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  • Elizabeth Strout: Alles ist möglich

    Von Claudine Borries | 14.November 2018

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    Wie immer nimmt sich Elizabeth Strout des Lebens der kleinen Leute an. Sie leben im Mittelwesten in Illinios oder Iowa. Man betreibt Mais- und Sojaanbau oder Milchwirtschaft, womit der Lebensunterhalt je nach Erntelage gesichert scheint. Tommys Hof ist abgebrannt, so dass er sich als Hausmeister einer Schule verdingt. Da bekommt man einiges mit, was in den Familien passiert.

    Es gibt die Eheleute mit einem langen gemeinsamen Leben, in dem sich dennoch ihr Glück nicht erfüllt; man findet verkorkste junge und ältere Leute, liebestolle Partner und impotente Ehemänner. Auch der nicht erfüllte Kinderwunsch findet sich unter den Ehefrauen. Eine jede Person hat ein ihr eigenes Schicksal. Es gibt Kinder, die den elterlichen Schlägen ausgesetzt waren, und aus denen nichts geworden ist. Aber auch eine erfolgreiche Schriftstellerin findet sich unter den beschriebenen Menschen, die E. Strout mit ihrem unnachahmlichen Erzähltalent der Realität der kleinen Provinzstädte nachempfunden hat.

    Sie fängt ein Klima der Kleinbürgerlichkeit und der Engherzigkeit, der Intimität und der Absurdität ein, wie es ihresgleichen sucht. Ihre Erzählweise ist so lebendig und berückend, dabei keineswegs herablassend, dass man unwillkürlich in das Leben der von ihr beschriebenen Menschen reinschaut und zum Teilnehmer der vielen unterschiedlichen Lebensentwicklungen wird. Verbindungen der einzelnen Schicksale ergeben sich aus Nachbarschaft, Familienkonstellationen, Mitschülern und Ähnlichem. Man kann kaum glauben, wie beredt Elizabeth Strout sich in die Menschen einfühlt, denen sie Gesichter und Farben gibt. Und dann finden sich einfache Sätze wie „Sie berührte nur kurz seinen Arm. Da saßen sie, in der Sonne“, mit dem ein Kapitel schließt. (S.64) Besser kann man kaum ausdrücken, wie sich ein Ehepaar auch ohne große Worte versteht.

    Liebesglück und Alterseinsamkeit, Eifersucht und Armut, Anhänglichkeit und nachbarschaftlicher Tratsch füllen ihren Roman, und wir erleben, wie die Welt wirklich ist.

    Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit, Gelassenheit und „sich abfinden“ sind die wahren Grundlagen für ein glückliches Leben. Aber wer findet zu dieser Weisheit? Es sind nur wenige, doch auch sie haben ihren Platz in der Erzählung.

    Sich in diesem Kosmos zu bewegen und den Figuren zu folgen schafft dem Leser Glück und Anregung, sich über das Leben in seinen verschiedenen Schattierungen eigene Gedanken zu machen und zu den eigenen Erfahrungen neue Erkenntnisse hinzuzufügen. Am Ende heißt es in einem melancholischen Abgesang „Alles war möglich, für jeden“.

    Ein rundum gelungener Roman liegt mit dieser Neuerscheinung vor.

    Elizabeth Strout lebt in New York und Maine. Sie wurde für ihre Romane vielfach ausgezeichnet.

    Elizabeth Strout
    Alles ist möglich
    256 Seiten, gebunden
    Luchterhand Literaturverlag, November 2018
    ISBN-10: 3630875289
    ISBN-13: 978-3630875286
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    Benjamin Cors: Leuchtfeuer – Ein Normandie-Krimi – Ein neuer Fall für Nicolas Guerlain

    Von hera | 12.November 2018

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    Ein alter Fluch versetzt die Einwohner von Vieux-Port in Angst und Schrecken! Nach dem ersten Mord bittet der Bürgermeister Nicolas Guerlain zu helfen. Doch der Personenschützer hat keine Zeit. Das Gerichtsverfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen seine Lebensgefährtin läuft in Paris und er hat es noch nicht geschafft, Beweise für Julies Unschuld und die wahren Hintergründe zu finden. So geschieht ein weiterer schrecklicher Mord in Vieux-Port. Nicolas bereut, sich nicht gekümmert zu haben. Es ist zu befürchten, dass der Teufel wieder zuschlagen wird. Die Gefahr ist greifbar.

