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Schlagwort: innige Beziehung

Katja Oskamp: Die vorletzte Frau

Katja Oskamp: Die vorletzte Frau

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Katja Oskamp hat ihre Liebesgeschichte mit dem Schweizer Schriftsteller Peter Hürlimann in diesem Buch zum Thema genommen. Nicht nur ihr unterschiedlicher Bildungsstand, er bekannter Schriftsteller und Literaturdozent, sie von der Fußpflegerin zur ambitionierten Schriftstellerin avanciert , machen den Roman lesenswert. Es ist die lakonische, witzige und absolut ehrliche Erzählweise, die besticht.

Sie ist 30 Jahre alt, verheiratet und hat ein Kind, als sie auf den 49jährigen Gastdozenten Tosch, so heißt Hürlimann hier, in Leipzig trifft.
Geist und Körper passen sofort zusammen. Man diskutiert und liebt sich, beides mit fast gleicher Intensität.
Unglückliche Lieben lassen sie hinter sich und genießen ihr Zusammenleben. Sie leben nicht in einer Wohnung zusammen, denn Tosch liebt die Ungebundenheit. Um so inniger die Zusammenkünfte, Reisen zu Lesungen und endlosen Gespräche.
Ob die Sexszenen immer so ausführlich dargestellt werden müssen? Oskamps Offenheit und unverblümte Sprache ist ihrer Schreibweise eigen.

Beide leben in der Nähe von Leipzig oder in der Schweiz. Tosch braucht seine Freiheit nach einer einengenden Beziehung zu einer Schauspielerin ohne Rollen.

Während die Icherzählerin, alias Katja, längere Zeit aus einem krankhaften Putzfimmel heraus bei der Analytikerin Dr.T. Hilfe sucht, ermutigt diese sie zum Schreiben.

Katja Oskamp unternimmt den Versuch, Lebensläufe mit unterschiedlichen Beziehungsumbrüchen zu beleuchten. Tosch ist der Überlegene, Welt- und Wortgewandte, sie die Schülerin aus einfachen Verhältnissen. 19 Jahre währt das Glück. Mitten in diese Zeit fällt die Krebsdiagnose von Tosch und ihr Glück nimmt Schaden. K. wird zu seiner Pflegerin.

Mit dem Schreiben geht es nicht so recht voran. Als sie das Angebot erhält, als Fußpflegerin zu arbeiten, nimmt sie an. Ihr Leben teilt sich fortan in Fußpflegerin , Pflegerin und angehende Schriftstellerin.
Aber, oh Wunder, Oskamp beschreibt ihre Situation so, dass Wissenswertes zutage tritt. Die Leute in der Fußpflege erzählen ohne Ende. Und K. schreibt über des Gehörte!
Ist so der Roman „Marzahn mon amour“ entstanden? Fast möchte man es glauben.

Die Erzählerin lässt uns teilnehmen an politischen und kulturellen Veränderungen in Ost und West.
Mit ironischem Blick und lakonischen Sätzen steuert uns Oskamp durch die Jahre. Sie kann weinen, sie kann Trauer zeigen und sie kann beobachten; aber sie muss Lasten tragen, die auf Dauer zu schwer sind.
Paula, ihre Tochter, ist herangewachsen, und K. beginnt, sich alt zu fühlen.

Tosch zieht sich in ein Häuschen am See in seine Heimat zurück, wo er mit seinem Schmerz und Verlust der körperlichen Fitness kämpft. Nach 19 Jahren gemeinsamen Lebens sieht K., wie ihre Beziehung langsam vergeht. Sie will nicht in die Schweiz und kann die schwere und ständige Fürsorge kaum noch ertragen. Bei Tosch hat sich Bianca eingefunden. Sie ist 13 Jahre jünger als K. und umsorgt ihn. So wird K. zur „vorletzten Frau“.

Jetzt kann sich K. ganz der Arbeit als Schriftstellerin widmen. Glück, Abschied und das Altwerden sind Schwerpunkte der Geschichte. Die ungezwungene und offene Erzählweise ist frei von Eitelkeit und Wichtigtuerei. Sie schreibt genauso, wie das Leben ist.

Katja Oskamp
Die vorletzte Frau
park, 3. Auflage, August 2024
208 Seiten, gebunden,
ISBN-10: 3988160202
ISBN-13: 978-3988160201
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