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Schlagwort: Mord

Joanna Schaffenhausen: Wie viel willst du töten

Joanna Schaffenhausen: Wie viel willst du töten

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Ellery Hathaway versucht die Vergangenheit hinter sich lassen, auch wenn sie die schreckliche Zeit, in der sie als 14-Jährige in der Hand des Serienmörders Francis Michael Coben war, nie vergessen wird. Sie ist unter anderem Namen Polizistin geworden und lebt in Woodbury/Massachusetts.

Obwohl hier niemand etwas über sie weiß, hat sie schon zweimal eine Geburtstagskarte zugeschickt bekommen. Die Botschaft, die damit verbunden sein könnte, erschließt sich ihr nicht. Und doch ist es auch die Zeit, in der jedes Mal ein Mensch verschwindet. Zwei Vermisste gibt es bereits. Auch dieses Jahr wird wieder eine Person verschwinden, da ist Ellery sich sicher. Bei ihrem Chef findet sie kein Gehör. Er glaubt nicht, dass die zwei Vermisstenfälle zusammenhängen. Es gibt keine Leichen, also werden die beiden aus freien Stücken abgehauen sein.

Ellery wendet sich an Reed Markham. Er arbeitet beim FBI. Und er hat ein ganz besonderes Interesse an Ellery, war er es doch, der sie damals gerettet hat. Er kommt sofort. Doch er kann Ellerys Angst nicht nachvollziehen. Er glaubt, sie hat das Trauma noch nicht aufgearbeitet und bewertet die Lage vielleicht über. Wie können die Vermisstenfälle mit dem Serienmörder Francis Michael Coben zusammenhängen? Er sitzt schließlich im Knast. Von einem Nachahmungstäter auszugehen, hält er für überzogen. Doch auch seinem Urteil kann man nicht unbedingt trauen. Er ist stressbedingt arbeitsunfähig und ermittelt ohne Auftrag. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt allerdings nicht. Plötzlich werden beide von den Geschehnissen überrollt.

Das Buch ist so spannend, wie man es von einem Thriller erwarten darf. Dazu kommt, dass es ausgesprochen gut geschrieben ist. Es sind die psychologischen Feinheiten, die überzeugen. Man bekommt das Gefühl vermittelt, sich langsam vorzutasten. Doch wird man überrascht von der Art, wie der Krimi aufgebaut ist. Immer wieder schießt die Spannungskurve nach oben. Es gibt neue Details, die zu Wendungen führen, die mal zielführend sind und mal nicht. Dass manche Erkenntnis sich als Sackgasse entpuppt, strapaziert die Nerven.

Den zwei Ermittlern steht man mit Skepsis gegenüber. Sie verhalten sich nicht immer angemessen und setzen lieber auf ihre Intuition. Sie haben sich mit vielen Problemen herumzuschlagen und stehen unter Zeitdruck. Es wird sich zeigen, ob Ellery Verdacht sich erhärtet und Reed ihr folgen kann. Das Ende ist auf jeden Fall überraschend.

Rezension von Heike Rau

Joanna Schaffenhausen
Wie viel willst du töten
Deutsch von Irene Eisenhut
336 Seiten, broschiert
dtv Verlagsgesellschaft, März 2020
ISBN-10: 3423219203
ISBN-13: 978-3423219204
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Jens Henrik Jensen: Oxen – Lupus (4. Teil der Oxen-Serie)

Jens Henrik Jensen: Oxen – Lupus (4. Teil der Oxen-Serie)

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Der Ex-Elitesoldat Nils Oxen ist arbeitslos, seit der Danehof zerschlagen wurde. Die Trilogie ist eigentlich beendet, doch der Autor mag sich noch nicht von den Figuren trennen. So gibt es jetzt einen vierten Teil. Das freut mich sehr!

