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Schlagwort: Abenteuer

Hubert Achleitner: flüchtig

Hubert Achleitner: flüchtig

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Hier wird die Geschichte von Maria und Herwig, einem freundlichen und zugänglichen Paar in Österreich, erzählt.

Nach dreißig Jahren Ehe, in denen es existenzielle Konflikte gab, ist Maria eines Tages verschwunden. Niemand hat eine Erklärung dafür.

Die beiden hatten nicht in heißer Liebe zu einander gefunden. Sie waren sich ganz im Gegenteil erst langsam nähergekommen. Als Maria schwanger wurde, heirateten sie. Nach einigen Wochen verlor sie das Kind, und das Unglück darüber war groß.

In langsam vorbeiziehenden Bildern und Berichten entwickelt Hubert Achleitner das Psychogramm einer Ehe, wie es sie wohl häufiger gibt. Entfremdung, Ehebruch, Heimlichkeiten: es fehlt nichts, was uns diese Geschichte nicht verstehen lässt. Man leidet mit, trauert mit und ist sehr berührt vom Schicksal dieser zwei Menschen. Es gipfelt im Verschwinden von Maria, die bei ihrem Verschwinden keinerlei Spuren hinterlässt.

Nach dem ersten noch sehr realitätsnahen Teil der Geschichte, wird der zweite Teil recht abstrus und sonderbar.

Er führt zu einer abenteuerlichen äußeren und inneren Reisebeschreibung, die aus dem fernen Österreich tief in den Süden bis nach Griechenland zu einem Heiligen Berg und abgelegenen Kloster führt. Hier wird es für den Leser zuweilen irritierend. Seelenzustände und Landschaftsbeschreibungen, menschliche Begegnungen und Abenteuer wechseln sich ab. Maria führt ab jetzt eine Aussteigerexistenz. Der Leser erfährt von immer neuen Irrwegen menschlichen Seins. Es geht um Selbstverwirklichung, Erleuchtung und psychedelische Erfahrungen, die sich auf vielerlei Art und Weise manifestieren. Ganz oben aber steht der Wunsch nach einem Leben ohne innere Zwänge, genau gesagt: Freiheit. Zuweilen verwirrend, immer aber spannend lässt uns Achleitner an den dramatischen Abenteuern und Erfahrungen seiner Protagonisten teilnehmen.

Gesellschaftliche und politische Bezüge in Musik und Lebensformen weisen auf die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts hin.

Hubert Achleitners Fantasien im Erfinden abstruser Erlebnisse und Aktionen zeugt von impulsiver Vitalität und Vielfalt. Gelegentlich scheint es einem fast zu viel des Guten.

Zuweilen ist es schwer, allen verworrenen Beziehungsstrukturen zu folgen. Doch kann man dem Autor eine wahrhaftig lebhafte, bilderreiche und malerische Schreibkultur nicht absprechen.

Wer sich gut unterhalten will, kommt wunderbar auf seine Kosten!

Hubert Achleitner ist in seinen Kreisen ein bekannter Vertreter der Neuen Volksmusik, der mit diesem Debütroman Erfolg haben wird!

Rezension von Claudine Borries

Hubert Achleitner
Flüchtig
304 Seiten, gebunden
Paul Zsolnay Verlag, 2. Auflage Mai 2020
ISBN-10: 3552059725
ISBN-13: 978-3552059726
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Kristina Ohlsson: Das Geheimnis von Hester Hill

Kristina Ohlsson: Das Geheimnis von Hester Hill

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Aus dem Familien-Sommerurlaub wird dieses Jahr nichts. Die Eltern trennen sich. Doch Onkel Eliot nimmt die Zwillinge Meg und Frank die Ferien über bei sich auf. Er wohnt zusammen mit Carl in einem alten Herrenhaus. Schon am Bahnhof macht Meg eine seltsame Beobachtung, die sie sich nicht erklären kann. Auf Hester Hill geht der Spuk weiter. Gibt es hier einen Geist? Es stellt sich heraus, dass vor hundert Jahren etwas passiert ist im Ort. Ein Bild zeugt davon. Es heißt das Große Unglück. Die Leute erzählen von einem Tunnel, der damals angeblich als Fluchtweg von der Kirche nach Hester Hill, das auf einem Hügel steht, gegraben wurde.