    Wir haben zwei Erzählstränge. Das Gerichtsverfahren gegen Julie, für die es nicht gut aussieht, und die grausamen Morde in Vieux-Port. Beides ist spannend, auch wenn Vieux-Port mehr Raum einnimmt. Dieser Fall ist äußerst verwickelt. Die Hintergründe, so scheint es, reichen Jahrzehnte zurück. Damals wurde der Fluch ausgesprochen. Zu ergründen sind die Geheimnisse, die dahinterstecken und so gerät ein möglicher Täter bald ins Visier der Ermittler, die Nicolas Guerlain auf seine Weise unterstützt. Doch dieser Mörder kennt sich aus in Vieux-Port. Damit hat er einen entscheidenden Vorteil.

    Der Krimi fordert ein Mitdenken beim Leser ein. Es sind nur kleine Details im Handlungsverlauf, die erkannt werden wollen. Nicolas Guerlain hat ein Gespür dafür. Er ist ein guter Beobachter. Es wird äußerst dramatisch! Die Zeit läuft! Dabei muss der Personenschützer auch noch für Julie einige Dinge regeln. Auch hier offenbaren sich unglaubliche Hintergründe.

    Sehr gut gefällt mir, wie der Autor durch die Handlung führt. Mit Spannung aufbauenden Sätzen hinter manchem Kapitel greift er dem Geschehen kurz vor und macht den Leser neugierig. Man kann das Buch dann nicht einfach aus der Hand legen!
    Der durchweg interessante Krimi hat dann natürlich auch ein überraschendes Ende.

    Rezension von Heike Rau

    Benjamin Cors
    Leuchtfeuer – Ein Normandie-Krimi – Ein neuer Fall für Nicolas Guerlain
    432 Seiten, Klappenbroschur
    dtv Verlagsgesellschaft
    ISBN-10: 3423262109
    ISBN-13: 978-3423262101
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    Dr. med. Kai Michael Beeh: Die atemberaubende Welt der Lunge – Warum unser größtes Organ Obst mag, wir bei Konzerten husten müssen und jeder Atemzug einzigartig ist

    Von hera | 9.November 2018

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    Es ist vollkommen selbstverständlich für uns, zu atmen. Pausenlos! Was die Lunge leistet, ist jedoch bemerkenswert. Der Lungenspezialist Kai-Michael Beeh ist davon begeistert. Für ihn ist die Lunge ein Wunderwerk! Sein Wissen teilt er in diesem Buch auf verständliche Weise mit seinen Lesern. Er schreibt bildhaft und erklärt auch schwierige Sachverhalte gut. Humor, wo immer angebracht, kommt nicht zu kurz. Das macht das Buch zu einem unterhaltsamen Ratgeber, dem man viel für die eigene Lungengesundheit entnehmen kann.

    Der Prozess des Atmens wird im Buch genau beschrieben, mit allem was da im Körperinneren vor sich geht. Meist läuft alles reibungslos. Doch die Lunge ist sensibel und vielen Gefahren ausgesetzt. Dazu zählt die Luftverschmutzung mit Schadstoffen wie Feinstaub. Die derzeitige Dieseldebatte ist also auch für die Lunge relevant. Auch das Klima ist von Bedeutung. Auswirkungen könnte beispielsweise die stärker werdende Pollenbelastung haben. Atemwegsprobleme werden also häufiger werden, wenn nicht gegengesteuert wird und die Schutzmechanismen nicht mehr greifen. Davon abgesehen geht der Autor natürlich auch auf die Schädlichkeit des Rauchens ein.

