Helden wie wir
Thomas Brussig wäre vielleicht nie ein erfolgreicher Schriftsteller geworden, hätte es nicht die deutsche Wende gegeben. Denn dieses Ereignis ist Kulminationspunkt seines Romans „Helden wie wir“, mit dem er tolle Erfolge feiert. Der Drehbuchautor des Kinoschlagers „Sonnenallee“ erzählt aus der Sicht des Klaus Uhltzscht (welch ein Name) die perspektivenlose Lenbensgeschichte eines Jugendlichen in der DDR kurz vor der Wende. Die Tatsache, dass Klaus‘ Vater Stasifunktionär und seine Mutter staatliche Hygiene-Inspektorin ist, lässt vermuten, dass es sich um ein politisch orientiertes Werk handelt. Gott sei Dank ist dem nicht so! Thomas Brussig kritisiert und polemisiert nicht, sondern lässt Klaus Uhltzscht nur leben und erleben, wobei er die Absurdität der Verhältnisse innerhalb der Familie auf eindrucksvolle Weise schildert. „Frau-Saubermann-Mutter“ und „Stasi-Spitzel-Vater“, der seine wahre Identität lange vor seinem Sohn zu verbergen sucht, leben dem Sprössling ein Spiessbürgertum vor, das Klaus in einer Welt von Prüderie, bedingungsloser Linientreue und übertriebener Hygiene aufwachsen lässt. So fragt er sich zum Beispiel, wie er gezeugt wurde. Denn er kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass seine Eltern etwas so Schmutziges wie einen Geschlechtsakt vollzogen haben. Thomas Brussig versteht es, die Leiden und Sehnsüchte des verklemmten Jünglings herzerfrischend und ironisch nachzuzeichnen. Dabei lässt er seinen Helden Dinge von Zwerchfell erschütternder Komik erleben und lässt ihn in die Geschichte als den Mann eingehen, der mit seinem Penis die Berliner Mauer zum Einsturz gebracht hat. Ein Lesevergnügen, das wegen seines intelligenten Humors auch den anspruchsvollsten Leser in seinen Bann zieht.
Thomas Brussig
Helden wie wir
Ein intelligentes Lesevergnügen
ISBN:3596133319
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