Kein Wunder also, dass die Kinder sich immer mehr für das alte Haus, seine Geschichte und diesen Geist, der auch nachts für Unruhe sorgt, interessieren. Zusammen mit Lily, die im Ort wohnt, gehen Meg und Frank auf Entdeckungstour und werden dabei direkt mit einem Vorfall aus der Vergangenheit konfrontiert.

„Das Geheimnis von Hester Hill“ ist perfekt für abenteuerlustige Kinder geeignet! Das Buch mit dem gelungenen Cover ist recht spannend und auch gruselig, macht aber keine Angst! Es macht vielmehr Spaß, das Abenteuer der Kinder zu verfolgen. Sie wagen einiges, um hinter das Geheimnis von Hester Hill zu kommen. Es gilt, verschiedenen Hinweisen nachgehen, die sehr geheimnisvoll sind, und die Zusammenhänge zu erkennen. Die Kinder müssen mutig sein und Ängste überwinden. So werden die Ferien zu einem außergewöhnlichen Erlebnis!

Die Geschichte ist einfach formuliert und gut zu lesen. Leider haben sich auch einige Längen eingeschlichen und teilweise sind die Satzübergänge nicht fließend. Die Charaktere, mit denen sich die lesenden Kinder gut identifizieren können, sind gut ausgearbeitet. Die Atmosphäre mit dem unheilverkündenden Wetter ist stimmig. Das alte Haus mit seinen Geheimnissen erweist sich als gute Kulisse. Insgesamt gefällt das Buch, das insbesondere zum Ende sehr ereignisreich wird, gut!

Rezension von Heike Rau

Kristina Ohlsson
Das Geheimnis von Hester Hill
Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann
ab 9 Jahren
cbj
ISBN-10: 3570175146
ISBN-13: 978-3570175149
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Eva Siegmund: H.O.M.E – Die Mission, Band 2

Eva Siegmund: H.O.M.E – Die Mission, Band 2

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Die Mission ist gestartet, ohne das die Ausbildung beendet werden konnte. Zoë weiß nun, welche Geheimnisse sich um die Akademie ranken und was die Motive sind. Ihr ist klar, dass sie und die anderen getäuscht wurden. Doch nun ist das Raumschiff unterwegs zum Planeten Keto, während es in Berlin Überlebende wohl nur noch in einem Bunker gibt. Sie warten darauf, Keto besiedeln zu können.

Nach drei Jahren, die Zoë schlafend verbracht hat, setzt das Raumschiff zum Landeanflug an. Zoë muss übernehmen. Sie hat festgesteckte Aufgaben, die sie erfüllen muss, wenn alle überleben sollen. Nur eine kleine Gruppe ist bei ihr. Darunter Freunde aus der Akademie sowie Zoës Bruder Tom und dessen Freund Kip aus Berlin. Zoë wagt es nicht, ihnen nach dem Aufwachen die Wahrheit zu sagen, weil sie die Mission nicht gefährden darf. Sie ist auf die Hilfe ihrer Mannschaft angewiesen. Auch wenn sie gelernt hat, mit Extremsituationen umzugehen, ist das hier etwas anderes. Keto ist nicht so, wie man sich den Planeten vorgestellt hat.

Das Leben auf dem Schiff und die Erkundung des Planeten Keto stehen also diesmal im Mittelpunkt der Geschichte. Das Buch ist ganz anders, als Band 1 „H.O.M.E – Das Erwachen“. Für die Aufgaben, die zu lösen sind, gibt es zeitliche Vorgaben. Doch hat man nicht mit derart gravierenden Umständen auf Keto gerechnet, zumal der Planet nicht, wie angenommen, unbewohnt ist.

Die Autorin beschreibt, wie Zoë versucht, die Mannschaft zu den notwendigen Arbeiten zu bewegen. Es kommt zu Missverständnissen und Auseinandersetzungen. Erzählt wird hauptsächlich aus der Sicht von Zoë erzählt. Außerdem gibt es die persönlichen Logbucheinträge von Jonah, mit dem Zoë auf der Akademie verlobt war. Doch die Vergangenheit ist in ihrer Realität verrutscht.

