Philippa Gregory: Gezeitenland

Philippa Gregory: Gezeitenland

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1648. Die junge Kräuterfrau Alinor Reekie, die mit ihren zwei Kindern Rob und Alys in ärmsten Verhältnissen am Wattenmeer in der Grafschaft Sussex lebt, hat sich am Mittsommerabend auf dem kleinen Friedhof eingefunden. Sie hofft, auf den Geist ihres verschollenen Mannes zu treffen. Hätte sie Gewissheit, dass er tot ist, wäre sie eine Witwe und frei.

Stattdessen trifft sie im unheimlichen Mondlicht auf einen lebenden Menschen. Der junge Mann stellt sich als Pater James vor. Er gibt vor, auf einer geheimen Mission zu sein. Sie gewährt ihm schließlich Unterschlupf im Netzschuppen und hilft ihm am nächsten Tag, einen Kontakt zu knüpfen. Für ihr Schweigen wird sie bezahlt. Als sich die beiden verabschieden, ist eine unerklärliche Wehmut zu spüren.

Als Alinor ihm in der Kapelle erneut begegnet, ist er in die Gemeinde integriert. Niemand im Dorf kennt seine wahre Identität. Alinor und James sollten sich fern voneinander halten und können es doch nicht. Alinor weiß, wie schnell Gerüchte entstehen und wie gefährlich das ist. Als Kräuterkundige und Hebamme hat sie einen Ruf zu verlieren. So mancher glaubt, in ihr eine Hexe zu sehen.

Erzählt wird eine spannende Liebesgeschichte vor einem historischen Hintergrund. Pater James spielt ein falsches Spiel. Niemand darf wissen, in wessen Auftrag er unterwegs ist und dass er dazu berufen ist, den König zu befreien, dem eine Anklage wegen Hochverrats droht. Und so konzentriert sich die Handlung zunächst zum größten Teil auf Alinor, die trotz ihrer Armut eine sehr beeindruckende Persönlichkeit ist. Dass sie Unterstützung haben muss, bleibt jedoch nicht verborgen. Missgunst und Neid schlagen ihr entgegen. Diese Stimmen werden lauter.

Das harte Alltagsleben von Alinor wird sehr ausführlich beschrieben. Es ist ein beschwerlicher Kampf um das tägliche Brot. Doch trotz der widrigen Umstände verliert sie nie die Hoffnung. Sie lebt mit den Gezeiten. Beeindruckend bildgewaltig ist die Natur mit in die Handlung eingebunden.

Der flüssige Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm zu lesen. Sie bedient sich einer ausgefeilten Sprache. Die Geschichte von Alinor und James ist faszinierend und das Ende an Dramatik kaum zu übertreffen.

Rezension von Heike Rau

Philippa Gregory
Gezeitenland
544 Seiten, Klappenbroschur
Knaur, April 2021
ISBN-10: 342622724X
ISBN-13: 978-3426227244
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Helga Schubert: Vom Aufstehen

Helga Schubert: Vom Aufstehen

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Sie ist alt geworden! Und jetzt kommen ihr so viele Erinnerungen an ihre Heimat, ihr Leben in der DDR, Überwachung durch die Stasi und die Wende 1989!

Nun sollte alles anders werden.

In einer wunderbaren Sprache erzählt uns Helga Schubert, wie sehr sie das Land liebt, in dem sie lebt. Vor-und Hinterpommern, später Mecklenburg sind ihre Sehnsuchtsorte aus der frühen Kindheit. Über die Weiten der Felder und das Aufwachen in der Hängematte im Garten ihrer Großmutter in den Sommerferien in Greifswald erzählt sie voller Hingabe. Und wie man im Winter durch die zugefrorenen Furchen des Ackers gehen kann. Imme wieder blitzen die Erinnerungen über die Schönheit des Landes auf.

Schon die ersten Sätze des Buches voller Erinnerungen sind bestrickend und ziehen uns zu dieser Frau hin, die mit so viel Wärme zu erzählen weiß. Die Großmutter ist die Mutter von Helgas Vater, der im Krieg gefallen ist, und auf den die Großmutter so stolz war. Zu ihrer Schwiegertochter, Helgas Mutter, pflegt sie keinen Kontakt.