Der ehemalige Geheimdienstchef Axel Mossman hat nicht alle Unterlagen des Geheimbundes vernichten lassen, sondern einige Aufzeichnungen des Danehof-Leiters beiseite geschafft. In seinem Keller brütet er darüber und stößt auf etwas Geheimnisvolles. Infolge beauftragt er Nils Oxen, den vermissten Poul Hansen in Jütland ausfindig zu machen. Er hatte sich auf einem abgeschiedenen Bauernhof im Wald zurückgezogen, aber niemand weiß, wo er jetzt ist.
Oxen lehnt den Auftrag ab, reist aber dennoch zu diesem Hof. Er interessiert sich für die Wölfe, die in der Gegend gesichtet wurden. Die Harrildholmer Heide ist ein guter Ausgangspunkt dafür. Halbherzig schaut er sich auch in den Gebäuden um und bezieht Basis in der Küche des Hauses. Hier findet er etwas, das ihn zutiefst beunruhigt. Es hat etwas mit seiner ehemaligen Partnerin Margrethe Franck zu tun. Was zum Teufel macht ein alter Zeitungsartikel über den unaufgeklärten Fall, bei dem Franck ihr Bein verlor, hier auf dem Hof? Etwas Unheilvolles braut sich zusammen.

Besonders gut in Form ist der Ex-Elitesoldat nicht. Nach wie vor kämpft er gegen seine Dämonen. Auch schafft er es kaum, eine Beziehung zu seinem Sohn aufzubauen. Harrildholm ist für ihn ein besserer Rückzugsort als seine Wohnung, zumal es hier Wölfe gibt, die ebenso einsam und lautlos durch die Wälder streifen, wie er. Seinem wachsamen Auge fallen Dinge auf. Mit seinem wachsenden Interesse an den Vorgängen wird der Leser immer mehr in die Handlung hineingezogen. Die Spannung steigt unaufhörlich! Doch Oxen erkennt den Ernst der Lage anfangs nicht. Er ist unkonzentriert und hat sich zeitweise nicht im Griff. Sein Trauma tritt zutage und macht ihm das Leben schwer. Doch er bringt sich schließlich dazu, zu funktionieren. Es macht ihn misstrauisch, dass Mossman ihn mit Informationen füttert, die ihn in eine bestimmte Richtung lenken sollen. Also holt er Margrethe Franck mit ins Boot, die bald um ihr Leben bangen muss. Immer weiter baut der Autor die Handlung mit überraschenden Wendungen und Gefahrensituationen aus. Der Schreibstil gefällt sehr gut und die Zeit vergeht schnell beim Lesen. Man wird perfekt unterhalten von diesem Thriller!

Rezension von Heike Rau

Jens Henrik Jensen
Oxen – Lupus – Teil Vier der Oxen-Serie
Aus dem Dänischen von Friederike Buchinger
608 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft, Januar 2020
ISBN-10: 3423262435
ISBN-13: 978-3423262439
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Cara Hunter: In the Dark

Cara Hunter: In the Dark

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Bei Renovierungsarbeiten an einem Haus werden im Keller Probleme mit einer Zwischenwand zum Nachbarhaus ersichtlich. Das Mauerwerk ist in schlechtem Zustand und schließlich bricht ein Stück heraus. Der Blick in den nebenan liegenden Keller wird frei und offenbart, womit niemand gerechnet hat.

DI Adam Fawley muss nun mit seinem Team ermitteln, wer hier im Keller eine junge Frau und ein Kleinkind gefangengehalten hat. Der Hausbesitzer, es ist ein alter an Demenz leidender Mann, gibt an, nichts mit der Sache zu tun zu haben.
Gibt es Parallelen zu einem alten Fall, bei dem schon vor zwei Jahren eine junge Mutter verschwand? Ihr Sohn wurde damals wohlbehalten aufgefunden, während nicht nachvollzogen werden konnte, was mit ihr geschehen ist. Bis heute wird sie vermisst.

Es sind also gleich zwei Fälle, die hier untersucht werden müssen. Auch wenn eine Verbindung zwischen den beiden Frauen nicht ersichtlich ist, wird der alte Fall wieder aufgerollt. Denn die beiden Wohnhäuser liegen sich, wenn auch nicht in der gleichen Straße, so doch nur durch die Gärten hinter den Häusern getrennt, gegenüber. Das kann kaum ein Zufall sein.

