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Leselupe.de > ErzÀhlungen
Vollmond
Eingestellt am 20. 07. 2003 18:39


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majissa
Autor mit eigener TV-Show
Registriert: Jan 2002

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Der Vollmond hat eine besondere Wirkung auf Mensch und Tier. WĂ€hrend er dem einen befiehlt, sich wie eine Schlange zu fĂŒhlen und durch hohe GrĂ€ser zu kriechen, veranlasst er den andern, sich seiner Kleidung zu entledigen und nackt auf Dachfirsten zu tanzen. Unter dem Einfluss des Mondes verwandelt sich die harmlose Hausschildkröte in eine reißende Bestie und der grobschlĂ€chtige Ehemann in einen romantischen Barden.

Die MondsĂŒchtigen schĂ€men sich ihrer Sucht und nehmen Abwehrstellung ein.

„Hey, was hattest du denn gestern Nacht auf unserem Garagendach zu suchen?“
„Wer? Ich?“
„Nun tu nicht so! Du warst nackt bis auf diesen roten Sombrero.“
„Was? Ich hab‘ keinen roten Sombrero.“
„Doch, hast du. Das alberne Ding aus deinem letzten Urlaub! Außerdem hab‘ ich dich an deinen Arschbacken erkannt. Du kneifst sie doch immer zusammen. Auch in Hosen. Auseinander und zusammen, wie ‘ne Ziehharmonika. Blöde Angewohnheit, was?“
„Ach, lass‘ mich doch in Ruhe!“

Bei zunehmendem Dreiviertelmond verkriecht sich der Arschbackenkneifer in seiner Garage, schließt den roten Sombrero weg und kettet sich an einen stabilen Stuhl. Dort wartet er auf die Ankunft Selenes, der griechischen Mondgöttin, die ihm befiehlt, die Fesseln zu lösen und fĂŒr eine Nacht das Paarungsverhalten des Laubfrosches nachzuahmen, was den SĂŒchtigen zwangslĂ€ufig in das dichte GeĂ€st der BĂ€ume zwingt. Dort wartet er mit froschigem Blick auf die geeignete Frau, um sie aus der Deckung heraus hinterrĂŒcks anzuspringen und zu begatten, wobei er sich mit heftigem Schwanzwedeln am weiblichen RĂŒcken festklammert, bis die Paarung vollzogen ist. Wer das aufopfernde Balz- und Kopulationsverhalten der Reptilien kennt, wird sich vorstellen können, wie lĂ€stig solch ein Überfall sein kann.

Das inbrĂŒnstig ausgestoßene GestĂ€ndnis „Ich leide an Lunalismus!“, wird kein Richter je zu Protokoll nehmen. Ein Bluttest und der am Tatort aufgefundene rote Sombrero lassen keine Zweifel an der Vaterschaft des TĂ€ters.

Das, was die Wissenschaft vorĂŒbergehendes zwanghaftes Verhalten nennt, ist fĂŒr Selene, die Mondgöttin, ein Spiel, ein munterer Zeitvertreib, der sie fĂŒr die langweilige Arbeit entschĂ€digt, die sie mit der Kontrolle ĂŒber die Gezeiten hat.

Auch Alexis leidet an Lunalismus. Er gibt es nicht zu und verbietet sich selbst den Glauben an Selene, was ihn nicht davon abhĂ€lt, bei Vollmond die seltsamsten Dinge zu tun. Alexis verbringt seine Abende in der Fischtaverne, die sein Sohn Antonis betreibt. Stundenlang hockt er auf einem kleinen Holzstuhl und glotzt gebannt in den Fernseher, bis er zusammensackt und einschlĂ€ft, wĂ€hrend die Familie um ihn herum bis spĂ€t in die Nacht ĂŒber Touristen, Tomaten und Geld debattiert. Touristen, Tomaten und Geld sind die Hauptthemen in Antonis‘ Taverne. Dreht sich das GesprĂ€ch ausnahmsweise mal um Gurken und GewĂ€chshĂ€user, entbrennt frĂŒher oder spĂ€ter ein heftiger Streit zwischen den alten Weibern, die mit ihrem schrillen Gezeter zwar den Fernseher ĂŒbertönen, aber nicht in Alexis‘ TrĂ€ume vorzudringen vermögen.

Die alte Maria, Alexis‘ Mutter, hockt immer etwas abseits von den Streitenden in ihrem StĂŒhlchen vor dem Kamin. Stumm und reglos verfolgt sie alles, was in der Taverne vor sich geht. Obwohl sie noch nicht Witwe ist, trĂ€gt sie seit Jahren schwarz. Nur im Hochsommer, wenn die Temperaturen die 40-Grad-Grenze ĂŒberschreiten, streift sie sich ihr rosafarbenes Nachthemd ĂŒber und legt sich zusammen mit Opa auf das alte Eisenbett, das ab Mitte August vor der Taverne aufgestellt wird. Im August kommen viele GĂ€ste nach Kastri in Antonis‘ Fischtaverne, nur um einen Blick auf das seltsame Paar zu werfen.

Maria ist tapfer. Offene und schwĂ€rende Wunden bedecken ihre Beine und doch beklagt sie sich nicht, wenn Stavros, ihr Urenkel sie mit StockschlĂ€gen auf das rohe Fleisch traktiert. VorfĂ€lle dieser Art bleiben entweder gĂ€nzlich unbemerkt oder veranlassen Stavros‘ Eltern zu stolzen Ausrufen: „Schaut nur, was fĂŒr ein Temperament das Kind hat!“

Maria bewegt sich gerĂ€uschlos. Wenn sie das Bett verlĂ€sst, sitzt sie stets in der dunkelsten Ecke der Taverne, das schwarze Kopftuch tief ins Gesicht gezogen. Maria verschmilzt mit der Dunkelheit, damit das Kind sie nicht finden kann. Hat sie damit Erfolg, widmet Stavros sich wichtigeren Dingen. Gern sperrt er kleinere Kinder in die TiefkĂŒhltruhe, die draußen vor der Taverne steht. Wenn ihm das schwĂ€cher werdende Klopfen aus dem Innern der Truhe langweilig wird, stellt er sich zusammen mit Opa an den Fuß des kleinen HĂŒgels, der hinter der Taverne liegt. Von dort aus katapultieren sie gemeinsam kleine Welpen den HĂŒgel hinauf. Manchmal binden sie einem besonders lebhaften HĂŒndchen einen schweren Anker um den Hals und beobachten, wie es mit der Last zurechtkommt. Ist Opa noch munter genug, zeigt er seinem Urenkel bereitwillig, wie lange ein KĂ€tzchen es ohne Luft unter Wasser aushĂ€lt. Stavros selbst meidet das Meer. Er ist fett, unbeweglich und hockt lieber am Familientisch, um sich mit Fisch und Kartoffeln vollzustopfen.

In Antonis‘ Taverne findet sich keine lĂ€chelnde in ihre Strickarbeit vertiefte Oma im Schaukelstuhl. Auch gibt es keinen weißhaarigen Opa im antiken Sessel, der seinen pausbĂ€ckigen vor einem behaglichen Kaminfeuer versammelten Enkeln aus Moby Dick vorliest. Lediglich einen hundeschwingenden Opa und eine zu Tode verĂ€ngstigte Oma hat die einzige Fischtaverne in Kastri zu bieten.

Abends, wenn eine große unsichtbare Hand den Mond wie einen gelben Lampion ĂŒber dem Libyschen Meer in den Himmel hĂ€ngt und die Zikaden wie auf ein Stichwort hin gleichzeitig in ihrem Gesang innehalten, steht Antonis draußen am Grill und brĂ€t die Fische, die er in der Nacht zuvor gefangen hat. GeschĂ€ftig rennt er mit dem schiefen LĂ€cheln, das er von Alexis geerbt hat, zwischen KĂŒche und GĂ€sten hin und her, wĂ€hrend sein Vater tief und fest auf seinem Stuhl schlĂ€ft.

Bei Vollmond ist Alexis‘ Körper wie elektrisiert und seine Sinne um ein Vielfaches geschĂ€rft. So auch in jener Nacht, als Selene ihn mit ihrem sĂŒĂŸen Gesang heimsucht und auch auf sein Bitten hin nicht von ihm ablassen will.

