. sie lĂŒgen klar.
aber ich hĂ€tte es wissen mĂŒssen
als aus dem nebel die gestalten kamen.
sie versprachen uns etwas.
sie nickten. dann gingen auch sie vorĂŒber.
Als sollte ich dir etwas sagen.


Version vom 03. 08. 2016 21:39

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ENachtigall
Foren-Redakteur
???

Registriert: Nov 2005

Werke: 206
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Geniale Akzentuierung, dieses eine große A am Anfang der letzten Zeile.

Ein Gedicht, das sitzt wie ein Reisender auf dem Bahnsteig, der sich in Anbetracht der ein- und ausfahrenden ZĂŒge selbst vergisst.

Es macht Lust auf Wiederlesen.

Das ist schon ein schönes KunststĂŒck fĂŒr ein Gedicht ...

GrĂŒĂŸe von Elke
__________________
Wer Spuren sucht, wird Wege finden.

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Ciconia
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Jul 2012

Werke: 181
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Hallo Patrick,

nach den vielen anerkennenden Worten und Wertungen ist es natĂŒrlich schwierig, hier noch Kritik vorzubringen. Ich versuche trotzdem mal, meinen Eindruck darzulegen:

Ich bin keine Lyrikerin, deshalb sehe ich ein Gedicht zunĂ€chst immer unter sprachlichen Gesichtspunkten. Erst dann kommt der Inhalt fĂŒr mich. Darum fielen mir gleich mehrere Wortwiederholungen auf, die in so einem ultrakurzen Text nicht sein mĂŒssten:

quote:
ich werde dir einmal schreiben
dass ich zu besuch kommen werde
Dieses doppelte werde klingt fĂŒr mich unschön. Man könnte das zweite entweder ganz weglassen oder durch „möchte“ ersetzen.
quote:
sie versprachen uns etwas.
sie nickten. dann gingen auch sie vorĂŒber.
Als sollte ich dir etwas sagen.
Auch hier: Zweimal etwas so nah beieinander finde ich nicht gelungen. Allerdings habe ich hier im Moment keinen Vorschlag, wie man dies besser lösen könnte

FĂŒr mich wĂŒrde sowieso eine Umstellung der letzten drei SĂ€tze logischer erscheinen, ob nun mit großem A oder nicht.
quote:
sie nickten. Als sollte ich dir etwas sagen.
dann gingen auch sie vorĂŒber.
Nur meine unmaßgebliche Meinung.

Gruß Ciconia

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HerbertH
???
Registriert: May 2007

Werke: 813
Kommentare: 6125
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Eine Wiederholung kann auch Etwas betonen, hervorheben, zum Nachdenken bringen, was dies Etwas ist, und ob es dasselbe Etwas ist. Ändere das bloß nicht...

Chapeau
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© herberth - all rights reserved

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Vera-Lena
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2002

Werke: 662
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Lieber Patrick,

hier mein Leseeindruck:

Es fÀngt so schön harmlos an. Vom Schreiben, vom Besuchen, vom Wetter von Vögeln,
aber schon bei den Vögeln kippt der Text in etwas Tieferes, denn sie sehnen sich, diese Vögel.
Von Vögeln sagt man ja, dass sie Mitteilungen bekommen, wann sie aus speziellen GrĂŒnden ihren derzeitigen Ort verlassen sollten.

Dann beginnt das, was Du eigentlich mitteilen möchtest.

Da sind diese schlimmen Dinge.

Das Loch im Boden , das man mit Erde fĂŒllt war ein schlimmes Erlebnis fĂŒr beide Personen.

"Vielleicht glauben wir dem GedÀchtnis nicht mehr"
klingt fĂŒr mich nach VerdrĂ€ngen wollen, weil es so schmerzhaft ist.

Aber jetzt kommt die ebenfalls schmerzhafte Gegenwart: die "aufgenĂ€hten Gesichter" kennen wir von Demonstrationen. Hier lĂŒgen sie, was dem Lyri nicht gleichgĂŒltig ist.

"Aus dem Nebel" verstehe ich als LĂŒgenpresse, die man leider nicht einfach so aufklĂ€ren kann.

Als die LĂŒgen gelesen sind, fĂ€llt dem Lyri ein, der GefĂ€hrtin oder dem GefĂ€hrten aus frĂŒheren Zeiten eine Warnung zukommen zu lassen.

Und hier sind wir wieder am Anfang:"Ich muss dir einmal schreiben."

Es wird dir etwas ausmachen, wenn ich hier vollkommen daneben liege, mir tĂ€te das Deinetwegen Leid, aber mir wĂŒrde es nichts ausmachen, denn dazu ist ein Text da, dass er jedem Leser die Möglichkeit schenkt, das darin zu finden, was ihn selbst zur Zeit bewegt. Und ich habe es wunderbar verschlĂŒsselt gefunden, so wie ich selbst im Augenblick nicht schreiben kann.

Mit lieben GrĂŒĂŸen
Vera-Lena


__________________
Der Mensch ist sich selbst das grĂ¶ĂŸte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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ENachtigall
Foren-Redakteur
???

Registriert: Nov 2005

Werke: 206
Kommentare: 3939
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Erlesenes

Jetzt macht mir den Patrick nicht wuschig.

quote:
Eine Wiederholung kann auch Etwas betonen, hervorheben, zum Nachdenken bringen, was dies Etwas ist, und ob es dasselbe Etwas ist. Ändere das bloß nicht...

Da bin ich ganz Herbert. Das doppelte "werde" ist hier jeweils Indikator eines Vorsatzes, einer Absicht, eines Wunsches mit dem Ziel oder der Vorstellung einer AnnÀherung.
Das Schreiben wÀre Pirsch. Der Besuch: von etwas Neuem ein Anfang.

quote:
ich werde dir einmal schreiben
dass ich zu besuch kommen werde
am ersten tag des jahres
an dem es regnet. oder schnee fÀllt.

quote:
davon dass die vögel sich
nach dem Ufer sehnen. oder dem Meer.
von Sehnsucht (nach dem jeweils augenblicklich Abwesenden)
quote:
und von der alten geschichte.
dem loch im boden, das uns verbindet.
in das wir erde werfen.
und Tod
quote:
vielleicht glauben wir dem gedÀchtnis
nicht mehr. hier und da tauchen
aufgenĂ€hte Gesichter auf. sie lĂŒgen klar.
Welch ein Oxymoron!
quote:
aber ich hĂ€tte es wissen mĂŒssen
als aus dem nebel die gestalten kamen.
sie versprachen uns etwas.
sie nickten. dann gingen auch sie vorĂŒber.
Diese Erinnerung bedingt den (von Ciconia in Frage gestellten) Zeitenwechsel ins Vergangene.

quote:
Als sollte ich dir etwas sagen.
Man sagt auch: das sagt mir was, wenn einem etwas vertraut ist.

Das wollte ich noch gesagt haben ...


GrĂŒĂŸe von Elke


__________________
Wer Spuren sucht, wird Wege finden.

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