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Schlagwort: Entführung

Mercedes Rosende: Falsche Ursula

Mercedes Rosende: Falsche Ursula

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Ursula ist chronisch gelangweilt und frustriert von ihrem einsamen Leben. Außerdem trägt sie ein beträchtliches Übergewicht mit sich herum, wie sie meint, und fühlt sich alles andere als vorzeigbar. Voller Neid blickt sie auf Menschen, denen es vermeintlich besser geht als ihr.

Dann kommt dieser mysteriöse Anruf. Man habe ihren Mann entführt, sagt der Erpresser. Nur ist Ursula nicht verheiratet. Es gibt keinen Mann in ihrem Leben. Aber was soll es? Die Sache ist spannend, also nutzt Ursula die Gelegenheit, spielt ein bisschen mit und reagiert, man glaubt es kaum, als hätte sie die Rolle eingeübt. Sie gibt vor, das Geld besorgen zu können. Endlich ist etwas Aufregendes los in ihrem Leben! Sie will herausfinden, wer ihr als Ehemann angedichtet wird, wer ihn entführt hat und wer der Erpresser ist. Denn nur so bleibt diese wunderbare Spannung in ihrem Leben.

Ursula ist keine angenehme Person. Dass sie über eine gewisse kriminelle Energie verfügt, wird aber erst im Laufe der Geschichte offensichtlich. Ursula ist sogar überraschend skrupellos, ja kaltblütig. Und was man als Leser erfährt, ist nicht einmal die ganze Wahrheit. Man wird in ein unglaubliches Verwirrspiel eingebunden. Es ist nicht nur Ursula, die die Handlung mit schauspielerischem Talent voranbringt, auch die Entführung selbst, verläuft anders als geplant. Auf nichts ist Verlass. Alles geht schief!

Die Autorin erzählt die Geschichte mit bissigem Humor in der Hinterhand. Auch wenn man ganz nah an Ursula dran ist, so wird die Handlung hin und wieder aus einem anderen Blickpunkt betrachtet. Nur so wird ganze Ausmaß der Tragödie klar. Es scheint, als hat man es nur mit Versagern zu tun.

Es wird nicht mit Überraschungsmomenten gespart. Das Buch macht Spaß! Die Autorin lässt Ursula in eine Rolle schlüpfen, die man ihr nicht zugetraut hätte. Die Umstände machen für eine gewisse Zeit einen anderen Menschen aus ihr. Das Ende ist ganz anders als gedacht. Und mit Schaudern erkennt man, dass Ursula vielleicht weiter an ihrer kriminellen Karriere arbeiten wird, wenn sie die Möglichkeit dazu erhält.

Rezension von Heike Rau

Mercedes Rosende
Falsche Ursula
Aus dem Spanischen von Peter Kultzen
208 Seiten, Klappenbroschur
Unionsverlag, Februar 2020
ISBN-10: 3293005594
ISBN-13: 978-3293005594
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Cara Hunter: In the Dark

Cara Hunter: In the Dark

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Bei Renovierungsarbeiten an einem Haus werden im Keller Probleme mit einer Zwischenwand zum Nachbarhaus ersichtlich. Das Mauerwerk ist in schlechtem Zustand und schließlich bricht ein Stück heraus. Der Blick in den nebenan liegenden Keller wird frei und offenbart, womit niemand gerechnet hat.

DI Adam Fawley muss nun mit seinem Team ermitteln, wer hier im Keller eine junge Frau und ein Kleinkind gefangengehalten hat. Der Hausbesitzer, es ist ein alter an Demenz leidender Mann, gibt an, nichts mit der Sache zu tun zu haben.
Gibt es Parallelen zu einem alten Fall, bei dem schon vor zwei Jahren eine junge Mutter verschwand? Ihr Sohn wurde damals wohlbehalten aufgefunden, während nicht nachvollzogen werden konnte, was mit ihr geschehen ist. Bis heute wird sie vermisst.

Es sind also gleich zwei Fälle, die hier untersucht werden müssen. Auch wenn eine Verbindung zwischen den beiden Frauen nicht ersichtlich ist, wird der alte Fall wieder aufgerollt. Denn die beiden Wohnhäuser liegen sich, wenn auch nicht in der gleichen Straße, so doch nur durch die Gärten hinter den Häusern getrennt, gegenüber. Das kann kaum ein Zufall sein.