    Im Buch werden mögliche Krankheiten erklärt und das sind nicht nur Asthma, Bronchitis und Lungenentzündungen. Es wird gezeigt, welche Fortschritte die Medizin gemacht hat und wie eine Behandlung aussehen muss.
    Auch wer nicht betroffen ist, wird angesichts der vielen möglichen Krankheiten aufmerksam. Es ist vielleicht doch angebracht, der Lunge mehr Aufmerksamkeit zu widmen! Der Autor beschreibt wie eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung im Park oder im Wald, hier ist die Luft sauberer, der Lunge helfen. Auch Entspannungs- und Atemtechniken wirken sich positiv aus. Die Lungenmuskulatur wird gestärkt, das Lungenvolumen erhöht und Stress abgebaut. Bestehende Beschwerden lassen sich abmildern.

    Der Autor geht mit diesem Buch gegen das Öffentlichkeitsproblem vor, dass die Lunge seiner Meinung nach hat. Nach der Lektüre des Buches sind die Sinne geschärft. Es wird Zeit, ab und an auch mal an die Lunge zu denken!

    Rezension von Heike Rau

    Dr. med. Kai Michael Beeh
    Die atemberaubende Welt der Lunge
    Warum unser größtes Organ Obst mag, wir bei Konzerten husten müssen und jeder Atemzug einzigartig ist
    288 Seiten, Klappenbroschur
    Heyne Verlag
    ISBN-10: 3453207076
    ISBN-13: 978-3453207073
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    Marko Simsa und Doris Eisenburger: Der Zauberlehrling

    Von hera | 8.November 2018

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    Dann nehmen wird doch mal das Buch, legen die CD ein und gehen ins magische Musiktheater der Zauberschule!

    Der Hexenmeister hat sich wegbegeben und der Zauberlehrling beschließt, das auszunutzen. Er möchte selbst zaubern. Das gelingt ihm recht gut, so scheint es. Der alte Besen, stellt sich auf zwei Beine, nimmt sich wie befohlen einen Topf und springt die Treppe hinunter und den Weg entlang, um Wasser zu holen. Begleitet wird der Besen vom Fagott und dem Klang der gezupften Saiten der Streichinstrumente. Auch im Bilderbuch wird das entsprechend dargestellt. Das Wasser wird anschließend unter Begleitung der Geigen und Bratschen Topf um Topf in die Wanne gefüllt.
    Doch der Zauberlehrling schafft es nicht, den Besen anzuhalten, als die Wanne voll ist. Er hat das Zauberwort vergessen. Auch fangen lässt sich der Besen nicht. Die Situation spitz sich zu, was am wilden Glockenspiel zu hören ist, dem bald das halbe Orchester samt den Blechblasinstrumenten folgt. So geht das Drama weiter, bis endlich der große Meister erscheint.

    Das musikalische Bilderbuch vereint verschiedene Darstellungsmöglichkeiten, die Kindern die Ballade von J. W. v. Goethe mit der Musik von Paul Dukas näher bringen. Und das auf eine sehr spannende Weise! Die CD enthält die Geschichte mit Erklärungen zu Goethes Ballade. Die Verbindung zur Musik und zum Orchester, dem von Cornelius Meister dirigierten ORF Radio-Symphonieorchester Wien, wird gezogen. Die im Konzert eingesetzten Instrumente sind noch einmal in einer Übersicht zu sehen. Erklärt wird, was aus der Musik herauszuhören ist und wie Klänge in ihrer Aussagekraft auf die Ballade bezogen, einzuordnen sind. So wird klar, wie die Handlung durch die verschiedenen Musikinstrumente aufgebaut wird. Der Erzähler Marko Simsa macht seine Arbeit gut. Es ist ein Vergnügen, seinen Ausführungen zu folgen. Die Zeichnungen von Doris Eisenberger tragen dazu bei, dass die zuhörenden Kinder Bilder vor Augen haben. Das ist eine sehr gelungene Kombination für Kinder ab fünf Jahren!

