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Autor: Claudine Borries

Blaufeuer

Blaufeuer

Das Blaufeuer steht für ein Notsignal von Schiffen und Menschen auf den Weltmeeren, die Hilfe suchen. Der Titel signalisiert, dass es in der vorliegenden Geschichte um Untergang und Verderben geht.
Janne, eigentlich zweite Geigerin in einem Berliner Orchester, gerät in Angst und Bedrängnis, als sie mit der Nachricht konfrontiert wird, dass ihr Bruder Erik ertrunken ist.
Im großbürgerlichen Haus des Adoptivvaters, einem erfolgreichen Reeder, ist Janne in Cuxhaven wohl behütet aufgewachsen. Dann hört sie von Tod ihres Bruders, der vermutlich einem Mord zum Opfer gefallen ist. Er ist auf sehr ungewöhnliche und grausame Weise ums Leben gekommen. Assoziationen an den Unfalltod der eigenen Eltern kommen ihr in Erinnerung.
Von Beginn an sind die Tatsachen und Umstände des Mordes bekannt. Die Hintergründe und das Motiv aber bleiben unfassbar und harren der Aufklärung.
Bei der Beerdigung von Erik brodeln Gefühle auf. Die Familie zeigt sich nicht so stabil wie zunächst vermutet. Janne entdeckt im Zuge der Ermittlungen, dass ihre Geburt von einem Geheimnis umgeben ist. Sie versucht, diesen Nebel zu lüften und dem Mörder ihres Bruders auf die Spur zu kommen. Beide Unterfangen führen sie in unerwartete Gefahren!

Die Nordseeküste mit ihren Stimmungen, das Städtchen Cuxhaven und die Einwohner mit ihrer Spießigkeit und Verschlossenheit bieten das Bild einer zufriedenen Welt, die in Ordnung ist. Erst langsam spürt man, dass ein äußeres Bild täuschen kann.
Die wohlhabende Reederfamilie zeigt sich allmählich als brüchiges Gebilde, in dem jeder sein Geheimnis hat.
Janne erfährt bei ihrer Suche nach Aufklärung einige Neuigkeiten, die sie verunsichern. Das Schweigen aller Beteiligten macht sie wütend und ärgerlich. Der Vater erleidet nach der Beerdigung des Sohnes einen schweren Schlaganfall und liegt im Hospital. Er kann kaum bei der Beantwortung so vieler Fragen behilflich sein, und Janne muss die Geschäfte der Firma führen. Als sie mehrfach Opfer von missglückten Anschlägen wird, spitzt sich die Lage zu.

Die subtile Art, mit der A. Kui ihr Familienepos aufbereitet hat, ist beeindruckend. Sie lüftet nach und nach die Geheimnisse der Familie. Janne bleibt im Fokus, denn sie ist es, die mit den Wahrheiten, die ans Tageslicht drängen, nur schwer fertig wird. Dabei bleibt sie stark und ungebrochen; nur das Vertrauen in alt gewohnte Familienstrukturen ist dahin, und ein allgemeines Misstrauen gegen alle und jeden macht sich breit.
Sie findet Helfer, und sie wird auf ihrer Spurensuche in die Irre geleitet. Birger Harms, ein ehemaliger Mitarbeiter ihres Vaters, ist ihr treuster Helfer. Welche Rolle hat er im Leben ihres Vaters gespielt? Und wie steht es um Meinhard, den älteren zweiten Bruder, Arzt und in der dritten Welt engagiert?

Die atmosphärische Schilderung ist wirklichkeitsnah und echt.
Werden doch häufig bei Katastrophen Dinge ans Licht gespült, die lange verborgen blieben und zugunsten des äußeren Scheins kaschiert wurden. Janne macht sich zur Sprecherin der radikalen Wahrheitsfindung, unbeirrbar und mutig. Dabei erlebt man das Zusammenbrechen der heilen Welt, und ihr Gleichgewicht geht verloren. So wird eine Spur nach der anderen aufgedeckt, und der Krimi ist in seiner Struktur perfekt.
Das Ende zeigt die Lösung eines gut geplanten Verbrechens.
Die Autorin baut die Spannung geschickt auf, ohne die Familiengeschichte mit allen psychologischen Finessen dabei zu vernachlässigen. Man sollte sich den gut zu lesenden Krimi nicht entgehen lassen!

Die junge deutsche Autorin Alexandra Kui hat ihren vierten Roman geschrieben, —– und er ist gelungen!
Sie lebt als Musikerin, Journalistin und Autorin bei Hamburg.

