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Autor: hera

Laurence Gonzales: Lucy

Laurence Gonzales: Lucy

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Nur durch Flucht kann die im Kongo arbeitende Primatologin Jenny Lowe den Rebellen entgegen. Sie schafft es zu Donald Stones Hütte. Er wurde umgebracht. Doch seine Tochter ist am Leben. Jenny nimmt die 15-jährige mit sich. Die beiden fliehen zum Fluss, werden von einer Familie in einem Holzboot mitgenommen und schaffen es so bis ins nächste Dorf. Hier kann Jenny einen Kontakt zur britischen Botschaft in Kinshasa herstellen. David Meece organisiert die Ausreise und nimmt Jenny und Lucy mit nach London. Von hier aus reisen beide nach Chicago, wo Jenny in einem Vorort ein Haus hat.
Lucy, die im Dschungel bei ihrem Vater und den Bonobos aufgewachsen ist, bekommt all das zu sehen, über das sie bisher nur in Büchern gelesen hat. Sie muss sich an die Stadt erst gewöhnen.
Jenny ist aufgefallen, dass Lucy ein ganz besonderes Mädchen ist, das über erstaunliche Fähigkeiten verfügt. Bis ihre Familie mütterlicherseits ausfindig gemacht worden ist, will sie Lucy bei sich behalten. Erst die mitgebrachten Tagebücher Donald Stones, öffnen ihr die Augen.

Lucy ist das Ergebnis eines Experimentes, das ihr Vater durchgeführt hat. Sie trägt die Gene von Mensch und Menschenaffe ins sich. Lucy ist mit diesem Wissen aufgewachsen, ohne zu ahnen, welche Konsequenzen dies haben wird, auch wenn ihr Vater, der später bereut, was er getan hat, sie versucht hat, darauf vorzubereiten. Man nimmt Teil an Lucys Versuch, sich mit Jennys und später auch mit Amandas Hilfe, die ihre beste Freundin wird, ein normales Leben aufzubauen. Es ist interessant zu lesen, wie Lucy, die ohne Kontakt zu anderen Menschen, außer ihrem Vater, über unsere Gesellschaft denkt, was sie mit ihrer scharfen Beobachtungsgabe und ihren guten Instinkten wahrnimmt.
Der Wendepunkt kommt, als Lucy aufgrund einer Krankheit, die eigentlich nur Tiere bekommen können, ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen muss. Ihre Gene sind daraufhin kein Geheimnis mehr.

Die Geschichte, die der Autor mit diesem Buch durchspielt, ist sehr spannend gemacht. Man kann sich der widersprüchlichen Gefühlte, die es auslöst, nicht entziehen. Ist Lucy ein Mensch oder ein Tier? Auch mit dieser Frage beschäftigt sich die Geschichte und man kann sich vorstellen, dass die Meinungen der Menschen im Roman, weit auseinander gehen. Die Geschichte dieses unglaublichen Experiments wird von vielen Seiten beleuchtet.

Teilweise ist es schwer, hier zu folgen. Manches ist nicht ganz schlüssig, anderes wirkt zu realitätsfern, zu unglaublich. Zum Ende hin wird der Roman immer dramatischer und emotionsgeladener und darf sich zurecht Thriller nennen. Die Geschichte geht zu Herzen, man fiebert mit, denkt mit, kommt nicht umhin zu versuchen, sich eine eigene Meinung zu bilden. Es ist ein Buch, das lange nachwirkt.

Rezensionen von Heike Rau

Laurence Gonzales
Lucy
Deutsch von Britta Mümmler
432 Seiten, Klappenbroschur
Dtv – Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3423248904
ISBN-13: 978-3423248907
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Eva Goris und Claus-Peter Hutter: Der Duft-Code – Wie die Industrie unsere Sinne manipuliert

Eva Goris und Claus-Peter Hutter: Der Duft-Code – Wie die Industrie unsere Sinne manipuliert

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Alles duftet! Die Zahnpasta nach Pfefferminze, der Lufterfrischer nach Sauberkeit, der Weichspüler nach Meeresprise, die Duftkerze nach Apfel und Vanille und das Geschirrspülmittel nach Zitrone. Man könnte diese kleine Aufzählung beliebig fortsetzen.

Eva Goris und Claus Peter Hutter haben sich einmal mit dem Thema beschäftigt. Die Medaille hat nämlich zwei Seiten. Düfte und Aromastoffe haben eine bestimmte Wirkung. Das weiß man auch aus der Aromatherapie. Der Mensch ist also durch Düfte beeinflussbar und eben auch, möglicherweise ohne sein Wissen, manipulierbar. Das ist den wenigsten Menschen klar.