    Rezension von Heike Rau

    Marko Simsa
    Der Zauberlehrling
    Illustrationen von Doris Eisenburger
    Die Musik von Paul Dukas zur Ballade von J. W. v. Goethe
    32 Seiten, gebunden
    Begleit-DC mit Musik und Text
    Annette Betz im Ueberreuter Verlag
    ISBN-10: 3219117791
    ISBN-13: 978-3219117790
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    Julia Korff: Basics aus Webware nähen – Über 100 Designbeispiele – 20 Modelle – Größe 34 – 50

    Von hera | 5.November 2018

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    Vorgestellt werden im Buch Basics, die sich mit Webware gut nähen lassen. Anleitungen gibt es für Blusen, Röcke, Kleider, Jacken und weitere Kleidungsstücke. Insgesamt gibt es 20 Schnittmuster zu einem wirklich guten Preis! Durch Variationen ergeben sich Abwandlungsmöglichkeiten.

    Das erste Projekt ist ein Blusenshirt mit V-Ausschnitt. Die Probenäherinnen haben es mit unterschiedlichen Stoffen in ihrer jeweiligen Größe genäht. Das beflügelt natürlich die Fantasie. Einen Rundumblick auf das Blusenshirt gibt es online mit der Funktion 360°-Fashion, für die man ein Kundenkonto besitzen oder anlegen muss. Die Nähanleitungen sind gut strukturiert und für einen guten Überblick auf das Wesentliche begrenzt. Wer Erfahrungen im Nähen hat, wird sehr gut damit klarkommen.

    Anfänger, die zusätzliche Hilfe brauchen, finden diese im Grundlagenteil. Hier erhält man Wissenswertes zu unterschiedlicher Webware, Anleitungen zum Maß nehmen, Hinweise zum Arbeiten mit dem Schnittmuster, nötigen Anpassungen und zum Zuschneiden des Stoffs.
    Die verschiedenen Nähtechniken, vom Versäubern bis hin zum Ärmeleinsetzen, werden erklärt. Das ist sehr hilfreich!
    Die Schnittmuster sind auf den Bögen in Originalgröße in der Regel ohne Nahtzugabe dargestellt. Es gibt eine farbige Kennzeichnung. Teilweise liegen aber mehrere Schnittmuster dicht übereinander, sodass man beim Abpausen sehr aufpassen muss, zumal die Größen 34-50 aufgedruckt sind.
    Interessant ist die Fertigmaßtabelle, die zeigt, welche Maße ein Kleidungsstück nach dem Nähen hat. Man kann vorab den Sitz mit schon vorhandener Kleidung überprüfen.

    Insgesamt gefallen mir die vorgestellten Projekte, die unterschiedliche Schwierigkeitsgrade haben, sehr gut. Mich spricht besonders an, dass es verschiedene Designbeispiele gibt, die zeigen, wie unterschiedlich ein Kleidungsstück wirken kann, sodass man gut den eigenen Stil einbringen kann.

    Rezension von Heike Rau

    Julia Korff
    Basics aus Webware nähen – Über 100 Designbeispiele – 20 Modelle – Größe 34 – 50
    144 Seiten, gebunden
    Frech Verlag
    ISBN-10: 3772481450
    ISBN-13: 978-3772481451
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    Jean-Philippe Blondel: Ein Winter in Paris

    Von hera | 31.Oktober 2018

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    Victor studiert am Lycée D. Paris in der Vorbereitungsklasse. Er stammt aus einfachen Verhältnissen und ist froh, nun ein eigenes Leben zu haben. Doch es fällt ihm nicht leicht, dem Druck standzuhalten. Das Studium überfordert in. Dazu kommt, dass er kaum wahrgenommen wird. Freunde findet er nicht, dabei sehnt er sich nach Halt und Austausch. Aber vielleicht lässt sich mit Mathieu etwas aufbauen. Hin und wieder eine Zigarette zusammen zu rauchen, könnte der Anfang einer Freundschaft sein, auch wenn Mathieu einen Kurs unter ihm ist. Victor nimmt sich vor, ihn zu seinem Geburtstag einzuladen.