Helga Schubert fallen so schöne kleine Gedichte ein, die sie als Kind lernte! Das ist rührend mit zu erleben. Die Sommer ihrer Kindheit bei der Großmutter waren glücklich, und „sie fühlte sich geborgen bei einem unsichtbaren Vater“.

Das Leben als Schriftstellerin in dieser DDR war ein Leben, wie sie schreibt, in dem sie sich in verschiedenen Rollen fühlte. Sie war Mitglied der Kirche, sie zitiert kenntnisreich sicher Zitate aus der Bibel und von Brecht, aber auch von längst vergangenen Berühmtheiten wie Heine und Kleist; und sie spricht über den Besuch von der Mayröcker, die spontan sagt „hier könnte ich nicht leben“.

Sie darf abwechselnd als gerühmte Schriftstellerin ausreisen, ein anderes Mal nicht. Es ist ein unsicheres Pflaster, auf dem man sich als SchriftstellerIn bewegt.

Das Buch atmet den Geist der Vergänglichkeit! Der Vater, der so früh im Krieg fiel, und von dem sie nur aus Erzählungen erfährt. Großmütter, die starben, Verwandte, die sie und die Mutter auf der Flucht zurückließen; kann man sich in so einem Leben überhaupt freuen?

Ja, sie hat Erfolg als Schriftstellerin, und sie hat einen langjährigen Gefährten, um den sie sich im Alter sorgt, und den sie versorgt.

Über der ganzen Erzählung liegt ein Schatten von Melancholie. Assoziativ folgt eine Erinnerung der nächsten. Eine kalte und böse Mutter hat es ihr schwergemacht, diese zu akzeptieren. Zu ihr blieb das Verhältnis zeitlebens getrübt. Sie fühlt diese Beziehung als Last und Schuld, mit der sie nicht umzugehen weiß.

In der Kirche sucht sie Trost, findet ihn höchstens in den Versen von Bonhoeffer und Paul Gerhard.

Gegenwart vermischt sich mit Vergangenem, Liebevolles mit Boshaftigkeit.

Man folgt diesen Reflexionen und empfindet mit, wie sie die Jahre mit den Erschwernissen von Vertreibung, Flucht und Neubeginn überlebt und eine anerkannte Schriftstellerin wird. Es ist ein zu Herzen gehendes Vermächtnis, das sicher Leser mit ähnlichen Erinnerungen ansprechen wird. Aber auch andere, die sich auf Erinnerungen über das Altwerden einlassen wollen, werden dieses Buch gerne lesen. Ich empfehle es sehr!

Helga Schubert
Vom Aufstehen
dtv Verlagsgesellschaft, März 2021
224 Seiten, gebunden
ISBN-10: 3423282789
ISBN-13: 978-3423282789
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Susanne Riha: Komm mit zum Wasser! – Tiere und Pflanzen von der Quelle bis zum Meer

Susanne Riha: Komm mit zum Wasser! – Tiere und Pflanzen von der Quelle bis zum Meer

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Am Teich, am See, am Bach, am Fluss und am Meer und gibt es viel zu entdecken. Hier sind viele Tiere und Pflanzen zu finden. Die Autorin hat dieses Themengebiet aufgegriffen und für Kinder anschaulich aufbereitet.

Schauen wir uns das Kapitel „Am Teich“ einmal näher an. Gleich auf der ersten Seite blicken wir vom Ufer aus über das Wasser. Verschiedenen Tiere, darunter Enten und ein Schwanenpaar, sind zu sehen und Pflanzen, die am Ufer und im Teich wachsen. Im Sachtext gegenüber wird erklärt, welche Gewässer als Teich bezeichnet werden und was hier im Jahresverlauf passiert.
Auf den folgenden Seiten geht es ins Detail. Den Pflanzen, den Insekten, den Amphibien und den Fischen ist jeweils eine eigene Seite gewidmet. Wir entdecken das Schilfrohr in der Seichtwasserzone und die Seerose in der Schwimmblattzone. Wir schauen in den Teich hinein und sehen, wie ein Gelbrandkäfer eine Kaulquappe jagt, während ein Wasserläufer über die Wasseroberfläche eilt. Auch die verschiedenen Fische, die in einem Teich leben können, werden benannt. Die Augen wandern gespannt von Bild zu Bild.
Dem Wasserfrosch ist sogar eine Doppelseite mit einer kurzen Geschichte gewidmet. Sehr interessant sind auch die „Hast du gewusst, dass …“-Kästchen.

