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Autor: hera

Dr. med. Anne Fleck: Energy! – Der gesunde Weg aus dem Müdigkeitslabyrinth

Dr. med. Anne Fleck: Energy! – Der gesunde Weg aus dem Müdigkeitslabyrinth

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Wer ist nicht gelegentlich schlapp und müde? Es ist normal, sich nach einem wirklich anstrengenden Tag erschöpft zu fühlen. Es gibt aber Menschen, bei denen dieser Energielosigkeit Alltag ist, ohne dass dafür ein Grund auszumachen ist. Dr. Anne Fleck bietet Hilfe an. Sie ist Ärztin für Innere Medizin, Rheumatologie, Präventiv- und Ernährungsmedizin und verfolgt ganzheitliche Ansätze. Sie möchte mit ihrem Buch den Ursachen für die Abgeschlagenheit auf die Spur kommen und Lösungsansätze anbieten.

Zunächst wird beschreiben, was die Energie rauben kann. Es ist Detektivarbeit. Möglicherweise steckt eine gestörte Verdauung, eine stumme Entzündung, eine unbemerkte Infektion oder eine Nahrungsmittelintoleranz dahinter. Die verschiedenen Ursachen werden nach Problemfeldern aufgeschlüsselt und genau betrachtet. Selbsttests mit verschiedenen Fragen erleichtern die Zuordnung. Mit dem erlangten Wissen und dem „Spickzettel für den Arztbesuch“ ist es möglich, einen Verdacht zu untermauern. Der Hausarzt bleibt also, wenn möglich und gewollt, Ansprechpartner.

Anne Fleck bietet aber auch Hilfe zur Selbsthilfe an. In einem weiteren Teil des Buches geht es um das Alltagsleben. Man wird angeleitet, es wieder in einen vorteilhaften biologischen Rhythmus zu bringen. Hier wird beispielsweise auf die Organuhr, ausreichend Schlaf, Bewegung, den Umgang mit Stress oder das Essverhalten eingegangen. Eine Menge Ratschläge prasseln auf den Leser ein. Aber es geht nicht darum, alles Punkt für Punkt umzusetzen. Man merkt jedoch schnell, was man bisher außer Acht gelassen hat. Es sind nicht selten die kleinen Dinge, die eine Veränderung herbeiführen können.

Die Ernährung kommt auf den Prüfstand. Denn Gluten, Milch, Zucker und einige weitere Lebensmittel können wahre Energieräuber sein. Andere hingegen geben uns Energie. In diesem Zusammenhang stellt die Autorin ihre Energy!-Ernährung vor, die hilft, den Verdauungstrakt zu regenerieren und die Nährstoffversorgung zu verbessern, sodass das Wohlbefinden steigt.

Das Buch ist sehr umfangreich. Aber es bietet eine Strategie gegen die Müdigkeit. Es kann sich also lohnen, sich damit zu beschäftigen und es Seite für Seite im eigenen Tempo durchzuarbeiten. Natürlich kann man sich auch am Inhaltsverzeichnis orientieren und das Buch zum gezielten Nachschlagen nutzen.

Die Autorin spricht den Leser direkt an und versteht es, Interesse zu wecken und zu motivieren, sich um die eigene Gesundheit zu kümmern. Es bleibt nicht bei allgemeinen Ausführungen. Man bekommt hier die Möglichkeit, sich neues Gesundheitswissen zu erarbeiten. Aber es hilft sehr, dass schwierige Sachverhalte ausführliche dargestellt und auf ein halbwegs verständliches Niveau gebracht werden. Das geschieht in einem angenehm lockeren Ton.

Rezension von Heike Rau

Dr. med. Anne Fleck
Energy! – Der gesunde Weg aus dem Müdigkeitslabyrinth
432 Seiten, gebunden
dtv Verlagsgesellschaft, März 2021
ISBN-10: 3423282770
ISBN-13: 978-3423282772
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Philippa Gregory: Gezeitenland

Philippa Gregory: Gezeitenland

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1648. Die junge Kräuterfrau Alinor Reekie, die mit ihren zwei Kindern Rob und Alys in ärmsten Verhältnissen am Wattenmeer in der Grafschaft Sussex lebt, hat sich am Mittsommerabend auf dem kleinen Friedhof eingefunden. Sie hofft, auf den Geist ihres verschollenen Mannes zu treffen. Hätte sie Gewissheit, dass er tot ist, wäre sie eine Witwe und frei.

