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Autor: hera

Kjell Eriksson: Offenes Grab

Kjell Eriksson: Offenes Grab

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Professor Bertram von Ohler ist bereits 84 Jahre alt, als er erfährt, dass er den Nobelpreis für Medizin erhält. Aus dem Berufsleben hat er sich längst zurückgezogen. Einsam lebt er in der großen Familienvilla, betreut von der Haushälterin Agnes Andersson, die selbst schon über 70 Jahre alt ist und seit 55 Jahren im Haus angestellt.

Seinem Nachbarn und ehemaligen Kollegen Dozent Gregor Johansson überbringt er die freudige Botschaft zuerst. Doch der teilt seine Freude nicht. Dass die Preisvergabe auch von anderen als ungerecht empfunden wird, bekommt Ohler hautnah zu spüren. Seine Widersacher überschütten ihn in der Presse mit Kritik. Das gewohnte Leben des alten Mannes wird durcheinander gebracht. Mit der Ruhe ist es vorbei.

Im Buch werden die Gedanken und Befindlichkeiten Bertram von Ohlers festgehalten. Der missgünstige Nachbar wird ebenfalls im Auge behalten. Auch Dozent Gregor Johansson verstrickt sich in seinen Überlegungen und Grübeleien. Die Vergangenheit wird für beide wieder lebendig.

Und dann ist da noch dieser Gärtner, der bei den Lundquists nebenan arbeitet. Karsten Haller beobachtet ebenfalls genau. Er hat eine ganz eigene Meinung über Betram von Ohler, hält nichts von dem alten Mann, verachtet ihn geradezu. Im Buch wird diese Figur sehr geheimnisvoll dargestellt. Haller, obwohl eigentlich ein Fremder, weiß mehr, als er zunächst offenbart. Was er im Schilde führt, bleibt ungewiss.

Selbst Agnes, die Haushälterin, fängt an, die Dinge zu hinterfragen. Die aufkommende Unruhe im Haus und die Nervosität von Ohlers und seine wiederaufkeimende Unberechenbarkeit, die er im Alter ein Stück weit abgelegt hat, rauben ihr nun wieder die Ruhe. So sehr, dass sie an das Unmögliche denkt, nämlich in den Ruhestand zu gehen. Auch diese Figur hat Potenzial. Man sollte die alte Frau nicht unterschätzen.

Der eigentliche Krimi beginnt sehr spät. Und noch nicht mal, als Betram von Ohler Todesdrohungen erhält. Zumindest hält er den auf dem Gartenzaun aufgespießten Totenkopf dafür. Und auch ein auf das Haus geworfener Stein beunruhigt ihn.
Ann Lindell rückt mit ihre Kollegen Sammy Nilsson an. Für die beiden ist klar, dass Kritiker und Neider nun mal auf den Plan gerufen werden. Einen echten Fall sehen die beiden hier nicht. Die Ermittler kommen diesmal ein bisschen kurz. Nicht nur, dass sie erst im letzten Drittel des Buches auftauchen, es gibt einfach nichts Aufsehenerregendes zu tun.

Das Buch ist deswegen nicht unbedingt langweilig. Der Schreibstil ist gut und so liest man die Seiten ganz gut weg, um dann doch später noch so richtig überrascht zu werden. Im Verborgenen entwickelt sich nämlich etwas, was man nicht vorhersehen kann. Es geht um ein gut gehütetes Familiengeheimnis, das, wenn es ans Tageslicht käme, Folgen für den Nobelpreisträger und natürlich seine Familie haben würde. Tödlich spannend wird das Buch mit einem Mal. Die Ereignisse laufen aus dem Ruder und dann geschieht doch tatsächlich noch ein Mord!

Rezension von Heike Rau

Kjell Eriksson
Offenes Grab
Ein Fall für Ann Lindell
320 Seiten, broschiert
Dtv – Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3423213396
ISBN-13: 978-3423213394
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Gene Stone: Warum manche Menschen nie krank werden… und wie auch Sie in Zukunft gesund bleiben

Gene Stone: Warum manche Menschen nie krank werden… und wie auch Sie in Zukunft gesund bleiben

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Manche Menschen scheinen tatsächlich nie krank zu werden. Bis in hohe Alter bleiben sie gesund und munter. Und sogar jede Erkältungswelle geht spurlos an ihnen vorbei. Wie kann das sein? Dieser Frage ist Gene Stone nachgegangen. Er hat fünfundzwanzig Personen befragt, die sich über eine ausgezeichnete Gesundheit freuen können. Und diese geben ihre Geheimnisse preis.

