Kerstin Hensel: Regenbeins Farben

Kerstin Hensel: Regenbeins Farben

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Kerstin Hensel beschreibt in ihrer Novelle das Leben von drei Witwen und einem Witwer, die auf ungewöhnliche Weise zusammentreffen. Sie befinden sich auf einem Friedhof, wo die Gräber der verstorbenen Partner nahe beieinanderliegen. An- und abfliegende Flugzeuge bieten die gleichmäßige Begleitmusik zu dieser Friedhofsidylle.

Die Personen und ihre Geschicke reihen sich als Einzelschicksale aneinander, die dann aber kunstvoll miteinander in Verbindung gebracht werden.

Der Friedhof und der Tod vereinigen drei Frauen unterschiedlichen Alters und der Lebensart. Der scheue Galerist liefert die Essenz, mit der die Geschichte eine gewisse Brisanz gewinnt.
Irgendwie scheinen sich die Wege der vier schon zu Lebzeiten der Verstorbenen gekreuzt zu haben.
Sie werden jeder/jede in ihrer Art als schrullig und skurril beschrieben.

Karline Regenbein ist Malerin. Sie war bescheiden und lebte im Abseits, bis der verstorbene Fotograf Rüdiger Habich ihren Weg kreuzte und sich an ihr Leben dranhängte. Auch er ein merkwürdiger und ungewöhnlicher Mensch mit einer starken Neigung zur Selbstüberschätzung.

Eduard Wettengel, ein etwas kauziger Galerist, hat die Malerin entdeckt, und stellt seine Gallerie für Ausstellungen der Künstlerin zur Verfügung.

Ziva Schlott, emeritierte Kunstprofessorin, besucht auf dem Friedhof ihren verstorbenen Mann, und Lore Müller-Kilian ist die Frau des verstorbenen Kunstmäzens Kilian. Auch er liegt hier begraben.

Karin Hensel konstruiert aus diesen Figuren eine der Kunst zugewandte Gesellschaft.
Ihre Erzählung lässt die drei Witwen unterschiedlichen Alters recht zufällig aneinandergeraten. Sie sind auf den Galeristen fixiert, der alle drei hofiert.

Die Geschichte ist etwas bizarr und gelegentlich mit einer gewissen Komik ausgestattet, weil die Figuren so unterschiedliche und leicht extravagante Züge tragen.

Angesiedelt ist das Geschehen in der ehemaligen DDR. Es fehlt nicht an Hinweisen darauf.

Prof. Schlott ist Jüdin, was sich bei Gelegenheit einer Grabschändung herausstellt. Hier wurde mir die Geschichte ein wenig zu voll gepackt mit beziehungsreichen Geschichtsereignissen.

Kerstin Hensel schreibt amüsiert und erheiternd. Ihre Figuren sind jede in ihrer Art besonders, und die Autorin macht sich fast ein wenig lustig über sie. Auf jeden Fall sind der Tod und das Leben hier auf eindrucksvolle Weise vereint!

Kerstin Hensel
Regenbeins Farben
256 Seiten, gebunden
Luchterhand Literaturverlag, März 2020
ISBN-10: 3630876013
ISBN-13: 978-3630876016
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Jane Healey: Die stummen Wächter von Lockwood Manor

Jane Healey: Die stummen Wächter von Lockwood Manor

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1939 muss das Londoner Natural History Museums eine Sammlung von Tierpräparaten vor dem nahenden Krieg in Sicherheit bringen. Lockwood Manor scheint ein idealer Ort zu sein, auch wenn das Herrenhaus in keinem guten Zustand ist. Hetty Cartwright überwacht die Evakuierung und bleibt vor Ort, um sich um die Sammlung zu kümmern. Doch nach kurzer Zeit verschwindet das erste Exponat. Der ausgestopfte Panther ist nicht aufzufinden. Mit dem tyrannischen Hausherrn ist nicht zu reden. Es kommt zu weiteren nächtlichen Vorfällen, die Hetty glauben lassen, dass es in dem Anwesen spukt. Halt findet sie bei Lucy, Lord Lockwoods Tochter. Lucy zieht Hetty mit ihrem Charme in den Bann. Doch leidet die junge Frau an schweren Albträumen. Hetty glaubt bald, dass Lucys Verfolgungswahn nicht aus der Luft gegriffen ist. Das düstere Herrenhaus birgt Geheimnisse.