Kinder ab 5 Jahren werden mit dem Buch eingeladen, die Tier- und Pflanzenwelt verschiedener Gewässer kennenzulernen. Es wird viel an spannendem Wissen vermittelt, das auch wichtig für die Schule ist.

Die Seiten sind gut strukturiert und übersichtlich. Der Platz im großformatigen Buch wird gut genutzt. Die Illustrationen sind sehr detailreich. Alle Sachtexte sind einfach und verständlich gehalten. Besonderheiten werden herausgestrichen. Interessante Begriffe sind fett markiert.
Kind und Vorleser können sich sehr lange mit dem Sachbilderbuch beschäftigen. Es regt dazu an, sich aktiv mit der Natur zu beschäftigen.

Jedes Kind sich freuen, im Buch ein großes Wendeplakat zu entdecken, das den Wasserkreislauf zeigt und erklärt.

Rezension von Heike Rau

Susanne Riha
Komm mit zum Wasser!
Tiere und Pflanzen von der Quelle bis zum Meer
ab 5 Jahren
48 Seiten, gebunden
Annette Betz im Ueberreuter Verlag, März 2021
ISBN-10 : 3219118879
ISBN-13 : 978-3219118872
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Alexandra Kui: Trügerischer Sog

Alexandra Kui: Trügerischer Sog

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Die Begeisterung hält sich in Grenzen, als die Klasse erfährt, was sich ihre Lehrerin Frau Hoppe für sie ausgedacht hat. Es ist eine Klassenreise auf die Nordseeinsel Maroog. Hier werden die Schüler ziemlich abgeschnitten von der Außenwelt und ohne Internet sein. Frau Hoppe hofft, dass das ausufernde Mobbing ein Ende haben wird, wenn die Jugendliche zusammenrücken müssen.

Sara hat in der Klasse das Sagen. Für sie ist die Schule der „Friedhof der Namenlosen“. Sie entscheidet, wer zu ihrem Freundeskreis gehört. Die Namenlosen sind abgeschrieben, so wie Kim. Sarah merkt nicht, dass er sie mag.

Kaum sind die Schüler auf der kleinen Nordseeinsel angekommen, wird ihnen von Frau Hoppe und ihrem Kollegen Magnus Jensen ein Projekt vorgestellt, dem sie sich widmen sollen. Es gibt hier nämlich einen echten„Friedhof der Namenlosen“, der allerdings nach einem Sturm in sehr schlechtem Zustand ist.

Die Probleme sind nicht auf dem Festland geblieben. Doch mit Sara passiert etwas. Bei einer Begegnung mit Pferden kann jeder sehen, dass sie kaum beherrschbare Angst vor den Tieren hat. Das schadet ihrem Ansehen und ihrem Selbstbewusstsein. Ohnehin gehen die Machtkämpfe bald nicht mehr immer zu ihren Gunsten aus. Dennoch setzt sie ihre Tyrannei fort und teilt aus, wann immer sie kann.

Der eher zurückhaltende Kim beobachtet Sara genau. Er glaubt sogar, sie ein Stück weit zu durchschauen. Und er möchte, dass sie sich ändert. Er holt die anderen Namenlosen seiner Klasse mit ins Boot. Sie sind begeistert von seinen Plänen. Doch was dann passiert, war von ihm nicht gewollt.

Die Geschichte wird abwechseln aus der Sicht von Sara und Kim erzählt. Das ist bedeutsam, denn um sich eine Meinung bilden zu können, muss man nun einmal von zwei Seiten auf das Geschehen blicken können. Die Ich-Perspektive lässt einen tiefen Blick auf die Gefühle von Sara und Kim zu, während die anderen Schüler die Lage nur nach dem äußeren Schein bewerten können.