Als Leser wird man direkt mit einbezogen in die Ermittlungsarbeiten. Man sieht Tatortsskizzen, liest Befragungsprotokolle, hat Einblick in TV-Transkripte und kann eigene Schlüsse daraus ziehen. Auch das Team um DI Fawley hat unterschiedliche Herangehensweisen und Ansichten. Das Erzählen aus verschiedenen Perspektiven unterstreicht das zusätzlich und ermöglicht es dem Leser, das Geschehen aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten.

Das Spannende am Buch ist, dass die Wahrheit immer wieder eine andere ist! Wenn man glaubt, dass nach einer neuen Erkenntnis nun alles klar und der Fall gelöst ist, ergibt sich etwas Neues, das die ganze Ermittlungsarbeit auf den Kopf stellt. Immer wieder kommt das vor. Es mag daran liegen, dass die Tat undurchschaubar gut geplant war. Der oder die Täter lassen sich nicht in die Karten schauen und haben immer noch ein Ass im Ärmel. Die Ermittler sind jedoch Profis und gut darin, Details die nötige Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Jedoch sind sie weniger gut darin, Fehler zuzugeben, was auch interessante Auswirkungen hat. So hält die Spannung bis hin zum überraschenden Ende.

Rezension von Heike Rau

Cara Hunter
In the Dark
412 Seiten, broschiert
Aufbau Taschenbuch
ISBN-10: 3746635039
ISBN-13: 978-3746635033
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Romy Hausmann: Liebes Kind

Romy Hausmann: Liebes Kind

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Sie wird von ihm Lena genannt, auch wenn sie nicht so heißt. Die Kinder Hannah und Jonathan sagen Mama zu ihr, auch wenn sie nicht ihre Mutter ist. Der Mann, es ist nicht ihr Mann, aber der Vater der Kinder, verlangt, dass sie in jeder Hinsicht tut, was er sagt. Sie hat keine Wahl in dieser Hütte in der Einsamkeit des Waldes. Er ist der Stärkere, er hat die Macht und zeigt das auch.

Ohne den Zirkulationsapparat, die Fenster sind dichtgemacht, würde man im Haus ersticken. Sie kann nicht sagen, ob draußen Tag oder Nacht ist. Alles ist geregelt und folgt einem genauen Zeitplan. Widersetzt sie sich, wird sie hart bestraft. Er tut alles, damit es seiner Familie gut geht. Er sorgt für Essen und Schutz vor der Außenwelt. Sie spielt mit, weil sie muss und hofft auf eine Möglichkeit zur Flucht.

Die Polizei hat einen Vermisstenfall, der 14 Jahre zurückliegt, aufgegeben. Die Eltern glauben kaum noch daran, dass ihre Tochter jemals gefunden wird. Bis sie eines Tages doch noch den ersehnten Anruf bekommen.

Mehr möchte ich nicht verraten, sonst geht ein Teil der Spannung verloren. Der Krimi ist systematisch aufgebaut und entwickelt rasch eine Sogwirkung. Man wird hineingezogen in diese Geschichte. Dem Leser wird ein großer Einblick gewährt, ohne das er den Durchblick hat, auch wenn das für eine Weile so scheint. Es sind Einzelheiten, die erst nach und nach enthüllt werden, und die zeigen, das sich weit mehr abgespielt hat. Trotzdem ist das noch immer nicht die ganze Wahrheit. Man liest das Buch, immer verfolgt von bösen Ahnungen.

Der Thriller ist so was von extrem spannend! Die Autorin zeigt eine Geschichte auf, die jenseits jeder Vorstellung liegt. Dabei gibt es keine Person, an die man sich halten kann. Fast jeder handelt irgendwie irrational, versinkt in seiner eigenen Welt oder macht sich anderweitig verdächtig. Trotzdem ist der Verlauf des Buches relativ glaubhaft, denn wie man später merkt, steckt einfach mehr dahinter. Das Ende ist unvorhersehbar und dementsprechend überraschend.

