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Autor: hera

Gerd Käfer: Carpaccio – 77 hauchdünne Köstlichkeiten

Gerd Käfer: Carpaccio – 77 hauchdünne Köstlichkeiten

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Ganz fein in Scheiben geschnittenes rohes Rinderfilet mit einer cremeweißen Soße angerichtet, so sah das von Giuseppe Cipriani im Jahre 1950 kreierte Carpaccio aus, das seinem Namen einem venezianischen Renaissance-Maler zu verdanken hat, der gerade in Venedig eine Ausstellung hatte und den Koch dazu inspirierte.

Im Buch findet man Variationen dieser Speise. Insgesamt „77 hauchdünne Köstlichkeiten“ werden zum Nachkochen vorgestellt. Es sind Vorspeisen, Hauptgerichte und fruchtige Desserts. Zunächst erfährt man aber, wie man diese hauchdünnen Scheiben hinbekommt. Die dazu nötigen Küchenutensilien werden vorgestellt. Gezeigt wird dann, mit welchen Zutaten das Carpaccio begleitet werden kann. Dazu gibt grundlegende Tipps zum Anrichten und zu den Beilagen.

Der Klassiker besteht aus hauchdünnen Rindfleischscheibchen. Dieses Rezept kann vielfältig abgewandelt werden, zum Beispiel zu „Kalbszungen-Carpaccio mit marinierten Karotten und Zwiebeln“. Auch Fisch und Meeresfrüchte bieten sich zum Verarbeiten an. Hier kann das „Orangenlachs-Carpaccio mit Olivensauce und Zitronenmelisse“ genannt werden. Vegetarische Gerichte findet man in der Rubrik „Gemüse“. Das „Gurken-Carpaccio mit Dillrahm und frittierter Zucchiniblüte“ gehört dazu. Das letzte Kapitel „Früchte & Käse“ hat ebenfalls überraschende Kreationen zu bieten, darunter ein „Mango-Mozarella-Carpaccio im Radicchioblatt mit Balsamico-Creme.

Die kleinen Speisen sind etwas ganz Besonderes und sicher festlichen Anlässen vorbehalten. Dabei verblüfft so manches einfache Gericht durch die perfekte Präsentation. Nur sorgsam ausgewählte Zutaten kommen in die Auswahl. Qualität ist oberstes Gebot.

Die Rezepte sind recht einfach nachzuvollziehen, besonders dann, wenn man die entsprechenden Küchenutensilien besitzt und die Technik beherrscht. Das Schwierige ist eher das perfekte Anrichten. Aber auch hierzu gibt es Tipps. Wenn man sich nicht auf die eigene Kreativität verlassen will, kann man sich an den sehr gelungenen Fotos orientieren. Die Bilder sind perfekt und sehr dekorativ. Man möchte das Buch am liebsten aufgeschlagen in er Küche liegen lassen.

Fazit: Wer besondere Gaumenfreuden liebt, wer gerne kocht, Gäste verwöhnt und auch Wert auf das perfekte Anrichten legt, wird viel Freude an dem Buch haben.

Rezension von Heike Rau

Gerd Käfer
Carpaccio – 77 hauchdünne Köstlichkeiten
160 Seiten, gebunden
Franckh-Kosmos Verlag
ISBN-10: 3440117456
ISBN-13: 978-3440117453

Joanne Owen: König der Marionetten

Joanne Owen: König der Marionetten

Milena trauert um ihren Vater und auch das ihre Mutter verschwunden ist, kann sie nicht verwinden. Ihr Ziel ist es, das Haus der schönen Träume, das Marionetten-Theater ihres Vaters eines Tages wiederzueröffnen. Milena wohnt bei ihrer Großmutter. Eines Tages kommt ein anderes Marionetten-Theater nach Prag. Milena begegnet dem Meister der Marionetten, einen unheimlich wirkende Mann, der behauptet, sie bald wiederzusehen. Tatsächlich interessiert Milena die Aufführung auf dem Laurenzberg sehr. Ihre Tanten Katerina und Tereza wollen Karten kaufen. Dann können auch Großmutter Baba und Milenas Freund Lukas mit. Doch davon weiß Milena nichts.