Stattdessen trifft sie im unheimlichen Mondlicht auf einen lebenden Menschen. Der junge Mann stellt sich als Pater James vor. Er gibt vor, auf einer geheimen Mission zu sein. Sie gewährt ihm schließlich Unterschlupf im Netzschuppen und hilft ihm am nächsten Tag, einen Kontakt zu knüpfen. Für ihr Schweigen wird sie bezahlt. Als sich die beiden verabschieden, ist eine unerklärliche Wehmut zu spüren.

Als Alinor ihm in der Kapelle erneut begegnet, ist er in die Gemeinde integriert. Niemand im Dorf kennt seine wahre Identität. Alinor und James sollten sich fern voneinander halten und können es doch nicht. Alinor weiß, wie schnell Gerüchte entstehen und wie gefährlich das ist. Als Kräuterkundige und Hebamme hat sie einen Ruf zu verlieren. So mancher glaubt, in ihr eine Hexe zu sehen.

Erzählt wird eine spannende Liebesgeschichte vor einem historischen Hintergrund. Pater James spielt ein falsches Spiel. Niemand darf wissen, in wessen Auftrag er unterwegs ist und dass er dazu berufen ist, den König zu befreien, dem eine Anklage wegen Hochverrats droht. Und so konzentriert sich die Handlung zunächst zum größten Teil auf Alinor, die trotz ihrer Armut eine sehr beeindruckende Persönlichkeit ist. Dass sie Unterstützung haben muss, bleibt jedoch nicht verborgen. Missgunst und Neid schlagen ihr entgegen. Diese Stimmen werden lauter.

Das harte Alltagsleben von Alinor wird sehr ausführlich beschrieben. Es ist ein beschwerlicher Kampf um das tägliche Brot. Doch trotz der widrigen Umstände verliert sie nie die Hoffnung. Sie lebt mit den Gezeiten. Beeindruckend bildgewaltig ist die Natur mit in die Handlung eingebunden.

Der flüssige Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm zu lesen. Sie bedient sich einer ausgefeilten Sprache. Die Geschichte von Alinor und James ist faszinierend und das Ende an Dramatik kaum zu übertreffen.

Rezension von Heike Rau

Philippa Gregory
Gezeitenland
544 Seiten, Klappenbroschur
Knaur, April 2021
ISBN-10: 342622724X
ISBN-13: 978-3426227244
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Susanne Riha: Komm mit zum Wasser! – Tiere und Pflanzen von der Quelle bis zum Meer

Susanne Riha: Komm mit zum Wasser! – Tiere und Pflanzen von der Quelle bis zum Meer

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Am Teich, am See, am Bach, am Fluss und am Meer und gibt es viel zu entdecken. Hier sind viele Tiere und Pflanzen zu finden. Die Autorin hat dieses Themengebiet aufgegriffen und für Kinder anschaulich aufbereitet.

Schauen wir uns das Kapitel „Am Teich“ einmal näher an. Gleich auf der ersten Seite blicken wir vom Ufer aus über das Wasser. Verschiedenen Tiere, darunter Enten und ein Schwanenpaar, sind zu sehen und Pflanzen, die am Ufer und im Teich wachsen. Im Sachtext gegenüber wird erklärt, welche Gewässer als Teich bezeichnet werden und was hier im Jahresverlauf passiert.
Auf den folgenden Seiten geht es ins Detail. Den Pflanzen, den Insekten, den Amphibien und den Fischen ist jeweils eine eigene Seite gewidmet. Wir entdecken das Schilfrohr in der Seichtwasserzone und die Seerose in der Schwimmblattzone. Wir schauen in den Teich hinein und sehen, wie ein Gelbrandkäfer eine Kaulquappe jagt, während ein Wasserläufer über die Wasseroberfläche eilt. Auch die verschiedenen Fische, die in einem Teich leben können, werden benannt. Die Augen wandern gespannt von Bild zu Bild.
Dem Wasserfrosch ist sogar eine Doppelseite mit einer kurzen Geschichte gewidmet. Sehr interessant sind auch die „Hast du gewusst, dass …“-Kästchen.

