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Autor: hera

Der Ausflug

Der Ausflug

Zur Abschlussfeier der Sonntagsschule am 15. Juni 1904, zu Beginn der Sommersaison, wird von der Gemeinde St. Mark’s ein Dampfschiff gemietet. Diese Jahresfeier hat Tradition. Mary Abendschein, die Vorsitzende des Ausflugskomitees hat sich mächtig in Zeug gelegt und die benötigten Gelder durch Spenden eingetrieben.

Für Kapitän Van Schaick der „General Slocum“, die in ihrer vierzehnten Saison im Einsatz ist, ist diese Fahrt reine Routine. Es gibt nur eine kniffelige Stelle und das ist die fünf Minuten dauernde Passage durch Hell Gate, das Tor zur Hölle. Er wägt sich in Sicherheit, schließlich wurde das Schiff erst durch die Behörden in Augenschein genommen, auch wenn bei dieser Überprüfung das eine oder andere Auge mit überzeugenden Argumenten zugedrückt wurde.

Hunderte Menschen aus Little Germany in New York, fast alle deutsche Einwanderer, gehen gut gelaunt an Bord. Familien, Frauen mit ihren Kindern. Für manche ist es der erste Ausflug dieser Art. Es ist wunderschönes Wetter. Einem heiteren unbeschwerten Tag, steht eigentlich nichts im Weg, bis das Feuer in einem Lagerraum mit Gerümpel zum Leben erwacht und die Panik ausbricht, weil die Besatzung völlig falsch reagiert.

Die Lektüre macht betroffen und fassungslos, angesichts der Tatsache, dass die Katastrophe zu verhindern gewesen wäre, hätte die Besatzung angemessen reagiert oder auch nur die Sicherheitsauflagen eingehalten. Aber diese wurden völlig außer Acht gelassen, neue Schwimmwesten kosten schließlich Geld. Die Mannschaft ist sorglos, unvorbereitet und bald völlig überfordert.
Es ist sicher nicht leicht, eine solche Tragödie in Worte zu fassen. Doch dem Autor gelingt es, zu beschreiben, was eigentlich unbeschreiblich ist. Er beginnt mit der Geschichte der Gemeinde Little Germany, erzählt, wie die Auswanderer sich ihr Leben eingerichtet haben. Dann rekonstruiert er genau, was an diesem schicksalhaften 15. Juni 1904 an Bord des Raddampfers „General Slocum“ passierte. Auch was danach geschah, stellt er dar. Dabei fällt auf, wie genau die Geschichte recherchiert wurde. Es sind besonders die Einzelschicksale von Familien, die so betroffen machen. Die aufgedeckten Hintergründe, die zu dieser Tragödie führten, machen vor allem wütend.

Über den Autor:
Edward T. O´Donnell wurde 1963 geboren. Er lehrt amerikanische Geschichte am College of the Holy Cross in Worchester. Er leitet regelmäßig, als Experte für Stadtgeschichte und Immigration, Führungen durch New York City. Der Autor lebt mit seiner Frau und seinen vier Töchtern in Holden, Massachusetts.

Rezension von Heike Rau

Edward T. O´Donnell
Der Ausflug
Das Ende von Little Germany, New York
Deutsch von Eike Schönfeld
420 Seiten, gebunden
marebuchverlag, Hamburg
ISBN: 3-936384-93-2
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Zucker ist nicht immer süß

Zucker ist nicht immer süß

Peter hat Geburtstag. Zu seiner Party lädt er Kinder seiner Klasse ein. Nur Thomas will er nicht dabei haben. Der verhält sich immer so seltsam, hört beim Sport mittendrin auf, trinkt keine Cola und mag keine Schokolade. So ein Spielverderber würde auf der Party nur stören.
Aber Thomas ist durchaus kein Langweiler. Cornelia klärt Peter und seine Freunde auf. Thomas darf nämlich keine Cola trinken oder Schokolade essen. Er ist zuckerkrank, hat Diabetes. Dabei sieht er gar nicht aus, als würde ihm was fehlen.
Was das genau für eine Krankheit ist, erklärt Cornelias Mutter. Sie ist Ärztin. Die Kinder erfahren auch, dass Thomas sich Insulin spritzen muss. Dass passt nicht zu einem Langweiler. Die Kinder sind sich einig. Sich selbst eine Spritze zu geben, erfordert viel Mut.
So lädt Peter Thomas doch zur Geburtstagsparty ein. Die wird ein wenig anders gestaltet als sonst und wird dennoch ein voller Erfolg.