Es geht in diesem spannenden Jugendroman also um Mobbing, die Gründe dafür und die Möglichkeiten, dem etwas entgegenzusetzen. Die Autorin lässt den Leser im Buch hinter die Kulissen blicken. Es wird gezeigt, wie schwierig eine Konfliktlösung sein kann und dass es dafür unerlässlich ist, die Beweggründe für das Mobbing zu erkennen und einzuordnen.

Rezension von Heike Rau

Alexandra Kui
Trügerischer Sog
320 Seiten, broschiert
ab 14 Jahren
cbj, März 2021
ISBN-10: 3570165949
ISBN-13: 978-3570165942
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Lore Gottlieb: Vielleicht solltest du mal mit jemandem darüber reden

Lore Gottlieb: Vielleicht solltest du mal mit jemandem darüber reden

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In diesem Buch kann man lernen, was Therapie für den Menschen bedeuten kann! Es gleicht stellenweise einem Sachbuch über den Verlauf von Therapien.

Lori Gottlieb ist Therapeutin und gerät selber in eine psychische Krise. Sie weiß sich keinen Rat, als eine Freundin ihr zuredet, sich therapeutisch helfen zu lassen. An wen aber kann sich eine Therapeutin wenden?
Nahestehende Kollegen dürfen es der mangelnden Distanz wegen nicht sein.
Lori beschreibt ihre Verzweiflung und ihre Suche nach einem für sie geeigneten Therapeuten.

In den folgenden Kapiteln wechseln Erfahrungen als aktive Therapeutin mit denen, sich selbst als Ratsuchende in einem therapeutischen Prozess zu befinden.

Spannend sind therapeutische Prozesse schon deshalb, weil sie die intimsten Gedanken und Gefühle zwischen Klient und Therapeut beleuchten. In den Falldarstellungen von Lori Gottlieb werden Nöte der Klienten so beschrieben, dass man jeweils mit Spannung deren weiteren Verlauf nachgeht.

Die Autorin beschreibt, wie Therapeuten in einer möglichst neutralen Position bleiben, um sich ganz auf das Gegenüber einzulassen. Projektionen sind Teil eines Geschehens, in dem es um die Aufschlüsselung verborgener Erlebnisse und Erinnerungen geht. Der Therapeut hört zu, nimmt das gesprochene Wort und bemüht sich um die Wahrnehmung unausgesprochener Gefühle, um seine Beobachtungen mit eigenen Worten dem Klienten widerzuspiegeln.

Die Beziehung zwischen Therapeut und Klient spielt eine herausragende Rolle.
Ist man sich sympathisch? Meint man, dass sich ein Gesprächsklima entwickelt, in dem man mit Mitteilungen, Fragen und Einfühlung an die Wurzeln verschütteter Erinnerungen gelangen kann? Diese bieten fast immer den Schlüssel zu dem, was gegenwärtig passiert.

Fachbegriffe wie Übertragung und Gegenübertragung sind ebenso Thema wie die so genannten blinden Flecken, mit denen eigene unbewusste Erfahrungen mit denen der Ratsuchenden kollidieren.

In Kontrollstunden, Supervision genannt, die verantwortungsbewusste Therapeuten fast immer besuchen, gelingt es häufig, die Verknotungen und dunklen Seiten auf dem Weg zur Erkenntnis zu lichten. In der Gruppe können die Einfälle beobachtender Kollegen Wegweiser zu weiterem Vorgehen werden.

Lori Gottlieb hat eine überzeugende Art, mit Originaltexten, Gesprächen und zahlreichen menschlichen Begegnungen den Therapievorgang mit Leben zu füllen.
Dass sie sich selber einschließt, zeigt die menschlichen Seite des Erlebens.

Es ist eine aufschlussreiche Darstellung therapeutischer Prozesse und ihrer Folgen für den Ratsuchenden. Man kann über dieses Buch etwaige Ängste vor Therapien überwinden und den möglichen Bedarf einer eigenen Therapie zuversichtlich entgegensehen.

