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König Dickfisch
Unterhalb eines hohen Berges lag ein kleiner ruhiger See. Viele Fische schwammen in ihm, denn er bestand aus köstlichem, sauberen Wasser. In den See floss ein Bächlein, das aus den Bergen kam und auf der anderen Seite floss es wieder hinaus, vielleicht zum großen Fluss, aber bis dorthin war noch kein Fisch gelangt. Der See war so klar, dass man die Kieselsteine auf dem Grund zählen konnte, wenn man hineinsah. Am Ufer befanden sich die Hütten eines Fischerdorfes.
Eines Tages trug sich im kleinen See Merkwürdiges zu.
Einer der Fische hatte eine seltsame Beobachtung gemacht.
Er hatte ein unheimliches, großes Tier gesehen. Viel gewaltiger, als alles, was er kannte.
Ein wahres Ungeheuer!
Schon bald machte die Geschichte die Runde. Die Älteren erzählten es mahnend den Jungen, Gerüchte schwammen von einem Schwarm zum nächsten, es war ein einziges Flüstern und Tuscheln im See.
Ein unbekannter, mächtiger Fisch war aufgetaucht.
Keiner wusste woher er kam.
Ängstlich duckten sie sich alle, wenn sie plötzlich seinen Schatten sahen oder auch nur seine breiten Flossen ahnten.
Den Fischkindern wurde verboten allein zu schwimmen, jeder machte sich Sorgen. Was würde nun in ihrem schönen See passieren?
Er sei aus dem fernen Meer durch den Bach gekommen hieß es von Manchen, und klüger noch und stärker als selbst die Fischer. Er sei uralt, erzählten Andere, aus dem Schlamm geboren, und er wisse alles, er wäre der Vater aller Seetiere.
Doch da sonst nichts weiter geschah, vergaßen die Fische auch bald wieder ihre Vorsicht.
Nur manchmal sahen sie ihn vorbei gleiten, majestätisch und grau, wie ein Fels.
An einem sonnigen Morgen freuten sich die Fischer aus dem Dorf schon über einen prächtigen Fang. Schwer war das Netz und sie zogen und zerrten daran, mit all ihrer Kraft.
Sie konnten schon die vielen Fischlein sehen, die hilflos im Netz zappelten.
Plötzlich aber rissen große, scharfe Zähne einfach das Netz entzwei und all die Tiere konnten entfliehen.
Der mächtige Fisch hatte sie gerettet!
Sie konnten ihm nicht genug danken dafür.
„Wenn ihr mich als euren König erwählt, so müsst ihr nie mehr Angst vor den Fischern haben“, sprach er zu ihnen.
„Ich bin klüger und stärker als sie.“
Und voller Freude darüber setzten sie ihm eine Krone auf. König Dickfisch, der Erste, so sollten sie ihn seit jenem Tage nennen.
Sie mussten ihm nur geloben, immer auf ihn zu hören und ihm die besten Leckerbissen zu überlassen. Das taten sie gerne, da er ja versprach ihnen zu helfen.
Es konnte nicht schlecht sein, jemanden zu haben, der sich um alles kümmerte und über sie wachte, so sagten sie sich. Auch mit dem Denken mussten sie sich nicht mehr abmühen, denn das würde ihr Herrscher schon besorgen.
So vergingen die Tage.
Die Fischer hatten es aufgegeben weiterhin ihre Netze auszuwerfen, da dieser große Fisch sie immer wieder zerriss.
Einmal rief König Dickfisch alle Fische des Sees zu sich.
„Von nun an sollen alle Fische grau sein wie ich selbst!“, befahl er.
Er hasste es, dass die Fische es wagten, in vielen bunten Farben zu schillern, seine Farbe sollte die einzige im See sein.
„Aber wie sollen wir das machen,“ klagte ein feuerrot glänzender Fisch, „wo wir doch bunt geboren sind.“
„Gebt euch Mühe“, sagte der König und verschlang ihn einfach.
Da wälzten sich die anderen voller Angst im Schlamm und rieben sich an den Algen, sodass sie dieselbe Farbe bekamen wie König Dickfisch.
Am nächsten Tag rief er sie wieder zu sich.
„Ich will nicht, dass ihr im See durcheinander schwimmt“, sagte er, denn er liebte die Ordnung über alles.