Manchmal ist es ein Nahrungsergänzungsmittel wie Bierhefe oder Vitamin C, oder auch die Nutzung von Heilpflanzen. Es kann auch ein bestimmtes Ernährungskonzept sein, bei dem es gilt sich kalorienarm zu ernähren oder auf tierische Produkte zu verzichten. Auch Bewegung bringt Gesundheit, durch Dehnübungen oder auch ein Lauftraining. Bestimmte Orte, genannt Blue Zone, versprechen eine höhere Lebenserwartung. Für mache ist es die Einhaltung bestimmter Hygieneregeln, für andere der Verzicht auf übermäßige Sauberkeit. Dem einen tut ein Mittagsschläfchen gut, dem anderen die kalte Dusche am Morgen.

Der Autor hat die Gesundheitstipps überprüft, so dass man dem Buch auch entnehmen kann, inwieweit der Erfolg der Ratschläge durch medizinische Forschungsergebnisse belegt werden kann. Manchmal sind es aber auch sehr persönliche Tipps, die als hilfreich empfunden werden, ohne dass sich eine fundierte Erklärung dafür finden lässt.
Alle hier vorgestellten Personen verfolgen also sehr verschiedene Gesundheitskonzepte. Sie haben aber eins gemeinsam. Sie sorgen gut für sich und tun aktiv etwas für ihre Gesundheit.

Wird man selbst immer wieder von gesundheitlichen Problemen geplagt, kann man sich umsehen und Ratschläge, die einem vorteilhaft für die eigene Gesundheit erscheinen, ausprobieren. Auch der Autor hat das getan und dies und jenes ausprobiert, einiges übernommen und anderes nicht.
Auch wenn man selbst über eine gute Gesundheit verfügt, kann man sich von dem Buch inspirieren lassen. Es ist immer wieder interessant zu lesen, wie andere Menschen es mit ihrer Gesundheit halten. Eigenverantwortung zu übernehmen, scheint in jedem Fall hilfreich zu sein.

Rezension von Heike Rau

Gene Stone
Warum manche Menschen nie krank werden… und wie auch Sie in Zukunft gesund bleiben
368 Seiten, broschiert
Heyne Verlag, München
ISBN-10: 3453602080
ISBN-13: 978-3453602083
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Kevin Brooks: Schlafende Geister

Kevin Brooks: Schlafende Geister

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John Craine ist Privatdetektiv. So bekommt er von Helen Gerrish den Auftrag, deren Tochter Anna ausfindig zu machen. Auch die Polizei ist über das Verschwinden der jungen Frau informiert. Detektive Chief Inspector Mick Bishop ist mit dem Fall betraut, gibt sich aber nicht besonders engagiert.
John Craine bringt von Anfang an dem Vater Misstrauen entgegen, der sich merkwürdig abweisend und unbeteiligt gibt. Durch Zufall entdeckt der Privatdetektiv im Bad der Wohnung Annas ein Versteck. Es dauert nicht lange, bis er weiß, dass die junge Frau drogenabhängig ist und auf den Strich geht oder zumindest ging, sollte sie noch leben.

Irgendwen scheint zu stören, dass die Ermittlungsarbeit John Craines von Erfolg geprägt ist. Brutal wird er zusammengeschlagen.
Bishop weiß, von dem, was Craine herausgefunden hat. Doch den Eltern hat er die Wahrheit vorbehalten, weil er glaubt, dass Anna nicht gefunden werden will.
Craine dagegen macht weiter. Immer wieder wird seine Arbeit auf unglaubliche Weise behindert. Und dann wird er auch noch von Bishop persönlich bedroht. Das gibt Craine schwer zu denken. Aber er zieht es nicht in Betracht aufzugeben. Sein Neffe Cal, ein sehr fähiger Hacker, hilft ihm, Licht ins Dunkel zu bringen. Doch vielmehr geraten beide in einen tiefen Sumpf aus Korruption und Machtmissbrauch bei der Polizei.