Erich Rauschenbach erklärt in seinem Buch mit einfachen Worten die Krankheit Diabetes. Dabei kommt auf sehr verständliche Weise alles zur Sprache, was Kinder im Alter zwischen vier und acht Jahren diesbezüglich interessiert, also wie die Krankheit sich äußert und wie der Patient behandelt wird. Die Länge der Texte bzw. Dialoge ist knapp bemessen, so dass auch kleiner Kinder nicht überfordert werden.
Das Beste aber ist, dass das Buch ansprechend und detailreich im Comic-Stil gestaltet wurde. Da können Kinder viel entdecken. So gibt beispielsweise ein Nilpferd, dass man immer unten in der Ecke findet, lustige Kommentare von sich.
Ernst Rauschenbach hat somit ein ernstes Thema in einen Comic verpackt.
So lernen Kinder auf spielerische Art und Weise verstehen, wie es Mitschülern geht, die unter der Zuckerkrankheit leiden und warum sie bestimmte Lebensmittel nicht zu sich nehmen dürfen. Das sorgt für mehr Verständnis und verhindert die Ausgrenzung der kranken Kinder.

Über den Autor:
Erich Rauschenbach wurde 1944 geboren. Er lebt seit 1953 in Berlin. Nach dem Abitur folgte eine Banklehre und ein Studium an der PH bis 1969 und bis 1973 an der Hochschule der Künste in Berlin. Erich Rauschenbach ist freiberuflicher Zeichner und Autor. www.erich-rauschenbach.de

Rezension von Heike Rau

Erich Rauschenbach
Zucker ist nicht immer süß
32 Seiten, durchgehend illustriert
Lappan Verlag, Oldenburg
ISBN: 3-8303-1105-2
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Steinbachs großer Tier- und Pflanzenführer

Steinbachs großer Tier- und Pflanzenführer

Naturfreunde werden sich über dieses Buch freuen. Mit über 850 vorgestellten Tierarten und 880 Pflanzen- und Pilzporträts ist es sehr umfangreich. Es zeigt einen repräsentativen Querschnitt der im mitteleuropäischen Raum vorkommenden Tier- und Pflanzenarten.

Das Kapitel „Tiere“ ist unterteilt in die Abschnitte Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien, Süßwasserfische, Meeresfische, Stachelhäuter, Insekten, Tausendfüßer, Spinnentiere, Krebstiere, Weichtiere, Würmer und Schwämme, Nesseltiere, Moostierchen, Rippenquallen. Die einzelnen Kapitel haben farbig unterschiedliche Randleisten. Den einzelnen Kurzporträts steht jeweils eine Seite mit Fotos gegenüber. Oft kommen noch ergänzende Zeichnungen hinzu. Die Texte sind kurz gehalten, aber sehr aussagekräftig. Dargestellt werden Merkmale und Verbreitung der Tiere. Besonders interessant ist die Rubrik „Wissenswertes“ mit zusätzlichen zusammenfassenden Informationen.

Das Kapitel „Pflanzen und Pilze“ ist unterteilt in die Abschnitte Bäume, Sträucher, Wildblumen (sortiert nach Blütenfarben und daher sehr übersichtlich und leicht zu finden), Gräser, Farne, Moose, Flechten und Pilze. Die farbigen Abgrenzungen sind ebenfalls vorhanden. Auch hier gibt es neben den Porträts, aussagekräftige Fotos und teilweise ergänzende Detailzeichnungen. In den Porträts werden Merkmale, Standorte und Verbreitungsgebiete erklärt. Zusätzlich gibt es auch hier eine Rubrik mit Wissenswertem.

Im vorderen Teil des Buches findet man zusammenfassende Informationen über die heimische Tierwelt und Zeichnungen mit Beschriftungen zu den Körperteilen der verschiedenen Tierarten. Auch über die Pflanzen und Pilze gibt es Erläuterungen mit beschrifteten Zeichnungen zum Bau und Beschreibungen von Musterpflanzen. Fachbegriffe werden noch einmal gesondert erklärt.