Claudine Borries

Alexandra Kui
Blaufeuer
Ein Mord in der Familie,–und was nun?
ISBN:3455401147
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Softcore

Softcore

Tirdad Zolghadr, geb. 1973 als iranisch-amerikanischer Doppelbürger in San Francisco, wuchs in der Schweiz auf, wohin seine Familie nach der iranischen Revolution geflohen war.
Er kennt sich aus in der Kunstszene, in der er als Kurator arbeitet.
In dieser Szene spielt auch sein Roman Softcore, dessen Held ihm ähnlich ist. Softcore bedeutet sinnbildlich Pornofilm oder auch eine spezielle Form von IP Core.
Was immer der Titel besagen will:
mit einem ungeheuren Tempo, geistreich und witzig eröffnet Zolghadr seinen kleinen Roman.
Der Held gleichen Namens kehrt 25 Jahre nach der Revolution für einige Zeit in den Iran zurück, um in Teheran eine Kunstgalerie mit besonderem Charakter zu eröffnen. Es sollen dort Happenings, Lesungen, Videoinstallationen und vieles andere mehr stattfinden. Auf der Suche nach Talenten, Bildern und Geld für die Eröffnung des Promessa, einer ehemals glamourösen Cocktailbar, lernt er das bourgeoise Bürgertum kennen. Alkohol, westliche Kleidung, das Savoir Vivre westlicher Provenienz, französische Philosophie und Islam begegnen sich in einer fast dekadenten Kunstschickeria.
Was er nicht weiß: dass man ungestraft nicht alles darf!
Und so kommt er eines Tages beim Filmen eines schönen Blumenstandes unversehens ins Gefängnis. Denn hinter dem Bild verbarg sich das Gerichtsgebäude, gegen das schon hin und wieder Bombenanschläge verübt wurden.
Überall findet er etwas zu beobachten, so auch während seiner Haftzeit, und könnerisch fügt der Autor ein Erlebnis an das andere. Nach tagelangen Verhören gelingt dem Held die Freilassung und die Vorbereitungen auf die Eröffnung des Promessa gehen weiter. Quer durch die Teheraner Gesellschaft führt der Weg des Protagonisten und im Hinterrund schmieden die Mullahs und Geheimdienste ihre Intrigen.

Die poppige Sprache, die wie ein Feuerwerk daherkommt und einen geistreichen Plot an den anderen reiht, Schlager, Kleidung, Festivals und Lebensart zum Thema nimmt, ist so flott geschrieben, dass man ihm kaum folgen kann.
Die Teheraner Kunstszene ähnelt in vielem der in anderen Metropolen. Am Ende spielt eine hintergründige Politintrige in die Geschichte hinein, und unser Held nimmt indigniert alles hin.

Der Autor befleißigt sich eines spontanen Stils und ist mit detailreichem Hintergrundwissen ausgestattet. Seine Satire zeigt die Stadt Teheran, wie sie wohl wenige kennen.

Tirdad Zolghadr lebt in Berlin und ist in der internationalen Kunstszene überall zu Hause, so dass seine Erzählung auch auf eigenen Erfahrungen beruht.
Der Debütroman von Tirdad Zolghadr wird vermutlich viele begeisterte Leser und Leserinnen finden!

Claudine Borries

Tirdad Zolghadr
Softcore
Teheran und seine Kunstszene
ISBN:3462040065
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Hunkeler und die goldene Hand

Hunkeler und die goldene Hand

Kriminalkommissar Hunkeler ist schon älter. Sein Rücken plagt ihn, und deswegen befindet er sich zur Kur in Rheinfelden. Ärgerlich nur, dass zwei alte Damen die Düsen mit dem warmen Wasserstrahl im Bad so lange besetzen! Aber man kennt das ja …
Als er gerade gemütlich im Solebad sitzt, sieht er eine Leiche mit aufgeschlitzter Kehle an sich vorbeischwimmen.
Natürlich kann er es nicht lassen und schaltet sich in die Ermittlungen ein. Es ist ihm sogar ganz recht so, denn die reine Ruhe ist gar nicht so sein Fall!
Wie sich alsbald herausstellt, ist der Tote ein schwuler Baseler Kunsthändler. Er war mit seinem Freund im Solebad Marina in Rheinfelden abgestiegen.
Die Spurensuche beschränkt sich auf Rheinfelden, Basel, den Aargau, aus dem Hunkeler stammt, und auf ein bisschen Schwarzwald. Zunächst aber gibt es Kompetenzstreitigkeiten. Wer ist zuständig? Die Polizeibehörde in Basel oder die in Rheinfelden?

Eine ganze Anzahl von Verdächtigten kommt ins Spiel.
Es gibt da eine Kunstfälscherbande, der man auf die Schliche kommt; Gastwirtinnen und Badegäste, Überfälle auf Kunstgalerien und Bahnhofsfächer verwirren den Leser und geben Rätsel auf, wer wohl als Mörder in Betracht kommt. Und wie sehen die Zusammenhänge aus, die zum Mord an dem Kunsthändler geführt haben?
Die Spur führt zu der sagenumwobenen goldenen Hand Rudolfs von Rheinfelden. Sie war von Kunsträubern in Sachsen-Anhalt gestohlen und nach Basel gebracht worden, um hier an einen Kunsthändler verkauft zu werden.

