leselupe.de Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   4334
Themen:   67661
Momentan online:
8 Gäste und 5 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?

 Leselupe Werke   Werke suchen
Foren-Übersicht
Prosa-Foren
Lyrik-Foren
Das Beste
Das Neueste
Werke des Monats
Die LL empfiehlt
Schreibwerkstatt
Diskussionsforen
Anonymus

 Leselupe Service
Anthologien u. Reihen
Ausschreibungen
Fan-Shop
Für Webmaster
Lektorat
Neues von der LL
Rezensionen
Literatur-Webkatalog


Leselupe.de > Kurzgeschichten
Inshallah
Eingestellt am 23. 08. 2008 12:31


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Nicht helfen können - dieses ohnmächtige Gefühl muss nicht mehr sein . Jeder kann die LL unterstützen durch Klicks auf die Werbebanner oder einen Einkauf bei Amazon.

Retep
Häufig gelesener Autor
Registriert: Jun 2008

Werke: 41
Kommentare: 658
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Retep eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hatte den Text in verschiedenen Foren eingestellt, erhielt zahlreiche Kommentare. Habe den Text verändert, soweit es mir passend erschien.




Inshallah


Es war schon gegen Mittag. Lange hatte Hakim nicht einschlafen können, später als sonst war er aufgewacht, hatte das Zimmer angesehen, als wenn er es nie vorher gesehen hätte oder niemals wieder sehen würde.

Hakim stand langsam auf, wusch sich und zog sich so an, als würde er zu einem Fest gehen. Als er in die Küche kam, sah er seine Frau, sie bereitete das Mittagessen vor, sein Sohn spielte in einer Ecke mit einem Feuerwehrauto. Sie brachte ihm Kaffee. Wie schön sie war.
Er verabschiedete sich und umarmte seinen Sohn und seine Frau. „Zum Mittagessen bin ich wieder da“, sagte er, wollte dann noch etwas hinzufügen, ließ es aber dann.
Er stieg die schmale Treppe aus dem zweiten Stock hinunter. Die letzte Stufe müsste einmal ausgebessert werden, dachte er. Als er aus der Haustür kam, blendete ihn Licht, er konnte zunächst nur Schatten erkennen. Die alte Frau aus dem dritten Stock kam ihm entgegen, grüßte ihn, aber er bemerkte sie nicht; sie schüttelte den Kopf und schaute ihm nach.
Er ging in Richtung Wochenmarkt. Hier war er oft zur U-Bahn gegangen, zur Arbeit gefahren. Aber heute war alles anders, er sah alles wie durch einen Nebel, alles unscharf, alles bewegte sich wie in Zeitlupe, als wenn sich die Zeit gedehnt hätte.
Leute schauten ihn an, und Hakim sah in ihren Gesichtern, was sie dachten. Für ihn, der Araber war und auch wie ein Araber aussah, war das Leben hier schwieriger geworden.
Patienten wunderten sich manchmal, einen Arzt zu sehen, der Ausländer, Araber war, sie dachten, dass die alle bei der Müllabfuhr arbeiten würden.
Sie schauten ihn misstrauisch an.
Typisch deutsche Vorstellungen, alle Schwarzen sitzen im Urwald auf Bäumen und trommeln, alle Araber sind Händler, betrügen oder sind Terroristen, dachte er.

Er konnte nicht verstehen, wie eine Kultur, die in der Vergangenheit die Mathematik und andere Wissenschaften weiter entwickelte, eine Schrift erfand, die die Welt über Jahrhunderte beeinflusste und formte, in Bedeutungslosigkeit zu versinken drohte.

Anfänglich wollte Hakim sich in eine neue Kultur integrieren. Er hatte die Sprache gelernt und versucht, sich anzupassen. Dann aber war er durch die herrschende Überheblichkeit und soziale Kälte abgeschreckt worden, nachdem er den Schein der sogenannten multikulturellen Gesellschaft erkannt hatte.
In abendländischen Medien wurden Migranten als hilfsbedürftige, defizitäre und pathologische Individuen beschrieben, die von ihrer Doppellast von zwei Kulturen befreit werden müssten.

Erst als er sich immer öfter mit Landsleuten getroffen hatte, fing er an, über seine Lage nachzudenken, hatte gemerkt, dass er nicht allein war. Er war sich allmählich bewusst geworden, dass man etwas tun musste, wenn sich etwas verändern sollte.