Zoë ist ein unsicherer Kapitän, aber sie hat einen starken Willen. Auf bewundernswerte Weise stellt sie sich den Aufgaben. Doch die anderen, insbesondere Jonah, sind misstrauisch. Er hinterfragt das Geschehen und Zoë als Person, was wiederum dramatische Szenen provoziert.

Das Buch ist überaus fesselnd. Und das wirklich von der ersten bis zur letzten Seite! Man wird förmlich hineingezogen in diese gut erzählte Zukunftsszenario. Es läuft also alles auf ein spannendes Ende hinaus. Doch auch hier wartet eine Überraschung auf den Leser. Es gibt eine krasse Wendung. Für mich ist das nicht stimmig. Es zerstört die Authentizität der Handlung. Aber wie gesagt, der Rest ist genial!

Rezension von Heike Rau

Eva Siegmund
H.O.M.E – Die Mission, Band 2
448 Seiten, Klappenbroschur
cbt, München
ISBN-10: 3570312313
ISBN-13: 978-3570312315
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William E. Glassley: Eine wildere Zeit – Aufzeichnungen eines Geologen vom Rande des Grönland-Eises

William E. Glassley: Eine wildere Zeit – Aufzeichnungen eines Geologen vom Rande des Grönland-Eises

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William E. Glassley erzählt in diesem Buch von einer seiner Expeditionen, die er zusammen mit Kai Sørensen und John Korstgård gemacht hat. In der unberührte Landschaft Grönlands galt es, Forschungen zu betreiben, die eine These beweisen sollte: Grönland könnte durch eine Kollision zweier Kontinente entstanden sein, während das Meer dazwischen verdrängt wurde. In völliger Abgeschiedenheit, die natürlich auch Gefahren in sich birgt, wird geforscht.

Die Geologen haben ein geschultes Auge. William E. Glassley vermag das, was er sieht, in Worte zu fassen. Das geschieht auf eine sehr bildhafte Art und Weise. Das Vorstellungsvermögen wird zusätzlich von Bildmaterial angeregt.

Es gibt kein exaktes Kartenmaterial über die Fels- und Tundralandschaft, in der die Forscher ihre Zelte aufschlagen. Die Gegend ist unberührt. Das fasziniert den Autor, der versucht, alle Eindrücke aufzunehmen, zu beschreiben und an den Leser weiterzugeben. Das gelingt wirklich gut, wenn man sich Zeit lässt für das Buch und die tiefgehenden Gedanken wirken lässt, statt darüber hinwegzulesen. Die Notizen haben zudem eine persönliche Note, denn auch auf die Lebensumstände der Forscher vor Ort wird eingegangen.

Die Forscher sind äußerst motiviert. Sie wollen offene Fragen klären und schreiben mit den Antworten ihre Vorstellungen um. Sie rekonstruieren ein Stück Erdgeschichte und beweisen ihre Datierungen mit Gesteinsproben.

Es geschieht viel Unvorhergesehenes während der Forschungsarbeiten. Spektakuläre Naturerscheinungen sind zu beobachten. Die Expedition ist ein unglaubliches Abenteuer voller Gefahren und grenzwertiger Erlebnisse. Die Geologen sehen Dinge, die bisher wohl noch kein Mensch gesehen hat.

Das Buch ist gut lesbar, überaus faszinierend und für Interessierte sehr gut zu verstehen!

Rezension von Heike Rau

William E. Glassley
Eine wildere Zeit – Aufzeichnungen eines Geologen vom Rande des Grönland-Eises
Aus dem Englischen von Christine Ammann
224 Seiten, gebunden
Verlag Antje Kunstmann
ISBN-10: 3956142586
ISBN-13: 978-3956142581
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Alex Capus: Königskinder

Alex Capus: Königskinder

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Ein schon lange verheiratetes Ehepaar befindet sich auf dem Heimweg über den Jaun-Pass in der Schweiz. Sie streiten sich um Kleinigkeiten. Aber das war schon immer so. In den großen Lebensfragen sind sie sich einig. Die Kinder sind aus dem Haus und ihre Fahrt über den Pass beginnt ein ungemütliches Abenteuer zu werden; denn es hat schon kurz nach dem Beginn der Auffahrt zu schneien begonnen. Wie nicht anders zu erwarten, bleiben sie an einem Hang hängen. Nun müssen sie die Nacht im Auto zubringen. Max vertreibt seiner Frau die Zeit mit einer langen Geschichte.