Ruhig und besonnen macht sich Hunkeler auf die Suche nach den wahren Tätern. Er ist froh, der Langweile zu entkommen, die ihn als Vorruheständler bedroht.
Er geht gerne in der freien Natur spazieren und trifft sich in angenehmen Lokalen zu seinen konspirativen Treffen. Die Schweiz, das Elsass und der Schwarzwald sind Hochburgen der Gastronomie. Sie gestatten Einblicke in das Bürgerdasein, hinter dem sich Neugierde, Klatsch, Gerede und versteckte Hinweise finden. Daneben liest man, was in der Kunstszene gespielt wird. Eine Apollostatue und seine Verehrer, alemannische und keltische Kunst im Wettbewerb und verrückte Brauchtumsaussteiger beleben eine Szene, die Hunkeler eher anödet als erfreut. Sein Alter und seine Knochen verursachen ihm Schmerzen und lassen ihn gelegentlich unwillig auftreten.
Er sucht eher genötigt als freiwillig auch in Homosexuellenkneipen und in der feinen Baseler Gesellschaft nach dem mutmaßlichen Täter. Besonnen, weise und unaufgeregt führt seine Suche am Ende zum Erfolg!

Da mag der Spannungsbogen eher klein gehalten sein:
der Roman ist mehr Gesellschaftsstudie denn Krimi, mehr Anschauungsmaterial zum Dreiländereck Schweiz- Elsass-Schwarzwald als rasanter Verfolgungsthriller. Die Figur des Hunkeler bildet den Plot, um den sich die Welt der Schurken und Kunstfälscher, der Aufklärer und der Klatschreporter, der braven Bürger und der neugierigen Zuschauer gruppiert. Seine Persönlichkeit, sein Lebensstil und seine Mentalität bieten hinreichend Stoff für die anregende Erzählung. Die Kriminalgeschichte bildet den Hintergrund für eine atmosphärisch amüsante und kluge ethnologische Studie über Land und Leute.
Hansjörg Schneiders Hommage an Land und Leute und seine hervorragend beschriebene Gastronomiegeschichte ist lesenswert!
Claudine Borries

Hansjörg Schneider
Hunkeler und die goldene Hand
Ein Kriminalkommissar mit Charakter!
ISBN:3250105163
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Tagebuch einer Katze

Tagebuch einer Katze

Remco Campert
Tagebuch einer Katze
Arche Verlag
ISBN 3716023779

Der bekannte und feinfühlige holländische Autor Remco Campert hat ein entzückendes kleines Büchlein für Katzenliebhaber geschrieben.

Da berichtet die Katze mit dem prosaischen Namen Pöff über ihr Leben im Hause von Rock und Brille!
Na, wer kann das anderes sein, als Frauchen und Herrchen?
Brille arbeitet zu Hause und Rock geht morgens aus dem Haus.
Sonst haben die Katzen erhabene Namen wie Madonna, Napoleon, T.S. Eliot, Venus und Sokrates…
Aber so weit her ist es damit dann auch nicht!
Lautet doch der Spitzname von Madame de Pompadour: Po.

Pöff also berichtet aus ihrer Sicht der Dinge, wie sie die Welt wahrnimmt. Sie ist nämlich weiblichen Geschlechts, was dem Namen nicht zu entnehmen ist.

In dem leichten, unbeschwerten Ton eines Vierbeiners sieht man, wo die Freuden sind und wo die Unbilden des Lebens zwicken.
Ihr Wohlbehagen hängt von der Fütterung im rechten Umfang ab. Auch die Zeit sollte eingehalten werden, sonst kann Pöff sehr ungehalten reagieren.

Zum Tierarzt, der erschreckend wirkt, geht sie nicht so gerne.
Dem Hund der Nachbarn oder gar unfreundlichen Katern entzieht sie sich zur rechten Zeit.

Die Launen ihres Herrchens und Frauchens weiß sie wohl zu orten! Und sie versteht etwas von Schabernack! Verstecke unter der Couch oder im Kleiderschrank legen Zeugnis ab, wie man Frauchen und Herrchen verschrecken oder ärgern kann!

Kein Zweibeiner versteht, dass tote Spielzeuge mit lebenden keinesfalls mithalten können. Insekten, Mäuse und Vögel sind hurtig und beweglich. Die Jagd nach ihnen ist kurzweilig und macht einfach Spaß. Was weiß eine Katze schon vom Leiden der anderen Kreatur? Alles dreht sich um das eigene Vergnügen und um das, was im Leben Abwechslung verspricht.
Die Katzenperspektive bleibt ständig gewahrt.

Für den Katzenfreund oder für Kinder, denn auch für sie eignet sich das Buch, ist es einmal eine ganz neue Sicht der Dinge, wie die Welt aus den Augen eine Hauskatze aussieht.
Sie kann sich ja nicht verständlich machen und muß die Zeichen deuten …

Der Ton in diesem unspektakulären kleinen Buch reicht von naiver Lebensfreude bis zu Ingrimm über die Unpässlichkeiten, denen man als Haustier ausgesetzt ist.