Auf dem Markt grüßte ihn ein Arbeitskollege, scheißfreundlich, falsch, ein richtiger Arschkriecher. Schöne Ferien hatte man ihm gestern gewünscht.
Das Gedränge wurde immer größer, überall Menschen, die verkauften und kauften, Blumen, Obst und Gemüse, Gewürze, Töpfe aus Ton.
Er dachte an seine Eltern und Geschwister. Sie lebten nicht mehr; irrtümlich war ihr Haus von einer Bombe getroffen worden, wie man ihm gesagt hatte.
Sein Vater war Bauer gewesen, er und seine Mutter hatten sich abgerackert, auf dem Land hatten sie bescheiden gelebt. Was in den Städten passierte, davon hatten sie kaum etwas mitbekommen.
Ein paar Schafe und Ziegen hatten sie gehabt, Olivenbäume und einen kleinen Hund.
Aber plötzlich waren Flugzeuge über sie geflogen, zum ersten Mal hatte er Panzer vorbeifahren gesehen, Männer in Uniform aus anderen Ländern waren gekommen und geblieben, zuerst Russen, dann Amerikaner, auch andere Nationen und auch Deutsche.

Hakim drängte sich durch die Menschenmassen. Er war jetzt etwa in der Mitte des Marktes. Zwei Polizisten kamen ihm entgegen, sahen ihn kurz an, gingen weiter.
Ihm wurde immer heißer, er griff unter seinen Mantel und fasste die Schnur an. Ihm wurde erst jetzt richtig bewusst, was er da machen wollte; seine Sicherheit verlor sich ein wenig, er versuchte sich zu beruhigen.
Für seine Familie würde gesorgt werden, sie würde Deutschland verlassen. Er war jetzt und hier im Einsatz, im Dschihad, im Einsatz für die Sache Gottes.
Ihm waren in der letzten Nacht nicht die beiden Grabesengel erschienen, hatten ihn nicht über seinen Glauben befragt; er würde direkt ins Paradies eingehen.
Er tauschte dieses diesseitige Leben für ein jenseitiges ein, damit die nach ihm kamen, sich nicht mehr fürchten , nicht mehr trauern müssten.

Alles begann sich um ihn herum zu drehen, zu kreisen. Er hörte Geräusche, Verkehrslärm, Stimmen, als hätte er Wasser in den Ohren.
Er schaute sich noch einmal um und zog an der Schnur, alles würde zu Ende sein.
Und dann sah er seine Frau und seinen Sohn, sie liefen ihm winkend entgegen. Jetzt waren sie schon fast bei ihm.

„Allah baha“, flüsterte er.








Version vom 23. 08. 2008 12:31
Version vom 23. 08. 2008 14:13
Version vom 23. 04. 2009 19:22

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Kasper Grimm
Guest
Registriert: Not Yet

Ein betroffen machender Text, der besonders durch den überraschenden Schluß eine über sich hinausweisende Botschaft bekommt, wird damit doch deutlich, daß jedes wie auch immer geartete Attentat eine Ungeheuerlichkeit ist - manchem erst bewußt, wenn eigene Angehörige davon betroffen sind. Das geht auch in die umgekehrte Richtung: was wissen satte Europäer und Amerikaner, die die Politiker gewählt haben, die anderswo Soldaten in Einsätze schicken, wie den dortigen Einwohnern zumute ist, wenn dort bombardiert wird?
Eigentlich müßte jeder viel mehr versuchen, sich in den anderen hineinzuversetzen und sich auch für die Gegenseite zu sensibilisieren. Das Gut-Böse-Schema ist vielleicht das größte unheilbringende Übel - auf jeder Seite!
Bedrückend, daß auch und besonders sogar Intellektuelle wie Ärzte oder sonstige Studierte sich für welche Steinzeitideologie auch immer einspannen lassen.

Bearbeiten/Löschen    


Thys
Guest
Registriert: Not Yet

Guter Text,

ein kleines Fehlerchen ist mir aufgefallen.