Das Buch eignet sich gut zum Bestimmen von Tieren und Pflanzen, vor allem, da es inhaltlich wirklich überzeugend ist. Mit nur einem Buch kann man sich einen guten Überblick über die heimische Tier- und Pflanzenwelt verschaffen. Aber nicht nur für Naturfreunde, ob nun Wanderer, Spaziergänger oder Hobbygärtner, ist das Buch empfehlenswert. Auch Schüler können es sicher gut für den Unterricht nutzen. Es macht aber auch Spaß, einfach nur darin zu blättern, die erstklassigen Fotos zu betrachten und die Informationen dazu zu lesen. Trotz des beachtlichen Umfangs mit 895 Seiten ist der Tier- und Pflanzenführer überraschend handlich und ausgesprochen stabil. Das Buch dürfte eigentlich in keinem Bücherregal fehlen.

Rezension von Heike Rau

Steinbachs großer Tier- und Pflanzenführer
895 Seiten, über 2000 Farbfotos und 600 Detailzeichnungen
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
ISBN: 3-8001-4465-4
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Wir Wettermacher

Wir Wettermacher

Es sind längst keine Launen der Natur mehr. Verheerende Hurrikans, abschmelzende Gletscher und aussterbende Tier- und Pflanzenarten zeigen den Klimawandel an. Für den Menschen ist es schwer auszumachen, was sich auf natürlichen Wege entwickelt hat und was er davon durch sein Verhalten oder seiner Ignoranz gegenüber der Natur selbst zu verantworten hat.

Der Naturforscher und Klimahistoriker Tim Flannery erläutert in seinem Buch wie der Mensch das Wetter beeinflusst. Dazu hat er wissenschaftliche Daten und Fakten zusammengetragen und erklärt diese im Zusammenhang. Er zeigt auf, was jeder einzelne von uns beitragen kann, um die drohende Klimakatastrophe aufzuhalten.

Im Buch kann man nachlesen, was genau das Klima verändert. Der Autor präsentiert die neuesten Forschungsergebnisse auf eine sehr anschauliche Art und Weise und vor allem sehr gut verständlich. Man kommt fast ganz ohne Wörterbuch aus. Er macht aufmerksam auf von uns selbst geschaffene Umweltprobleme, analysiert unsere Situation hinsichtlich der Klimaveränderung und warnt vor bevorstehenden Ereignissen wie Wetterextreme, die eintreten könnten, sollte sich nichts ändern. Denn eins wird sehr deutlich gemacht: Das Erdklima wird sich nicht von selbst stabilisieren.

Der Autor regt mit seinem Buch zum gründlichen Nachdenken an. Er spricht den Leser sehr oft direkt an, überschüttet ihn mit Fakten und macht damit seine Botschaft sehr deutlich: Wir alle müssen dafür sorgen, dass der Kohlendioxid-Ausstoß deutlich verringert wird. So manchem Leser könnte es bei der Lektüre des Buches unbehaglich werden. Unschuldige gibt es keine und der Autor wird nicht müde, den Ernst der Lage offensichtlich zu machen. Er rüttelt den Leser sehr nachhaltig wach. Vielleicht entsteht deshalb auch der Eindruck, dass das Kapitel, wo jedem Leser erklärt wird, was er selbst tun kann, um gegenzusteuern, unglaublich kurz ist. Aber wie auch immer, dieses Buch sollte jeder lesen, denn es gibt niemanden, der sich hier aus der Verantwortung stehlen kann. Noch ist es nicht zu spät.

Über den Autor:
Tim Flannery wurde 1956 in Melbourne geboren, ist Professor für Zoologie, Direktor des South Australian Museums in Adelaide und Autor zahlreicher Bücher, lebt als Wissenschaftler, Forscher und Umweltschützer in Australien.