Dass eine Katze denkt und sich äußert, macht uns Pöff sympathisch und vertraut. Kleine Ärgernisse und Wut über Vernachlässigung oder Missachtung sind gut nachvollziehbar. Sieht man doch herkömmlich ein Haustier als Unterhaltung und zu Erbauung der Zweibeiner ohne Schwanz, wie sie hier bezeichnet werden, an. Nun kann man einmal erleben, dass auch Katzen eigene Bedürfnisse, gar ein Seelenleben haben. Beobachtungen am Tierbesitzer geben Aufschluß über die Nachlässigkeit, mit der das Tier zur eigenen Befriedigung von Liebe, Unwillen oder gar Überdruss mißbraucht wird.

Immerhin gehen am Ende sowohl Katze als auch Besitzer eine Alliance zu beider Wohlbefinden ein!

Mit Gedankenwitz und Einfallsreichtum wird der Einmaligkeit der Würde einer jeden Kreatur gedacht.

Dieses schnell erzählte und gelesene Büchlein eignet sich bestens für Katzenliebhaber und solche, die es werden wollen.

Für Kinder und Erwachsene ist es gleichermaßen lesenswert und berückend!

Claudine BorriesBestellen

Im Haus des Zauberers

Im Haus des Zauberers

Unterhaltsam und leicht beginnt die Geschichte von Lucy, die gegen Ende des 17.Jahrhunderts in England lebt. Sie ist die Tochter armer Leute, die mühsam ihr Brot verdienen. Der Vater, ein eher böser Mensch, lässt Frau und Kinder arbeiten und gönnt ihnen nichts. Kein Wunder, dass Lucy eines Tages das Weite sucht! Sie hat Glück und gelangt als Kindermädchen in das Haus eines Zauberers, der mit allerhand Kunststücken, Weissagungen und Sternedeuten seinen Lebensunterhalt verdient. Leise und unaufdringlich wird Lucy mit ihren zuvorkommenden und höflichen Manieren in den Haushalt der Familie Dee aufgenommen. Beth und Merryl sind die Töchter des Hauses, um die sie sich kümmert, und die sie sehr gerne haben.

Lucy ist voller Bewunderung für die geheimnisvollen Vorkommnisse in dem großen, düsteren Haus, vor allem, als sie merkt, dass der Adel um Hilfe bei Dr. Dee nachsucht. Sogar die von ihr verehrte Königin Elisabeth holt seinen Rat ein!
Nun lernt sie aber auch, dass im Hause sonderbare Dinge geschehen. Da kommt fast täglich ein Mr Kelly zu Besuch, um dem Zauberer zu helfen, und sogar die Königin lässt sich persönlich blicken!
Lucy wird in eine dunkle Intrige verwickelt. Ihre besondere Liebe und Hochachtung für die Königin zeigt sich, als sie diese mit ihrer wachen Bebachtungsgabe vor Unheil bewahren kann. Mit Tom, dem Hofnarren, ist eine kleine Liebesgeschichte verbunden, die ja in keiner Jugenderzählung fehlen darf.

Zwischen Märchen, Zauberwelt und Krimi lässt uns die Autorin Einblicke nehmen in ihre Fabulierkunst.
Mit der Beschreibung der Kleidung, der Gerüche auf den Märkten und in den Häusern, dazu mit der Darstellung von Armut und Reichtum entsteht ein überzeugendes Zeitgemälde.
Königin Elisabeth von England und ihre katholischen Rivalin, bekannt als Maria Stuart von Schottland, sind Schlüsselfiguren des historischen Romans. Magie, Zauberei und Hellseherei spielten eine gewichtige Rolle im 17. Jahrhundert, und Intrigen bei Hofe waren überhaupt keine Seltenheit.
Teils märchenhaft und teils historisch ist die Geschichte in einer guten Mischung konzipiert.
Wie könnte wohl eine Königin sonst auch einfach bei einem Zauberer an der Tür vorsprechen und zu Besuch erscheinen?

Die naive und selbstverständliche Erzählweise entspricht unserem heutigen Zeitgeist, so dass sich der Eindruck ferner Vergangenheit auf den Inhalt beschränkt. Die Erzählung ist konsequent, einfallsreich und leicht verständlich. Mädchen ab ca 11-12 Jahren mögen sich gerne einmal in die unaufgeklärte Welt des 17. Jahrhunderts mit allen ihren Geheimnissen entführen lassen.
Gebannt und hingerissen könnten sogar Erwachsene an diesem Jugendbuch gefallen finden!
Claudine Borries

Mary Hooper
Im Haus des Zauberers
Historischer Jugendroman aus dem 17. Jahrhundert in England.
ISBN:3827053188
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Das rostrote Buch

Das rostrote Buch

Ein Literarisches Abenteuerbuch!
Anne, 11 Jahre alt, Emily, 9 Jahre alt, und Will, 6 Jahre alt, leben mit ihren Eltern in einem alten Haus in Queens / New York.
Der Sommer liegt vor ihnen, und die Mädchen genießen es, in der Hängematte zu liegen und zu lesen.
Unmengen von Büchern haben sie ausgeliehen, als ihnen unter den vielen Büchern in einem Korb ein rostrotes Buch auffällt. Es ist abgenutzt und sie haben es noch nie gesehen.
Als sie es aufschlagen und zu lesen anfangen, befinden sie sich unversehens in einer der Geschichten, die sie aus ihren Büchern kennen.
Sie sind im Wald von Sherwood Forrest unter den Anhängern Robin Hoods, des Königs der Diebe, und werden in vielfältige Abenteuer verwickelt.