Kinder ab 5 Jahren werden mit dem Buch eingeladen, die Tier- und Pflanzenwelt verschiedener Gewässer kennenzulernen. Es wird viel an spannendem Wissen vermittelt, das auch wichtig für die Schule ist.

Die Seiten sind gut strukturiert und übersichtlich. Der Platz im großformatigen Buch wird gut genutzt. Die Illustrationen sind sehr detailreich. Alle Sachtexte sind einfach und verständlich gehalten. Besonderheiten werden herausgestrichen. Interessante Begriffe sind fett markiert.
Kind und Vorleser können sich sehr lange mit dem Sachbilderbuch beschäftigen. Es regt dazu an, sich aktiv mit der Natur zu beschäftigen.

Jedes Kind sich freuen, im Buch ein großes Wendeplakat zu entdecken, das den Wasserkreislauf zeigt und erklärt.

Rezension von Heike Rau

Susanne Riha
Komm mit zum Wasser!
Tiere und Pflanzen von der Quelle bis zum Meer
ab 5 Jahren
48 Seiten, gebunden
Annette Betz im Ueberreuter Verlag, März 2021
ISBN-10 : 3219118879
ISBN-13 : 978-3219118872
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Alexandra Kui: Trügerischer Sog

Alexandra Kui: Trügerischer Sog

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Die Begeisterung hält sich in Grenzen, als die Klasse erfährt, was sich ihre Lehrerin Frau Hoppe für sie ausgedacht hat. Es ist eine Klassenreise auf die Nordseeinsel Maroog. Hier werden die Schüler ziemlich abgeschnitten von der Außenwelt und ohne Internet sein. Frau Hoppe hofft, dass das ausufernde Mobbing ein Ende haben wird, wenn die Jugendliche zusammenrücken müssen.

Sara hat in der Klasse das Sagen. Für sie ist die Schule der „Friedhof der Namenlosen“. Sie entscheidet, wer zu ihrem Freundeskreis gehört. Die Namenlosen sind abgeschrieben, so wie Kim. Sarah merkt nicht, dass er sie mag.

Kaum sind die Schüler auf der kleinen Nordseeinsel angekommen, wird ihnen von Frau Hoppe und ihrem Kollegen Magnus Jensen ein Projekt vorgestellt, dem sie sich widmen sollen. Es gibt hier nämlich einen echten„Friedhof der Namenlosen“, der allerdings nach einem Sturm in sehr schlechtem Zustand ist.

Die Probleme sind nicht auf dem Festland geblieben. Doch mit Sara passiert etwas. Bei einer Begegnung mit Pferden kann jeder sehen, dass sie kaum beherrschbare Angst vor den Tieren hat. Das schadet ihrem Ansehen und ihrem Selbstbewusstsein. Ohnehin gehen die Machtkämpfe bald nicht mehr immer zu ihren Gunsten aus. Dennoch setzt sie ihre Tyrannei fort und teilt aus, wann immer sie kann.

Der eher zurückhaltende Kim beobachtet Sara genau. Er glaubt sogar, sie ein Stück weit zu durchschauen. Und er möchte, dass sie sich ändert. Er holt die anderen Namenlosen seiner Klasse mit ins Boot. Sie sind begeistert von seinen Plänen. Doch was dann passiert, war von ihm nicht gewollt.

Die Geschichte wird abwechseln aus der Sicht von Sara und Kim erzählt. Das ist bedeutsam, denn um sich eine Meinung bilden zu können, muss man nun einmal von zwei Seiten auf das Geschehen blicken können. Die Ich-Perspektive lässt einen tiefen Blick auf die Gefühle von Sara und Kim zu, während die anderen Schüler die Lage nur nach dem äußeren Schein bewerten können.