Die Autoren sprechen nicht umsonst von Duftterror, denn überall werden Düfte eingesetzt. Geschäfte werden beispielsweise beduftet, Büroräume und Hotels.
Daneben können Düfte auch Nebenwirkungen haben und Allergien verursachen. Empfindlichen Menschen werden Düfte auch schnell unangenehm. Leichtfertig sollten diese also nicht eingesetzt werden, auch nicht zu Hause. Aber wer denkt schon darüber nach? Dabei machen Aromen nicht mal vor unserem Essen halt.
So duftet und schmeckt der Joghurt herrlich nach Erdbeeren, obwohl kaum Erdbeere enthalten ist. Geschmacksaromen findet man neben Geschmacksverstärkern in vielen Fertigprodukten.

Spannend und informativ ist das Buch, das viele Aspekte, Düfte betreffend, aufgreift. Es geht den Autoren nicht darum, diese zu verteufeln. Denn Düfte faszinieren uns, sind oft angenehm, wecken Erinnerungen oder versetzen uns in Stimmung. Riecht dagegen etwas schlecht, löst das Alarm aus, und schützt uns beispielsweise davor, verdorbenes Essen aufzunehmen. Nicht zuletzt werden auch zwischenmenschliche Gefühle durch Duftmoleküle beeinflusst. Diese Sensibilität für Gerüche wollen wir nicht verlieren.

All diese Themen und viele mehr beleuchten die Autoren näher. Die Texte sind spannend und unterhaltsam zugleich. Man kommt ins Staunen, in welcher Art und Weise und vor allem in welchem Umfang künstliche Düfte heute genutzt werden und das sehr sorglos. Es scheint hier keine Grenzen zu geben. Und das ist dann doch schon ein wenig besorgniserregend. Oder ist das übertrieben?

Jeder kann sich selbst seine Meinung bilden. Dazu haben die Autoren recherchiert und zusammengetragen, was Produzenten und Anwender sagen, was Experten und Verbraucherschützer meinen und auch Vertreter aus der Politik befragt, ob Handlungsbedarf gesehen wird. Fest steht, der Verbraucher hat zu wenige Informationen. Mit dem Buch ändert sich das. Gut ist in diesem Zusammenhang das letzte Kapitel des Buches. Die Autoren zeigen hier, wie man den Umgang mit Düften wieder in halbwegs normale Bahnen lenken kann, soweit man es selbst in der Hand hat.

Rezension von Heike Rau

Eva Goris und Claus-Peter Hutter
Der Duft-Code
Wie die Industrie unsere Sinne manipuliert
288 Seiten, gebunden
Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN-10: 3453200012
ISBN-13: 978-3453200012
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Rita Falk: Schweinskopf al dente

Rita Falk: Schweinskopf al dente

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Der Küstner ist getürmt. Der psychopatischen Psychologe, der seine Geliebte auf dem Gewissen hat. Seine Flucht war geschickt eingefädelt. Der Erste, der von ihm hört, ist der, der ihn verurteilt hat: Richter Moratschek . Allerdings ist die Morddrohung, die Dr. Küstner ihm auf die gefrorene Windschutzscheibe gekratzt hat, mittlerweile weggetaut. Dass es keine leere Drohung war, zeigt sich, als der Richter in seinem Bett einen blutigen Schweinskopf findet. Hilfesuchend wendet er sich an Franz Eberhofer, den Dorfpolizisten von Niederkaltenkirchen, der gleich Verstärkung ruft. Als die Kollegen dann anrücken, ist der Schweinskopf verschwunden.
Richter Moratschek ist vor Angst ganz panisch. Er will nicht mehr zur Arbeit und zu Hause bleiben will er auch nicht, wo doch seine Frau zur Kur ist. Zumindest bis der Küster gefasst ist. Ausgerechnet bei Familie Eberhofer zieht er ein. Zum Glück wohnt Franz drüben im ausgebauten Saustall und nicht im Wohnhaus bei Oma und Vater. Trotzdem – das Ganze muss so schnell wie möglich ein Ende finden. Also muss Kommissar Eberhofer den Dr. Küster finden. Und so schaltet er den Birkenberger Rudi ein, der als Privat-Schnüffler arbeitet. Der schlägt vor, den Moratschek als Lockvogel zu benutzen.