Sie nimmt die zwei Karten, die der Meister ihr für die Premiere für die „Legenden der Zukunft“ schickt. Zu diesem Geschenk gehört noch eine Wachspuppe, die aussieht wie Milena selbst. Dass der Meister sie damit manipulieren will, ahnt das Mädchen nicht. Sie kann nicht wissen, dass der unheimliche Mann ein Meister der Manipulation und so etwas wie ein Geisterbeschwörer ist. Am Tag der Premiere verschwindet Milena. Auch sie ist ein Opfer der Marionetten-Meisters geworden, so wie einst ihre Mutter.

Das Buch weckt Aufmerksamkeit durch seine Aufmachung. Die schöne Leinenstruktur des Einbandes und das geheimnisvolle Cover fallen ins Auge. Und auch die Seiten sind mit ganz besonderen Illustrationen und Abbildungen geschmückt. Das vermittelt eine ganz eigenwillige Stimmung, die allerdings nicht ganz Übertragung auf den Text findet. Inhaltlich schon, aber nicht im Schreibstil, zumindest am Anfang.

Die Geschichte ist märchenhaft. Erzählt wird von einem Mädchen mit einer ganz besonderen Vergangenheit, die ihr nun zum Verhängnis werden soll. Milena bekommt es mit einem machthungrigen Mann zu tun, der bereit ist, alles zu tun, um König von Böhmen zu werden.
Alte Legenden werden wieder wach. Sie haben mit Milenas Vergangenheit zu tun. Diese alten Geschichten werden immer wieder zwischen die eigentliche Handlung eingeschoben, die so zu einem großen Ganzen wird.
Die Geschichte begeistert. Wer Märchen und Legenden mag, wird das Buch mit Begeisterung lesen. Das alte Prag dient als Kulisse.
Im Anhang findet man zusätzliche Hintergrundinformationen zu den Legenden und der tschechischen Marionettentradition, Anmerkungen zu den Illustrationen und ein Glossar.

Rezension von Heike Rau

Joanne Owen
König der Marionetten
Aus dem Englischen von Barbara Abedi
224 Seiten, gebunden
ab 12 Jahren
Loewe Verlag
ISBN-12: 3785568258
ISBN-13: 978-3785568255
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Gerhard Gemke: Der falsche Orden

Gerhard Gemke: Der falsche Orden

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Durch einen wirklich dummen Zufall werden Carl und Ede Küchenchefs im Knast. Da die beiden Landstreicher nicht kochen können, wird die Fantasie bemüht. So wird aus „Reis mit Ketchup“ dann „Risotto alla tomato“.
Hinter den dicken Gefängnismauern beweisen noch ganz andere Fantasie. Einige der Insassen sind ehemalige Mönche, die Mord zu verantworten haben. Trotzdem führt Klumpp die Geschäfte fort. Sein zweifelhafter Orden sucht stets nach gutgläubigen Mitgliedern, die man abzocken kann. Alles läuft übers Internet. Ein Glück, dass ein Wärter die Spielchen mitträgt.

In Bresel laufen die Weihnachtsvorbereitungen. Doch dann entdeckt Lisa eine Bombendrohung. Sie hat es geschafft, die seltsamen Schriftzeichen, die wiederum mit dem geheimnisvollen Orden zu tun haben, zu entschlüsseln. Natürlich kommt man den Mönchen schnell auf die Spur, auch wenn nichts bewiesen ist. Und klar wird die Bombe hochgehen, wenn die Mönche nicht auf freien Fuß gesetzt werden.
Doch möglicherweise ist noch etwas anderes im Gange. Lisa und ihre Freunde Jo, Jan und Freddie kommen einigen seltsamen Vorgängen in Bresel auf die Spur. Doch was das Ganze soll, können sie sich auf Anhieb nicht zusammenreimen.

Dies Gaunerkomödie ist ausgesprochen unterhaltsam. Der Autor schreibt in einer saloppen Sprache. Das bringt Schwung in die Geschichte. Das Lesen macht Spaß.
Die Handlung ist sehr turbulent. Zum Schluss hin geht es dann so richtig drunter und drüber. Das liegt auch an den handelnden Personen, die der Sache nicht so richtig gewachsen sind. Man hat keine Ahnung, wer da wem in die Hand spielt, wer sich nur blöd verhält und wer es wirklich ist. Die Polizei ist auf dem Holzweg, der Bürgermeister überfordert und so mancher Stadtbewohner beobachtet zwar Entscheidendes, ist aber nicht in der Lage zwei und zwei zusammenzuzählen. Die Gerüchteküche brodelt. Einzig Lisa und ihre Freunde scheinen der richtigen Spur zu folgen.