Es geht in diesem spannenden Jugendroman also um Mobbing, die Gründe dafür und die Möglichkeiten, dem etwas entgegenzusetzen. Die Autorin lässt den Leser im Buch hinter die Kulissen blicken. Es wird gezeigt, wie schwierig eine Konfliktlösung sein kann und dass es dafür unerlässlich ist, die Beweggründe für das Mobbing zu erkennen und einzuordnen.

Rezension von Heike Rau

Alexandra Kui
Trügerischer Sog
320 Seiten, broschiert
ab 14 Jahren
cbj, März 2021
ISBN-10: 3570165949
ISBN-13: 978-3570165942
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Bodo Schäfer: Ich kann das. – Eine Geschichte über die drei Worte, die unser Leben verändern

Bodo Schäfer: Ich kann das. – Eine Geschichte über die drei Worte, die unser Leben verändern

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Mit dem Selbstbewusstsein ist das so eine Sache. Im entscheidenden Moment versagt es und so mancher fühlt sich klein und unbedeutend. Andere haben wiederum ein Auftreten, das scheinbar von unerschütterlichem Selbstvertrauen geprägt ist. Aber wie geht das? Bodo Schäfer vertritt die Meinung, dass Selbstbewusstsein trainierbar ist. Das zeigt er am Beispiel von Karl. Der junge Mann verursacht aus Unaufmerksamkeit einen Auffahrunfall und lernt so Marc kennen. Der lässt sich von dem Vorfall nicht aus der Ruhe bringen, was Karl, den der Unfall ganz schön mitgenommen hat, zutiefst verwundert. Er ist nun mal nicht selbstbewusst. Marc dagegen schon. Ihm gehört die „Akademie für Selbstbewusstsein“ und er will Karl helfen.

Der Autor zeigt mithilfe einer Geschichte, wie Karls Leben weitergeht. In den Text sind viele Fragen eingestreut, die zum Nachdenken anregen. Sprüche lenken die unweigerlich aufkommenden Gedanken in die richtige Richtung. Karl erfährt von Schlüsselsätzen, die ihm helfen sollen, sich weiterzuentwickeln. Es ist nicht einfach nur Glück, das ihn nun voranbringt, sondern sein gestärktes Selbstbewusstsein. Karl lernt die Liebe seines Lebens kennen und auch beruflich stellt sich Erfolg ein. Das mag etwas konstruiert wirken, erhöht aber das Verständnis.

Anfangs empfand ich den Schreibstil etwas zu aufdringlich und unnachgiebig. Dennoch inspiriert Bodo Schäfer mit seinem Buch. Das Lesen führt zu interessanten Einsichten. Verständnisprobleme gibt es keine. Die Geschichte ist einfach gehalten, sodass der darin verpackte Ratgeber gut nachzuvollziehen ist. Sicher sind die Erkenntnisse im Buch nicht neu. Doch meist gehen die Weisheiten, die man irgendwann einmal gehört hat, wieder verloren. Der Autor vermeidet das, indem er ein Ritual etabliert. Jeden Tag macht sich Karl bewusst, dass das Selbstbewusstsein trainiert werden muss und spricht sich gut zu. Das Leben ist nicht frei von schwierigen Situationen, die Ängste auslösen können. Doch wer ein starkes Selbstvertrauen hat und das Wissen, jede Situation meistern zu können, wird damit zurechtkommen.

Rezension von Heike Rau

Bodo Schäfer
Ich kann das. – Eine Geschichte über die drei Worte, die unser Leben verändern
256 Seiten, gebunden
dtv Verlagsgesellschaft, März 2021
ISBN-10:3423262931
ISBN-13:978-3423262934
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Hans Platzgumer: Bogners Abgang

Hans Platzgumer: Bogners Abgang

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Nicola Pammer, die in Innsbruck studiert, ist auf dem Weg nach Hause. Eigentlich sollte sie heute Abend nicht mehr nach Bregenz fahren. Sie ist nach einer Geburtstagsparty nicht mehr nüchtern. Und so passiert der Unfall. Sie verliert die Nerven und fährt einfach weiter. Da ein Schaden am Auto entstanden ist, sie hat es von ihrer Mutter geliehen, kann sie den Vorfall nicht verschweigen. Sie findet aber einen Weg, die Sache nicht ganz so dramatisch aussehen zu lassen. Ihre Mutter leitet Schritte ein und lässt das Auto von der Bildfläche verschwinden. Aus den Augen, aus dem Sinn. Doch Nicola kann die Schuld nicht abstreifen.