”Was willst du diesmal?”, murmelt Alexis und hĂ€lt sich die Ohren zu.
”Bring mir einen Geißbock dar!”, singt die Mondgöttin.
”Du kannst mich mal!” Alexis dreht sich im Bett um.
”Bring mir einen Geißbock dar oder ich sehe mich gezwungen, dich wie einen Hahn krĂ€hen zu lassen“, setzt Selene ihr Lied fort, lĂ€chelt und entschwindet.
”Mit wem unterhĂ€ltst du dich schon wieder?”, fragt Sofia, das rechte Auge wie eine Verhörlampe auf ihren Mann gerichtet, wĂ€hrend das linke geschlossen bleibt.
”Schlaf weiter, Weib, ich habe nur getrĂ€umt”, antwortet Alexis und richtet sich im Bett auf.

Da sitzt er und horcht fĂŒnf Minuten in die Dunkelheit. Als alles ruhig bleibt, legt er sich wieder nieder und seufzt zufrieden in die Stille hinein. Der unbĂ€ndige Drang, zu krĂ€hen, kommt etwa eine Viertelstunde spĂ€ter und scheint seinen Ursprung irgendwo zwischen Darm und Magen zu haben. So leise es geht, aber unter heftigem Kopfnicken, verlĂ€sst Alexis das Ehebett, presst sich die Hand vor den Mund und hĂŒpft mit seinem Lieblingsmesser in die Nacht hinaus. Niemand hört den Geißbock schreien.

Alexis ist entschlossen, sich des geopferten Tiers zu entledigen, hieft es auf den RĂŒcksitz seines Autos und fĂ€hrt ein StĂŒck die Serpentinen hoch. Er parkt den Wagen unmittelbar vor der kleinen Schlucht direkt neben Frau GlĂŒcks blauem Haus. Dort zieht er den Geißbock aus dem Auto, nimmt ihn bei den Vorderhufen und wuchtet ihn sich auf den RĂŒcken.

Mit seinen 55 Jahren ist Alexis immer noch attraktiv. Sein Leben, das er hauptsÀchlich auf dem Meer beim Fischfang zubrachte, hat ihn nicht gerade stÀrker, aber zÀher gemacht. Sein Gang ist leicht und nahezu tÀnzelnd, wenn er einmal nicht schwere Lasten hebt oder am Meer vor einer Wanne mit frisch gefangenem Fisch hockt, den er mit geschickten Handbewegungen sorgfÀltig ausnimmt und reinigt.

In dieser Vollmondnacht und unter dem Gewicht des Kadavers auf seinem RĂŒcken wird aus dem TĂ€nzeln starkes Schwanken. Unter erstickten FlĂŒchen erreicht Alexis den Rand der Schlucht und begibt sich schwer atmend in gebĂŒckte Haltung. So ruht er sich eine Weile aus und hofft, dass ihn kein Mensch entdeckt.

Es ist eine Sache, ein quietschfideles Zicklein fĂŒr das orthodoxe Osterfest an der Leine hinter sich herzufĂŒhren; eine andere ist es, einen toten Bock auf dem Körper herumzutragen, noch dazu in der Hocke. In SĂŒden Kretas gibt ein Mann mit einem Geißbock auf dem RĂŒcken Anlaß zu peinlichen Spekulationen, die unbedingt zu vermeiden sind.

Um die Strafbarkeit der Aktion indes macht sich Alexis keine Sorgen, da er den Geißbock als biologischen Abfall und sich selbst als das Opfer zwanghafter Handlung ansieht.

Alexis hat GlĂŒck. Die Nacht ist ruhig. Die einzigen Zeugen sind sein Auto und der Mond, dessen Lippen ja bekanntlich versiegelt sind. Tief geht er in die Knie, formt sein RĂŒckgrat zu einem Bumerang und schleudert den Geißbock mit einer pfeilschnell angedeuteten Rolle vorwĂ€rts von seinen Schultern geradewegs in die Schlucht hinab. Auf das GerĂ€usch knickender Äste folgt der dumpfe Aufprall, der Alexis zu einem zufriedenen â€Ă©tsi!” (so!) veranlasst. Er wischt sich die HĂ€nde an seinen Jeans ab und tĂ€nzelt zum Auto zurĂŒck. Zufrieden öffnete er eine Flasche Heineken, die er im Fußraum deponiert hat und trinkt sie mit wenigen Schlucken leer. Anschließend pfeffert er sie zu dem Bock in die Schlucht. Der hartnĂ€ckige KrĂ€h- und Nickdrang hat erheblich nachgelassen und schon auf der Heimfahrt denkt er nicht mehr an die sĂŒĂŸen EinflĂŒsterungen, die ihn so spĂ€t in der Nacht aus dem Bett getrieben haben. SpĂ€ter, als er sich ins Haus zurĂŒckschleicht und auf Zehenspitzen zu seiner Bettseite huscht, wacht Sofia auf, rĂŒmpft die Nase und sagt:

”Du riechst eigenartig fremd”.
„So?“, brummt Alexis.
Sofia knipst die Nachttischlampe an, um ihren Mann bei Licht zu betrachten.
„Heilige Muttergottes! Du siehst aus, als wĂ€rst du unter einen FĂŒnftonner geraten!”
Alexis stöhnt resigniert, zuckt die Schultern und löscht das Licht.
Sofia ist hellwach und tastet erneut nach dem Lichtschalter.
”LĂŒg mich nicht an! Ich kann bis hierher ihr ParfĂŒm riechen. Welches Flittchen war es diesmal?”, klagt Sofia und trollt sich beleidigt aus dem Bett.
„Mir lief ein LĂ€mmchen vor’s Auto, Weib.“
Sofia stemmt die HĂ€nde in die HĂŒften.
„Ein LĂ€mmchen lief ihm vors Auto! Hört hört! Hatte das LĂ€mmchen denn ein hĂŒbsches Kleidchen mit nichts darunter an?
Alexis wird zornig. „Ich hasse es, wenn du in der dritten Person von mir sprichst, so als wĂ€r‘ ich gar nicht da.
„Wenn es nach mir ginge, wĂ€rst du auch gar nicht mehr da“, keift Sofia und verlĂ€sst wĂŒtend das Schlafzimmer.

Alexis liegt mit hinter dem Kopf verschrĂ€nkten Armen in der Dunkelheit. Soll seine Frau doch glauben, was sie will. Sie kann von GlĂŒck reden, dass er sie nicht zu Tode gepickt hat. FĂŒr ihn ist die leidige Angelegenheit beendet. Selene hat, was sie will und bis zum nĂ€chsten Vollmond liegt ein ruhiger Monat auf dem Fernsehstuhl vor ihm. Was aber, wenn sie beim nĂ€chsten Mal ein Menschenopfer verlangt? Oder, was noch schlimmer wĂ€re, ihm befiehlt, das Rauchen und Trinken aufzugeben. Alexis wĂ€lzt sich unruhig im Bett herum. Erst als er sich fest vornimmt, mit einem Arzt ĂŒber seine ZwĂ€nge zu sprechen, schlĂ€ft er endlich ein. Das leise Gezeter seiner Ehefrau aus der KĂŒche begleitet ihn bis in seine TrĂ€ume.

Bereits am nĂ€chsten Tag erhebt sich Verwesungsgeruch vom Ort des Geschehens, orientiert sich am oberen Rand der Schlucht und lĂ€sst sich mit der nĂ€chsten Windbö bis auf Frau GlĂŒcks GrundstĂŒck tragen. Am Rand des GemĂŒsebeetes hĂ€lt er kurz inne.

Frau GlĂŒck ist mit feinen Sinnen ausgestattet. Ihr Gehör ist ĂŒberempfindlich. Erst kĂŒrzlich gab sie mir mit spitzen Fingern ihr Geburtstagsgeschenk, Bachs „Missa brevis“, zurĂŒck.

„Was ist los? GefĂ€llt es dir nicht?“, fragte ich, als sie die CD wie eine heiße Kartoffel in meine HĂ€nde fallen ließ.
Frau GlĂŒck hob abwehrend die HĂ€nde. „Entschuldige, Liebes, aber dieses Flötenspiel - ein Mordanschlag!“
Ich war etwas beleidigt. „Was!?“
„Na hör mal! Ich war tagelang taub. Aber mach dir nichts draus! Die Schmerzen lassen schon nach.“

Mit ihrem Geruchssinn verhÀlt es sich Àhnlich. Oft bleibt sie vor leeren Tischen stehen, sticht ein paar Mal mit der Nase in die Luft und ruft angewidert:

„Pah! Hier riecht es nach altem MĂ€nnerschweiß! Gurken-Costas hat hier gesessen. Und gleich neben ihm Nektarius, dieser versoffene SchĂ€fer. Zwar nicht lange, aber sicher ein gutes halbes StĂŒndchen. Dem Geruch nach zu urteilen saß seine Herde mit am Tisch.“

Der Verwesungsgeruch am Rand des GemĂŒsebeets passt den nĂ€chsten Luftwirbel ab, versenkt sich in ihm und marschiert von dort aus geradewegs in die Nasenlöcher von Frau GlĂŒck, die augenblicklich von ihrer großen bequemen HĂ€ngematte aufspringt und laut zu fluchen beginnt.