Rezension von Heike Rau

Romy Hausmann
Liebes Kind
432 Seiten, Klappenbroschur
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 342326229X
ISBN-13: 978-3423262293
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Judith Winter: Finsterwald – (4. Buch mit Emilia Capelli und Mai Zhou)

Judith Winter: Finsterwald – (4. Buch mit Emilia Capelli und Mai Zhou)

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Niemand sollte sie finden! Der Mörder hatte sein Opfer gut im Wald versteckt. Doch ein Tierschützer hat hier einen Beobachtungspunkt. Kurz nachdem er die Leiche entdeckt hat, läuft er Kommissarin Emilia Capelli vors Auto und bringt sie zum Anhalten. Die Autopsie ergibt Schreckliches. Eine monatelange Gefangenschaft muss der Tat vorausgegangen sein. Einige Zeit später wird eine Lehrerin ermordet in ihrem Haus aufgefunden. Der Täter hat sie in eine seltsame Position gebracht. So unwahrscheinlich es auch klingt, Emilia Capelli und ihre Kollegin Mai Zhou sehen trotz des ungleichen Tathergangs einen Zusammenhang zwischen den beiden Taten. Sie müssen davon ausgehen, dass ein weiterer Mord geplant ist.

Eine andere Perspektive schildert die unglaublichen Strapazen, die eine Frau, die in einem Kellerverlies gefangen gehalten wird, erdulden muss. Es ist stockdunkel hier, sodass sie, was Raum und Zeit betrifft, völlig orientierungslos ist. Und sie weiß, dass sie so schnell niemand vermissen wird. Sie versucht dennoch einen Plan zu entwickeln, erkennt schließlich eine Möglichkeit und bewahrt sich damit einen Rest Hoffnung.

Emilia Capelli Kollegin Mai Zhou müssen diesen Serienkiller stoppen. Es gibt erschreckend deutliche Parallelen zu einem alten Fall, das ist ein wichtiger Hinweis. Doch der Täter ist in Sicherheitsverwahrung im Kronenhof. Er hat keine Möglichkeit, die Klinik zu verlassen oder Kontakte zu knüpfen. Doch er verfügt über Wissen, das er nicht haben dürfte. Geschickt spielt er seine Karten aus, und treibt damit die Ermittlerinnen in den spürbar Wahnsinn.

Der Krimi ist extrem spannend. Die Autorin lässt Capelli und Zhou Hand in Hand arbeiten, auch wenn sie sich wie bei jedem neuen Fall, nicht immer einig sind. Ihre verschiedenen Sichtweisen und Herangehensweisen sorgen für Abwechslung und regen zu eigenen Spekulationen an. Es bringt die beiden voran, sich auf den anderen einzulassen, Gedanken aufzugreifen und weiterzudenken. Was zunächst abwegig erscheint, wird irgendwann greifbar. Dennoch bleibt die Spur zum Täter unerträglich dünn. Die beiden Ermittlerinnen stehen unglaublich unter Druck. Es fehlt an Zeit. So fühlt man sich auch als Leser gehetzt. Dazu kommen die Szenen aus dem Kellerverlies, die nervenzerreißend sind. Kein Wunder also, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.

Rezension von Heike Rau

Judith Winter
Finsterwald – (4. Buch mit Emilia Capelli und Mai Zhou)
496 Seiten, broschiert
dtv Verlagsgesellschaft
ISBN-10: 3423217480
ISBN-13: 978-3423217484
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Haylen Beck: Ohne Spur

Haylen Beck: Ohne Spur

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Audra Kinney will weg von ihrem gewalttätigen Ehemann. Aber nicht ohne ihre Kinder Sean und Louise. Eine Freundin in San Diego bietet halbherzig Hilfe an. Also macht Audra sich mit dem Auto auf den weiten Weg. Es wird sich dann schon alles regeln, hofft sie. In der Wüste von Arizona wird sie angehalten. Sheriff Whiteside befindet, dass der Kombi überladen ist. Als er im Kofferraum ein verdächtiges Päckchen findet, das Audra definitiv nicht gehört, wird sie verhaftet. Debuty Collins wird herbeigerufen. Sie bringt die Kinder weg. Das Auto wird abgeschleppt.