Zwei Polizisten liefen an ihm vorbei,

Bearbeiten/Löschen    


Alo Isius
Festzeitungsschreiber
Registriert: Jan 2008

Werke: 41
Kommentare: 85
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Alo Isius eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Lieber Retep,
zu meinem Glück kann ich mich 'nur' meinen Vorrednern anschließen - hab die 'Bewertung' ein wenig korrigiert: "ausgezeichneter Text".
Schon eine gute Tat heute - find ich - also, ein schöner Tag heute. Werde aber trotzdem, vorsichtshalber, nicht auf den Markt gehen: Denn manchmal bin auch ich ziemlich geladen und irgendwo - an mir, in mir - hängt auch so eine verdammte Reißleine herum, die mich im Handumdrehen zum 'bösen' Terroristen machen könnte, angesichts all der Vorurteile, die einem dort alltäglich begegnen...
Da bleib ich lieber bei meinem Leisten und einfach oida Grantler, der sich auch grobe und gröbste Worte selbst vom Allerhöchsten nicht verbieten ließ... ein gefallener, aber nicht Hinz und Kunz gefälliger, Maulheld wie mein Ururgroßvater.

Und manchmal - lujasogi - sing ich sogar böse Texte zu hübschen alten Malodien.

Z.B
♫ ... da streiten sich die Leut herum ...


Da streiten sich die Priester rum
Und machen’s Volk schön dumm.
Das schreit dann Zeder und Mordio
Zündet andern s Gotteshäuserl oh.

Aloisius flucht dann „Kruzifix,
Versteht Ihr noch immer nix?“
Dann haut er sich in sei Kissen nei
Und träumt: Morgen wär’s vorbei.

Am andern Tag dasselbe Spiel,
Weil’s die Priesterschaft so will.
Fort raufen Moslem, Jud und Christ,
Weil’s halt so üblich ist:

Zu glauben seiner Obrigkeit
Sei fromm zu jeder Zeit
Zu glauben seiner Obrigkeit
Sei fromm zu jeder Zeit.




__________________
Alo Isius ist ein Urenkel, des Engels Aloisius, der 1911 vom Allerhöchhsten zum Zusteller göttlichster Ratschläge befördert wurde.

Bearbeiten/Löschen    


Walther
???
Registriert: Sep 2004

Werke: 947
Kommentare: 6715
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Walther eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hi retep,

ganz klar der bisher stärkste Text, den ich von Dir gelesen habe. So bist Du auf einem guten Weg angelangt. Viel Erfolg dabei.

Einzig bei den Gedanken über sich und die Welt erscheint die Formulierung und die Denkungsart sehr akademisch und ein wenig in den Mund gelegt, hier könnten die Gefühle noch etwas schärfer herausgearbeitet werden. Ebenso die Entwicklung zur radikalen Lösung der immerwährenden Zurücksetzung.

Aber insgesamt sehr gelungen. Ich freue mich auf weitere Geschichten von Dir!

Gruß W.
__________________
Walther
"Gelegenheit.Macht.Dichtung"

Bearbeiten/Löschen    


Mumpf Lunse
Routinierter Autor
Registriert: May 2004

Werke: 11
Kommentare: 397
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Mumpf Lunse eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

hallo retep,

quote:
Er hatte nie verstanden, wie eine Kultur, in der die Schrift, die Mathematik entstanden war, ...

es fängt schon mit falschen behauptungen an. wie kommst du darauf? mohamed wurde 570 n.ch. geboren. gab es vorher keine schrift, keine mathematik?

der ganze text besteht aus klischees und hanhnebüchenen phantasien. wunschdenken, würde ich sagen.

mir ist auch nicht klar geworden ob sich der protagonist nun wegen der beruflichen zurücksetzung, des ausländerfeindlichen klimas, einer späten besinnung auf seine bäuerliche herkunft oder religiöser berufung entschliest, ein paar marktbesucher in die luft zu sprengen.

was mich besonders stört ist die verschiebung von schuld.
ein täter ist für seine taten verantwortlich. da hilft ihm keine berufung auf "die anderen".

ich frag mich auch, was einen autor dazu treibt die handlungen eines mörders zu rechtfertigen.

der text spiegelt keinerlei realität. er ist nur ausdruck einer reichlich verschrobenen denkweise des autors.
eines autors, der sich nicht mal die mühe gemacht hat sich mit dem thema auseinander zu setzen.
einfach mal die eigene befindlichkeit transportieren mag ja legitim sein.
mördern eine moralische grundlage für ihre handlungen zu basteln überschreitet aus meiner sicht aber eine grenze.

was sagen wohl israelische eltern dazu, deren kinder von einem religiösen psychopathen mit ihrem schulbus zerfetz wurden?
oder englische oder deutsche oder irakische oder afghanische, pakistanische usw. ?

