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Schlagwort: Mord

Rita Falk: Rehragout-Rendezvous – Der elfte Fall für den Eberhofer

Rita Falk: Rehragout-Rendezvous – Der elfte Fall für den Eberhofer

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Schon der elfte Fall? Na, so was! Es hat seinen Vorteil, perfekt eingelesen zu sein und jede Figur im Buch genau zu kennen. Und so weiß man eigentlich genau, was zu erwarten ist. Es kommt aber ein wenig anders.

Der Eberhofer Franz hat natürlich wieder einen neuen Fall. Der Steckenbiller Lenz, ein wohlhabender Bauer, wird vermisst. Aber da dieser erwachsen ist und gern einfach mal für längere Zeit unterwegs, sieht der Dorfpolizist keinen Grund nachzugraben. Da kann die Mooshammer Liesl so viel Druck machen, wie sie will. Was hat sie überhaupt mit dem Steckenbiller zu tun?

Den Eberhofer beschäftigt etwas anderes. Was soll er bitte davon halten, dass die Oma nichts mehr kochen mag? Wenn es den Simmerl nicht gäbe mit seinen Leberkäs-Semmeln müsste er glatt verhungern. Denn seine Susi wird sich kaum in die Küche stellen, selbst wenn sie kochen könnte. Sie vertritt den kranken Bürgermeister und treibt auf hochhackigen Schuhen Projekte voran, die ihr wichtig erscheinen. Ein ganz anderes Auftreten hat sie als temporäre Bürgermeisterin entwickelt, auch dem Eberhofer gegenüber spielt sie sich auf. Die Stimmung im Rathaus ist unterirdisch.

Auch in der Familie begegnet man sich nur noch mit Respektlosigkeit. Keiner kann oder will die Oma verstehen, die sich ihren Ruhestand wahrlich verdient hat. Da wird viel Porzellan zerschlagen. Jedes Familienmitglied verliert Sympathiepunkte ohne Ende. Die sollten sich besser wieder zusammenraufen.

Ach ja, da war ja noch der Fall. Der wird dann doch noch vorangetrieben. Aber nicht vom Eberhofer selbst, sondern wie gewohnt von seinem Freund, dem Birkenberger Rudi. Wobei auch diese Freundschaft immer mehr herunterkühlt. Der Eberhofer pickt sich die ermittlungsrelevanten Rosinen heraus und lässt den Birkenberger ansonsten im Regen stehen.

Der Schreibstil von Rita Falk ist geblieben. Und der hat Unterhaltungswert, auch wenn der Kriminalfall sang- und klanglos zu Ende geht und die Wandlung der Familie sehr verwundert.

Rezension von Heike Rau

Rita Falk
Rehragout-Rendezvous – Der elfte Fall für den Eberhofer
Ein Provinzkrimi
304 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft, September 2021
ISBN-10: 3423262737
ISBN-13: 978-3423262736
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Angelika Klüssendorf: Vierunddreißigster September

Angelika Klüssendorf: Vierunddreißigster September

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Angelika Klüssendorf erzählt uns in ihrem neuen Roman die Geschichte eines Dorfes und ihrer Bewohner in Ostdeutschland.

Hilde und Walter sind zwei nüchterne Menschen, denen man nicht glauben mag, dass sie ein Ehepaar sind. Sie sind muffelig und wenig freundlich miteinander. Walter neigt zu Wutausbrüchen, erniedrigt seine Frau und wütet gegen alle und jeden. Sie war zermürbt, weil sie sich von ihrem unfreundlichen und zornigen Mann nicht längst getrennt hat.

Als bei ihm ein Hirntumor festgestellt wird, ist er „nett“, was seine Frau irritiert. Er ist ihr einfach nicht mehr vertraut mit dieser sanften Freundlichkeit.
Nach kurzer Zeit bringt sie ihn zu Silvester um, indem sie seinen Schädel mit einer Axt spaltet.

So nüchtern wie das Paar im Umgang miteinander war, schreitet die Erzählung voran.
Es geht nicht etwa um Aufklärung des Mordes; nein, Walter erscheint als Berichterstatter aus dem Jenseits. Er trifft hier noch einige andere verstorbene Dorfbewohner, und gemeinsam beobachten sie aus ihrer Sicht, was sich in der dörflichen Gemeinschaft abspielt.