Das Buch hat also viele spannende Aspekte. Nicht zuletzt ist das auch die geheimnisvolle Stadtgeschichte von Bresel. Interessantes kann man hier auch noch einmal im Anhang lesen. Eine Karte von Bresel (mit Westen oben) gibt es ebenfalls.

Rezension von Heike Rau

Gerhard Gemke
Der falsche Orden
288 Seiten, gebunden
ab 10 Jahren
Verlag Carl Ueberreuter
ISBN-10: 3800054884
ISBN-13: 978-3800054886
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Martin Haberer: Taschenatlas Gehölze

Martin Haberer: Taschenatlas Gehölze

Gehölze sind im Garten unentbehrlich, im Hausgarten genauso wie im Park. Ihre Vielfalt ist groß. Mal ist es die Blattfarbe, die Blicke auf sich zieht, mal die Blütenpracht oder auch die Früchte, die sehr schmückend wirken oder sogar essbar sind. Diese Vielfalt ist unüberschaubar geworden, auch weil es viele fremdländische Arten gibt, die auch gut in unseren Gärten gedeihen. Das vorliegende Buch bietet Orientierung für den Nachwuchs im Gartenbau und der Floristik und natürlich für jeden Hobbygärtner.

Vorgestellt werden im Buch 727 Laubgehölze und 48 Nadelgehölze. Immer vier Porträts stehen auf einer Seite. Unter dem Foto findet man kleine Symbole. Man sieht auf den ersten Blick, wie groß die Pflanze ist, wie groß die Blätter, wann Blütezeit ist und ob die Pflanze giftig ist oder nicht. Unter dem wissenschaftlichen Namen und ihrer Familienzugehörigkeit findet man auch die deutsche Bezeichnung. Weiter geht es stichpunktartig mit Informationen zu Heimat, Wuchs, Blatt, Blüte, Frucht, Standort, Verwendung, Arten und einigen Hinweisen unter dem Punkt Sonstiges.
Im Anhang findet man Informationen zur Vermehrung der Gehölze, eine Literaturliste und ein Register.

Das kleine Buch ist sehr nützlich zum Nachlagen und Informieren. Man bekommt einen guten Überblick über die verschiedenen Gehölzarten, was sich gerade bei der Gartenplanung bezahlt macht. Auf besonders schöne Gartensorten wird aufmerksam gemacht. Die Pflanzenbeschreibungen sind sehr kurz gehalten, enthalten aber alle benötigten Informationen. In Verbindung mit dem Foto ist das ausreichend.

Rezension von Heike Rau

Martin Haberer
Taschenatlas Gehölze
320 Gehölze für Garten und Landschaft
2. aktualisierte Auflage
192 Seiten, 325 Farbfotos
Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart
ISBN: 978-3-8001-5944-4

Mikael Engström: Ihr kriegt mich nicht!

Mikael Engström: Ihr kriegt mich nicht!

Was in Miks Familie vorgeht, soll geheim bleiben. Niemand soll wissen, dass der Vater trinkt. Mik sucht Ausreden für ihn, wenn er nicht zu Elternabenden oder Elterngesprächen kommt. Auch die Schulpsychologin lügt er an. Doch die Leute vom Sozialamt sind der Familie auf der Spur. Mik macht die Tür nicht auf. Sein Bruder Tony hat es ihm verboten. Und doch passiert es. Als Mik Tony erwartet, macht er die Tür auf. Die Frau und der Mann versprechen Hilfe. Miks Vater hat diese gerade sehr nötig, er muss ins Krankenhaus.
Mik wird bei seiner Tante Lena untergebracht. Sie wohnt in einer einsamen Gegend, in einem kleinen Dorf im Norden von Schweden. Es gefällt ihm hier auf Anhieb. Er wird von Lena herzlich aufgenommen und unter den zwölf Schülern findet er Freunde, obwohl diese von seinen schwierigen Familienverhältnissen wissen.
Die Kinder haben eine Möglichkeit gefunden, sich ein Taschengeld dazuzuverdienen. Sie verstecken Katzen und verdienen sich dann, wenn sie die Katzen zu ihren Besitzern zurückbringen, Finderlohn. Doch als er Lena die Sache mit den Katzen verrät, kehrt die Einsamkeit zu ihm zurück. Er wird ausgegrenzt, weil Lena die Sache nicht auf sich beruhen lässt.
Trotzdem will Mik nicht wieder nach Hause. Doch nach Neujahr kommen die Leute vom Sozialamt wieder. Mik soll zu seinem Vater zurück.

