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Schlagwort: Betrug

Jessica Barry: Free Fall – Die Wahrheit ist dein Tod

Jessica Barry: Free Fall – Die Wahrheit ist dein Tod

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Das Flugzeug ist aus unerklärlichen Gründen in den Rocky Mountains abgestürzt. Der Pilot ist tot. Aber Allison hat überlebt. Sie wartet nicht auf Hilfe, sondern flieht, obwohl sie verletzt ist. Sie weiß, dass ihr jemand auf den Fersen ist.

Maggie kann nicht glauben, dass ihre Tochter bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen sein soll, zumal ihre Leiche nicht gefunden wurde. Sie hatte keinen Kontakt mehr zu Allison und ist erstaunt, was für ein Leben sie in den letzten Jahren geführt haben soll. Der Pilot und Besitzer des Flugzeugs, er war CEO des Pharmaunternehmens Prexilane, soll ihr Verlobter gewesen sein. Allison hat an seiner Seite ein glamouröses Leben geführt.

Allison kämpft sich durch unwegsames Gelände. Sie kann keine Rücksicht auf ihr Befinden nehmen. Dabei ist sie dem Tod näher als dem Leben. Doch sie hat ein Ziel vor Augen. Sie muss die Wahrheit über Prexilane ans Licht bringen, sonst war alles umsonst.

Zeitgleich versucht Maggie, mehr über ihre Tochter herauszubekommen. Sie recherchiert und erkennt ihre Allison kaum wieder. Doch sie ahnt auch, dass mehr dahinter steckt, als es den Anschein hat.

Das Buch beginnt außergewöhnlich spannend! Man begleitet Allison nach dem Flugzeugabsturz durch die Wildnis. Und man weiß zunächst nicht, vor wem oder was sie flüchtet. Immer wieder werden Szenen aus ihrem früheren Leben eingespielt und man erfährt, wie es dazu kam, dass sie die Verlobte von Ben Gardener wurde. Es ist eine unglaubliche Geschichte!

Die Autorin lässt in abwechselnden Kapiteln Allison und Maggie zu Wort kommen, während die Polizei, das wirkt nicht ganz stimmig, die Ermittlungsarbeit sehr schleifen lässt. Beide Erzählstränge laufen parallel. Die Geschichte fügt sich nach und nach zu einem Bild zusammen und es wird klar, von welcher Brisanz sie ist und um was es hier wirklich geht. Für Allison und Maggie wächst spürbar die Gefahr. Es gibt interessante Wendungen in der Handlung. Die Spannung steigt zunehmend an bis hin zu einem nervenaufreibenden Ende. Ein sehr gelungener Thriller!

Rezension von Heike Rau

Jessica Barry
Free Fall – Die Wahrheit ist dein Tod
Deutsch von Susanne Goga-Klinkenberg
432 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423262397
ISBN-13: 978-3423262392
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Bettina Balàka: Die Tauben von Brünn

Bettina Balàka: Die Tauben von Brünn

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Johann Karl von Sothen ist ein bekannter Großhändler und Bankier. Zu seinem Reichtum ist er durch Betrug gekommen. Er hatte dem Brieftaubenzüchter Wenzel Hüttler am Sterbebett den Lottoschein gestohlen. Seine Tochter, die neunjährige Berta, hatte davon nichts mitbekommen. Ihr ein Jahr älterer Bruder Eduard dagegen schon. Johann Karl nahm sich den beiden Waisenkindern an und brachte sie zu einer Tante, die Wirtin eines Gasthauses in Brünn war. Siebzehn Jahre alt war er damals gewesen und ließ sich noch Hans nennen. Gut gegangen war es ihm damals nicht mit seinem trunksüchtigen Vater. Der Tabaktrafikant und Lottokollektant konnte sich und seinen Sohn kaum über Wasser halten.