Als Leser wird man direkt mit einbezogen in die Ermittlungsarbeiten. Man sieht Tatortsskizzen, liest Befragungsprotokolle, hat Einblick in TV-Transkripte und kann eigene Schlüsse daraus ziehen. Auch das Team um DI Fawley hat unterschiedliche Herangehensweisen und Ansichten. Das Erzählen aus verschiedenen Perspektiven unterstreicht das zusätzlich und ermöglicht es dem Leser, das Geschehen aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten.

Das Spannende am Buch ist, dass die Wahrheit immer wieder eine andere ist! Wenn man glaubt, dass nach einer neuen Erkenntnis nun alles klar und der Fall gelöst ist, ergibt sich etwas Neues, das die ganze Ermittlungsarbeit auf den Kopf stellt. Immer wieder kommt das vor. Es mag daran liegen, dass die Tat undurchschaubar gut geplant war. Der oder die Täter lassen sich nicht in die Karten schauen und haben immer noch ein Ass im Ärmel. Die Ermittler sind jedoch Profis und gut darin, Details die nötige Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Jedoch sind sie weniger gut darin, Fehler zuzugeben, was auch interessante Auswirkungen hat. So hält die Spannung bis hin zum überraschenden Ende.

Rezension von Heike Rau

Cara Hunter
In the Dark
412 Seiten, broschiert
Aufbau Taschenbuch
ISBN-10: 3746635039
ISBN-13: 978-3746635033
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Ellen Berg: Der ist für die Tonne – (K)ein Männer-Roman

Ellen Berg: Der ist für die Tonne – (K)ein Männer-Roman

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Hannah ist ein professioneller Coach fürs Ausmisten. In dieser Funktion soll sie dem neuen Freund ihrer Freundin Tess auf die Beine helfen. Er wohnt in einer zugemüllten Villa und sein Kleiderstil lässt ebenfalls zu wünschen übrig. Pascal mag eigenwillig sein, doch Hannah gefällt er irgendwie. Er hat so einen grantigen Charme. Das ist ein Widerspruch, der sie reizt. Aber das spielt keine Rolle. Wirklich nicht! Keinesfalls! Hannah hat sich im Griff! Sie würde nie ihre Freundin hintergehen.

Als sie eine Leiche auf Pascals Dachboden findet, beginnt das Chaos. Fast wird Hannah verhaftet, doch Pascal gelingt es, das mit einer haarsträubenden Lügengeschichte zu vermeiden. Er drängt sie in eine Rolle, die sie nie spielen wollte. Das hat Folgen und verursacht ein emotionales Chaos, zumal die Polizei bald aus gutem Grund eine Theorie entwickelt, die beiden gefährlich werden könnte.

Die Freundschaft zwischen Hannah und Tess kippelt, zumal auch Pascal einige Änderungswünsche seine neue Freundin betreffend hat. Wie soll Hannah sich da länger raushalten? Wie soll sie wieder Ordnung in ihrem Leben schaffen? Vielleicht kann Ex-Ehemann Dennis dabei helfen, der ihr ohne hin neuerlich wieder Avancen macht.

Der Roman unterhält sehr gut. Auch wenn die Handlung chaotisch ist, so ist sie doch witzig und spannend. Hannah liefert sich die eine oder andere amüsante Diskussion mit Pascal und man lacht darüber, wie schlagfertig beide sind und wie sie sich immer mehr im Gefühlschaos verstricken.
Sämtliche Charaktere haben ihre Eigenheiten und sind teilweise äußerst speziell. Die Autorin bringt viel Wortwitz, Zweideutigkeiten und flotte Sprüche im Buch mit ein, untermalt mit einigen psychologisch wertvollen Lebensweisheiten. Sie schreibt in einem lockeren und leicht zu lesendem Stil.
Klar, werden hier Klischees bedient und die Handlung wirkt einigermaßen überzogen, aber man wird wunderbar abgelenkt und es macht Spaß, dem Krimi zu folgen, auch wenn der Mordfall immer mal wieder etwas in den Hintergrund gerät!