Die Geschichte erzählt von einem Jungen, der unter sehr schwierigen Familienverhältnissen aufwächst. Der Vater trinkt und Bruder Tony gerät immer mehr auf die schiefe Bahn. Mik sehnt sich nach Ruhe und Geborgenheit und findet dies bei seiner Tante Lena. Die würde den Jungen bei sich behalten, doch sie darf nicht. So wird Mik herumgeschoben bis er schließlich bei einer Pflegefamilie landet, die ihm das Leben zur Hölle macht. Man liest mit wachsendem Entsetzten, wie die Lage für Mik immer unerträglicher wird. Der Junge sieht die angebotene Hilfe vom Sozialamt als Bedrohung an und hat in seinen Fall recht damit.

Erzählt wird hier eine sehr traurige Geschichte, die zu Herzen geht. Man erträgt sie im Grunde nur, weil der Autor trotz aller Ernsthaftigkeit, humorvolle Szenen eingebracht hat. Man liest also nicht selten mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Die Geschichte ist sehr sensibel geschrieben. Miks Gefühle werden mit Achtung behandelt. Er wird ernstgenommen. Und das macht das Buch sehr realistisch. Schließlich ist es Miks Durchsetzungsvermögen, das ihm letztendlich ein besseres Leben ermöglicht. Es ist ein langer Weg dahin, den man als Leser mit Spannung verfolgt.

Rezension von Heike Rau

Mikael Engström
Ihr kriegt mich nicht!
Aus dem Schwedischen von Brigitta Kicherer
267 Seiten, Klappenbroschur
ab 12 Jahren
Carl Hanser Verlag
ISBN-10: 3446233792
ISBN-13: 978-3446233799

Hans-Jörg Karrenbrock, Miriam Özalp: Abschied für immer

Hans-Jörg Karrenbrock, Miriam Özalp: Abschied für immer

Es gibt Dinge, über die spricht man nicht gerne. Und doch muss man sich auch diesen Themen stellen. Im Buch geht es um das Abschiednehmen, also um den Tod, der nun mal auch zum Leben dazugehört. Der Umgang mit diesem Thema ist nicht leicht, eine Begegnung aber unvermeidbar. Mit dem Ratgeber ist eine Annährung möglich. Die vielen Fragen, die man hat, werden hier beantwortet.

Aufgeklärt wird zunächst über das Geheimnis des Sterbens. Die Autoren erzählen, was mit dem Menschen passiert und mit seinem Körper. Es werden auch Vermutungen angestellt, was nach dem Tod kommen könnte. Dabei finden die verschiedenen Religionen Beachtung. Besonders interessant ist hier die Frage, ob der Mensch eine Seele hat.

Es ist ungeheuer traurig, zu erleben, wenn ein Mensch stirbt. Die Autoren leisten hier Beistand und vermitteln Trost. Ist es kein plötzlicher Tod, dann läuft dieser Vorgang meistens in bestimmten Phasen ab, die im Buch aufgezeigt werden. So lernt man die Gefühle des Sterbenden, aber auch seine eigenen ein wenig besser kennen. Auch die Frage, wie Sterbebegleitung aussehen kann, wird beantwortet. Gerade wer sich hilflos fühlt, findet hier viele Ratschläge.

Was nach dem Tod passiert, wird ebenfalls erörtert. Man erfährt, welche Bestattungsformen es gibt oder welche Rituale nun inszeniert werden. Auch mit der Trauer wird man nicht allein gelassen. Man erfährt wie andere sich fühlen, und diese Gefühle aufarbeiten. Und man liest, wie man den verlorenen Menschen in Erinnerung behalten kann.

