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Leselupe.de > Ungereimtes
Somitus
Eingestellt am 01. 09. 2010 09:28


Autor
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Otto Lenk
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2001

Werke: 486
Kommentare: 2561
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Manchmal erinnere ich mich an eine Zeit,
die es so für mich nicht gab.
Eine Möglichkeit, die sich entschied,
von mir abzuzweigen…

…vielleicht in ein anderes Wesen,
in einen Stein, vielleicht in einen Stern hinein.

__________________
Das hab ich alles aus meinem Kopf abgeschrieben.

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Heidrun D.
Guest
Registriert: Not Yet

Ein wunderbar lyrischer Text, Otto.

In meinen Augen bedarf es der Pünktchen nicht, weil durch den Abschnittswechsel genügend Zäsur vorgegeben ist. - Aber das ist vermutlich reine Geschmackssache.

Freundliche Grüße
Heidrun

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JackoF
???
Registriert: Jun 2010

Werke: 35
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Hallo Otto,

dieses Gedicht lockt mich sehr an. :-)))

Vielleicht mal so meine Deutung :

Diese ab und an Ahnungen im Menschen, etwas anderes sein zu wollen, als „nur“ Mensch, und doch Mensch sein/bleiben zu wollen.
Da sind unbekannte Ahnungen(und auch Wissen) von einem Anderem in der Natur – und man kennt(soweit das eigene Gefühl es einem erzählt) sich irgendwie selbst,
und doch so wenig, und immer auch wieder gar nicht !
Wie wäre es wohl,
mal in etwas anderes – außerhalb vom Menschen – reinzuschlüpfen,
nur mal auf Besuch, und dieses Unbekannte in sich zu spüren. Eben auch dieses Andere, das außerhalb von uns Menschen defintiv ist - die bekannte/unbekannte Natur um uns herum !

Meinen Ansatz,
mal auf Besuch in etwas anderes reinzuschlüpfen,
entnahm ich aus dem Titel „Somitus“ / als embryonale Ur-Wirbel-Struktur, die sich dann wieder zurückentwickelt.

Den Ansatz,
von Ahnungen zu sprechen darüber, dass da etwas anderes außerhalb von uns ist, und wir es mal in uns spüren wollen,
entnahm ich aus der Formulierung : „in einen Stein, ....in einen Stern hinein“

Da ja hier mit dem „in ...hinein“
nichts darüber gesagt wird, was es konkret sein soll – eben, einfach mal in dem Anderen dieses Andere zu spüren.

Bin mal gespannt, ob es etwas, Deiner Absicht gemäß, getroffen hat :-)))

Zum Sprachlichen :
Hier habe ich tatsächlich große Betonungs-Probleme bekommen.
Otto,
würde mich freuen, wenn Du vielleicht Deine Betonungs-Struktur zum Gedicht auf-iXen könntest - komme echt damit nicht klar :-(((

Habe mal bezüglich des Rhythmus etwas probiert.
So könnte ich es frei, gut lesen / laut und kopfig. Auch habe ich hier eine persönliche Betonung gewählt, die mit dem Inhalt einhergeht(so ich ihn verstehe) :
In dem folgenden,
etwas Umformulierten / wie auch in Deinem Original, habe ich es als sehr treffend empfunden, mit Doppel-Unbetonungen und Alternierungen zu wechseln !
Mal so :

Manchmal erinnere ich mich. ............................/ XxxXxxXx
Eine Zeit, die es so niemals gab, für mich. ........./ xxX, xxXxxX, xX
Eine Möglichkeit, die sich entschied, ................./ xxXxx, XxxX
von mir abzuzweigen ......................................../ xXXxXx
in einen Stein hinein, ......................................../ XxxXxX
vielleicht in einem Stern zu sein. ......................./ xXxXxXxXxx

Klar, hierzu gäbe es natürlich noch zig andere Umbrüche...
Was meinst Du zu meinem Versuch :-)))

Otto,
habe gerne diese Gedanken nachempfunden - und ja, dieser Text hat wirklich eine sehr eigene, und tiefgehende Denklinie in sich - wirklich TOP !

wieder ein Tschüss, Jacko

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Vera-Lena
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2002

Werke: 601
Kommentare: 8868
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Lieber Otto,

ohne den Titel könnte ich Deinen Text gar nicht verstehen, aber mit diesem Titel sagt er mir doch etwas.

Die Buddhisten sind ja der Meinung, dass der Mensch alle Stadien durchlaufen hat: Mineralreich, Pflanzenreich, Tierreich bis er aus einer Gruppenseele des Tierreiches zu einem Menschen geworden ist,d.h. zu einem Wesen, dass sich jetzt seiner selbst bewusst ist.

Wenn das so war, dann kann man sich vielleicht in Träumen oder in meditativen Augenblicken so ganz leise daran erinnern, dass es einmal eine andere Daseinsform gegeben haben könnte, aber, wie das dann war, daran erinnert man sich nicht.

So gesehen ist Dein erster Satz für mich sinnvoll, denn wie will man sich an eine Zeit erinnern, die es so nicht gegeben hat.

Alles, was dann folgt, macht eine ganz andere Aussage. Da denkt sich das Lyri, dass es selbst vielleicht hätte eine Entscheidung treffen können, um eine andere Daseinsform, obgleich es jetzt ein Mensch ist, für sich zu verwirklichen, wobei das Erwähnen des Steines die Interpretation für ein "Versteinertsein" nahe liegt, aus welchen Gründen auch immer, aus persönlichem Schmerz, aus Schmerz über das Verhalten der Menschheit, wie auch immer.

Ich finde es erstaunlich, dass man aus so wenigen Zeilen so viel herauslesen kann.Darin liegt für mich eine Meisterschaft.

Liebe Grüße
Vera-Lena


__________________
Der Mensch ist sich selbst das größte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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Otto Lenk
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2001

Werke: 486
Kommentare: 2561
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Liebe Heidrun, liebe Vera-Lena, lieber Jacko.

Ich danke euch von Herzen für eure Überlegungen, eure Gedanken, zu dem Text.
Die Pünktchen, liebe Heidrun, waren einfach da. Nein, es bedarf ihrer wohl wirklich nicht. Aber da sie nun einmal da sind, sollen sie doch bleiben (Ihnen [den Punkten] würde sonst etwas fehlen).
Bei deinen Gedanken, liebe Vera-Lena, sehe ich wieder einmal, wie wundervoll unsere Schreiberei doch ist. Diese gedanklichen Möglichkeiten, die so wenige Worte beinhalten, sind großartig. So wächst über die eigenen Gedanken hinaus eine ganz neue Gedankenwelt.
Du hast einen Teil meiner Gedanken gedacht, lieber Jacko, um bei den Gedankenspielen zu bleiben. Mehr sollte dazu nicht gesagt werden, da ja ansonsten die Gedankenspiele beeinflußt würden...das wäre doch schade, mit den Punkten gesprochen.
Deine textliche Interpretation gefällt mir gut, wirklich.
Danke dafür!

Alles Liebe euch

Otto
__________________
Das hab ich alles aus meinem Kopf abgeschrieben.

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