John Craine macht seine Arbeit, sonst nichts. Die Vergangenheit lässt ihm keine Ruhe. Er trauert um seine Frau, die vor 17 Jahren brutal ermordet wurde. Das lässt ihn nicht zur Ruhe kommen, zermürbt ihn förmlich. Möglicherweise klammert er sich trotz der Warnungen von Mick Bishop, der um seine Vergangenheit weiß, an den Fall Anna Gerrish, weil er nichts zu verlieren hat. Warum genau Bishop die Ermittlungsarbeiten so vehement behindert, ist allerdings anfangs unklar. Ein Netz aus Lügen breitet sich über Craine aus, das kaum zu durchdringen ist. Was da hineingewoben wurde, schickt ihn direkt in die Vergangenheit zurück. Das spart nicht einmal den Mord an seiner Frau aus, der wieder gegenwärtig wird. Da hat einer wirklich geschickt die Fäden in der Hand und versucht John Craine auf unfassbare Art manipulieren zu wollen.

Der Krimi ist in allen Einzelheiten sensationell gut aufgebaut. Man wird in eine perfekt strukturierte und durchdachte Handlung hineingeführt. Dies zusammen mit dem Schreibstil macht das Buch zu einem Knüller.
Der Autor lässt Craine die Geschichte aus seiner Perspektive erzählen, so dass man dem Privatdetektiv als Leser sehr nahe kommt. Dabei gibt Craine nicht den Held. Er ist ein einsamer, unglücklicher Einzelgänger, der seine Erinnerungen mit Alkohol aus dem Hirn zu verbannen versucht. Man kann ihn dennoch verstehen. Er ist trotzdem ein sympathischer Typ. Und er kommt im Laufe des Falls wieder etwas in die Gänge.

Der Krimi ist damit ein sehr intensives Leseerlebnis. Man wird gefangen genommen von diesem Buch und vor allem von John Craine, der als Privatdetektiv über sich hinausgeht.

Rezensionen von Heike Rau

Kevin Brooks
Schlafende Geister
400 Seiten, broschiert
Deutsch von Uwe-Michael Gutzschhahn
ISBN-10: 3423213299
ISBN-13: 978-3423213295
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Hans Zippert: Die 55 beliebtesten Krankheiten der Deutschen – Im Selbstversuch getestet

Hans Zippert: Die 55 beliebtesten Krankheiten der Deutschen – Im Selbstversuch getestet

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Das Buch ist Mogelpackung und der Titel ein Lockvogel. Man kann es nicht anders sagen. Der Autor hat sich nicht extra für dieses Buch Blasenentzündungen, Parasitenbefall, Hämorrhoiden, Sehschwäche, Flugangst, Wechseljahresbeschwerden oder Altersstarrsinn zugelegt, auch wenn diese Krankheiten im Inhaltsverzeichnis stehen und als Überschriften für die Texte herhalten müssen. Es ist ohnehin Unsinn zu glauben, man könne sich eine Krankheit einfach zu zulegen, die kommen von ganz allein, auch wenn natürlich Fördermöglichkeiten bestehen.

Hans Zippert versucht uns mit seinem Buch seine alten satirischen Texte, bereits veröffentlicht auf den Blogseiten der Zeitschrift „Cicero“, unterzujubeln. Diese jetzt noch mal in einem Buch versammeln zu müssen, schreibt er seiner Krankheit „Verlustangst“ zu. Da ihm klar war, dass diese Kolumnen auch in Buchform kaum einer lesen würde, hat er diesen reißerischen Titel für seine Texte missbraucht, um wenigstens einen Verlag zu überzeugen. Es ist eine Wiederholungstat, denn das Buch erschien schon einmal (Edition Tiamat, 2008). Wobei die vorliegende Auflage auch einige neue Texte enthalten soll.

Tja, und so muss man sich mit den mal mehr, mal weniger lustigen Texten auseinandersetzen. Wobei es auch reicht, sie einfach nur zu lesen. Es geht um dies und das aus dem Alltag eines beruflich schreibenden Familienvaters, der Sorge hat, zu sterben, bevor die Steuererklärung gemacht ist, an Verschwörungstheorien arbeitet, es mit seiner Tierliebe übertreibt, der Morgengymnastik mag, unter eingebildeten Krankheiten leidet und eben einfach zu viel denkt und das alles auch noch aufschreiben muss.