”Verdammt noch mal, was ist das fĂŒr ein Gestank?!”, ruft sie und stapft empört durch den Garten. Wie immer trĂ€gt sie ein kurzes Tangokleidchen und als einzigen Schmuck ihr blaues Sturmfeuerzeug, das an einer langen Kette um ihren Hals baumelt. Wenn es ginge, wĂŒrde Frau GlĂŒck auch schlafend rauchen.
Sie untersucht die KĂŒche, den Abfallsack, der draußen am robusten Stamm eines Olivenbaums angebracht ist, und schließlich noch die HundehĂŒtte ihres verwöhnten, aber freundlichen MischlingsrĂŒden, dem die Dorfbewohner den Namen LĂ©llo (Lachen) gegeben haben. Doch nirgends kann sie die Quelle des Gestankes ausmachen. Sie beschließt, Ruhe zu bewahren und den nĂ€chsten Tag abzuwarten.

Der nĂ€chste Tag kommt und mit ihm ein noch schlimmerer Gestank, der nicht nur Fliegen, sondern auch jede Menge Ratten anlockt, die LĂ©llo gleich einsammelt und stolz neben den gemĂŒtlichen Liegestuhl auf die Terrasse wirft. Dort klĂ€fft er die Tiere wĂŒtend an, bevor er sie mit einem einzigen Biss ins Genick tötet. Die Rattenkadaver hĂ€lt Frau GlĂŒck mit spitzen Fingern am Schwanz fest und wirft sie angewidert in den blauen MĂŒllsack.

”Ich ekel mich, ich kann das nicht mehr!”, höre ich sie schon von weitem jammern, als ich den ausgetrampelten Pfad betrete, der sich durch einen Olivenhain bis zum blauen Haus schlĂ€ngelt. Auf meinem Weg begegnen mir etliche KĂ€tzchen aus Frau GlĂŒcks Alphabet. Die kaffeebraune Alpha sitzt wie immer etwas arrogant in einem großen GrasbĂŒschel und der fröhliche schwarze Gamma purzelt mir von einem Olivenbaum direkt auf die Schuhe, um sich ein StĂŒck weit mit tragen zu lassen. Frau GlĂŒcks Alphabet ist erstaunlich zutraulich. Kurz vor der Terrasse springt mir LĂ©llo freudig mit einer Ratte im Maul entgegen.
„Hier, deine EinkĂ€ufe“, sage ich und ĂŒberreiche Frau GlĂŒck eine PlastiktĂŒte, in der sie gleich hektisch zu kramen beginnt.
„Hast du sie bekommen?“
„Ja, beim BaustoffhĂ€ndler. Er hat mich ausgelacht.“
„Lass‘ ihn nur. Ihm wird das Lachen schon vergehen, wenn er erfĂ€hrt, dass seine feiste Frau jeden Tag ins Kosmetikstudio fĂ€hrt. Ich frag mich sowieso, was sie da mit ihr machen. Sie hat BlutergĂŒsse im Gesicht.“
Frau GlĂŒck fischt die Staubmaske aus der TĂŒte und setzt sie sich auf den Mund.
„Es werden jeden Tag mehr, weißt du“, dröhnt es dumpf unter dem weißen Zellstoff hervor. „Mir reichen schon die Kakerlaken, die sich in meinem ToilettenschrĂ€nkchen verkriechen. Aber Ratten! Es knackt so entsetzlich, wenn LĂ©llo sie ins Genick beißt; ich trĂ€ume schon davon.”

Auch Petros, der Nachbar, ist von der Rattenplage betroffen.
”Wir mĂŒssen etwas unternehmen!”, sagt er eines Tages, als er herĂŒber kommt und mit verschrĂ€nkten Armen vor Frau GlĂŒcks Terrasse stehenbleibt.
”Wir mĂŒssen herausfinden, woher der Gestank rĂŒhrt und dann alles weitere veranlassen”, schlĂ€gt er vor.
Frau GlĂŒck ist erstaunt. Petros bewegt sich sonst nur, um Geld abzuzĂ€hlen. Sie ergreift die Gelegenheit beim Schopf.
”Ich sag dir was, Petros, ich glaube, der Geruch kommt von der Schlucht da drĂŒben. Ich kraxel da aber nicht rein. Du weißt, dass ich halb blind bin und leicht falle.“
„Dann geh‘ ich eben allein“, sagt Petros und verschwindet.
„Es ist ein halb verwester Geißbock“, ruft er Stunden spĂ€ter aus seinem KĂŒchenfenster.
„Ach? Und was veranlassen wir jetzt?“, schreit Frau GlĂŒck, die gerade einen neuen MĂŒllsack um die Olive drapiert.
„Nichts weiter.“ Petros klingt beschĂ€ftigt. Es entsteht eine lange Schweigepause, bis er gleichgĂŒltig fortfĂ€hrt. ”Solange wir nicht wissen, wem er gehört hat, können wir nichts tun.“
„Scheiss Griechen!“, tönt es dumpf unter der Staubmaske.

Frau GlĂŒck schneidet das Thema ”Toter Geißbock” auch in Antonis‘ Taverne an. Lautstark ereifert sie sich ĂŒber ihr UnglĂŒck.
”Das war meiner”, brummt Alexis, der wie immer an vollmondfreien Abenden auf seinem Lieblingsstuhl hĂ€ngt und gebannt auf den Fernseher starrt.
Frau GlĂŒck bleiben die nĂ€chsten Worte im Halse stecken. Denn Alexis ist ihr Liebling.
”Er hat Charakter und ein gutes Herz”, sagt sie immer.
”Er ist nicht zimperlich und macht einen gegerbten Eindruck. Er ist mein alter Pirat!” Alle im Dorf bis auf Sofia wissen, dass Alexis oft bei Frau GlĂŒck vorbeischaut, um sich dort bis zum Abwinken voll laufen zu lassen. Er ist der einzige, der es schafft, auf der kurzen Strecke von ihrem Haus bis zu seinem Auto drei Dosen Bier zu leeren. Auf nur 100 Metern ist das selbst fĂŒr einen Kreter schwierig.

Frau GlĂŒck ist verwirrt. Ihren Piraten kann sie nicht beschimpfen. Also richtet sie ihre Wut gegen den Geißbock, der die Stirn hatte, vor seiner Zeit zu sterben. Sie beschimpft auch die stĂ€dtischen VeterinĂ€rĂ€mter, die nie rechtzeitig zur Stelle sind und schließlich macht sie sich ĂŒber die regierende Partei und ihren Vorsitzenden her, der es versĂ€umt hatte, beim letzten politischen Kongress ein Gesetz ĂŒber die ordnungsgemĂ€ĂŸe und schnelle Entsorgung verstorbenen Nutzviehs anzuregen.

”Da verschleudert er die EU-Gelder zur BrandbekĂ€mpfung und Wirtschaftswachstum, jagt von einem Empfang zum andern und hier verendet ein dummer Geißbock, dessen Besitzer keine andere Wahl hat, als ihn neben mein Haus zu werfen!”, ruft sie wutentbrannt Richtung Meer und trommelt mit den FĂ€usten auf ihre Stuhllehne.
”Aber wenn ich mir seine winzige Frau mit ihren verkniffenen Augen ansehe, weiß ich schon, wem wir das zu verdanken haben”, fĂ€hrt sie fort und beginnt, Raki zu trinken.
Frau GlĂŒck vertrĂ€gt keinen Raki.
”Jawohl! Verkniffene Schlitze!”, hört man sie murmeln, als zwei krĂ€ftige Burschen sie spĂ€t in der Nacht den Berg hinauf nach Hause tragen.