Jede Episode beginnt mit einem Namen als Überschrift, so dass man weiß, wer hier spricht.
Angelika Klüssendorf zeichnet auf diese Weise ein recht einfaches Leben der Dorfbewohner.
Da geht es um Begegnungen, das Äußere und um undifferenziert denkende und agierende Menschen. Es sind Alltäglichkeiten, die das Leben bestimmen.

Nur wenig Beschauliches gibt es zu berichten. Ein Junge verliert bei einem Unfall sein Bein; seine Mutter mag ihn nicht, und er mag sie nicht. Hilde, die einst Sprechstundenhilfe bei Dr. Kies war, hat ihm nach dem Unfall erste Hilfe geleistet. Als er sich bei ihr zunächst bedankt, folgt schon bald ein Fluch, weil man ihm den Unterschenkel amputiert hat.

Langsam reiht sich eine Episode an die nächste. Natürlich kennt man sich im Dorf. Jeder weiß etwas über den anderen. Es ist offensichtlich, dass es viel Gerede gibt, und dass es nicht fröhlich zugeht zwischen den Menschen. Zuerst bleibt man noch neugierig in der Erwartung eines vielleicht bedeutenderen Erlebnisses. Ab der Mitte des Buches stellt sich Ermüdung ein. Die gelegentlich witzige, zuweilen aber surreale Atmosphäre durch die Gespräche aus dem Jenseits vermag den Leser*in nicht wirklich zu fesseln.

Frühling, Sommer, Herbst und Winter machen den Wechsel aus. Die kurzen Landschaftsbeschreibungen, ein Duft von Sonne und Gras, Kälte, Schnee, Sturm und Regen sind glanzvolle Höhepunkte der Erzählung.

Wäre man selbst Mitglied der Gemeinschaft, könnte man vielleicht Interesse an der einen oder anderen Person finden. So bleibt der Satz der Schriftstellerin, ebenfalls eine Dorfbewohnerin, zum Ende des Romans haften: „Das Leben ist nur eine Unterbrechung, ein kurzes Innehalten zwischen dem Nichts davor und dem Nichts danach.“ Das klingt ernüchternd und fast ein wenig depressiv, wenn es auch der Wahrheit nahekommt.

Angelika Klüssendorf ist eine renommierte deutsche Schriftstellerin. In einem FAS Artikel vom 12.09.2021 wird sie als eine von drei Schriftstellerinnen beschrieben, die sich dem Dorfleben in ihren Romanen verschrieben haben. Ist das eine neue Kategorie von Lebensbeschreibungen?
Wir werden sehen!

Angelika Klüssendorf
Vierunddreißigster September
Piper, 2. Auflage, September 2021
224 Seiten, gebunden
ISBN-10: 3492059902
ISBN-13: 978-3492059909
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Mercedes Rosende: Krokodilstränen

Mercedes Rosende: Krokodilstränen

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Ursula, die in einer heruntergekommenen Wohnung in der Altstadt von Montevideo lebt, ist begeistert. Endlich passiert wieder etwas. Sie wird an einem Überfall auf einem Geldtransporter teilnehmen. Gérman hat ihr von dem Vorhaben erzählt, nachdem es Anwalt Antinucci geschafft hat, ihn aus dem Gefängnis herauszuholen. Ja, Gérman war an dieser Entführung damals beteiligt, genau wie Ursula. Das ist jedoch eine andere Geschichte. Außer ihr kennt niemand die ganze Wahrheit. Auch diesmal wird sich Ursula schön im Hintergrund halten können, aber dennoch eine entscheidende Rolle spielen.

Wer die Sache zum Laufen gebracht hat, weiß Ursula nicht. Nur dass Ricardo mit von der Partie ist, ist klar. Er hat seine Haftstrafe, so sieht es jedenfalls auf den ersten Blick aus, auf eigene Faust beendet. Er hat also nichts zu verlieren.

Von Ursulas Plänen weiß Ricardo nichts. Gérman dagegen schon. Sein Nerven beruhigt das allerdings kein bisschen. Und es wird nicht besser, als erkennbar wird, dass der Überfall sich nicht entwickelt wie angedacht. Ursula läuft zu ihrer Bestform auf und tut, was getan werden muss. Man darf gespannt sein, ob Kommissarin Leonilda Lima das Verwirrspiel durchschauen wird.