Nach „Winterkartoffelknödel“ und „Dampfnudelblues“ folgt mit „Schweinskopf al dente“ nun der dritte Provinzkrimi mit Franz Eberhofer aus Niederkaltenkirchen in der Hauptrolle, der mittlerweile zum Kommissar aufgestiegen ist. Der Rahmen ist geblieben. Die vertrauten Personen sind wieder mit dabei, samt eingeschworener Dorfgemeinschaft. Zentrale Orte sind nicht nur Dorfkneipe und die Fleischerei vom Simmerl, sondern auch wieder Omas Wohnküche.

Langweilig wird das Buch deswegen nicht. Franz Eberhofer hat einen Mörder zu jagen, der ein übles Spiel treibt. Aber er muss auch Kindermädchen für Richter Moratschek spielen. Zu allem Übel will auch noch sein nicht gerade liebenswerter Bruder samt Kleinfamilie Urlaub auf dem Bauernhof bei den Eberhofers machen, so dass Franz immer wieder als Babysitter herhalten muss. Der Hund will auch seine Runde haben. Und um seine Susi, die liebestechnisch auf die schiefe Bahn geraten ist, müsste der Eberhofer sich eigentlich auch kümmern.

Es geht also sehr turbulent zu. Eine witzige Szene jagt die nächste. Das Chaos beherrscht die Handlung. Der Eberhofer ist mittendrin und versucht sich freizuschwimmen. Sein Durchsetzungsvermögen ist gefragt. Bei all dem Stress kann es schon mal passieren, dass selbst harmlose Situationen aus dem Ruder laufen. Der Eberhofer reagiert dann, egal ob privat oder beruflich herrlich unangemessen, setzt sich notfalls mit schlagkräftigen Argumenten und derb im Ton durch, manchmal auch mit Waffengewalt. Das wirkt herrlich überzogen. Aber so will man den Eberhofer haben. Beim Lesen hat man also sein Vergnügen und auch nach dem dritten Band noch lange nicht genug davon.

Rezension von Heike Rau

Rita Falk
Schweinskopf al dente
Ein Provinzkrimi
240 Seiten, Klappenbroschur
Dtv – Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3423248920
ISBN-13: 978-3423248921
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Tom Diesbrock: Hermann! – Vom klugen Umgang mit dem inneren Kritiker

Tom Diesbrock: Hermann! – Vom klugen Umgang mit dem inneren Kritiker

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Diesen Hermann kennen wir wohl alle. Er sitzt uns im Nacken und hat nichts anderes zu tun als unser Selbstbewusstsein mit seiner Kritik zu untergraben. Manchmal übertreibt er dabei gnadenlos und macht und das Leben schwer. Unnötig schwer. Und das muss man sich nicht gefallen lassen.

Zunächst einmal zeichnet der Autor die Wesenszüge von Hermann auf. Gezeigt wird, wann er sich zu Wort meldet, uns runtermacht und uns auf gemeine Weise ausbremst. Die Kritik ist oft alles andere als gerechtfertigt, der dadurch entstehende Druck nicht zum Aushalten. Dabei macht Hermann vor keinem Lebensbereich halt. Er mischt sich in Privat- und Berufsleben gleichermaßen ein. Das macht nicht nur schlechte Laune, sogar krank machen kann uns das. Der Autor zeigt genau auf, wie Hermann agiert und welche Wirkung das auf uns haben kann.

Doch nicht jeder scheint seinem inneren Kritiker so hilflos ausgeliefert zu sein. Es scheint also eine Möglichkeit zu geben, ihm auf Augenhöhe zu begegnen oder ihn zumindest in Schach zu halten. Der Autor zeigt, wie dies umgesetzt werden kann. Dabei geht es nicht darum, den Hermann links liegen zu lassen. Konstruktive Kritik ist durchaus erwünscht.

Es ist ein sehr einfach gehaltenes und damit super verständliche Buch, für alle, die sich mit der Psychologie des inneren Kritikers noch nicht auseinandergesetzt haben. Die Beispiele sind so allgemein gehalten, dass sich jeder wiedererkennen sollte. Den inneren Kritiker einer greifbaren Person, also Hermann, zuzuordnen ist eine gute Idee und ermöglicht einen humorvollen Umgang mit dem Thema. Das spiegelt sich auch in den Zeichnungen wider.