Berta war ihrem Vater bei der Taubenzucht immer eine große Hilfe gewesen. Auch bei ihrer Tante ist sie für die Tauben verantwortlich. Als Berta erwachsen ist, holt Johann Karl sie schließlich zurück nach Wien. Tabaktrafik und Lottokollektur bestehen nun nicht mehr nur aus einem schäbigen Gewölbe, sondern einem ganzen Gebäudekomplex. Johann Karl ist ein reicher Mann. Die Mansardenwohnung, in der einst Berta mit ihren Eltern und dem Bruder wohnte, ist nun auch in seinem Besitz. Johann Karl ist kaum wiederzuerkennen. Sein Reichtum spiegelt sich in seiner Leibesfülle wider. Doch genug hat er nicht. Er beginnt Berta für sich einzunehmen und abhängig von sich zu machen, denn sie kann ihn noch viel reicher machen.

Was für eine Geschichte! Johann Freiherr von Sothen ist eine sehr interessante Persönlichkeit. Er präsentierte sich als Wohltäter, war aber ein äußerst geschickter Betrüger und Ausbeuter und stets auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Die Autorin hat das, was über Johann Karl bekannt ist, in diesem Roman fantasievoll aufgearbeitet. Sie lässt den Leser über Berta Hüttler ganz nah an ihn herankommen. Während ihr Vater, die Geschichte spielt im 19. Jahrhundert, noch auf Aberglaube setzte bei der Ermittlung der Gewinnzahlen, hält der Freiherr von Sothen sich doch lieber an Tatsachen. Mithilfe der Brieftauben, sie sind schneller als der Bote, versucht er vorab an die Gewinnzahlen heranzukommen und glaubt, dass niemand seinem genialen Plan auf die Schliche kommen wird. Er hat Berta schließlich in der Hand. Aber nicht nur sie muss sich mit ihrem ärmlichen Leben abfinden, während Johann Karl immer reicher und reicher wird.

Die Autorin hat ein tragisch-komisches Schauspiel entwickelt, das sehr gut unterhält. Ihre Erzählweise ist besonders, ihre Wortwahl raffiniert! Spöttische und ironische Untertöne beleben den Text. Es ist unglaublich, wie Johann Karl von Sothen vorwärts strebt und seine Position weiter ausbaut. Und doch sind seiner Macht Grenzen gesetzt. Die Geschichte hat ein Ende, mit dem der Freiherr wohl nicht gerechnet hat!

Rezension von Heike Rau

Bettina Balàka
Die Tauben von Brünn
192 Seiten, gebunden
Deuticke Verlag
ISBN-10: 3552063994
ISBN-13: 978-3552063990
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Emmanule Carrère: Der Widersacher

Emmanule Carrère: Der Widersacher

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Emmanuel Carrère hat sich eines Genres für seine Geschichte angenommen, die man nicht anders als eine romanhafte Dokumentation beschreiben kann.

Als er in der Zeitung von einem Hochstapler liest, der innerhalb kurzer Zeit seine nahe Familie umgebracht hat, kann er nicht anders, als sich dieses Falls literarisch anzunehmen.

Diese Erklärung setzt er seiner Erzählung voran.

Er hat Kontakt zu dem Ungeheuer und verfolgt dessen Prozess.

Nun aber einmal langsam: minutiös geht er dem Geschehen nach und erkennt, dass hier wirklich ein kranker Mensch gehandelt hat.

Am 19.Januar 1993 erschlug der vermeintliche Arzt und hoch angesehene Wissenschaftler Jean-Claude Romand zuerst seine Frau, kurz darauf seine beiden kleinen Kinder und danach auch noch seine beiden Eltern mit dem geliebten Familienhund. Er zündete sein Haus an und nahm Schlaftabletten. Unglücklicherweise für ihn rettete ihn die Feuerwehr und seine ganze erlogene Existenz flog auf.

Hier setzt Carrère mit seinem Bericht an. Er befragt die Freunde von Romand, seine Nachbarn und erkundet sein Umfeld. Erschrocken nimmt er zur Kenntnis, dass hier die Abgründe der menschlichen Psyche ihren Ausdruck gefunden hat. Unter der Maske bürgerlicher Wohlanständigkeit mit erfolgreichem Lebensweg verbirgt sich ein Mann, der nichts zuwege gebracht hat: weder sein Arztexamen ist echt noch seine Anstellung bei der WHO in Genf mit häufigen Dienstreisen und Vorträgen überall in der Welt.

