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Leselupe.de > Fremdsprachiges und MundART
Ordnung muss sein
Eingestellt am 11. 01. 2017 16:43


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Wolfgang Bessel
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2007

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Ordnung muss sein!

Dat Jahresende iss für mich immer son Anlass, über die vergangenen zwölf Monate son bissken intensiver nachzudenken.
Ich zieh dann bei so langen arschkalten Nachtansitzen aufem Hochsitz Bilanz. Alle wichtigen Lebensbereiche werden gedanklich durchgeackert.
Ich stell mir dat Leben wie son Schrank mit verschiedenen Schubfächern vor. Ich reiß eine Schublade nach der anderen auf und prüfe jedet Fach kritisch auf seinen Inhalt. Mir wird bei dieser geistigen Schufterei selbst in eisigen Winternächten mollig warm. Probieren Se dat ma aus, dat klappt wirklich!
Mit die Schubladen „Familie“ und „Klempnerbude“ war soweit allet im Lot. Mein tollet Jagderlebnis in Polen und die Liebesattacken vonne Else hatte ich in besonders hübsche Fächer gestoppt. Else hatte en lila Fach, die Elchjagd en jagdgrünet.
Dann zog ich ne dunkelgraue Schublade auf, da lagen mein „Revier und die Jagdfreunde“ drin. Ich stellte traurig fest, dat in meiner Jagd nich allet so lief wie ich mir dat gewünscht hätte. Schon länger stanken mir so einige Sachen, aber so glasklar hatte ich dat noch nie herausklamüsert: Jeden einzelnen meiner sogenannten „Jagdfreunde“ nahm ich genau unter die Lupe. Morgens um Fünf war ich damit fertig, und mein Konzept für dat neue Jahr stand fest. Wild ließ sich in dieser Nacht nich blicken.