Eingegangen wird im Buch auf konkrete und mögliche Situationen. Immer wieder sind Erfahrungen in die Texte eingegliedert. Die Autoren gehen sehr sensibel mit dem Thema um und zeigen sich ausgesprochen verständnisvoll, so dass die Lektüre des Buches tatsächlich schon für ab 10-jährige geeignet ist.
Es wird sehr offen umgegangen mit dem Thema. Die Autoren räumen auf mit Klischees, sind aber sehr offen für das, was Menschen glauben. Mit ihrem Buch versuchen sie Ängste zu nehmen und sie spenden Trost.

Rezension von Heike Rau

Hans-Jörg Karrenbrock / Miriam Özalp
Abschied für immer
Vom Umgang mit Trauer und Tod
128 Seiten, Klappenbroschur
ab 10 Jahren
Verlag Carl Ueberreuter
ISBN-10: 3800016117
ISBN-13: 978-3800016112

Friedrich Ani: Totsein verjährt nicht

Friedrich Ani: Totsein verjährt nicht

Es ist einige Jahre her, seit die achtjährige Scarlett verschwunden ist. Es war Mord und Jonathan Krumbholz büßt dafür. Der geistig zurückgebliebene junge Mann hatte ein Geständnis abgelegt. Dass er es später widerrufen hat, ist ohne Bedeutung. Und auch dass die Leiche nicht gefunden wurde, ändert nichts daran. Kommissar Polonius Fischer ist dementsprechend überrascht, als ihn ein Brief eines ehemaligen Schulfreundes von Scarlett erreicht, der behauptet, das Mädchen gesehen zu haben.

Fischer hat nie so richtig an die Schuld von Krumbholz geglaubt. Doch als er jetzt noch einmal mit Scarletts Mutter und ihrem Lebensgefährten, von dem sie mittlerweile getrennt lebt, spricht, wachen die alten Zweifel wieder auf. Unbehagen erfüllt ihn. Doch ein Wiederaufnahmeverfahren anzustrengen, ist aussichtslos. So beginnt Fischer illegal zu ermitteln und kommt bald weiteren Ungereimtheiten auf die Spur.

Polonius Fischer hat seine professionelle Distanz diesem Fall gegenüber verloren. Möglicherweise weil seine Nerven blank liegen. Seine Freundin, eine Taxifahrerin, wurde überfallen und übel zugerichtet. Sie liegt im Krankenhaus. Deshalb nimmt er den Fall um Scarlett persönlich.

Der Krimi ist nicht im herkömmlichen Sinne spannend. Es gibt keine rasanten, spektakulären Szenen. Dafür hat er Tiefgang im psychologischen Sinne.
Fischer ist diesmal Alleingänger. Seine Kollegen ziehen nicht mit. Selbst Liz, seine berufliche Partnerin, versteht ihn nicht. Sie kann ihn aber auch nicht von seinen Plänen abbringen. Fischer beißt sich fest. Er gerät gefühlsmäßig ins Chaos und verstrickt sich.

Früher war Polonius Fischer einmal ein Mönch. Seine Denkweise ist also eine andere, als die seiner Kollegen. Er bekommt seine Gefühle nicht unter Kontrolle, gerät in eine psychische Ausnahmesituation. Der Autor vermittelt dem Leser dieses Gefühlschaos sehr genau. Das ist nicht einfach zu lesen. Man kommt selbst ins Nachdenken und Grübeln, gerät fast so wie Fischer an den Rand der Verzweiflung.
Der Blick, der auf die Personen gerichtet wird, die mit Scarlett zu tun hatten, geht tief. Hier tun sich Abgründe auf, die man nie für möglich gehalten hätte. Der Autor sorgt mit Nachdruck dafür, dass man sich dem nicht entziehen kann.