Rezension von Heike Rau

Tim Flannery
Wir Wettermacher
Wie die Menschen das Klima verändern und was das für unser Leben auf der Erde bedeutet
Mit einem Vorwort von Prof. Dr. Drenckhahn, Präsident WWF
Aus dem Englischen von Hartmut Schickert
338 Seiten, gebunden
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main
ISBN: 3-10-021109-X
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Nixenkuss

Nixenkuss

Sie lebt mit ihrer Mutter und einem geistesabwesenden Großvater in einem ehemaligen Seemannsheim. Der Vater ist schon vor einigen Jahren ins Meer gegangen. „Du bist eine Nixe“, hat er ihr zum Abschied gesagt. Eine Leiche wird nie gefunden und so glaubt die junge Frau, dass ihr Vater immer noch irgendwo da draußen ist. Das Haus steht in einer kleinen Stadt, an einer Felsküste im Norden der USA. Ihr Zimmer im Haus gleicht einem Krähennest, so sagt sie selbst. Alle anderen Zimmer sind vollgestellt mit Erinnerungen. Es ist kein Haus in dem man sich wohlfühlen kann. Gäste kommen nicht.

In der kleinen Stadt ist nicht viel los. Es gibt nur gelegentlich Arbeit. Die meisten Menschen hier sind dem Alkohol verfallen. Auch Jude, der 14 Jahre älter als sie ist ist, trinkt. Seit er aus dem Irak heimgekehrt ist, ist er sehr schweigsam. Sie liebt ihm trotzdem. Es ist keine gewöhnliche Beziehung, denn ihre Liebe wird nicht erwidert. Doch die 19-Jährige lässt sich nicht beirren. Sie lässt nicht locker und ertränkt Jude förmlich in ihrer Liebe.

Die Autorin schildert die unendliche Liebe ihrer jungen Heldin zu Jude auf eine ganz überraschend eigenwillige Art und Weise. Da die junge Frau glaubt, eine Nixe zu sein, muss sie sich dabei nicht an herkömmliche Klischees halten. So bietet das Meer mit seiner Kraft und seiner Außergewöhnlichkeit ganz neue Möglichkeiten, Gefühle sehr tiefgreifend und vor allem bildlich vorstellbar zu beschreiben. Dennoch wirkt die Geschichte nicht wie ein Märchen, sondern greifbar realistisch. Man kann nur staunen über den Erfindungsreichtum der Autorin und ihre unvergleichliche Art, sich auszudrücken. Sie zeigt, wie schwierig es ist, die Liebe eines Menschen zu gewinnen, der eine Mauer um sich errichtet hat. Nur eine Flutwelle kann hier etwas ausrichten. Der jungen Frau bleibt gar nichts anderes übrig, als sich in eine Fantasiewelt zu flüchten, um sich selbst zu schützen.

Über die Autorin:
Samantha Hunt wurde 1971 geboren. Sie veröffentlichte Gedichte, Kurzgeschichten und ein Theaterstück. „Nixenkuss“ ist ihr erster Roman. Die Autorin lebt in Brooklyn, New York.

Rezension von Heike Rau

Samantha Hunt
Nixenkuss
Deutsch von Bettina Barbanell
220 Seiten, gebunden
marebuchverlag, Hamburg
ISBN: 3-936384-97-5
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Matthias Sodtke: Der kunterbunte Zauberesel

Matthias Sodtke: Der kunterbunte Zauberesel

Dieses Buch direkt bei Amazon bestellen!
Sie sind die dicksten Freunde: Hase Nulli und Frosch Priesemut. Selbstverständlich verbringen sie viel Zeit miteinander. Eines morgens machen sie einen Ausflug und tanzen über Blumenwiesen und hüpfen über Kornfelder bis sie schließlich an einen kleinen Tümpel kommen. Nulli hält die heiß gehüpften Pfoten ins Wasser und Priesemut nimmt ein Bad.

Nulli wünscht sich einen Drahtesel, dann käme man viel besser und schneller von einem Ort zum anderen. Priesemut weiß nicht, was ein Drahtesel ist. Aber wie es der Zufall so will, stellen die beiden fest, dass ausgerechnet in diesem Tümpel jemand sein altes Fahrrad entsorgt hat. Die beiden holen das rostige Fahrrad aus dem Wasser und nehmen es mit nach Hause.