Lori Gottlieb
Vielleicht solltest du mal mit jemandem darüber reden
hanserblau, 6. Edition, 27. April 2020
496 Seiten, gebunden
ISBN-10: 3446266046
ISBN-13: 978-3446266049
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Bodo Schäfer: Ich kann das. – Eine Geschichte über die drei Worte, die unser Leben verändern

Bodo Schäfer: Ich kann das. – Eine Geschichte über die drei Worte, die unser Leben verändern

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Mit dem Selbstbewusstsein ist das so eine Sache. Im entscheidenden Moment versagt es und so mancher fühlt sich klein und unbedeutend. Andere haben wiederum ein Auftreten, das scheinbar von unerschütterlichem Selbstvertrauen geprägt ist. Aber wie geht das? Bodo Schäfer vertritt die Meinung, dass Selbstbewusstsein trainierbar ist. Das zeigt er am Beispiel von Karl. Der junge Mann verursacht aus Unaufmerksamkeit einen Auffahrunfall und lernt so Marc kennen. Der lässt sich von dem Vorfall nicht aus der Ruhe bringen, was Karl, den der Unfall ganz schön mitgenommen hat, zutiefst verwundert. Er ist nun mal nicht selbstbewusst. Marc dagegen schon. Ihm gehört die „Akademie für Selbstbewusstsein“ und er will Karl helfen.

Der Autor zeigt mithilfe einer Geschichte, wie Karls Leben weitergeht. In den Text sind viele Fragen eingestreut, die zum Nachdenken anregen. Sprüche lenken die unweigerlich aufkommenden Gedanken in die richtige Richtung. Karl erfährt von Schlüsselsätzen, die ihm helfen sollen, sich weiterzuentwickeln. Es ist nicht einfach nur Glück, das ihn nun voranbringt, sondern sein gestärktes Selbstbewusstsein. Karl lernt die Liebe seines Lebens kennen und auch beruflich stellt sich Erfolg ein. Das mag etwas konstruiert wirken, erhöht aber das Verständnis.

Anfangs empfand ich den Schreibstil etwas zu aufdringlich und unnachgiebig. Dennoch inspiriert Bodo Schäfer mit seinem Buch. Das Lesen führt zu interessanten Einsichten. Verständnisprobleme gibt es keine. Die Geschichte ist einfach gehalten, sodass der darin verpackte Ratgeber gut nachzuvollziehen ist. Sicher sind die Erkenntnisse im Buch nicht neu. Doch meist gehen die Weisheiten, die man irgendwann einmal gehört hat, wieder verloren. Der Autor vermeidet das, indem er ein Ritual etabliert. Jeden Tag macht sich Karl bewusst, dass das Selbstbewusstsein trainiert werden muss und spricht sich gut zu. Das Leben ist nicht frei von schwierigen Situationen, die Ängste auslösen können. Doch wer ein starkes Selbstvertrauen hat und das Wissen, jede Situation meistern zu können, wird damit zurechtkommen.

Rezension von Heike Rau

Bodo Schäfer
Ich kann das. – Eine Geschichte über die drei Worte, die unser Leben verändern
256 Seiten, gebunden
dtv Verlagsgesellschaft, März 2021
ISBN-10:3423262931
ISBN-13:978-3423262934
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Hans Platzgumer: Bogners Abgang

Hans Platzgumer: Bogners Abgang

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Nicola Pammer, die in Innsbruck studiert, ist auf dem Weg nach Hause. Eigentlich sollte sie heute Abend nicht mehr nach Bregenz fahren. Sie ist nach einer Geburtstagsparty nicht mehr nüchtern. Und so passiert der Unfall. Sie verliert die Nerven und fährt einfach weiter. Da ein Schaden am Auto entstanden ist, sie hat es von ihrer Mutter geliehen, kann sie den Vorfall nicht verschweigen. Sie findet aber einen Weg, die Sache nicht ganz so dramatisch aussehen zu lassen. Ihre Mutter leitet Schritte ein und lässt das Auto von der Bildfläche verschwinden. Aus den Augen, aus dem Sinn. Doch Nicola kann die Schuld nicht abstreifen.

