Sein letztes Wort

Sein letztes Wort

Cinda Hayes, erfolgreiche Anwältin, übernimmt den schweren Job der Leiterin eines Frauenzentrums und setzt sich dort professionell und leidenschaftlich für Frauen ein, die Opfer von Gewaltverbrechen wurden. Doch eines Tages wird sie von ihrem ehemaligen Professor bestellt, ein Revisionsverfahren zu prüfen. Es geht um Jason Smiley, der wegen Vergewaltigung und Mord an einer jungen Frau zum Tode verurteilt wurde und nun im einem Hochsicherheitsgefängnis einsitzt. Die Vertretung eines verurteilten Frauenmörders passt so gar nicht zu Cindas Job im Frauenzentrum. Das Unverständnis ihrer Kolleginnen führt schließlich zum Rausschmiss. Ihre beste Freundin Tory, stellvertretende Staatsanwältin, geht ihr aus dem Weg und blockt alle Anrufe ab. Doch Cinda, die ihr Gewissen plagt, will weiter an dem Fall arbeiten und tut dies im Büro ihres Freundes Sam, der ebenfalls Anwalt ist. Als sie den faszinierenden Jason Smiley im Gefängnis besucht, gerät sie sofort in seinen Bann. Er gesteht ihr die Vergewaltigung, jedoch nicht den Mord. Cinda sieht eine Möglichkeit die Todesstrafe abzuwenden, gegen die sie ohnehin ist. Cinda beginnt alle Zeugenaussagen, Beweise und Indizien zu prüfen und gerät bald in einen Strudel aus Lügen und Angst, aus dem sie nicht wieder herauszukommen scheint. Temporeich wird die Gratwanderung der sympathischen Anwältin Cinda Hayes zwischen ihrer Loyalität zu den Frauen des Zentrums auf der einen Seite und ihrem verurteilten Klienten auf der anderen Seite geschildert. Ein äußerst spannenden Krimi, ungewöhnlich, gut durchdacht und psychologisch ausgeklügelt. Auch wenn es ein Erstlingswerk ist, man merkt man sofort, dass die Autorin ihr Handwerk versteht.

Marianne Wesson
Sein letztes Wort
Ein provokanter Krimi mit ungewöhnlichem Ausgang
ISBN:3442307546
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Schweigen im Oktober

Schweigen im Oktober

Eines Morgens im Bad sagt Astrid ihrem Mann, dem Erzähler, dass sie verreisen wird. Am nächsten Tag verreist sie auf unbestimmte Zeit und er versäumt es sie zu fragen wohin. Anhand der Kontoauszüge ihrer Kreditkarte erkennt er, dass sie dieselbe Reise macht, die sie sieben Jahre zuvor gemeinsam gemacht hatten. Das Haus ist jetzt leer, die Kinder sind schon ausgezogen und so beginnt der Erzähler diese Leere, die Stille mit seinen Erinnerungen an die 18 gemeinsamen Jahre zu füllen. Er war während des Studiums Taxi gefahren und eines Abends holte er eine Frau mit ihrem kleinen Sohn ab, die ihrem Ehemann verließ. Der durchgedrehte Ehemann wartete allerdings schon bei der Freundin und da sie sonst kein Ziel wußte, bot er ihr an bei ihm zu übernachten. Aus dieser zufälligen, aus der Not geborenen Gemeinschaft entsteht eine leise, scheinbar selbstverständliche Liebe, die ihn aus seiner hitzigen und verblendeten Leidenschaft, seiner unglücklichen Liebe zu Inès befreite. „Es ging alles sehr schnell, aber es war eine gemächlichere, beiläufige, fast aristokratische Liebe, kein Fieber, kein auszehrender Hunger, kein Trommeln mit weißen Knöcheln an eine verschlossene Tür. Anfangs war ich trunken vor Leichtigkeit, mit Astrid war offenbar alles möglich, ich brauchte meine Worte nicht abzuwägen, aber es war auch nicht nötig, jede Liebkosung mit pathetischen Erklärungen oder bangen Rückfragen zu beschwören.“ (S. 104) Aus den sich wiederholenden Trivialitäten des Alltages und des gleichförmigen, einnehmenden Familienlebens holen ihn seine Auslandsaufenthalte als Kunsthistoriker. Während eines längeren Arbeitsaufenthaltes in New York hat er ein Verhältnis mit einer Malerin. Er verschweigt es seiner Frau und lebt diese Liebe, diese ungestillte und zerfressende Sehnsucht in seinen Gedanken weiter. Hatte seine Frau von dieser, sieben Jahre zurückliegenden Affäre, etwas erfahren? War sie glücklich gewesen? War er glücklich? … Diesen Fragen läßt Grondahl seinen Erzähler in seinen Erinnerungen nachgehen und dabei entsteht ein sehr differenziertes Bild über die Lebensgeschichte eines Paares, über die Liebe, das Glücklichsein. Mit teilweise schmerzhafter Genauigkeit offenbart der Erzähler seine Gefühle und seine Gedanken, ohne dabei je kitschig oder abgedroschen zu werden. Dieser sensible und auch sezierende Blick in das Innere des Protagonisten gepaart mit dem ruhigen, schnörkellosen und genauen Erzählstil machen dieses Buch zu einem traurigen und wunderschönen Genuß. Der Autor: Jens Christian Grondahl, geboren 1959, studierte Philosophie in Kopenhagen und absolvierte eine Ausbildung zum Filmregisseur. Er verfasste Hörspiele, Essays und zahlreiche Romane, für die er verschiedene Auszeichnungen erhielt. Auf deutsch erschien 1996 der Roman Indian Summer. Der große Durchbruch gelang ihm, auch international, mit „Schweigen im Oktober“