dein protagonist hat frau und kind und einen guten job. trotzdem ist er so unglücklich mit seinem dasein, dass er aus frust ein paar marktweiber und einige passanten killen will?

du schreibst: Er hatte nie verstanden, wie eine Kultur, in der die Schrift, die Mathematik entstanden war, die die Welt über Jahrhunderte beeinflusst und geformt hatte, in Bedeutungslosigkeit versunken war.

da deckt sich deine geschichte mit dem, was ich weiter unten zitiere.

aber dann: Anfänglich hatte er sich in eine neue Kultur integrieren wollen, hatte die Sprache gelernt, versucht, sich anzupassen, war dann aber durch die herrschende Überheblichkeit und soziale Kälte abgeschreckt worden, hatte den Schein der sogenannten multikulturellen Gesellschaft erkannt.
In abendländischen Medien wurden Migranten als hilfsbedürftige, defizitäre und pathologische Individuen beschrieben, die von ihrer Doppellast von zwei Kulturen befreit werden müssten.

welche abendlänischen medien konsumierst du?

spannend ist der text auch nicht. ich ahnte es bereits bei der überschrift und wusste nach dem zweiten absatz was kommt.
ich hoffte allerdings, etwas anderes als billige klischees zu lesen.

ein kleines zitat zum thema: Hier klicken
quote:
Das Selbstmordattentat ist nie spontan, es ist immer das Glied einer langen Kette. Wer diese Attentate bekämpfen will, muss nicht den Attentäter suchen, sondern seine (oder ihre) Hintermänner, die ihn indoktriniert haben, die eine Atmosphäre geschaffen haben, in der es als selbstverständlich gilt, sich zu opfern. ... Obwohl Ideologie eine wichtige Rolle spielt, (gibt) es auch eine psychische Prädisposition, und die Struktur der Persönlichkeit des Todeskandidaten (ist) mindestens ebenso wichtig. Gerade diesen Aspekte hat man in der Vergangenheit kaum untersucht. ... Abwegig ist die These, dass es bei den meisten Tätern einen Hang zum Selbstmord gebe. Dagegen ist bei fast allen eine gewisse Schwäche der Persönlichkeit festzustellen. Es handelt sich also um junge Menschen, die leicht bereit sind, charismatischen Führern und Heilsbotschaften zu folgen, deren kritischer Sinn unterentwickelt ist, die besonders begeisterungsfähig sind, und mehr als durchschnittlich naiv, die nicht fragen wollen, sondern glauben.

auch in diesem sinn ist der protagonist "an den haaren herbeigezogen". wunschdenken des autors.

und noch ein zitat (Prof. Dr. Dawud Gholamasad) Hier klicken
quote:
Das eher Phantasie gesättigte Wir-Bild und Wir-Ideal der islamisch geprägten Selbstmordattentäter ist daher ein schlagendes Beispiel für einen Effekt, der sich in höherem oder geringerem Maß regelmäßig bei Mitgliedern ehemals mächtiger Völker einstellt, die ihren Vorrang im Verhältnis zu anderen Völkern eingebüßt haben. Ihre Mitglieder haben jahrhundertelang unter dieser Situation gelitten, weil das gruppencharismatische Wir-Ideal, das ausgerichtet ist an einem idealisierten Bild ihrer selbst in der Zeit ihrer Größe, noch weiterlebt – als ein verpflichtendes Modell, dem sie nicht mehr gerecht zu werden vermögen. Der Glanz ihres kollektiven Lebens als islamisch geprägte Völker ist dahin, ihre Machtüberlegenheit, die für ihr Gefühl ein Zeichen ihrer menschlichen Höherwertigkeit im Vergleich zu dem geringeren Wert anderer Gruppen gewesen war, unwiederbringlich verloren. Und doch wurde ihr Traum von einem besonderen Charisma auf vielfache Weise lebendig erhalten.

die höherwertigkeit der eigenen gruppe (rasse/kultur) ... klingelt es da?

das unrefelktierte, betroffenen abnicken der bisherigen kommentatoren empfinde ich als ebenso ärgerlich wie den text selbst.

mumpf
__________________
© by Mumpf Lunse
Schreiben ist etwas überraschendes

Bearbeiten/Löschen    


14 ausgeblendete Kommentare sind nur für Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zurück zu:  Kurzgeschichten Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.