Damit ist sie nicht allein. Denn der Künstler Andreas Bogner fühlt sich ebenfalls schuldig am Unfall des Kunstkritikers Kurt Niederer. Aus Hass, weil dieser seine Kunst verkannt und ihn zum wiederholten Male öffentlich vorgeführt hat, war er mit einer Schusswaffe hinter ihm her gewesen, die nur geborgt und eigentlich sein neustes Studienobjekt ist. Bogner glaubt, den Unfall verursacht zu haben, denn schließlich hat er Niederer gehörig erschreckt, sodass dieser auf die Straße sprang. Oder ist dieser selbst schuld? Er hat Bogner doch erst so weit gebracht.

Die Ursache für den Autounfall scheint klar zu sein. Doch die Umstände werden im Buch erst nach und nach offengelegt. So verschiebt sich das Bild und die Schuldfrage lässt sich nicht eindeutig klären. Sicher ist, es gibt drei Beteiligte. Jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte. Bogner und Niederer begegneten sich nicht zum ersten Mal. Nicola kommt ihnen dazwischen. Sie weiß jedoch nicht, was sich auf der Straße abgespielt hat. So sucht sie die Schuld ganz allein bei sich. Das weckt Mitgefühl. Bogner mit seinen fragwürdigen Kunstexperimenten erscheint dagegen als recht fragwürdige Gestalt, wobei er hier wahrscheinlich durch Niederer inspiriert ist. Und Niederer macht sich durch seine völlig unsensible Art unbeliebt. Was hat dieser Mann eigentlich für ein Problem?

Ob einer sympathisch ist oder nicht, sagt jedoch nichts über seine Schuld oder Unschuld aus, auch wenn man vielleicht dazu neigen mag, eher der unsympathischen Person die Schuld in die Schuhe zu schieben. Man könnte, was geschehen ist, auf die Umstände schieben. Doch die lassen sich nicht vor Gericht zerren oder im Gefängnis einsperren. Sie können im Höchstfall die Schuld mindern oder erhöhen. Es ist schon interessant zu sehen, zu welchen Gedankengängen das Buch führt. Es ist eine sehr anregende Lektüre. Da es hier nicht um das wahre Leben geht, darf man der Fantasie freien Lauf lassen. Und während man das tut, kommt noch ein anderer Aspekt ins Spiel. Gewissensbisse machen Nicola Pammer und Andreas Bogner zu schaffen. Jeder der beiden geht auf seine Weise damit um.

Rezension von Heike Rau

Hans Platzgumer
Bogners Abgang
144 Seiten, gebunden
Paul Zsolnay Verlag, März 2021
ISBN-10 : 3552072047
ISBN-13 : 978-3552072046
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Micaela Jary: Das Kino am Jungfernstieg – Der Filmpalast

Micaela Jary: Das Kino am Jungfernstieg – Der Filmpalast

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Lili hat noch immer mit den Folgen ihres Unfalls zu kämpfen. Auch ihr Erinnerungsvermögen ist noch nicht vollständig zurückgekehrt. Sie lebt mit ihrem Mann Albert, der aus dem Krieg heimgekehrt ist, notgedrungen bei der Familie ihrer Halbschwester Hilde. Diese lässt Lili jeden Tag spüren, wie unwillkommen sie ist. Das lässt sich aber, da Wohnungsnot herrscht, momentan nicht ändern. Die Ehe bietet Lili keinen Trost, denn sie und Albert haben nie wirklich zusammengefunden. Es mag auch daran liegen, dass Lili den britischen Filmjournalisten John Fontaine nicht vergessen kann, mit dem sie vor dem Unfall eine Liebesbeziehung hatte.