    Doch soweit kommt es nicht. Mathieu stürmt nach einem Vorfall aus dem Klassenraum und springt über das Geländer. Victor sieht ihn am Boden liegen und kann es nicht fassen. Nur langsam realisiert er, was geschehen ist.
    Auch wenn beide sich kaum kannten, wird er nun als Freund des Opfers für die anderen sichtbar. Mathieus Vater kommt nach Paris. Er will wissen, was geschehen ist und hofft darauf, dass Victor ihm helfen kann.

    Das Buch ist sehr ergreifend. Es geht nicht so sehr um Mathieu und die Gründe für seinen Selbstmord, auch wenn das starre Schulsystem zusammen mit dem tyrannischen Lehrer Clauzet zur Sprache kommt. Vielmehr ist Victor die Hauptperson. Er lernt Mathieu erst nach dessen Tod besser kennen. Er wird erst jetzt zu einem Freund, so seltsam das klingt. Victor ist verstört und angreifbar, wie sollte es auch anders sein? Dadurch gelingt es Mathieus Vater Patrick Lestaing ihn für sich zu instrumentalisieren. Vielleicht geschieht das nicht bewusst. Aber Victor ist der Einzige, der ihn seinem Sohn noch einmal näher bringen kann. Er hat viel versäumt als Vater.

    Die Geschichte wird im Rückblick erzählt. 30 Jahre sind vergangen, aber nichts ist vergessen. Das bietet viel Raum für Interpretationsmöglichkeiten. Der Schluss im Buch ist kein Ende. Es lässt den Leser zurück mit seinen Gedanken über das eigene Leben. Die melancholische Atmosphäre bleibt. Die Geister der Vergangenheit bleiben. Das Buch ist sehr traurig und doch auch melancholisch schön und anrührend.

    Rezension von Heike Rau

    Jean-Philippe Blondel
    Ein Winter in Paris
    Aus dem Französischen von Anne Braun
    192 Seiten, gebunden
    Deuticke Verlag
    ISBN-13: 978-3552063778
    ISBN-10: 3552063773
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    John Jay Osborn: Liebe ist die beste Therapie

    Von Claudine Borries | 31.Oktober 2018

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    Dieser Roman erzählt in fachlich kompetenter Weise von einer Ehetherapie.

    Das Paar Stev und Charlotte haben sich getrennt und wollen einen letzten Versuch wagen, ihre Ehe zu retten. Sie ist Universitätsdozentin und er Teilhaber an einer großen Kapitalinvestmentfirma. Sie haben zwei kleine Kinder und wohnen bereits in getrennten Wohnungen.

    Sandy, die Eheberaterin, führt gekonnt in die Gesprächstechnik ein, mit der sie sich den Menschen in ihren besonderen Konfliktsituationen nähert.

    Feinfühlig sind ihre Fragen und Aufforderungen, mit denen sie die Partner animiert, sich zu dieser oder jener Situation zu äußern.

    Sie registriert in Zwischengedanken ihre Eindrücke, die sich ihr aus den Worten der Klienten erschließen.

    Worum geht es?

    Wie in so vielen Ehen haben Steven und Charlotte aufgehört, miteinander zu reden.
    Jeder ist seiner Wege gegangen bis hin zu neuen Partnerbeziehungen. Das allerdings haben sie beide so nicht ausgemacht! Diese Beziehungen werden folglich als Seitensprünge bezeichnet.

    So wie sich die Beziehung der beiden entwickelt, sieht es nicht danach aus, dass sie wieder zusammenkommen könnten. Charlotte ist aufmüpfig und wütend über Stevs Seitensprünge, während Stev nach heftigem Zerwürfnis immer neue Versuche startet, um Charlotte zurückzugewinnen, die ebenfalls inzwischen außereheliche Beziehungen eingegangen ist. Er ist eifersüchtig, spioniert ihr nach und macht ihr Zusammensein fast unmöglich.
    Da beide zusammen eine Ehetherapie beginnen, scheinen sie die Hoffnung zu hegen, vielleicht noch etwas retten zu können.

    Man merkt, dass der Autor Jay Osborn genaue Kenntnis vom unterschwelligen Miteinander ratsuchender Kontrahenten hat.