Der historische Roman startet geheimnisvoll. Lockwood Manor ist kein Ort, an dem man sich wohlfühlen kann. Die düstere Beschreibung des Anwesens, mit seinen dunklen langen Fluren und den vielen unbewohnten Zimmern, schafft eine Atmosphäre, die unheilvoll erscheint. Zu den Bewohnern, das sind vor allem Lord Lockwood, seine Tochter und unzählige Dienstboten, bekommt man kaum Zugang. Es lässt sich nicht nachvollziehen, was hier läuft. So fällt die Konzentration auf Hetty Cartwright, die ihre geliebten Tiere hegt und pflegt, aber kaum vor Schädlingen und anderen Unbilden bewahren kann. Die Nachtwächter können nicht verhindern, dass Präparate verschwinden.

Anfangs wird die Geschichte von einer guten Spannung getragen. Infolge muss man sich allerdings durch einige Längen hindurch kämpfen. Es gibt zwei Erzählstränge, hier laufen Gegenwart und Vergangenheit zusammen. Es wird schnell klar, dass Lucy eine traumatische Kindheit hatte. Was die Autorin zur Auflösung der Geschehnisse anbietet, ist aber doch etwas enttäuschend und teils auch nicht schlüssig, weil die Aufarbeitung fehlt. Ab einem bestimmten Punkt erfährt das Buch also eine Wendung, die den Lesefluss stocken lässt und aus der eigentlich erwarteten Gespenstergeschichte wird eine undurchsichtige Familientragödie.

Rezension von Heike Rau

Jane Healey
Die stummen Wächter von Lockwood Manor
Aus dem Englischen von Susanne Keller
448 Seiten, Klappenbroschur
hanserblau, März 2020
ISBN-10: 3446266003
ISBN-13: 978-3446266001
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Graham Swift: Da sind wir

Graham Swift: Da sind wir

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In diesem schmalen Roman geht es um drei Varietékünstler, die 1959, geprägt von den Kindheitserinnerungen im Zweiten Weltkrieg, in Brighton/ England zusammenfinden.

Jack ist Tanzkünstler und Initiator des Events. Ronnie ist Zauberer und Magier, und Evie ist seine Assistentin. Sie pflegen einen Sommer lang mit zunehmendem Erfolg Ihre Auftritte in Brighton.
Während Ronnie sich mit Evie verlobt, kann schließlich doch der charmante Frauenheld und Charmeur Jack ihre Liebe gewinnen. Im Alter von 79 Jahren erzählt sie aus der Rückansicht die Geschichte ihres Lebens, in dem Ronnie und Jack ihren festen Platz hatten.

Wie haben sie zusammengefunden?

Das erfahren wir, wenn wir uns näher mit ihrer Herkunftsgeschichte befassen. Am interessantesten und eindrucksvollsten sind die Erfahrungen von Ronnie. Er kam aus ärmlichsten Verhältnisse in London. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 musste sich seine verhärmte und unglückliche Mutter von Ronnie trennen, und ihn zu hilfsbereiten Menschen nach Oxfordshire ziehen lassen. Mit Kindertransporten wurden während des Krieges die Kinder in weniger gefährdete entfernte Orte verschickt. Einigen Kindern ging es schlecht, andere trafen es blendend. Ronnie kam zu äußerst liebenswerten Menschen, die ihn wie einen Sohn aufnahmen. Er hatte es sehr gut dort und bekam für sein Leben viel mit. U.a. erlernte er die Zauberkunst von Eric, dem “Ersatzvater“. Zum Ende des Krieges musste er zurück zu einer Mutter, die ihm als unglückliche, alte Frau begegnete.
Bald schon traf er Jack und heuerte Evie an, um sich mit seinen Zauberkünsten als Varietékünstler zu verdingen.

