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Leselupe.de > Erz├Ąhlungen
Als ich auf den Hund kam
Eingestellt am 10. 03. 2006 13:01


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Stoffel
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Als ich auf den Hund kam

Britta ging mit dem letzten Karton, in dem die meisten unserer Urlaubssouveniers lagen zur T├╝r hinaus, ohne sich noch einmal umzudrehen. Ich stand, mit dem kleinen Hund auf dem Arm da und ich sp├╝rte, wie sein Herz schnell schlug. So schnell wie mein eigenes. Er winselte und ich winselte auch. Innerlich.

Wie verdammt, sollte es jetzt weitergehen? Die Wohnung war fast leer ger├Ąumt. Vor allem, was sollte ich mit dem bl├Âden Hund anfangen? Es war ihrer, aber "Puschelchen" passte nicht mehr in ihr neues Leben mit dem geschniegelten Lackaffen mit seinem gr├╝nen Austin Healy Roadster, Baujahr 1959. Es war mein Geburtsjahr, verdammt. Der Lackaffe war j├╝nger als ich und stand auf Oldtimer. Ich stellte mir den Fernseher ins Schlafzimmer, denn ich hatte keine Couch mehr. Dann nahm ich mir Urlaub und gr├╝belte vor mich hin. Ich starrte in die Glotze, ohne zu wissen, was da lief. Es war mir egal, wie mir alles egal war. Vor allem war mir der, nein ihr, Hund egal. Manchmal jaulte er. Um endlich Ruhe zu haben, stellte ich sein K├Ârbchen zu mir ins Schlafzimmer. Aber hinten in die Ecke. Da lag er dann auf seiner Schmusedecke und beobachtete mich.
Manchmal robbte er an mich heran, wenn ich auf dem Bett lag. Dann jagte ich ihn davon. Ich hasste seine braunen Augen, die Brittas glichen. Vor allem seinen durchdringenden Blick. Sie hatte oft denselben Blick wie er.

Ich kaufte eine Palette Hundefutter, und eine Woche lang gab ich ihm eine Dose pro Tag. Das musste reichen, damit er mir nicht noch an Unterern├Ąhrung starb. Ich bl├Ątterte in unserem Fotoalbum. Wie gl├╝cklich sie doch war, als sie ihn bekam. Sie wollte immer schon einen Hund. Bl├Âde Idee. Fotos, lauter Fotos, auf denen sie mit dem Hund zu sehen war und immer schien sie gl├╝cklich zu sein. Der Kleine sprang auf mein Bett und leckte mein Ohr. Gott, war das widerlich. Ich schnauzte ihn an und schubste ihn vom Bett. Immer wieder dachte ich an den Lackaffen, wegen dem sie mich verlassen hatte. Und immer wieder hatte ich die Bilder vor Augen, von ihr und dem Hund. Der bl├Âde Hund hatte alles und ich nichts.
An einem Morgen ging ich wie immer mit ihm Gassi, bevor ich zur Arbeit fuhr. Das musste ich tun, weil er die ganze Wohnung sonst voll machte. Und so viele Zeitungen hatte ich nun mal nicht, um sie auszulegen. Bei der Gelegenheit ging ich zum B├Ącker, um mir ein belegtes Br├Âtchen zu kaufen und machte ihn drau├čen fest. Als ich wieder heraus kam, war er weg. Ich sah mich kurz suchend um und dann ging ich zum Auto. Fuhr zur Arbeit und es war so, als h├Ątte es ihn nie gegeben. Es wird ihn irgend jemand aufnehmen, dachte ich. Irgend jemand, den er mit seinen Brittaaugen ansah und der ihn in sein Herz schloss. Irgendwie f├╝hlte ich mich erleichtert.
Dieser Zustand hielt allerdings nur bis zum Abend. Als ich die T├╝r aufschloss, kam mir niemand mehr entgegen. Ich lag auf dem Bett und starrte auf das leere Hundek├Ârbchen, in dem nur noch die Schmusedecke lag und eine Gummipuppe. In der letzten Zeit hatte ich einen Freund bitter n├Âtig, aber bei solchen Gelegenheiten sind die meisten pl├Âtzlich besch├Ąftigt. Schlaftrunken ging ich am n├Ąchsten Morgen in die K├╝che, ├Âffnete eine Dose Hundefutter und als ich die H├Ąlfte in die Hundesch├╝ssel sch├╝ttete, merkte ich erstmal was Sache war. Das musste ein Ende haben.
Es lag ein Druck auf meiner Brust und ich lief ins Schlafzimmer, schnappte mir seine bl├Âde Schmusedecke, lief runter zum M├╝llcontainer und warf sie da hinein. Das K├Ârbchen warf ich in den Keller. Mein Herz schlug so schnell wie an dem Tag, als Britta zur T├╝r hinaus ging. Ich wurde zusehendst nerv├Âser, lief in der Wohnung auf und ab und ertrug die Einsamkeit kaum noch. Und der bl├Âde Hund fehlte mir immer mehr.
Ich sah mir die Fotos an und wusste, ich war Schuld, dass ich noch jemanden verloren hatte. Wo er wohl gerade war? Irgendwer musste sich doch fragen zu wem er geh├Ârte? Er geh├Ârt zu mir! Verdammt. Fast h├Ątte ich Britta angerufen, aber ich wusste, sie ist mit Lackaffe und seinem Austin Healy Roadster Baujahr 59, gerade in Modena. Die Stadt der Schuhe. Britta hatte viele Schuhe, an die hundert, in allerlei m├Âglichen Variationen. Nun werden sicher noch mal zehn Paar dazu kommen.
Aber was hatte sie denn noch mit meinem Hund zu schaffen? Sie hatte uns im Stich gelassen, also ging es sie nichts mehr an.
Ich rief bei der Polizei an, aber die verwiesen mich ans Tierheim. Dort war aber auch kein kleiner Mischlingshund aufgenommen worden. Ich rief meinen besten Freund an und heulte. Er machte sich gro├če Sorgen um mich und wollte sofort kommen. Dann aber klingelte es an der T├╝r. Meine Nachbarin, die Matrone von oben, baute sich vor mir auf und beschimpfte mich. Wie ich denn dazu kommen w├╝rde, den kleinen Hund in den M├╝llcontainer zu werfen. M├╝llcontainer? Kleiner Hund? Ich zog sie an mich und k├╝sste sie. Dann lief ich runter und da sa├č er schwanzwedelnd auf seiner Schmusedecke in dem offenen Container und sah mich mit seinen, mit seinen, nicht mit Brittas, braunen Augen an. Ich Idiot, sagte ich zu ihm. Er leckte freudig mein Ohr ab und ich zog ihn fest an mich. "Komm Kumpel, wir machen uns was zu essen", fl├╝sterte ich. Unser beider Herzen schlugen wieder bis zum Hals.