Später ist es der Bruder Will, der sich in das Insektenland Jardinia verirrt.

In einer abenteuerlichen Collage verbindet Nina Bernstein Fantasie und Wirklichkeit.
Das Leben der Familie wird kurz eingeblendet: die Mutter schreibt Kolumnen über Gärten, und der Vater ist Auslandsredakteur. Das Familienleben klingt gemütlich. Die Mutter ist eine geliebte, schöne Frau, deren Parfümdüfte durchs Schlafzimmer wehen, wenn sie sich auf ein Fest vorbereitet. Den Vater sieht man lesend auf der Terrasse sitzen, die Füße auf das Geländer gelegt.

Die Kinder erleben das, was sie in den Büchern lesen, nun selber: sie steigen in ihre Geschichten ein und spielen mit. Ihre spannenden Abenteuer erzeugen einen magischen Sog.
Dass dafür eine gewisse Kenntnis der einschlägigen Kinderbuch- und Weltliteratur erforderlich ist, merkt man nach den ersten Seiten. Robin Hood ist so bekannt wie Richard Löwenherz, der von seinem Bruder John verdrängt werden soll. Natürlich sorgt Robin Hood für Abhilfe. Krieg und Frieden von Tolstoi mit den herrlichen Maskenbällen und der entzückenden Natascha und weitere Gestalten beleben eine Geschichte, die zwischen Traum und Wirklichkeit schwankt.

Da die Kinder in ihrer Zauberwelt ihren täglichen Sprachjargon verwenden, wird die Spannung und empfundene Grausamkeiten, wie z.B. die einer drohenden Hinrichtung der beiden Mädchen durch die Schergen Sir Johns, gebrochen. Das Stilmittel relativiert die Situation, die durch die erlebten Abenteuer beängstigend sein könnte.

In einem Nachwort gibt Nina Bernstein Quellen an, die sie für ihre Geschichte benutzt hat. Dazu zählen eine Reihe von Balladen aus dem 19. Jahrhundert, u.a. auch Joseph Jacobs English Fairy Tales von 1890, und natürlich Krieg und Frieden von Tolstoi.

Es ist ein kluges und gescheites Buch, zu dem jedoch eher gebildete Leseratten Zugang finden werden. Die kleinen Leserinnen sollten Sinn für Zauberei besitzen, Interesse für magische Abenteuer haben, fantasiebegabt und für diese Lektüre etwa 10 -13 Jahre alt sein.

Die Autorin lebt in New York. Das rostrote Buch ist ihr erstes Kinderbuch.

Claudine Borries

Nina Bernstein
Das rostrote Buch
Abenteuer im Leseland
ISBN:3827051215
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Die Einsamkeit des Thomas Cave

Die Einsamkeit des Thomas Cave

Der Debütroman von Georgina Harding in ein literarisches Kleinod!
Es geht um Abenteuer, um Walfang, das ewige Eis, den Gottesglauben, um menschliche Tragödien und psychologische Einsichten von höchster Klarheit.

Die Heartsease, ein Dreimaster, befindet sich weit im Norden zum Walfang. Der kurze arktische Sommer des Jahres 1616 neigt sich dem Ende zu, und die Heimreise ist beschlossene Sache.

Unter den Männern des Schiffes herrscht ein raues Klima. Zwei Seeleute schließen eine Wette ab, denen sich noch andere anschließen: es geht darum, ob man alleine in der eisigen Kälte mit ihren Stürmen, in der Dunkelheit und mit der aufwendigen Nahrungssuche den arktischen Winter überleben könne.
Thomas Cave, ein ruhiger und gesetzter Mann, hat seine Überzeugung geäußert, dass er dieses Experiment wagen werde. Die Wette gilt!

Er berichtet in einem Logbuch er über seine Erlebnissen auf einer nicht verzeichneten Insel von Spitzbergen im Winter 1616-1617.