Rezension von Heike Rau

Friedrich Ani
Totsein verjährt nicht
284 Seiten, gebunden
Paul Zsolnay Verlag
ISBN-10: 3552054707
ISBN-13: 978-3552054707

Dr. Olivier Ameisen: Das Ende meiner Sucht

Dr. Olivier Ameisen: Das Ende meiner Sucht

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Dr. Olivier Ameisen schildert in seinem Buch, wie er den Kampf gegen die Alkoholsucht gewonnen hat und gibt damit Betroffenen neue Hoffnung

Es ist eine spektakuläre Entdeckung die Dr. Ameisen dazu bewogen hat, diese Buch zu schreiben. Er hat ein Heilmittel gegen seine Alkoholsucht gefunden. Dem voraus geht eine lange Karriere als Alkoholiker, von der er berichtet. Dr. Ameisen erzählt von seinen für ihn nicht auszuhaltenden Angstzuständen, die er nur mit dem Griff zur Flasche ertragen konnte.
Dr. Ameisen beweist durch seinen beruflichen Erfolg, dass es ihm nicht an Willenskraft und Entschlossenheit fehlt. Er geht gegen seine Sucht mit Entzug, Therapien und Medikamenten an. Lange Zeit gesteht er vor anderen seine Alkoholprobleme nicht ein, hofft immer wieder einen Weg zu finden, davon loszukommen. Sein Gesundheitszustand verschlechtert sich allerdings immer mehr, so dass Dr. Ameisen nicht mehr als Arzt praktizieren kann. Was die Alkoholsucht betrifft, forscht er weiter. Er ist der Ansicht, dass er der Sucht nur entkommen kann, wenn die Grundursache, seine Angstzustände, behoben sind. Eines Tages hört er von dem muskelrelaxierenden Medikament Baclofen. Seit Jahren wird es erfolgreich eingesetzt. Laut neuesten Studien scheint es auch gegen Suchverhalten zu helfen. Hellhörig geworden, recherchiert er nach und kommt zu der Ansicht, dass es für ihn infrage kommt. Kein Arzt will ihm das Medikament verschreiben, nicht gegen die Sucht. Gegen seine Muskelverkrampfungen dagegen schon, auch wenn er die Dosierung so für ihn nicht stimmt. Im Selbstversuch gilt es herauszufinden, wie Baclofen bei ihm wirkt. Der Erfolg ist als spektakulär zu bezeichnen.

Dr. Olivier Ameisen beschreibt im Buch seinen langen Leidensweg als Alkoholiker. Es ist schwer mit anzusehen, wie er trotz seiner Intelligenz und seiner Willensstärke es nicht schafft, die Sucht zu besiegen. Als Arzt weiß er, dass vielmehr dahintersteckt, dass es nicht ausreicht sich zusammenzureißen und den ärztlichen Rat zu befolgen. So erklärt er das Wesen dieser Krankheit auf anschauliche, nachvollziehbare Art und Weise. Als Leser kommt man nicht umhin, Vorurteile über Bord zu werfen.
Die Entdeckung, dass Baclofen gegen Süchte helfen könnte, ist spektakulär. Dr. Ameisen ist praktisch der Erste, der beweist, dass diese Annahme stimmt. Das bedeutet aber nicht, dass nun jedem Suchtkranken Baclofen zur Verfügung gestellt werden kann. Was es für ein langer Weg dahin ist, beschreibt Dr. Ameisen in seinem Buch ebenfalls. Schließlich soll das Medikament sicher sein in der Anwendung. Bürokratische Hürden müssen genommen werden. Studien sind teuer und aufwändig. Es ist zermürbend mit anzusehen, wie viele Jahre ins Land gehen, wo doch die Hilfe für Suchtkranke zum Greifen nah scheint. Dr. Ameisen gibt nicht auf. Als Arzt hat er die Möglichkeit sein Ziel voranzutreiben. Und auch das Buch wird ein Stück weit dazu beitragen. Es ist für Betroffene, Angehörige, Ärzte, Therapeuten, Forscher und Interessierte eine spannende Lektüre.

Rezension von Heike Rau

Dr. Olivier Ameisen: Das Ende meiner Sucht
in Zusammenarbeit mit Hilary Hinzmann
Aus dem Englischen von Ursel Schäfer
320 Seiten, gebunden
Verlag Antje Kunstmann
ISBN: 978-3888975851
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Simone Specht: Homöopathie für Pferde

Simone Specht: Homöopathie für Pferde

Die Homöopathie findet auch in der Tierheilkunde Verwendung. Also auch Pferde können homöopathisch bei kleineren Beschwerden behandelt werden. Ebenso kann man bei Krankheiten mit Homöopathie die Schulmedizin begleiten oder ergänzen. Das setzt natürlich entsprechendes Wissen voraus. Und das bekommt man mit dem Buch. Dabei soll das Buch, das sagt die Autorin sehr deutlich, nicht den Tierarzt ersetzen.