Mit viel Mühe richten sie das Fahrrad wieder her und machen daraus einen kunterbunten Zauberesel. Nulli weiß, wie das Fahrradfahren geht und zeigt es seinem Freund. Doch Priesemut fällt immer wieder auf die Nase. Er findet den Zauberesel furchtbar doof. Aus den gemeinsamen Fahrradausflügen wird wohl nichts werden. Doch dann macht Nulli im Schuppen von Oma Bär eine sensationelle Entdeckung…

Die Geschichte gefällt gut. Gerade kleine Kinder können sicher nachvollziehen, wie schwer es anfangs ist, das Fahrradfahren zu erlernen, besonders, wenn das Rad keine Stützräder hat. Die Enttäuschung Priesemuts ist groß, dabei hat er doch mitgeholfen, das Fahrrad wieder herzurichten. Zum Glück bewährt sich die Freundschaft zwischen Hase und Frosch ein weiteres Mal. Die beiden finden eine interessante Lösung für das Problems.

Die farbenfrohen Zeichnungen im großformatigen Buch sind klasse. Besonders wie Priesemut sich fühlt, wird sehr schön in den Bildern umgesetzt. Das gefällt nicht nur Kindern, auch die vorlesenden Eltern, Großeltern oder größeren Geschwister werden ihre Freude daran haben. Die Schrift ist handgelettert. Das Buch ist damit auch von der Aufmachung her etwas ganz Besonderes.

Rezension von Heike Rau

Matthias Sodtke
Der kunterbunte Zauberesel
36 Seiten, gebunden
ab 4 Jahren
Lappan Verlag Oldenburg
ISBN: 3-8303-1102-8
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Der Wellness-Garten

Der Wellness-Garten

Gärten kann man auf verschiedene Weisen nutzen. Zum Erholen und Entspannen, um neue Kräfte zu tanken oder auch um aktiv bei der Gartenarbeit Stress abzubauen. Aber auch für Menschen, die unter Allergien leiden oder die körperlich eingeschränkt sind, hat die Autorin Gestaltungskonzepte parat, die sich ganz nach Bedarf und den persönlichen Wünschen entsprechend, im Garten umsetzen lassen.

Auch in einem Garten, der hin zu einer Straße liegt und hellhörig ist, was die Nachbarn betrifft oder um den der Wind pfeift, kann man Ruhe und Entspannung finden. Störendenden Einflüssen kann man beispielsweise in einer abgeschirmten Ecke des Gartens entgehen. Die Autorin macht hier verschiedene Vorschläge, analysiert die Eignung von Hecken, begrünten Sichtschutzwänden, Natursteinmauern und begrünten Erdwällen.

Erholung finden, kann man besonders in einem Garten, der sich mit allen Sinnen erleben lässt. Die Autorin schlägt ganz besondere Pflanzenarrangements vor, beispielsweise mit besonders duftenden Blumen oder Stauden oder Pflanzen die durch ihre interessante Beschaffenheit faszinieren. Auch Gartenwegen kommt besondere Aufmerksamkeit zu. Hier barfuß zu laufen und die verschiedenen Untergründe zu fühlen, kann ein Erlebnis sein. Sehr schön ist auch ein plätscherndes Wasserspiel im Garten, ein künstlicher Bachlauf, ein Badeteich oder eine kleine Kneipp-Anlage.

Interessant dürfte das Buch auch für Allergiker sein. Hier steht der Schutz des Menschen vor Reizstoffen an erster Stelle. Auch hier hat die Autorin interessante Konzepte ausgearbeitet. Aufgezeigt wird, wie ein reizarmer Garten für Allergiker aussehen könnte und wie man dann im Garten trotz Allergie arbeiten kann.

Auch wer aktiv im Garten dem Stress begegnen möchte, ist mit diesem Buch gut beraten. Besonders nützlich sind hier die Porträts zu Obst- und Gemüsesorten, die sich gut für einen Wellness-Garten eigenen. Auch hier muss Harmonie im Garten nicht zu kurz kommen, geht eine sinnvolle Planung der Gartengestaltung mit vielen Beeten, Bäumen und Sträuchern voraus. Es macht Spaß, selbst angebautes Obst und Gemüse im Garten zu ernten und sich gesund zu ernähren.