Zwei Tage spĂ€ter wird der Verwesungsgeruch unertrĂ€glich. Selbst die Ratten verschwinden und machen FliegenschwĂ€rmen Platz, die sich auf die kraftlose Frau in ihrer geschmackvollen, kleinen Liege stĂŒrzen. Bewaffnet mit roten Fliegenklatschen in Faustform schlĂ€gt sie mal kraftlos auf den Boden, mal auf die hölzerne Pergola ein.
”Es reicht”, murmelt sie schwach und schaut mich ratlos hinter ihrer großen Lesebrille an.
Neben ihr liegt ein aufgeschlagenes BĂŒchlein. „Lieben Sie Brahms“ von Francoise Sagan, ihrer Lieblingsschriftstellerin. Auf dem Buchdeckel kleben zermatschte Fliegenkörper, die den Titel auf „Lieben Sie .rahm.“ reduziert haben.
”Nicht nur, dass es stinkt, nein, jetzt kommen noch diese fliegenden Sopranistinnen, die mir mit ihren hohen Frequenzen das Gehör zerstören. Wenn du etwas trinken möchtest, bedien‘ dich. Folge den SĂ€ngerinnen in die KĂŒche!”
Ich verberge ein LĂ€cheln.
”Durch den Geruch darfst du dich ĂŒbrigens nicht stören lassen, in einem guten halben Jahr wird er verschwunden sein!”
„Warum stellst du ihn nicht endlich zur Rede?“, frage ich.
Frau GlĂŒck windet sich. „Ach nein! Er hatte sicher seine GrĂŒnde.“
„Er soll den Schaden wieder gut machen. Überleg‘ es dir. Wir können gleich losgehen.“

Wenig spĂ€ter stehen wir vor Alexis, der wie ein Toter ĂŒber seinem Stuhl hĂ€ngt und auf den Fernseher starrt.
Frau GlĂŒck rĂŒttelt ihn freundlich und sagt im bestimmten Ton:
”Alexis, du musst den Geißbock oder das, was von ihm ĂŒbrig ist, wieder aus der Schlucht holen. Verbrenn‘ ihn meinetwegen, aber schaff‘ ihn fort.”
Eine Zeitlang geschieht gar nichts. Alexis glotzt gleichmĂŒtig auf den Bildschirm. Irgendwann rĂ€uspert er sich, drĂŒckt sich das rechte Nasenloch zu, schnupft gerĂ€uschvoll auf den KĂŒchenboden und brummt: ”Nein!”

”Er ist eben ein alter Pirat!”, erklĂ€rt mir Frau GlĂŒck, als wir kurz darauf am Meer sitzen und speisen.
”Er ist verdammter Ignorant”, sage ich und betrachte den Piraten, der im Innern der Taverne auf seinem Stuhl zusammengesunken ist und schnarcht.

Mittlerweile hat Sortiris, der Maurer, großes Mitleid entwickelt. Er kennt Frau GlĂŒck seit Jahren und kann sie nicht leiden sehen. Schweigend hat er Alexis‘ gleichgĂŒltige Reaktion zur Kenntnis genommen und wenig spĂ€ter einen heldenhaften Plan gefasst.

Schon am nĂ€chsten Morgen braust er auf seinem kleinen Motorroller die Serpentinen rauf und stattet Frau GlĂŒck einen Besuch ab.
”Ich habe das Problem beseitigt!”, ruft er bereits von weiten, als er sich auf dem Trampelpfad nĂ€hert.
”Oh, du hast den Geißbock weggeschafft!”, ruft Frau GlĂŒck erfreut und will Sortiris um den Hals fallen.
”Nein!”, antwortet er glĂŒcklich.
”Ich habe Gift gesprĂŒht. Ich benutze es auch im GewĂ€chshaus. Es ist bombensicher. Die Fliegen sind tot und alles andere Viehzeug auch.”
”Nein, Sortiris!”, ruft Frau GlĂŒck und rennt aufgeregt hin und her.
„Du willst mir doch nicht sagen, dass du diese furchtbare Chemiekeule in der Gegend versprĂŒht hast? Es wird nicht nur die Fliegen töten, sondern auch meine Katzen und was mache ich bloß, wenn LĂ©llo in die Schlucht lĂ€uft?”
Frau GlĂŒck beginnt zu weinen, Sortiris kratzt sich verdutzt den Kopf und LĂ©llo bellt solidarisch.

Am Abend treten die ersten TodesfĂ€lle auf. Frau GlĂŒck findet neben mehreren toten Ratten auch einige Exemplare ihres Alphabets.
”Oh, Alpha, hat es dich auch erwischt!”, jammert sie und hebt das kaffeebraune KĂ€tzchen auf, das selbst im Tode noch vornehm ausschaut.
Epsilon windet sich einige Tage spĂ€ter in TodeskrĂ€mpfen. Als der freche Gamma seinen letzten Atemzug tut, ist es mit Frau GlĂŒcks Geduld vorbei. Wutschnaubend rennt sie zu Alexis, der am Meer vor einer Wanne mit Fisch hockt und SelbstgesprĂ€che fĂŒhrt.
„Alexis!“
„Hm?“, brummt der Pirat. Eine filterlose Karelia hĂ€ngt ihm im Mundwinkel.
”Warum, verdammt noch mal, hast du den Geißbock in die Schlucht geworfen? Jetzt sterben meine Katzen und ich habe MĂŒhe und Not, LĂ©llo im Haus zu halten!”
Der Pirat nimmt stur seine Fische aus.
„Wenn du mir nicht antwortest, brauchst du dich nie mehr bei mir blicken zu lassen!“
Frau GlĂŒck ist den TrĂ€nen nah. Sie packt Alexis bei den Schultern und rĂŒttelt ihn. Der Pirat gibt ein heiseres Grunzen von sich, fĂ€hrt aber in seiner Arbeit fort.
„Selene ist schuld,“ murmelt er wenig spĂ€ter, ohne aufzusehen und schlitzt einen weiteren Fischbauch auf. „Sie zwang mich dazu.“ Ein AschehĂ€ufchen fĂ€llt in die Wanne.
„Skatá! (Scheiße!)“, flucht Alexis und schnippt die Zigarette ins Meer.
„Selene? Du bist mondsĂŒchtig?“
„Hm“, brummt der Pirat, wĂ€hrend er mit einem Messer die glitzernden Innereien aus dem Fisch herausschĂ€lt.
„Es ist mehr als albern mir jetzt mit einer Göttin zu kommen! Wieso sollte ich dir das glauben?“, ruft Frau GlĂŒck und wendet sich erzĂŒrnt zum Gehen.
„Warte! Möchtest du heute Nacht mit mir zum Fischen hinausfahren? Wir haben Vollmond und ich werde kein Auge zumachen können.“
Frau GlĂŒck hĂ€lt ĂŒberrascht inne. Noch nie hat Alexis sie mit hinaus aufs Meer genommen. Sie wirft einen flĂŒchtigen Blick auf das blaue, sanft im Hafen schaukelnde Boot, an dessen Bug in frischer weißer Farbe der Schriftzug „EftichĂ­a (GlĂŒck)“ leuchtet.
„Du hast es nach mir benannt? Wo ist der alte Name hin?“
„Fort“, brummt der Pirat.
Vor Verlegenheit beginnt Frau GlĂŒck zu stammeln. „Aber...aber warum nur?“
„Das war Selene! Im vorigen Monat.“

Ich habe aufgehört, die Tage zu zĂ€hlen, die verstrichen, seit ich das blaue Haus neben der Schlucht bezogen habe. Die silbrigen Zweige der ÖlbĂ€ume, die sich nun unter der schweren Last der schwarzen FrĂŒchte herab neigen, verraten, dass der Winter sich dem Ende zuneigt und die Olivenernte kurz bevor steht. Die Ratten und Fliegen sind lĂ€ngst verschwunden. Doch noch immer hĂ€lt LĂ©llo Ausschau nach Frau GlĂŒck. In vielen NĂ€chten verlĂ€sst er seine HundehĂŒtte und rennt die Serpentinen hinunter zum Hafen. Dort sitzt er bewegungslos bis zum frĂŒhen Morgen, den Blick aufmerksam auf das Meer gerichtet. Die Griechen lassen ihn. „Solange der Hund schaut, ist Hoffnung“, sagen sie. Der Holzstuhl vor dem Fernseher in der Taverne ist leer und die GesprĂ€che an den Abenden drehen sich um die Vollmondnacht, in der Alexis mit Frau GlĂŒck zum Fischen hinausfuhr. Lange Zeit verrieten die tanzenden Lichter der Positionsleuchten den Standort des Bootes. Als Selene bei der „EftichĂ­a“ auftauchte und auf dem Meer ihr Lied sang, entbrannte in Antonis‘ Taverne gerade ein Streit ĂŒber Gurken und GewĂ€chshĂ€user. Nur die alte Maria draußen auf ihrem Eisenbett bemerkte das schwĂ€cher werdende Glimmen der Positionsleuchten, richtete sich auf und blickte der „EftichĂ­a“ nach, bis sie am Horizont verschwunden war.