Was macht die Geschichte so reizvoll?

Es sind die vielen Details im Kleinen: die Trennung von seiner Mutter, die er zuerst noch schmerzvoll erlebt, um dann umso glücklicher bei den Ersatzeltern so sein. Dieses Glück beim Einzug in ein komfortables Haus, die duftenden Gardinen, die liebevolle Behandlung und das Zwitschern der Vögel im Morgengrauen sind atmosphärisch so eindringlich, dass man sich ganz zu dieser Idylle hingezogen fühlt. Ein staunender kleiner Junge erfährt das Glück!

Die Zauberei und die Magie in den Vorstellungen der drei geraten zu Glanzstücken der Beschreibung. Fiktion und Wirklichkeit liegen nahe beieinander. Der Reiz der Magie liegt darin, dass uns das Geheimnisvolle in der Zauberei erheitert, nachdenklich macht und uns eine schöne, entrückte Welt vorgaukelt, die voller Wunder steckt.

Neben dem Showbusiness sind die persönlichen Beziehungen der drei von ernsthafter und zu Herzen gehender Tiefe. Der Wechsel zwischen Magie und dem wirklichen Leben ist äußerst feinfühlig und anrührend beschrieben. Die poetischen Schilderungen lehren uns, dass Magie zuweilen scheinbar wie die Wirklichkeit daherkommt.

Graham Swift ist ein wunderbarer Erzähler. Er kann Geschichten erzählen, die wie im Märchen den Leser berühren und in Bann ziehen.

Man lese dieses Büchlein und genieße die Fiktion und erfreue sich zugleich am Leben!

Grajam Swift
Da sind wir
160 Seiten, gebunden
dtv Verlagsgesellschaft, März 2020
ISBN-10: 3423282207
ISBN-13: 978-3423282208
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Dr. Markus Strauß: Die Wildpflanzen-Apotheke – Essbare Pflanzen, die nähren und heilen

Dr. Markus Strauß: Die Wildpflanzen-Apotheke – Essbare Pflanzen, die nähren und heilen

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Essbare Wildpflanzen genießen immer noch zu wenig Aufmerksamkeit. Dabei wachsen sie kostenlos. Es scheint also schwierig zu sein, dafür zu begeistern. Wildpflanzen- und Baumexperte Dr. Markus Strauß geht deshalb ein wenig anders an das Thema heran. Natürlich beschreibt auch er im Buch, wie man essbare Pflanzen, identifizieren kann und wie man erntet. Auch erfährt man, welche interessanten Vitalstoffe jede Pflanze enthält und wie sie als Heilmittel wirkt. Davon abgesehen beschreibt der Autor zudem, wie man Wildkräuter in den eigenen Garten oder wenn geeignet, in einen Blumentopf bringt. Wer also nicht am Wegesrand suchen möchte, weil hier zu viele Hunde Gassi gehen, holt sich das Unkraut einfach nach Hause in den Garten, auf den Balkon oder die Terrasse. Hier wird es zum Küchenkraut oder zum Heilkraut.

Im Buch sind die wichtigsten Wildpflanzen zu finden, darunter Löwenzahn, Echte Kamille, Wilde Malve, Mädesüß, Eberesche und Schwarzer Holunder. Interessant fand ich die Ausführungen zur Bachbunge und Sumpf-Kohldistel. Ich habe mir vorgenommen, nach diesen beiden Pflanzen, die ich bisher nicht kannte, Ausschau zu halten.