Diese kurzen satirischen Texte helfen schon ein wenig über die gekonnt gemachte Täuschung hinweg. Trotzdem, wenn man was anderes bekommt, als erwartet, und auch noch dafür bezahlt hat, ist das immer eine Enttäuschung. Es wird Leser geben, die das genauso sehen.

Rezension von Heike Rau

Hans Zippert
Die 55 beliebtesten Krankheiten der Deutschen – Im Selbstversuch getestet
192 Seiten, broschiert
Heyne Verlag, München
ISBN-10: 3453590252
ISBN-13: 978-3453590250
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Laurence Gonzales: Lucy

Laurence Gonzales: Lucy

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Nur durch Flucht kann die im Kongo arbeitende Primatologin Jenny Lowe den Rebellen entgegen. Sie schafft es zu Donald Stones Hütte. Er wurde umgebracht. Doch seine Tochter ist am Leben. Jenny nimmt die 15-jährige mit sich. Die beiden fliehen zum Fluss, werden von einer Familie in einem Holzboot mitgenommen und schaffen es so bis ins nächste Dorf. Hier kann Jenny einen Kontakt zur britischen Botschaft in Kinshasa herstellen. David Meece organisiert die Ausreise und nimmt Jenny und Lucy mit nach London. Von hier aus reisen beide nach Chicago, wo Jenny in einem Vorort ein Haus hat.
Lucy, die im Dschungel bei ihrem Vater und den Bonobos aufgewachsen ist, bekommt all das zu sehen, über das sie bisher nur in Büchern gelesen hat. Sie muss sich an die Stadt erst gewöhnen.
Jenny ist aufgefallen, dass Lucy ein ganz besonderes Mädchen ist, das über erstaunliche Fähigkeiten verfügt. Bis ihre Familie mütterlicherseits ausfindig gemacht worden ist, will sie Lucy bei sich behalten. Erst die mitgebrachten Tagebücher Donald Stones, öffnen ihr die Augen.

Lucy ist das Ergebnis eines Experimentes, das ihr Vater durchgeführt hat. Sie trägt die Gene von Mensch und Menschenaffe ins sich. Lucy ist mit diesem Wissen aufgewachsen, ohne zu ahnen, welche Konsequenzen dies haben wird, auch wenn ihr Vater, der später bereut, was er getan hat, sie versucht hat, darauf vorzubereiten. Man nimmt Teil an Lucys Versuch, sich mit Jennys und später auch mit Amandas Hilfe, die ihre beste Freundin wird, ein normales Leben aufzubauen. Es ist interessant zu lesen, wie Lucy, die ohne Kontakt zu anderen Menschen, außer ihrem Vater, über unsere Gesellschaft denkt, was sie mit ihrer scharfen Beobachtungsgabe und ihren guten Instinkten wahrnimmt.
Der Wendepunkt kommt, als Lucy aufgrund einer Krankheit, die eigentlich nur Tiere bekommen können, ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen muss. Ihre Gene sind daraufhin kein Geheimnis mehr.

Die Geschichte, die der Autor mit diesem Buch durchspielt, ist sehr spannend gemacht. Man kann sich der widersprüchlichen Gefühlte, die es auslöst, nicht entziehen. Ist Lucy ein Mensch oder ein Tier? Auch mit dieser Frage beschäftigt sich die Geschichte und man kann sich vorstellen, dass die Meinungen der Menschen im Roman, weit auseinander gehen. Die Geschichte dieses unglaublichen Experiments wird von vielen Seiten beleuchtet.

Teilweise ist es schwer, hier zu folgen. Manches ist nicht ganz schlüssig, anderes wirkt zu realitätsfern, zu unglaublich. Zum Ende hin wird der Roman immer dramatischer und emotionsgeladener und darf sich zurecht Thriller nennen. Die Geschichte geht zu Herzen, man fiebert mit, denkt mit, kommt nicht umhin zu versuchen, sich eine eigene Meinung zu bilden. Es ist ein Buch, das lange nachwirkt.