Lilis Träume sind zerplatzt. Aus ihrem geliebten Kino am Jungfernstieg ist ein Musikclub geworden. Sie weiß, dass Hilde und deren Mann Peter dafür verantwortlich sind. Dass sie weiter ausgenutzt wird, entgeht Lili aber. Sie hat keine Energie, sich um das Erbe der Eltern zu kümmern. Als Frau hätte sie ohnehin kein Mitspracherecht, und so vertraut sie darauf, dass Albert die richtigen Entscheidungen trifft. Auch beruflich schöpft sie ihr Potenzial nicht aus. Sie schneidet keine Filme mehr, sondern die Nachrichten für die Wochenschau.

Das Blatt wendet sich, als Lili John wiedersieht, von dem sie annimmt, dass er mittlerweile mit seiner damaligen Verlobten Catherine Lancaster verheiratet ist. Er ist ebenfalls vom Unfall gezeichnet, hat aber von seiner charismatischen Wirkung nichts verloren. Lili gerät in ein Gefühlschaos und plötzlich ist die Vergangenheit wieder da.
Nach und nach erinnert sie sich wieder an den schweren Unfall und auch an das von ihrer verstorbenen Mutter gehütete Familiengeheimnis.

Micaela Jary unterhält mit ihrem historischen Roman sehr gut. Sie führt den Leser in das im Wiederaufbau befindliche Hamburg der 1950er Jahre, beleuchtet den Alltag und webt die gesellschaftlichen und politischen Hintergründe dieser Zeit anschaulich mit in die Geschichte ein. Dabei setzt sie auf viele Details. Es ergibt sich gut vorstellbares Bild des Alltagslebens und der Filmszene. Alles wirkt so lebendig, das man meinen könnte, man würde im Kino sitzen. Das Cover des Buches spiegelt diesen Eindruck gut wider.

Lili wird zunächst als recht naiv beschrieben. Sie hat etwas von ihrer Entschlossenheit und Stärke verloren und keine Zukunftspläne. Doch sie gewinnt ihre Tatkraft zurück, als sie wieder beginnt, der Spur des Familiengeheimnisses zu folgen, dessen Aufklärung weitreichende Folgen haben dürfte. Endlich setzt sie sich auch mit ihren widerstrebenden Gefühlen auseinander. Es spielen sich dramatische Szenen ab. Die Spannung steigt. Unerwartete Wendungen spielen hier mit hinein. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen. Es ist eine wirklich gute Fortsetzung des 1. Bandes der Kino-Saga.

Rezension von Heike Rau

Micaela Jary
Das Kino am Jungfernstieg – Der Filmpalast
400 Seiten, Klappenbroschur
Goldmann Verlag, Februar 2021
ISBN-10: 3442488478
ISBN-13: 978-3442488476
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Marlies Ferber: Wohin die Reise geht

Marlies Ferber: Wohin die Reise geht

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Jakob, einst Kaffeefabrikant, kann die Bitte seines Sohnes nicht abschlagen. Er sagt zu, die eine Million Schwarzgeld bei einer Schweizer Bank einzuzahlen, um die finanzielle Sicherheit der Familie und vor allem seiner Enkelkinder zu gewährleisten. Die Unternehmung soll als Kurzurlaub getarnt werden. Als sein Chorfreund Matthias mit auf Reisen gehen möchte und dafür seinen Wohnwagen anbietet, kann er wieder nicht Nein sagen. Das Geld erwähnt er allerdings nicht. Matthias ist schließlich Polizist und hätte sicher kein Verständnis. Sein Hund Eddie, der früher Polizeihund war, aber nun an einem Knalltrauma leidet, kommt ebenfalls mit.

Bei einer Pause auf einer Raststätte lernt Jakob Tilda kennen. Sie wirkt verwirrt und weiß nicht, wie sie hier her gekommen ist. Sie erinnert ihn an seine verstorbene Frau, die ebenfalls dement gewesen ist. Zum Glück kennt Tilda ihre Adresse. Doch auch die junge Alex weckt sein Mitgefühl. Sie schildert ihre ausweglose Situation sehr glaubhaft. Er könnte ihr Großvater sein und deshalb möchte er ihr helfen, den Reisebus, der ohne sie abgefahren ist, noch zu erwischen. Matthias ist skeptisch. Also Polizist lässt er sich nicht so einfach von Geschichten beeindrucken. Doch nun sitzen die beiden Frauen mit im Auto. Und kurze Zeit später ist das Geld weg.