Unterteilt ist das Buch in die verschiedenen Sammelstellen. Man erfährt, was am Bach wächst, auf der Wiese usw. Wer sich zum ersten Mal mit Wildpflanzen beschäftigt, sollte sich „Das wilde Triumvirat“ ansehen. Hier geht es um Wildpflanzen, die häufig vorkommen und leicht zu erkennen sind. Es ist recht einfach, damit einen Anfang zu machen. Es gibt zahlreiche heilsame oder genussvolle Rezepte zu diesen Pflanzen. Wobei hier immer beides zusammenkommt. Denn jedes Kraut hat seine Wirkung. Der Autor spart nicht mit Informationen, Erklärungen und Tipps, sodass man eine Menge lernt.

Insgesamt gibt es 28 Pflanzenporträts mit über 60 Rezepten von Weißdorn-Herzkeksen über Gänseblümchensalat bis hin zu Schafgarbentee. Das Buch ist ansprechend mit vielen kleinen und großen Pflanzenfotos und Rezeptfotos illustriert. Dazu kommt ein Erntekalender in den Buchklappen.

Rezension von Heike Rau

Dr. Markus Strauß
Die Wildpflanzen-Apotheke – Essbare Pflanzen, die nähren und heilen
208 Seiten, Klappenbroschur
Knaur MensSana, März 2020
ISBN-10:3426658607
ISBN-13:978-3426658604
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Joanna Schaffenhausen: Wie viel willst du töten

Joanna Schaffenhausen: Wie viel willst du töten

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Ellery Hathaway versucht die Vergangenheit hinter sich lassen, auch wenn sie die schreckliche Zeit, in der sie als 14-Jährige in der Hand des Serienmörders Francis Michael Coben war, nie vergessen wird. Sie ist unter anderem Namen Polizistin geworden und lebt in Woodbury/Massachusetts.

Obwohl hier niemand etwas über sie weiß, hat sie schon zweimal eine Geburtstagskarte zugeschickt bekommen. Die Botschaft, die damit verbunden sein könnte, erschließt sich ihr nicht. Und doch ist es auch die Zeit, in der jedes Mal ein Mensch verschwindet. Zwei Vermisste gibt es bereits. Auch dieses Jahr wird wieder eine Person verschwinden, da ist Ellery sich sicher. Bei ihrem Chef findet sie kein Gehör. Er glaubt nicht, dass die zwei Vermisstenfälle zusammenhängen. Es gibt keine Leichen, also werden die beiden aus freien Stücken abgehauen sein.

Ellery wendet sich an Reed Markham. Er arbeitet beim FBI. Und er hat ein ganz besonderes Interesse an Ellery, war er es doch, der sie damals gerettet hat. Er kommt sofort. Doch er kann Ellerys Angst nicht nachvollziehen. Er glaubt, sie hat das Trauma noch nicht aufgearbeitet und bewertet die Lage vielleicht über. Wie können die Vermisstenfälle mit dem Serienmörder Francis Michael Coben zusammenhängen? Er sitzt schließlich im Knast. Von einem Nachahmungstäter auszugehen, hält er für überzogen. Doch auch seinem Urteil kann man nicht unbedingt trauen. Er ist stressbedingt arbeitsunfähig und ermittelt ohne Auftrag. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt allerdings nicht. Plötzlich werden beide von den Geschehnissen überrollt.

Das Buch ist so spannend, wie man es von einem Thriller erwarten darf. Dazu kommt, dass es ausgesprochen gut geschrieben ist. Es sind die psychologischen Feinheiten, die überzeugen. Man bekommt das Gefühl vermittelt, sich langsam vorzutasten. Doch wird man überrascht von der Art, wie der Krimi aufgebaut ist. Immer wieder schießt die Spannungskurve nach oben. Es gibt neue Details, die zu Wendungen führen, die mal zielführend sind und mal nicht. Dass manche Erkenntnis sich als Sackgasse entpuppt, strapaziert die Nerven.

