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Leselupe.de > Humor und Satire
Sowas von Frieden
Eingestellt am 20. 04. 2012 21:05


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Federkiel
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Apr 2012

Werke: 7
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Wenn man bedenkt, dass ich erst 6 Wochen im neuen Ort wohne, kennen mich meine Nachbarn schon sehr gut
 ich sie leider auch. Und hĂ€tte ich vorher von Familie Großdinkelsberg erfahren, wĂ€re der Gartenzaun wahrscheinlich einen halben Meter höher geworden, aber jetzt gibt es kein ZurĂŒck mehr.
Ein perfekter Sonntagmorgen beginnt doch erst dann, wenn man von einer kreischenden Höllenmaschine von RasenmĂ€her des Herrn Großdinkelsberg aus dem Bett gequĂ€lt wird. Ich schleppe mich im Bademantel aus dem Haus, schlurfe zum Briefkasten, um meine geliebte Sonntagszeitung zu holen, und zucke zusammen, als ein schrilles „Guten Morgen“ aus dem Nachbarsgarten ertönt. Frau Großdinkelsberg winkt mir mit der Heckenschere in der Hand zu und flötet: „Wie sagt man so schön? Der frĂŒhe Vogel fĂ€ngt den Wurm, nicht wahr?“
„Der frĂŒhe Vogel kann mich mal“, knurre ich leise.
Die liebe Nachbarin lĂ€sst ihren Blick durch meinen Vorgarten schweifen. Ich kenne diesen Ausdruck. Mit diesem hatte sie einmal meine neue Frisur bedacht und zuckersĂŒĂŸ gefragt, ob „so etwas“ jetzt modern wĂ€re.
„Sagen Sie, womit behandeln Sie Ihre Hecken, sie sehen sooo
“
„
naturbelassen aus?“, vollende ich ihren Satz und ergötze mich an ihrem verzogenen Gesicht.

Ja, Herr und Frau Großdinkelsberg sind Leute, ohne die das Leben doch gleich viel schöner
 Ă€h, ich meine, langweiliger wĂ€re. Äußerst praktisch ist außerdem, dass ich mir eigentlich gar keinen Fernseher hĂ€tte anschaffen brauchen, denn die Familie hat die mittĂ€glichen Talkshows auf solch einer LautstĂ€rke laufen, dass ich auch in den Genuss komme. Der liebe Herr Großdinkelsberg erfreut sich doch jedes Mal mit lautstarkem Gegröle, das hin und wieder von Grunzen abgelöst wird, an dem mittelmĂ€ĂŸigen Leben anderer, wĂ€hrend er sich sein fĂŒnftes Bierchen genehmigen kann. Er ist doch eher etwas „naturbelassener“. Seine Frau zieht im Haus aber ebenfalls andere Seiten auf. Die abendliche Stille wird an manchen Tagen von einem lieblichen „Jan, beweg‘ deinen faulen Arsch in die KĂŒche! Es gibt Essen, verdammt!“ durchbrochen.

Ach ja, den sĂŒĂŸen Jan hĂ€tte ich fast vergessen. Der Junge ist ungefĂ€hr 18 und anscheinend immer in Weihnachtsstimmung: Manchmal entdecke ich ihn in einer Seitengasse, wie er an einer „Wunderkerze“ zieht und außerdem wĂŒnscht er sich den Weltfrieden.
„Ich wĂŒnsch‘ dir Frieden, SĂŒĂŸe, echt ma‘: Frieden, ja?“
Diese Worte haben mich schon gerĂŒhrt. Bei Jan bekommt der Begriff „Schlafzimmerblick“ eine ganz neue Bedeutung: Vom zweiten Stock hat er nĂ€mlich den perfekten Blick in meines

Wo wir gerade beim Thema Schlafzimmer sind: Ich weiß nicht genau, was ĂŒber mich erzĂ€hlt wird, aber Frau Großdinkelsberg hatte sich einmal erkundigt, ob ich noch einer „anderen TĂ€tigkeit“ nachginge, denn es sei ja doch nicht so einfach, ein Studium aus eigener Tasche zu finanzieren
 Ihr Blick auf meine doch recht kurze Hose und das enge Top war natĂŒrlich vollkommen ohne Hintergedanken gewesen, da bin ich mir sicher!
Ich kann die Leute aber auch verstehen. In einem Dorf kommt manchmal Langeweile auf und dann ist GerĂŒchte-Frischfleisch gern gesehen.
Eigentlich wĂŒnsche ich mir wie Jan doch nur Frieden – und zwar meinen.

Version vom 20. 04. 2012 21:05

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USch
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Federkiel,

Kleine Korrektur:
Und hĂ€tte ich vorher von Familie Großdinkelsberg erfahren, wĂ€re der Gartenzaun wahrscheinlich einen halben Mette Meter höher geworden, aber jetzt gibt es kein ZurĂŒck mehr.
Ja, so prallen Lebenskonzepte von Nachbarn aufeinander. Kann ich auch ein Lied von singen.
Nett beschrieben.
LG USch

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Federkiel
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Apr 2012

Werke: 7
Kommentare: 5
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Hallo USch,

vielen Dank fĂŒr den Hinweis Habe es abgeĂ€ndert.
Ja, ich denke, solche oder Àhnliche Szenen sind fast jedem schon einmal im wahren Leben begegnet.
Dankeschön.

LG
Federkiel
__________________
We took some words and built a wall,
called it love, called it love

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