Der Autor lädt also ein, sich mit Hermann auseinanderzusetzen und zu erkennen, wie kindlich und ängstlich Hermanns Verhalten eigentlich ist. Es werden Strategien aufgezeigt, wieder ein Gleichgewicht herzustellen zwischen Hermann, der kritisiert, und einem selbst, der Kritik entgegennimmt. Dann nämlich ist Kritik nichts mehr, was ausbremst, sondern etwas, das anspornt.

Rezensionen von Heike Rau

Tom Diesbrock
Hermann! – Vom klugen Umgang mit dem inneren Kritiker
Zeichnungen von Frank Wowra
120 Seiten, gebunden
Patmos Verlag
ISBN-10: 384360035X
ISBN-13: 978-3843600354
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Elizabeth George: Whisper Island – Sturmwarnung

Elizabeth George: Whisper Island – Sturmwarnung

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Auf Whidbey Island verwandelt sich Hannah Armstrong in Becca King. Auch ihr Aussehen ist nun verändert. Das alles gehört zum Plan. Ihr Stiefvater Jeff Corrie soll das Mädchen nicht finden können. So muss Becca bei einer Freundin ihrer Mutter unterkommen, bis diese für sich und ihre Tochter einen dauerhaften Zufluchtsort gefunden hat. Einen Ort, wo sie sicher sind vor dem Mörder. Denn dass Jeff Corrie einer ist, weiß Becca. Sie kann die Gedanken anderer hören.

Auf der Insel muss Becca ohne ihre Mutter klarkommen. Doch von Anfang an läuft alles schief. Die Freundin ihrer Mutter ist kürzlich an einem Herzinfarkt gestorben. Das bedeutet für Becca nun keine Unterkunft zu haben und völlig auf sich allein gestellt zu sein. Ihre Mutter ist nämlich über das Handy nicht zu erreichen.

Seth Darrow, der zur Aushilfe im Supermarkt arbeitet, versorgt Becca nicht nur mit Essen, er vermittelt auch den Kontakt zu Debbie Grieder. Diese nimmt Becca bei sich auf, erwartet im Gegenzug von ihr, dass sie ihr im Motel hilft und ab und an auf die Enkelkinder Josh und Chloe aufpasst. Außerdem sorgt Debbie dafür, dass Becca die Schule besuchen kann.
Hier sieht Becca Derric wieder. Sie hatte ihn bereits auf der Fähre gesehen, außerdem ist er ein Freund von Josh. Becca ist fasziniert von ihm. In Seth und Derric findet Becca Freunde, von denen sie aber nicht weiß, inwieweit sie ihnen vertrauen kann. Sich unter den Jugendlichen zu behaupten, ist ohnehin nicht leicht. Jeder hat seine Geheimnisse.

Immer mal wieder versucht Becca ihre Mutter anzurufen. Doch sie kann sie nicht erreichen. Ob Jeff Corrie sie aufgespürt hat? Als Derric im Wald einen Unfall hat, muss Becca mit dem Handy einen Notruf absetzen. Da die Polizei sie über das Handy ausfindig machen und bis zu ihrer Mutter zurückverfolgen könnte, muss Becca das Telefon loswerden. Die einzige mögliche Verbindung zu ihrer Mutter.

Becca hat eine seltene Gabe. Sie kann Gedanken hören. Nur kann man diesen geflüsterten Bruchstücken, die oftmals von dem Flüstern weiterer Gedankensplitter überlagert werden und dann kaum zuzuordnen sind, nur bedingt etwas entnehmen. Statt ein Geheimnis zu lüften, kommt manchmal ein weiteres hinzu.

Den Verlauf der Geschichte bestimmt diese Gabe also nicht unbedingt. Aber sie macht es Becca ein wenig einfacher, die Menschen der Insel einzuschätzen.
Dass sie unerkannt bleibt, sichert ihr Überleben. Aber so gut sie das auch versucht, spürt man doch die Gefahr, die stets lauert. Fragen werden gestellt. Und bald sucht die Polizei nach dem Besitzer des Handys. So wird Beccas Leben zum Versteckspiel.

Allerdings wirkt die Handlung zu konstruiert. Viel zu sehr ergibt sich Becca ihrem Schicksal und über lange Strecken passiert nichts Außergewöhnliches. Irgendwie bleibt die im Klappentext versprochene Spannung aus.

Auch wenn man anderes erwartet hat, vom Schreibstil her liest sich das Buch dennoch gut. Es ist anzunehmen, dass die Handlung mit dem zweiten Band sehr viel spannender weitergehen wird. Der erste, also der Auftakt zur Geschichte, wird mit einer vielversprechenden Szene beendet.