Damit ist sie nicht allein. Denn der Künstler Andreas Bogner fühlt sich ebenfalls schuldig am Unfall des Kunstkritikers Kurt Niederer. Aus Hass, weil dieser seine Kunst verkannt und ihn zum wiederholten Male öffentlich vorgeführt hat, war er mit einer Schusswaffe hinter ihm her gewesen, die nur geborgt und eigentlich sein neustes Studienobjekt ist. Bogner glaubt, den Unfall verursacht zu haben, denn schließlich hat er Niederer gehörig erschreckt, sodass dieser auf die Straße sprang. Oder ist dieser selbst schuld? Er hat Bogner doch erst so weit gebracht.

Die Ursache für den Autounfall scheint klar zu sein. Doch die Umstände werden im Buch erst nach und nach offengelegt. So verschiebt sich das Bild und die Schuldfrage lässt sich nicht eindeutig klären. Sicher ist, es gibt drei Beteiligte. Jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte. Bogner und Niederer begegneten sich nicht zum ersten Mal. Nicola kommt ihnen dazwischen. Sie weiß jedoch nicht, was sich auf der Straße abgespielt hat. So sucht sie die Schuld ganz allein bei sich. Das weckt Mitgefühl. Bogner mit seinen fragwürdigen Kunstexperimenten erscheint dagegen als recht fragwürdige Gestalt, wobei er hier wahrscheinlich durch Niederer inspiriert ist. Und Niederer macht sich durch seine völlig unsensible Art unbeliebt. Was hat dieser Mann eigentlich für ein Problem?

Ob einer sympathisch ist oder nicht, sagt jedoch nichts über seine Schuld oder Unschuld aus, auch wenn man vielleicht dazu neigen mag, eher der unsympathischen Person die Schuld in die Schuhe zu schieben. Man könnte, was geschehen ist, auf die Umstände schieben. Doch die lassen sich nicht vor Gericht zerren oder im Gefängnis einsperren. Sie können im Höchstfall die Schuld mindern oder erhöhen. Es ist schon interessant zu sehen, zu welchen Gedankengängen das Buch führt. Es ist eine sehr anregende Lektüre. Da es hier nicht um das wahre Leben geht, darf man der Fantasie freien Lauf lassen. Und während man das tut, kommt noch ein anderer Aspekt ins Spiel. Gewissensbisse machen Nicola Pammer und Andreas Bogner zu schaffen. Jeder der beiden geht auf seine Weise damit um.

Rezension von Heike Rau

Hans Platzgumer
Bogners Abgang
144 Seiten, gebunden
Paul Zsolnay Verlag, März 2021
ISBN-10 : 3552072047
ISBN-13 : 978-3552072046
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Micaela Jary: Das Kino am Jungfernstieg – Der Filmpalast

Micaela Jary: Das Kino am Jungfernstieg – Der Filmpalast

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Lili hat noch immer mit den Folgen ihres Unfalls zu kämpfen. Auch ihr Erinnerungsvermögen ist noch nicht vollständig zurückgekehrt. Sie lebt mit ihrem Mann Albert, der aus dem Krieg heimgekehrt ist, notgedrungen bei der Familie ihrer Halbschwester Hilde. Diese lässt Lili jeden Tag spüren, wie unwillkommen sie ist. Das lässt sich aber, da Wohnungsnot herrscht, momentan nicht ändern. Die Ehe bietet Lili keinen Trost, denn sie und Albert haben nie wirklich zusammengefunden. Es mag auch daran liegen, dass Lili den britischen Filmjournalisten John Fontaine nicht vergessen kann, mit dem sie vor dem Unfall eine Liebesbeziehung hatte.

Lilis Träume sind zerplatzt. Aus ihrem geliebten Kino am Jungfernstieg ist ein Musikclub geworden. Sie weiß, dass Hilde und deren Mann Peter dafür verantwortlich sind. Dass sie weiter ausgenutzt wird, entgeht Lili aber. Sie hat keine Energie, sich um das Erbe der Eltern zu kümmern. Als Frau hätte sie ohnehin kein Mitspracherecht, und so vertraut sie darauf, dass Albert die richtigen Entscheidungen trifft. Auch beruflich schöpft sie ihr Potenzial nicht aus. Sie schneidet keine Filme mehr, sondern die Nachrichten für die Wochenschau.