Jens Christian Grondahl
Schweigen im Oktober
Ein trauriger und wunderschöner Genuß
ISBN:3552049401
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Helden wie wir

Helden wie wir

Thomas Brussig wäre vielleicht nie ein erfolgreicher Schriftsteller geworden, hätte es nicht die deutsche Wende gegeben. Denn dieses Ereignis ist Kulminationspunkt seines Romans „Helden wie wir“, mit dem er tolle Erfolge feiert. Der Drehbuchautor des Kinoschlagers „Sonnenallee“ erzählt aus der Sicht des Klaus Uhltzscht (welch ein Name) die perspektivenlose Lenbensgeschichte eines Jugendlichen in der DDR kurz vor der Wende. Die Tatsache, dass Klaus‘ Vater Stasifunktionär und seine Mutter staatliche Hygiene-Inspektorin ist, lässt vermuten, dass es sich um ein politisch orientiertes Werk handelt. Gott sei Dank ist dem nicht so! Thomas Brussig kritisiert und polemisiert nicht, sondern lässt Klaus Uhltzscht nur leben und erleben, wobei er die Absurdität der Verhältnisse innerhalb der Familie auf eindrucksvolle Weise schildert. „Frau-Saubermann-Mutter“ und „Stasi-Spitzel-Vater“, der seine wahre Identität lange vor seinem Sohn zu verbergen sucht, leben dem Sprössling ein Spiessbürgertum vor, das Klaus in einer Welt von Prüderie, bedingungsloser Linientreue und übertriebener Hygiene aufwachsen lässt. So fragt er sich zum Beispiel, wie er gezeugt wurde. Denn er kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass seine Eltern etwas so Schmutziges wie einen Geschlechtsakt vollzogen haben. Thomas Brussig versteht es, die Leiden und Sehnsüchte des verklemmten Jünglings herzerfrischend und ironisch nachzuzeichnen. Dabei lässt er seinen Helden Dinge von Zwerchfell erschütternder Komik erleben und lässt ihn in die Geschichte als den Mann eingehen, der mit seinem Penis die Berliner Mauer zum Einsturz gebracht hat. Ein Lesevergnügen, das wegen seines intelligenten Humors auch den anspruchsvollsten Leser in seinen Bann zieht.

Thomas Brussig
Helden wie wir
Ein intelligentes Lesevergnügen
ISBN:3596133319
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Metamagicum