Rezensionen von Heike Rau

Laurence Gonzales
Lucy
Deutsch von Britta Mümmler
432 Seiten, Klappenbroschur
Dtv – Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3423248904
ISBN-13: 978-3423248907
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Eva Goris und Claus-Peter Hutter: Der Duft-Code – Wie die Industrie unsere Sinne manipuliert

Eva Goris und Claus-Peter Hutter: Der Duft-Code – Wie die Industrie unsere Sinne manipuliert

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Alles duftet! Die Zahnpasta nach Pfefferminze, der Lufterfrischer nach Sauberkeit, der Weichspüler nach Meeresprise, die Duftkerze nach Apfel und Vanille und das Geschirrspülmittel nach Zitrone. Man könnte diese kleine Aufzählung beliebig fortsetzen.

Eva Goris und Claus Peter Hutter haben sich einmal mit dem Thema beschäftigt. Die Medaille hat nämlich zwei Seiten. Düfte und Aromastoffe haben eine bestimmte Wirkung. Das weiß man auch aus der Aromatherapie. Der Mensch ist also durch Düfte beeinflussbar und eben auch, möglicherweise ohne sein Wissen, manipulierbar. Das ist den wenigsten Menschen klar.

Die Autoren sprechen nicht umsonst von Duftterror, denn überall werden Düfte eingesetzt. Geschäfte werden beispielsweise beduftet, Büroräume und Hotels.
Daneben können Düfte auch Nebenwirkungen haben und Allergien verursachen. Empfindlichen Menschen werden Düfte auch schnell unangenehm. Leichtfertig sollten diese also nicht eingesetzt werden, auch nicht zu Hause. Aber wer denkt schon darüber nach? Dabei machen Aromen nicht mal vor unserem Essen halt.
So duftet und schmeckt der Joghurt herrlich nach Erdbeeren, obwohl kaum Erdbeere enthalten ist. Geschmacksaromen findet man neben Geschmacksverstärkern in vielen Fertigprodukten.

Spannend und informativ ist das Buch, das viele Aspekte, Düfte betreffend, aufgreift. Es geht den Autoren nicht darum, diese zu verteufeln. Denn Düfte faszinieren uns, sind oft angenehm, wecken Erinnerungen oder versetzen uns in Stimmung. Riecht dagegen etwas schlecht, löst das Alarm aus, und schützt uns beispielsweise davor, verdorbenes Essen aufzunehmen. Nicht zuletzt werden auch zwischenmenschliche Gefühle durch Duftmoleküle beeinflusst. Diese Sensibilität für Gerüche wollen wir nicht verlieren.

All diese Themen und viele mehr beleuchten die Autoren näher. Die Texte sind spannend und unterhaltsam zugleich. Man kommt ins Staunen, in welcher Art und Weise und vor allem in welchem Umfang künstliche Düfte heute genutzt werden und das sehr sorglos. Es scheint hier keine Grenzen zu geben. Und das ist dann doch schon ein wenig besorgniserregend. Oder ist das übertrieben?

Jeder kann sich selbst seine Meinung bilden. Dazu haben die Autoren recherchiert und zusammengetragen, was Produzenten und Anwender sagen, was Experten und Verbraucherschützer meinen und auch Vertreter aus der Politik befragt, ob Handlungsbedarf gesehen wird. Fest steht, der Verbraucher hat zu wenige Informationen. Mit dem Buch ändert sich das. Gut ist in diesem Zusammenhang das letzte Kapitel des Buches. Die Autoren zeigen hier, wie man den Umgang mit Düften wieder in halbwegs normale Bahnen lenken kann, soweit man es selbst in der Hand hat.

Rezension von Heike Rau

Eva Goris und Claus-Peter Hutter
Der Duft-Code
Wie die Industrie unsere Sinne manipuliert
288 Seiten, gebunden
Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN-10: 3453200012
ISBN-13: 978-3453200012
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Rita Falk: Schweinskopf al dente