Es habe vor Jahren zur Zeit der französischen Revolution mit Beginn des Jahres 1779 einen verwaisten Hirtenbub gegeben, der im Sommer hoch oben auf einer entlegenen Alm Kühe hütete. Beim Abtrieb im Herbst begegnet der Junge der hübschen Marie, Tochter des Viehbesitzers. Sie verlieben sich und bleiben sich tief im Herzen verbunden, als er auf der Flucht vor dem Vater des Mädchens nach Frankreich geht, um sich als Söldner zu verdingen.

Trotz zahlreicher Kriege, die alle historisch vom Erzähler belegt sind, muss Jakob nur den Hafen von Cherbourg bewachen und geht zum Zeitvertreib zuweilen fischen.

Die Erzählung wird immer wieder unterbrochen von neckischen Fragen von Tina, die sich ein wenig über ihren erzählenden Mann amüsiert. Ob die Geschichte wahre Hintergründe ausweist?

Man wird es nicht erraten.

Unterhaltsam und atmosphärisch der Zeit um 1789 angepasst, nimmt die Geschichte ihren Lauf. Ludwig der XVI und seine Schwester Elisabeth spielen hinein und zeigen die Dekadenz bei Hofe. Jakob wird Kuhhirte und darf nach Jahren seine Marie zu sich holen.

Mit lyrischen Passagen, wunderbaren Naturbetrachtungen und skurrilen Verhaltensweisen der Kühe und seines Hirten gewinnt die Erzählung einen witzigen und zuweilen drastischen Ton. Die Figuren werden uns in einer ungewöhnlich stoischen Weise nahegebracht. Ende des 18. Jahrhunderts nahte die politische Revolution der Aufklärung mit allen ihren grausamen Auswirkungen. Die Erzählung streift nur kurz die historische Geschichte. Ein schönes Zeitgemälde entsteht dennoch, und man liest den Roman mit leichtem Sinn.

Über allem schwebt die gesunde Verbindung von Tina und Max! Was für ein Gewinn im unguten Spiel der sonstigen Mächte und Gebräuche, dass wir es hier einmal mit einem wirklich freundlichen, poetischen Werk und gelingenden Beziehungen zu tun haben!

Alex Capus
Königskinder
176 Seiten, gebunden
Carl Hanser VerlagAugust 2018
ISBN-10: 3446260099
ISBN-13: 978-3446260092
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Stefan Maiwald: Der Knochenraub von San Marco

Stefan Maiwald: Der Knochenraub von San Marco

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Davide Venier bekommt im Jahre 1570 einen interessanten Auftrag. Er soll herausfinden, wer die Knochen des Heiligen Markus aus dem Dom gestohlen hat. Es ist Venedigs kostbarste Reliquie. Die Osmanen stehen sofort unter Verdacht. Doch ist dieser Diebstahl mitten im Karneval von Venedig erst der Anfang. Mit seinem Diener Hasan begibt Davide Venier sich auf Spurensuche. Padua, Venedig, Köln und Paris sind die Ziele. Nach Beginn der Reise schließt sich ihnen ein junger Mann an, der noch für Überraschungen sorgen wird.
Es ist eine beschwerliche Reise, die vor allem von Gefahren beherrscht wird. Doch kommen Venier, Hasan und Erasmus zunächst keinen Schritt weiter. Die Diebe sind äußerst geschickt vorgegangen. Sie haben sich auf nicht nachvollziehbare Weise Zutritt verschafft und keine brauchbaren Spuren hinterlassen. Die Reliquien tauchen nicht wieder auf. Nirgends werden sie zum Verkauf angeboten. Die Diebe haben eine interessante Strategie entwickelt, ihre wahren Ziele geheim zu halten. Das versetzt Davide Venier, der dann doch eine Ahnung hat, in große Sorge.