    Die Gespräche mit der Therapeutin werden als Versuch dargestellt, erst einmal Ordnung in die Gefühlswelt der Ratsuchenden zu bringen d.h., sich selbst bewusst zu machen, wo sie überhaupt stehen, und was sie wollen. Es ist ein mühsames Unterfangen!

    Es gibt Szenen von wütendem Aufbegehren und Missverstehen und langsam wachsender Einsicht, wie sehr einer den anderen verletzt hat.

    Menschen wissen oft nicht, wie sie über ihre Gefühle sprechen sollen und geraten gerade dadurch in so genannte „Kommunikations Sackgassen“. Erst, wer seine eigenen Gefühle kennt und direkt darüber sprechen kann, wird im Leben Frieden finden und sich nicht im Netz von Missverstehen, falschen Verdächtigungen und Kränkungen verfangen.

    Die Therapeutin Sandy sucht immer neue Wege, um die Klienten zu Selbsteinsichten zu führen. Diese könnten eine Änderung im Verhalten erst möglich machen.

    Man wird als Leser quasi zum voyeuristischen Zuschauer beim Aufblättern zweier unterschiedlicher Charaktere und deren Ausdrucksformen. Der Roman wird zu einer Lehre in Sachen „Eheberatung“.
    Dieses Fazit lässt sich aus den hervorragenden Beschreibungen von John Jay Osborn ziehen. Der Roman ist nicht nur von literarischem Wert sondern bietet auch lehrreiche Einblicke in therapeutische Abläufe.

    John Jay Osborn ist Juraprofessor, Anwalt und lebt in Palo Alto.

    John Jay Osborn
    Liebe ist die beste Therapie
    Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
    Diogenes, Oktober 2018)
    ISBN-10: 3257070438
    ISBN-13: 978-3257070439
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    Caroline Bretherton: Nudeln mal anders – Selbst gemacht aus Zucchini, Linsen und mehr – 80 kreative Rezepte

    Von hera | 30.Oktober 2018

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    Nur die üblichen Nudelgerichte zu kochen, wird irgendwann langweilig. Dabei gibt es mittlerweile wirklich spannende Nudelsorten, die ausprobiert werden können. Auch ist es nicht schwer, den Nudelteig einmal selbst zu machen. Wer die ganze Vielfalt an Nudeln entdecken möchte, liegt mit dem Buch genau richtig!

    Sicher sind Reisnudeln, Dinkelnudeln und Maisnudeln als Alternative zu den üblichen Weizennudeln bekannt. Aber es gibt wesentlich Spannenderes, wie die Autorin im Buch beschreibt. Sie führt die Vielfalt an Nudeln aus Getreide, Pseudogetreide, Hülsenfrüchten und Gemüse auf und spart Zutaten wie Nüsse und in Wasser eingelegte Nudeln nicht aus.

    Beschrieben wird, wie Nudeln selbst gemacht werden und wie der frische Nudelteig verarbeitet wird. Auch wie natürliche Aromen und Farben hinzugefügt werden können, wird erklärt. An Teigrezepten gibt es beispielsweise „Rote Beete & Reismehl“ und „Mandel- und Tapiokamehl“. Nudelformen können mit der Maschine oder von Hand hergestellt werden. Auch wie Gnocchi und Spätzle gemacht werden, wird gezeigt.

    Es folgen die Rezepte mit Nudelsuppen, Nudelsalaten, Nudeln zum Sattessen und Nudeln aus dem Ofen. Es gibt klassische Rezeptversionen, die Autorin hat aber auch eigene Interpretationen von Nudelgerichten anderer Länder einfließen lassen.
    Sehr interessant finde ich „Roggennudeln mit geröstetem Lachs & Fenchel“. Hier hat sich die Autorin von einem klassischen Roggensandwich inspirieren lassen. Sehr gut gefällt mir außerdem die „Puten-Kürbis-Lasagne“. Die Lasagne-Platten werden hier durch Kürbisscheiben ersetzt. Ganz wunderbar ist auch die „Regenbogenbowl mit Ingwerdressing“. Hierfür werden Möhren, Rote Bete, Gurke und Sommerkürbis für einen farbenfrohen Salat mit dem Spiralschneider in Gemüsespiralen geschnitten.
    Die Rezeptanleitungen sind in Schritten dargestellt, verständlich erklärt und gut umsetzbar. Zu vielen Gerichten gibt es ein ansprechendes Foto.