Rita Falk: Schweinskopf al dente

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Der Küstner ist getürmt. Der psychopatischen Psychologe, der seine Geliebte auf dem Gewissen hat. Seine Flucht war geschickt eingefädelt. Der Erste, der von ihm hört, ist der, der ihn verurteilt hat: Richter Moratschek . Allerdings ist die Morddrohung, die Dr. Küstner ihm auf die gefrorene Windschutzscheibe gekratzt hat, mittlerweile weggetaut. Dass es keine leere Drohung war, zeigt sich, als der Richter in seinem Bett einen blutigen Schweinskopf findet. Hilfesuchend wendet er sich an Franz Eberhofer, den Dorfpolizisten von Niederkaltenkirchen, der gleich Verstärkung ruft. Als die Kollegen dann anrücken, ist der Schweinskopf verschwunden.
Richter Moratschek ist vor Angst ganz panisch. Er will nicht mehr zur Arbeit und zu Hause bleiben will er auch nicht, wo doch seine Frau zur Kur ist. Zumindest bis der Küster gefasst ist. Ausgerechnet bei Familie Eberhofer zieht er ein. Zum Glück wohnt Franz drüben im ausgebauten Saustall und nicht im Wohnhaus bei Oma und Vater. Trotzdem – das Ganze muss so schnell wie möglich ein Ende finden. Also muss Kommissar Eberhofer den Dr. Küster finden. Und so schaltet er den Birkenberger Rudi ein, der als Privat-Schnüffler arbeitet. Der schlägt vor, den Moratschek als Lockvogel zu benutzen.

Nach „Winterkartoffelknödel“ und „Dampfnudelblues“ folgt mit „Schweinskopf al dente“ nun der dritte Provinzkrimi mit Franz Eberhofer aus Niederkaltenkirchen in der Hauptrolle, der mittlerweile zum Kommissar aufgestiegen ist. Der Rahmen ist geblieben. Die vertrauten Personen sind wieder mit dabei, samt eingeschworener Dorfgemeinschaft. Zentrale Orte sind nicht nur Dorfkneipe und die Fleischerei vom Simmerl, sondern auch wieder Omas Wohnküche.

Langweilig wird das Buch deswegen nicht. Franz Eberhofer hat einen Mörder zu jagen, der ein übles Spiel treibt. Aber er muss auch Kindermädchen für Richter Moratschek spielen. Zu allem Übel will auch noch sein nicht gerade liebenswerter Bruder samt Kleinfamilie Urlaub auf dem Bauernhof bei den Eberhofers machen, so dass Franz immer wieder als Babysitter herhalten muss. Der Hund will auch seine Runde haben. Und um seine Susi, die liebestechnisch auf die schiefe Bahn geraten ist, müsste der Eberhofer sich eigentlich auch kümmern.

Es geht also sehr turbulent zu. Eine witzige Szene jagt die nächste. Das Chaos beherrscht die Handlung. Der Eberhofer ist mittendrin und versucht sich freizuschwimmen. Sein Durchsetzungsvermögen ist gefragt. Bei all dem Stress kann es schon mal passieren, dass selbst harmlose Situationen aus dem Ruder laufen. Der Eberhofer reagiert dann, egal ob privat oder beruflich herrlich unangemessen, setzt sich notfalls mit schlagkräftigen Argumenten und derb im Ton durch, manchmal auch mit Waffengewalt. Das wirkt herrlich überzogen. Aber so will man den Eberhofer haben. Beim Lesen hat man also sein Vergnügen und auch nach dem dritten Band noch lange nicht genug davon.

Rezension von Heike Rau

Rita Falk
Schweinskopf al dente
Ein Provinzkrimi
240 Seiten, Klappenbroschur
Dtv – Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3423248920
ISBN-13: 978-3423248921
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Tom Diesbrock: Hermann! – Vom klugen Umgang mit dem inneren Kritiker

Tom Diesbrock: Hermann! – Vom klugen Umgang mit dem inneren Kritiker

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Diesen Hermann kennen wir wohl alle. Er sitzt uns im Nacken und hat nichts anderes zu tun als unser Selbstbewusstsein mit seiner Kritik zu untergraben. Manchmal übertreibt er dabei gnadenlos und macht und das Leben schwer. Unnötig schwer. Und das muss man sich nicht gefallen lassen.

Zunächst einmal zeichnet der Autor die Wesenszüge von Hermann auf. Gezeigt wird, wann er sich zu Wort meldet, uns runtermacht und uns auf gemeine Weise ausbremst. Die Kritik ist oft alles andere als gerechtfertigt, der dadurch entstehende Druck nicht zum Aushalten. Dabei macht Hermann vor keinem Lebensbereich halt. Er mischt sich in Privat- und Berufsleben gleichermaßen ein. Das macht nicht nur schlechte Laune, sogar krank machen kann uns das. Der Autor zeigt genau auf, wie Hermann agiert und welche Wirkung das auf uns haben kann.