Metamagicum

„Was ist die Essenz von Geist und Struktur?“ Mit diesem Untertitel scheint der Autor Douglas R. Hofstadter ein riesiges Fass aufzumachen, in dessen Untiefen schon viele weiche Denker ertrunken sind. Doch Hofstadter, der gelernte Teilchenphysiker, schifft den Leser humorvoll und verständlich traumhaft sicher um jede Klippe der Banalität. Er dreht den Spiess einfach um und zeigt, dass Originalität und Korrektheit von wissenschaftlichen Betrachtungen eine natürliche Ambivalenz aufweisen. Dieses Buch basiert auf einer Serie von Artikeln, die der Autor in den frühen 80er Jahren im Scientific American geschrieben hat. Hofstadter bietet einen atemberaubenden Einblick in die Funktionsweise unseres Geistes in Mathematik, Physik und den angeblich entgegengesetzten kreativen Disziplinen wie Musik, Literatur und Malerei. Er zeigt wie subtil Form und Inhalt miteinander verwoben sind, und welch hinterhältigen Fallstricken unser Gehirn bei Versuchen beides zu trennen ausgesetzt ist. Unser Geist wirft mächtige Schatten. Im Bereich der Mathematik lehrt uns etwa das Goedelsche Unvollständigkeitstheorem, dass unsere Regelsysteme entweder unvollständig oder widersprüchlich sind. Dass wirft ein deutliches Licht auf die nichtmechanische Essenz unseres Bewusstseins. In anderen Disziplinen kann man diese Aussage nicht beweisen, aber sie liefert dort eine sehr nützliche Metapher. Wer mal einmal etwas wirklich gutes für die Essenz seines eigenen Geistes tun möchte, verstehen will warum etwa die Welt im kleinen anders beschaffen sein muss als die Welt im großen, sollte sich der Metamagie Hofstadters nicht entziehen.

Douglas R. Hofstadter
Metamagicum
Fragen nach der Essenz von Geist und Struktur
ISBN:342330426X
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Die Sammlung Berggruen – Museum für Kinder

Die Sammlung Berggruen – Museum für Kinder

Mit Kindern in die Sammlung Berggruen nach Berlin? Unmöglich! Denken Sie? Nicht mit diesem Buch! Hier finden die Kinder viel über das Leben und Schaffen der ausgestellten Künstler und Kind gerechte Informationstexte zu ausgewählten Bildern. Denn es ist viel interessanter, wenn man die Geschichte zu einem Gemälde weiß, als wenn man nur das Bild allein sieht. Zum Beispiel hat Paul Klee viele lustige Bilder für sein Patenkind Irene gemalt. Oder schauen Sie sich mit Ihrem Kind einmal die Figur des kleinen Musikanten an, den Picasso gemacht hat. Darauf können Sie sogar noch die Fingerabdrücke des Künstlers erkennen. Oder wie gefällt Ihnen das Frauenbildnis, das Picasso nur aus aufgeleimtem Sand schuf? Außerdem lernen die Kinder noch etwas über die Kunstrichtungen, die die Maler geprägt haben und verstehen dann vielleicht eher, warum Picasso zum Beispiel so komische Mosaikbilder gemalt hat oder Henri Matisse als alter Mann ganz viel mit Buntpapier geklebt hat, auf dem man noch heute viele kleine Nadelstiche vom Ausprobieren und Anpinnen erkennen kann. Vielleicht regen die Texte und Bilder die Kinder selbst an, auch mal etwas Ausgefalleneres zu malen als nur Häuser, Bäume und Menschen. Mich hat die Ausstellung Berggruen fasziniert, obwohl ich keinerlei Ambitionen zur Kunst habe. Dieses Buch war sicherlich Ausschlag gebend dafür.

Gabriele Struck
Die Sammlung Berggruen – Museum für Kinder
Mit Kindern in die Sammlung Berggruen nach Berlin
ISBN:3875848373
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Das Buch Der Allerletzten Wahrheiten