    Das Buch bietet ein breites Betätigungsfeld und lässt die Wahl, ob die Pasta selbst zubereitet oder gekauft wird. Es gibt viel zu entdecken, gerade was eher unbekannte Nudelsorten betrifft. Nach manchen Zutaten und Nudelsorten muss man ein bisschen schauen, da sie nicht im Supermarkt erhältlich sind. Aber es macht Spaß, auf Entdeckungstour im Bio-Laden, im Reformhaus oder bei Online-Händlern zu gehen, um die Rezepte nachkochen zu können!

    Rezension von Heike Rau

    Caroline Bretherton
    Nudeln mal anders – Selbst gemacht aus Zucchini, Linsen und mehr – 80 kreative Rezepte
    192 Seiten, gebunden
    Dorling Kindersley Verlag
    ISBN-10: 3831035903
    ISBN-13: 978-3831035908
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    Maxim Biller: Sechs Koffer

    Von Claudine Borries | 29.Oktober 2018

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    Maxim Biller bezieht sich in seinem Roman auf seine verwirrende Familiengeschichte.

    Von Moskau über Prag nach Hamburg und Zürich ziehen sich die Schilderungen über seine Familie, die einen geheimnisvollen Hintergrund hat: was geschah mit dem Großvater der Sippe, der 1960 in Moskau hingerichtet wurde?

    Sie sind Juden und werden immer und überall verfolgt. Die Sowjetunion hatte jedoch ihre eigenen Regeln, mit denen unliebsame und nicht folgsame Bürger willkürlich zu Tode kamen.

    Der kleine Maxim fragt und schaut und beobachtet und zeigt schon früh sarkastische und selbstironische Charakterzüge in seinem Verhalten.

    Ein wenig verwirrend für den Leser sind die Familienpersonen in ihren Beziehungen zueinander. Brüder, Onkel und Tanten: wer gehört wie zu wem und woher kamen sie? Man ist gelegentlich ein wenig angestrengt, sich in die diversen Beziehungen einzufühlen. Fest steht aber, dass in der Familie mitbedingt durch unterschiedlich politische Regime ein Klima der Verunsicherung und Angst herrschte. Der Großvater machte Waffen-und Devisengeschäfte, die ihn in Moskau unter Verdacht und schließlich zur Hinrichtung brachten. Jeder/ jede verdächtigt danach jeden der Denunziation und brachte die Familienmitglieder gegeneinander auf. Verfeindete Brüder und unglückliche Liebesbeziehungen taten ein Übriges, um das allgemeine Familienklima zu vergiften.

    Das bunte Kaleidoskop einer jüdischen Familie tut sich auf, in dem auch der Ernst der Lage durch den Holocaust nicht ausgespart wird. Für den reflektierten Leser ist es erleichternd, zu erfahren, wie Familien immer und überall auch zerstritten sein können. Das ist kein jüdisches Phänomen. Im Gegenteil: schienen doch bisher bedingt durch die Erfahrungen der nahen Vergangenheit gerade jüdische Familien einen besonderen Zusammenhalt zu genießen, während man aus der ehemaligen DDR von Familientragödien hörte, in denen durch Bespitzelung und gegenseitigen Argwohn Unglück und Verzweiflung in Familien herrschten.

    In diesem Familienroman wird die Zerrissenheit durch die politischen Systeme in Ost und West thematisiert. Ein wenig Schwejk blitzt gelegentlich durch: nur durch Chuzpe kommt man zuweilen weiter. Letzte Fragen bleiben offen.

    Es ist ein witziger, spannender und spritziger Erzählstil, mit dem uns Maxim Biller hier erfreut.