Grundlage der finanziellen Existenz dieses Lebens waren großzügige Finanztransaktionen, mit denen Romand vorgeblich durch Anlagen in der Schweiz den arglosen Geldgebern riesige Gewinne versprach. Und hier lauerte denn auch der Fallstrick, der ihn buchstäblich zu Fall brachte.

Wie E. Carrere das alles langsam aufdeckt und den Leser an dieser Erkundungsreise teilnehmen lässt ist atemberaubend und lässt den Leser erschauern. Seine Sprache wird der Brutalität der Vorgänge gerecht; sie ist lebendig und lebensnah, doch lässt sie sowohl den Autor als auch den Leser erstaunen, mit welch einer Leichtigkeit sich Verbrechen begehen lassen.

Wie konnte nur niemand darauf kommen, dass dieses ganze Leben eine Fiktion war?

Man liest das Buch mit höchster Spannung, weil es auch eine Studie über die Psyche eines Mannes birgt, der sich und andere in ein vollständiges Missverhältnis zwischen Wahn und Wirklichkeit führt.

Obwohl ich kein wirklicher Krimifan bin, reizt dieses Buch bis zuletzt als gelungene Sozial- und Psychostudie.

Emmanuel Carrere
Der Widersacher
195 Seiten, gebunden
Matthes & Seitz Berlin, August 2018)
ISBN-10: 3957576121
ISBN-13: 978-3957576125
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Maxim Biller: Sechs Koffer

Maxim Biller: Sechs Koffer

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Maxim Biller bezieht sich in seinem Roman auf seine verwirrende Familiengeschichte.

Von Moskau über Prag nach Hamburg und Zürich ziehen sich die Schilderungen über seine Familie, die einen geheimnisvollen Hintergrund hat: was geschah mit dem Großvater der Sippe, der 1960 in Moskau hingerichtet wurde?

Sie sind Juden und werden immer und überall verfolgt. Die Sowjetunion hatte jedoch ihre eigenen Regeln, mit denen unliebsame und nicht folgsame Bürger willkürlich zu Tode kamen.

Der kleine Maxim fragt und schaut und beobachtet und zeigt schon früh sarkastische und selbstironische Charakterzüge in seinem Verhalten.

Ein wenig verwirrend für den Leser sind die Familienpersonen in ihren Beziehungen zueinander. Brüder, Onkel und Tanten: wer gehört wie zu wem und woher kamen sie? Man ist gelegentlich ein wenig angestrengt, sich in die diversen Beziehungen einzufühlen. Fest steht aber, dass in der Familie mitbedingt durch unterschiedlich politische Regime ein Klima der Verunsicherung und Angst herrschte. Der Großvater machte Waffen-und Devisengeschäfte, die ihn in Moskau unter Verdacht und schließlich zur Hinrichtung brachten. Jeder/ jede verdächtigt danach jeden der Denunziation und brachte die Familienmitglieder gegeneinander auf. Verfeindete Brüder und unglückliche Liebesbeziehungen taten ein Übriges, um das allgemeine Familienklima zu vergiften.

Das bunte Kaleidoskop einer jüdischen Familie tut sich auf, in dem auch der Ernst der Lage durch den Holocaust nicht ausgespart wird. Für den reflektierten Leser ist es erleichternd, zu erfahren, wie Familien immer und überall auch zerstritten sein können. Das ist kein jüdisches Phänomen. Im Gegenteil: schienen doch bisher bedingt durch die Erfahrungen der nahen Vergangenheit gerade jüdische Familien einen besonderen Zusammenhalt zu genießen, während man aus der ehemaligen DDR von Familientragödien hörte, in denen durch Bespitzelung und gegenseitigen Argwohn Unglück und Verzweiflung in Familien herrschten.