Das Buch Der Allerletzten Wahrheiten

Cornelius Murphy und sein zwergenhafter Freund Tuppe -beide aus echtem Heldenstoff gemacht- befinden sich auf einer epischen Abenteuerreise. Im Auftrag eines gewissen Arthur Kobold suchen sie nach dem geheimnisvollen „Buch der allerletzten Wahrheiten“, in dem Hugo Rune die Wahrheit über Kugelschreiber, Igel, Thermoskannen und die sogenannten „Verbotenen Zonen“ erzählt. Dieses Buch wollen sie in Kobolds Verlag veröffentlichen, während SIE versuchen, die beiden daran zu hindern. Wobei keiner so genau weiß, wer SIE eigentlich sind. Unterwegs in einem stahlblauen Cadillac Eldorado, müssen Cornelius und Tuppe es mit einem schottischen Monster namens Campbell, seiner Bande von menschenfressenden Rocker-Wikingern und dem „Zug des Trismegistus“ aufnehmen. Worum es geht? Um nichts weniger als die Rettung der Menschheit! Und einen Riesenhaufen Kohle natürlich. Der „Hugo-Rune“-Zyklus, dessen erster Band mit „Das Buch der allerletzten Wahrheiten“ vorliegt ist eine Abenteuer-Groteske in der besten Tradition der englischen Parodie-Schriftsteller, was man alleine schon an folgendem erkennt: der Zyklus ist eine vierbändige Trilogie, deren dritter Band mit dem Rest nichts zu tun hat. Robert Rankins skurriler, manchmal etwas derber Humor ist treffend und sarkastisch, durchbricht aber -sowohl absichtlich, als auch unabsichtlich- auch des öfteren die Grenzen des guten Geschmacks. Auf keinen Fall jedermanns Sache, aber wer lange genug durchhält und EINES seiner Bücher liest, will früher oder später ALLE lesen. Das Schöne daran: Es ist überhaupt nicht nötig, alle Bücher zu lesen, da sie zwar eine Fortsetzungsgeschichte bilden, aber jeder Band für sich genommen auch einzeln gelesen werden kann. Charakteristisch für den Ton der Bücher ist das Zusammenspiel von Cornelius und Tuppe. Beide sind siebzehn Jahre alt, frisch von der Schule abgegangen und von jeher die besten Freunde, obwohl sie von körperlichen Merkmalen und sozialem Umfeld her nicht unterschiedlicher sein könnten. Sie haben sich in ihre Rollen als großer Held und Heldengehilfe eingelebt, behandeln einander aber gleichberechtigt und teilen sich Freud und Leid, Frauen und Geld, während sie in Mr. Kobolds Cadillac von London nach Schottland, Wales und wieder zurück reisen und dabei die haarsträubendsten Abenteuer erleben. Auch Cornelius Eltern spielen eine typische, wenn auch sehr kleine Rolle in dem Gespinst aus makaberem Humor und zwerchfellerschütternder Action. Der Vater spricht mit den Gartengeräten in seiner Laube (und diese antworten), die Mutter ist augenscheinlich eine recyclingwütige Hausfrau mit Geheimdiensthintergrund, während der Nachbar Chimären und andere Monstrositäten züchtet. Hier eine kleine Leseprobe, die für Rankins Stil signifikant ist: Cornelius und Tuppe sind bei den Murphys zum Essen eingeladen und haben ihre Freundin Anna mitgebracht. Es gibt sechsbeinige Gans. *Tuppe untersuchte die Keule auf seinem Teller. „Was die Gans betrifft…“ „Die kam heute morgen in den Garten spaziert. Na ja, gesprungen eigentlich. Sie muss letzte Nacht aus Polgar´s Pet Shop entwichen sein.“ Tuppe schob seinen Teller zur Seite. Eine kürzlich fast tödlich verlaufene Begegnung mit einem Pelzfisch stand ihm noch frisch vor Augen. „Hatte ich schon erwähnt, dass ich Veganer geworden bin?“ „Oh“, meinte Mrs. Murphy. „Ich wusste gar nicht, dass man Veganer WERDEN kann. Ich dachte, man müsste dort geboren sein.“ „Du meinst jetzt die Leute von der Wega“, sagte ihr Mann. „Wega, wie in Wegabyte?“ „Vermutlich.“ Jack Murphy zuckte die Achseln. „Na, das ist aber schön, Tuppe. Das freut mich, dass du einen anständigen Job gefunden hast. Pendelst du zwischen den Planeten, oder arbeitest du im Büro?“ „Im Büro“, sagte Tuppe. „Neben dem Radiator.“ „Wie schön. Noch mehr Gans, sagtest du?“* ‚Monty Python treffen Douglas Adams und besaufen sich’, könnte man sagen. Wie gesagt, Rankins Werk ist mit Sicherheit nicht für jeden leicht verdaulich, aber wer Terry Prattchet, Douglas Adams und Konsorten mag, der wird Rankin spätestens nach dem zweiten Buch lieben.