Rezensionen von Heike Rau

Elizabeth George
Whisper Island – Sturmwarnung
Aus dem Amerikanischen von Ann Lecker-Chewiwi und Bettina Arlt
448 Seiten, gebunden
Egmont INK
ISBN-10: 3863960017
ISBN-13: 978-3863960018
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Jochen Metzger: Alle Macht den Kindern

Jochen Metzger: Alle Macht den Kindern

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Über einen Monat soll der Selbstversuch laufen. Die Kinder, die dreizehnjährige Lara und der zehnjährige Jonny, sollen mit ihren Eltern die Rollen tauschen und alle Entscheidungen über die Familie treffen. Die Kinder bekommen alle Rechte, während die Eltern ohne Widerspruch den Anweisungen ihrer Kinder folgen müssen. Mit dazu gehört auch, dass die Kinder das Familienbudget für einen Monat verwalten. Schon im Vorfeld gibt es Diskussionen. Vorbehalte müssen ausgeräumt werden. Aber dann kommt man doch überein, was die Regeln betrifft und das Experiment kann zu einem geeigneten Zeitpunkt beginnen.

Familienvater und Journalist Jochen Metzger hat in dieser Zeit Tagebuch geführt. Das Experiment ist ein spannendes Abenteuer für die ganze Familie geworden, das sicher für alle Eltern sehr interessant ist. Hautnah bekommt man Einblick in das Familienleben.
Die erste Woche läuft ganz gut. Alles ist neu und interessant. Es ist spannend zu sehen, wie die Kinder scheinbar schneller in ihre neue Rolle finden, als die Eltern. Dann treten immer wieder Schwierigkeiten auf. Zum Ende hin wird das Experiment zur Bewährungsprobe für alle Familienmitglieder.

Jochen Metzger sieht genau hin. Er hinterfragt in seinen Gedanken das Verhalten seiner Kinder und natürlich auch das eigene und das seiner Frau Helga. Er bekommt zu sehen, was von der Erziehung bleibt, wenn die Kinder tun und lassen dürfen, was sie wollen und auch noch über die Eltern entscheiden können. Wie ändert sich der Umgangston? Wie viel Freiheit nehmen sich die Kinder, welche Regeln hebeln sie aus? Wie konsequent sind die Eltern, die ja nun die Rolle der Kinder innehaben?

Was passiert, schildert Jochen Metzger auf eine sehr sensible Art und Weise. Es geht nicht darum etwas zu beweisen. Erfahrungen werden gemacht, neue Einsichten gewonnen. Es ist ein Buch, das ernst und humorvoll zugleich ist, das interessante und auch sehr persönliche Einblicke zulässt und das sich dadurch wirklich sehr spannend liest.

Rezension von Heike Rau

Jochen Metzger
Alle Macht den Kindern
Ein Selbstversuch
180 Seiten, Klappenbroschur
Patmos Verlag
ISBN-10: 384360083X
ISBN-13: 978-3843600835
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Sandra Lüpkes: Taubenkrieg

Sandra Lüpkes: Taubenkrieg

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Was genau in dem Bootsschuppen am Pinnower See passiert ist, kann man nicht sagen. Es ist ein Tatort ohne Leiche. Dass hier jemand sein Leben lassen musste, erkennt man an der großen Menge Blut auf dem Boden. Hauptkommissar Eberhard Wachtel schreibt das Geschehen Revierkämpfen unter Rockerclubs zu. Das Opfer hält Wachtel für ein Mitglied der „Devil Doves“ und sieht die Täter in den Reihen der „G-Point-Gangsters“. Es hatte kürzlich schon einen Polizeieinsatz wegen Ruhestörung gegeben.

Wencke Tydmers hat einen anderen Verdacht. Sie glaubt nicht an einen Rockerüberfall, sondern eher an einen ganz normalen Mord, eine Beziehungstat möglicherweise. Nach den Spuren zu urteilen, waren zur Tatzeit nur zwei Personen im Schuppen. Aber mit dieser Meinung steht die Fallanalytikerin ziemlich alleine da. Nicht mal ihr Kollege Boris Bellhorn scheint vollständig überzeugt von dieser These. Um Gewissheit zu haben, muss man die DNA-Analyse abwarten.