Dann geschieht das Unglaubliche. Sheriff Whiteside weiß plötzlich nichts mehr von den Kindern. Außer ihr sei niemand im Auto gewesen, behauptet er. Und bald glaubt alle Welt, sie habe den Kindern etwas angetan. Es dauert nicht lange, bis Audra unter Mordverdacht steht. Niemand will ihre Version der Geschichte hören. Sheriff Whiteside zu beschuldigen, ist einfach lächerlich. Doch es gibt, wie sich später herausstellt, einen Menschen, der Audra glaubt. Einen mit eigenen schmerzlichen Erfahrungen, der nur darauf wartet, sich zu rächen.

Das Buch ist extrem spannend und nervenaufreibend. Man hat als Leser einen Wissensvorsprung zu den Ermittlern und weiß, wer lügt und wer die Wahrheit sagt. Die wahren Hintergründe der Entführung offenbaren sich, sodass die Angst um die Kinder stetig wächst. Doch Audra ist bereit, zu kämpfen. Sie hat sich in ihrem Leben immer wieder von ihrem Ehemann unterkriegen und manipulieren lassen. So etwas will sie nicht wieder zulassen. Ihr Sohn Sean ist blitzgescheit. Er beschützt seine kleine Schwester und auch er ist nicht bereit, einfach abzuwarten, wie es ihm von der Polizistin befohlen wird.

Die Perspektive wechselt immer wieder, sodass die verschiedenen Erzählstränge zusammenlaufen. Allerdings wird dadurch auch die extreme Gefahr, die für die Kinder besteht, gegenwärtig, zumal das FBI nicht in die Gänge kommt, während die Zeit abläuft. Der Autor versteht es, flüssig zu schreiben und die Spannung über den ganzen Thriller hinweg zu halten.

Rezension von Heike Rau

Haylen Beck
Ohne Spur
Thriller
Deutsch von Wolfram Ströle
384 Seiten, broschiert
ISBN-10: 3423217642
ISBN-13: 978-3423217644
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Daniel Höra: Was wir nicht wollten

Daniel Höra: Was wir nicht wollten

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Die fünf Freunde halten es für eine gute Idee, in ihrer etwas heruntergekommenen Wohnsiedlung, erbaut in den 1960er Jahren, einen kleinen Garten anzulegen. Es gibt da ein kleines Fleckchen Erde, dass perfekt dafür geeignet ist. Die 13- bis 14-jährigen legen sich ins Zeug. Man hat ein Ziel und das macht Spaß. Der Umgangston ist wie immer rau, wird aber nicht beleidigend empfunden. Ab und an wird gerappt. Sie graben um und säen. Auch Bobbo macht mit. Nach einem Unfall ist er geistig behindert. Aber er hat Spaß daran mit der Kinderschaufel in der Erde zu graben. Seine Mutter sieht das nicht gerne. Sie glaubt, Bobbo wird ausgenutzt. Den Garten bezeichnet sie als Sachbeschädigung. Die jungen Leute werden schließlich gezwungen, ihren Garten aufzugeben.

So einfach will man das nicht hinnehmen. Ärger macht sich breit und staut sich auf. Wie wäre es, Bobbos Mutter eins auszuwischen? Und so entsteht die Idee, den behinderten Jungen für ein eine Weile zu verstecken. Die Mutter soll ordentlich Panik bekommen. Der Plan geht auf. Doch gerade als Bobbo zu seiner Mutter zurückgebracht werden soll, erscheint Heiner. Er hat nicht vor, jemanden zu verraten. Vielmehr will er die Entführung für eine Erpressung nutzen.

Es geht um Gerechtigkeit! Man kann gut verstehen, dass die Jugendlichen frustriert sind, was ihren Garten betrifft, der auch ein Sinnbild dafür ist, dass die Kindheit zu Ende geht. Etwas mit eigenen Händen zu schaffen, hat Bedeutung. Sie sind bereit, Verantwortung zu übernehmen. Aber sie handeln auch noch impulsiv und unüberlegt, sehen die Entführung als einen Spaß an, der nicht mehr ist, als ein dummer Streich. Die Tragweite ihres Handelns erkennen sie zunächst nicht, denn sie glauben, die Entführung ohne Konsequenzen beenden zu können. Ihre Selbstüberschätzung ist dahin, als sich Heiner auf eine angsteinflößende Art einmischt und den fünf Freunden eine Erpressung aufzwingt. Denn jetzt scheint es nicht mehr möglich, das Ganze einfach zu beenden.