Den zwei Ermittlern steht man mit Skepsis gegenüber. Sie verhalten sich nicht immer angemessen und setzen lieber auf ihre Intuition. Sie haben sich mit vielen Problemen herumzuschlagen und stehen unter Zeitdruck. Es wird sich zeigen, ob Ellery Verdacht sich erhärtet und Reed ihr folgen kann. Das Ende ist auf jeden Fall überraschend.

Rezension von Heike Rau

Joanna Schaffenhausen
Wie viel willst du töten
Deutsch von Irene Eisenhut
336 Seiten, broschiert
dtv Verlagsgesellschaft, März 2020
ISBN-10: 3423219203
ISBN-13: 978-3423219204
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Adaeze Wolf: Natürlich gut – Entspannt essen, gesund und glücklich leben

Adaeze Wolf: Natürlich gut – Entspannt essen, gesund und glücklich leben

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Wie wir uns fühlen, ist von vielen Faktoren abhängig. Deshalb hat die Autorin ein ganzheitliches Konzept entwickelt, das neben der Ernährung auch Bewegung und Achtsamkeit mit einschließt. Sie nennt ihr Lebenskonzept „Das Naturally-Good-Prinzip“ und erklärt es umfassend im Buch. Um es umsetzen zu können, muss man sich ausführlich damit befassen, wobei gesundheitsbewussten Menschen viele Empfehlungen sicher nicht neu sind. Wer irgendwo stecken geblieben ist, weil die Motivation nachgelassen hat, kann mit dem Buch noch einmal durchstarten und sein Leben überdenken. Die Autorin versteht es, für ihr Konzept zu begeistern!

Es geht im Buch nicht darum, sein Leben mit einer Diät umzukrempeln. Vielmehr ist es der Autorin ein Anliegen, dass ihre Leser zu einem natürlichen und entspannten Essverhalten finden und lernen, gute Lebensmittel wertzuschätzen, denn Nahrung kann Heilmittel sein und die Gesundheit fördern.
Ebenso wichtig für das Wohlbefinden ist es, in Bewegung zu kommen. Auch hier geht es nicht, um ein großes Sportprogramm, sondern um mehr Aktivität im Alltag. Es mag am Anfang Überwindung kosten, aber die Autorin weiß, wie man es schaffen kann, seine Komfortzone zu verlassen und eine Routine zu entwickeln.
Zu einem gesunden Lebensstil gehört es außerdem, auf die Signale des Körpers wahrzunehmen. Achtsamkeit hat einen großen Einfluss auf die Gesundheit. Sich glücklich zu fühlen ist, so die Autorin, ist eine bewusste Entscheidung.

Das Buch beinhaltet über 100 Rezepte, die frei von Haushaltszucker und meist auch gluten- und laktosefrei sind. Die Rezepte sind sehr abwechslungsreich und voller bioaktiver Nährstoffe. Es ist nicht schwer, nach diesen Rezepten leckere Speisen zuzubereiten oder zu kochen. Die Zubereitungsanleitungen sind übersichtlich und gut nachvollziehbar. Es gibt Informationen zu den Zutaten und dem Gesundheitswert der Mahlzeit.

Es ist nicht damit getan, das Buch zu lesen. Das Konzept muss überdacht und auf das eigene Leben übertragen werden. Aber es ist ein schlüssiges Konzept, das überzeugt! Es geht nicht um starre Regeln, sondern darum, einen eigenen Weg zu finden. Und das ist gut!

Rezension von Heike Rau

Adaeze Wolf
Natürlich gut – Entspannt essen, gesund und glücklich leben
232 Seiten, gebunden
Thorbecke, Februar 2020
ISBN-10: 3799514430
ISBN-13: 978-3799514439
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Elisabeth Strout: Die langen Abende

Elisabeth Strout: Die langen Abende

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Wie in zahlreichen vorangegangenen Romanen der Autorin Elisabeth Strout befinden wir uns wieder in Crosby, einer kleinen Stadt in Maine. Und wieder sind es die alltäglichen Ereignisse und die Kleinigkeiten des Zusammenlebens, die uns so anschaulich vor Augen führen, wie das Leben verläuft.