In diesem Familienroman wird die Zerrissenheit durch die politischen Systeme in Ost und West thematisiert. Ein wenig Schwejk blitzt gelegentlich durch: nur durch Chuzpe kommt man zuweilen weiter. Letzte Fragen bleiben offen.

Es ist ein witziger, spannender und spritziger Erzählstil, mit dem uns Maxim Biller hier erfreut.

Maxim Biller
Sechs Koffer
208 Seiten, gebunden
Kiepenheuer&Witsch, August 2018
ISBN-10: 3462050869
ISBN-13: 978-3462050868
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Annie Ernaux: Erinnerung eines Mädchens

Annie Ernaux: Erinnerung eines Mädchens

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Annie Ernaux bedient sich wie in ihrem ersten biographischen Roman „Die Jahre“ einer Verfremdung ihrer Person, die sie als „Das Mädchen“ betitelt. Von ihr und ihrem Erwachsenwerden handelt auch diese biographische Abhandlung.

Es ist der Sommer 1958. Das Mädchen ist 18 Jahre alt. Sie lebt mit ihren Eltern in der französischen Provinz. Die Eltern sind nach Herkunft und Gemüt einfach und haben alles für ihre begabte Tochter getan. Wie so viele junge Leute verbringt diese den Sommer mit einem Job als Betreuerin in einer Ferienkolonie. Bisher in einem streng katholischen Mädchenpensionat untergebracht naht für sie ungeahnte Freiheit und Ungebundenheit.

Die Freude sollte nicht lange dauern. Unbeholfen und unerfahren fällt sie dem Chefbetreuer schon nach wenigen Tagen als Sexobjekt zum Opfer. Er verbringt eine brutale Sexnacht mit ihr und lässt sie gleich darauf fallen. Erschüttert fängt sie wahllos immer neue Männerbeziehungen an.

Zerquält und entwürdigend sind die Tage und Wochen nach dem Ereignis. Die anderen Betreuer und Betreuerinnen machen sich über sie lustig, und sie wird verfemt. Ihr ganzes Sinnen und Trachten ist auf diesen ersten Liebhaber gerichtet. Sie sehnt sich nach ihm, der sie gedemütigt und in eine ihr unerklärliche Abhängigkeit getrieben hat.

Das Trauma dieser Nacht durchzieht ihr weiteres Leben und lässt sie nicht mehr los. Jahrelang steht das Jahr 1958 in ihrem Tagebuch. Sie kann nicht und will doch darüber berichten. Jetzt erst, 55 Jahre später, gelingt es ihr.

Die Erzählung durchzieht ein Schmerz, der nie vergeht. Das Mädchen war vollkommen unschuldig und ist in etwas hineingeraten, das ihren Willen gelähmt und ihre Selbstachtung zerstört hat. Mit unübertroffener Genauigkeit und zähem Durchhaltewillen scheint die Erzählerin den Spuren ihrer frühen Jahre nachzuforschen. Es war die Zeit, in der die allgemeine bürgerliche Moral spröde Abstinenz und Enthaltsamkeit forderte und freie Liebe verpönt und doch heimlich ersehnt war. Wer gegen die gesellschaftlichen Regeln verstieß, verlor seine Selbstachtung und fühlte sich schuldig. Mit feinem und sensiblen Gespür für die Scham, die den Zeitgeist spiegelt, geht Annie Ernaux ihren Erinnerungen nach so vielen Jahren nach.

Es folgen Irrwege und die Suche nach dem richtigen Beruf. Die Autorin begegnet schließlich den Schriften von Simone de Beauvoir, die sie nachdenklich und aufmerksam machen. Der Stil der Erzählung wandelt sich mit fortlaufender Entwicklung. Die Protagonistin in der Erzählung wechselt immer häufiger zum „Ich“. Entsprechend nimmt die Identitätsfindung Form an und dem Philosophiestudium steht nichts mehr im Wege.

Die schonungslose Offenheit dieser eigenen Entwicklungsstudie ist bemerkenswert.

Hier zeigt eine Schriftstellerin ihren Werdegang mit rückhaltloser Selbstentblößung.