Rezension von Heike Rau

Ellen Berg
Der ist für die Tonne – (K)ein Männer-Roman
320 Seiten, broschiert
Aufbau Taschenbuch
ISBN-10: 3746635861
ISBN-13: 978-3746635866
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Romy Hausmann: Liebes Kind

Romy Hausmann: Liebes Kind

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Sie wird von ihm Lena genannt, auch wenn sie nicht so heißt. Die Kinder Hannah und Jonathan sagen Mama zu ihr, auch wenn sie nicht ihre Mutter ist. Der Mann, es ist nicht ihr Mann, aber der Vater der Kinder, verlangt, dass sie in jeder Hinsicht tut, was er sagt. Sie hat keine Wahl in dieser Hütte in der Einsamkeit des Waldes. Er ist der Stärkere, er hat die Macht und zeigt das auch.

Ohne den Zirkulationsapparat, die Fenster sind dichtgemacht, würde man im Haus ersticken. Sie kann nicht sagen, ob draußen Tag oder Nacht ist. Alles ist geregelt und folgt einem genauen Zeitplan. Widersetzt sie sich, wird sie hart bestraft. Er tut alles, damit es seiner Familie gut geht. Er sorgt für Essen und Schutz vor der Außenwelt. Sie spielt mit, weil sie muss und hofft auf eine Möglichkeit zur Flucht.

Die Polizei hat einen Vermisstenfall, der 14 Jahre zurückliegt, aufgegeben. Die Eltern glauben kaum noch daran, dass ihre Tochter jemals gefunden wird. Bis sie eines Tages doch noch den ersehnten Anruf bekommen.

Mehr möchte ich nicht verraten, sonst geht ein Teil der Spannung verloren. Der Krimi ist systematisch aufgebaut und entwickelt rasch eine Sogwirkung. Man wird hineingezogen in diese Geschichte. Dem Leser wird ein großer Einblick gewährt, ohne das er den Durchblick hat, auch wenn das für eine Weile so scheint. Es sind Einzelheiten, die erst nach und nach enthüllt werden, und die zeigen, das sich weit mehr abgespielt hat. Trotzdem ist das noch immer nicht die ganze Wahrheit. Man liest das Buch, immer verfolgt von bösen Ahnungen.

Der Thriller ist so was von extrem spannend! Die Autorin zeigt eine Geschichte auf, die jenseits jeder Vorstellung liegt. Dabei gibt es keine Person, an die man sich halten kann. Fast jeder handelt irgendwie irrational, versinkt in seiner eigenen Welt oder macht sich anderweitig verdächtig. Trotzdem ist der Verlauf des Buches relativ glaubhaft, denn wie man später merkt, steckt einfach mehr dahinter. Das Ende ist unvorhersehbar und dementsprechend überraschend.

Rezension von Heike Rau

Romy Hausmann
Liebes Kind
432 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 342326229X
ISBN-13: 978-3423262293
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Courtney Summers: Sadie – Stirbt sie, wird niemand die Wahrheit erfahren

Courtney Summers: Sadie – Stirbt sie, wird niemand die Wahrheit erfahren

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Sadie hat sich immer liebevoll um ihre jüngere Schwester gekümmert. Aber nun ist Mattie tot. Sie wurde ermordet. Für die 19-jährige bricht die Welt zusammen. Dass die Polizeiermittlungen ergebnislos bleiben, kann sie nicht hinnehmen. Sie will den Mörder auf eigene Faust finden. Und so verschwindet Sadie, ohne jemanden etwas zu sagen.

Der Journalist West McCray will einen Podcast über die Geschehnisse entwickeln. Er startet in Cold Creek. Hier haben die Schwestern gelebt. Die drogenabhängige Mutter hat die Familie vor einigen Jahren verlassen. Eine Nachbarin hat sich gekümmert, so gut es ging. May Beth Foster ist zur Ersatzoma geworden. West McCray erhält erste Information von ihr. Sie möchte, dass er Sadie ausfindig macht. Die Zeit drängt, denn mit jedem Tag Ungewissheit wird die Gefahr für Sadie größer.

Das Buch hat einen speziellen Stil. Da ist einmal die sehr emotional beschriebene Geschichte um Sadie, die der Leser direkt verfolgen kann. Sie ist dem Mörder auf der Spur. Es ist eine extrem anstrengende und fordernde Aktion, zumal Sadie damit auch die bedrückenden Geschehnisse der Vergangenheit aufarbeiten muss. Sie begibt sich in größte Gefahr, sieht aber keinen anderen Weg!