Eins vornweg, ohne die „Falsche Ursula“ gelesen zu haben, funktioniert das Buch meiner Meinung nach nicht wirklich. Es sind zwar einige Rückblicke eingebunden, jedoch es handelt sich nur um kurze Episoden. „Krokodilstränen“ beschreibt zwar einen eigenen Fall, aber die Geschichte ist schon auch als Fortsetzung zu sehen.

Das Buch lebt von bissigem Humor. So manche Szene wir geradezu mit Worten bis ins Kleinste durchleuchtet. Welche kriminelle Energie in Ursula schlummert, wissen wir bereits. Und auch Ursula selbst weiß mittlerweile von ihrem Talent. Auch dieses Mal handelt sie intuitiv und ist dabei skrupellos und kaltblütig. Blitzschnell trifft sie Entscheidungen mit großer Tragweite. Das muss sie, denn wieder hat sie es mit einer Reihe von Versagern zu tun. Es sind alte Bekannte dabei.

Ausgebremst wird Ursula nur von ihrem Vater, der allerdings tot ist. Es war wohl Selbstmord. Scheinbar jedenfalls. Wie ein Geist betritt er in unmöglichsten Situationen die Szene. Auch diese Einwürfe tragen sehr zum Unterhaltungswert des Buches bei. Es bleibt bis zum Ende außergewöhnlich spannend.

Rezension von Heike Rau

Mercedes Rosende
Krokodilstränen
Aus dem Spanischen von Peter Kultzen
224 Seiten, broschiert
Unionsverlag, August 2020
ISBN-10: 329320872X
ISBN-13:‎ 978-3293208728
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Kimberly McCreight: Eine perfekte Ehe

Kimberly McCreight: Eine perfekte Ehe

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Die junge Anwältin Lizzie Kitsakis möchte den Fall eigentlich nicht übernehmen. Aber Zach ist ein ehemaliger Studienfreund und er bittet sehr eindringlich um Hilfe. Er sitzt in der Haftanstalt Rikers Island ein und ist hier offensichtlich Gewalt ausgesetzt. So lässt sich Lizzie breitschlagen. Sie glaubt ohnehin nicht, dass Zach seine Frau Amanda brutal erschlagen hat. Doch dann, als sie zu neuen Erkenntnissen kommt, die nicht ins Bild passen, beginnt sie zu zweifeln.

Die Polizei geht fest davon aus, dass Zach der Täter ist. Sieht man sich den Tatort an, kann man zu keinem anderen Schluss kommen. Doch das Offensichtliche muss nicht die Wahrheit sein. Und Annahmen, auch ihre eigenen, sind kein Beweis. Lizzie zieht alle Register und geht die Beweisaufnahme mithilfe einer alten Freundin erneut an.

Die Ehe zwischen Zach und Amanda scheint perfekt gewesen zu sein. Jedenfalls besser als ihre eigene Ehe. Was dann aber hinter den Kulissen zutage tritt, offenbart ein anderes Bild. In dem noblen Brooklyner Wohnviertel Park Slope hält man jedoch zusammen und lässt sich nicht gern in die Karten schauen. Mehr herauszufinden, gestaltet sich schwierig.

Die Geschichte wird aus der Sicht Lizzies erzählt. Parallel wird offengelegt, wie Amanda ihre letzten Tage verbracht hat. Verhörprotokolle sind immer wieder eingestreut. Es ergibt sich mit der Zeit also ein umfassendes Bild. Bleibt die Frage, ob es Lizzie gelingt, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Denn immer wieder wird sie aufs Glatteis geführt. Die Autorin hat hier ein perfektes Verwirrspiel inszeniert. Der Höhepunkt wird erreicht, als ein Beweismittel eine Beteiligung ihres Ehemanns Sam aufzeigt.

Das Buch ist durchgehend spannend, da der Blick auf das Geschehen aus vielen Perspektiven ermöglicht wird. Ich habe Lizzie gern begleitet, die hier ihren ersten eigenen Fall übernommen hat und kaum Unterstützung durch ihren Vorgesetzten erfährt.

Die Handlung ist vielschichtig, aber mitreißend erzählt und flüssig zu lesen. Perfekt für einen unterhaltsamen Leseabend!