Olive Kitteridge ist eine pensionierte Lehrerin. Wir kennen sie schon aus dem Roman „Mit Blick aufs Meer“. Sie ist barsch mit sich und mit anderen, in der Regel kurz angebunden und weiß zu allem etwas zu sagen. Jack Kennison, ehemaliger Harvardprofessor, umwirbt sie, denn beide sind verwitwet und fühlen sich einsam. Die Kinder sind weit weg, und der Kontakt zu ihnen ist rar.
Sie sind die Hauptpersonen, um die sich nun das ganze Kleinstadtleben entfaltet. Zahlreiche weitere Protagonisten wie Kayley, die sich mit Putzen ein wenig dazu verdient, bevölkern die Erzählung. Nach dem frühen Tod des Vaters lebt sie mit ihrer strengen und freudlosen Mutter in einer kleinen Wohnung.

Elisabeth Strout fühlt sich tief in die Seelen ihrer Protagonisten ein. Sie kennt die Nöte, die Scham, und die Vergeblichkeit, mit denen ein jeder in seinem Leben zu kämpfen hat. Wie sie ihre Geschichte aufrollt, von einer Person zur anderen wandert, die Verbindungen knüpft und damit den Zustand einer ganzen Stadt atmosphärisch beschreibt, ist die ganz große Kunst der Autorin.

Insgesamt scheint hier ein Schleier der Vergänglichkeit über allem zu liegen. Die Kleinstadt, der Klatsch und Tratsch und das Einerlei der täglich sich abspielenden Tagesabläufe bringt wenig Hoffnung und gute Laune in das Geschehen. Kitteridge und Kennison sind um die 70, und folglich werden wir auch mit den letzten Jahren des Lebens, dem Seniorenheim und zuletzt dem Tod konfrontiert. Die Charaktere wandeln sich. Unter der rauen Schicht schlummern häufig empfindsame Seelen, denen das Leben Wunden geschlagen hat. Nichts jedoch scheint außergewöhnlich. Jedes Menschleben ist einmalig und jeder muss den letzten Weg alleine zu Ende gehen. Die kleinen Dinge des Lebens werden wichtig: ein schöner Sonnentag, ein Vogel am Fenster oder das Rauschen des Wassers. Die Figuren wachsen dem Leser ans Herz. Man fühlt mit ihnen und möchte sie auf allen Wegen begleiten.

Elisabeth Strout ist eine kluge Beobachterin und sprachgewandte Erzählerin, die uns tief in den Sog der beschriebenen Geschichten hineinzieht. So lebendig und klar weiß sie zu erzählen, dass einem die Tage wie im Roman schnell zu verrinnen scheinen.

Poetisch hinreißend beschrieben sieht man das Land und den See, an dem Crosby liegt; die Jahreszeiten im Wechsel geben dem Inhalt des Romans seinen besonderen Touch, so dass man sich fürwahr dort selber aufzuhalten scheint!

Elisabeth Strout
Die langen Abende
Luchterhand Literaturverlag, März 2020
ISBN-10: 3630875297
ISBN-13: 978-3630875293
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Kenneth Oppel: Bloom – Die Apikalypse beginnt in deinem Garten