West McCray folgt Sadie in seinem Podcast zeitversetzt. Er geht also ihren mittlerweile doch etwas verwischten Spuren nach. Er führt nicht nur Interviews mit May Beth Foster, sondern auch mit den Menschen, die Sadie getroffen haben muss, um an Informationen zu kommen. Als Journalist weiß er, wie er Erinnerungen wecken kann. Und so tastet er sich voran. Was er erfährt, macht ihn betroffen. Immer mehr versteht er, wie verzweifelt Sadie sein muss. Er kann ihre Motivation gut nachvollziehen. Er entwickelt Folge um Folge für den Podcast. Und das ist der zweite Erzählstrang im Buch.

Die Autorin erreicht mit ihrem ungemein raffiniert aufgebautem Buch eine ungewohnte Tiefe. Diese entsteht durch ihre melancholische Art zu erzählen und durch die wechselnden Perspektiven. So ergeben sich zwei unterschiedliche Blickwinkel, die erst zusammengenommen zu einem halbwegs vollständigen Bild führen. Die Geschichte mit ihren gut ausgearbeiteten Figuren wirkt ausgesprochen realistisch. Keine Minute flaut die Spannung ab. Das Buch ist durchweg fesselnd!

Rezension von Heike Rau

Courtney Summers
Sadie – Stirbt sie, wird niemand die Wahrheit erfahren
Aus dem Englischen von Friederike Levin
359 Seiten, Klappenbroschur
Beltz & Gelberg
ISBN-10: 340781240X
ISBN-13: 978-3407812407
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Linus Geschke: Tannenstein

Linus Geschke: Tannenstein

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Keiner kann sagen, warum der Wanderer in der Dorfkneipe von Tannenstein elf Menschen umgebracht hat. Nur der Wirt wurde verschont. Es ist kein Motiv ersichtlich. Doch als der Killer seine Kollegin und Freundin Lydia Wollstedt während der Ermittlungsarbeiten ermordet, wird der Ex-Polizist Alexander Born munter. Kaum aus dem Knast entlassen, er saß hier drei Jahre wegen Veruntreuung und Drogendelikten, macht er es sich zur Aufgabe, dem bisher nicht abgeschlossenen Fall noch einmal nachzugehen und den Wanderer aufzuspüren. Er will Rache. Als Ex-Polizist hat er weitaus bessere Möglichkeiten.

Born muss von vorne beginnen und herauszufinden, was Lydia entdeckt hat. Er nutzt dafür seine alten Kontakte und gibt sich provokant. Offiziell ist Polizeioberkommissarin Norah Bernsen an dem Fall dran. Sie agiert pflichtbewusst nach Vorschrift, muss aber einsehen, dass sie damit nicht weit kommt. Vielleicht kann man gemeinsam mehr erreichen.

Der Autor legt ein ordentliches Tempo vor. Die Spannung, die aufgebaut wird, ist extrem. Dazu kommt, dass die Perspektive immer wieder wechselt. Damit erhält der Leser Hintergrundwissen. Ihm ist die Gefahr also sehr viel deutlicher bewusst, als Alexander Born oder Norah Bernsen. Beide sind nicht unbedingt positiv besetzt. Insbesondere Born übt Selbstjustiz ohne genaue Kenntnis der Fakten und Bernsen hindert ihn nicht daran. Moralisch einwandfrei ist das nicht. Aber gut nachvollziehbar. Die Gegenseite ist schließlich kriminell, kennt keine Grenzen und geht über Leichen. Krasse, brutale Gewaltszenen verdeutlichen das. Zum Glück beschreibt der Autor diese auf eine kaltschnäuzige, emotionslose und direkte Art. Lässt man die eigene Fantasie nicht anspringen, kann man ganz gut über diese Szenen hinweg lesen. Ich finde das gut! Wer mag, kann natürlich das Kopfkino anlaufen lassen.

Alexander Born ist echt gut! Die Handlung ist stimmig und realistisch, auch wenn mich wundert, wie viel Glück Born manchmal hat! Besonders am Ende des Buches wird das deutlich.