Rezension von Heike Rau

Kimberly McCreight
Eine perfekte Ehe
Aus dem Englischen von Lake-Zapp
544 Seiten, Klappenbroschur
Droemer, Mai 2021
ISBN-10: 3426282623
ISBN-13: 978-3426282625
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Krischan Koch: Der weiße Heilbutt

Krischan Koch: Der weiße Heilbutt

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Es ist Urlaubszeit. Der Strand auf Amrum quillt förmlich über bei strahlendem Sonnenschein. Alles ist ausgebucht. Viele Urlauber sind aus Fredenbüll gekommen, aber auch Tagestouristen sind da. Antje von der „Hidde Kist“ passt gemeinsam mit ihrem Stammgast Piet Paulsen auf den Sohn von Hauptkommissarin Nicole Stappenbek auf, der mit seinen Freunden spielt. Kaum jemand merkt, dass sich ein riesiger Fisch dem Strand nähert. Die beiden Bademeister staunen, wollen aber nicht vorschnell Alarm schlagen. Und so buddelt Finn munter weiter an seiner Rinne, bis ein menschlicher Fuß mit wunderschön lackierten Nägeln dort hineingespült wird. Schnell wird ein Zusammenhang zu dem Raubfisch hergestellt, den nun doch auch einige Urlauber entdeckt haben. Aber vielleicht ist es auch ganz anders. Das müssen der Fredenbüller Polizeihauptmeister Thies Detlefsen und die Husumer Hauptkommissarin Nicole Stappenbek ermitteln.

Krischan Koch schreibt in gewohnt munterer und amüsanter Weise, so wie man das von den bereits erschienenen Bänden kennt.

In welche Richtung der Kriminalfall gehen wird, ist zunächst offen. Es ist viel los auf der Insel. Und wem der Fuß gehört, ist nicht zu sagen. Die zugehörige Person bleibt verschwunden. Keiner weiß etwas und keiner hat etwas gesehen.

Doch der Leser darf ein bisschen hinter die Kulissen schauen und ist damit den Ermittlern etwas voraus. Es bleibt zunächst beim Rätselraten, was jedoch sehr unterhaltsam ist. Welche Pläne verfolgen die Umweltaktivisten. Und was läuft da eigentlich in diesem seltsamen Sternerestaurant? Was hat die Touristikchefin mit dem Kinderheim vor, das sie einer extra angereisten Immobilienmaklerin und einem übermotiviertem Bauunternehmer zeigt?

Viele sehr witzige Szenen spielen sich ab, denn einige Urlauber, darunter auch alte Bekannte und die Töchter von Thies, beteiligen sich an den Ermittlungen und mischen sich ungefragt ein. Dennoch ist es für Thies und Nicole nicht leicht, die zunächst zusammenhanglos wirkenden Hinweise zusammenzufügen. Bei dieser extremen sommerlichen Hitze ist es aber auch besonders anstrengend, zu arbeiten.
Doch die Informationen liefern letztlich hilfreiche Denkanstöße und die Motivation steigt. Bis zum Ende bleibt es spannend, denn immer wieder geschieht Unvorhergesehenes.

Rezension von Heike Rau

Krischan Koch
Der weiße Heilbutt
(Thies Detlefsen & Nicole Stappenbek, Band 9)
Ein Insel-Krimi
320 Seiten, broschiert
dtv Verlagsgesellschaft, Februar 2021
ISBN-10 : 3423219394
ISBN-13 : 978-3423219396
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Taylor Adams: No Mercy – Diese Fahrt überlebst du nicht

Taylor Adams: No Mercy – Diese Fahrt überlebst du nicht

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James und Elle wollen noch einmal neu anfangen. Nachdem Ihre Wohnung abgebrannt ist, müssen sie ohnehin umziehen. Die Route zu ihrem neuen Wohnort führt teils durch die Mojave-Wüste. Doch ein Straßenabschnitt ist abgesperrt, sodass sie einen Umweg in Kauf nehmen müssen. Hier ist die Straße mehr ein Feldweg und sehr holprig. Die Hitze ist mörderisch. Und doch spaziert hier ein Mensch herum, der jedoch ihren näher kommenden Wagen ignoriert. Irgendetwas stimmt hier nicht. James und Elle ist klar, dass sie dem Mann helfen und dann schleunigst verschwinden müssen.

Aus zunächst nicht nachvollziehbaren Gründen gibt das Auto den Geist auf. Es gibt keine Möglichkeit Hilfe zu rufen, denn Handyempfang gibt es nicht. Wasser und Verpflegung werden nicht lange reichen. Was nun?

