Naiv - das Gute so spontan zu denken
von Menschen, die ich überhaupt nicht kenne
Ich merk' zu spät, wie ich ins Messer renne
und schaue staunend auf sein leichtes Senken
- ui, tief hinein - seh helles Blut verrinnen
grell blitzt der Stich mir brennend ins Bewusste
steh außen blass und stumm vor dem Verluste
von Sicherheit auf einen Schlag - doch innen
da fall ich, schrei - und eisig dunkle Schlunde
verschlingen mich, dahin - was Ich mal war
zerspringt, versinkt im sandig grauen Grunde
ein heulend schriller Ton wischt weg, was klar
gezeichnet schien, mir tropft - bin nur noch Wunde -
vom Lippenmunde Salz - ich weine? - offenbar.
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...Seele, bist du nun erwacht?...Und sie zittert, und sie lacht allen Himmelssternen zu... (Hesse)
Klasse geschrieben! Gerade die im zweite Quartett nicht komplett
durchgeschlegelten Anbetonungen geben Deinem Sonett den besonderen
Pfiff. Dramaturgisch wie stilistisch hast Du ganze Arbeit geleistet.
Die Schlusszeile ist die absolute Krönung.
quote:ein heulend schriller Ton wischt weg, was klar
gezeichnet schien, mir tropft - bin nur noch Wunde -
vom Lippenmunde Salz - ich weine? - offenbar
.
Kompliment!
Im ersten Terzett Z.2 hat sich nach "war" ein Komma verkrümelt.
Auf der Gefühlsebene hast Du mich voll erwischt und das Lesen war ein Genuss.
ich weiß gar nicht, wie ich es sagen soll - aber wirklich so gelungen, Dein Sonett !!!
Vor allem diese fließende Kausal-Kette, die emotional derartig gut stimmt, und sprachlich den Inhalt total mitnimmt.
Also - werde richtig gut ins Geschehen, Schritt für Schritt, guckend reingezogen.
Auch diese Leseweise(ich mache es so) zu S2Z1 Anfang :
„ – ui, tief hinein......“ als Spondeus / wie es auch Claudia erwähnte – einfach toll dieser Rhythmus-Wechsel :-)))
Zu 2 Stellen kam mir eine andere Leseweise.
Möchte sie Dir mal vorstellen :
Zu S1Z4 :
und schaue staunend auf sein leichtes Senken
und schaue staunend auf ein Klinge Senken / oder.....
Dieses „sein leichtes“ gefällt mir inhaltlich und tonal nicht so.
Wieso „leichtes“ ??/ ist doch eigentlich hier egal, oder ? :-)) / und dieses „sein“/Bezug zum Messer - gefällt mir hier akustisch nicht so :-))
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Zu S4Z3 :
vom Lippenmunde Salz - ich weine(?) - offenbar.
Meine Frage :
Braucht es hier wirklich dieses Fragezeichen ? / eben, wegen des folgenden „offenbar“
Und noch dieses Kleine - ist es Absicht, dass mit den Vers-Enden so manche Satzzeichen nicht gesetzt sind ? / zumindest, wie ich sie sähe :-))))
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Rhea - ungeachtet meiner Krittelei,
also wirklich, ein tolles, so fein erzählendes Sonett – zu diesem höchst sensiblen Erkenntnis/Moment-Thema – echt Spitze :-))))
Und für mich ist das letzte Terzett einfach...........
quote:ein heulend schriller Ton wischt weg, was klar
gezeichnet schien, mir tropft - bin nur noch Wunde -
vom Lippenmunde Salz - ich weine? - offenbar.
und wieder ein Tschüss, Jacko
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Rhea_Gift Häufig gelesener Autor
Registriert: Apr 2003
Macht aber auch Sinn, wie du es liest, Jacko - interessant... aber war so nicht gedacht Da fehlt also auch kein Komma...
Daher vielleicht auch das Mißverständnis - hier ist ein Hineinsenken (Senken - ui, tief hinein - ) gemeint... und bevor die Frage kommt - nein, nicht sinken, das ist etwas anderes, zu passiv - der Täter soll durchs Senken noch klar sein, doch wie leicht die Tat vollbracht - eben eher ein Senken als Stechen (da klingt für mich immer Widerstand mit, der durchstochen werden muss, hineinsenken ist eher widerstandslos), butterweich... so halt gedacht... ähja.
LG, Rhea
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das hebt das "ich weine? - offenbar" hervor(inneres Zwiegespräch, das nach außen dringt, sichtbar wird - die Frage könnte in Klammern stehen - die Antwort ist für alle sichtbar)... Es wird über die Zeilen hinaus nach außen sichtbar - offenbar, und klingt auch nach - naja, weißt, was ich meine... auffälliger Bruch halt, Aufbruch...
LG, Rhea
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