Rezension von Heike Rau

Linus Geschke
Tannenstein
Thriller
384 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423262184
ISBN-13: 978-3423262187
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Paul Grote: Pinot Grigio stand nicht im Testament

Paul Grote: Pinot Grigio stand nicht im Testament

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Der Fotograf Frank Gatow ist in Südtirol unterwegs, um Weingüter für einen Fotoband zu fotografieren. Werner Kannegießer, ein Winzer, hat ihn dazu eingeladen. Doch vor Ort eingetroffen, muss Gatow feststellen, dass der Kannegießer tot ist. Er soll in der Karibik bei einem Tauchunfall ums Leben gekommen sein. Kannengießers Tochter Theresa glaubt aber, dass es Mord war. Beweise dafür fehlen ihr allerdings. Sie schafft es aber immerhin, Gatows Misstrauen zu wecken.

Bald wird der Fotograf von allen möglichen Leuten angesprochen, in deren Angelegenheit hineingezogen und manipuliert. Offenbar herrscht großer Unfrieden in der Familie. Das zu erwartete Erbe ist Anlass für die extremen Streitigkeiten. Es gibt also ein Motiv. So erhärtet sich der Mordverdacht. Gatow sollte sich besser nicht weiter einmischen. Doch er verpasst den Moment, sich zurückzuziehen, und so steckt er bald mit drin im Intrigenspiel. Die Polizei ist zunächst keine große Hilfe. Sie stützt den Mordverdacht nicht.

Durch den Anfang des Buches muss man erst mal durch. Viel zu langwierig wird in den Krimi hineingeführt. Es geht einfach nicht vorwärts. Doch das Blatt wendet sich. Die Spannung steigt etwas, auch wenn der Autor immer wieder zu Weinproben, Landschaftsbeschreibungen oder politischen Erklärungen abschweift. Natürlich gibt es auch Interessantes zum Thema Wein zu erfahren. Auch wecken die Beschreibungen der Weingüter, die es tatsächlich gibt, Neugier.

Der Fall selbst ist interessant, wenn auch sehr verwickelt. Es ist eine große Aufgabe für Frank Gatow, der ja kein Privatdetektiv ist, hier einen Durchblick zu bekommen. Es geht schließlich um 22 Millionen Euro! Gatow handelt bald auch aus eigenem Interesse, weil er den Nervenkitzel liebt. Den bekommt er auch, als er seine Nachforschungen gegenüber den falschen Leuten bekannt macht.

Rezension von Heike Rau

Paul Grote
Pinot Grigio stand nicht im Testament
448 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423217405
ISBN-13: 978-3423217408
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Emmanule Carrère: Der Widersacher

Emmanule Carrère: Der Widersacher

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Emmanuel Carrère hat sich eines Genres für seine Geschichte angenommen, die man nicht anders als eine romanhafte Dokumentation beschreiben kann.

Als er in der Zeitung von einem Hochstapler liest, der innerhalb kurzer Zeit seine nahe Familie umgebracht hat, kann er nicht anders, als sich dieses Falls literarisch anzunehmen.

Diese Erklärung setzt er seiner Erzählung voran.

Er hat Kontakt zu dem Ungeheuer und verfolgt dessen Prozess.

Nun aber einmal langsam: minutiös geht er dem Geschehen nach und erkennt, dass hier wirklich ein kranker Mensch gehandelt hat.

Am 19.Januar 1993 erschlug der vermeintliche Arzt und hoch angesehene Wissenschaftler Jean-Claude Romand zuerst seine Frau, kurz darauf seine beiden kleinen Kinder und danach auch noch seine beiden Eltern mit dem geliebten Familienhund. Er zündete sein Haus an und nahm Schlaftabletten. Unglücklicherweise für ihn rettete ihn die Feuerwehr und seine ganze erlogene Existenz flog auf.

Hier setzt Carrère mit seinem Bericht an. Er befragt die Freunde von Romand, seine Nachbarn und erkundet sein Umfeld. Erschrocken nimmt er zur Kenntnis, dass hier die Abgründe der menschlichen Psyche ihren Ausdruck gefunden hat. Unter der Maske bürgerlicher Wohlanständigkeit mit erfolgreichem Lebensweg verbirgt sich ein Mann, der nichts zuwege gebracht hat: weder sein Arztexamen ist echt noch seine Anstellung bei der WHO in Genf mit häufigen Dienstreisen und Vorträgen überall in der Welt.