Aus etwa einer Meile Entfernung werden sie von ihrem zukünftigen Mörder beobachtet. Er freut sich, dass ihm weitere Opfer ins Netz gegangen sind. Seine Pläne gingen bisher immer auf. Er ist geübt in dem, was er tut. Es gibt kein Entkommen. Für niemanden. Er ist ein guter Scharfschütze und er ist bestens vorbereitet. Der Tag hat noch ein paar Stunden und er hat genügend Munition, einen verlässlichen Helfer und ausreichend Energydrinks.

Elle uns James haben diesem Gegner nicht viel entgegenzusetzen. Sie rechnen sich keine großen Chancen aus. Aber der Autor hat die beiden, wie es scheint, mit mehreren Leben ausgestattet. Selbst schlimmste Verletzungen halten sie nur kurzzeitig auf. Es ist dann auch eine echte Überraschung, wie sich beide der Situation stellen. Besonders James rechnet akribisch Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten durch.

Der Thriller nimmt schnell ordentlich Tempo auf. Zwei Erzählstränge laufen parallel. In der Hauptsache geht es um James und Elle. Zwischendurch wird aus der Sicht des Täters erzählt, sodass auch seine verdrehte Motivation klar wird.

Die Handlung ist gut nachvollziehbar. Der Autor arbeitet viel mit Vergleichen, die sehr treffend sind, aber auch irgendwie verharmlosend. Ich glaube, ohne dieses Stilmittel wäre das Buch zu drastisch gewesen. Die Spannung wird ohnehin bis zum Äußersten ausgereizt. So aber gewinnt es vor allem an Unterhaltungswert.

Rezension von Heike Rau

Taylor Adams
No Mercy – Diese Fahrt überlebst du nicht
Aus dem Englischen von Robert Brack
400 Seiten, Klappenbroschur
Heyne Verlag, Dezember 2020
ISBN-10: 345344101X
ISBN-13: 978-3453441019
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Anja Goerz: Jakobs Schweigen

Anja Goerz: Jakobs Schweigen

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Dora kann es nicht glauben. Ihr Sohn soll in seiner Rechtsanwaltskanzlei erschossen worden sein. Und ausgerechnet sein Sohn, ihr 17-jähriger Enkel Jakob, soll der Täter sein. Doch sie muss die Realität begreifen, Michael ist tot. Jakob schließt sich in seinem Zimmer ein und mag weder mit ihr, noch mit David, seinem anderen Vater, sprechen.

Dora hat sich immer zurückgehalten, vielleicht auch, weil ihr verstorbener Mann Hanjo die Beziehung zwischen Michael und David nicht akzeptiert hat. In letzter Zeit hat sich das Familienleben jedoch wieder etwas harmonischer gestaltet. Sie hatte häufiger Kontakt zu Michael und Jakob. Tochter Kirsten wohnt wieder mit im Haus und versucht, nach Alkoholproblem, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Sollte Jakob wirklich der Täter sein? Alle Spuren deuten darauf hin. Doch welches Motiv soll ihn zu dieser Tat veranlasst haben? Dora will Jakob helfen, seine Unschuld zu beweisen. Sie holt sich Hilfe von ihrem alten Freund Wolfgang, einem pensionierten Rechtsanwalt. Gemeinsam mit ihm und Kirsten deckt sie Unglaubliches auf. Doch es ist ein weiterer Schock, der den Fall schließlich abschließt.

Der Fall könnte genauso geschehen sein. Anja Görz widmet sich einem realistischen Kriminalfall, der ohne wilde Verfolgungsjagden auskommt. Die Polizei hat große Schwierigkeiten, Jakob zum Sprechen zu bringen. Auch andere Personen sind nicht eben redselig. Dora erkennt, dass sie ihre engsten Familienangehörigen nicht richtig kannte. Man hat sich auseinandergelebt. Jeder hat seine Geheimnisse.

Die Geschichte entwickelt sich praktisch rückwärts, denn es ist der Mord, der zuerst passiert. Der Leser erfährt also nachträglich, wie befremdlich das Familienleben mit der Zeit geworden ist, weil die Ansprüche unterschiedlich waren und noch sind und es deshalb irgendwann genug war mit der Anpassung. Die Fassade begann zu bröckeln, wenig offensichtlich, und niemand wollte wahrhaben, dass sie einstürzen könnte.

Der Krimi ist sehr spannend. Es sind die Beziehungen zwischen den Menschen, die faszinieren. Mit viel psychologischem Feingefühl wird das menschliche Miteinander erkundet und die mühevoll verheimlichten Probleme, die schließlich zum Mord führten, offengelegt.