Robert Rankin
Das Buch Der Allerletzten Wahrheiten
Nicht für jeden leicht verdaulich
ISBN:3404242017
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Marius der Mahr

Marius der Mahr

Nach dem beruflich bedingten Umzug ihrer Eltern vom Land in die Nähe einer Stadt ist die neunjährige Judith Rosenbusch alleine. Ihr altes Zuhause mit Oma, Opa, ihrem Pony und ihren Freundinnen ist jetzt weit weg. In ihrer neuen Klasse findet sie nur schwer Kontakt, die Nachbarschaft ist ihr unbekannt. Ihre Eltern bemühen sich intensiv, ihr die neue Umgebung so angenehm wie möglich zu machen, aber Judith fühlt sich allein gelassen. Im Traum begegnet ihr Marius, ein Mahr, der zu ihrem „richtigen“ Freund wird und mit dem sie nun Nacht für Nacht lustige und spannende Geschichten erlebt. Marius ist so viel aufregender als alle Kinder in ihrer Umgebung, dass sie gar nicht weiter nach Freunden sucht, sondern sich nur noch auf den Abend freut um ins Bett gehen zu können. (Sagt da jemand: „Woher bekomme ich einen Mahr für mein Kind?“) Ein Klassenkamerad stellt Judith wegen ihres Einzelgängertums und ihrer scheinbaren Arroganz zur Rede. Als sie ihm erklärt, dass sie ja schließlich Marius, den Mahr, zum Freund habe, reagiert dieser mit absolutem Unverständnis. Und Judith beginnt zögernd, Kontakt zu ihrem Mitschüler aufzunehmen… Dieses köstlich geschriebene Buch lebt von der (sicherlich autobiographischen) Beschreibung familiärer Alltagssituationen: Unaufgeräumte Kinderzimmer, Sprechen mit vollem Mund, Fernsehen am Nachmittag und dabei Hausaufgaben machen etc.: Jeder, der eigene Kinder hat und hatte kann nur mit dem Kopf nicken, wenn er die verzweifelten Bemühungen der Eltern liest, ihr Kind zu einem halbwegs vernünftigen Wesen zu erziehen. Diskussionen über die Notwendigkeit von Freundschaften und die Sinnhaftigkeit gewisser schulischer Leistungen gehören ebenfalls zu diesem „déja-vu“ Effekt. Darüber hinaus gelingt es dem Autor aber auch, dem Leser eine ganz andere Dimension der kindlichen Seite zu erschließen: Die Welt der Träume. Im Buch durch Kursivschrift abgehoben erlebt man eine Märchen- und Zauberwelt, eine Atmosphäre aus Ängsten, Befürchtungen, Verstrickungen, Rettungsversuchen und Verwirrungen. Die Verquickung von Realität und Traum, von tatsächlichen Geschehnissen und kindlicher Verarbeitung ist es, die das Buch so lesenswert macht. Und zwar für alle: von acht bis achtzig!

Marc Albrecht
Marius der Mahr
Für alle lesenswert: Von acht bis achtzig!
ISBN:3-935982-20-8
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Der Richter

Der Richter

Richter Atlee ist tot und Ray, sein ältester Sohn, machte eine ungewöhnliche Entdeckung: Im Arbeitszimmer des Richters findet er 27 Kartons voll Geld; insgesamt 3,1 Millionen Dollar in bar. Ray gibt seinem ersten Impuls nach und versteckt das Geld, kurz bevor sein Bruder eintrifft: Forrest, drogenabhängig, verschleudert seit Jahren das Geld der Familie in zahlreichen Entziehungskuren. Ray weiß eines sicher: Sollte Forrest das Geld in die Hände bekommen, würde er sich damit zugrunde richten. Das Geld wird zu Rays kleinem Geheimnis – doch er stellt bald darauf mit Entsetzen fest, dass noch jemand davon weiß. Jemand der keine Skrupel kennt… Soweit, so gut. Die Situation verspricht spannende Unterhaltung, doch leider wird der Leser nach dieser Eröffnung bitter enttäuscht. Rays Versuche, den Ursprung des Geldes zu ermitteln, gestalten sich langatmig und werden auf Dauer einfach langweilig, während der geheime Mitwisser sich damit begnügt, Fotos und seltsame Grußkarten zu verschicken. Er scheint Ray aus der Ferne zu beobachten und unternimmt einige klägliche Einschüchterungsversuche. Ray seinerseits beweist in verschiedensten Kasinos, dass das Geld nicht markiert ist, und entdeckt zudem seine Lust am Glücksspiel. Obwohl er sich ständig vorhält, die drei Millionen seines Vaters nur zu verwahren, ist er auch bald bereit, sie auszugeben. Im letzten Viertel des Romans schließlich kommt Ray der Gedanke, den Ursprung des Geldes in den Ermittlungsakten des Richters zu suchen, die sich schon vom ersten Rundblick an im Flur stapeln. Hier wird er etwas zu schnell fündig, und plötzlich weiß Ray ganz genau, woher das Geld stammt und wer hinter dem Spiel steckt. Dieses Wissen nützt Ray jedoch wenig, erfährt er doch noch auf den letzten Seiten, dass er sich geirrt hat. John Grishams Roman zeichnet sich aus durch farblose, blutleere Charaktere und eine Story, die nicht richtig in Gang kommen will. Das Ende kommt zwar überraschend, ist jedoch schlichtweg unbefriedigend, ist es doch letztlich Forrest, der um drei Millionen reicher seine nächste Entziehungskur antritt. Fazit: Nach zahlreichen hervorragenden Grisham- Thrillern eine herbe Enttäuschung, die man sich durchaus schenken kann.