Kenneth Oppel: Bloom – Die Apikalypse beginnt in deinem Garten

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Niemand kann sagen, woher das schwarze Gras plötzlich kommt. Nach einem Regen begann es zu wachsen. Es wächst schnell, zu schnell. Es überwuchert die Felder und ist bald fast überall zu finden. Die Menschen versuchen, es auszurotten, haben jedoch keinen Erfolg. Selbst Unkrautvernichter können nichts ausrichten. Jeder bekommt Allergien. Nur Anaya, Petra und Seth bleiben davon verschont. Bei ihnen ist es eher andersherum. Die Allergien, die sie vor dem Regen hatten, scheinen zu verschwinden. Anaya waren es Allergien gegen fast alles, darunter Gluten, Laktose und Pollen. Eine schwere Akne hat sie zur Außenseiterin gemacht. Petra dagegen ist beliebt. Sie hat Ihre Wasserallergie überspielt, so gut es ging. Doch das Regenwasser hat zu keiner allergischen Reaktion geführt. Seth lebt noch nicht lange auf der Insel. Das Jugendamt hat ihn bei Familie Antos untergebracht, die eine Farm betreiben. Er hat seltsame Narben am Arm, die er unter langen Ärmeln versteckt. Seit das schwarze Gras wächst, fühlt er stärker als je zuvor.
Wie kommt es, dass es den drei Jugendlichen so ganz anders geht, als dem Rest der Bevölkerung?

Die Geschichte ist äußerst rätselhaft. Es passieren unerklärliche Dinge. Das schwarze Gras ist unheimlich und breitet sich immer weiter aus, trotz gewagter Gegenmaßnahmen. Und so steigt die Spannung. Die drei Jugendlichen scheinen der Schlüssel zu sein, auf sie konzentriert sich die Handlung. Etwas Tiefgang wäre schön gewesen, aber diese Zeit nimmt sich der Autor nicht. Stattdessen wird man recht schnell durch das Buch geführt und immer wieder mit plötzlichen Wendungen überrascht. Die Charaktere sind in Ordnung, sich in sie hineinzuversetzen ist aber eher schwierig. Das wird ausgeglichen durch den gut lesbaren Schreibstil des Autors. Zum Ende hin gelingt es immer besser, sich auf die Geschichte einzulassen. Was gut ist, denn sie ist als Trilogie angelegt. So endet dieser erste Teil, der zwar in sich abgeschlossen ist, an einer wirklich spannenden Stelle. Auch sind noch viele Fragen offen.

Rezension von Heike Rau

Kenneth Oppel
Bloom – Die Apikalypse beginnt in deinem Garten
Aus dem kanadischen Englisch von Inge Wehrmann
ab 12 Jahren
345 Seiten, gebunden
Beltz & Gelberg, März 2020
ISBN-10: 3407755589
ISBN-13: 978-3-407-75558-2
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Lena Hesse: Hallo, ist hier hinten? – Warteschlangengeschichten

Lena Hesse: Hallo, ist hier hinten? – Warteschlangengeschichten

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Ganz am Ende einer Warteschlange beginnt das Buch. Der kleine Leser weiß nicht, wonach angestanden wird oder wohin die Schlange führt. Aber das macht nichts, denn es ist spannend, zu erkunden, wer alles in der Schlange steht und was sich da tut. Es wird telefoniert, gepostet, gerufen und erzählt. Jeder vertreibt sich anders die Zeit. Man kennt sich oder auch nicht, spricht miteinander, tut irgendetwas anderes oder guckt in der Gegend herum. Sogar Außerirdische, ein Geburtstagskind, eine Schlafmütze und ein Gespenst stehen in der Warteschlange. Drängelt sich da etwa jemand vor?

Der Blick fällt nicht nur auf die endlos scheinende Warteschlange. Auch die Straße ist interessant. Da muss man aufpassen, nicht den Anschluss zu verpassen! Es gibt viel zu erfahren über den lebendigen Ort, durch den die Schlange führt. Wer gut aufpasst, kann Hinweise entdecken und mit rätseln, wonach die Leute möglicherweise anstehen. Hat vielleicht jemand den Pinguin gesehen, den der Zoo als vermisst gemeldet hat?