„Ab heute schwimmt ihr immer nur mir nach!“
„Aber wie sollen wir das machen“, klagte ein sehr kleiner Fisch, „du bist viel kräftiger und schneller als wir.“
„Gebt euch Mühe“, sagte der König und fraß ihn einfach auf.
So schwammen die anderen Fische immer hinter König Dickfisch her, so schnell sie nur konnten. Sie hatten keine Zeit mehr sich auszuruhen oder zu vergnügen.
Eines Nachts schwammen einige Fischlein durch den kleinen Bach davon. Sie wollten nicht warten, was König Dickfisch als nächstes einfiel.
„Kommt doch mit!“, riefen sie den Übrigen zu.
Die anderen Fische waren zwar sehr traurig darüber, ihre Freunde zu verlieren, aber sie waren nicht mutig genug, um etwas zu unternehmen. Schließlich war es ihr See und wer wusste schon, wie es woanders zu ginge. Und König Dickfisch passte ja auf sie auf und beschützte sie vor den Fischern.
Vielleicht waren die, welche von ihm gefressen wurden, ja auch selbst Schuld an ihrem Schicksal.
Bald rief der König wieder alle Fische zu sich.
„Ihr seid zu viele, ihr fresst mir das Futter weg“, murrte er, denn er war sehr gefräßig.
„Ihr sollt nur noch fressen, wenn ich es euch erlaube!“
„Aber was sollen wir denn machen“, klagte ein magerer Fisch, „uns bleibt ja jetzt schon kaum mehr etwas übrig.“
„Gebt euch Mühe“, sagte da der König und schluckte ihn auf einen Haps.
So blieben die Fische lieber hungrig und warteten darauf, dass König Dickfisch es ihnen erlaubte, sich über die kümmerlichen Reste seiner vielen Mahlzeiten herzumachen.
Oft ließ er in seiner Gier gar nichts für sie übrig.
Inzwischen murrten die Familien der Fischer, weil diese nichts mehr zu essen nach Hause brachten.
So knüpften die Fischer ein Netz, aus armdicken Seilen, sodass die stärksten Zähne es nicht durchbeißen konnten. Das warfen sie in den See hinaus.
König Dickfisch passte gut auf, dass niemand fraß, niemand schillerte und alle immer hinter ihm schwammen. So achtete er nicht auf das Fischernetz und verfing sich darin.
Auch all die anderen Fischlein schwammen hinter ihm her.
Weil sie aber schon lange nichts mehr gefressen hatten, und ganz dünn waren, konnten sie alle leicht wieder durch die Maschen entschlüpfen.
„Bleibt gefälligst hier!“, befahl König Dickfisch, der Erste, aber die Fischlein hörten dieses eine Mal nicht auf ihn.
Nur zwei besonders Ängstliche blieben.
Vergeblich versuchte der gefangene König, das Netz zu zerbeißen. So sehr er sich auch mühte, die Seile hielten seinem Gebiss stand.
Als die Fischer das Netz einholten, jubelten sie vor Freude.
Ein riesiger, fetter Fisch zappelte darin, der sie alle satt machen konnte.
Die beiden kleinen Fischlein an seiner Seite warfen sie wieder in den See zurück, denn die waren viel zu mager.
Zuhause im Dorf feierten die Fischer mit ihren Familien ein Fest und ließen sich den dicken Happen gut schmecken. Sogar für die Katzen fiel noch etwas ab.
Auch die Fische im See feierten.
Anfangs waren sie noch ängstlich, ob König Dickfisch, der Erste, nicht doch wieder zurückkommen würde. Auch mussten sie sich erst wieder daran gewöhnen, allein zu schwimmen, zu fressen und selbst auf die Netze der Fischer zu achten.
Doch bald rieben sie sich den Schlamm und die Algen fort, bis ihre Schuppen wieder in allen Farben glänzten und schillerten. Dann fraßen sie, soviel sie nur konnten und schossen wild im See umher. Manche sprangen sogar übermütig mit den Wellen um die Wette.
Sie hofften, dass ihre Freunde, die durch das Bächlein weggeschwommen waren, auch einen so schönen See gefunden hatten. Und vielleicht gäbe es irgendwann ein feuchtes Wiedersehen.
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Heute ist nicht manchmal
Version vom 17. 04. 2009 21:58
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