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Leselupe.de > Kindergeschichten
Osterhasen im Abenteuer
Eingestellt am 08. 02. 2010 16:17


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domino
Autorenanwärter
Registriert: Jun 2009

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Osterhasen im Abenteuer


„Ob Mama wohl schimpft?“ Der kleine Hase guckt ängstlich seinen großen Bruder an.
„Sei doch nicht so ein Angsthase, Karlchen“, sagt Kurti und zieht ihn an den Ohren.
Ein bisschen mulmig ist Kurti aber doch, denn immerhin haben sie sich heimlich aus dem Haus geschlichen – und zwei Körbe Ostereier mitgenommen!
„Die anderen werden uns ganz schön beneiden, dass wir uns das getraut haben!“ Kurti klingt sehr mutigl
„Aber vielleicht hätten wir doch lieber bis nächstes Jahr warten sollen...“
„Mäusegejammer! Wir sind schließlich Hasen! Ohne Furcht und Tadel!“

Gerade erst ist die Sonne aufgegangen, und es ist noch kühl. Die beiden Hasenkinder schleichen durch hohes Gras, die vollgepackten Körbe auf dem Rücken. Ihre Fellhosen sind feucht vom Tau. Der ersten Insekten sind aufgewacht und probieren, ob ihre Flügel und Beine sich noch bewegen lassen.
„Mmh, riecht das gut!“ Karlchens Nase bewegt sich schnuppernd. „Ich hab eine Idee, Kurti! Wir bringen den andern nachher Frühstück mit. Leckere Kräuter. Dann wird Mama auch nicht böse sein.“ Vor Freude macht er zwei große Hopser – und ein Ei fällt aus dem Korb.
„He, pass auf! Wir wollen die Eier verstecken und nicht verstreuen! – Aber die Idee ist gut!“
Karlchen strahlt, und Kurti schiebt das Ei mitten in ein dickes Grasbüschel. „Das erste Versteck! Komm, hier finden wir noch mehr gute Plätze.“

Sie stehen unter einem Haselstrauch am Rand einer Wiese mit vielen kleinen Büschen. Osterglocken und Primeln leuchten gelb im Gras, Veilchen, Blausterne und Lungenkraut bilden blaue Teppiche.
Kurti nimmt seinen Korb vom Rücken und hilft dann Karlchen, bevor alle Eier rausfallen... Und dann flitzen sie los: blaue Eier zwischen blaue Blumen, gelbe zwischen gelbe und so weiter. Manchmal wühlen sie auch eine Grassode hoch und verstecken ein Ei darunter.
Als Karlchen sein vorletztes Ei zwischen die passenden Blumen rollt, ertönt plötzlich ein gefährliches Brummen: „So eine Frechheit! Ich werde mich beschweren!“, und ein schwarzgelbes rundes Wesen fliegt angriffslustig auf ihn zu.
Karlchen macht vor Schreck einen Satz nach hinten – und weg ist er! Der Boden hat ihn verschluckt!
Die Hummel guckt sich verwirrt um und weiß nicht, ob sie Zauberkräfte hat oder ob alles nur ein Traum ist. Ratlos lässt sie sich auf einer Blume nieder und putzt sich erst mal.

„Karlchen! ich bin fertig!“ Kurti steht bei seinem leeren Korb und überlegt schon, welche Kräuter er pflücken will. „Soll ich dir noch helfen?“ Suchend blickt er sich um. „He, Karlchen, wo bist du?“
Nichts.
Kurti kratzt sich hinter den Ohren.
„Karlchen, lass den Unsinn! Wir müssen nach Hause.“
Stille.
Merkwürdig.
Kurtis Ohren bewegen sich nach allen Seiten.
„Wenn du nicht gleich kommst, nehme ich dich nicht wieder mit!“ Die Drohung sollte wohl reichen. - - - Aber - - - kein Laut. - - - Da stimmt doch was nicht!
Kurti läuft über die Wiese. Er ruft. Er horcht. Er guckt. Er schnuppert. „Karlchen, wo bist du!?“, ruft er mit Elefantenlautstärke.
„Suchst du was?“ Die Hummel hat sich inzwischen gut geputzt. Ihr Problem hat sie noch nicht gelöst, aber vielleicht hilft ihr dieser Hase.
„Ja, meinen kleinen Bruder. Hast du ihn gesehen?“
„Hat der auch so unglaublich lange Ohren wie du?“
„Ja klar, das ist ja unser Markenzeichen. Weißt du etwas von ihm?“
„Und ob!“ Die Hummel brummt böse. „Der hat mich mit so ’nem runden Ding beworfen, einfach so, ich war grade erst aufgewacht – und da hab ich ihn weggezaubert!“
„Wie – gezaubert?“
„Das verrat ich dir doch nicht! Aber jedenfalls ist er weg.“ Zufrieden reibt sie ihre Fühler aneinander.
Kurti weiß nicht so recht. Können Hummeln zaubern?
„Wo hat Karlchen denn gestanden, als ihn dein Zauber traf?“
„Du stehst schon gut so. Soll ich meinen Zauberspruch sagen?“ Die Hummel grinst ihn an und richtet ihre Fühler auf ihn wie Waffen. Richtig gemein sieht sie aus.
„Ne, ne, mach dir – mach dir keine Mühe“, stottert Kurti; er weicht vorsichtshalber drei Schritte zurück – und fühlt, wie seine Hinterfüße in ein Loch rutschen. Der Schreck durchfährt ihn wie Bauchweh, aber er kann sich gerade noch an einem Büschel Gras festhalten und wieder hochziehen.
„Zaubern, dass ich nicht lache!“, zischt er der Hummel zu. Er klopft sich das Fell ab, dann beugt er sich zu diesem Loch hinunter und ruft hinein: „Karlchen, bist du da drin?“
Er steckt ein Ohr hinein und lauscht. Tatsächlich! Stimmen! Und eine gehört Karlchen!
Wieder ruft er und horcht.
„Kurti! Ich bin hier! Bei Graf von Groeneveld! Wir kommen!“