In einem ruhigen und der Stille der Landschaft Rechnung tragenden Erzählstil nimmt eine Geschichte ihren Lauf, die von feiner poetischer Schönheit und Ausdruckskraft ist. Das Licht und die glänzende Eiswelt, die Berge und der langsam schwindende Mond, Sonne und Sterne sind in ungewohnter Klarheit zu sehen. Sie oszillieren das Licht, bevor die lange Winternacht anbricht.
Cave richtet sich ein, sorgt für Vorräte, sammelt Holz aus gestrandeten Planken und schießt das Wild, so lange es noch zu erkennen ist. Bald schon gesellt sich zu dem ewigen Winter eine Totenstille, bei der man nur noch das eigene Ohrenrauschen hört.
Über die Qualen der Einsamkeit und den Kampf ums Überleben in der Eiswüste mit ihren Naturgewalten, dem Eis und Schnee wird abenteuerlich berichtet.
Zeit und Raum scheinen eins zu werden unter dem gläsernen Himmel mit dem Brausen von Stürmen, die ungeahnte Kräfte entfachen.

Thomas Cave ist ein Held. Sein Wille, seine Erfahrung und seine Weisheit bestimmen den Gehalt der Geschichte.
Mit rationalem Verstand sucht er sich selber in seiner Ausnahmesituation zu beobachten und hält seine Betrachtungen in seinem Logbuch fest.
In seinen Alpträumen und den einsamen Nächten umgaukeln ihn Figuren aus seiner Vergangenheit.
Er hatte eine Frau und ein Kind, und er hatte in Dänemark ein Zuhause gefunden.
Unaufdringlich und sparsam wird über seine Gedanken berichtet, die ihn heimsuchen. Alten Gemälden gleich kann man sich eine Frau vorstellen, die im Kindbett stirbt, während die Frauen und Mägde ihr zu helfen versuchen.

Die historische Recherche ist gründlich. Selbstverständlich und wie nebenbei gehören Gebete und Zwiegespräche mit Gott zum Leben dazu. Der Mythos des ewigen Eises und ein Männlichkeitswahn, der bis in unsere Tage reicht, findet in der Figur von Thomas Cave Gestalt. In harscher Kulturkritik wird gezeigt, wie sich die Jäger der Wale und die Robbenfänger einen Spaß daraus machen, eine Robbe bei lebendigem Leibe zu häuten und in diesem Zustand dem Meer zu überlassen. Eine Blutspur markiert das Ergebnis!

Ebenso klar wird inhaltlich Zivilisationskritik geübt, mit der die Urbanisierung der Natur als Ursache epochaler Veränderungen des Klimas und der Meeresressourcen aufs Korn genommen wird.

Die weise Abgeklärtheit des Thomas Cave bestärkt uns in dieser Anschauung. „Wir hätten niemals dorthin fahren dürfen“ ist sein Fazit.

Neben den angemessen kritischen Eindrücken ist die Geschichte über das ungewöhnliche Leben des Thomas Cave mit einem stoischen Gleichmaß ausgestattet. Als wäre man selber an diesem Ort der Stille und Entsagung, folgt man mit anhaltender Spannung dem Bericht. Die vielfach gepriesene Schönheit der Natur und die flüchtig angedeuteten Erinnerungen erzeugen einen Klang, dem man gerne folgt!

Claudine Borries

Georgina Harding
Die Einsamkeit des Thomas Cave
Literarisches Kleinod
ISBN:3827007259
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Herr Röslein kommt zurück

Herr Röslein kommt zurück

Moritz fühlt sich in Not: durch ein Zauberfernrohr, das er von seinem freundlichen Nachbarn Herrn Röslein geliehen hat, konnte er mit ansehen, dass die Eisverkäuferin Pippa in der grauen Vorstadt entführt worden ist! Herr Röslein, der für alles Rat und Hilfe weiß, ist zu einer Hilfsaktion in Kappadokien. Er hat einen langen grauen Zopf und besitzt magische Kräfte.
Was soll Moritz nur tun?

Zuerst versucht er es mit Hilfe seiner Freunde Ole und Lili. Sie suchen alle Häuser ab nach der Adresse von Alfons Meyerbeer, einem Freund von Herrn Röslein–und finden ihn sogar!
Er lebt mit seinem Schwein Hinrich zusammen. Die beiden bilden ein gutes Gespann. Und dann gibt es noch den gruseligen Theophil, der vorübergehend in Herrn Rösleins Wohnung nach dem Rechten sieht.
Herr Röslein taucht unverhofft wieder bei Alfons Meyerbeer auf, und jetzt überlegen sie gemeinsam, wie sie Pippa befreien könnten.

Diese Geschichte ist mit außergewöhnlich feinem pädagogischem Gespür erdacht.
Moritz ist ein fantasievolles Kind, das aus einer netten Familie stammt. Die Mutter ist Architektin, und Herr Röslein hat ihren doofen Chef mit seinem magischen Salzstreuer schon zu einem netten Menschen verwandelt. Die Welt der Kinder ist in Ordnung, wenn auch die gelegentlichen Sorgen der Eltern nicht ausgespart bleiben. So weiß die Mutter nicht, ob sie ihren Job behalten wird. Der Vater geht liebevoll und mit Verständnis auf seinen Sohn Moritz zu. Er betreut zugleich den kleineren Bruder Tim. In der Familie herrscht ein netter Ton: jeder begrüßt jeden ausdrücklich bei den passenden Gelegenheiten. Moritz weiß, dass er immer um sechs Uhr zu Hause sein muß. Besorgt hält er sich daran, wenn er einmal mit Herrn Röslein ein Vorhaben plant.
In der Schule gibt es Kabbeleien zwischen den Jungs. Moritz ist ein aufrechter kleiner Kerl, der seinen Freund Ole verteidigt. Die Strafarbeit über das Lösen von Konflikten in der Schule schreibt er glänzend.