Letztendlich geht es um den Wandel moralischer Verhaltensweisen über die letzten fünfzig Jahre und den Schaden, den starre Tabus anrichten können. Die hohe Reflexionsgabe beeindruckt den Leser und lässt an Erkenntnissen über den Wandel der Zeiten keine Fragen offen.

Annie Ernaux
Erinnerung eines Mädchens
163 Seiten, gebunden
Suhrkamp Verlag, Oktober 2018
ISBN-10: 351842792X
ISBN-13: 978-3518427927
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Steve Hockensmith: Weiße Magie – Vorsicht Stufe!

Steve Hockensmith: Weiße Magie – Vorsicht Stufe!

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Alanis McLachlan hat nun den kleinen Laden „Weiße Magie – gut & günstig“ von ihrer Mutter übernommen. Sie will allen, die ihre Mutter mit ihren Kartendeutungen betrogen hat, etwas Gutes tun. Allerdings wird sie von ihrem Vorhaben bald abgelenkt, aber es kommt ohnehin wenig Kundschaft. Eine neue Freundin braucht ihre Hilfe. Marsha, die auch schon Kundin von Alanis‘ Mutter war, hat Stress mit ihrem gewalttätigen Mann. So versucht Alanis, sie zur Trennung zu bewegen. Als ihr Mann dann aber ermordet wird, steht Marsha bald unter Verdacht. Alanis will ihre Unschuld, von der sie felsenfest überzeugt ist, beweisen und benutzt dazu ein Tarot-Handbuch, schließlich ist sie noch am Lernen, was das Kartendeuten betrifft.

Als Leser kann man nun versuchen, ebenfalls die Karten zu deuten und diese Deutungen mit dem tatsächlichen Verlauf der Handlung zu vergleichen. Das macht sehr viel Spaß, denn dieses Tarot-Handbuch ist … nun ja … nicht eben konservativ in den Deutungen, sondern eher extrem fantasievoll. Aber das passt zu Alanis. Sie ist ein draufgängerischer Typ. Und so stehen die Karten auch mal Kopf, was die junge Frau aber keineswegs bremst! Alanis kann sehr direkt, aber auch liebevoll sein. Und von Männern, die ihr an die Gurgel gehen wollen, lässt sie sich nicht abschrecken. Sie ist ein sehr witziger Typ. Und ihr Witz und ihre Schlagkraft bestimmen die rasante Handlung, die immer mehr an Spannung gewinnt.

Davon mal abgesehen, läuft aber nun mal ein Mörder herum. Es wird also gefährlich für Alanis und wem sie vertrauen kann und wem nicht, vermag man als Leser nicht zu sagen. So geht es ordentlich drunter und drüber und Alanis ist nicht immer Herr der Lage.
Der Tarot-Krimi bietet also sehr gute Unterhaltung. Der Schreibstil des Autors ist unschlagbar. Ich hatte einige vergnügliche Stunden mit dem Buch.

Rezension von Heike Rau

Steve Hockensmith
Weiße Magie – Vorsicht Stufe!
Deutsch von Britta Mümmler
Kriminalroman
352 Seiten, broschiert
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423216646
ISBN-13: 978-3423216647
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Louise De Vilmorin: Der Brief im Taxi

Louise De Vilmorin: Der Brief im Taxi

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Liebeswirren im edlen Bürgertum.

In diesem kurzen Roman, der fast einer Novelle gleicht, beginnt eine unbekannte Icherzählerin unvermittelt mit der geselligen Geschichte einer gehobenen Bürgerschicht.

Sie berichtet von einem Mann, den sie liebte, der ihr aber eine andere vorzog. Gustave ist ein heiterer Mann, der von einem leichten Leben auf den Meeren der Welt träumt. Dazu muss er zuerst einmal reich werden. Er liebt Cécilie, eine gute Freundin der Erzählerin. Diese ist unkonventionell, verspielt, locker und schöner als ihre erzählende Freundin und heiratet den Galan.