Das vorliegende Buch ist sehr vielseitig. Hier findet jeder Gartenbesitzer auf sich zugeschnittene Konzepte, egal ob Erholung oder Aktivität im Vordergrund stehen. Die Autorin geht gezielt auf die unterschiedlichen Bedürfnisse ein. Der Leser findet eine Vielzahl von Anregungen, die sich oft sehr einfach umsetzten lassen und die durch ihre Wirkung überzeugen. Aber auch wer etwas ganz Besonderes plant, wie beispielsweise die Kneipp-Anlage, wird gut beraten.
Im Buch findet man sich leicht zurecht. Es ist gut gegliedert. Die Texte wurden mit anschaulichen Fotos und Zeichnungen, wie zum Beispiel Gartenplänen, ergänzt.

Über die Autorin:
Brigitte Kleinode, Diplom-Biologin, widmet sich seit Jahren gesundheitlichen Aspekten bei der Gartennutzung und -gestaltung. Im Ulmer Verlag sind bereits mehrere Titel von ihr rund um Gartenthemen erschienen.

Rezension von Heike Rau

Brigitte Kleinod
Der Wellness-Garten
Entspannen – erholen – genießen
118 Seiten, gebunden, 70 Farbfotos, 14 Zeichnungen
Verlag Eugen Ulmer Stuttgart
ISBN: 3-8001-4796-3
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Barbara Ehrenreich: qualifiziert & arbeitslos

Barbara Ehrenreich: qualifiziert & arbeitslos

Dieses Buch direkt bei Amazon bestellen!
Barbara Ehrenreich legt sich eine neue Identität und eine neue Lebensgeschichte zu. Als Barbara Alexander, arbeitslose PR-Kraft, will sie als Undercover-Reporterin den Arbeitsmarkt testen. Sie will den Versuch unternehmen, einen gut bezahlten Job in der Führungsetage zu ergattern. Sie ist bereit, dafür ihr Bestes zu tun.
Zunächst muss sie feststellen, dass kaum noch jemand selbst nach Arbeit sucht. Aber Barbara Alexander passt sich an die üblichen Gepflogenheiten an. Sie nimmt sich einen Karrieretrainer, füllt Fragebögen aus und macht Persönlichkeitstest. Sie muss akzeptieren, dass die Vorspiegelung falscher Tatsachen zum Spiel gehört. Also bügelt sie ihr Bewerbungsschreiben und ihren Lebenslauf dementsprechend auf. Es ist ein harter Job, sich einen Job zu suchen. Barbara Alexander plant ihren Tag komplett durch, um alles in den Griff zu kriegen. Sie nimmt an Workshops und Seminaren teil, besucht Jobmessen, pflegt Kontakte, bewirbt sich auf Stellenanzeigen, liest Bücher zum Thema und unterzieht sich sogar einer Typberatung.
Nach vier Monaten Tourtour und 200 Bewerbungen ist sie zwar eine Menge Geld losgeworden. Dennoch ist es bis jetzt zu keinem Vorstellungsgespräch gekommen.

Aus der Traum. Da kann man nichts schön reden. Das Buch wirkt ernüchternd und desillusionierend. Zwar sind wir hier nicht in den USA, dennoch lassen sich Vergleiche ziehen. Nicht nur schlecht Ausgebildete suchen Arbeit, auch Akademiker haben es schwer, einen gut bezahlten Job zu finden.
Zumindest muss man sich als Arbeitssuchender nicht langweilen. Auch wenn man bei all den Psychotraining schon aufpassen muss, dass man der bleibt, der man ist. Und doch scheint es fast zum Zwang zu werden, immer weiter Geld in die Jobsuche und fragwürdige Unternehmungen zu investieren, was den entgültigen Ruin bedeuten kann. Der entgültige soziale Abstieg ist dann nicht mehr abzuwenden.
Natürlich ist dies nur der Erfahrungsbericht einer einzelnen Person, auch wenn hin und wieder die Erfahrungen anderer kurz eingeblendet werden. Man möchte nicht glauben, dass es wirklich so ist und es schlussfolgernd aus dem Buch allen so geht.
Lesenswert ist das Buch aber allemal. Es ist ein sehr ironisch geschriebenes Resümee und liest sich fast so gut wie ein Roman. Aber gerade das ist das Makabere. Wie kann ein Buch dieser Art und ohne gutes Ende wie eine Komödie wirken? Nun ja, wahrscheinlich hat es diese Wirkung nur auf die, die Arbeit haben.