Berta spürte, dat ich nach meinem „Schubladen-Ansitz“ schwer sauer war.
„Willi, wat iss, hasse dat Hemd nich gerade vorm Hintern sitzen? Du läufs mit ner langen Flappe rum. Du hass doch wat auffem Herzen, sach Deinem Frauchen, wat et iss, dann geht et Dir gleich besser.“
„Berta, Du hass Recht, ich bin stinkig, mich wurmt so allerhand inne Jagd. Der verdammte Wildschaden brauchte dieset Jahr bei weitem nich so hoch ausfallen, wenn meine Jagdfreunde mit mir an einem Strick gezogen und fleißig anne Schadenfelder angesessen hätten. Dann krisse auch noch hintenrum gewahr, dat et denen völlig egal war, wat ich dafür berappen musste, dat wär ja schließlich nich ihre Jagd.
Dann hasse Jungjäger gefördert, die anfangs ma treu warn und für die Jagd durch dat Feuer gingen. Als se dann von allen Seiten Jagdgelegenheiten hinten rein geschoben kriegten, wurden se aufmüpfig, hatten keine Passion mehr und soffen lieber mit ihren Kumpels und Weibern rum. Dat beleidigt und kränkt mich. Die Jungens sind auffen gefährlichen Holzweg wenn se glauben, dat ich dat dulden tu!“
„Willi, hasse schon ma wat von Konfuzius gehört?“ Ich schaute Berta fragend an. Wer sollte dat schon sein?
„Willi, den kennze nich? Dat hab ich mir gedacht. Dat war son schlauen chinesischen Philosoph. Weisse, wat der gesacht hat? Hömma gut zu:
"Fordere viel von dir selbst‚und erwarte von anderen wenig, so bleibt dir mancher Ärger erspart’.“
„Berta, Dein Konfuzius kann mich ma, ich reiß mir inne Jagd schon genug die Beine aus. Et geht um die Mitjäger. Wat hab ich mit Engelszungen geredet, um die Kerle zu motivieren, hab gedroht und Zugeständnisse gemacht, et hat allet nix genützt!“
„Pass ma auf, Willi, unser Pastor inne Frauenhilfe, der macht dat bei Unstimmigkeiten so: Der lädt alle Weiber zu Kaffee und Kuchen in dat Gemeindehaus ein, und dann werden die Dinge, die schief laufen, beim Namen genannt. Organisier doch ma Ende Dezember son kleinet Jahresausklangfest für Deine Jäger. Dabei kannze Dein Herz ma so richtig ausschütten und mit die Kerle Tacheles reden.“
„Wat, die faule Bande auch noch belohnen? Ich bin doch nich bekloppt!“
Berta sachte nix mehr und verzog sich.
Ich holte mir ne Flasche Bier aussem KĂĽhlschrank und setzte mich vor die Glotze. Dat Programm war ma wieder so beschissen, dat ich et gar nich verfolgen tat. Ich hatte nur noch Bertas Vorschlag im Kopp. So unvernĂĽnftig war der gar nich. Et war anne Zeit, den Kameraden endlich ma ihre Schandtaten auf dat Butterbrot zu schmiern.
Ich marschierte inne KĂĽche und scharwenzelte um mein Eheweib herum.
„Bertaken, mein Rehlein, wat Du eben gesacht hass, war gar nich ma so dumm. Ich glaub, ich hör diesma ausnahmsweise auf Dich. Komm, kriss Küssken.“ Berta grinste und ließ sich widerstandslos abküssen.
Der Jagdaufseher fand meinen Plan für ein besseret Miteinander taktisch klug. Ich hab ihm natürlich nich erzählt, dat et eigentlich Bertas Idee war. Vielleicht hat er sich dat gedacht. Soll er ruhig, denn Mitdenken iss in meiner Jagd ausgesprochen selten und ausdrücklich erwünscht.
Am nächsten Tag hing ich mich an dat Telefon und hab den engsten Kreis von meine Jäger zu ner kleinen Hasenjagd am 30. Dezember eingeladen. Anschließend sollte zünftiget Zusammenhocken am Lagerfeuer bei die Jagdhütte stattfinden. Dat Else und Berta bereiteten die Atzung für dat Schüsseltreiben vor und wollten bei die Aussprache unbedingt mit dabei sein.
Nach Meinung von Else hätte ich en viel zu weichet Herz, allerdings nur für die Mitjäger. Berta tutete in dat gleiche Horn und setzte noch einen drauf. Sie bezeichnete diese Charaktereigenschaft sogar als „Führungsschwäche“. Meine Großzügigkeit hätten die Kerle dat ganze Jahr brutal ausgenutzt.

