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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
Die besonnte Zeit
Eingestellt am 31. 05. 2010 14:50


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Josi
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2010

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Die besonnte Zeit

Wenn ich die Zeit meiner Kindheit betrachte, dann sehe ich mich bei meinen Großeltern.
Noch immer scheine ich den Duft von Bohnenkaffee und den sauberen Geruch von Bohnerwachs zu riechen. Meine Oma und mein Opa waren einander sehr zugetan, und das spürte jeder, der das Glück hatte, sie zu kennen.
Ich selbst liebe das Meer, wenn die stürmische, aufgewühlte See die Wellen weiß schäumt, dann denke ich an meinen Großvater.
Stundenlang saß ich auf seinem Schoß, streichelte sein Ohrläppchen und ich lauschte gespannt seinen Märchen, die sich veränderten, wie auch das Meer sich verändert. Er konnte lustige Geschichten erzählen und auch traurige alte Märchen erfüllten oft den Raum. Spannend war es immer.
Mein Nest aus Geborgenheit und Liebe war gewoben.
Zu Weihnachten bekam ich von meinem Großvater ein selbst gebasteltes Hexenhaus aus Holz. Das Dach war abnehmbar, so konnte ich in die Stube sehen und gut mit den Figuren spielen.
Mein Großvater und ich, bastelten zusammen die Möbel.
Der zahme Wellensittich Hansi warf gerne die kleinen Möbel und das Bastelmaterial vom Tisch.
Abends, wenn der Vogel in seinem Käfig saß,dann murmelte er mit dem Köpfchen zum Spiegel seinen Namen mit stolzgeschwellter Brust. Wahrscheinlich dachte er eine Wellensittichdame vor sich zu haben.
Meinen Eltern gefiel meine Märchenwelt nicht sehr, denn Phantasie spielte in ihrem Leben keine Rolle. Sie wunderten sich über die kleine "Spinnerin", die endlose Bildergeschichten malte, bevor sie schreiben konnte.
Meine Großmutter erlaubte mir, als ich mir wünschte, eine Krankenschwester zu sein, sie mit Binden einzuwickeln. Sie sah dann zwar eher wie eine Mumie aus, denn als Unfallopfer, aber es machte herrlich Spaß.
Als Frisörin durfte ich mich auch ausprobieren und meine Oma trug stolz einen scheußlichen Dutt auf dem Kopf, der sicher auch nicht zu ihrem Wohlbefinden beitrug: Man sah mehr Klammern als Haare und für Hansi war es ein prima Landeplatz.
Wenn ich die Momente dieser Zeit anschaue, dann mag ich wieder Kind sein.
Leider ist mein Großvater gestorben, als ich 10 Jahre alt war.
Meine Großmutter hat viele Monate den verwaisten Platz gedeckt und wir saßen am Tisch und sie erzählte von ihm.
Sie erzählte von ihm und ich hörte so gerne zu.
Noch heute liebe ich den Duft von Bohnerwachs und Bohnenkaffee.



Version vom 31. 05. 2010 14:50
Version vom 31. 05. 2010 18:53

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jon
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quote:
Ich traute mich erst gar nicht den Text in die LL zu stellen, weil er eigentlich sehr privat ist und meine Gefühle so offen zu sehen sind.
Letzteres ist doch gut! Text (dieser Art) soll ja so sein. Und zu deiner Beruhigung: Es gibt daran nichts, was dich angreifbar oder verletzbar macht – diese Art "Entblößung" ist also ungefährlich. (Anders ist es mit den Zeilen über die Eltern …)

Details:

quote:
Wenn ich die Zeit meiner Kindheit betrachte, dann sehe ich mich bei meinen Großeltern.
Starker erster Satz!

quote:
Noch immer scheine ich den Duft von Bohnenkaffee und den sauberen Geruch von Bohnerwachs zu riechen.
Das passende Wort ist nicht "scheine" (es sieht zwar so aus, ist aber nicht so – andere "sehen" mich etwas wahrnehmen, was ich gar nicht wahrnehme ), sondern eventuell "vermeine" (es kommt mir so vor, als würde ich es wahrnehmen (können)). Oder einfach "ich rieche es noch immer" – das unterstreicht die Intensität der Erinnerung.

quote:
Meine Oma und mein Opa waren einander sehr zugetanKomma und das spürte jederKomma der das Glück hatteKomma sie zu kennen.