Tatsächlich wird das Blut Leo Kellerbach zugeordnet, dem Anwalt und Vorsitzenden der „Devil Doves“. Geht der Mord, wobei die Leiche immer noch nicht gefunden wurde, doch auf die Rechnung der „G-Point-Gangsters“? Um dahinter zu kommen, wird Wenke kurzerhand zu Christine Frey, der Verpächterin des neuen Clubhauses der „Devil Doves“. Man sollte die Rocker nicht unterschätzen. Doch genau das tut Wencke.

Der Fall ist außergewöhnlich, weil das vermutete Opfer nicht auffindbar ist. Man hat also wenig, um arbeiten zu können. Um Mörder und Motiv zu finden, muss Wencke ungewöhnliche Wege gehen. Sie lässt den Urlaub mit ihrem Sohn sausen und bringt den Jungen bei Axel Sanders Familie unter, obwohl zwischen ihr und Axel dringend eine Aussprache nötig wäre.

Wencke wird diesmal sehr widersprüchlich dargestellt. Der Job scheint ihr über alles zu gehen. Aber genau das macht die Handlung sehr spannend. Der Fall ist nur mit einer Ermittlerin zu lösen, die aufs Ganze geht.
Der Krimi ist gut aufgebaut. Man wird mit vielen Wendungen überrascht, auch weil die Rockerszene Wencke im Grunde fremd ist. Hier herrschen andere Gesetze und das bekommt sie hautnah zu spüren. Doch fast schon verbissen, will sie ein Scheitern ihrerseits nicht zulassen. Ganz nachvollziehen kann man das nicht. Aber möglicherweise liegt es an ihrer inneren Zerrissenheit. Sie fürchtet Sanders verloren zu haben, der sich wieder mehr seiner Familie zuwendet. Im Buch wird das aber nicht gut miteinander verknüpft.

Was hinter dem vermuteten Mord steckt, ist dann aber doch noch mal eine ganz andere Geschichte, als erwartet. Da steigt die Spannung noch einmal sehr an. So hat der Krimi dann auch einen überraschenden Ausgang.

Rezension von Heike Rau

Sandra Lüpkes
Taubenkrieg
320 Seiten, gebunden
Dtv – Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN-10: 3423248580
ISBN-13: 978-3423248587
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Ute Andresen: Lass mich mal – lesen und schreiben

Ute Andresen: Lass mich mal – lesen und schreiben

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Meist passiert es schon im Vorschulalter, dass Kinder beginnen, sich für Buchstaben zu interessieren. Besonders erstrebenswert ist es, den eigenen Namen schreiben zu können. Wobei das vielmehr ein Malen der Buchstaben ist. Das Verständnis für den Zusammenhang der Buchstaben zu einem Wort fehlt noch. Aber auch diesem Geheimnis wird das Kind auf die Spur kommen.

Die Geschichten im Buch stehen als Beispiel dafür. Hier wird erzählt, wie Kinder die Buchstaben und das Lesen entdeckten. Jedes Kind im Buch hat eine ganz eigenen persönliche Erfahrungen gemacht und das Geheimnis der Buchstaben ein wenig anders entschlüsselt. Die Geschichten sind für vorlesende Eltern und zuhörende Kinder gleichermaßen interessant. Kindern gibt es Anregung genauer hinzusehen und sich Zusammenhänge zu erschließen. Eltern zeigt es, in welcher Form sie ihr Kind unterstützen können. Und das bedeutet vor allem, Kinder in der Vorschulzeit ihren eigenen Entdeckungen machen zu lassen, ohne vorzugreifen. Der Aha-Effekt, der schließlich den Lernerfolg bringt, ist wichtig. Nur so ist ein wirkliches Verstehen möglich.

Sehr anregend für Kinder sind auch die Zeichnungen. Es gibt hier viel zu sehen und zu entdecken. Die Welt der Buchstaben und Wörter wird fantasievoll dargestellt, so dass das Interesse der Kinder für diese kleinen Kunstwerke sich ganz von selbst einstellen dürfte. So kann ein interessantes Gespräch zwischen Kindern und Eltern entstehen, das das Lernen fördert, weil es Buchstaben und Wörter in ihrer Bedeutung begreifbar macht.

In das Buch können Kinder direkt hineinschreiben. Ihre ersten Buchstaben und kleinen Schreiberfolge sind hier gut aufgehoben. Zu jedem Buchstaben gibt es eine Seite. Linien mit Pfeilen in den Modellbuchstaben zeigen auf, wie der Stift geführt werden muss. Auch die Proportionen der kleinen und großen Buchstaben finden natürlich Beachtung. Geschichten und Beschäftigung für das Kind bietet das Buch also gleichermaßen.