Stefan Maiwald hat die Geschichte sehr gut ausgearbeitet. Neben den Abenteuern von Davide Venier und seinem Diener Hasan kommen auch historische Hintergründe zum Tragen. Das ergibt eine sehr bunte Kulisse, da die Reise detailreich beschrieben wird. Für an historischen Details interessierte Leser ist das sicher sehr spannend.
Auch wenn die Diebstähle sich zunächst nicht aufklären lassen, wird das Buch durch die Reisebeschreibungen sehr interessant und abenteuerlich. Nicht selten müssen die Gefährten um ihr Leben bangen. Doch stehen sie stets füreinander ein.
Zum Ende hin wird die Spannung dann unaufhaltsam gesteigert. Details werden wie ein Puzzle zusammengesetzt, bis sich ein wirklich sehr überraschender Schluss ergibt.

Der Autor beschreibt im Nachwort, was fiktiv und was an Fakten historisch belegt ist.

Rezension von Heike Rau

Stefan Maiwald
Der Knochenraub von San Marco
Davide Veniers zweites Abenteuer
416 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423261714
ISBN-13: 978-3423261715
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Patrick Deville: Pest & Cholera

Patrick Deville: Pest & Cholera

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Im Buch wird die Lebensgeschichte Alexandre Yersins nachgezeichnet. Ein Roman soll es sein, so steht es unter dem Buchtitel, aber ich verstehe das Buch eher als Biographie, da keine Geschichte erzählt wird. Die Lebensdaten werden aneinandergereiht und mit unzähligen historischen Fakten ausgefüllt. Über Yersin als Mensch erfährt man nicht viel. Was wirklich in ihm vorging und was er dachte, bleibt dunkel.

Wer war dieser Alexandre Yersin? Er war wohl in erster Linie ein Forscher. Er war nach seinen Studienjahren ein angesehener Mitarbeiter Louis Pasteurs. Seine unstillbare Neugier trieb ihn voran und in die Welt hinaus. So war Alexandre Yersin auch Arzt, Seefahrer, Geograf und Landwirt. Ein wissenschaftliches Abenteuer löst das nächste ab. Ruhe und Untätigkeit konnte er nicht aushalten. Zu schnell war er gelangweilt. So war er bis an sein Lebensende immer am Lernen, Beobachten und Forschen. Viele Erkenntnisse hat er als Autodidakt gewonnen. Berühmtheit erlangte er durch die Identifizierung des Pestbazillus, Yersinia pestis, als Ursache für die Pest. Später arbeitete er mit an der Entwicklung eines Impfstoffes.

Alexandre Yersin wird im Buch als außergewöhnliche Persönlichkeit beschrieben. Er hat nicht nur den medizinischen Fortschritt vorangetrieben. Seine Forschungsreisen, Expeditionen und Experimente sind spannend. So geht es hin und her im Buch. Der Autor springt von einer Zeit in die nächste und wieder zurück. Er zeigt auf, was wir Yersin in unserer Gegenwart zu verdanken haben.

Unglaublich viele Informationen sind oftmals in nur einem Satz verpackt. An diesen doch etwas schwierigen Schreibstil muss man sich gewöhnen. Das Buch fordert sehr viel Aufmerksamkeit ein. Aber es lohnt sich, es zu lesen und den Ausflug in die Geschichte und das Leben von Alexandre Yersin zu unternehmen.

Rezension von Heike Rau

Patrick Deville
Pest & Cholera
Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller
240 Seiten, broschiert
Unionsverlag
ISBN-10: 3293207758
ISBN-13: 978-3293207752
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Alf Stiegler: WetGrave

Alf Stiegler: WetGrave

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WetGrave ist die völlig überarbeitete Neuveröffentlichung eines älteren 80-Seiten-Buches von Alf Stiegler. Ob man die Story wirklich als 224-Seiten-Variante (der Rest im Buch ist Werbung für das weitere Werk des Autors) nochmal rausbringen musste, weiß wohl nur der Autor; immerhin bekam ich sie so in die Hand. Und: Die Idee, der Grundplot gefällt mir.