John Grisham
Der Richter
Eine herbe Enttäuschung
ISBN:3453215060
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Das Montglane Spiel

Das Montglane Spiel

Katherine ist die einzige Frau in einer New Yorker Firma. Sie arbeitet als Computerexpertin. Da sie bei den korrupten Machenschaften ihres Chefs nicht mitmacht, wird sie zur Strafe für 1 Jahr nach Algerien versetzt, wo sie für einen Minister der (damals noch unbekannten) OPEC als Computerexpertin arbeiten soll. Kurz vor ihrer Abreise hat sie eine Begegnung mit einer Wahrsagerin, die Dinge von Katherine sagt, die sie eigentlich gar nicht wissen kann. Katherine ist dadurch sehr verunsichert, vor allem da plötzlich alle um sie herum seltsame Dinge reden. So will der Sohn ihres Freundes Harry, dass sie in Algerien wertvolle Schachfiguren auftreiben soll, aber ohne dass es jemand erfährt, koste es was es wolle. Kurz darauf werden zwei Menschen, die Katherine gekannt hatte, tot aufgefunden. Was hat das alles mit ihr zu tun? Was für eine Rolle spielt Solarin, der russische Schachmeister, der sie ebenfalls genau zu kennen scheint? Bald findet sie heraus, dass alle seltsamen Vorkommnisse mit einem mysteriösen Schachspiel zu tun haben, das unter dem Kloster Montglane in Frankreich vergraben war und jetzt in alle Welt verstreut ist. Es soll ursprünglich Karl dem Großen gehört haben. Dieser soll es von geheimnisvollen Mauren geschenkt bekommen haben. Das Schachspiel soll eine verschlüsselte Formel enthalten, die der Person, die alle Teile des Spiels besitzt, unendliche Macht geben soll. Katherine findet sich plötzlich als Spielfigur eines Schachspiels wieder, das im wirklichen Leben spielt. Sie weiß nie, wie der Zug der gegnerischen Mannschaft als nächstes aussieht und wer überhaupt zu ihrer Mannschaft gehört. In diesem Spiel geht es um Leben und Tod, bemerkt sie bald, und sie kann sich ihm nicht entziehen. An der Seite von Lily, einer Frau, die seit Kindesbeinen an Schach spielt, versucht sie in Algerien, die verlorenen Spielfiguren des Montglane Spiels zu finden. In dem Strudel von Ereignissen, in den sie gerät, erfährt sie, das alles etwas mit einer französischen Nonne zu tun hat, die zur Zeit der Französischen Revolution die Aufgabe hatte, das Schachspiel vor den machtgierigen Personen von neuem zu verstecken. Mit Schrecken stellt sie fest, dass dieses grausame Spiel erst ein Ende haben kann, wenn alle Teile des Montglane Spiels wieder beisammen sind…. Dieses Buch ist vollgestopft mit Mystik, Geschichte, Schach und Abenteuer. Man muss selbst kein Schach können, um es zu verstehen. So eine mitreißende Geschichte, die alle paar Seiten eine neue, völlig unerwartete Überraschung offenbart, ist wirklich zu empfehlen. Es ist von vorne bis hinten genau durchdacht, so dass wirklich keine Fragen offen bleiben. Der Wechsel zwischen der Geschichte der Nonne von damals und der von Katherine in der heutigen Zeit bringt zwei verschiedene Geschichten in einem Buch zusammen, was das ganze noch spannender macht. Es wäre fast ein Verbrechen, dieses Buch nicht zu lesen.