Rezensionen von Heike Rau

Ute Andresen
Lass mich mal – lesen und schreiben
Bilder von Verena Ballhaus
155 Seiten, gebunden
Beltz & Gelberg
ISBN-10: 3407753551
ISBN-13: 978-3407753557
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Cosima Bellersen Quirini: Joghurt, Quark und Käse – Natürlich selbstgemacht

Cosima Bellersen Quirini: Joghurt, Quark und Käse – Natürlich selbstgemacht

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Heute wird wieder viel selbstgemacht. Man besinnt sich auf alte Rezepte. Auch Milchprodukte kann man selbst herstellen. Der Joghurt zum Beispiel kann ohne Aufwand mit dem Joghurtbereiter gemacht werden. Aber da hört es dann meist schon auf. Cosima Bellersen Quirini zeigt, welche Möglichkeiten man noch hat.
Zunächst wird erklärt, welchen Vorteil es hat, die Küche in eine Hobbykäserei zu verwandeln. Man erhält Basiswissen über die Milch. Dabei werden die verschiedenen Milchsorten beschrieben. Es folgen grundsätzliche Regeln, die man bei der Herstellung von Milchprodukten beachten muss und erfährt, was man dazu braucht.

Ganz einfach herstellen, kann man zum Beispiel Dickmilch, die gut mit frischen Früchten schmeckt oder auch als Salatsoße genommen werden kann.
Es folgt der Joghurt. Hier werden Rahmjogurt, Schafsmilchjoghurt und andere Sorten hergestellt. Auch für Kefir, Ayran und Lassi gibt es Rezepte.

In der Rahmküche wird dann zum Beispiel Butter hergestellt. (Die Zauberstab-Butter habe ich ausprobiert, weil man hier nur Rahm und Schmand braucht, einen Mixer und eine hohe Rührschüssel. Es funktioniert tatsächlich. Ungefähr nach zehn Minuten kann man beobachten, wie die Sahne sich auf dem Weg zur Butter verändert. Das Schlagen wird dann auch schon etwas anstrengender. Man sollte also wirklich, so wie die Autorin es empfiehlt, eine hohe Rührschüssel nehmen, denn es spritzt etwas. Die fertige Butter wird dann noch geknetet. Ich habe sie etwas gesalzen. Außerdem kann man die Masse in eine gewünschte Form gebracht werden. Man hat zum Schluss nicht nur ein halbes Stück Butter, sondern auch ein Glas Buttermilch. Beides sehr lecker!)

Weiter geht es mit der Käseküche. Man erfährt, wie Käse entsteht. Hier wird es schon ein bisschen komplizierter. Wer experimentierfreudig ist, wird also fündig. Gearbeitet wird mit Säureweckern, Säuerungsmitteln, spezifischen Kulturen und Lab. Auch Essig, Wein und Fruchtsäuren können zum Einsatz kommen, ebenso Edelschimmelpilze. Die Käseherstellung wird Schritt für Schritt erklärt.
Man kann aber zunächst ganz einfach anfangen. Mit Frischkäse. Dazu gehören zum Beispiel auch Quark und Hüttenkäse. Hat man jetzt noch keine entsprechenden Kulturen oder Lab da, kann man auch ganz einfach den Frischkäse aus Buttermilch probieren oder den Frischkäse mit Zitronensaft. Die Autorin macht viele Vorschläge zum Verfeinern von Frischkäse.
Weiter geht es dann mit Käse der reifen muss, also Weichkäse, Schnittkäse und Hartkäse. Im Kapitel „Sonstige Käsearten“ findet man dann noch Pasta Filate wie Mozzarella, dann noch Schmelzkäse und Lakenkäse.

„Joghurt, Quark und Käse“ ist ein tolles Buch, für alle, die ihre Milchprodukte selbst herstellen möchten. Die Autorin zeigt, dass das nicht schwierig sein muss. Wobei man sich hier natürlich, was Aufwand und Anspruch betrifft, steigern kann. Das Buch eignet sich für Anfänger, aber auch wer schon Erfahrungen hat, findet Rezepte. Wer auf dem Land lebt, auf einem Bauernhof, und über den Eigenbedarf hinaus in einem Hofladen Milchprodukten anbieten möchte, kann sich Anregungen holen. Man hat hier ein unglaublich breites Betätigungsfeld.