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bluesnote
One-Hit-Wonder-Autor
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Leichte Kost, ansprechend aufgemacht.

Hallo majissa

Das erste, was mir auffiel, die Figuren sind super beweglich.
Lockere Dialoge, die sich einprĂ€gen, dazu ein Quentchen Humor. Die abrupten Scenenwechsel fordern dazu auf, weiter zu lesen. Nur, das Frau GlĂŒck raucht, passt nicht ganz, wie ich finde.
Eine Geschichte mit diesem Atem las ich nie, die muss so!
Ich hĂ€tte die Bewertung vergeben: Eine Bereicherung fĂŒr die Leselupe.

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majissa
Autor mit eigener TV-Show
Registriert: Jan 2002

Werke: 27
Kommentare: 399
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Hallo bluesnote,

schön, dass du die lange Geschichte gelesen hast und sie dir sogar gefallen hat. Das freut mich; insbesondere, weil ich mich diesmal an einem etwas weniger skurrilen Schreibstil versuchte und nicht sicher war, wie er ankommen wĂŒrde. Über deinen Hinweis zu Frau GlĂŒck habe ich nachgedacht. Ich hĂ€tte sie wohl besser beschreiben sollen. Denn es gibt sie tatsĂ€chlich und wer sie kennt, kann sie sich gar nicht ohne Zigaretten vorstellen. Doch woher soll der Leser das wissen? Im Text steht ja nicht, dass sie ĂŒber 60 und sehr schlank ist, eine Stimme wie ein Reibeisen hat, an die 186 cm misst und darauf wartet, dass ihr Haar gleichmĂ€ĂŸig weiß wird. Sie mag kein Grau. ErwĂ€hnenswert vielleicht auch, dass sie etliche MĂ€nner unter den Tisch trinkt, dabei laut redet, aber immer die Contenance wahrt. Frau GlĂŒck ist ein "Mittelding" zwischen Grand Dame und Seemann. Also ja, ich meine, das sollte der Leser womöglich doch erfahren. Dann passen auch die Glimmstengel, hm? Wozu ein objektiver Blick doch gut ist. Danke nochmal.

Liebe GrĂŒĂŸe
Majissa

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La Luna
Fast-Bestseller-Autor
Registriert: Apr 2001

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Kommentare: 646
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Tagchen Majissa,

hey, das ging ja doch flotter als erwartet mit der Geschichte, was?
Beim Titel „Vollmond“ dĂ€mmerte es mir schon leicht, doch wie groß war mein EntzĂŒcken, als ich las, wie Selene die depperten Lunalisten an der Nase herumfĂŒhrte.
Ohja, zweifelsohne scheint diese Dame mir sehr nah zu stehen. Allerdings sollte ich vielleicht bei meiner griechischen Kollegin noch mal Unterricht nehmen, denn leider Gottes habe ich es noch nicht geschafft, dass fĂŒr mich jemand durch’s Gras kriecht, geschweige denn einen ollen Ziegenbock fĂŒr mich opfert. Unter uns gesagt, eine nĂŒtzlichere Opfergabe wĂ€re mir ohnehin lieber, denn sag’, was kann man mit so’nem Bock schon groß anfangen, hm? Außerdem stinken sie und rasieren sich nie. Jawohl, ich sagte nie!

Aber ich bin ja nicht nur zum Schwatzen hergekommen, und deshalb komme ich jetzt besser mal zur Sache, okay?

Beginnen werde ich mit den Kleinigkeiten:


Dort wartet er mit froschigem Blick auf die geeignete Frau, um sie aus der Deckung heraus hinterrĂŒcks anzuspringen und zu begatten, wobei er sich mit heftigem Schwanzwedeln am weiblichen RĂŒcken festklammert, bis die Paarung vollzogen ist.

Bei diesem Bild, das du hier zeichnest, lag ich das erste Mal vor Lachen in der Ecke. Also nee, dieses Wedeln hat was, da wird man ja ganz kirre
*g*.
Was mir hier nicht so gut gefĂ€llt, ist der froschige Blick. Klar, ich weiß was du meinst, aber allein der Ausdruck „froschig“. Nein, das klingt nicht gut. Vielleicht hervorquellende Augen, oder einfach Stielaugen? Ja genau, Stielaugen fĂ€nde ich prima!



Das inbrĂŒnstig ausgestoßene GestĂ€ndnis „Ich leide an Lunalismus!“, wird kein Richter je zu Protokoll nehmen.

Ein Richter nimmt eh nix zu Protokoll. Das machen die sogenannten Gerichtsschreiber, und vor denen die Polizeibeamten beim Verhör. Und zu Protokoll nehmen sie alles, was der Angeklagte sagt. Der Richter entscheidet dann, inwieweit in diesem Fall mildernde UmstÀnde eintreten könnten, u.s.w.



Ein Bluttest und der am Tatort aufgefundene rote Sombrero lassen keine Zweifel an der Vaterschaft des TĂ€ters.

Die Idee ist klasse, aber ohne den Bluttest wĂ€re der Witz noch besser. Wenn du den weglassen wĂŒrdest, wĂ€re es erst so richtig beknackt. Die Vorstellung, dass allein dieser Sombrero ĂŒber Wohl und Wehe entscheidet, wĂ€re einfach herrlich.



Maria verschmilzt mit der Dunkelheit, damit das Kind sie nicht finden kann.

Nein, bei diesem Satz habe ich gar nichts zu mosern. Den wÀhlte ich nur aus, um dir zu sagen, dass er genial ist! Ich lag echt daneben. Diese kurze prÀgnante Feststellung ist sehr effektiv.


Die Kleinigkeiten hÀtten wir jetzt hinter uns. Hier beginnen die Winzigkeiten:



Ist Opa noch munter genug, zeigt er seinem Urenkel bereitwillig, wie lange ein KÀtzchen es ohne Luft unter Wasser aushÀlt.

Hier wĂŒrde ich nur ein Wort umplatzieren: „
wie lange es ein KĂ€tzchen
“
Das liest sich einfach flĂŒssiger.




 hieft es auf den RĂŒcksitz seines Autos
.

hievt



Unter erstickten FlĂŒchen erreicht Alexis den Rand der Schlucht und begibt sich schwer atmend in gebĂŒckte Haltung.

Ich wĂŒrde „in eine gebĂŒckte Haltung“ schreiben, sonst hat es so was Telegrammartiges.



Zufrieden öffnete er eine Flasche Heineken, die er im Fußraum deponiert hat Komma und trinkt sie mit wenigen Schlucken leer.

Eingeschobener Satz.



„Scheiss Griechen!“, tönt es dumpf unter der Staubmaske.

„Scheiß Griechen“, weil ein langer Vokal vorangeht.



Frau GlĂŒck bleiben die nĂ€chsten Worte im Halse stecken. Denn Alexis ist ihr Liebling.

Diese beiden SĂ€tze wĂŒrde ich nur durch Komma trennen, weil der zweite in Bezug zum ersten steht. Sonst entsteht beim Lesen ein zu starker Bruch.




fÀhrt sie fort und beginnt, Raki zu trinken.

Das Komma kannst du streichen.




Du siehst, viel habe ich nicht gefunden, trotz Lupe.
Dennoch: Möge dir das Wenige hilfreich sein!

Ach ĂŒbrinx, wusstest du schon, dass Selene ne unwahrscheinliche Ähnlichkeit mit dir hat?
Ehrlich, kannst ja den Ziegenbock fragen, der kann ein Lied von ihr singen.
Nun komm’ mir aber nicht damit, dass Böcke nicht singen könnten, es klingt nur etwas gedĂ€mpfter durch den Bart, aber wenn man genau hinhört



Liebste GrĂŒĂŸe
Julia – bekennende Selenistin






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JoshHalick
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Hallo liebe Majissa,

Ich bin nicht so ganz zufrieden mit deiner Geschichte. Ich sehe zwar, all das was ich auch bei anderen Geschichten von dir sehe, die Ideen, das Talent, aber dennoch stimmt hier etwas fĂŒr mich nicht. Doch bevor ich genauer auf den Inhalt eingehe, werde ich dir erstmal erzĂ€hlen welche Worte und Ausdrucksformen mir ganz persönlich nicht so besonders gut gefielen.
Hierbei muß ich aber mal wieder bemerken, dass es sich in den meisten FĂ€llen nicht um Dinge handelt die ich als Fehler erachte, sondern einfach nur Dinge die mir nicht gefallen.