Marlies Ferber bringt in diesem Buch vier Menschen zusammen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Jakob hat sich von seinem Sohn zu einer Straftat überreden lassen und Matthias verschweigt gesundheitliche Probleme. Tilda, die einst Opernsängerin war, ist zu gutgläubig, und Alex ist, was sie nie zugeben würde, auf die schiefe Bahn geraten und auf der Flucht.

Anfangs ist die Reise einfach nur witzig und unterhaltsam. Doch die Probleme lassen sich nicht ewig überspielen. Und so gibt es irgendwann einen Wendepunkt in der Geschichte und es wird ein richtig spannender Krimi draus. Es geht um Mord, um Betrug, um Lügen und um falsch verstandenes Pflichtgefühl. Es gibt vieles, das aufgearbeitet werden muss. Aber so einfach ist das eben nicht. Menschen machen Fehler, handeln kopflos. Die Lage spitzt sich zu und wird richtig beängstigend.

Die Autorin versucht mit ihrem Buch zu zeigen, dass Mitgefühl und Verständnis Probleme lösen kann, so ausweglos die Situation auch scheinen mag. Es ist eine schöne Vorstellung.

Rezension von Heike Rau

Marlies Ferber
Wohin die Reise geht
dtv Verlagsgesellschaft, Februar 2021
288 Seiten, Klappenbroschur
ISBN-10 : 3423262672
ISBN-13 : 978-3423262675
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Krischan Koch: Der weiße Heilbutt

Krischan Koch: Der weiße Heilbutt

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Es ist Urlaubszeit. Der Strand auf Amrum quillt förmlich über bei strahlendem Sonnenschein. Alles ist ausgebucht. Viele Urlauber sind aus Fredenbüll gekommen, aber auch Tagestouristen sind da. Antje von der „Hidde Kist“ passt gemeinsam mit ihrem Stammgast Piet Paulsen auf den Sohn von Hauptkommissarin Nicole Stappenbek auf, der mit seinen Freunden spielt. Kaum jemand merkt, dass sich ein riesiger Fisch dem Strand nähert. Die beiden Bademeister staunen, wollen aber nicht vorschnell Alarm schlagen. Und so buddelt Finn munter weiter an seiner Rinne, bis ein menschlicher Fuß mit wunderschön lackierten Nägeln dort hineingespült wird. Schnell wird ein Zusammenhang zu dem Raubfisch hergestellt, den nun doch auch einige Urlauber entdeckt haben. Aber vielleicht ist es auch ganz anders. Das müssen der Fredenbüller Polizeihauptmeister Thies Detlefsen und die Husumer Hauptkommissarin Nicole Stappenbek ermitteln.

Krischan Koch schreibt in gewohnt munterer und amüsanter Weise, so wie man das von den bereits erschienenen Bänden kennt.

In welche Richtung der Kriminalfall gehen wird, ist zunächst offen. Es ist viel los auf der Insel. Und wem der Fuß gehört, ist nicht zu sagen. Die zugehörige Person bleibt verschwunden. Keiner weiß etwas und keiner hat etwas gesehen.

Doch der Leser darf ein bisschen hinter die Kulissen schauen und ist damit den Ermittlern etwas voraus. Es bleibt zunächst beim Rätselraten, was jedoch sehr unterhaltsam ist. Welche Pläne verfolgen die Umweltaktivisten. Und was läuft da eigentlich in diesem seltsamen Sternerestaurant? Was hat die Touristikchefin mit dem Kinderheim vor, das sie einer extra angereisten Immobilienmaklerin und einem übermotiviertem Bauunternehmer zeigt?

Viele sehr witzige Szenen spielen sich ab, denn einige Urlauber, darunter auch alte Bekannte und die Töchter von Thies, beteiligen sich an den Ermittlungen und mischen sich ungefragt ein. Dennoch ist es für Thies und Nicole nicht leicht, die zunächst zusammenhanglos wirkenden Hinweise zusammenzufügen. Bei dieser extremen sommerlichen Hitze ist es aber auch besonders anstrengend, zu arbeiten.
Doch die Informationen liefern letztlich hilfreiche Denkanstöße und die Motivation steigt. Bis zum Ende bleibt es spannend, denn immer wieder geschieht Unvorhergesehenes.