Daniel Höra hat ein unauffällig lehrreiches Buch geschrieben, das zum Nachdenken anregt. Die Jugendlichen stecken in der Zwickmühle und der Leser wird unmerklich aufgefordert, sich zu fragen, wie er handeln würde. Es gibt viele Stellen im Buch, die für einen Moment in viele Richtung weisen. Ein Wort oder ein Satz entscheidet, wie es weiter geht. Der Autor zeigt, was in der Gruppe passiert, wie der Mut dahin schmilzt, Freundschaften auseinandergehen und Verzweiflung sich breitmacht. Die Jugendlichen werden sich ihrer eigenen Verantwortung für das Geschehen immer bewusster. Es ist ein Prozess. Aber es ist keine Zeit für eine langsame Entwicklung, denn die Lage wird immer brenzliger.

Ein bemerkenswertes Buch, das sehr authentisch wirkt, weil es aus Sicht einer der Jungen geschrieben ist!

Rezension von Heike Rau

Daniel Höra
Was wir nicht wollten
Eine (fast) wahre Geschichte
256 Seiten, gebunden
Ueberreuter Verlag
ISBN-10: 3764170867
ISBN-13: 978-3764170868
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Maile Meloy: Bewahren Sie Ruhe

Maile Meloy: Bewahren Sie Ruhe

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Die Kreuzfahrt war eine Idee von Liv gewesen. Sie will damit ihre Cousine Nora nach dem Tod deren Mutter auf andere Gedanken bringen. An Bord gehen also Nora mit ihrem Mann Raymond und den Kindern June und Marcus sowie Liv mit ihrem Mann Benjamin und den Kindern Penny und Sebastian. Die Kinder sind die meiste Zeit im Kids Club, sodass die Eltern auch mal Zeit für sich haben. Bei einem Mittagessen lernen sie ein argentinisches Paar kennen, das ebenfalls zwei Kinder hat, Hector und Isabel.

Für etwas Abwechslung soll ein Landgang sorgen. Eine Zipline-Tour durch die Baumwipfel des Regenwaldes wird angeboten. Da die Männer lieber Golf spielen wollen, brechen die drei Mütter mit ihren Kindern allein auf. Und kurze Zeit später beginnt der Alptraum. Die Kinder, sie sind zwischen 6 und 16 Jahren verschwinden spurlos, als niemand auf sie aufpasst.

Die Geschichte ist an Dramatik nicht zu übertreffen. Ein kurzer Moment Sorglosigkeit reicht aus, das Leben auf den Kopf zu stellen. Der Leser kann nun beide Erzählstränge parallel verfolgen. Während die Kinder, die eigentlich nur nach Hause wollen, ihres Lebens bald nicht mehr sicher sind, diskutieren die Elternpaare die Schuldfrage und stellen bald ihre Ehe, ihr ganzes Leben und die eigene Person infrage.

Als eine ungefähre Theorie über den Verbleib der Kinder herauskristallisiert, steigt die Angst. Die Eltern sind hilflos und schätzen die Polizei ebenso ein. Sie sind in nicht zu Hause. Hier läuft alles anders. Niemand verfügt über Kontakte, die weiterhelfen können.

Die Autorin nimmt die Gefühlswelt der Eltern derb auseinander. Sie schildert den Ausnahmezustand auf eine sehr beunruhigende Art und Weise. Immer wieder setzt sie noch eins drauf, sodass der Roman immer komplizierter und irgendwann auch zu anstrengend und zu langatmig wird.

Rezension von Heike Rau

Maile Meloy
Bewahren Sie Ruhe
Aus dem Amerikanischen von Anna-Christin Kramer und Jenny Merling
440 Seiten, gebunden
Kein & Aber
ISBN-10: 3036957766
ISBN-13: 978-3036957760
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Johann Scheerer: Wir sind dann wohl die Angehörigen

Johann Scheerer: Wir sind dann wohl die Angehörigen

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Ein 13 jähriger Junge erlebt unerwartet und schockierend den Zusammenbruch seiner Welt der Geborgenheit und Sicherheit.