Die Warteschlange ist so lang, dass sie über mehrere Seiten führt. Eigentlich über das ganze Buch. Denn die Auflösung gibt es erst am Schluss. Die Warteschlangengeschichte steckt voller spannender Details und Rätsel. Es ist also wichtig, gut aufzupassen und genau hinzusehen! Nur wer den großen Überblick hat, kann sich zusammenreimen, was vorgeht. Zurückblättern ist also erforderlich. War da nicht was? Es gibt Hinweise, die erst Seiten später wieder aufgegriffen werden. Wer erinnert sich, wo das war?

Es macht unglaublichen Spaß, sich mit dem Buch zu beschäftigen! Es ist nicht damit getan, es zu lesen oder es sich vorlesen zu lassen. Wer genau schaut, macht ungeahnte Entdeckungen! Es sind viele Details in den witzigen Zeichnungen enthalten, sodass Kinder auch nach mehrmaligem Anschauen noch Neues entdecken können.

Rezension von Heike Rau

Lena Hesse
Hallo, ist hier hinten? – Warteschlangengeschichten
32 Seiten, gebundenes Bilderbuch
ab 4 Jahren
G & G Kinder- u. Jugendbuch, Februar 2020
ISBN-10: 3707452344
ISBN-13: 978-3707452341
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Mercedes Rosende: Falsche Ursula

Mercedes Rosende: Falsche Ursula

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Ursula ist chronisch gelangweilt und frustriert von ihrem einsamen Leben. Außerdem trägt sie ein beträchtliches Übergewicht mit sich herum, wie sie meint, und fühlt sich alles andere als vorzeigbar. Voller Neid blickt sie auf Menschen, denen es vermeintlich besser geht als ihr.

Dann kommt dieser mysteriöse Anruf. Man habe ihren Mann entführt, sagt der Erpresser. Nur ist Ursula nicht verheiratet. Es gibt keinen Mann in ihrem Leben. Aber was soll es? Die Sache ist spannend, also nutzt Ursula die Gelegenheit, spielt ein bisschen mit und reagiert, man glaubt es kaum, als hätte sie die Rolle eingeübt. Sie gibt vor, das Geld besorgen zu können. Endlich ist etwas Aufregendes los in ihrem Leben! Sie will herausfinden, wer ihr als Ehemann angedichtet wird, wer ihn entführt hat und wer der Erpresser ist. Denn nur so bleibt diese wunderbare Spannung in ihrem Leben.

Ursula ist keine angenehme Person. Dass sie über eine gewisse kriminelle Energie verfügt, wird aber erst im Laufe der Geschichte offensichtlich. Ursula ist sogar überraschend skrupellos, ja kaltblütig. Und was man als Leser erfährt, ist nicht einmal die ganze Wahrheit. Man wird in ein unglaubliches Verwirrspiel eingebunden. Es ist nicht nur Ursula, die die Handlung mit schauspielerischem Talent voranbringt, auch die Entführung selbst, verläuft anders als geplant. Auf nichts ist Verlass. Alles geht schief!

Die Autorin erzählt die Geschichte mit bissigem Humor in der Hinterhand. Auch wenn man ganz nah an Ursula dran ist, so wird die Handlung hin und wieder aus einem anderen Blickpunkt betrachtet. Nur so wird ganze Ausmaß der Tragödie klar. Es scheint, als hat man es nur mit Versagern zu tun.

Es wird nicht mit Überraschungsmomenten gespart. Das Buch macht Spaß! Die Autorin lässt Ursula in eine Rolle schlüpfen, die man ihr nicht zugetraut hätte. Die Umstände machen für eine gewisse Zeit einen anderen Menschen aus ihr. Das Ende ist ganz anders als gedacht. Und mit Schaudern erkennt man, dass Ursula vielleicht weiter an ihrer kriminellen Karriere arbeiten wird, wenn sie die Möglichkeit dazu erhält.

Rezension von Heike Rau

Mercedes Rosende
Falsche Ursula
Aus dem Spanischen von Peter Kultzen
208 Seiten, Klappenbroschur
Unionsverlag, Februar 2020
ISBN-10: 3293005594
ISBN-13: 978-3293005594
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