quote:
Ich selberselbst liebe das Meer, wenn die stürmische, aufgewühlte See die Wellen weiß schäumt, dann denke ich an meinen Großvater.
Der Wurmsatz irritiert: "Ich liebe das Meer, wenn die Wellen …" fließt einfach über in "Wenn die Wellen …, dann denke ich an Großvater." Einfach Punkt nach Meer, würde ich vorschlagen.


quote:
Stundenlang … seinen Märchen, die sich verändertenKomma wie auch das Meer sich verändert.

quote:
Mein Nest aus Geborgenheit und Liebe war gewoben.
Ich finde den Satz hier "zu groß". Er passt hier nicht, weil es in den Bildern nicht "Webendes" gibt. Deshalb wirkt er wie aus einem anderen Zusammenhang hierher ausgeliehen. Zudem ist er die gesagte Zusammenfassung dessen, was vorher und hinterher gezeigt wird. Bitte nicht falsch verstehen: Der Satz hat durchaus was – aber er gehört nicht hierher.

quote:
Zu … und den Figuren Leben schenken. Wir bastelten zusammen die Möbel.
*kicher* Sorry! Ich sah die grade die "belebten Figuren" zusammen mit LyrIch Möbel basteln.

quote:
Der zahme Wellensittich Hansi warf gerne die kleinen Möbel und das Bastelmaterial vom Tisch. Seinen Namen, er hieß Hansi HeuerKomma murmelte er mit dem Köpfchen zum Spiegel. Er dachte sicher, dass er eine Wellensittich DameWellensittich-Dame vor sich habe.
Der Name irritiert (selbst wenn er wirklich so hieß). Noch mehr irrtiert mich aber, was das mit den Möbeln und dem Runterwerfen zu tun hat. "Murmelt" er vor dem Mini-Möbel-Spiegel? Vorschlag: Die Spiegel-Szene von den Möbeln trennen: "… vom Tisch. Dann flog er zum Spiegel und während wir das Bastelzeug aufsammelten, murmelte er seinem Spiegelbild seinen Namen zu. "Hansi Heuer" knsipelte er mit stolzgeschwellter Brust. Wahrscheinlich dachte er, er hätte ein Wellensittichdame vor sich."


quote:
Meinen Eltern gefiel meine Märchenwelt nicht so sehr. Sie wunderten sich über meine BildergeschichtenKomma die ich malte, bevor ich schreiben konnte.
Der Einschub stört. Er ist zu unentschlossen: Das "nicht so sehr" verharmlost etwas, was du als "nicht" so intensiv wahrgenommen hast, dass du es hier erwähnen musstest.
Der zweite Satz ist zudem zu kryptisch, denn was ist verwunderlich daran, dass Kinder malen? Man sollte eher aufmerksam werden, wenn ein Kind nicht malt!
Irgendwas ist dir an der Bemerkung wichtig (sonst hättest du damit nicht die Idylle unterbrochen), dann trau dich aber auch, deutlicher zu werden! (Vorsicht! Das kann unter Umständen weh tun! Horch vorher in dich rein!) Alternative: Einschub einfach weglassen.


quote:
Meine Großmutter erlaubte mir, als ich mir wünschteKomma eine Krankenschwester zu sein, sie mit Binden einzuwickeln. Sie sah dann zwar eher wie eine Mumie aus, denn als Unfallopfer, aber es machte mir einen herrlichen Spaß.
es war ein herrlicher Spaß oder es machte mir (herrlich) Spaß

quote:
Als Frisörin durfte ich mich auch ausprobieren und meine Oma trug stolz einen scheußlichen Dutt auf dem Kopf, der sicher auch nicht zu ihrem Wohlbefinden beitrug. Denn – man sah mehr Klammern als Haare und für Hansi war es ein prima Landeplatz.
Der Gedankenstrich ist hier nicht sehr sinnvoll. Am nächsten an deine "Klangabsicht" scheint mir die Lösung mit Doppelpunkt zu kommen: "… beitrug: Man sah mehr …"

quote:
Wenn ich die Momente dieser Zeit anschaueKomma dann mag ich wieder Kind sein.
Leider ist mein Großvater gestorbenKomma als ich 10 Jahre alt war.
In der Standard-Sprache steht meines Wissens "ich mag" eher für "ich liebe es", "ich möchte" für "ich wünsche mir". Regional wird das nicht so genau genommen; hier fände ich die "allgemeingültige" Sprache besser.


__________________
Es ist nicht wichtig, was man mitbringt, sondern was man dalässt (Klaus Klages)

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