Rezension von Heike Rau

Anja Goerz
Jakobs Schweigen
Kriminalroman
304 Seiten, gebunden
dtv Verlagsgesellschaft, Juli 2020
ISBN-10: 3423262583
ISBN-13: 978-3423262583
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Romy Hausmann: Marta schläft

Romy Hausmann: Marta schläft

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Da liegt er nun in seinem eigenen Blut. Er ist selbst schuld. Er hat es provoziert. Doch erst hinterher wird Laura bewusst, was es für Folgen haben könnte. Sie kann nicht ins Gefängnis gehen, hat sie doch eine kleine Tochter, um die sie sich kümmern muss. Also ruft sie Nadja an. Vielleicht kann sie ihr helfen. Sie arbeitet in der Anwaltskanzlei von Lauras Mann Gero. Eine Freundin ist sie nicht, aber sie war es einmal.

Nadja hat eigene Probleme. Sie ist eine verurteilte Mörderin, die die Tat immer bestritten hat und die nun nach der Haftentlassung versucht, für Normalität in ihrem Leben zu sorgen. Nach außen hin gelingt ihr das. Doch in ihrem Inneren sieht es anders aus. Dennoch ist sie bereit, Laura zu helfen. Nicht auszudenken, wenn Lauras Ehemann herausfindet, dass sie ihn betrogen hat. Gero darf nicht wissen, was im Haus geschehen ist. Die Leiche muss weg! Und so ersinnt Laura einen Plan, den sie mit Nadjas Hilfe ausführen will. Nadja ahnt nicht, was in Wirklichkeit hier gespielt wird.

Der Einstieg in die Geschichte ist ziemlich schwerfällig. Vielleicht liegt es an den verwirrenden Zeitsprüngen, den unterschiedlichen Perspektiven und den Briefen zwischen den Kapiteln, deren Sinn sich zunächst nicht erschließt. Nadja, die Hauptfigur in diesem Buch, ist nicht eben eine sympathische Persönlichkeit. Und auch zu den anderen Figuren bekommt man kaum Zugang. Dabei erscheint der Plan zur Vertuschung des Mordfalls genial. Erst nach und nach entdeckt man mit Verblüffung, welche Rolle den handelnden Personen tatsächlich zugedacht ist. Unglaublich! Doch erneut ist man auf dem Holzweg, denn immer wieder gibt es Wendungen, die für eine dramatische Änderung der Lage sorgen.

Die verschiedenen Erzählstränge werden schließlich zusammengeführt, sodass man glaubt, klarer zu sehen. Die Geschichte fesselt, auch wenn zwischendurch ab und an die Orientierung verloren geht. Am Ende wird der Leser dann noch einmal mit einer Erkenntnis überrascht, die so nicht zu erwarten war.

Rezension von Heike Rau

Romy Hausmann
Marta schläft
400 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423262508
ISBN-13: 978-3423262507
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Dora Heldt: Mathilda oder Irgendwer stirbt immer

Dora Heldt: Mathilda oder Irgendwer stirbt immer

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Mathilda könnte wirklich zufrieden sein mit ihrem Leben in Dettebüll, wäre da nicht ihre Mutter Ilse, die an Boshaftigkeit nicht zu übertreffen ist. Mathilda ist um Harmonie bemüht. Sie ist stets am schlichten und vermitteln und versucht heikle Themen unter den Teppich zu kehren. Ehemann Gunnar spielt brav mit. Beide wollen ihren Ruhestand genießen. Doch als dann auch noch die Dorfruhe gestört wird, reicht es Mathilda. Wie schön wäre es, wenn Ilse einfach weg wäre. Mathilda weiß, dass man so etwas nicht denken sollte. Doch der Wunsch manifestiert sich und so fällt Ilse beim Rauchen plötzlich vom Stuhl. Welche Kräfte mit im Spiel waren, kann niemand ahnen. Und doch verbreiten sich Gerüchte, die der Wahrheit bedenklich nahekommen und andere, die völlig daneben liegen. Mit der wohlverdienten Ruhe wird es auch nach Ilses Tod nichts. Der Bürgermeister versucht, mit Nachdruck wertloses Land aufzukaufen und Fremde, deren Motivation zunächst unbekannt ist, spionieren im Dorf herum. Immerhin kommt die Familie wieder zusammen. Mathilda und Gunnar haben einen Sohn, eine Tochter und zwei Enkelkinder, die wegen Oma Ilse nur selten zu Besuch kamen. Und sogar Mathildas Bruder Pit lässt sich nach ewig langer Zeit wieder im Dorf blicken. Doch geht es ihm weniger um die Familie. Er hat „geschäftliche“ Interessen.