Man erhält ein Basiswissen rund um die Milch und die Milchprodukte. Die Autorin streut auch immer wieder Unterhaltsames ein. So erfährt man beispielsweise den Ursprung der Redewendung „alles in Butter“. Oder man kann nachlesen, wie Milchprodukte in der Volksmedizin eingesetzt werden, etwa als Quarkwickel.
Dass man von der Autorin direkt angesprochen wird, gefällt gut. Das Buch ist sehr benutzerfreundlich gemacht. Es ist übersichtlich und enthält ansprechendes Bildmaterial.

Rezension von Heike Rau

Cosima Bellersen Quirini
Joghurt, Quark und Käse – Natürlich selbstgemacht
144 Seiten, Klappenbroschur
Verlag Eugen Ulmer
ISBN-10: 3800176505
ISBN-13: 978-3800176502
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Ulrike Schweikert: Das Herz der Nacht – Mit GEWINNSPIEL

Ulrike Schweikert: Das Herz der Nacht – Mit GEWINNSPIEL

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Fürstin Therese Kinsky ist ihrem Retter András Petru Báthory sehr verbunden. Aussichtslos war ihre Lage, als die Pferde mit dem Phaeton durchgingen. Es hätte ihr Tod sein können. So sorgt sie dafür, dass sie diesen faszinierend Mann wiedersieht. Auf ihren Wunsch hin erkundigt er sich am nächsten Abend nach ihrem Befinden. Später in der Nacht kommt er noch einmal und trinkt vom Blut ihres Mannes, bevor er unbemerkt auch in ihr Gemach vordringt, nur um zu sehen. Er ist nicht der Einzige, der nachts im Palais umherschleicht. Kammermädchen Liesbeth ist zu einem kurzen Stelldichein unterwegs. Sie kommt nicht ungeschoren davon.

Fürstin Kinsky und Graf Bárthory freunden sich immer mehr an. Sie nehmen sogar gemeinsam am gesellschaftlichen Leben teil, auch wenn Fürst Kinsky, mit dem sie in unglücklicher Ehe verbunden ist, es unterbinden will.
Doch dann werden die Besuche des Grafen seltener. Eine weitere Frau, auf die ihn Fürstin Kinsky auch noch selbst aufmerksam gemacht hat, vermag ihn zu begeistern. Es ist die begabte, aber sehr zurückgezogen lebende Pianistin Karoline Wallberg. Er nimmt Klavierunterricht bei ihr. Ihre uneheliche Tochter Sophie kommt dem Fremden nicht mit ihrem Vertrauen entgegen. Sie spürt, dass etwas Unheilvolles ihn umgibt.

Für die bestialischen Morde an jungen Frauen Wiens ist Graf Bárthory aber nicht verantwortlich. Und dennoch führt eine geschickt gelegte Spur zu ihm. Der kaiserlich-königliche Kommissär Hofbauer ist in seinem Ehrgeiz nahe dran, ihn der Verbrechen zu überführen.

Graf Bárthory ist ein charismatischer Vampir, der seine Geheimnisse geschickt verbirgt. Er ist Scheusal und Liebender zugleich und das fasziniert an ihm. Die Frauen, die ihm zu Füßen liegen, scheint er geradewegs ins Verderben zu führen. Es ist nicht sein Bestreben. Es ist sein Schicksal. Das wird sehr deutlich gemacht.

Auch wenn Graf Bárthory die Hauptrolle spielt, so sind auch die anderen Charaktere sehr gut ausgearbeitet.
Man liest das Buch mit Faszination und Beklemmung zugleich. Es spielt im winterlichen Wien des 19. Jahrhunderts und die frostige nächtliche Kälte tut ein Übriges. Die Kulisse wird gut beschrieben. Die Geschichte spielt in einem interessanten historischen Kontext. Hier sind viele Details eingeflossen.

Die Szenerie ist also perfekt. Das Geschehen stimmig. Mit ihrem leicht lesbaren Schreibstil führt die Autorin auf unterhaltsame Weise durch das Buch. Das Geheimnisvolle, das Gefährliche ist immer präsent. Es ist eine klassische Vampirgeschichte, die von bekannten Klischees lebt ohne klischeehaft zu wirken. Das gefällt sehr gut.

Rezension von Heike Rau

Ulrike Schweikert
Das Herz der Nacht
476 Seiten, broschiert
Egmont LYX
ISBN-10: 380258497X
ISBN-13: 978-3802584978
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