Zunächst sieht alles nach einem glücklichen Leben aus; doch Gustave wandelt sich mit dem beruflichen Erfolg zu einem geldgierigen, langweiligen Banker. Sein Umgang ist entsprechend, und Cécilie vermag sich nicht so recht in den konventionellen Umgang mit den anderen angesehenen Bürgern einzureihen.

Eines Tages begleitet Cécilie die langweilige Freundin ihres Bruders Alexandre zum Zug. Auf dem Weg im Taxi verliert sie einen frankierten Brief, den sie zur Post geben wollte. Nun beginnt das eigentliche Abenteuer! Was stand in dem Brief, und an wen war er adressiert?

In wunderschönen Worten beschreibt Louise De Vilmorin die Personen ihrer Handlung.

Sie alle sind unterschiedliche Charaktere mit eigenem Gewicht. Vermutungen tauchen auf wie diese: könnte der Brief zu einer Erpressung führen? Beinhaltet er den Hinweis auf eine versteckte Liebesgeschichte von Cécilie?

Man wird neugierig, und die Spannung steigt!

Es geht in der Erzählung um das französische Bürgertum, um Adel, Gesellschaft, Gewohnheiten und das Lebensgefühl zu Beginn des 20.Jahrhunderts. Die Geschichte kreist voller Charme und gepflegter Unterhaltung um Menschen, die lieben und sich im geselligen Treiben verlustieren. Der vergessene Brief im Taxi ist das Medium, um das sich eine Geschichte rankt, die jenes edle Bürgertum mit allen seinen guten und maroden Seiten aufzeigt, wie wir sie aus der Historie kennen. Es gibt die Angepassten, die Angeber, Intrigen aller Art und die unkonventionellen Individuen, die das Salz in der Suppe bilden. Die Geschichte im Brief bietet überraschende Eindrücke und Auflösungen, mit denen man nicht gerechnet hat.

Der Leser fühlt sich gut unterhalten. Er goutiert die gepflegten Umgangsformen und das malerische und bestrickende Ambiente.

Das Büchlein ist eine kleine Rarität, das sich in Aufmachung und Geschmack hervorragend als Geschenk eignet. Beim literarisch gebildeten Leser kann man damit nichts falsch machen.

Dem Dörlemann Verlag verdanken wir immer neue Wiederentdeckungen aus dem Beginn des vergangenen Jahrhunderts. Louise De Vilmorin lebte von 1902 -1969. Sie war mit de Saint-Exupérie verlobt und langjährige Lebensgefährtin von André Malraux. Ihr verdanken wir so manches literarische Kleinod wie dieses hier.

Louise De Vilmorin
Der Brief im Taxi
208 Seiten, gebunden
Dörlemann, August 2016
ISBN-10: 3038200336
ISBN-13: 978-3038200338
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Robin Black: Porträt einer Ehe

Robin Black: Porträt einer Ehe

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Nichts eignet sich so sehr zum Thema eines Romans wie das Porträt einer Ehe.
Sind es doch die immer gleichen Ereignisse, die uns Menschen während eines langen Lebens bewegen.

In diesem Roman finden sich zwei Künstler zusammen, die auf lange gemeinsam verbrachte Jahre zurückblicken. Sie sind aus Philadelphia aufs Land gezogen. Owen ist Schriftsteller, und Augusta, genannt Gus, malt. Kinder wollten sie zuerst nie, und als sie daran dachten, bekamen sie keine mehr.

Gus hatte noch in Philadelphia eine heiße Affäre mit Bill, dem Vater einer ihrer Malschülerinnen. Sie hat sich Owen offenbart, weil sie nicht mit einer Lüge leben wollte. Die Wunde bei ihrem Mann sitzt tief, und beide haben allerhand zu tun, um diesen gravierenden Zwischenfall und Vertrauensbruch zu verwinden.

Nun leben sie ein zurückgezogenes Leben auf dem Land. In einem alten Farmhaus haben sie sich eingerichtet. Sie sind nicht gläubig und leben gegen den Mainstream. Doch gewisse Formen geben Halt, und so haben sie sich eigene Rituale zugelegt: wo sie wann, wie und was z.B. feiern werden.