Johann Scheerer ist der Sohn von Jan Philipp Reemtsma, dem anerkannten und tief in seine Bücher versunkenen Sozialwissenschaftler. Man besitzt zwei Häuser in Hamburg und ist wohlhabend. Der Vater pflegt abends nochmals in seinem Haus mit den vielen Büchern zu verschwinden. Als er an jenem Abend um Ostern 1996 herum nicht wieder im Haus der Mutter erscheint, wird diese unruhig, und es beginnt eine unruhige und dramatische Suche nach dem Vater. Man erfährt sehr bald, dass er entführt wurde, um ein hohes Lösegeld mit seiner Freilassung zu erpressen. Die Geschichte machte Furore und hielt ein ganzes Volk in Atem.

Johann Scheerer berichtet über seine Erinnerungen an die dramatische Nacht und deren Folgen. Im Haus wimmelt es von Freunden der Familie, Anwälten und Polizeiangehörigen.

Es wird alles versucht, um möglichst kein Aufsehen zu erregen. Mehrere Geldübergaben scheitern und es folgen bange Tage des Wartens, der Verzweiflung im Wechsel mit Hoffnung.

Der Junge macht sich seine eigenen Gedanken, die den Tod des Vaters einschließen. Er bildet mit der Mutter eine Einheit, obwohl sie immer wieder versucht, ihn vor den gröbsten Enttäuschungen zu bewahren. Mit einer gewissen Distanz, gelegentlichem Humor, immer aber mit kritischem Blick sucht der Junge der größten Verzweiflung Herr zu werden. Er beobachtet, registriert und bleibt bei einer sehr trockenen Darstellung. Ihm haftet keine Sensationslust, Eitelkeit und Aufgeregtheit an. Mit Einsamkeit lässt sich wohl sein Gemütszustand am ehesten beschreiben. Es gibt wirklich nur einen Freund, dem er sich mitteilt.

Die Atmosphäre verzweifelter Entschlossenheit gepaart mit irrlichternden Strategieversuchen, einen Ausweg zu finden, teilt sich dem Leser durch die Darstellung von Johann Scheerer unmittelbar mit. Man kann sich vorstellen, was es für einen pubertierenden Jugendlichen bedeutet, gerade in der jugendlichen Ablösungsphase durch das Ereignis aller Lösungsmöglichkeiten beraubt zu werden. Die Sorge um den Vater gibt dem Jungen nur schwer eine Möglichkeit, zuzulassen, dass ihn und den Vater gravierende Interessensunterschiede trennen. Ob Musik oder Bücher: Johann geht einen eigenen Weg und lässt sich vom Vater nicht davon abbringen.

Die Erzählung lässt vermuten, dass hier ein spannungsreicher Konflikt aufgeschoben wird, weil das Wohl des Vaters über allem steht. Deutlich wird aber auch, wie sehr Jan Philipp an seiner kleinen Familie hängt und um seine Wiederkehr bangen muss.

Wir wissen, wie die Geschichte ausging. Johann Scheerer hat ihr einen eigenen Klang verliehen, mit dem man aus Sicht eines Jungen spannungsreiche und die Nerven angreifende Stunden und Tage erlebt. Es lohnt sich, das Buch zu lesen!

Johann Scheerer wird aus der Lektüre als eigenständiger, klarer und seinen eigenen Weg meisternder Mensch sichtbar.

Johann Scheerer
Wir sind dann wohl die Angehörigen
240 Seiten, gebunden
Piper, März 2018
ISBN-10: 3492059090
ISBN-13: 978-3492059091
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Alexandra Burt: Remember Mia

Alexandra Burt: Remember Mia

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Estelle Paradise kann sich nicht erinnern, was geschehen ist. Schwer verletzt liegt sie nach einem Autounfall im Krankenhaus. Von ihrer kleinen Tochter fehlt jede Spur. So wird Estelle verdächtigt, etwas mit dem Verschwinden von Mia zu tun zu haben. Nach und nach kehren einige Bruchstücke an Erinnerung zurück. Nichts davon erklärt allerdings, was mit dem Baby geschehen ist. Auf Anraten ihres Ehemannes, der mit der Situation nicht klarkommt, geht Estelle in eine psychiatrische Klinik. Hier gibt es einen Spezialisten, der ihr helfen will, Licht ins Dunkel zu bringen. Estelle erkennt, dass sie vollkommen überfordert war von der Situation. Sie hatte Mia, die sehr viel geweint hatte kaum zur Ruhe bringen können. Estelle glaubt, keine gute Mutter gewesen zu sein. Ihr Mann war ihr keine Hilfe und hat sie aus beruflichen Gründen allein mit dem Kind gelassen. Die Tage sind immer beschwerlicher geworden…