Doch nicht jeder scheint seinem inneren Kritiker so hilflos ausgeliefert zu sein. Es scheint also eine Möglichkeit zu geben, ihm auf Augenhöhe zu begegnen oder ihn zumindest in Schach zu halten. Der Autor zeigt, wie dies umgesetzt werden kann. Dabei geht es nicht darum, den Hermann links liegen zu lassen. Konstruktive Kritik ist durchaus erwünscht.

Es ist ein sehr einfach gehaltenes und damit super verständliche Buch, für alle, die sich mit der Psychologie des inneren Kritikers noch nicht auseinandergesetzt haben. Die Beispiele sind so allgemein gehalten, dass sich jeder wiedererkennen sollte. Den inneren Kritiker einer greifbaren Person, also Hermann, zuzuordnen ist eine gute Idee und ermöglicht einen humorvollen Umgang mit dem Thema. Das spiegelt sich auch in den Zeichnungen wider.

Der Autor lädt also ein, sich mit Hermann auseinanderzusetzen und zu erkennen, wie kindlich und ängstlich Hermanns Verhalten eigentlich ist. Es werden Strategien aufgezeigt, wieder ein Gleichgewicht herzustellen zwischen Hermann, der kritisiert, und einem selbst, der Kritik entgegennimmt. Dann nämlich ist Kritik nichts mehr, was ausbremst, sondern etwas, das anspornt.

Rezensionen von Heike Rau

Tom Diesbrock
Hermann! – Vom klugen Umgang mit dem inneren Kritiker
Zeichnungen von Frank Wowra
120 Seiten, gebunden
Patmos Verlag
ISBN-10: 384360035X
ISBN-13: 978-3843600354
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Elizabeth George: Whisper Island – Sturmwarnung

Elizabeth George: Whisper Island – Sturmwarnung

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Auf Whidbey Island verwandelt sich Hannah Armstrong in Becca King. Auch ihr Aussehen ist nun verändert. Das alles gehört zum Plan. Ihr Stiefvater Jeff Corrie soll das Mädchen nicht finden können. So muss Becca bei einer Freundin ihrer Mutter unterkommen, bis diese für sich und ihre Tochter einen dauerhaften Zufluchtsort gefunden hat. Einen Ort, wo sie sicher sind vor dem Mörder. Denn dass Jeff Corrie einer ist, weiß Becca. Sie kann die Gedanken anderer hören.

Auf der Insel muss Becca ohne ihre Mutter klarkommen. Doch von Anfang an läuft alles schief. Die Freundin ihrer Mutter ist kürzlich an einem Herzinfarkt gestorben. Das bedeutet für Becca nun keine Unterkunft zu haben und völlig auf sich allein gestellt zu sein. Ihre Mutter ist nämlich über das Handy nicht zu erreichen.

Seth Darrow, der zur Aushilfe im Supermarkt arbeitet, versorgt Becca nicht nur mit Essen, er vermittelt auch den Kontakt zu Debbie Grieder. Diese nimmt Becca bei sich auf, erwartet im Gegenzug von ihr, dass sie ihr im Motel hilft und ab und an auf die Enkelkinder Josh und Chloe aufpasst. Außerdem sorgt Debbie dafür, dass Becca die Schule besuchen kann.
Hier sieht Becca Derric wieder. Sie hatte ihn bereits auf der Fähre gesehen, außerdem ist er ein Freund von Josh. Becca ist fasziniert von ihm. In Seth und Derric findet Becca Freunde, von denen sie aber nicht weiß, inwieweit sie ihnen vertrauen kann. Sich unter den Jugendlichen zu behaupten, ist ohnehin nicht leicht. Jeder hat seine Geheimnisse.

Immer mal wieder versucht Becca ihre Mutter anzurufen. Doch sie kann sie nicht erreichen. Ob Jeff Corrie sie aufgespürt hat? Als Derric im Wald einen Unfall hat, muss Becca mit dem Handy einen Notruf absetzen. Da die Polizei sie über das Handy ausfindig machen und bis zu ihrer Mutter zurückverfolgen könnte, muss Becca das Telefon loswerden. Die einzige mögliche Verbindung zu ihrer Mutter.