Katherine Neville
Das Montglane Spiel
Mystik, Geschichte, Schach und Abenteuer
ISBN:3502194955
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Wenn der Kabeljau mit ’ner Kabelfrau

Wenn der Kabeljau mit ’ner Kabelfrau

Wie Bruno Bansen „den Fischen auf die Flossen und hinter die Kiemen gekuckt“ — so der Untertitel — hat, das macht Spaß. Das Päckchen mit dem Buch traf ein, und erwartungsvoll öffnete ich es, da ich schon einige Gedichte von Bruno aus der Leselupe kannte.

Es ist witzig. Es ist kurzweilig. Es ist vorzüglich gestaltet. Schon die Umschlaggestaltung weißt darauf hin, wie es in dem Buch weitergeht. Da ist drin, was draufsteht.

Und hier können Sie, sehr verehrter Leser, den Umschlag sehen:
[url]http://www.lyrik-netz.de/bansen_kabeljau.jpg[/url]

(Nebenbei bemerkt: Dass der Autor nicht aus Sachsen kommt, merkt man gleich, sonst hätte er geschrieben: „Den Fischen auf die Flossen und hinter die Kiemen geguckt“. Er hätte aber das Leben der Fische kaum so tiefgründig studieren können, hätte sich auf Stichlinge und Plötzen beschränken müssen.)

Aber nun schlage ich das Buch erst mal auf: Schönes, leicht mattes, nicht hochglänzendes, damit blendfreies Papier und ein gediegenes Layout erwarten uns. Ungeduldig laß ich gleich meiner Frau, Christiane, eines der Gedichte vor:

[quote][center]
[b]Der Bismarck-Hering[/b]

Ein Bismarck-Hering biß mal stark,
’ner Scholle hinten bis in’s Mark.
Sie hat sich, weiß man, gleich beschwert,
und dieses war auch nicht verkehrt,
denn fürderhin, da sah man ihn
mit Maulkorb seine Kreise ziehn,
und was ihm ganz erbärmlich stank:
Seit gestern hat er Leinenzwang!
[/center][/quote]

Und da war ich das Buch erst mal für einige Zeit los. Ich bekam es erst wieder, nachdem sie auch einigen ihrer Kolleginnen daraus vorgelesen hatte.

Wunderbar die schönen Illustrationen. Leider kann ich sie in der Leselupe nicht darstellen. Ich werde aber in Kürze ein paar Links zur Verfügung stellen.

[b]Vor Lachen vom Stuhl[/b]

Hätte ich das Buch eher gehabt, ich wäre eher vom Stuhl gefallen. Man kann wahrhaft herzlich lachen.

[quote][center]
[b]Der Hecht[/b]

Es hockt, und dieses schon recht lange,
ein Hecht auf einer Hühnerstange.
Die Hühner wundert’s, uns nicht minder,
denn jeder weiß es, auch die Kinder:
Der Hecht steht sonst nur im gewässer,
das steht ihm auch erheblich besser.[/center][/quote]

Nicht nur bloßer seichter Unterhaltung dient dieses Buch, nein, es ist lehrreich, wir erfahren, was wir noch nie zu fragen wagten, aber worüber wir uns immer schon wunderten:

[quote][center]
[b]Heringe in der Dose[/b]

Des Herings Größe ist genial,
es passt ’ne definierte Zahl
vom Umfang her und auch der Länge
und bei Vermeidung von Gedränge,
genau genommen sind’s diverse,
in die genormte Fischkonserve.
[/center][/quote]

Das ist gleichzeitig und nicht zuletzt die Entdeckung einer Naturkonstante.

Die Gedichte sind einfach wunderbar, einfach und skurril. Bruno hat einen eigenen Stil und tritt in eine würdevolle Nachfolge solcher Dichter wie Ringelnatz, Wilhelm Busch und Morgenstern, und das, ohne sie nachzuahmen.

[b]Der Topp-Tipp der Poesie[/b]

©KARISMA Verlag
Steinbecker Straße 97
21244 Buchholz i.d.N.
1. Auflage Buchholz i.d.N. 2002
Einbandgestaltung, Satz und Grafik: Bruno Bansen
ISBN-Nr. 3-936171-06-8
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