Rezension von Heike Rau

Krischan Koch
Der weiße Heilbutt
(Thies Detlefsen & Nicole Stappenbek, Band 9)
Ein Insel-Krimi
320 Seiten, broschiert
dtv Verlagsgesellschaft, Februar 2021
ISBN-10 : 3423219394
ISBN-13 : 978-3423219396
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Mathijs Deen: Der Schiffskoch

Mathijs Deen: Der Schiffskoch

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Nicht jeder auf der „Texel“ träumt davon, fremde Länder zu bereisen. Es ist mit diesem fest verankerten Schiff ohnehin nicht möglich. Die „Texel“ ist ein bemanntes Feuerschiff. Der Alltag folgt einer Routine, so wie immer, bis die „Zaandam“ mit der Schichtablösung kommt und die Männer für eine bestimmte Zeit von Bord gehen können.

Doch dann, eines Tages, als es wieder an Bord geht, ist der Schiffskoch nicht allein. Lammert hat ein Ziegenböckchen dabei. Erlaubt ist das nicht. Aber andererseits ist es Proviant. Ein Schmorfleischeintopf soll daraus werden. Da kann sich auch der Kapitän nicht dagegen sträuben. Die Matrosen und Offiziere bringt Lammert ebenfalls schnell zum Schweigen. Man muss den Koch bei Laune halten, denn was wäre der Tag ohne ein anständiges Mittagessen?

Das Böckchen muss noch für ein paar Tage mit der Flasche aufgepäppelt werden, dann will Lammert es schlachten. Der jüngste Matrose Gerrit Snoek übernimmt die Mutterrolle gern. Das störrische Jungtier sorgt für Abwechslung und alle schauen gern zu, wenn es hoppelnd und springend über das Schiff galoppiert. Erstaunlich schnell gewöhnt es sich an das rollende Schiff. Aber es bringt auch den Arbeitsalltag durcheinander. Snoek sieht in den Augen des Böckchens bald sogar etwas, das ihn zutiefst verstört.

Es ist sehr interessant zu sehen, wie das Böckchen die eingeschleifte Arbeitsroutine der Besatzung verändert. Es fordert nicht selbst Aufmerksamkeit, weckt diese aber in den Männern. Und das auf sehr unterschiedliche Weise. Die einen sehen den Schmorfleischeintopf, die anderen einen Kameraden, der Abwechslung bringt. Einen bringt das Böckchen sogar in Bedrängnis. Die Kontrolle geht schleichend verloren, als der Schiffskoch erkrankt und Nebel aufzieht.

Der Autor nähert sich der heranziehenden Katastrophe mit trockenem Humor. Er analysiert die Umstände und die Veränderungen, die sich mit der Ankunft des Böckchens ergeben mit wachem Blick.

Die Besatzungsmitglieder der „Texel“ sind allgemein wortkarg. Nicht nur der Schiffskoch ist vom Charakter her ein seltsamer Mensch. Die Männer gehen distanziert miteinander um, machen ihre Arbeit und regieren auf die wechselhaften Unbilden des Wetters gewohnt routiniert. Sie haben eine lebensrettende Aufgabe zu erfüllen.

Aber mit anderen Veränderungen können sie nicht umgehen und müssen es doch. Bis zur nächsten Ablösung, die sich aufgrund des Wetters verschiebt, sind die Männer isoliert, sich selbst überlassen und haben einen Tunnelblick. Alles spielt sich auf kleinstem Raum ab. Und doch wird übersehen, was da vor ihren Augen innerhalb der Mannschaft geschieht. Mit einer immer beängstigender werdenden Atmosphäre wird das wirkungsvoll deutlich gemacht.

Rezension von Heike Rau

Mathijs Deen
Der Schiffskoch
Aus dem Niederländischen von Andreas Ecke
112 Seiten, gebunden
mareverlag, Februar 2021
ISBN-10: 3866486502
ISBN-13: 978-3866486508
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