Zuerst erscheint der Kopf von Karlchen mit zurückgebogenen Ohren. Offensichtlich wird er von unten geschoben. Mit viel Ächzen schafft er es, seine Pfoten herauszustrecken, und da greift Kurti auch schon zu und zieht.
„Uff! Runter ging schneller!“, lacht Karlchen und schüttelt sich. Seine Ohren richten sich wieder schön auf, aber sein Fell ist noch voller Erdkrümel. „Mama wird schimpfen, aber nachher putze ich mich ganz doll“, meint er.
Graf von Groeneveld hat offensichtlich Übung im Herausklettern, er ist schließlich ein Maulwurf! Es geht ganz schnell. „Normalerweise mache ich dabei immer einen schönen lockeren Erdhügel, aber man darf nicht so an Gewohnheiten kleben“, erklärt er und schüttelt mit Kurti die Pfoten. Dann setzt er seine Sonnenbrille auf und alle drei lassen sich im Gras nieder. Das ist inzwischen von der Sonne getrocknet und schön warm.

Karlchen erzählt, wie er in das Loch geplumpst und beinahe auf Graf von Groeneveld gelandet ist. „Ich hatte schreckliche Angst, es war ja auch so dunkel.“
„Und ich dachte, meine Wohnanlage bricht zusammen!“
„Alles nur wegen dieser blöden Hummel!“, ruft Karlchen.
„Mir wollte sie weismachen, sie hat dich verzaubert“, sagt Kurti. „Die ist ja nicht ganz dicht! Seit wann können diese dummen Dinger zaubern!?“
Alle drei klopfen vor Lachen mit den Pfoten auf den Boden, und bei zwei Tieren wackeln dabei die Ohren vor und zurück.
„Oh, mein Magen knurrt!“, ruft plötzlich Karlchen. Kurti springt auf. „Wir müssen nach Hause! Sonst gibt’s richtig Ärger.“
„Hoffentlich“, murmelt ein kleines geflügeltes Wesen, aber so leise, dass niemand es hört.
„Hat mich sehr gefreut, euch getroffen zu haben“, sagt Graf von Groeneveld mit einer vornehmen Verbeugung – Grafen haben eben gutes Benehmen im Blut.
„Wir können ja heute, wenn die Sonne untergeht, wiederkommen“, schlägt Kurti vor.
„Oh ja!“ Karlchen ist begeistert. „Dann gucken wir, ob die Ostereier auch alle gefunden sind.“
„Und ich erzähle euch von meinem Verwandten Graf Günter, der bei einem echten Schloss arbeitet.“ Graf von Groeneveld fand den Hasenbesuch sehr anregend, denn unter der Erde ist es doch oft langweilig.
Karlchen schenkt ihrem neuen Freund das letzte Ei, und nach einem herzlichen Pfotenschlag füllen Kurti und er ihre Körbe in Haseneile mit Hasenleckerbissen und sausen nach Hause.
Ein bisschen Schimpfe gibt es, aber was macht das schon, wenn man so ein Abenteuer erlebt hat!

Die Hummel hat sich das Gerede von den dreien wütend angehört. „Von wegen ‚blöde Hummel’ und ‚nicht ganz dicht’“, ruft sie, als sie alleine ist, „die können ja nicht mal fliegen!“ Und dann reckt sie ihre Fühler nach oben und brummt so laut sie kann: „Und ich kann doch zaubern!“

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antje

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