Estelles Situation ist so beschrieben, dass sie gut nachvollziehbar ist. Auch als Leser steht man vor einem Rätsel und spürt, dass nichts so ist, wie es scheint. In Rückblenden, so wie die Erinnerung zurückkommt, erfährt man bruchstückhaft was geschehen sein könnte. Doch zunächst erklärt nichts davon das Verschwinden von Mia.

Die Autorin hat einen perfekten Spannungsbogen geschaffen. Die Handlung ist sehr gut aufgebaut. Estelle lernt man immer besser kennen. Ich habe Sympathie für sie entwickelt. Sie will die Wahrheit herausfinden, egal was dabei herauskommt. Aber auf die Erinnerungen ist möglicherweise kein Verlass. Man fragt sich immer wieder, ob überhaupt die richtigen Schlüsse gezogen werden. Als Leser wird man also auf die Folter gespannt und auch immer wieder überrascht. Die Autorin schreibt gut. Sie versteht es, den Leser zu fesseln. Das Ende ist entsprechend spektakulär und schwer anzunehmen.

Rezension von Heike Rau

Alexandra Burt
Remember Mia
Deutsch von Susanne Goga-Klinkenberg
384 Seiten, Klappenbroschur
Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3423261013
ISBN-13: 978-3423261012
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Paul Grote: Die Spur des Barolo

Paul Grote: Die Spur des Barolo

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Die Weinreise ins Piemont endet für einen der Beteiligten mysteriös. Arnold Sturm löst sich auf der Heimreise in Luft auf. Seine Frau Francesca wartet auf dem Flughafen vergeblich auf ihren Mann. Arnolds Begleiter wissen von nichts. Keiner vermag zu sagen, ob er überhaupt im Flugzeug war. Und einige denken nicht daran, die Sache aufzuklären und machen sich gleich aus dem Staub. Die Polizei interessiert sich auch nicht für die Sache. Ein erwachsener Mann kann schließlich verschwinden, wohin er will.
Doch die Ehe war bisher in Ordnung. Francesca hat keinen Grund anzunehmen, dass ihr Mann der Familie den Rücken kehren wollte. Da die Polizei nicht helfen will, muss die Familie selbst nach Arnold suchen. Francesca greift den Vorschlag ihres Vaters auf. Sie nimmt die Rolle einer Wein-Einkäuferin an und versucht die Reiseroute ihres Mannes exakt nachzuvollziehen. Sie reist von einem Weingut zum nächsten, übernachtet, wo Arnold übernachtet hat und hält Augen und Ohren offen.

Es dauert ein wenig, ehe man im Krimi drin ist. Der Anfang ist wenig spannend. Aber Francesca ist eine interessante Persönlichkeit und es scheint, dass es lohnt, ihr weiter zu folgen. Und so ist es dann auch. Als Leser weiß man beizeiten, was Arnold geschehen ist, auch wenn man die Hintergründe nicht kennt, nicht weiß, wo er ist, und hier nur Vermutungen anstellen kann. Langsam kommt Spannung auf, die sich immer mehr verdichtet. Francesca scheint auf der richtigen Spur zu sein. Aber was sie dann tatsächlich aufdeckt, ist wirklich unglaublich.
Der Autor schmückt die Handlung mit reichlich Weinkunde aus. Manchmal ist es ein bisschen viel und lenkt vom eigentlichen Krimi ab. Wer sich für Wein interessiert, mag das allerdings anders sehen.
Insgesamt hat mir das Buch gefallen. Besonders das letzte Drittel fand ich sehr gut.

Rezension von Heike Rau

Paul Grote
Die Spur des Barolo
416 Seiten, gebunden
Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3423216034
ISBN-13: 978-3423216036
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