„Hey, was hattest du denn gestern Nacht auf unserem Garagendach zu suchen?“
„Wer? Ich?“
„Nun tu nicht so! Du warst nackt bis auf diesen roten Sombrero.“
„Was? Ich hab‘ keinen roten Sombrero.“
„Doch, hast du. Das alberne Ding aus deinem letzten Urlaub! Außerdem hab‘ ich dich an deinen Arschbacken erkannt. Du kneifst sie doch immer zusammen. Auch in Hosen. Auseinander und zusammen, wie ‘ne Ziehharmonika. Blöde Angewohnheit, was?“
„Ach, lass‘ mich doch in Ruhe!“


Hier hÀtte meiner Meinung nach, der Sombrero als Erkennungszeichen gereicht.

Dort wartet er mit froschigem Blick auf die geeignete Frau, um sie aus der Deckung heraus hinterrĂŒcks anzuspringen und zu begatten, wobei er sich mit heftigem Schwanzwedeln am weiblichen RĂŒcken festklammert, bis die Paarung vollzogen ist.

Du kannst es dir sicher denken…. froschigem Blick. Mich wĂŒrde interessieren ob es nur mir so geht oder ob auch andere Probleme haben sich einen froschigen Blick vorzustellen. Einen Froschblick ja! Aber froschig.. hm!


Der unbĂ€ndige Drang, zu krĂ€hen, kommt etwa eine Viertelstunde spĂ€ter und scheint seinen Ursprung irgendwo zwischen Darm und Magen zu haben. So leise es geht, aber unter heftigem Kopfnicken, verlĂ€sst Alexis das Ehebett, presst sich die Hand vor den Mund und hĂŒpft mit seinem Lieblingsmesser in die Nacht hinaus. Niemand hört den Geißbock schreien.

Das aber hier mochte ich absolut nicht! Keine Ahnung warum. Es klang fĂŒr mich nicht so, kann aber durchaus an mir liegen.


Alexis ist entschlossen, sich des geopferten Tiers zu entledigen, hieft es auf den RĂŒcksitz seines Autos und fĂ€hrt ein StĂŒck die Serpentinen hoch. Er parkt den Wagen unmittelbar vor der kleinen Schlucht direkt neben Frau GlĂŒcks blauem Haus. Dort zieht er den Geißbock aus dem Auto, nimmt ihn bei den Vorderhufen und wuchtet ihn sich auf den RĂŒcken.


…wuchtet ihn sich auf den RĂŒcken… Das könnte man auch schöner formulieren.


Mit seinen 55 Jahren ist Alexis immer noch attraktiv. Sein Leben, das er hauptsÀchlich auf dem Meer beim Fischfang zubrachte, hat ihn nicht gerade stÀrker, aber zÀher gemacht. Sein Gang ist leicht und nahezu tÀnzelnd, wenn er einmal nicht schwere Lasten hebt oder am Meer vor einer Wanne mit frisch gefangenem Fisch hockt, den er mit geschickten Handbewegungen sorgfÀltig ausnimmt und reinigt.


Hier störte mich das sein Gang leicht und nahezu tĂ€nzelnd ist, es sei denn er hebt schwere lasten oder er hockt vor einer Wanne. Irgendwie klar das er da nicht tĂ€nzelt, er geht ja nicht mal :oP Davon abgesehen, den Fisch kann ich noch verstehen, das trĂ€gt zum Bild bei… es ist ja ganz spezifisch der Fisch und das gehört zu ihm, aber diese schweren Lasten…


In dieser Vollmondnacht und unter dem Gewicht des Kadavers auf seinem RĂŒcken wird aus dem TĂ€nzeln starkes Schwanken. Unter erstickten FlĂŒchen erreicht Alexis den Rand der Schlucht und begibt sich schwer atmend in gebĂŒckte Haltung. So ruht er sich eine Weile aus und hofft, dass ihn kein Mensch entdeckt.

Hier gefiel mir das… unter erstickten FlĂŒchen… nicht so. Dann das … „begibt sich schwer atmend in gebĂŒckte Haltung“. Im Ersten Moment mag es so scheinen als entsprĂ€che diese Beschreibung dem ĂŒblichen ErzĂ€hlstil, auf den zweiten Blick passt sie fĂŒr mich nicht mehr. Ich kanns nicht recht begrĂŒnden, das ist nur so was intuitives.
Dann das entdeckt. Mir hĂ€tte besser gefallen, hĂ€tte dort gestanden, das er hofft ihn wĂŒrde niemand beobachten, denn wenn du entdeckt schreibst, stelle ich mir vor das sehr viele Leute um ihn herum sind (du weißt wie ich das meine? Blöd ausgedrĂŒckt) von denen ihn einer entdecken könnte. Also hier fĂ€nde ich ein andere Wort besser, und wenn du nur schreibst er hoffe ihn wĂŒrde niemand sehen….

Um die Strafbarkeit der Aktion indes macht sich Alexis keine Sorgen, da er den Geißbock als biologischen Abfall und sich selbst als das Opfer zwanghafter Handlung ansieht.

Hier ist es das „indes“. Eigentlich traue ich dir nicht zu das du so ein Wort falsch platzierst. Ich muß aber trotzdem sagen das ich es anders gemacht hĂ€tte, allein des Klanges wegen.

Zufrieden öffnete er eine Flasche Heineken, die er im Fußraum deponiert hat und trinkt sie mit wenigen Schlucken leer. Anschließend pfeffert er sie zu dem Bock in die Schlucht. Der hartnĂ€ckige KrĂ€h- und Nickdrang hat erheblich nachgelassen und schon auf der Heimfahrt denkt er nicht mehr an die sĂŒĂŸen EinflĂŒsterungen, die ihn so spĂ€t in der Nacht aus dem Bett getrieben haben.

….mit wenigen Schlucken leer. Ich finde … mit wenigen Schlucken aus, hĂ€tte besser geklungen. Aber da kann man sich drĂŒber streiten, sehe ich ein. Dann der nĂ€chste Satz, der gefiel mir auch nicht. Zu dem Bock in die Schlucht… Ach ich weiß nicht, das klingt so speziell. Als ob der Bock unten steht und nur darauf wartet die Flasche aufzufangen.


„Ein LĂ€mmchen lief ihm vors Auto! Hört hört! Hatte das LĂ€mmchen denn ein hĂŒbsches Kleidchen mit nichts darunter an?
Alexis wird zornig. „Ich hasse es, wenn du in der dritten Person von mir sprichst, so als wĂ€r‘ ich gar nicht da.
„Wenn es nach mir ginge, wĂ€rst du auch gar nicht mehr da“, keift Sofia und verlĂ€sst wĂŒtend das Schlafzimmer.


Hier wĂŒrde ich das … nichts drunter an… undbedingt streichen. Nun gut es ist ein Lamm, es ist witzig wenn dies Lamm ein Kleidchen anhat, weil es das fĂŒr gewöhnlich nicht hat, aber ist es genauso witzig wenn man die Aufmerksamkeit auf dessen UnterwĂ€sche lenkt die es von Natur aus sowieso nicht trĂ€gt?
Der darauf folgende Satz von Alexis war zu konstruiert. Als stĂŒnde er nur da, damit Sofia dann genau so wie sie antwortete auch antworten kann. Du weißt wie ich es meine? Es klingt nicht echt. Da wĂŒrde es schon helfen, wenn du die dritte Person weglĂ€sst, wenn er so etwas schon sagt… dritte Person dann wĂ€re es untypisch das noch zu erklĂ€ren. Sogar wenn er weiß, das sie nicht weiß, was dritte Person bedeutet. Dann nĂ€mlich wĂŒrde er, so sehe ich das, erst gar nicht mit der dritten Person anfangen. Vor allem nicht in dieser Situation.

Alexis liegt mit hinter dem Kopf verschrÀnkten Armen in der Dunkelheit.

Besser fÀnde ich: Die Arme hinter dem Kopf verschrÀnkt liegt Alexis in der Dunkelheit.


Der Verwesungsgeruch am Rand des GemĂŒsebeets passt den nĂ€chsten Luftwirbel ab, versenkt sich in ihm und marschiert von dort aus geradewegs in die Nasenlöcher von Frau GlĂŒck, die augenblicklich von ihrer großen bequemen HĂ€ngematte aufspringt und laut zu fluchen beginnt.

Diesen Absatz wĂŒrde ich streichen. Es ist nicht so das es nicht ganz komisch wĂ€re, aber die EigenstĂ€ndigkeit des Geruchs passt fĂŒr mich nicht in diese Geschichte. In einer anderen ja, aber in dieser?