Das Blatt wendet sich, als Lili John wiedersieht, von dem sie annimmt, dass er mittlerweile mit seiner damaligen Verlobten Catherine Lancaster verheiratet ist. Er ist ebenfalls vom Unfall gezeichnet, hat aber von seiner charismatischen Wirkung nichts verloren. Lili gerät in ein Gefühlschaos und plötzlich ist die Vergangenheit wieder da.
Nach und nach erinnert sie sich wieder an den schweren Unfall und auch an das von ihrer verstorbenen Mutter gehütete Familiengeheimnis.

Micaela Jary unterhält mit ihrem historischen Roman sehr gut. Sie führt den Leser in das im Wiederaufbau befindliche Hamburg der 1950er Jahre, beleuchtet den Alltag und webt die gesellschaftlichen und politischen Hintergründe dieser Zeit anschaulich mit in die Geschichte ein. Dabei setzt sie auf viele Details. Es ergibt sich gut vorstellbares Bild des Alltagslebens und der Filmszene. Alles wirkt so lebendig, das man meinen könnte, man würde im Kino sitzen. Das Cover des Buches spiegelt diesen Eindruck gut wider.

Lili wird zunächst als recht naiv beschrieben. Sie hat etwas von ihrer Entschlossenheit und Stärke verloren und keine Zukunftspläne. Doch sie gewinnt ihre Tatkraft zurück, als sie wieder beginnt, der Spur des Familiengeheimnisses zu folgen, dessen Aufklärung weitreichende Folgen haben dürfte. Endlich setzt sie sich auch mit ihren widerstrebenden Gefühlen auseinander. Es spielen sich dramatische Szenen ab. Die Spannung steigt. Unerwartete Wendungen spielen hier mit hinein. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen. Es ist eine wirklich gute Fortsetzung des 1. Bandes der Kino-Saga.

Rezension von Heike Rau

Micaela Jary
Das Kino am Jungfernstieg – Der Filmpalast
400 Seiten, Klappenbroschur
Goldmann Verlag, Februar 2021
ISBN-10: 3442488478
ISBN-13: 978-3442488476
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Marlies Ferber: Wohin die Reise geht

Marlies Ferber: Wohin die Reise geht

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Jakob, einst Kaffeefabrikant, kann die Bitte seines Sohnes nicht abschlagen. Er sagt zu, die eine Million Schwarzgeld bei einer Schweizer Bank einzuzahlen, um die finanzielle Sicherheit der Familie und vor allem seiner Enkelkinder zu gewährleisten. Die Unternehmung soll als Kurzurlaub getarnt werden. Als sein Chorfreund Matthias mit auf Reisen gehen möchte und dafür seinen Wohnwagen anbietet, kann er wieder nicht Nein sagen. Das Geld erwähnt er allerdings nicht. Matthias ist schließlich Polizist und hätte sicher kein Verständnis. Sein Hund Eddie, der früher Polizeihund war, aber nun an einem Knalltrauma leidet, kommt ebenfalls mit.

Bei einer Pause auf einer Raststätte lernt Jakob Tilda kennen. Sie wirkt verwirrt und weiß nicht, wie sie hier her gekommen ist. Sie erinnert ihn an seine verstorbene Frau, die ebenfalls dement gewesen ist. Zum Glück kennt Tilda ihre Adresse. Doch auch die junge Alex weckt sein Mitgefühl. Sie schildert ihre ausweglose Situation sehr glaubhaft. Er könnte ihr Großvater sein und deshalb möchte er ihr helfen, den Reisebus, der ohne sie abgefahren ist, noch zu erwischen. Matthias ist skeptisch. Also Polizist lässt er sich nicht so einfach von Geschichten beeindrucken. Doch nun sitzen die beiden Frauen mit im Auto. Und kurze Zeit später ist das Geld weg.

Marlies Ferber bringt in diesem Buch vier Menschen zusammen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Jakob hat sich von seinem Sohn zu einer Straftat überreden lassen und Matthias verschweigt gesundheitliche Probleme. Tilda, die einst Opernsängerin war, ist zu gutgläubig, und Alex ist, was sie nie zugeben würde, auf die schiefe Bahn geraten und auf der Flucht.