Zunächst wird erklärt, was Homöopathie eigentlich ist, was ein homöopathisches Arzneimittel ausmacht, wie es zu wirken scheint und wie man das richtige Mittel findet. Es geht um die Dosierung und die Verabreichung beim Pferd.
Bestimmte Krankheits- und Beschwerdebilder wie Arthrose, Hufrehe, Probleme nach Insektenstichen, Bindehautentzündungen, Husten und viele mehr werden beschrieben und die entsprechende Behandlung vorgeschlagen.
Danach werden noch einmal die Homöopathischen Mittel von A-Z aufgelistet. Man wird befähigt, eine Stallapotheke zusammenzustellen.

Das Buch kann man Pferdebesitzern empfehlen. Es enthält alles Wissenswerte rund um die Behandlung der Tiere mit Homöopathie. Gerade auch wenn man die Homöopathie schon in der Familie anwendet, dadurch ein wenig Erfahrung mit dieser alternativen Heilmethode hat und gute Erfolge erzielt hat, dann ist das Buch eine echte Bereicherung. Genau auf das Pferd abgestimmt, erfährt man, bei welchen Krankheiten behandelt bzw. begleitend behandelt werden kann. Man erfährt also wann und wie ein bestimmtes Mittel eingesetzt wird.

Dies Informationen werden sehr anschaulich und übersichtlich im Buch dargestellt. Hier wurde viel mit gut strukturierten Tabellen gearbeitet. Man findet also sofort, was man sucht. Fachbegriffe werden im Serviceteil erklärt. Das Buch wird sich also auch sehr gut in der Stallapotheke machen.

Rezension von Heike Rau

Simone Specht
Homöopathie für Pferde
96 Seiten, broschiert
Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart
ISBN-10: 3800157349
ISBN-13: 978-3800157341

Matthias Sodtke: Huch! Wir kriegen Besuch!

Matthias Sodtke: Huch! Wir kriegen Besuch!

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Priesemut und Nulli haben einen Brief bekommen. Er ist nicht geschrieben, sondern gemalt. Offenbar kommt der Goldhamster zu Besuch. Eigentlich sind noch drei Tage Zeit, doch dann steht Kurtle schon vor der Tür. Es ist noch früh am Morgen, doch Lust auf Frühstück, so wie Nulli und Priesemut, hat Kurtle nicht. Er ist müde und fällt ins Gästebett. Seine Schnarchgeräusche begleiten Nulli und Priesemut durch den Tag. Hase und Frosch flüchten schließlich nach draußen und kümmern sich um das Gemüsebeet. Als die beiden dann am Abend todmüde ins Bett gehen, ist der Hamster endlich munter. Aus Langeweile baut er in der Nacht ein Hamsterrad und zertrampelt dabei aus Unwissenheit das Gemüsebeet. Das Hämmern verfolgt Nulli und Priesemut im Schlaf. Als die beiden dann endlich aufstehen, schläft Kurtle schon wieder. So kann es nicht weitergehen!

Manchmal ist das Zusammenleben mit einem Besucher nicht so einfach. Sowohl Nulli und Priesemut, aber auch Kurtle, sind unzufrieden. Aber natürlich kommen die drei zu eine Lösung. Kindern wird mit dem Buch vermittelt, das man mit ein bisschen gutem Willen hier durchaus eine Lösung finden kann. Man muss nur bereit sein, gegenseitig Verständnis zu zeigen und Kompromisse einzugehen. Im Buch wird der Weg dahin auf sehr lustige Weise dargestellt.
Die kleine Geschichte ist also wieder sehr unterhaltsam. Die Bilder sieht man gerne an und verfolgt, was Hamster Kurtle auf Besuch so erlebt. Er ist ein toller Typ und erfüllt auch sämtliche Hamster-Klischees. Dass er sehr treffend gezeichnet ist, mit ordentlich dicken Backen, scharfen Hamsterzähnchen und Knopfäuglein versteht sich von selbst.

Rezension von Heike Rau

Matthias Sodtke
Huch! Wir kriegen Besuch!
32 Seiten, gebunden
ab 4 Jahren
Lappan Verlag
ISBN-10: 3830311516
ISBN-13: 978-3830311515