Dort klĂ€fft er die Tiere wĂŒtend an, bevor er sie mit einem einzigen Biss ins Genick tötet. Die Rattenkadaver hĂ€lt Frau GlĂŒck mit spitzen Fingern am Schwanz fest und wirft sie angewidert in den blauen MĂŒllsack.

Das Verhalten des Hundes finde ich untypisch (wenn ich von meinen Hunden ausgehe, aber wer weiß schon ob die sich normal verhalten???). Nun ja, ich fragte mich ob ein Hund wirklich so eine Ratte fangen kann, die sind ja ganz schön flink und können ordentlich springen aber gut.
Ich weiß gar nicht ob ich das verpasst hab, aber ich kann mir gar nicht vorstellen wie nah genau Frau GlĂŒck an der Schlucht lebt damit die Ratten und die Fliegen sich bei ihr rumtreiben.
Ich kann mir nicht helfen, ich finde das eigenartig. Der Geruch ok! Aber die Ratten und die Fliegen… ich mein der Bock liegt in einer Schlucht und wie zumindest am Ende steht, steht das Haus von Frau GlĂŒck neben der Schlucht. Nun gut, ein paar Fliegen ok… die lasse ich auch noch durchgehen, aber die Ratten??? Nein ich weiß nicht!
Und spĂ€ter wird dann auch erwĂ€hnt, ich hoffe ich habe es nicht falschin Erinnerung, das Frau GlĂŒck Angst hat, ihr Hund könnte in die Schlucht laufen … eigentlich mĂŒsste der Hund sich dann ja auch an dem Bock vergreifen und da was von mampfen und sich in dem Leichenwasser suhlen. Und wenn der schon dahingeht… kommen doch noch ganz andere Tiere. Ich weiß nicht, die Ratten kann ich nicht so verstehen. Ich weiß ja nicht wie es da so mit der Rattenbevölkerung ist aber wenn hier mal irgendwo ein totes Wild wo rumliegt dann sitzt auch keine Schar von Ratten drum herum. Ich kann das alles ja durchaus falsch sehen. Wie gesagt ich bin kein Rattenexperte. Vielleicht habe ich ja nur ein falsches Bild von denen aber ich sehe sie eher in den MĂŒlltonnen und kann mir gar nicht vorstellen dass sie in Scharen (ich sehs immer in Scharen vor mir) zu diesem Bock laufen. Kanns mir nicht vorstellen. Aber ich weiß es auch nicht besser, deshalb lassen wir das.

Ach ja aber, hĂ€lt sie am Schwanz fest (die Betonung liegt auf fest) könnte man schöner ausdrĂŒcken. So ganz trifft es das fĂŒr mich nicht... hĂ€lt sie fest.

„Hier, deine EinkĂ€ufe“, sage ich und ĂŒberreiche Frau GlĂŒck eine PlastiktĂŒte, in der sie gleich hektisch zu kramen beginnt.
„Hast du sie bekommen?“
„Ja, beim BaustoffhĂ€ndler. Er hat mich ausgelacht.“
„Lass‘ ihn nur. Ihm wird das Lachen schon vergehen, wenn er erfĂ€hrt, dass seine feiste Frau jeden Tag ins Kosmetikstudio fĂ€hrt. Ich frag mich sowieso, was sie da mit ihr machen. Sie hat BlutergĂŒsse im Gesicht.“
Frau GlĂŒck fischt die Staubmaske aus der TĂŒte und setzt sie sich auf den Mund.
„Es werden jeden Tag mehr, weißt du“, dröhnt es dumpf unter dem weißen Zellstoff hervor. „Mir reichen schon die Kakerlaken, die sich in meinem ToilettenschrĂ€nkchen verkriechen. Aber Ratten! Es knackt so entsetzlich, wenn LĂ©llo sie ins Genick beißt; ich trĂ€ume schon davon.”


Hier haben wir wieder einen Dialog. Hier kommt wieder etwas vor, was mich störte, und zwar das zu viele Leute auftauchen die keine Funktion erfĂŒllen. Ich hab das mit dem, ihm wird das Lachen schon noch vergehen, wenn er erfĂ€hrt... Da fehlt doch irgendwie was! So was sagt man doch ĂŒblicherweise wenn man einen Komplott plant. Wenn ich jetzt zum Beispiel einen Freund schicke um mir eine Blume von Lieselottes Blumenladen zu holen, und der Freund dann zurĂŒck kommt und mir erzĂ€hlt: Lieselotte hat mich ausgelacht weil ich lieber gelbe statt violette StiefmĂŒtterchen mag, dann wĂŒrde ich antworten: Lass sie nur lachen, das wird ihr noch vergehen, wenn ich meine Untersuchungen abgeschlossene habe und bei der Blumeninnung vorbringe das sie ihre Pflanzen unwĂŒrdig behandelt.
*rÀusper*
Das ist schon ein sehr dĂ€mlicher und ungekonnter Vergleich aber du wirst schon wissen was ich meine. Ich wĂŒrde das also rausstreichen.
Dann gefiel mir nicht die Sache mit den Kakerlaken im ToilettenschrĂ€nkchen. Auch das wirkte konstruiert. Genauso das mit den Ratten und dem Knacken. Hier ist es weniger der Inhalt an sich als mehr die Art wie er dargestellt wird. Das heißt die Worte… na ja, Mensch, du weißt was ich meine.

Auch Petros, der Nachbar, ist von der Rattenplage betroffen.
”Wir mĂŒssen etwas unternehmen!”, sagt er eines Tages, als er herĂŒber kommt und mit verschrĂ€nkten Armen vor Frau GlĂŒcks Terrasse stehenbleibt.


..sagt er eines Tages… Ich hab ja im Grunde genommen keine Probleme wenn Geschichten in der Gegenwart spielen… aber wenn ich eben in der Gegenwart war und dann die Gegenwart zu einer „eines Tages Gegenwart“ wird, dann stört das beim lesen. Kann man das nicht anders regeln?


”Wir mĂŒssen herausfinden, woher der Gestank rĂŒhrt und dann alles weitere veranlassen”, schlĂ€gt er vor.
Frau GlĂŒck ist erstaunt. Petros bewegt sich sonst nur, um Geld abzuzĂ€hlen. Sie ergreift die Gelegenheit beim Schopf.
”Ich sag dir was, Petros, ich glaube, der Geruch kommt von der Schlucht da drĂŒben. Ich kraxel da aber nicht rein. Du weißt, dass ich halb blind bin und leicht falle.“
„Dann geh‘ ich eben allein“, sagt Petros und verschwindet.
„Es ist ein halb verwester Geißbock“, ruft er Stunden spĂ€ter aus seinem KĂŒchenfenster.
„Ach? Und was veranlassen wir jetzt?“, schreit Frau GlĂŒck, die gerade einen neuen MĂŒllsack um die Olive drapiert.
„Nichts weiter.“ Petros klingt beschĂ€ftigt. Es entsteht eine lange Schweigepause, bis er gleichgĂŒltig fortfĂ€hrt. ”Solange wir nicht wissen, wem er gehört hat, können wir nichts tun.“
„Scheiss Griechen!“, tönt es dumpf unter der Staubmaske.




…verlassen“, schlĂ€gt er vor. Ich wĂŒrde das „schlĂ€gt er vor“ streichen, denn im Satz zuvor kam schon einmal „sagte er“. Meines Erachtens ist es demnach
Dann kommen so Sachen wie: Geld abzuzĂ€hlen. Was soll ich damit anfangen? Er könnte ja allerlei Geld abzĂ€hlen. Vielleicht arbeitet er bei der Bank? Weiß einfahc nicht was ich damit anfangen soll.
„Ich klettere da nicht rein“ – „ich klettere da nicht runter“ … du weißt das ich halb blind bin und leicht falle.
Dann verstehe ich nicht, das Petros extra wegen dem Vieh da runterklettert aber anstatt gleich danach zu ihr zu gehen und es zu erzĂ€hlen, was dem Leser weniger Raum fĂŒr unnötige Fragen und Gedanken geben wĂŒrde ruft er es aus seinem KĂŒchenfenster.
… wem er gehört hat. … Das „hat“ wĂŒrde ich streichen. Denn er gehört demjenigen ja immer noch, indem Sinne das er noch fĂŒr ihn verantwortlich ist. Ansonsten wĂ€re der Satz ja ĂŒberflĂŒssig.