Dieses Buch schwankt zwischen Magie, Zauberei, krimineller Spannung und den ganz realen Alltag in einer Familie.
Es ist so spannend geschrieben, dass auch der erwachsene Vorleser sein Vergnügen dabei haben wird.
Karsten Teich hat die Erzählung mit dezenten und sehr lustigen Illustrationen versehen. Besonders Herr Röslein soll hier erwähnt werden. Er ist lang und dünn und erinnert ein wenig an eine Wilhelm-Busch-Figur.
Nett, rund und harmonisch wie die ganze Geschichte, die von Höhepunkt zu Höhepunkt schreitet, sind die Illustrationen die richtige Ergänzung. Das Buch ist für Mädchen wie Jungen ab 8 Jahren zu empfehlen.

Claudine Borries

Silke Lambeck
Herr Röslein kommt zurück
Zauber, Krimi und Magie
ISBN:3827052831
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Die unglaubliche Reise der Lillian Leyb

Die unglaubliche Reise der Lillian Leyb

Amy Bloom
Die unglaubliche Reise der Lillian Leyb
Hoffmann und Campe
ISBN 3455400914

Abenteuerreich und vielschichtig ist die Geschichte über das Leben und die Reisen der Lillian Leyb.
Wir schreiben das Jahr 1920 und erleben sie als junge Frau in New York.
Sie ist gerade mit einem Einwandererschiff angekommen und schleppt sich buchstäblich mit letzter Kraft zur Adresse einer Cousine. Dort wird sie unter ärmlichsten Bedingungen in ein Schlafquartier eingewiesen, das sie sich mit noch anderen Ankömmlingen teilen muss.
Sie ist Jüdin und kommt aus Russland. Dort hat sie bei einem Pogrom ihre ganze Familie verloren, nur ihre kleine Tochter ist verschwunden.
Lillian beginnt in New York als Näherin bei einer jüdischen Theatergruppe. Mitglieder der Truppe, ein imposanter Vater und sein Sohn, Regisseur der eine und Schauspieler der andere, werden ihre Liebhaber. Beide sind recht sonderbare Gestalten. Lillian ist alles egal: es gilt nur, das Szenario des Untergangs hinter sich zu bringen.

Niemand kann Lillian aufhalten, als sie erfährt, dass ihre Tochter Sophie angeblich noch lebt,–in Sibirien!
Sie macht sich auf die Reise, um die Tochter zu finden.

Es geht aber in der Erzählung nicht vordergründig um die Suche nach der Tochter. Vielmehr scheint die Reise und Suche nach ihr den Plot zu geben für ein Leben, das von außergewöhnlichen Randbedingungen gekennzeichnet ist.

Die Geschichte spielt zwischen Neuankömmlingen in New York, zwischen Ganoven und Lebenskünstlern, Theaterleuten aus russisch jüdischen Einwandererzirkeln und allerhand verlorenen Gestalten.

Lillian taumelt zwischen Traum und Wirklichkeit dahin. Sie wirkt fast unbeteiligt und spielt ein Spiel mit, von dem nicht klar ist, wie es enden wird. Es geht immer nur ums nackte Überleben und dazu gehört Geld, wie immer man es sich beschafft.

Abenteuerlich, phantasievoll und fast betäubend wird über die Leiden der Lillian Leyb auf ihrem Weg zurück nach Russland berichtet.
Mit Chuzpe und Geschick setzt sie unbeirrt ihre Reise durch.

Auf ihrer Reise landet Lillian einmal im schwarzen Prostituiertenmilieu in Seattle mit unglaublichen Zuständen, dann wieder im Knast auf dem Weg nach Kanada.
Ob sie ihr Ziel je erreichen wird?

Neben dem New Yorker jüdischen Viertel ist es die gefährliche Reise über den halben Kontinent nach Alaska und Sibirien, die mit vielen Abenteuern aufwartet. Charakterstudien und Lebenskunst sind die herausragenden Merkmale der Erzählung.
Milieustudien von seltener Vielfarbigkeit bieten bestechende Unterhaltung.
Die Geschichte ist gelegentlich in epischer Breite angelegt.

Trotz wortgewaltiger Passagen und der phantasiereichen Geschichte möchte ich das Buch eher dem Genre gehobener Unterhaltung als der großen Literatur zurechnen.