Aber: Das Buch gefällt mir nicht, nicht richtig jedenfalls. Und das liegt weniger daran, dass ich so gar keinen Nerv für Horror und Grusel habe und das Buch zu zwei Dritteln aus genau sowas besteht – und zwar fast in Reinform. Schon eher daran, dass ich auf einen Lesemodus umstellen musste, bei dem nicht ständig mein Lektoratsradar ansprang. Zum Beispiel ertappte ich mich am Anfang immer öfter bei dem Gedanken, wann es denn nun endlich losgeht; vor allem die Redundanzen machten das erste Viertel recht behäbig. Dazu kamen zwei in Sachen Erzählerstandpunkt unpassende Kapitel, das zweite davon war zudem ausgesprochen überflüssig.

Im ersten Drittel des Buches erfährt man als Leser von den Bases, einem umfangreichen System vom Raumstationen, die um die völlig verschmutzte und ausgelaugte Erde kreisen und die der Oberschicht und dem Mittelstand Heimstatt bieten. Die Menschen, die auf der Erde dahinvegetieren, werden Bürger genannt. Hauptreisemittel ist ein System vom Sprungtoren, die unter Ausnutzung von Dimensionswechseln funktionieren. Das alles – die Bases samt der Tore – wird als Basenet bezeichnet, dieses wiederum wird von einer Mega-Firma namens HypCon kontrolliert. Gegen diese Firma hat der Protagonist namens Pressure offenbar etwas; wie das kam, bleibt weitgehend offen. Wie die Sprungtore funktionieren, erklärt Pressure einem jungen Sicherheitsmann. Die Methode, Infodump in Dialogen zu tarnen, ist weit verbreitet und in dem Fall nur durch einen dabei fallenden Schlüsselsatz zu entschuldigen, der später im Buch noch von Bedeutung sein wird.

Auch eine zweite Information wird über diesen Dialog an den Leser gebracht; weniger glaubwürdig diesmal, was mir die Infodump-Tarnung unangenehmer machte. Der Leser erfährt darin von einer Legende, die – aus nur sehr unzureichend nachvollziehbaren Gründen – als WetGrave in die Folklore der Bases eingegangen ist. Pressures Äußerungen legen nahe, dass er die Legende durchaus nicht als reines Schauermärchen versteht. Mittels eines speziellen Codes der Art, wie sie für die Dimensionsreisen nötig sind, macht er sich daran, das große Geheimnis zu lüften.

Und was dann kommt, ist in allererster Linie ein Schwelgen in Grusel- und Horrormotiven: Stoffgewordene Schwärze, eklige Oberflächen, „ungute Gefühle“, Glibber, im Unsichtbaren bleibende aber spürbar werdende Wesen mit Totenkopf-ähnlichen Schädeln und gespenstigen Körpern, üble Gerüche, gifte Gase, Erbrochenes, Wände rohen Fleisches, Feuchte an allen Ecken und Enden, unsägliche körperliche Verstümmelungen, schreckliche Schreie und qualvolles Quieken … sogar das Motiv des Geisterhauses findet sich und auch der Typ, der einen Blick auf die andere Seite wirft und als seelisches Wrack zurückkommt, fehlt nicht. All das ist recht süffig runtererzählt und dank des oben erwähnten Lesemodus kam ich ohne größere Stolperer gut voran. Nur dass ich, wie ebenfalls schon erwähnt, so gar keinen Nerv für sowas habe und es eher als Ausbremsen des Plottes empfand. Die Frage „Was ist da los?“ wird in dieser gesamten Zeit in der Schwebe gehalten und zwar so sehr, dass sie dabei erstarrt. Es gibt nichts, was man als Annäherung an die Antwort oder als ein Vertiefen der Frage hätte lesen können – alles ist irgendwie nur Kulisse.

Im hinteren Viertel zieht die Handlung dann aber wieder an und zum reinen Ekel- und Horror-Gemenge kommt nun auch echte, plotbedingte Spannung hinzu. Diese steigert sich in dramaturgisch geschickter Weise und mündet in einen gut konstruierten Höhepunkt mit Auflösung und passendem Ausklang. Das versöhnte mich mit dem langen Anlauf.