    Maxim Biller
    Sechs Koffer
    208 Seiten, gebunden
    Kiepenheuer&Witsch, August 2018
    ISBN-10: 3462050869
    ISBN-13: 978-3462050868
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    Annie Ernaux: Erinnerung eines Mädchens

    Von Claudine Borries | 29.Oktober 2018

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    Annie Ernaux bedient sich wie in ihrem ersten biographischen Roman „Die Jahre“ einer Verfremdung ihrer Person, die sie als „Das Mädchen“ betitelt. Von ihr und ihrem Erwachsenwerden handelt auch diese biographische Abhandlung.

    Es ist der Sommer 1958. Das Mädchen ist 18 Jahre alt. Sie lebt mit ihren Eltern in der französischen Provinz. Die Eltern sind nach Herkunft und Gemüt einfach und haben alles für ihre begabte Tochter getan. Wie so viele junge Leute verbringt diese den Sommer mit einem Job als Betreuerin in einer Ferienkolonie. Bisher in einem streng katholischen Mädchenpensionat untergebracht naht für sie ungeahnte Freiheit und Ungebundenheit.

    Die Freude sollte nicht lange dauern. Unbeholfen und unerfahren fällt sie dem Chefbetreuer schon nach wenigen Tagen als Sexobjekt zum Opfer. Er verbringt eine brutale Sexnacht mit ihr und lässt sie gleich darauf fallen. Erschüttert fängt sie wahllos immer neue Männerbeziehungen an.

    Zerquält und entwürdigend sind die Tage und Wochen nach dem Ereignis. Die anderen Betreuer und Betreuerinnen machen sich über sie lustig, und sie wird verfemt. Ihr ganzes Sinnen und Trachten ist auf diesen ersten Liebhaber gerichtet. Sie sehnt sich nach ihm, der sie gedemütigt und in eine ihr unerklärliche Abhängigkeit getrieben hat.

    Das Trauma dieser Nacht durchzieht ihr weiteres Leben und lässt sie nicht mehr los. Jahrelang steht das Jahr 1958 in ihrem Tagebuch. Sie kann nicht und will doch darüber berichten. Jetzt erst, 55 Jahre später, gelingt es ihr.

    Die Erzählung durchzieht ein Schmerz, der nie vergeht. Das Mädchen war vollkommen unschuldig und ist in etwas hineingeraten, das ihren Willen gelähmt und ihre Selbstachtung zerstört hat. Mit unübertroffener Genauigkeit und zähem Durchhaltewillen scheint die Erzählerin den Spuren ihrer frühen Jahre nachzuforschen. Es war die Zeit, in der die allgemeine bürgerliche Moral spröde Abstinenz und Enthaltsamkeit forderte und freie Liebe verpönt und doch heimlich ersehnt war. Wer gegen die gesellschaftlichen Regeln verstieß, verlor seine Selbstachtung und fühlte sich schuldig. Mit feinem und sensiblen Gespür für die Scham, die den Zeitgeist spiegelt, geht Annie Ernaux ihren Erinnerungen nach so vielen Jahren nach.

    Es folgen Irrwege und die Suche nach dem richtigen Beruf. Die Autorin begegnet schließlich den Schriften von Simone de Beauvoir, die sie nachdenklich und aufmerksam machen. Der Stil der Erzählung wandelt sich mit fortlaufender Entwicklung. Die Protagonistin in der Erzählung wechselt immer häufiger zum „Ich“. Entsprechend nimmt die Identitätsfindung Form an und dem Philosophiestudium steht nichts mehr im Wege.

    Die schonungslose Offenheit dieser eigenen Entwicklungsstudie ist bemerkenswert.

    Hier zeigt eine Schriftstellerin ihren Werdegang mit rückhaltloser Selbstentblößung.

    Letztendlich geht es um den Wandel moralischer Verhaltensweisen über die letzten fünfzig Jahre und den Schaden, den starre Tabus anrichten können. Die hohe Reflexionsgabe beeindruckt den Leser und lässt an Erkenntnissen über den Wandel der Zeiten keine Fragen offen.

    Annie Ernaux
    Erinnerung eines Mädchens
    163 Seiten, gebunden
    Suhrkamp Verlag, Oktober 2018
    ISBN-10: 351842792X
    ISBN-13: 978-3518427927
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