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Schlagwort: Glasbläser

Florian Illies: Träume aus Feuer – Der Alchemist von der Pfaueninsel

Florian Illies: Träume aus Feuer – Der Alchemist von der Pfaueninsel

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Florian Illies hat in seinem unnachahmlichen Forscherdrang und Schreibgeschick dem Chemiker und Alchimisten Johannes Kunckel in seinem neuesten Werk ein Denkmal gesetzt. Es handelt sich um die Jahre 1677-1688, in denen Kunckel bis zum Tod des Kurfürsten in Brandenburg gewirkt hat.
Illies erzählt, wie Kunckel an den Hof des Kurfürsten, genannt der Große Kurfürst, Friedrich Wilhelm nach Brandenburg kam und dort in der Gunst des Kurfürsten aufstieg.

Kunckels Vater war Glasbläser. Sein Sohn bemühte sich wie sein Vater, aus Silber Gold zu machen. Er experimentierte und fand zwar kein Gold, es gelang ihm aber bei seinen Experimenten ein unvergleichliches Glas in den herrlichsten Farben zu produzieren. Rubinrote Pokale, Becher, und Kannen kamen heraus.
Der Kurfürst war entzückt und schenkte seinem Chemiker und Alchimisten die Pfaueninsel, die zwischen Berlin und Potsdam in der Havel gelegen ist. Glashütten waren vom Feuer bedroht, weil die Arbeit zur Glasherstellung ständig hoher Hitze ausgesetzt war. Die vom Wasser umgebene Insel bot einen gewissen Schutz. Auch konnte Kunckel ungestört an seinen Versuchen arbeiten. Niemand sollte das Geheimnis kennen, aus welchen chemischen Formeln er die Zutaten zur Herstellung seiner bunten Gläser gefunden hatte.

Hier beginnt die wahre Kunst des Florian Illies. Er beschreibt, wie Kunckel die Insel zum ersten Mal betritt. Es erwartet ihn ein unberührtes Naturparadies.

Mit Feuereifer macht Kunckel sich ans Werk. Es entstehen Gebäude, eine Windmühle, eine Glashütte und Felder und Wiesen, um die Arbeiter unterzubringen und zu ernähren. Im Frühling zwitschern Vögel und allerhand Wildgetier läuft ihm über den Weg. Hasen habe die Insel in Besitz genommen, und das Wasser der Havel ist mit seiner glitzernden Oberfläche eine helle Freude für den Neubewohner.

Lesenswert sind aber nicht nur die poetischen Beschreibungen der Brandenburgischen Landschaft; nein, auch das Leben bei Hofe mit alle seinen Ritualen, Kämpfen um die Gunst des Kurfürsten und die Umgangsformen machen die Lektüre zu einem reinen Vergnügen mit Lerneffekt!

Den anschaulichsten Begegnungen mit dem Kurfürsten und seiner Frau Dorothea widmet Illies seine ganze Aufmerksamkeit. Man stelle sich vor, wie diese beiden das Leben genießenden Adeligen in ihren mit Kissen überhäuften Betten ihre Gäste empfingen. Dorothea Pralinen essend, der Kurfürst sich unter Schmerzen mit seiner Gicht plagend.
Der Kurfürst betritt die Insel immer wieder, um sich über die Fortschritte bei der Glasherstellung zu informieren. Kunckel avanciert zu einer Art Geheimen Rat für den Kurfürsten.
Der Kindersegen unter den Protagonisten ist groß, die Todesfälle aber sind es auch. Sie werden mit Schmerzen vermerkt.

So vergehen die Jahre und als der Große Kurfürst 1688 stirbt, ist es unter seinem Nachfolger mit der Gunst für Kunckel vorbei. Ihm werden Zahlungen für die vergangenen Vergünstigungen und Gehälter zurückgefordert, und er verlässt als armer Mann das Podium dieser hervorragend recherchierten Geschichte.

Wirtschaftliche, geschichtliche und gesellschaftliche Studien bringt der Autor zur Geltung, so dass der Leser einen Blick in die tiefere Vergangenheit unserer eigenen Geschichte bekommt.

Florian Illies hat wieder einmal sein Talent bewiesen, Geschichte in die Gegenwart zu holen und so zu erzählen, dass man selber zum Teilnehmer der Ereignisse wird.

Im Anhang werden die verschiedenen Fundorte seiner Recherche aufgeführt.

Florian Illies
Träume aus Feuer – Der Alchemist von der Pfaueninse
144 Seiten, gebunden
Hrsg.: ‎ Pfaueninsel, 2. Auflage Juni 2026
ISBN-10: ‎3691310052
ISBN-13: ‎978-3691310054
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