Fazit: Fans des fantastischen Horrors sind mit dem Buch gut bedient. SF-Fans brauchen die Bereitschaft, sich in die Grusel-Ecke zu begeben, da der SF-Faktor doch über weite Passagen in den Hintergrund rutscht. Für Freunde richtig gut gemachter Erzählungen ist das Buch wohl eher ein Pausenfüller. Trotzdem: Ideen und Plot sind gut und auch lesen lässt sich das Ganze recht süffig – das reicht für dreieinhalb Sterne.

Alf Stiegler
WetGrave
ASIN: B01HOE5XI8
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Cristina De Stefano: Oriana Falacci, ein Frauenleben

Cristina De Stefano: Oriana Falacci, ein Frauenleben

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Die 2006 verstorbene Oriana Falacci war eine berühmte Reporterin italienischer Zeitungen und Feuilletons des vergangenen Jahrhunderts und Autorin zahlreicher Bücher.

Sie war eine streitbare Frau. Ihrer Herkunft nach war sie nicht prädestiniert dafür, eine große Karriere zu machen. Die Mutter, eine einfache Frau, tat alles für ihre sehr intelligente Tochter Oriana, um ihr eine akademische Laufbahn zu ermöglichen. Geboren 1929 schloss sich Oriana wie ihr Vater und ein bewunderter Onkel schon als ganz junges Mädchen dem Widerstand gegen das faschistische Regime des mit Hitler verbündeten Mussolinis an. Früh schon war sie aufmüpfig und kritisch und gelangte über Volontariate als Reporterin zu einschlägigem Zeitungen, für die sie jahrelange als Auslands-und Kriegskorrespondentin arbeitete.

Sie führte ein abenteuerliches Leben.

Längere Zeit wohnte sie in Los Angeles, um sich Schauspielern und deren Umfeld in ihren Reportagen zu nähern. Danach interessierte sie sich brennend für die Raumfahrt und lebte einige Zeit unter Astronauten, um mehr von deren Leben und ihren Motiven für die Raumfahrt zu erfahren. Sie war stets zur Stelle, wenn es um wichtige Reportagen ging.

In England begegnete sie ihrer großen Liebe Alfredo, der sie nicht liebte und ihr den Laufpass gab. Am Scheitern dieser Liebe ist sie fast zugrunde gegangen.

Nun war sie lange alleine und wollte sich nie wieder in eine Liebesabhängigkeit begeben.

Als Kriegsreporterin war sie fortan auf den damals wichtigsten Kriegsschauplätzen der Welt in Korea und Vietnam zu finden. Ihr Mut und ihre Schlagfertigkeit waren legendär. Die zierliche Gestalt und die beschriebene Schönheit standen ganz im Widerspruch zu ihrer draufgängerischen Natur, mit der sie keiner Gefahr auswich.

Insgesamt wird in der Biographie von Cristina De Stefano die Gestalt einer außergewöhnlichen Persönlichkeit herausgearbeitet. Mutig, hoch intelligent, charakterstark, unabhängig und eigenständig zieht uns die Persönlichkeit von Oriana Falacci ganz in ihren Bann. Man folgt ihren Abenteuern, ihren Liebeskümmernissen, ihren ungewöhnlichen Freundschaften, vor allem aber der einmaligen Eigenständigkeit, mit der diese Frau die Welt durch das geschriebene Wort für sich eroberte und ihren Weg ungeschönt und ehrlich ging.

In der Biographie von De Stefano wird immer wieder betont, wie scharfzüngig ihre Interviews waren. Sie konfrontierte ihre Interviewpartner mit gezielten Fangfragen, die diese zu unangenehm ehrlichen Antworten zwangen. Da sie mit den Jahren eine hoch angesehene Journalistin wurde, öffneten sich ihr zwangsläufig Türen zu ebenso hoch angesehenen Persönlichkeiten in Politik und Gesellschaft.