Über die Autorin:
Barbara Ehrenreich hat Chemie, Physik und Molekularbiologie studiert. Sie gehört heute zu den bekanntesten Publizistinnen Amerikas. Essays und Reportagen von ihr erscheinen beispielsweise im New York Times Magazine und im Wallstreet Journal.

Rezension von Heike Rau

Barbara Ehrenreich
qualifiziert & arbeitslos
Eine Irrfahrt durch die Bewerbungswüste
Aus dem Amerikanischen von Gabriele Gockel und Sonja Schumacher
Kollektiv Druck-Reif
255 Seiten, gebunden
Verlag Antje Kunstmann, München
ISBN: 3-88897-436-4

Frühling, Sommer, Herbst und Winter

Frühling, Sommer, Herbst und Winter

Gezeigt werden in diesem Bildband faszinierende Naturaufnahmen. Die Fotos stammen von renommierten Fotografen. Es sind einzigartige Nahaufnahmen, die zeigen, wie die Natur sich mit den Jahreszeiten verändert. Die Texte dazu sind interessant und so geschrieben, dass auch Kinder sie inhaltlich verstehen können.

Sehen wir uns das Kapitel „Frühling – Die Natur erwacht“ näher an.
Gleich auf der ersten Seite kann man eine Reihe von Blüten betrachten, ganz aus der Nähe, als würde man eine Lupe zu Hilfe nehmen, um alles ganz genau erkennen zu können.
Nicht nur die Pflanzen erwachen zu neuem Leben. Im April oder Mai erwachen die Gartenschläfer aus ihrer Winterruhe. Auf den Bilder kann man die Tiere mit ihrem Nachwuchs sehen.
Die Knospen beginnen sich zu entfalten, an den Bäume wächst das erste frische Grün, wie ein ganzseitiges Bild eines Waldes sehr eindrucksvoll zeigt.
Interessant ist auch das Bild einer Biene, die über und über mit dem Blütenstaub der Weidenkätzchen bedeckt ist.
Wer aufmerksam durch die Natur geht, kann Vogelnester entdecken. Auch im Buch kann man die Nester mit Eiern von Sperling und Sumpfschnepfe betrachten. Da kann auch mal ein Kuckucksei dabei sein. Wie es aussieht, wenn ein kleiner Vogel, den großen Kuckuck füttern muss, zeigt ein weiteres Bild.
Auch in Weihern oder Tümpeln gibt es im Frühling Interessantes zu entdecken. Froschlaich zum Beispiel, der aussieht, wie ein Gebilde aus Seifenblasen.
Wenn die ersten Bäume blühen, ist die Begeisterung groß. Auch das vermittelt ein ganzseitiges Bild. Aber es gibt noch viel mehr zu sehen.
Zu allen Bildern gehören passende Texte. Hier wird Interessantes und Lehrreiches aus der Natur auf sehr unterhaltsame Art und Weise vermittelt.

Die anderen Kapitel sind ebenso gestaltet. Auch hier sind die Bilder nach der Entwicklung der Natur in den entsprechenden Jahreszeiten gegliedert. Die Fotos sind spektakulär. Oft wurde aus ungewohnter Perspektive fotografiert. Immer wieder sind die Bilder stark vergrößert, so dass Einzelheiten zu sehen sind, die man mit bloßem Auge, nicht erkennen könnte. Und auch auf eine gute Stimmung wurde geachtet. Dabei sind es oft die interessanten Lichtverhältnisse, die auffallen. Am Ende des Buches wartet noch ein Überraschung auf die jungen Leser. Es ist ein Bildersuchrätsel.
Das Buch eignet aber nicht nur für Kinder, sondern für Leser jeden Alters. Es lädt nicht nur zum Ansehen ein, sondern auch zum eigenen Entdecken der Natur, die man dann, mit durch das Buch geschärften Sinnen, mit anderen Augen und viel aufmerksamer betrachten kann.