Becca hat eine seltene Gabe. Sie kann Gedanken hören. Nur kann man diesen geflüsterten Bruchstücken, die oftmals von dem Flüstern weiterer Gedankensplitter überlagert werden und dann kaum zuzuordnen sind, nur bedingt etwas entnehmen. Statt ein Geheimnis zu lüften, kommt manchmal ein weiteres hinzu.

Den Verlauf der Geschichte bestimmt diese Gabe also nicht unbedingt. Aber sie macht es Becca ein wenig einfacher, die Menschen der Insel einzuschätzen.
Dass sie unerkannt bleibt, sichert ihr Überleben. Aber so gut sie das auch versucht, spürt man doch die Gefahr, die stets lauert. Fragen werden gestellt. Und bald sucht die Polizei nach dem Besitzer des Handys. So wird Beccas Leben zum Versteckspiel.

Allerdings wirkt die Handlung zu konstruiert. Viel zu sehr ergibt sich Becca ihrem Schicksal und über lange Strecken passiert nichts Außergewöhnliches. Irgendwie bleibt die im Klappentext versprochene Spannung aus.

Auch wenn man anderes erwartet hat, vom Schreibstil her liest sich das Buch dennoch gut. Es ist anzunehmen, dass die Handlung mit dem zweiten Band sehr viel spannender weitergehen wird. Der erste, also der Auftakt zur Geschichte, wird mit einer vielversprechenden Szene beendet.

Rezensionen von Heike Rau

Elizabeth George
Whisper Island – Sturmwarnung
Aus dem Amerikanischen von Ann Lecker-Chewiwi und Bettina Arlt
448 Seiten, gebunden
Egmont INK
ISBN-10: 3863960017
ISBN-13: 978-3863960018
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Jochen Metzger: Alle Macht den Kindern

Jochen Metzger: Alle Macht den Kindern

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Über einen Monat soll der Selbstversuch laufen. Die Kinder, die dreizehnjährige Lara und der zehnjährige Jonny, sollen mit ihren Eltern die Rollen tauschen und alle Entscheidungen über die Familie treffen. Die Kinder bekommen alle Rechte, während die Eltern ohne Widerspruch den Anweisungen ihrer Kinder folgen müssen. Mit dazu gehört auch, dass die Kinder das Familienbudget für einen Monat verwalten. Schon im Vorfeld gibt es Diskussionen. Vorbehalte müssen ausgeräumt werden. Aber dann kommt man doch überein, was die Regeln betrifft und das Experiment kann zu einem geeigneten Zeitpunkt beginnen.

Familienvater und Journalist Jochen Metzger hat in dieser Zeit Tagebuch geführt. Das Experiment ist ein spannendes Abenteuer für die ganze Familie geworden, das sicher für alle Eltern sehr interessant ist. Hautnah bekommt man Einblick in das Familienleben.
Die erste Woche läuft ganz gut. Alles ist neu und interessant. Es ist spannend zu sehen, wie die Kinder scheinbar schneller in ihre neue Rolle finden, als die Eltern. Dann treten immer wieder Schwierigkeiten auf. Zum Ende hin wird das Experiment zur Bewährungsprobe für alle Familienmitglieder.

Jochen Metzger sieht genau hin. Er hinterfragt in seinen Gedanken das Verhalten seiner Kinder und natürlich auch das eigene und das seiner Frau Helga. Er bekommt zu sehen, was von der Erziehung bleibt, wenn die Kinder tun und lassen dürfen, was sie wollen und auch noch über die Eltern entscheiden können. Wie ändert sich der Umgangston? Wie viel Freiheit nehmen sich die Kinder, welche Regeln hebeln sie aus? Wie konsequent sind die Eltern, die ja nun die Rolle der Kinder innehaben?

Was passiert, schildert Jochen Metzger auf eine sehr sensible Art und Weise. Es geht nicht darum etwas zu beweisen. Erfahrungen werden gemacht, neue Einsichten gewonnen. Es ist ein Buch, das ernst und humorvoll zugleich ist, das interessante und auch sehr persönliche Einblicke zulässt und das sich dadurch wirklich sehr spannend liest.

Rezension von Heike Rau

Jochen Metzger
Alle Macht den Kindern
Ein Selbstversuch
180 Seiten, Klappenbroschur
Patmos Verlag
ISBN-10: 384360083X
ISBN-13: 978-3843600835
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