Das Leben von Oriana Falacci mutet selber fast an wie ein Roman. Es würde den Rahmen dieser Besprechung sprengen, wollte man alle die Namen und Orte aufzählen, an denen sie sich aufgehalten hat. In der Toskana besaß sie ein Landgut, in dem ihre Familie wohnte. In Rom, Paris und New York hatte sie eigene Wohnungen. Als sie älter wurde, verlegte sie sich auf das Schreiben von Büchern. Dabei zeigte sich, dass sie eine besessene Arbeiterin war, die wochenlang in ihrem Zimmer verbleiben konnte, um zu schreiben.

Zuletzt rundet sich das Bild von ihr zu einer starken, nicht immer einfach zu ertragenden aber äußerst charismatischen Persönlichkeit.

Man ist fasziniert von dieser Ausnahmeerscheinung und liest das Buch mit Spannung und hohem Interesse. Es sind die Orte, Länder und Kontinente, die uns die Welt öffnen und uns am politischen Klima der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts noch einmal teilnehmen lassen.

Cristina De Stefano
Oriana Falacci
Ein Frauenleben
352 Seiten, broschiert
btb Verlag, September 2016
ISBN-10: 3442714168
ISBN-13: 978-3442714162
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Richard Laymon: Die Spur

Richard Laymon: Die Spur

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Laymon wird als Meister des Psychothrillers gehandelt. Seine Romane werden gerne mit denen von Stephen King auf eine Ebene gestellt. Kribbelnde Spannung zieht sich durch die streckenweise actionreiche Handlung.

In „Die Spur“ erfährt der Leser in zwei unterschiedlichen parallelen Handlungssträngen zwei Geschichten. Während Rick und seine neue Partnerin Bert in die Berge fahren, um zu campen und zu wandern, geht die junge Gillian ihrem außergewöhnlichen Hobby nach: Sie sucht nach Häusern, deren Bewohner offensichtlich verreist sind. Diese Häuser nimmt sie einige Tage in Beschlag, lebt in ihnen, schnüffelt in den fremden Sache, bevor sie dann zum nächsten Haus weiterzieht.
Bert und Rick begegnen bei ihrer Bergtour verschiedenen Leuten, die ebenfalls wandern. Doch Rick scheint in der Vergangenheit besondere Erfahrungen gemacht zu haben, denn er ist der Angsthase von beiden. Während die energiegeladene Bert mit großen Schritten voranschreitet, versucht Rick sie stets zur Umkehr zu drängen und glaubt, von jedem anderen Wanderer bedroht zu sein. Gillian befreundet sich zur gleichen Zeit mit einem Nachbarn an, was sie eigentlich sonst nie macht. Doch als sie die Videosammlung ihres Hausbesitzers in Augenschein nimmt, muss sie Ungeheuerliches feststellen. Sie wohnt momentan in dem Haus eines Serienmörders.

Wie eingangs bereits erwähnt, geht es bei Laymon sehr subtil zu. Die Spannung scheint sanft über alle Seiten zu flirren. Beim Lesen spürt man ein sonores Summen im Hinterkopf. Man spürt die Gefahr genau so wie die Protagonisten, weiß aber nicht, wann und aus welcher Richtung sie kommen wird. Das ist ein ganz besonderer Stil, der Spaß beim Lesen beschert. Er erinnert an Gruselbücher aus der Kindheit, bei denen man am liebsten unter die Bettdecke gekrochen wäre, um nicht vom schwarzen Mann geholt zu werden.

Diese subtile Spannung bedeutet aber nicht, dass keine rasche Handlung erfolgt. Im Gegenteil. Laymon versteht es, mit einigen Kämpfen, Schlägereien und Messerstechereien das Lesen gefährlich zu machen. Die Figuren müssen viel Action erleben, durch die Wälder fliehen, sich in Baumwipfeln retten, bevor sie der Lösung Ihres Problems näherkommen. Langweilig wird es nicht. Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen. Ich empfehle ihn gerne den Lesern, die actionreiche Psychothriller in amerikanischer Umgebung mögen. Vielleicht mögen auch Sie mit Richard Laymon einen neuen und interessanten Lesestoff eindecken?

Laymon, Richard
Die Spur
Heyne Verlag, München
Aus dem Amerikanischen von Sven-Eric Wehmeyer
ISBN 9783453676466

© Detlef Knut, Düsseldorf 2016
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