Seit einem Monat jogge ich Morgens vor der Arbeit durch den Park und Puschelchen, der jetzt Max hei├čt, kommt mit. Manchmal bleiben wir stehen und dann unterhalte ich mich kurz mit anderen Joggerinnen. Und Max beschn├╝ffelt sich mit den Hunden, die sie dabei haben. Vorgestern habe ich ihn in einer Hundesschule angemeldet. Er ist n├Ąmlich sehr klug und ich m├Âchte ihm ein paar neue Kunstst├╝cke beibringen.
Manchmal liegen wir beide auf dem neuen Sofa und dann schauen wir uns unser Fotoalbum an. Lauter Fotos von Max und mir.



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heike von glockenklang
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hallo sanne,

die geschichte ist inhaltlich sehr sch├Ân. und vom stil her stimmig, leicht zu lesen hat keineswegs langeweilig.
beim lesen fielen mir hier und da kleine unstimmigkeiten auf.
soll ich dir's per email senden?

lieben gru├č heike

__________________
Wenn das Leben dir einen Kinnhaken gibt, k├╝hle dein Kinn und lass dich auf deinem Weg nicht beirren.
H Keuper-g /13.07.06

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Stoffel
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Danke Liebes,
ja...schick mal

Gute Nacht
lG
Sanne

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NewDawnK
???
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Hallo Stoffel,

"Manchmal liegen wir beide auf dem neuen Sofa und dann schauen wir uns unser Fotoalbum an." Eine sehr sch├Âne Anregung f├╝r ein Hobby.
Formal habe ich nichts auszusetzen, weil ich davon gerade keine Ahnung habe.
Inhaltlich h├Ątte ich eine Meinung anzumerken: Hunde sind die pflegeleichteren Menschen. Ja, das stimmt.

Sch├Âne Gr├╝├če, NDK

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Stoffel
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Gr├╝├č Dich NDK,

ich sag ja immer: Tiere sind auch nur Menschen.
(wobei man von Menschen sagt..si w├Ąren oft wie Tiere. Dem stimme ich nicht zu.)
Unsere Tiere kleben MIT uns und nicht neben uns. Das macht mich gl├╝cklich. Selbst unsere Hamster wurden 3,5J. alt. Das soll schon was hei├čen.

Ok, zum Inhalt.
Mir war das Umdenken wichtig. Keine Ahnung, ob das so raus kam. Beide wurden verlassen und am Ende eben das Miteinander und die positivere Entwicklung. (grad nach der Trennung, die f├╝r ihn ja schwer war)

Nat├╝rlich inspiriert durch unseren "Bounty"...den wir seit 4Mon. haben und er unser Leben bereichert hat.

Danke f├╝rs Lesen. Freut mich.

lG
Sanne

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NewDawnK
???
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Hallo Stoffel,

aus der Situation heraus vielleicht nachvollziehbar. Ansonsten werden Hunde oft um einiges besser behandelt als Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen. So was kann ich pers├Ânlich nur schwer nachvollziehen. Obwohl ich da auch nicht pauschal urteilen m├Âchte. Das nur zur Erg├Ąnzung.

Sch├Âne Gr├╝├če, NDK

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