Doch in die selbst gewählte Stille und kontemplative Ruhe bricht eines Tages eine Nachbarin ein. Auch sie ist Malerin und sucht Ruhe und Alleinsein nach einer langjährigen desaströsen Ehe. Alison hat eine Tochter, die erwachsen geworden ist und das Elternhaus verlassen hat.

Alison und Gus, die beiden Malerinnen, freunden sich an, und man ist gespannt, wie sich das Dreiergrüppchen mit Owen dazwischen arrangieren wird. Wie zu vermuten ist, kann das nicht lange gut gehen.

Warum ist diese Geschichte so reizvoll für den Leser?

Nun, es ist das geruhsame Landleben und die prickelnde Versuchung neuer Gemeinsamkeiten, die mit Alison in das Leben von Owen und Gus getreten ist. Einmal trifft man sich zu einem Glas Wein, dann wieder ist es ein Abendessen, das man mit einander verbringt. Die Frauen beginnen, sich kleine Geheimnisse aus ihrem Eheleben mitzuteilen, was am Ende nicht zum Guten gereicht.
Mit ihren diffizilen Querverbindungen unter den verschiedenen Protagonisten steigert Robin Black die Geschichte zu einer Erzählung, die mit einem unerwarteten Ende aufwartet.
Das psychologische Feingefühl der Autorin lässt uns glauben, dass genau solche Ereignisse im wirklichen Leben und quer durch alle Schichten passieren könnten. Da vermischen sich Missverständnisse mit Lug und Betrug und Eifersucht mit Versuchung. Robin Black gewährt uns Einblicke in die sensibelsten Empfindungen ihrer Protagonisten.

Die Erzählung verläuft zunächst in einem ruhigen Strom von Beschaulichkeit und Einkehr, um dann an Fahrt aufzunehmen. Genauso aber spielt das Leben: unerwartete Wendungen passieren ohne unser Zutun, und alle guten Vorhaben mögen zunichtewerden, wenn der Zufall als Schicksal in Erscheinung tritt. Eine außergewöhnliche Liebesgeschichte mit nicht zuletzt kriminellem Einschlag ist Robin Black mit diesem Roman gelungen.

Robin Black
Porträt einer Ehe
320 Seiten, gebunden
Luchterhand Literaturverlag, Mai 2016
ISBN-10: 3630873227
ISBN-13: 978-3630873220
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Jussi Adler Olsen: Takeover – Und sie dankte den Göttern …

Jussi Adler Olsen: Takeover – Und sie dankte den Göttern …

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Der Niederländer Peter de Boer ist Geschäftsführer eines Unternehmens, das für sehr viel Geld Firmen in den Ruin treibt, auflaufen lässt oder vernichtet. Mit Raffinesse und ohne Skrupel wird dieses Geschäft betrieben. Peter de Boers Mitarbeiter sind gut organisiert und Spezialisten auf ihrem Gebiet.

Mit der Halbindonesierin Nicky Landsaat gibt er mit einem neuen Auftrag zum ersten Mal einer Anfängerin eine Chance. Doch das Unterfangen läuft nicht wie geplant und andere Unwägbarkeiten spielen, wie sich bald zeigt, mit hinein. Es ist der Beginn einer weiteren Geschichte. Und Peter de Boer wird nun selbst erpresst und muss sich gezwungenermaßen den Regeln anderer unterwerfen. Der irakische Geheimdienst zieht die Fäden. Und Peter de Boer und Nicky Landsaat schlittern hinein in eine Verschwörung ungeahnten Ausmaßes.

Es geht ordentlich kriminell zu in dem Thriller. Dabei ist Peter de Boer mit seiner Vergangenheit und seinem Geschäftsmodell auch nicht gerade ein Sympathieträger. Gewalt und Heimtücke, Betrug und Erpressung sind ständig präsent. Der Leser wird diesmal allerdings nicht so ordentlich in die Mangel genommen, wie man es von Jussi Alder-Olsens Thrillern im Allgemeinen gewöhnt ist.