Das Buch ist inhaltlich sehr vollgepackt. Im Dorf ist immer was los und die unterschiedlichsten Personen kommen ins Spiel. Mathilda ist immer ganz vorn mit dabei. Sie richtet ihre volle Aufmerksamkeit auf die Geschehnisse und besonders gerne auf Dinge, die sie nichts angehen. Sie ist, ohne es selbst zu bemerken, außergewöhnlich geschickt darin, zu spionieren und andere zu manipulieren. Das macht die Geschichte sehr unterhaltsam! Dazu kommt der sehr lebendig wirkende Schreibstil der Autorin. Sie spart nicht mit schwarzem Humor. Es kommt zu haarsträubenden Situationen und häufig überschlagen sich die Ereignisse. Entsprechend macht es sehr viel Vergnügen, das Buch zu lesen sich von den sehr kreativen Wendungen überraschen zu lassen!

Rezension von Heike Rau

Dora Heldt
Mathilda oder Irgendwer stirbt immer
464 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft, März 2020
ISBN-10: 3423262494
ISBN-13: 978-3423262491
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Eric Berg: Die Mörderinsel

Eric Berg: Die Mörderinsel

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Kaum einer in Trenthin glaubt an seine Unschuld. Trotzdem wird Holger Simonsmeyer freigesprochen. Man kann dem Hotelbesitzer den Mord an einer jungen Frau aus dem Dorf nicht nachweisen. Seine Familie ist froh darüber, hat aber nicht mit dem Gegenwind der Dorfbewohner gerechnet, die in ihm weiterhin den Mörder sehen. Unter diesen Umständen ist es schwierig, das eigentlich sehr beliebte Hotel auf der Insel Usedom weiterzuführen. Als ein weiterer Mord geschieht, spitzt sich die Lage zu.

Die Journalistin Doro Kagel kann nicht fassen, was passiert ist. Das Haus der Simonsmeyers liegt in Schutt und Asche. Sie hatte über den Mordprozess berichtet, aber einen zweiten Artikel nicht für nötig erachtet, obwohl Bettina Simonsmeyer sie eindringlich darum gebeten hatte. Sie hatte die Frau abgewimmelt. Nun drückt das schlechte Gewissen und sie beschließt, die Geschehnisse erneut zu durchleuchten.

Carsten Linz vom Staatsschutz ist mit dem Fall betraut. Er muss herausfinden, wer für den Brandanschlag verantwortlich ist, bei dem Menschen ums Leben kamen. Der Ermittler und die Journalistin ergänzen sich perfekt. Aber es herrscht auch eine gewisse Spannung zwischen den beiden. Carsten flirtet offensichtlich mit Doro, die halbherzig versucht, nicht darauf einzugehen. Das lockert die sehr ernste Situation auf! Überhaupt gefällt der Schreibstil des Autors sehr gut!

Das Buch beleuchtet die Mordfälle aus verschiedenen Blickwinkeln. Dazu geht der Autor immer wieder in die Vergangenheit. Auch Doro versucht, die Fakten noch einmal möglichst unvoreingenommen aufzuarbeiten. Was offensichtlich ist, muss nicht unbedingt die Wahrheit sein. Viele der Zeugen lügen und geben sich gegenseitig Alibis, die fragwürdig sind. Die Dorfgemeinschaft ist gespalten und dann sind da noch die, die zwischen den Stühlen sitzen. Vergleichen Doro und Carsten ihre Erkenntnisse miteinander, ergibt sich ein differenziertes Bild. Nichts passt zusammen. Doch Doro ist durchaus in der Lage querzudenken. Die Haiku, die das erste Mordopfer in ihrem Tagebuch hinterlassen hat, sind verschlüsselte Botschaften, die Doro zu knacken versucht. Das hält die Spannung hoch bis zum überraschenden Ende.

Rezension von Heike Rau

Eric Berg
Die Mörderinsel
480 Seiten, gebunden
Limes Verlag, März 2020
ISBN-10: 3809026611
ISBN-13: 978-3809026617
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