Keiner der vier Mitjäger sachte ab, weil se genau wussten, dat et bei Püttmanns immer gut wat auffe Gabel gab und für Schluck ausreichend gesorgt war. Die sollten sich ruhig in Sicherheit wiegen.
Alle erschienen pĂĽnktlich am Samstagmorgen und waren gut drauf. FĂĽnf Hasen und en Fuchs lagen bereits nach einer Stunde auffe Strecke. Nach dem Verblasen sollte der spaĂźige Teil beginnen. Dat hatten sich die Kerle aber nur gedacht!
Bevor die „Jagd-Saboteure“ durch Alkoholmissbrauch nich mehr inne Lage war’n, meine Worte ernst zu nehmen, kam ich zur Sache:
„Liebe Jagdfreunde, da iss wat, über dat wir reden müssen. Dat vergangene Jagdjahr iss leider nich so prickelnd gewesen. Da war ne Menge Sand im Getriebe. Ich hatte mir dat Jagen mit Jagdfreunden etwat anders vorgestellt. Ich muss Euch jetz ma, bevor ihr wieder voll seid, die Meinung geigen:
Bei die Wildschadenverhütung habt Ihr mich im Stich gelassen. Et iss Euch leider schon immer wurscht gewesen, wie viel ich an Wildschaden Jahr für Jahr latzen muss, et iss ja schließlich nich Eure Jagd. Macht ruhig so weiter! Ich mach dat aber nich mehr mit. Damit Ihr ma Verantwortung für dat Revier kennen lernt, verdonner ich Euch ab sofort zur Beteiligung am Wildschaden. Ihr seid mit zweitausend Euro pro Jagdjahr dabei. Dat dürfte doch von Euch leicht zu schultern sein, oder?“
Die Augen der Männer wurden immer größer. Aus lauter Verzweifelung schluckten se einen Schnaps nach dem anderen. Ich war gerade so richtig in Fahrt: „Wenn dat auch diesma nich hinhauen tut, wird Eure Wildschaden-Beteiligung im nächsten Jahr verdoppelt.
Dann gibt et Dreckspatzen unter Euch, die mein Eigentum, damit meine ich die Hochsitze und den Hof, mit Urinflaschen, Dosen, Zigarettenstummel, Taschentücher und anderen Siff versauen. Diese Schweinerei hört sofort auf, sonst schmeiss ich Euch den gesammelten Dreck in Eure Wohnzimmer rein. Dat mein ich verdammt ernst! Und wer glaubt, er könnte mir ne schmutzige Kühlkammer hinterlassen, der hat sich auch geschnitten.
Eure Hunde werden künftig angeleint oder bleiben im Auto, ich bin et leid, ständig vor der Hütte in Hundehaufen zu latschen oder von den Kläffern angesprungen zu werden.
Wie selbstverständlich wascht Ihr auf meinem Jagdbetriebshof fast täglich Eure verschlammten Karren. Auch damit iss Schicht. Et sei denn, Ihr bezahlt Wassergeld. Wenn Ihr länger als en Tag den Kühlraum nutzen tut, zahlt ihr künftig für jeden weiteren Tag fünf Euro. Wer nicht ordentlich die Kirrungen beschickt, wird mit nem Sack Mais bestraft, und wer sich in dat Ansitzbuch einträgt und dann nich ansitzt, darf ebenfalls nen Sack Mais spenden. Hat dat jeder kapiert, wat ich sagen tu?“
Die Herren saßen da wie versteinert und äugten mich an, als wär ich en bösen Geist. „Habt Ihr noch Fragen? Nee? Dann iss ja allet klar.
Sollte jemand unter Euch sein, dem dat nich passen tut, der kann direkt ne Schleife machen, ich hab von so tollen „Jagdfreunden“ nämlich die Schnauze bis oben hin voll! Und da iss noch en ganz wichtigen Punkt: Wenn die widerlichen Streitereien untereinander nich sofort abgestellt werden, suche ich mir ne andere Mannschaft. Jeder von Euch iss ersetzbar, merkt Euch dat! Die Jagd soll Freude machen, verdorri nochma! Ich will Ruhe und Frieden haben, wenn ich hier bin. Wir sind doch kein Kindergarten. Benehmt Euch endlich wie Jagdkameraden!“
Ein Raunen ging durch die Gruppe. Mit sonne Standpauke hatten die Herrschaften nich gerechnet. Ich war aber noch nich fertig.
„Ihr würdet Euch selbst den größten Gefallen tun, wenn Ihr so denken und fühlen würdet, als wäre dat Eure Jagd. Geht dat in Eure Köppe rein? Ich hab den Eindruck, Ihr seid zu satt. Kennt Ihr dat Sprichwort: ‚Der satte Gaul nimmt ungern Hindernisse?’ Denkt ma darüber nach. Einem nach dem anderen hab ich noch im Einzelgespräch die Leviten gelesen und die Gelbe Karte gezeigt.
Der faulste Kerl zeigte Nerven, wurde rotzfrech und kam mit stinkigen Ausreden. Rote Karte! Der durfte sich auffe Stelle verabschieden. Die anderen gelobten Besserung. Auch die Wildschadenbeteiligung wurde voll akzeptiert. Deshalb durften die restlichen Herren im neuen Jahr, quasi auf Bewährung, noch ma mitjagen.

Berta meinte, meine Reife, Güte und Weisheit hätte se doch sehr beeindruckt.
So wat macht natürlich Mut und inspiriert mich, meine angewölften Anlagen für die jagdliche Allgemeinheit noch mehr zur Entfaltung zu bringen.




__________________
Wolfgang M. A. Bessel
www.bessel-autor.info

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