Tatsächlich bekommt man ab und an Gelegenheit in Ruhe Luft zu holen und sich abzuregen. Das liegt daran, dass die Handlung teilweise etwas abwegig oder zu übertrieben ist und manche Personen schlicht unglaubwürdig sind. Zeit weise ist sogar abgrundtiefer rabenschwarzer Humor spürbar.

Mir hat das allerdings gut gefallen. Ganz so knallhart muss es für mich nicht sein. Insgesamt wird man also gut unterhalten, es ist schon ein sensationell spannendes Spiel, was hier am Laufen ist. Die Verwicklungen sind unglaublich und weitreichend. Das Ende könnte mich allerdings doch nicht ganz überzeugen. Ich denke eher, ein Spiel dieser Art wird nie zu einem Ende kommen.

Rezension von Heike Rau

Jussi Adler Olsen
Takeover – Und sie dankte den Göttern …
Aus dem Dänischen von Hannes Thiess und Marieke Heimburger
592 Seiten, gebunden
Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3423280700
ISBN-13: 978-3423280709
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Ute Krause: Die Muskeltiere auf großer Fahrt

Ute Krause: Die Muskeltiere auf großer Fahrt

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„Die Muskeltiere: Einer für alle – alle für einen“ war das erste Buch mit Hamster Bertram von Backenbart, den Mäusen Picandou, Pomme de Terre und der Ratte Gruyère. Mit „Die Muskeltiere auf großer Fahrt“ folgt nun eine weitere, in sich abgeschlossenen, Geschichte.

Der Ausgangspunkt ist Frau Fröhlichs Feinkostladen, hier hausen die vier munteren Gesellen und freuen sich wie immer über die leckeren Abfälle, die sich leicht stibitzen lassen. Allerding soll der Laden bald für einige Zeit geschlossen werden, denn Frau Fröhlich und Margarethe haben eine Schiffsreise nach Ägypten geplant. Der Nachschub an Leckereien ist also nicht gesichert. Doch die Muskeltiere finden eine Lösung. Als blinde Passagiere verstecken sie sich in einem Koffer und gehen mit an Bord.

Dass hier ein Abenteuer auf Mäuse, Ratte und Hamster wartet, ist klar. Mit an Bord ist ein Junge in einem Matrosenanzug. Der sieht, was andere nicht sehen und schon bald gerät Gruyère in arge Bedrängnis. Zum Glück glaubt dem Jungen niemand an Bord, dass er eine Ratte gefangen hat und so kann Gruyère befreit werden. Claus staunt nicht schlecht, als er sieht, dass die Ratte nicht mehr da ist. Es dauert nicht lange bis er die Muskeltiere, die sich nicht besonders gut verstecken konnten, entdeckt.

Was Claus jetzt noch nicht weiß, ist, dass er bald auf die Hilfe der kleinen Tiere angewiesen ist. Ein Betrüger ist an Bord, der sich einen wirklich bösen Plan ausgedacht hat, bei dem Clausens Tante um ihr Geld betrogen werden soll. Das können die Muskeltiere natürlich nicht geschehen lassen.

Auch dieses Buch ist wieder voller tierischer Abenteuer. Mäuse, Ratte und Hamster geben die Muskeltiere und kämpfen gegen das Böse. Das wird auf eine sehr humorvolle Art und Weise beschrieben. Dabei legt die Autorin auch viel Wert darauf, die Eigenschaften und Eigenarten der Tiere unterzubringen. Diese Situationskomik wird auch sehr schön in ihren Zeichnungen dargestellt. Ich bin davon sehr begeistert. Dieser Ausdruck, diese Details, wirklich sagenhaft!

Das Buch liest sich gut vor, ist aber natürlich auch für größere Kinder geeignet, die schon selbst lesen können.

Rezension von Heike Rau

Ute Krause
Die Muskeltiere auf großer Fahrt
200 Seiten, gebunden
cbj, München
ISBN-10: 3570171728
ISBN-13: 978-3570171721
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