Rezension von Claudine Borries

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Die Kathedralen des Meeres

Die Kathedralen des Meeres

Dramatisch beginnt die Geschichte, in der das Leben des Arnau Estanyiol seinen Anfang nimmt.
Wir schreiben das Jahr 1320.
Brutale Lehnsherren machen den Bauern, die den Status von Leibeigenen haben, das Leben zur Hölle. Bernat, der Vater von Arnau, muß erleben, dass bei seiner Hochzeit mit Francesca der Lehnsherr auf dem Recht der ersten Nacht, dem Ius primae noctis, besteht. Mit seinen grölenden Soldaten plant er weitere Schandtaten. Francesca ist dem Überfall nicht gewachsen und bleibt innerlich erstarrt zurück. Als Arnau geboren wird, kann sie keine Liebe für den Sohn empfinden. Nachdem der Lehnsherr sie auch noch als Amme abkommandiert hat, und ihr Sohn in einem Schuppen zu verhungern droht, wird er von seinem Vater entführt. Er flieht mit ihm nach Barcelona.

Hier beginnt ein Leben in Armut und Abhängigkeit, mit Demütigungen und Schwerstarbeit. Die Schwester von Berat, die mit einem hoch gekommenen Handelsherren verheiratet ist, kann zuerst helfen. Nach ihrem Tod heiratet ihr Mann erneut, dieses Mal eine Adlige. Sie lässt ihren Hass und Spott an den armen Hilfsleuten aus.
Hass gebiert Hass und zieht immer neue Schikanen nach sich.

Arnau findet einen Freund und Bruder im Geiste, Joan. Dank der Protektion eines Priesters kann dieser eine Domschule besuchen. Berat sieht beide Jungs nun als seine Söhne an.
1334 kam es in einem Hungerjahr zum Aufstand der Barcelonesen. Dabei kommt Berat zu Tode.
Arnau wird mit erst 14 Jahren in die ehrenwerte Zunft der Bastaixos, der Lastenträger, aufgenommen. Es sind die Basteixos, die im Hafen die Schiffe beladen und entladen.

Inzwischen ist Arnau gläubig geworden. In Ermangelung einer Mutter hat er die Jungrau Maria für sich entdeckt.
In Barcelona sucht er die Kirche Santa Maria auf, die einen Überbau bekommen soll: dort entsteht die Kathedrale Santa Maria del Mar, die Kirche des Volkes. Sie gilt als eine der schönsten gotischen Kirchen der Welt und ist in nur 55 Jahren erbaut worden. Den Bastaixos gereicht es zur Ehre, in ihrer Freizeit kostenlos die Steine für die Kathedrale herbeizuschleppen!
Arnaus weiteres Schicksal bestimmt den Fortgang der Geschichte.

Falcones hat in seinem opulenten Roman die Geschichte Spaniens im Mittelalter verarbeitet. In einem Nachwort kann man lesen, wo er sich an historische Tatsachen gehalten hat, und wo sein Roman fiktiv bleibt.
Gelungen ist der Einblick in eine Zeit, in der schroffe Verhältnisse herrschten. Die Reichen und Adligen hatten das Sagen. Bauern und Leibeigene sind den Gräueltaten der Herrschenden ausgesetzt. Recht und Ordnung wurden mit martialischen Maßnahmen durchgesetzt.
Was einfach beginnt und als Geschichte sofort gefangen nimmt, weitet sich zu einem gewaltigen Gesellschaftsepos.
Da fehlt nichts: von der Pest und dem Judentum, vom Geldwechsler zum Angeklagten, von der Liebe und dem Sumpf der Verkommenheit, Intrige, Glanz und Gloria ist jedes Genre der Geschichte vertreten.
Der Focus richtet sich auf die Hauptpersonen, die dem Erzählstrang den roten Faden liefern. In erster Linie sind das Arnau, sein Vater Berat, Joan und der Pater Albert. Später finden noch weitere wichtige Personen Eingang in das Handlungsgemenge. Für sie interessiert man sich, möchte jede Einzelheit ihres Lebens mit ihnen teilen, und man empfindet Sympathie, Anteilnahme oder je nach Lage der Dinge auch Hass.
Aus den Anfängen einer ländlichen Gemeinschaft, der Hochzeit von Berat mit Francesca, in der es zuerst noch heiter und fröhlich zuging, erblüht ein Roman, der die Zeit in ausufernder und mit Detailkenntnissen versehener Manier ausmalt. Die Architektur, Kriege, Inquisition, Marterungen und Fehden zwischen Adelshäusern bieten ausreichend Stoff, um einen spannenden Schmöker daraus zu erdichten.
Von gelegentlichen Längen einmal abgesehen kann man sich dem Sog der Lektüre nicht entziehen.
Die Personifizierung von Geschichte ist lehrreich, weil trockene Daten ein Gesicht bekommen.

Der erste Roman von Ildefonso Falcones, eines Anwalts aus Barcelona, steht schon lange auf Bestsellerlisten und wird sicher seinen Erfolg fortsetzen!

Rezension von Claudine Borries

Ildefonso Falcones
Die Kathedralen des Meeres
Das Mittelalter, die Grausamkeit und das Glück
ISBN:3502100977
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