”Das war meiner”, brummt Alexis, der wie immer an vollmondfreien Abenden auf seinem Lieblingsstuhl hĂ€ngt und gebannt auf den Fernseher starrt.
Frau GlĂŒck bleiben die nĂ€chsten Worte im Halse stecken. Denn Alexis ist ihr Liebling.
”Er hat Charakter und ein gutes Herz”, sagt sie immer.
”Er ist nicht zimperlich und macht einen gegerbten Eindruck. Er ist mein alter Pirat!” Alle im Dorf bis auf Sofia wissen, dass Alexis oft bei Frau GlĂŒck vorbeischaut, um sich dort bis zum Abwinken voll laufen zu lassen. Er ist der einzige, der es schafft, auf der kurzen Strecke von ihrem Haus bis zu seinem Auto drei Dosen Bier zu leeren. Auf nur 100 Metern ist das selbst fĂŒr einen Kreter schwierig.


…“Abends auf seinem Liegestuhl hĂ€ngt“ wĂŒrde ich umĂ€ndern in… „Abends in seinem Liegestuhl hĂ€ngt“. Klingt zwar auch komisch aber in etwas hĂ€ngen find ich noch besser als auf etwas zu hĂ€ngen…
Die nĂ€chsten Worte mag ich auch nicht. Langt es nicht einfach zu schreiben „die Worte“ … ich mein die ĂŒbernĂ€chsten oder vornĂ€chsten werden es ja doch nicht sein. Den darauf folgenden Satz mit dem zimperlich und Eindruck (es ist besonders der Eindruck) empfinde ich nicht als Glaubhaft in der Wörtlichenrede. Den letzten Satz könnte man auch streichen. Ich weiß nicht ob man so einer kleinen Gegebenheit so viel Aufmerksamkeit schenken sollte. Na gut, eigentlich geht es aber mich persönlich stört es halt. Da hĂ€tte ich doch die ungefĂ€hre Strecke im Satz davor mit eingebracht. Etwas das… hm humorig sein sollte, finde ich, sollte immer kurz daherkommen, in zwei SĂ€tzen verliert es seinen Witz.

”Nicht nur, dass es stinkt, nein, jetzt kommen noch diese fliegenden Sopranistinnen, die mir mit ihren hohen Frequenzen das Gehör zerstören. Wenn du etwas trinken möchtest, bedien‘ dich. Folge den SĂ€ngerinnen in die KĂŒche!”
Ich verberge ein LĂ€cheln.
”Durch den Geruch darfst du dich ĂŒbrigens nicht stören lassen, in einem guten halben Jahr wird er verschwunden sein!”
„Warum stellst du ihn nicht endlich zur Rede?“, frage ich.
Frau GlĂŒck windet sich. „Ach nein! Er hatte sicher seine GrĂŒnde.“
„Er soll den Schaden wieder gut machen. Überleg‘ es dir. Wir können gleich losgehen.“


Meinst du mit den Sopranistinnen die MĂŒcken? Ich weiß nicht warum die auf dem Weg in die KĂŒche sind.
Ich kann eigentlich nur glauben das es MĂŒcken sind weil die Fliegen… die kommen ja nicht jetzt erst oder? Waren die nicht schon vorher da? Die allerdings wĂŒrden vielleicht in die KĂŒche fliegen. Hm, ich weiß es nicht.
Der Dialog wieder… hm… nein, auch dieser ĂŒberzeugt mich nicht. Und in den folgenden AbsĂ€tzen kommen noch weitere davon, die ich aber nicht alle auffĂŒhren brauch, nur um das Gleiche wie hier noch mal drunter zu schreiben.

Das war es nun erstmal.

Komme ich mal zum Ganzen. Ich denke dass diese Geschichte an sich durchaus interessant ist aber in ihrem momentanen Zustand, empfinde ich sie nicht als perfekt.

Zum einen finde ich dass sie zu lang ist. Zu lang, wenn man sich mal genau anschaut wie wenig eigentlich darin passiert. Durch die LĂ€nge verlor sie fĂŒr mich an Witz und Eindringlichkeit.
Die langen ErklĂ€rungen zu Anfang, mit der Taverne und den einzelnen Personen sind ĂŒberflĂŒssig. Ich fand sie zwar in keiner Weise schlecht, das will ich unbedingt betonen, damit du mich nicht falsch verstehst aber sie gehören nicht in diese Geschichte. Denn das alles spielte gar keine Rolle… Es trĂ€gt nichts zum Geschehen bei, sondern lenkt einzig und allein von der eigentlichen Geschichte ab, so das man schon gar kein Interesse mehr am Lunalismus hat wenn die Familie abgehakt ist, sondern lieber in der Taverne bleiben wĂŒrde.

Dann, etwas wo ich mir nicht sicher bin, wie andere das sehen… Die SprĂŒnge in der Gegenwart. Ich halte es fĂŒr falsch die Gegenwart so weit fĂŒhren zu lassen, ich bin mir gar nicht sicher ob das ĂŒberhaupt möglich ist, weil du ja nicht fortlaufend erzĂ€hlt hast sondern einfach sozusagen mehrere Tage ausgesetzt hast und einen also aus dem nichts von der einen Gegenwart in die nĂ€chste befördert hast.
Das erste mal wo in der Gegenwart erzĂ€hlt wird ist ja Tage oder sogar 1-2Wochen vom Ende der Geschichte entfernt. Das halte ich nicht fĂŒr gut. Mir hat es nicht gefallen.

Dann wurde Alexis zum Ende hin nur noch der Pirat genannt obwohl er zuvor nur Alexis genannt wurde und das stört. Man weiß gar nicht mehr wen man vor sich hat.

Außerdem hĂ€tte ich mir gewĂŒnscht das die Handlung … der Kern des Ganzen etwas mehr betont wĂŒrde… wie soll ich das erklĂ€ren. Ich hĂ€tte gern beim Lesen gespĂŒrt das der Weg, den ich gehe der richtige ist, das es nicht um die Ratten und Maria geht sondern um … was auch immer es im Kern ging, ob nun das Haus an der Schlucht oder die Mondsucht.
Mir wurde einfach nicht vermittelt wo genau ich langgehen musste um sicher ans Ende zu kommen. Die Substanz fehlte ein wenig.

Die Dialoge erwĂ€hnte ich, glaube ich, schon mehrmals. Sie schienen mir nicht immer dem Charakter gerecht zu werden. Vielleicht hatte ich auch nur ein falsches Bild von den Leuten? Aber eigentlich… Auf alle FĂ€lle bei Frau GlĂŒck, ich fand ihre Redensart passte gar nicht zu ihr, vor allem wenn ich sehe wie du sie in deiner Antwort unter dem Text beschrieben hast. Ach ich weiß es einfach nicht. Du kannst ja einfach mal darĂŒber nachdenken und wenn du es anders siehst, dann vergisst du einfach was ich geschrieben habe.


Ich wĂŒrde diesen Text wirklich kĂŒrzen, obwohl ich eigentlich kein Fan des KĂŒrzens bin aber hier fĂ€nde ich es hilfreicher einfach um ihm mehr Substanz zu geben…. Mehr Biss…

Jetzt sieht ja meine Kritik sehr vernichtend aus. Nein, ich denke wirklich das die Geschichte gut ist, der Inhalt ist weniger was mich stört (stört mich eigentlich gar nicht)… aber wie sie erzĂ€hlt wurde das könnte man durchaus besser machen. Da kann ich dir nichts vorlĂŒgen. Das ist das, was ich denke.
Mir ist auch schon bange, da ich weiß das du mir sicher vieles was ich hier aufgelistet habe erklĂ€ren kannst, wie beim letzten Mal aber gut, dann lerne ich auch noch was, das nehme ich einfach mal in Kauf…

Das wars…

Die besten GrĂŒĂŸe
Josh

__________________
Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. - Plato -

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majissa
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Liebe Julia, lieber Josh,

ich bin zwar gerade mitten im einem chirurgischen Eingriff und tippe mit Blumenerde an den HĂ€nden, möchte mich aber doch unbedingt kurz bei euch fĂŒr die ausfĂŒhrliche und wirklich brauchbare Kritik bedanken, auf die ich aber erst morgen detailliert eingehen kann. Bis dahin kann ich auch noch in Ruhe ĂŒber die gegensĂ€tzlichen EindrĂŒcke und Anregungen nachdenken und natĂŒrlich RĂŒcksprache mit dem geheimsten aller RĂ€te halten. Aber eines vorweg: Das falsch geschriebene "hieven" trieb mir minutenlange Schamesröte ins Gesicht. Also sowas auch!

Liebe GrĂŒĂŸe (diesmal ohne diese unsĂ€glichen Smiley-Fresschen)
Majissa

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