Grundlage der finanziellen Existenz dieses Lebens waren großzügige Finanztransaktionen, mit denen Romand vorgeblich durch Anlagen in der Schweiz den arglosen Geldgebern riesige Gewinne versprach. Und hier lauerte denn auch der Fallstrick, der ihn buchstäblich zu Fall brachte.

Wie E. Carrere das alles langsam aufdeckt und den Leser an dieser Erkundungsreise teilnehmen lässt ist atemberaubend und lässt den Leser erschauern. Seine Sprache wird der Brutalität der Vorgänge gerecht; sie ist lebendig und lebensnah, doch lässt sie sowohl den Autor als auch den Leser erstaunen, mit welch einer Leichtigkeit sich Verbrechen begehen lassen.

Wie konnte nur niemand darauf kommen, dass dieses ganze Leben eine Fiktion war?

Man liest das Buch mit höchster Spannung, weil es auch eine Studie über die Psyche eines Mannes birgt, der sich und andere in ein vollständiges Missverhältnis zwischen Wahn und Wirklichkeit führt.

Obwohl ich kein wirklicher Krimifan bin, reizt dieses Buch bis zuletzt als gelungene Sozial- und Psychostudie.

Emmanuel Carrere
Der Widersacher
195 Seiten, gebunden
Matthes & Seitz Berlin, August 2018)
ISBN-10: 3957576121
ISBN-13: 978-3957576125
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Benjamin Cors: Leuchtfeuer – Ein Normandie-Krimi – Ein neuer Fall für Nicolas Guerlain

Benjamin Cors: Leuchtfeuer – Ein Normandie-Krimi – Ein neuer Fall für Nicolas Guerlain

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Ein alter Fluch versetzt die Einwohner von Vieux-Port in Angst und Schrecken! Nach dem ersten Mord bittet der Bürgermeister Nicolas Guerlain zu helfen. Doch der Personenschützer hat keine Zeit. Das Gerichtsverfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen seine Lebensgefährtin läuft in Paris und er hat es noch nicht geschafft, Beweise für Julies Unschuld und die wahren Hintergründe zu finden. So geschieht ein weiterer schrecklicher Mord in Vieux-Port. Nicolas bereut, sich nicht gekümmert zu haben. Es ist zu befürchten, dass der Teufel wieder zuschlagen wird. Die Gefahr ist greifbar.

Wir haben zwei Erzählstränge. Das Gerichtsverfahren gegen Julie, für die es nicht gut aussieht, und die grausamen Morde in Vieux-Port. Beides ist spannend, auch wenn Vieux-Port mehr Raum einnimmt. Dieser Fall ist äußerst verwickelt. Die Hintergründe, so scheint es, reichen Jahrzehnte zurück. Damals wurde der Fluch ausgesprochen. Zu ergründen sind die Geheimnisse, die dahinterstecken und so gerät ein möglicher Täter bald ins Visier der Ermittler, die Nicolas Guerlain auf seine Weise unterstützt. Doch dieser Mörder kennt sich aus in Vieux-Port. Damit hat er einen entscheidenden Vorteil.

Der Krimi fordert ein Mitdenken beim Leser ein. Es sind nur kleine Details im Handlungsverlauf, die erkannt werden wollen. Nicolas Guerlain hat ein Gespür dafür. Er ist ein guter Beobachter. Es wird äußerst dramatisch! Die Zeit läuft! Dabei muss der Personenschützer auch noch für Julie einige Dinge regeln. Auch hier offenbaren sich unglaubliche Hintergründe.

Sehr gut gefällt mir, wie der Autor durch die Handlung führt. Mit Spannung aufbauenden Sätzen hinter manchem Kapitel greift er dem Geschehen kurz vor und macht den Leser neugierig. Man kann das Buch dann nicht einfach aus der Hand legen!
Der durchweg interessante Krimi hat dann natürlich auch ein überraschendes Ende.

Rezension von Heike Rau

Benjamin Cors
Leuchtfeuer – Ein Normandie-Krimi – Ein neuer Fall für Nicolas Guerlain
432 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423262109
ISBN-13: 978-3423262101
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