Rezension von Heike Rau

Béatrice Fontanel
Frühling, Sommer, Herbst und Winter
Die schönsten Bilder aus der Natur
128 Seiten, gebunden
ab 4 Jahren
Ravensburger Buchverlag
ISBN: 3-473-55110-4
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Müde bin ich Känguru

Müde bin ich Känguru

Teresa, noch keine 16, lebt bei ihrem Vater Hannes und dessen zweiter Frau Betty. So hat Teresa noch vier Stiefgeschwister. Teresa ist das fünfte Rad am Wagen. So fühlt sie sich jedenfalls. Von Betty wird sie geduldet, nicht geliebt. Vater Hannes sieht nichts und hört nichts. Er verschließt sich Problemen weitgehend. Die Sache mit Sophie hat er abgehakt. Daran will er sich nicht erinnern, auch nicht für Teresa, die gerne mehr über ihre Kindheit erfahren würde.

Um Familientreffen zu entgehen, erfindet Teresa Treffen mit ihrer Mutter Sophie. Treffen sich Mutter und Tochter wirklich einmal, wird das zum Abenteuer. Sophie hat eine tolle Masche drauf, so dass das Leben sich für einen kurzen Moment extravagant anfühlt. Teresa wird sich daran wohl nie gewöhnen. Betty befürchtet, dass Sophies Charaktereigenschaften auf Teresa abfärben. Doch Teresa ist nicht schwach und maßlos, sondern diszipliniert und zielstrebig. Da Töchter aber immer nach ihren Müttern kommen müssen, will keiner das erkennen. Betty weiß nicht einmal, dass Teresa auch lustig sein kann, aber eben nur wenn die Stiefmutter nicht hinsieht.

Teresa wird geduldet in der Familie, nicht mehr und nicht weniger. Sie bekommt, was man zum Leben braucht und kein bisschen mehr. Dass sie damit unglücklich ist, fällt nicht auf. Es interessiert schließlich niemanden. Doch Teresa ist jetzt in einem Alter, wo sie sich nicht mehr alles gefallen lassen will, das Misstrauen ihr gegenüber nicht mehr hinnimmt und auch mal kontert. Wohl oder übel müssen sich Betty und Hannes damit auseinandersetzen.

Teresas Geschichte macht betroffen. Es ist eine Familien-Bestandsaufnahme, sehr schonungslos und doch auch überraschend offen geschrieben. Die Autorin deckt die Strukturen einer ganz und gar nicht perfekten Familie auf und zeigt auf jede empfindliche Stelle. Besonders Betty als Mutter wird sehr unfähig und hilflos dargestellt. Sie ist eine Frau, die ihren eigenen Ansprüchen nicht genügt, die sich als Familienmanagerin sieht und doch alle Arbeit auf andere abwälzt. Sie schafft sich ihre eigene Wahrheit von der perfekten Haus- und Ehefrau weit ab von der Realität. Doch Teresa sieht über den Tellerrand hinaus. Sie begegnet ihrer Stiefmutter auf eine sehr gerissenen Art und Weise, wie es nur humorvolle Menschen tun können. Zwar ist sie traurig über ihre Lage, aber auch realistisch gegenüber ihren Möglichkeiten. Sie wird nicht untergehen. So viel Hoffnung lässt die Autorin ihren Lesern.

Über die Autorin:
Elfriede Hammerl studierte Germanistik und Theaterwissenschaft an der Uni Wien. Sie ist Kolumnistin beispielsweise bei „Vogue“, „Stern“ und „Kurier“. Sie schrieb aber auch Kurzgeschichten und Essays für diverse Magazine. Sie erhielt 1999 den Publizistikpreis der Stadt Wien, den Frauenpreis 2002 und 2004 den Concordia Preis. Elfriede Hammerl lebt in der Nähe von Wien.

Rezension von Heike Rau

Elfriede Hammerl
Müde bin ich Känguru
Nachrichten aus dem Krisengebiet Patchwork-Familie
254 Seiten, gebunden
Deuticke im Paul Zsolnay Verlag Wien
ISBN: 3-552-06017-0
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