Anfangs ist die Reise einfach nur witzig und unterhaltsam. Doch die Probleme lassen sich nicht ewig überspielen. Und so gibt es irgendwann einen Wendepunkt in der Geschichte und es wird ein richtig spannender Krimi draus. Es geht um Mord, um Betrug, um Lügen und um falsch verstandenes Pflichtgefühl. Es gibt vieles, das aufgearbeitet werden muss. Aber so einfach ist das eben nicht. Menschen machen Fehler, handeln kopflos. Die Lage spitzt sich zu und wird richtig beängstigend.

Die Autorin versucht mit ihrem Buch zu zeigen, dass Mitgefühl und Verständnis Probleme lösen kann, so ausweglos die Situation auch scheinen mag. Es ist eine schöne Vorstellung.

Rezension von Heike Rau

Marlies Ferber
Wohin die Reise geht
dtv Verlagsgesellschaft, Februar 2021
288 Seiten, Klappenbroschur
ISBN-10 : 3423262672
ISBN-13 : 978-3423262675
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Krischan Koch: Der weiße Heilbutt

Krischan Koch: Der weiße Heilbutt

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Es ist Urlaubszeit. Der Strand auf Amrum quillt förmlich über bei strahlendem Sonnenschein. Alles ist ausgebucht. Viele Urlauber sind aus Fredenbüll gekommen, aber auch Tagestouristen sind da. Antje von der „Hidde Kist“ passt gemeinsam mit ihrem Stammgast Piet Paulsen auf den Sohn von Hauptkommissarin Nicole Stappenbek auf, der mit seinen Freunden spielt. Kaum jemand merkt, dass sich ein riesiger Fisch dem Strand nähert. Die beiden Bademeister staunen, wollen aber nicht vorschnell Alarm schlagen. Und so buddelt Finn munter weiter an seiner Rinne, bis ein menschlicher Fuß mit wunderschön lackierten Nägeln dort hineingespült wird. Schnell wird ein Zusammenhang zu dem Raubfisch hergestellt, den nun doch auch einige Urlauber entdeckt haben. Aber vielleicht ist es auch ganz anders. Das müssen der Fredenbüller Polizeihauptmeister Thies Detlefsen und die Husumer Hauptkommissarin Nicole Stappenbek ermitteln.

Krischan Koch schreibt in gewohnt munterer und amüsanter Weise, so wie man das von den bereits erschienenen Bänden kennt.

In welche Richtung der Kriminalfall gehen wird, ist zunächst offen. Es ist viel los auf der Insel. Und wem der Fuß gehört, ist nicht zu sagen. Die zugehörige Person bleibt verschwunden. Keiner weiß etwas und keiner hat etwas gesehen.

Doch der Leser darf ein bisschen hinter die Kulissen schauen und ist damit den Ermittlern etwas voraus. Es bleibt zunächst beim Rätselraten, was jedoch sehr unterhaltsam ist. Welche Pläne verfolgen die Umweltaktivisten. Und was läuft da eigentlich in diesem seltsamen Sternerestaurant? Was hat die Touristikchefin mit dem Kinderheim vor, das sie einer extra angereisten Immobilienmaklerin und einem übermotiviertem Bauunternehmer zeigt?

Viele sehr witzige Szenen spielen sich ab, denn einige Urlauber, darunter auch alte Bekannte und die Töchter von Thies, beteiligen sich an den Ermittlungen und mischen sich ungefragt ein. Dennoch ist es für Thies und Nicole nicht leicht, die zunächst zusammenhanglos wirkenden Hinweise zusammenzufügen. Bei dieser extremen sommerlichen Hitze ist es aber auch besonders anstrengend, zu arbeiten.
Doch die Informationen liefern letztlich hilfreiche Denkanstöße und die Motivation steigt. Bis zum Ende bleibt es spannend, denn immer wieder geschieht Unvorhergesehenes.

Rezension von Heike Rau

Krischan Koch
Der weiße Heilbutt
(Thies Detlefsen & Nicole Stappenbek, Band 9)
Ein Insel-Krimi
320 Seiten, broschiert
dtv Verlagsgesellschaft, Februar 2021
ISBN-10 : 3423219394
ISBN-13 : 978-3423219396
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